Artikel aktualisiert am 05.06.2016

Pferde beeindrucken mich, sie berühren mich mit ihrem Mut und sie machen mich demütig mit ihrem Vertrauen in uns Menschen. Jeden Tag begeben sie sich für uns in Situationen, die ihrer Natur eigentlich widersprechen. Das mindesteste, was wir für sie tun können, ist der Partner an ihrer Seite zu werden, den sie brauchen, um sich sicher und beschützt zu fühlen. Jedes Pferd braucht etwas anderes, so wie wir Menschen auch verschiedenen sind. Deswegen müssen wir im Grunde nur lernen uns selbst und unser Pferd “mit dem Herzen zu sehen”…

Dafür machen sie uns ein großes Geschenk. Sie schenken uns Selbsterkenntnis, Glück, Zufriedenheit, Veränderung und Gelassenheit. Wenn wir lernen ehrlich in den Spiegel zu blicken, den sie uns vor Augen halten. Denn nur wenn wir authentisch, echt und wahrhaftig sind, wird das Pferd uns respektieren und vertrauen.

“Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.” (Der kleine Prinz)

Wir können Pferde trainieren, wir können ihnen Tricks beibringen und sie kontrollieren. Wir können ihnen und uns selbst etwas vorspielen und werden sie damit im Besten Fall verwirren und im schlimmsten Fall verängstigen. Da sie Harmoniewesen und Fluchttiere sind, werden sie das Spiel aller Wahrscheinlichkeit nach trotzdem mitspielen. Die Pferde, die viel Stärke in sich tragen werden vielleicht sogar kämpfen. So oder so – werden sie uns nie das geben, was sich wahre Pferdemenschen von ihrem Pferd wünschen: Ihr Herz und ihr Vertrauen. Das müssen wir uns erst verdienen. Auch, indem wir lernen wir selbst zu sein.

Partnerschaft mit deinem Pferd

Es gibt so oft Menschen, bei denen man das Gefühl hat, dass Worte und Taten nicht zusammen passen. Menschen, die sich selbst und anderen mehr oder weniger etwas vorspielen. Im Grunde tun wir das alle manchmal – mal mehr, mal weniger. Ich auch. Das ist einfach nur menschlich und auch das ist okay. Wir müssen es einfach nur annehmen und etwas Positives daraus machen. Das versuche ich jeden Tag, spätestens wenn ich am Stall aus meinem Auto steige und bei meinem Pferd bin. Manchmal gelingt es, manchmal nicht. Auch darüber denke ich nach. Auf der Heimfahrt zum Beispiel. Oder wenn ich die vielen Facebooknachrichten lese, die vielen Bilder sehe von Menschen die sich selbst in den höchsten Tönen loben und frage mich, wie ehrlich sie wirklich mit sich und den anderen sind.

Wer wir sind und wer wir sein können

Eigentlich wollen wir doch das beste Ich sein, das wir sein können. Aber das können wir nur werden, wenn wir unsere Stärken und auch Schwächen kennen, wenn wir offen und neugierig bleiben und wenn wir uns in die Augen und in den Spiegel schauen. Es ist doch eigentlich etwas Gutes, wenn wir ehrlich mit uns selbst sind und an uns arbeiten. Und trotzdem gibt es so viele Menschen, die diesen Blick mehr oder weniger scheuen.

Vielleicht weil sie Angst vor dem haben, was sie sehen könnten, vielleicht aufgrund ihrer Vergangenheit, vielleicht weil sie dann manches ändern müssten oder auch mal „Nein“ sagen müssten oder lernen müssten, dass nicht immer die anderen Schuld sind, vielleicht weil sie sich dann eingestehen müssten, dass sie in der Vergangenheit manches falsch gemacht haben und zum Beispiel ihr Pferd darunter leiden musste, vielleicht weil es sich im ersten Moment bequemer anfühlt in der Komfortzone zu bleiben.

Aber eigentlich ist die oft ganz schön unbequem – wir merken es nur nicht. Das ist schade, denn wir betrügen uns damit um die Chance wirklich zufrieden zu sein. Und in letzter Konsequenz nehmen wir den Pferden im Zusammensein mit uns all das was sie sind. Ihre Persönlichkeit, ihren Willen, ihre Neugier und Lebensfreude und bekommen am Ende für die Zeit unseres Zusammenseins eine Maschine, die funktioniert oder sogar still steht.

HIER findest du noch mehr Gedanken zu diesem Thema: “Ich habe Angst und bin unsicher! Fühlst du mit?”

Die Weisheit der Pferde

Pferde sind so unglaublich weise Geschöpfe, sie erkennen uns und unsere kleinen und großen inneren Baustellen innerhalb von Sekunden. Dann ist es an uns Menschen ihnen zuzuhören und sich auf diesen Weg der Wahrhaftigkeit zu begeben, den die Pferde von uns fordern, bevor sie uns ihr Vertrauen und ihre Mitarbeit schenken.

Pferd vor Flatterband

Flattertor

Wir Menschen sind wahnsinnig gut darin uns selbst zu täuschen und damit täuschen wir in letzter Konsequenz auch die anderen um uns herum. Oder wir versuchen es zumindest. Jeder von uns.

Wir malen uns ein Bild von uns selbst und an diesem Bild wollen wir festhalten – manche Menschen müssen das sogar, um sich selbst annehmen zu können. Ich stehe mittlerweile da und kann nicht mehr verstehen, wie man sich selbst so belügen kann. Es mag sich für den Moment ganz nett anfühlen, aber langfristig werden wir dadurch zu Gefangenen in uns selbst. Und auf Dauer macht das auch nicht glücklich oder zufrieden. Wir haben nur das eine Leben, vermutlich. Vielleicht kehren wir auch als Ameise oder Blume wieder, vielleicht aber auch nicht. Deswegen sollten wir doch das Schönste und Beste aus diesem Leben machen. Das können wir aber nur, wenn wir ehrlich zu uns sind. Mit jedem Blick in den Spiegel lernen wir etwas dazu – ein wunderschöner Weg. Und ich würde mir wünschen, dass alle Menschen ihn gehen. Wirklich ehrlich mit sich selbst, denn das ist der wahre Weg zur Zufriedenheit. Da kommen auch die Pferde ins Spiel. Denn sie erkennen die Wahrheit sofort und spiegeln sie durch ihr Verhalten.

Soll ich durch?

Wir müssen uns selbst etwas wert sein. Niemand anderes kann uns das Geschenk der inneren Stärke machen – nur wir selbst.

Wie wir unsere Stärke finden können

Wir können diese Stärke, die innere Ruhe und die Zufriedenheit nur bekommen, wenn wir authentisch sind, wenn wir uns in die Augen sehen und uns unabhängig von den Meinungen der anderen mit uns selbst anfreunden. Es ist im Grunde das Geschenk der Wahrhaftigkeit. Das mag kitschig klingen, aber eine Ahnung von diesem Geschenk haben mir meine Reisen und vor allem die Pferde gemacht. Noch nicht ganz und auch nicht immer – letztlich ist es ohnehin ein Lebenslanger Weg. Aber nur wenn wir wahrhaftig sind, wenn wir ganz bei uns sind, wenn wir in den Spiegel schauen – egal wie schmerzhaft sich das in dem Moment anfühlen mag, nur dann werden wir der Mensch werden, der wir wirklich sein können. Und nur dann werden wir der Partner an der Seite unserer Pferde sein können, den sie brauchen.

Geschafft - Pferd ist durch

Das ist ein Weg. Aber ich kann dir versprechen, dass es ein wunderschöner Weg ist. Manchmal anstrengend, manchmal schwierig, aber es lohnt sich. Das Leben ist soviel leichter, wenn man erst einmal gelernt hat auch sich selbst gegenüber offener zu sein. Das gelingt nicht immer und manchmal auch nicht besonders gut – aber es wird dich, dein Leben und die Beziehung zu deinem Pferd verändern. Diese Erfahrung habe ich dank meiner Stute gemacht. Ich beginne erst zu erahnen, wer wir zusammen sein können. Irgendwann. Vermutlich weiß mein Pferd schon ganz genau, wo ich stehe und wo ich irgendwann stehen kann. Aber sie ist geduldig mit mir und gibt mir die Zeit, Schritt für Schritt zu lernen. Das wird dein Pferd sicher auch für dich tun. Kommst du mit auf diesen Weg?

Pferd vor Plastikplane

Pferde machen glücklich

Pferde sind das große und kleine Glück. Sie schenken uns viel, wenn wir es zulassen. Sie helfen uns dabei uns selbst zu finden, wenn wir ihnen zuhören. Es mag esoterisch klingen, aber sie können uns ein warmes Gefühl der Zufriedenheit schenken. Sie geben uns Stärke, Mut, Selbsterkenntnis, Selbstwertgefühl, Ausgeglichenheit, Balance und Kraft. Wenn wir uns auf das Leben mit ihnen einlassen, wenn wir den Anspruch an uns haben sie zu verstehen, wenn wir das Ziel haben sie genauso glücklich zu machen, wie sie uns. Dann müssen wir sie mitreden lassen, wir müssen sie fragen, was sie brauchen und wer sie sind und wir müssen ihnen zuhören, wenn sie uns sagen, wer wir sind und wen sie an ihrer Seite brauchen.

Pferd trinkt

Das wahre Geschenk der Pferde

Meine Stute hat mir dieses Geschenk gemacht – immer wieder in kleinen und großen Momenten schenkt sie mir den Blick in den Spiegel. Denn nur, wenn ich ganz bei mir und damit auch ganz bei ihr bin, ist sie bereit ein Teil unseres Zweierteams zu sein. Wenn ich zu perfektionistisch bin, wenn ich Erwartungen habe, wenn ich mit meiner Aufmerksamkeit nicht ganz bei ihr bin, spiegelt sie mir das alles innerhalb von Sekunden. Durch sie habe ich gelernt mich selbst noch mehr zu analysieren, zu merken wann mir meine Wünsche und Erwartungen im Weg stehen. Dass es wichtig ist auszuatmen und einzuatmen und auszuatmen und ganz bei meinem Pferd zu sein.

Seitdem sie mir gezeigt hat, wie es sich anfühlt, wenn wir wahrhaftig sind, wenn wir kein Spiel spielen, wenn wir nicht so tun, als ob wir groß oder stark oder sicher wären, wenn wir es gerade nicht sind – kann ich ehrlich gesagt nicht mehr so gut damit umgehen, wenn Menschen sich nicht erlauben, der zu sein, der sie sind. Ich merke, dass diese Suche nach Echtheit, nach dem sicheren und starken Selbst für mein Pferd, mich verändert hat.

Skepsis an der Plastikplane

Ich schätze Menschen noch mehr als früher, die ihre Fehler kennen, die so mutig waren in den Spiegel zu schauen und die es immer noch sind. Menschen, die sich kennen und über sich lachen können. Menschen, die sich erlauben Angst zu haben und Fehler zu machen, die authentisch sind in ihren Gefühlen. Ich möchte keine Spiele mehr spielen, möchte nicht so tun als ob, weil mein Pferd mir gezeigt hat, wie schön es sein kann, wenn wir wahrhaftig sind. Mit all den Fehlern, die wir machen können. Auch das ist wahrhaftig. Es ist echt und ehrlich. Genau das ist es, was unsere Pferde von uns brauchen.

Schnell weiter...

Sie merken, wenn wir so tun als ob. Sie merken, wenn wir ihnen etwas vorspielen. Vielleicht können wir unsere Mitmenschen täuschen, vielleicht auch uns selbst – aber nicht unsere Pferde. Warum also nicht einfach tief einatmen, ausatmen und den Blick in den Spiegel wagen. Warum nicht einfach unsere Pferde fragen, was sie in uns sehen?

Moment, nicht drängeln

Das Leben ist dazu da, um zu lernen. Um Schritt für Schritt weiterzukommen. Es ist ein Teil des ganzen und genau das macht das Leben so wunderschön und bunt. Nicht, wenn wir verharren aus Angst Fehler zu machen oder nicht gut genug zu sein, auch nicht wenn wir uns selbst oder anderen etwas vorspielen oder wenn wir auf der Suche nach dem großen Glück die kleinen Momente der Zufriedenheit übersehen.

Wie wir lernen können unsere Gefühle anzunehmen

Jeder Mensch hat Momente, in denen das nicht gelingt. In denen man sich ärgert oder in alte Gewohnheiten verfällt. Ich zum Beispiel bin meistens dann nicht bei mir selbst und verfalle in den alten Perfektionstrieb, wenn mir jemand zusieht bei dem was ich mache. Das spiegelt mir meine Stute sehr schnell.

HIER beschreibe ich eine Situation, in der meine Stute mit mir gesprochen und ihre Meinung gesagt hat – Das Pferd widersetzt sich: Was tun wenn das Pferd so deutlich „Nein“ sagt

Auch dann gelingt es mir nicht immer, mich selbst zu packen und diese alten Gewohnheiten abzuschütteln – aber ich weiß, dass es so ist, kann darüber lächeln und es so annehmen wie es ist. Meiner Stute für ihre gnadenlose Ehrlichkeit danken und daran arbeiten. Für das nächste Mal. Und mit jedem Tag, jedem Moment, jedem Blick in diesen ehrlichen Spiegel, lernen wir dazu und werden nach und nach der Mensch, der wir sein können. Nicht heute und nicht morgen – nicht in einer Stunde oder einer Minute – sondern Schritt für Schritt ein Leben lang.

Plastikplane - gar nicht schlimm

Wie die Pferde uns ihre Meinung sagen

Dein Pferd redet mit dir, das macht es mit seiner Mimik und Gestik. Es spiegelt dir durch sein Verhalten ob du authentisch bist. Wenn dein Pferd sich weigert etwas zu tun oder anders handelt als das, was du dir eigentlich gewünscht hast, dann sagt es dir etwas damit.

  • Sei es, dass deine Körpersprache noch nicht richtig war
  • Sei es, dass dein Handeln und deine Gefühlswelt nicht zusammenpassen

Es ist zum Beispiel in Ordnung für dein Pferd wenn du Angst hast. Das kennt es als Fluchttier. Deinem Pferd ist nur wichtig, wie du mit deiner Angst umgehst. Wenn du authentisch bist, deine Angst erkennst und annimmst und aus ihr etwas positives machst, wird dein Pferd das schätzen und anerkennen. Es hat dir deine Angst zum Beispiel durch seine Nervosität oder Weigerungshaltung gespiegelt. Wenn du zuhörst und daraus lernst, werdet ihr gemeinsam zu einem besseren Team werden. Das gilt nicht nur für Angst, sondern für all deine Gefühle und Schwächen. Dein Pferd kann dir beibringen daraus Stärken zu machen. Wenn du ihm zuhörst.

Es kann im Grunde zu deinem Persönlichkeitscoach werden, wenn du es lässt. Es kann dir dabei helfen du selbst zu sein und wird dadurch zufriedener in deiner Gegenwart werden, weil es ohne alle Masken sieht, wer da wirklich vor ihm steht.

Hier findest du noch einen Artikel zum Thema: “Angst und Unsicherheit mit dem Pferd? Warum die Lösung in uns selbst liegt”

Leben bedeutet, sich auf den Weg zu machen

Leben ist, sich auf den Weg zu machen. Das Gestern zu kennen, das Morgen zu ignorieren und im Jetzt zu sein. Leben bedeutet du selbst zu sein oder du selbst zu werden. Egal, wo du dich gerade befindest. Wenn du ein Pferd an deiner Seite hast und ihm zuhörst, wird es dir ganz schnell sagen, wo du gerade stehst und es wird dir helfen zufriedener, glücklicher und dir deines Selbst bewusster zu werden. Mit all den Ecken und Kanten, die du hast. Die gehören zu dir und es ist doch so viel schöner sie zu erkennen, anzunehmen und über dich selbst vielleicht auch manchmal zu lachen – als mit einer mehr oder weniger großen Maske zu leben. Ich kann dir versprechen, dass du mit deinem Pferd zusammenwachsen wirst, wenn du bereit bist so ehrlich mit dir zu sein und an dir zu arbeiten. Du bekommst aber nicht nur die Freundschaft deines Pferdes dafür – du bekommst auch dich selbst.

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12 Kommentare zu “Partnerschaft Pferd: Warum es so wichtig ist, dass wir lernen wir selbst zu sein

  1. Sarah sagt:

    Besser hätte man es nicht ausdrücken können. Ich bin tausend Prozent deiner Meinung.
    Ganz lieben Dank für den schönen Artikel!
    Es ist schön und wichtig, dass es dich und deine Seite gibt. =)
    Liebe Grüße,
    Sarah

  2. Christina sagt:

    Liebe Petra,
    der Artikel ist wirklich sehr schön geworden! Und so wahr! Ich mache auch zur Zeit die Reise zu mir selbst und der, der es veranlasst hat, ist mein Pferd :) Wir sind 6 Jahre schon Seite an Seite, die ersten Jahre waren eher ein Aufdecken meines Innersten – auch ich habe mich unbewusst belogen und es war hart es so im Spiegel – Pferd zu sehen. Aber nun, über das Annehmen dieser Dinge und das Akzeptieren, das es nun einmal zu dieser Zeit ein Teil von mir ist, wächst auch unsere Beziehung zueinander. Ich kann wieder im hier und jetzt sein, es genießen einfach nur bei ihm zu sein. Ich habe nun das Gefühl ihn einfach besser zu verstehen, ihm mehr und mehr in die Seele blicken zu können… Ein unbeschreibliches Gefühl! Ich muss auch sagen, jetzt freu ich mich drauf, dass mein Pferd weitere Dinge aufdecken wird, an denen ich arbeiten kann – denn wenn man sich wirklich gut kennt und akzeptiert, dann kann das Leben so schön sein!
    GLG und weiter so!! :)

    • Petra sagt:

      Liebe Christina, danke für deine Gedanken zu dem Thema. Mir geht es ähnlich wie dir – wenn man einmal damit angefangen hat sich auf all die Veränderungen einzulassen und diese Ehrlichkeit, kann man gar nicht mehr aufhören, weil man merkt wie sehr es einen bewegt und verändert. Und ein großes Stück dieses Weges verdanke auch ich meinem Pferd oder den Pferden generell. Ich bin gespannt, wo uns diese Reise noch hinführen wird und schicke dir liebe Grüße, Petra

  3. Nadja sagt:

    Ich finde den Text deswegen so wichtig, weil er das Pferd irgendwie von hinten aufzäumt. Weil uns allen ja immer und überall gesagt wird (auch von uns selbst), dass wir besser werden müssen, um dem Pferd gerecht zu werden, dass wir uns mehr anstrengen, mehr hinhören, mehr hinspüren müssen (während du schreibst: lerne einfach, du selbst zu sein). Dem allen liegt die Vermutung zu Grunde, dass wir, so wie wir selbst sind, eben nicht genug sind fürs Pferd. Wären wir das, müssten wir uns schließlich nicht verändern. Auf der einen Seite ist dieser Wille sich zu verbessern, natürlich wichtig – für uns und das Pferd. Wir wollen schließlich nicht in alten, schlechten Gewohnheiten stecken bleiben und dazulernen. Auf der anderen Seite ist die ständige Selbstoptimierung aber auch schädlich. Weil wir nie zufrieden sein können, überkritisch werden – verlernen uns so zu nehmen, wie wir sind. Und da schließt sich der Kreis zur Authentizität, die du ansprichst. Ich glaube wie du, dass, wenn wir wir selbst sind (und uns so auch mögen), wir dem Pferd ein angenehmer Partner sind, da uns nicht die Aura des Zweifelns umgibt. (Sich selbst mögen bedeutet ja auch nicht, sich allem anderen zu verschließen und auf seine Überlegenheit zu pochen.) Und auf dieser Basis können wir weiterhin lernen, was wichtig für uns und das Pferd ist.

    • Petra sagt:

      Mir geht es da wie dir – ich glaube immer mehr, dass wir vor allem zu uns selbst finden müssen, um dann ein lesbarer und authentischer Partner zu sein. Damit können Pferde besser umgehen als mit all den Versuchen stark zu sein. Echte Stärke ist ja nicht Fehlerfrei oder laut oder körperlich stark zu sein – echte Stärke bedeutet sich zu kennen und die eigenen Schwächen anzuerkennen und damit umgehen zu können. Das ist gar nicht so einfach. Wir selbst zu werden, bedeutet absolut offen zu bleiben und neue Wege zu gehen, sich zu hinterfragen, aber eben mit einem wohlwollenden Gefühl einem selbst gegenüber. Das sehe ich wie du. Es bleibt wirklich spannend, wohin uns dieser Weg noch führen wird – aber ich mag die Richtung sehr :-) Ganz liebe Grüße, Petra

  4. Miriam sagt:

    Liebe Petra,

    vielen Dank für diesen Artikel :) . Du schaffst es immer wieder die Themen zu treffen, die mich gerade beschäftigen.
    Mein Ponymann hat anscheinend gerade einen Entwicklungsschub. Er zahnt gerade, hat für sich entdeckt, dass es drei Gangarten gibt und nicht nur Schritt und Trab, bekommt gerade etwas mehr Körpergefühl, aber ist auch etwas launisch gerade. Nun war meine Schwester ein paar Tage da und wir waren natürlich auch beim Ponymann. Nun ist sie nicht gerade überzeugt von meinem Umgang mit meinem Pony. Sie ist der Meinung ich sollte viel strenger mit ihm sein, mehr von ihm fordern und nicht "so viel durchgehen lassen". Nach außen hin, tat ich immer so als ob mich ihre Meinung nicht berührt.
    Allerdings ist mein Pony im Training jedes Mal eine absolute Katastrophe, wenn sie dabei ist. Er zeigt sich genau so, wie sie mir prophezeit, dass er irgendwann wird. Respektlos, rüpelhaft und unkonzetriert. Die Tage war es sogar so, dass er nach meinem Bein und meiner Hand geschnappt hat. Etwas, was er seit Fohlenalter nicht mehr gemacht hat. Ich war enttäuscht und zornig. Warum stellt er mich so bloß? Mir kam der Gedanke, ich tu doch alles für ihn und er dankt es mir so.
    Natürlich weiß ich, dass ich keine Dankbarkeit von ihm erwarten kann, aber ich hätte heulen können. Nichts von dem was ich meiner Schwester erzählt habe, was er schon so toll kann, hat geklappt. Er ist im Galopp duch die Halle gedüst, statt mit mir auf dem Zirkel zu üben, hat nach mir geschnappt, nach Leckerlies gebettelt und war insgesamt einfach unmöglich. Am liebsten hätte ich mich auf den Hallenboden gesetzt und geheult vor Wut und Enttäuschung.
    Mit ein paar Tagen Abstand versteh ich nun was passiert ist. Mir ist gerade die Meinung meiner Schwester nicht egal. Ich möchte ihr so gerne beweisen, dass mein Umgang mit meinem Pony nicht zu den von ihr prophezeiten Ergebnissen führt. Was es im Normalfall ja auch gar nicht tut. Aber in diesem Fall möchte ich Recht haben ;) .
    Mein Pony spürt genau, dass es, wenn sie dabei ist nicht um ihn, sondern um mein Ego geht. Er ist halt soviel schlauer als ich ;) . Das duldet er nicht. Und er hat ja auch Recht. Das passiert mir leider immer wieder. Sobald jemand mit im Stall ist, möchte ich zeigen wie toll er ist und irgendwo natürlich auch wie toll ich ihm alles beigebracht habe. Solche Eitelkeiten sind nicht in seinem Sinne. Er kann vor Publikum so toll sein, aber nur, wenn ich nicht versuche mein Ego aufzupolieren, sondern es um unseren Spaß geht. Den Spaß, den wir sonst auch haben. Den ich sonst mit meinem höflichen und respektvollen Ponymann habe, bei dem ich mir keine Gedanken um meine Sicherheit machen muss.
    Es gibt immer wieder zu lernen und ich hoffe, dass ich in Zukunft nicht mehr in diese Falle tappe.

    Liebe Grüße
    Miriam

    • Petra sagt:

      Liebe Miriam, da können wir abklatschen ;-) Ich kenne das ja auch so gut. Wir haben eben zwei sehr sensible und kluge Pferde, die genau wissen, was in uns vorgeht. So wie die meisten Pferde, die auch mal mitreden dürfen. Auch wenn es im ersten Moment frustrierend ist, denke ich mir dann immer – dass ich wieder etwas dazulerne dadurch. Und darauf kommt es am Ende an. Ich glaube ja fast, dass wir immer wieder in diese Fall tappen werden ;-) Aber solange wir den Pferden zuhören und daraus lernen, ist alles gut. Ganz liebe Grüße an deinen süßen Ponymann und dich, Petra

  5. Sabine sagt:

    Hallo Petra!
    Ich freue mich ehrlich, dass ich auf diesen Artikel gestoßen bin. Ich habe noch lange nicht alles gelesen – aber was ich las – trifft mich. Seit 19 Jahren lehrt mich mein Pferd, die Welt besser zu verstehen. Ich hatte ihn 3jährig gekauft.
    Vor einem halben Jahr ist ein 1 1/2 Jähriger dazu kommen. Und wieder ist alles neu und spannend und anders …
    Was mir hilft sind sind deine Worte!
    Danke dafür!!!
    Sabine

    • Petra sagt:

      Hallo Sabine, wie schön – das freut mich sehr! Ich tippe ja immer meine Gedanken in den Rechner und bin dann immer ganz berührt von den wunderschönen Kommentaren und dass es anderen auch so geht. Ich wünsche dir ganz viel Spaß und schöne Momente mit deinem Kleinen und freue mich, wenn du mal wieder hier vorbeisurfen magst. Alles Liebe, Petra

  6. Fabienne sagt:

    Liebe Petra, all diese Worte tun mir gut☺️ ja das Lächeln hilft viel und trotz all meinen Bemühungen sitze ich manchmal da und weine weil ich denke,dass ich nicht gut genug bin zu meinem Pferd. Diese Momente wo ich mich dabei ertappe nicht Fair genug zu sein weil ich die ungeduldige Seite an mir nicht immer zähmen kann. Ich kenne mich glaube ich mitlerweile recht gut und versuche mein Verhalten zu Reflektieren aber ja es ist schwer immer gut,aufrichtig und ehrlich zu sein. Wir Menschen sind im Grunde mit wenig Sinn für das Feine ausgestattet, dies macht die Arbeit mit unseren Liebsten zur täglichen Herausforderung. Diese bereichert mein Dasein jedoch und gibt mir Hoffnung den richtigen Weg zu begehen. Durch Texte wie diesen weis ich,ich bin nicht allein. Danke! Fabienne

    • Petra sagt:

      Liebe Fabienne, ich denke, dass wir alle Baustellen haben und bin immer wieder dankbar, dass unsere Pferde so unglaublich geduldig mit uns sind. Ich denke aber auch, dass du bestimmt sehr viel auch ganz toll machst – allein schon, dass du dir so viele Gedanken machst. Das weiß auch dein Pferd sicher zu schätzen. Lass dich nicht stressen und am Ende ist es ja immer ein Weg – und so ein Weg braucht eben ein bisschen Zeit und einige Schritte :-) Ganz liebe Grüße, Petra

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