Artikel aktualisiert am 27.07.2017

Sandra Schneider von den Vox-Pferdeprofis hat ihr erstes Buch geschrieben. Ich habe die ersten Seiten aufgeschlagen und wollte es nicht mehr weglegen, bis ich es fertig gelesen hatte. Sie erzählt aus der Sicht eines Pferdes, was der Mensch bei Aufzucht und Beritt alles gnadenlos falsch machen kann. Dazu Fachwissen, warum und wie es anders laufen müsste. Die Geschichte wird dich sicher auch beim Lesen sofort berühren.

Das Erschreckende daran ist, dass sie vermutlich kein Einzelschicksal beschreibt, sondern den Werdegang vieler Pferde weltweit. Das Buch ist eingeteilt in verschiedene Kapitel von der Geburt, bis zu den großen erzwungenen Turniererfolgen. Wie zum Beispiel Honey die Menschen wahrnimmt, die sie zu früh und ohne jede Vorwarnung mit einem Tierarzt konfrontieren.

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„Denn Ihr fühlt nicht wie wir – Tagebuch eines Pferdes“

…heißt das Buch und ich kann es nach der Lektüre empfehlen. Sandra hat nicht nur ihr Expertenwissen in ein Sachbuch verpackt. Sie hat das Buch aus dem Blickwinkel einer Pferdestute geschrieben. Das macht umso begreiflicher, wie schlimm einiges ist, das wir den Pferden im Alltag antun.

  • Sie schreibt, wie das Fohlen die Welt direkt nach der Geburt sieht
  • wie es aufwächst und wie es von den Menschen immer wieder enttäuscht wird.

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Angst vor den Menschen

Inhalt Sandra Schneider - Denn Ihr fühlt nicht wie wir: Tagebuch eines PferdesHoney hat ab dem ersten Moment Angst vor den Menschen, weil sie zu schnell und brachial überfallen wird. Sie wird zu früh von der Mutter getrennt, sie wird kaum ein Jahr alt in eine Box gesperrt und muss dann zackig zu einem Bereiter. Der reitet sie zu schnell und zu früh zu, damit er sie bei Turnieren vorstellen und als Erfolgspferd trainieren kann.

Sandra beschreibt ihre Ängste so nah und echt, das dir beim Lesen die Tränen kommen werden. Sie schreibt aus der Sicht des Pferdes, wie das Verhalten der Menschen auf sie wirken muss und warum ihr scheinbar „bockiges“ Verhalten eigentlich immer schuld der Menschen ist, die sie falsch behandeln.

Es bleibt nicht allein bei der Geschichte der Stute…

Sandra Schneider verlässt nach jedem Kapitel und Lebensabschnitt der Stute in einer kurzen Zusammenfassung den Blickwinkel von Honey. Dann erklärt die Expertin, was falsch gelaufen ist in den einzelnen Lebenskapiteln der kleinen Stute und wie man es hätte besser machen können.

Das macht das Buch gleichzeitig zu einem Fachbuch, verdeutlicht aber auch durch den Blickwinkel des Pferdes, wie Pferde sich in den unterschiedlichsten Situationen fühlen. Das Buch rüttelt auf, es macht betroffen und gleichzeitig lehrt es einen besseren Weg.

Ich hoffe, dass viele Pferdemenschen und solche, die es von sich behaupten, das Buch lesen und über ihren Umgang mit den Pferden nachdenken. Ich zum Beispiel war dankbar nochmal zu sehen, dass es genau die richtige Entscheidung war, meine Stute bei ihren Geschwistern in der Pferdeherde aufwachsen zu lassen, bis sie alt genug ist um zugeritten zu werden.

Nachdem ich das Buch durchgelesen hatte, war ich betroffen und habe im Internet recherchiert und musste mit Entsetzen feststellen, dass Sandra sicher nur die Spitze des Eisbergs beschrieben hat. Das Schicksal von Honey ist ein Synonym für den Alltag vieler Pferde, die aus der Zucht in die Turnierreife „geprügelt“ werden. Ein Alltag, den viele vermutlich als normal empfinden. Denn Ausbildungsmethoden, die auf Brutalität statt auf Geduld setzen, gibt es viele.

Es geht zu oft um viel Geld oder menschliche Eitelkeit und leider viel zu selten um das Wohl der Tiere selbst.

Der Mensch kann so grausam sein

Dass es noch brutaler und schlimmer geht, wenn wir Menschen im Spiel sind, ist die schreckliche Wahrheit. Es gibt Pferde die festgebunden und geprügelt werden, um sie zu brechen. Das ist offenbar an der Tagesordnung. Methoden, die so schrecklich sind, dass man nur fassungslos, wütend und entsetzt da stehen und nicht begreifen kann, wie man den Tieren so etwas antun kann.

Es tut mir leid, wenn ich da kurz ausraste, aber ich kann und werde nie verstehen, warum wir Menschen die Tiere immer wieder wie seelenlose Gegenstände behandeln. Wie Instrumente, um unsere Macht zu demonstrieren, oft gedankenlos, manchmal auch bewusst und frei von jedem Mitgefühl.

Ich weiß auch gar nicht, was ich schlimmer finden soll. Diese unfassbare Brutalität, die immer wieder in der Realität bei der Ausbildung bewusst eingesetzt wird oder diese alltäglichen kleinen und großen Quälereien, die aus Unwissen oder Ignoranz passieren. Oder weil die gelernten Methoden nicht hinterfragt werden.

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Es ist unsere Pflicht den Tieren ein artgerechtes Leben zu ermöglichen

Ich finde, dass es an jedem Tierbesitzer ist, sich zu erkundigen und zu recherchieren, was das Tier braucht. Es ist unsere Verantwortung, uns um eine artgerechte Haltung und einen artgerechten Umgang zu kümmern, wenn wir uns ein Tier in die Familie holen.

Vielleicht täuschen wir uns auch und es mag sicher auch Pferde geben, die die Herausforderung mögen.  Ich für meinen Teil freue mich auf die Teamarbeit, gemeinsames Spazieren gehen, vielleicht sogar Freiheitsdressur? Wer weiß, das sehen wir dann – je nachdem, was das Pferd und ich mögen und gerne gemeinsam machen. Klar, auch Reiten und Gymnastizieren, aber eben in einer bunten Mischung.

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Das Fazit

Meine Stute soll die Zeit bekommen zu lernen, die sie braucht. Sie soll auf der Weide mit Artgenossen  auch mal Pferd sein dürfen und sie soll wissen, dass das Zusammensein mit mir fair, gerecht und mit Geduld und Spaß verbunden ist. Das ist kein einfaches Ziel, aber ich betrachte es als meine Aufgabe.

Das Buch von Sandra hat mich beim Lesen an vielen Punkten berührt und bestärkt. Es hat mich in den Parts, in denen es um Fachwissen und Erklärungen ging, mit Informationen versorgt und hat mir durch den Blickwinkel von Honey gezeigt, was an so vielen Punkten schief läuft und wie ich die Erziehung meines Pferdes nicht handhaben möchte. Ich freue mich deswegen sehr, dass Sandra Schneider sich dazu bereit erklärt hat, mit mir über ihr Buch, den Reitbetrieb und Pferdeausbildung zu sprechen.

Hier geht’s zum Interview mit Honey und Sandra

Unter anderem habe ich sie danach gefragt, wie man einen guten Ausbilder erkennen kann, damit man sein Pferd nicht unwissend an einen dieser brachialen schlechten Ausbilder gibt, die es leider gibt wie Sand am Meer. Und ich habe auch ein kleines Interview mit Honey geführt, der Stute, deren deren Schicksal Sandra Schneider in ihrem neuen Buch „Denn Ihr fühlt nicht wie wir: Tagebuch eines Pferdes“ beschreibt.

Pssst – Sandra trägt übrigens auch unser Fairtrade Bio Fashion Shirt HORSE bei den Vox Pferdeprofis:

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6 Kommentare zu “Buchtipp! Bittere Wahrheiten und ein gutes Ende: Das „Tagebuch eines Pferdes“

  1. Andrea Schulz sagt:

    Hallo.
    Die paar Zeilen haben mich sehr berührt. Ich möchte das Buch gerne kaufen.
    Wo bekommt man es?
    Liebe Grüsse
    Andrea Schulz

    • Petra sagt:

      Hallo liebe Andrea, das kann ich gut verstehen – es ging mir auch so. Das Buch bekommst du bald bei uns im Pferdeflüsterei-Shop – wenn du magst, kann ich dir per Mail bescheid geben, sobald es verfügbar ist? Ganz liebe Grüße, Petra

  2. Andrea Schulz sagt:

    Hallo Petra.
    Herzlichen Dank.
    Bitte schreibe mir kurz, dobald das Buch da ist.
    Ich freue mich.
    Liebe Grüsse
    Andrea

    • Petra sagt:

      Liebe Andrea, tadaaa – es ist wieder da :-) Ganz liebe Grüße und vielleicht ja bis bald, Petra

  3. Nadine sagt:

    Ich habe das Buch auch gelesen. Mir kamen auch manchmal die Traenen, da ich weiss, dass das ein Schicksal von den meisten Pferden ist. Jeder müsste das Buch lesen, bevor er sich ein Pferd kauft. Ich bin auf jeden Fall glücklich darüber, dass ich den Weg zum fairen Umgang mit meinem Pferd gefunden habe. LG Nadine

    • Petra sagt:

      Liebe Nadine, wie berührend – danke für deinen Kommentar. Ist das die Geschichte deines Pferdes, bevor du es bekommen hast? Oder hast du dich selbst so verändert? Weil du schreibst "Ich bin auf jeden Fall glücklich darüber, dass ich den Weg zum fairen Umgang mit meinem Pferd gefunden habe" – ich finde spannend, wie sehr wir uns verändern und an uns arbeiten können, wenn wir wollen und offen darin sind den anderen wahrzunehmen und zuzuhören. Auf jeden Fall viele liebe Grüße, Petra

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