Artikel aktualisiert am 20.02.2017

Du bemühst dich um den perfekten Sitz und dabei verhedderst du dich zwischen deinen Armen und Beinen und deiner Hüfte? Es gibt hilfreiche Bilder, die es dir einfacher machen können einen guten Sitz zu entwickeln. Das Pferd ist eine Flasche, du bist eine Boje und kein Rucksack. Wir dir das weiterhelfen soll? Ganz einfach!

Ich erzähle dir von einer Reitstunde, die in mir einen Knoten gelöst hat. Nur dank hilfreicher Bilder.

Das Pferd ist eine Flasche, du bist eine Boje und kein Rucksack!

Was? Fragst Du Dich jetzt vielleicht. Ich erkläre Dir, wie Dir dieser Satz einfach und schnell weiterhelfen kann.

Innere Bilder – Flaschen und Bojen

Manchmal sind die Dinge so einfach. Da bemühe ich mich seit Monaten um den perfekten Sitz* und will Gewichtsverlagerung herbeizaubern. Dazu die feinen Hilfen*. Oh mein Gott, diese fiesen feinen Hilfen! Ich will sie gerne beherrschen, aber leider scheitere ich immer wieder an mir selbst. Als Frau, die mit einer tendenziell vorhandenen Rechts-Links-Schwäche ausgestattet ist, sowieso.

Petra_auf_Sassou

Also verlagere ich das Gewicht nach links und rechts, gebe Signale mit dem inneren Bein und dem äußeren Bein, nehme den Zügel leicht an, aber nicht zu viel (hoffe ich zumindest) und frage mich wie diese Schulterkontrolle eigentlich genau funktionieren soll.

Dafür hat die Reitlehrerin drei Mantras. In Slow Motion Geschwindigkeit wiederholt sie sie immer wieder gebetsmühlenartig:

DIE drei wichtigsten Mantras

  1. Das Pferd ist eine Flasche
  2. Du bist eine Boje
  3. Sei kein schwankender Rucksack

Der Rucksack!

Das Bild: Stell dir vor du bist auf einem schmalen Gebirgspfad unterwegs. Rechts und links ist ein reissender Abhang in die Tiefe und du hast einen Rucksack senkrecht auf den Rücken geschnallt.

Was würdet du dir dann von diesem Rucksack wünschen? Dass er so wenig schwankt wie möglich, natürlich.

  • Damit du nicht aus dem Gleichgewicht gebracht wirst
  • Damit du nichts ausgleichen musst
  • Damit der Rucksack da oben so wenig wie möglich stört

DAS ist für mich das einfachste, logischste und beste Bild, das mir jemand an die Hand gegeben hat, seitdem ich mit dem Reiten angefangen habe. Ich will kein Rucksack sein! Du auch nicht?

Die Boje!

Das Bild: Stell dir vor du bist eine Boje auf dem Wasser. Stell dir vor, dass du wie eine Boje auf dem Wasser immer schön den Oberkörper gerade hältst. Egal wie sehr das Wasser schwankt (und das Wasser ist in meinem Fall ein Pony namens Sassou, das explizit als Nicht-Anfängerpferd angekündigt wurde, weil Sassou nur richtig reagiert, wenn man als gelassene Boje auf ihr sitzt und feine Hilfen gibt – wenn nicht schüttelt Sassou mit dem Ponykopf und übernimmt das Kommando).

Wenn du dich als klare feine und elegante Boje auf deinem Pferd bewegst, dann reagiert es feiner. Du wirst sehen. Denn du bringst dein Pferd nicht aus der Balance und kannst so feinere und klarere Hilfen geben.

Die Flasche! A.k.a. Schulterkontrolle

Sasou

Wenn ich da oben also als schwankender hektischer Rucksack die Boje in mir vergesse, dann zeigt Sassou mir sehr rasant was sie davon hält: nichts! Und hier kommt die Flasche ins Spiel.

Die Übersetzung dieses Mantras ist eigentlich ganz einfach.

Das Bild: Stell dir vor du bist eine Flasche. Pferde sind gerne in sich gerade, weil sie dann die beste Balance haben.

  • Wenn du also die Schulter unter Kontrolle haben willst, dann musst du auf den Kopf deines Pferdes achten.
  • Wenn der Pferdekopf dezent beginnt in eine Richtung zu zeigen, dann wird der Popo sehr schnell in die andere Richtung ausschwenken und das Pony verabschiedet sich mit dir auf dem Rücken in die andere Richtung.

Wenn Du aber beachtest, dass Dein Pferd als Flasche (das es aber absolut nur im übertragenen Sinne ist) immer den Hintern und Kopf in eine gerade Linie bringen will. Dann kannst du dein Pferd über verschiedene Punkte wieder in eine gerade Stellung bringen.

  • Zum Beispiel in dem du den Flaschenboden (Hinterhand) wieder durch das Anlegen des äußeren Beines zurückjustierst. Dann wird der Flaschenhals (Vorderhand und dann Kopf) auch folgen.
  • Oder indem du den äußeren Zügel leicht annimmst justierst du den Flaschenhals wieder zurück und sagst der Flasche gleichzeitig mit dem inneren Bein, dass sie gerade zu bleiben hat.

An dieser Stelle also Danke an die sture und entzückende Sassou, die du eine perfekte Lehrmeisterin für mich bist. Danke für deine Geduld mit mir und danke an alle Schulpferde, die mit uns so viel erdulden und dank denen wir lernen dürfen. Dafür gibt es dann nach der Reitstunde auch immer ein Leckerli. So viel Geduld muss belohnt werden.

FRAGE: Hast du vielleicht auch Bilder parat? Ich finde sie helfen ungemein. Schreib sie mir in einem Kommentar. Ich sammle sie gerne alle ein.

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12 Kommentare zu “Sei eine Boje mit Flaschenpotential: Mit drei Bildern zu einem guten Reitersitz

  1. Miriam sagt:

    Liebe Petra,

    das hört sich richtig gut. Richtig viele tolle Bilder und für mich hilfreiche "Eselsbrücken" konnte ich aus dem Buch "Reiten aus der Körpermitte" von Sally Swift ziehen. Sie arbeitet hier sehr viel mit Bildern und dem gesamten Körper und erklärt auch gut Zusammenhänge. Ich habe z.B. immer krampfhaft versucht meinen Absatz nach unten zu bringen bis ich irgendwann mal kapiert habe, dass ich das nie schaffen werde, wenn ich nicht den Rest vom Bein locker lasse.

    Liebe Grüße
    Miriam

    • Petra sagt:

      Liebe Miriam, vielen Dank für den Hinweis – Sally steht schon auf meiner Einkaufsliste. Ich, die ich nie Fachbuchleserin war, staple gerade Fachbücher bis an die Decke auf meinem Tischlein. Irgendwann kann man mich zwischen all den Büchern nicht mehr entdecken ;-) Heute kam die Erkenntnis dazu, dass der Rücken automatisch mittig platziert wird, wenn ich das Bein etwas nach hinten nehme. Ich bin also auch noch eine Flasche ;-) Alles Liebe und danke für den Tipp, Petra

  2. Nadja sagt:

    Ich kann mich Miriam da voll anschließen. Das Gute bei Sally Swift (auch wenn die Bücher nicht so einfach zu lesen sind), sind diese Bilder und Vorstellungen, mit denen sie arbeitet. Sie schreibt zum Beispiel nicht "Absätze runter" sondern "Wachse mit deinen Beinen wie die Wurzeln eines Baumes in den Boden". Das hat zur Folge, dass du nicht andere Muskelgruppen festmachst, während du die Absätze runter drückst, sondern das Ganze entspannter angehst (und deswegen die richtigen Ergebnisse erzielst).

    • Petra sagt:

      Ich bin heute schon mit kleinen Wurzeln Richtung Boden gewachsen, das Bild hat sich direkt in meinen Kopf gesetzt. Vielleicht ist Sassou deswegen heute so entspannt mit mir gehoppelt, weil sie die Wurzeln gespürt hat ;-) Das Buch landet definitiv auf meiner Leseliste, danke Euch für den Hinweis!! Liebe Grüße nach Spanien, Petra P.S.: Ich bin SO neugierig, ob Du meine Kleine vielleicht gesehen hast

  3. Pfridolin Pferd sagt:

    Prima, da hast du ja gleich zwei Reitlehrerinnen :) Sassou ist natürlich keine Flasche, aber offensichtlich funktioniert das Bild sehr gut, und das ist ja die Hauptsache!

    Die Frau hat auch viel Gutes über Sally Swift berichtet. Beim Mann klappt es allerdings auch so, obwohl der keine Bücher liest. ^^

    Faxe sagt, du sollst bitte nur Leuten beim Reiten zugucken, die das locker und entspannt machen, sonst kommt man nur auf dumme Ideen. Und da hat er recht.

    LG
    Dein Pfridolin

    • Petra sagt:

      Bitte verrate Sassou NIE, dass ich sie unter Umständen mit einer Flasche in einem Satz in Zusammenhang gebracht habe, DU herallerliebster Pfridolin. Das muss unter uns bleiben *Karottensack rüberschieb* Das würde sie mir nie verzeihen. Sie ist nämlich eine äußerst hübsche, eitle kleine Ponydame. Und wir sind ohnehin gerade erst dabei uns kennenzulernen, ich nehme an, dass das unsere Freundschaft nicht gerade fördern würde *hüstel* Wenn die Frau auch noch begeistert ist von Sally Swift, dann sollte ich mir das Buch unbedingt kaufen. Warst Du denn zufriedener mit der Frau, nachdem sie Sally Swift gelesen hatte?
      Faxe ist aber auch so ein kluger Watson an Deiner Seite, würde ich sagen. Entspannung war übrigens auch eine Erkenntnis, die ich aus einer der letzten Bodenarbeitsrunden mitgenommen habe. Aber darüber schreibe ich demnächst mal. Liebe Grüße von mir und ein zartes Schnauben von meiner kleinen Andalusierin, Petra

    • Petra sagt:

      Hallo Akki, danke für deinen genialen Kommentar – ich freue mich sehr, dass ich in der Blog-Hall-of-Fame-Roll bei Dir aufgenommen wurde. Ich war schon bei Dir drüben und habe festgestellt, dass Du und ich auch eine Nominierung gemeinsam haben. Wie lustig! Nadja hatte ich auch schon auf meiner Liste, als ich die Nominierung von Chevalie gesehen habe. Ich freue mich auch sehr auf den Austausch mit Dir und schick Dir ganz viele Grüße, Petra

  4. Caro sagt:

    Hallo Petra!

    Ich bin heute durch Zufall auf deine Seite gestoßen und muss sagen ich bin begeistert!
    Ich habe schon etwas rumgestöbert und finde es toll wie und was du schreibst.
    Übrigens werd ich mir gleich mal die Natural Horse kaufen gehen. ;) Bisher wusste ich nicht das es so eine Zeitschrift gibt.

    Weiter so!
    Liebe Grüße
    Caro

    • Petra sagt:

      Hi Caro, wie lieb. Ich freue mich über Deinen Kommentar, dankeschön! Hast Du denn selbst auch Pferde? Entschuldige, wenn ich zu neugierig bin :-) Die Natural Horse hat auch schon die zweite Ausgabe raus. Sie liegt schon brav bei mir bereit für eine gemütliche Leserunde. Ich bin gespannt, wie sie Dir gefällt. Liebe Grüße, Petra

    • Caro sagt:

      Ja, ich zähle eine 22 jährige Reitponystute zu meiner Familie. :)
      Sie heißt Dolly und ist jetzt schon seit 10 Jahren bei mir.
      Außerdem hat meine Cousine noch zwei Ponys um die ich mich mit kümmere. Eine davon, Stella, ist unser Youngster (sie ist 6) und wir machen uns jetzt langsam daran sie anzureiten. Das ist ziemlich aufregend. Vorallem wenn man alles so machen kann, wie man sich das selbst vorstellt/wünscht.
      Wir sind aber noch ganz am Anfang und grübeln gerade über die passende Ausrüstung.

      Ich freu mich auf kommende Geschichte über dein Stütchen und dich.

      Liebe Grüße
      Caro

  5. Petra sagt:

    Das ist wirklich sehr spannend! Ich habe mich auch ewig mit der Frage herumgeschlagen, wann und wie die Ausbildung anfangen soll. Wo und bei wem und auf welche Art und Weise. Was ist das Beste fürs Pferd? Und und und.. So viele Fragen! Meine Kleine kommt nächsten Sommer zu mir, dann ist sie 3,5 Jahre alt. So lange wollte ich sie noch in ihrem Herdenverband aufwachsen lassen und dann wird mit langsamer Bodenarbeit und Grundausbildung angefangen. Ich habe eine tolle Trainerin gefunden, die auch einen kleinen aber feinen Hof mit Weidehaltung hat und viel Bodenarbeit und Vertrauensarbeit macht. Das wird dann erst einmal unser Weg sein. Dann werde ich hier ganz viel berichten. Und ich freue mich sehr auf den Austausch mit Dir, wenn Du magst :-) Wie es bei Euch weitergeht, wie ihr es angeht. Ich glaube mittlerweile, dass es den einen Weg nicht gibt, sondern viele Wege ans Ziel führen und immer angepasst werden müssen an das Pferd und den Menschen und das individuelle Team. Hach, ist das spannend!

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