Stell dir vor ein Hund wird den ganzen Tag in den Zwinger gesperrt. Er darf nur eine Stunde pro Tag zum Spielen in den Garten. Andere Hunde sieht er nur wenn er einen Blick zum Nachbarzwinger wirft. Wenn der Hund nicht schnell genug läuft sobald das Herrchen ruft, weil er zum Beispiel gerade an einem Mäuerchen schnuppert, zieht der Besitzer dem Hund eins mit der Leine über. Er schlägt den Hund auch mal mit der Peitsche, wenn er nicht sofort gehorcht. Wenn der Hund nicht schnell genug beim Gassigehen mitläuft bekommt er einen Tritt und wenn er nicht brav genug ist, dann bekommt er eben ein Halsband mit Zugwirkung.

Und jetzt stell dir vor, der Hund ist ein Pferd.

Pferd eingesperrt in der Box

Das Pferd steht den ganzen Tag in der Box. Ab und an darf es aufs Paddock. Die anderen Pferde sieht es vor allem in der Nachbarbox. Wenn das Pferd nicht angaloppiert, bekommt es in der Reitstunde eins mit der Gerte gewischt. Wenn das Pferd nicht brav am Putzplatz stehen bleibt, schlägt der Mensch es schon mal. Und wenn es nicht schnell genug läuft nutzt der Mensch seine Sporen. Wenn das Pferd sich mit seinem Maul gegen das Gebiss wehrt, dann gibt es eben einen Sperrriemen.

Gar nicht so selten, dieses Szenario. Leider.

ACHTUNG: Wenn du Graustufen willst, dann ist dieser Artikel nicht der Richtige für dich. Ich bin jetzt einfach mal schwarz-weiß. Ich nehme mir das Recht heraus, meine anklagenden und pauschalen Gedanken in die Tasten zu tippen – ohne ständig zu erwähnen, dass es auch andere Beispiele gibt, ohne ständig abzuwägen oder politisch korrekt alle Zwischentöne einzeln zu benennen. Die Welt ist natürlich nicht nur schwarz-weiß und es gibt bei allen Punkten die ich erwähne sicher auch Nuancen, die ich auch benennen könnte. Wir alle machen Fehler und niemand ist perfekt. Auch ich nicht. Natürlich gibt es auch viele Positivbeispiele. Es gibt wunderbare Ställe mit Paddocktrails, Aktivställe und kleine aber feine Offenställe. Es gibt Reiter – egal ob Freizeit oder Turnier – die sich Gedanken um die Haltung und Psyche ihrer Pferde machen und ihrem Pferd ein echter Partner sind. Und ich liebe diese Menschen dafür. Es gibt auch immer mehr. Aber es gibt eben auch bei weitem nicht genug.

Hunde prügeln und Katzen treten?

Was viele bei einem Hund oder einer Katze entsetzlich fänden ist für viele bei Pferde offenbar vollkommen normal. Aber warum ist das so? Wieso darf ein Hund vor allem flauschig sein und muss nicht in erster Linie für seine Menschen auf den Punkt perfekt “funktionieren”? Hier spielt der Stallhund Flame gerade flauschig und süß mit mir. Flame ist brav und lieb und ein gut erzogener Hund – ohne, dass sie mit dem Stick zum Bravsein geprügelt wurde. Sie wurde einfach liebevoll und konsequent erzogen.

Hunde lieb Umgang

Wieso darf eine Katze machen, was sie will und wird auch geliebt, wenn sie mal ihre Krallen ausfährt.

Aber, wenn das Pferd nein zu etwas sagt, wird es viel zu oft gestraft dafür. Verstehe mich nicht falsch – ich finde toll, dass wir mit Hunden und Katzen unterm Strich so liebevoll umgehen und weniger Erwartungen haben, als zum Beispiel an die Pferde. So sollte es immer sein. Tiere sollten auch einfach nur sie sebst sein dürfen, liebevoll behandelt werden und gut gehalten. Pferde sind nicht Hunde und Hunde sind nicht Katzen – jede Tierarrt braucht eine artgerechte Sprache und Ansprechhaltung. Aber ich nehme diesen Vergleich, um zu zeigen wie ungerecht manches ist. 

Katze tiergerechte Behandlung

Pferd eingesperrt in der Box nahe

Ich frage mich manchmal, was passieren würde, wenn wir tagtäglich im Park sehen würden, dass Hundebesitzer so mit ihrem Tier umgehen, wie es in vielen Reitställen Alltag im Umgang mit Pferden ist? Oder wenn wir sehen würden wie ein Katzenbesitzer seine Katze tritt oder anderweitig körperlich abstraft, weil sie ihn vielleicht kurz gekratzt hat?

Wieso scheint dieser Umgang so komplett in Ordnung zu sein in so vielen Reitställen? Wieso zum Beipsiel sind Ausbinder Alltag, aber ein Hundehalsband mit Zugwirkung wird mit Entsetzen betrachtet?

Klar, gibt es sicher auch die Menschen, die mit all ihren Tieren nicht gut umgehen. Aber viel zu oft kann man doch einen Umgang mit Pferden beobachten, der im besten Fall als nicht-artgerecht bezeichnet werden kann, im schlimmsten Fall als Gewalt. Aber genau dieser Umgang wird in der Pferdewelt oft gar nicht als Gewalt betrachtet.

Man “setzt sich ja nur durch”. Der “Gaul” würde ja sonst machen, was er will. solche und andere Sätze kommen dann. Manchmal ist der Mensch auch gar nicht brutal oder körperlich in seinem Anspruch – aber die Erwartungshaltung an Pferde ist oft einfach wahnsinnig hoch. Auch bei Kleinigkeiten, wie dem Hufe geben zum Beispiel. Was absolut Vertrauenssache für ein Pferd ist – immerhin gibt es seine Sicherheit ein Stückweit in die Hände des Menschen, wenn es auf drei Beinen stehen soll. Oder wenn ein Pferd neu einzieht. ODer bei Schulpferden. Die oft vier oder fünfmal am Tag laufen müssen und keinen eigenen Menschen an ihrer Seite bekommen, der Sattel sitzt vielleicht nicht und und und (dazu gibt es HIER einen spannenden Artikel)

Ein Beispiel: Wie oft höre ich von Menschen, die ein Pferd gekauft haben und sich dann wundern, warum es nach drei Tagen auf dem neuen Hof nicht sofort begeistert mit ins Gelände läuft. Es ist doch ein gestandenes Reitpferd. Man hat es doch auch probegeritten. So, jetzt stell dir vor, wir reden über einen Hund oder eine Katze. Da würde doch auch keiner erwarten, dass die Katze sich sofort den Bauch kraulen lässt oder der Hund sofort über Stunden brav bei Fuß mitläuft. Das Pferd soll aber bitte sofort geritten werden und alles brav mitmachen.

Dass auch das Pferd erst ankommen und Vertrauen zum Menschen fassen muss, wird oft gar nicht so richtig bedacht. Nicht unbedingt aus bösem Willen heraus, aber merkwürdigerweise ist der Funktionsgedanke bei Pferden oft größer. So scheint es mir zumindest.

HIER findest du einen Artikel über die ersten Tage mit dem eigenen Pferd

Noch ein Beispiel: Ich habe schon Menschen gesehen, die ihr verladepanisches Pferd mit der Gerte in den Hänger geprügelt haben und danach ihrem Hund liebevoll über den Kopf streicheln. Die aber behaupten würden, dass sie ihr Pferd genauso sehr lieben, wie ihren Hund. Das verstehe ich nicht. Wie kann ich ein Geschöpf lieben und dann seine Angst und seinen Unwillen ignorieren und ihm meinen Willen aufzwingen?

Natürlich kommunizieren Pferde anders als Hunde und ich muss auch einem Pferd manchmal zeigen, dass ich einen Plan habe und weiß, dass das was ich von ihm möchte einen Grund hat und am Ende gut für das Tier ist. Aber das kann ich doch auch mit Geduld und Empathie tun.

Natürlich darf man nicht vergessen, dass Pferd Hufe und Zähne haben und auch in der Herde nicht unbedingt zimperlich miteinander umgehen. Aber in der Herde haben sie auch immer die Möglichkeit zu gehen und sich dem Konflikt zu entziehen und die körperliche Kommunikation unter Pferden bleibt immer einsehbar und fair. Sie funktioniert weitestgehend auf Augenhöhe unter den Pferden.

Mit all unseren Hilfsmitteln, die wir theoretisch nutzen können, reden wir aber nicht mehr von “Augenhöhe”. Wir Menschen haben genug Hebel, um das Pferd gefügig zu machen, wenn wir das wollen. Aber das ist weder besonders fair noch besonders tiergerecht.

Weil eben nicht alles in Ordnung ist

Erst vor kurzem bin ich wieder durch eine sehr gepflegte Stallgasse in einem sehr gepflegten Stall gelaufen. Die Reithalle und der Reitplatz waren riesig. Die Koppeln waren kleine abgesteckte Vierecke und die Boxen winzig. Die Pferde stehen tagsüber in der Box – ohne Paddock. Eines hat gewebt, eines gekoppt. Ein paar standen einfach nur da, eines hat sofort Nähe gesucht.

Ich würde sagen, dass ihm ziemlich langweilig war. Die Reiterin, die gerade in der Halle trainierte, hatte so straffe Zügel, dass man einen Bogen darauf hätte spannen können und das Pferd hatte wenig dazu zu sagen, weil es einen Sperrriemen trug. Die wenigen Pferde auf der Koppel hatten alle Regendecken und Gamaschen an. Das hat mich traurig gemacht. Denn ich würde wetten, dass nahezu jeder in diesem Stall komplett in Ordnung findet, wie es läuft und vielleicht sogar behaupten würde, dass das Pferd es richtig gut hat.

Hufe Pferd

Ich würde sagen, dass Regendecke und Gamaschen nicht an ein grasendes Pferd gehören, es sei denn es ist wirklich alt oder krank und trägt diese Decke aus medizinischen Gründen. Ich würde auch sagen, dass Pferde nicht den ganzen Tag in die Box gehören, sondern mit ihren Artgenossen Zeit in der Herde verbringen sollten und beim Reiten fände ich es schön, wenn eben kein richtiger Zug auf dem Pferdemaul ist – denn das hat gar nichts mit Anlehnung zu tun – das ist schlicht und einfach Dauerschmerz für das gerittene Pferd.

HIER hat Pferdespiegel.de einen Artikel darüber geschrieben, warum der Zweck die Mittel eben nicht heiligt

Von Herzenspferden und Seelenponys

Wenn ich mich in den sozialen Netzmedien umsehe und mir die vielen Bilder von Pferden ansehe, die als “Herzenspferd” und “Seelenpony” betitelt werden, aber mit Sperrriemen zugeschnürte Mäuler haben, dann wundere ich mich über die Menschen, die solche Bilder mit solchen Sätzen veröffentlichen. Es sind nette Mädchen auf den Fotos, die ihr Pferd offenbar lieben. Die mit Herzchen in den Augen am Hals ihres Tieres hängen, aber Ausbinder und Schlaufzügel um das Zaumzeug schlingen, mit mexikanischem Reithalfter oder Sperrriemen reiten oder mit sichtbarem Bizeps Lektionen reiten oder Leckerli mit tausend Geschmacksrichtungen füttern. Und ich bin jetzt gar nicht mal besonders klischeehaft – das ist oft genug leider einfach so.

Mexikanisches Reithalfter zwei

Ich kenne Pferdebesitzer, die lieber ihr Pferd ohne Weidehaltung den ganzen Tag in die Box stellen als einen weiteren Anfahrtsweg in Kauf zu nehmen. Ich höre immer wieder von Reitlehrern, die ihren Schülern zurufen, dass sie sich endlich “durchsetzen müssen”. In so vielen Texten und Kursen geistert immer noch die Dominanztheorie herum.

Würden die gleichen Menschen das auch so mit ihrem Hund machen? Ihn schlagen, wenn er nicht gehorcht, ein Halsband mit Hebelwirkung kaufen und an der Leine zerren, wenn er nicht kommt oder ihn treten, wenn er nicht Sitz macht?

Was wäre wenn… Pferde Hunde wären

Ich denke oft: Was wäre wenn Pferde Hunde wären. Wenn sie kleiner und flauschiger wären. Wenn sie Schmerzlaute hätten und nicht so still leiden würden. Wie würden wir dann mit Pferden umgehen? Wie würden zum Beispiel die gleichen Menschen, die ihr Pferd mit der Gerte schlagen, mit Sporen treiben und mit Sperrriemen reiten, die ihr Pferd den ganzen Tag in die Box stellen und ihm klatschend eins auf die Nase hauen, wenn das Pferd nach einem Leckerli in der Tasche sucht – wie würden diese Menschen reagieren, wenn sie das gleiche Verhalten bei einem Hundebesitzer und seinem jaulenden Hund sehen würden?

INFO:
  • Boxenhaltung ist nicht artgerecht
  • Die Gerte ist ein Hilfsmittel für feine und zarte Hilfengebung, keine Peitsche
  • Zügel hängen an einem Gebiss und an dem sollte nun einmal keiner zerren – denn das tut dem Pferd im Maul weh
  • Der Sperrriemen oder die Ausbinder verursachen dem Pferd Stress bis Schmerzen – je nachdem wie sie eingeschnallt sind mehr oder weniger stark

Der Sperrriemen ist nur ein Beispiel für Equipment und Verhaltensweisen, die absolut alltäglich sind und eigentlich aus den Pferdeställen verbannt gehören.

HIER gibt es einen Artikel zum Thema “Sperrriemen” und warum sie nicht ans Pferd gehören

Die Ausbinder und die Schlaufzügel sind weitere Beispiele für mich. Oder Sporen und Kandare, die an den meisten Reiterfüßen und Reiterhänden nichts zu suchen haben aus meiner Sicht, weil die meisten Reiterfüße und Reiterhände einfach nicht ruhig genug für diese Ausrüstung sind. Es gibt Reiter wie Anja Beran und andere, die damit so fein und zart umgehen können, dass noch feinere Hilfen möglich sind. Aber das sind eben die wenigsten. Ich könnte auch nicht so fein damit reiten, also lasse ich es eben.

Ist Boxenhaltung okay?

Oder die nahezu reine Boxenhaltung, die in so vielen Ställen absolut normal ist. Mir tun die Pferde, die den ganzen Tag bis auf wenige Stunden in der Box stehen, unglaublich leid. Wer würde einen Dackel den ganzen Tag in eine Besenkammer sperren? Das ist Tierquälerei! …würden doch die meisten Menschen rufen. Die Relation vom Dackel zur Besenkammer ist aber im Grunde genommen doch die gleiche wie zum Pferd in der Standardbox.

Pferd eingesperrt in der Box nahe

Viele Pferde haben meist kaum Kontakt zu Artgenossen und bekommen nur ein paar Mal am Tag Futter in die Box geworfen. Das ist der beste Weg in Richtung Magengeschwür. Der Besitzer schaut vielleicht mehrfach wöchentlich vorbei – ansonsten werden Pferde dann gerne auch mal in der Führanlage bewegt. Das ist aus Pferdesicht ein furchtbar stupider und sinnloser Vorgang.

Danach geht es wieder ab in die Box. Von der Fütterung wollen wir gar nicht reden. Denn Pferde brauchen mindestens alle vier Stunden Futter aufgrund ihrer speziellen Magenanatomie. Mal ganz abgesehen von den Inhalten im industriellen Pferdefutter. Wenn ich mir die Zutatenliste diverser Standardmüslis in den Shops durchlese wird mir ganz anders.

Wo fängt Gewalt an?

Das sind nur ein paar Beispiele. Es gibt auch so viele kleine und noch kleinere Beispiele aus dem Alltag. Die kleinen Momente, wenn der Mensch das Pferd ärgerlich anschreit oder mit Druck mit dem Arbeitsseil an den Hintern klatscht oder das Pferd im Roundpen mit viel Energie in Stimme und Körper im Kreis hetzt oder am Führstrick mit deutlicher Kraft ruckt, wenn das Pferd nicht gleich mitläuft oder am Kopf zerrt, weil das Pferd das Gebiss nicht ins Maul nehmen will oder mit der Bürste kräftig weiterbürstet auch wenn das Pferd zeigt, dass es das nicht mag, weil Pferde “das nunmal aushalten” müssen. So heißt es dann zumindest immer.

Ein Beispiel: Ein früheres Schulpferd mochte das Bürsten am Hals nicht so gerne. Jetzt könnte man sagen, dass es doch ziemlich egal ist ob der Hals dreckig ist oder nicht. Da ich den Hals beim Putzen ausgespart hatte, wurde ich angemeckert, warum das Pferd denn schmutzig sei am Hals. Daraufhin habe ich geschildert, wie das Pferd reagiert, wenn ich den Hals putzen will. Nämlich mit einem mürrischen Gesichtsausdruck und einem sich von der Bürste fortbewegenden Hals.

Der Reitlehrer nahm mir die Bürste aus der Hand und bürstete den Hals des Pferdes extragrob solange bis es aufhörte sich wegzubewegen. Ich fand es schrecklich. Der Reitlehrer fand, dass sich das so gehören würde – denn die Pferde müssen das aushalten können. So sagte er. Man müsse das, was sie nicht wollen extra deutlich machen, damit sie nachgeben würden und keine Unarten bekämen.

Jetzt könnte man sagen, dass das doch bestimmt die eine große Ausnahme sei.

  • Aber ich habe auch schon einen Reitlehrer erlebt, der in der Schulstunde den Pferden in den Bauch getreten hat, die ihm nicht schnell genug liefen.
  • Ich habe Reitlehrer erlebt, die permanent zum Gerteneinsatz aufgerufen haben.
  • Oder Reitlehrer, die einen dazu auffordern mit richtig Zug am Gebiss zu Reiten, um sich durchzusetzen.

Und ich könnte diese Liste weiterführen. Ich bin aber nur eine einzige Person und kann doch nun wirklich nicht an die einzigen schlechten Reitlehrer in ganz Deutschland geraten sein, oder? Dieser – scheinbar alltägliche Umgang – wird überall gepredigt und damit immer weiter fortgeführt. Das ist traurig und schrecklich zugleich, denn überall dort, wo so oder ähnlich unterrichtet wird, wird ein Umgang weiter verbreitet, der im Grunde von grob bis zu einer  Form von Tierquälerei bezeichnet werden kann. Das muss sich ändern.

Entspannung mit dem Pferd

Was würdest du tun, wenn dein Pferd ein Hund oder eine Katze wäre

Deswegen stelle ich mir die Frage und an alle die diesen Artikel lesen die Bitte: Was würden wir tun, wenn Pferde Hunde oder Katzen wären?

Worum es mir geht ist, dass es im Großen wie im Kleinen so viele Dinge gibt, die in der Pferdewelt alltäglich sind – egal ob es um verschiedene Trainingsmethoden geht, um Equipment oder den Umgang im Alltag mit den Pferden – die wir dringend hinterfragen sollten.

Selbst wenn man sein Pferd nicht schlägt, ist es doch Tierquälerei, wenn es den ganzen Tag in der Box stehen muss und maximal 3-4 Stunden kurz laufen darf. Oder wenn man es falsch füttert und es ein Magengeschwür entwickelt, weil zwei Portionen Futter pro Tag nun einmal nicht zum Verdauungstrakt des Pferdes passen. Oder wenn man Equipment zur Kontrolle der Pferde verwendet oder Druck bis zur Eskalation als Trainingsmethode nutzt. Aber darüber hinaus gibt es die kleinen und großen Formen körperlicher und seelischer Gewalt, die mit einer Selbstverständlichkeit an vielen Ställen stattfinden, die einfach endlich ein Ende finden müssten.

Wir wollen Respekt und Höflichkeit von unseren Pferden. Wir wollen Sicherheit, Vertrauen und Motivation, Mitarbeit und eine Partnerschaft – dann sollten wir all das auch unseren Pferden bieten. Neben der guten Haltung und der artgerechten Fütterung.

HIER in einem Artikel habe ich Gedanken zum Thema “Regeln” mit Pferden aufgeschrieben

Druck statt Gewalt oder Gewalt statt Druck

Egal wie hübsch wir das Ganze benennen. Wenn wir das Pferd mit der Gerte schlagen bis die Gerte fetzt ist das kein Druck – es ist Gewalt. Wenn wir am Zügel zerren bis die Zunge aus dem Maul hängt ist das keine Korrektur – es ist Gewalt. Wenn wir Pferde den ganzen Tag als Lauf- und Herdentiere (die sie nun einmal sind) in eine Box packen ist das keine Haltung – es ist Tierquälerei.

Ich frage mich warum aus Druck so oft Gewalt wird im Zusammenhang mit Pferden – es aber immer noch Druck genannt wird. Und wieso diese versteckte Form von Gewalt für diese Pferdebesitzer offenbar genauso tragbar ist, wie eine nicht artgerechte Haltung?

Ich frage mich warum scheinbar okay ist, wie mit Pferden umgegangen ist. Warum etwas, das man in einigen Fällen Tierquälerei nennen müsste, als Dominanz-Training toleriert wird und wieso wir die Grenzen des Erlaubten mit Pferden so viel weiter stecken als mit dem Hund oder der Katze.

Ich frage mich so oft, ob der Mensch mit seinem Pferd genauso umgehen würde, wenn das Pferd ein Hund wäre. Wenn das Pferd jaulen könnte und nicht ganz so groß wäre. Wie groß der Aufschrei wäre, wenn Hundebesitzer ihre Hunde im Park prügeln würden, weil sie nicht schnell gehorchen oder nicht so perfekt auf das Stimmsignal ihres Herrchens reagieren.

Warum Pferde nicht Nein sagen dürfen

  • Woher kommt diese Angst, dass das Pferd sofort zu einem Monster wird, wenn es nicht immer auf den Punkt gehorcht?
  • Woher kommt diese Idee, dass es richtig gefährlich wird, wenn wir das Pferd auch mal mitreden lassen?
  • Woher kommt diese Idee, dass Pferde uns Menschen ständig testen und man sich einen Durchgänger erzieht, wenn man das Pferd nicht frühzeitig zur dominant Räson bringt?
  • Wieso finden Menschen es akzeptabel, dass sie ihr Pferd schlagen, treten, missachten, ignorieren und in den Hänger prügeln.

Das macht mich einerseits fassungslos und andererseits ratlos. Denn wir reden da ja nicht von gemeinen oder boshaften Menschen. Oft sind das sogar sehr nette Menschen, die von sich selbst behaupten, dass sie ihr Pferd lieben und sich eine Partnerschaft wünschen. Die aber ihr Tun vollkommen in Ordnung finden.

Aber wie kann ich einem Lebewesen, das ich liebe, solch eine Behandlung zumuten. Und wenn es nur ein Teil der ganzen Palette ist, die ich im Artikel aufgezählt habe. Ein kleines bisschen davon reicht ja schon aus. Wie kann ich erwarten, dass mein Gegenüber ein Partner wird oder sein will, wenn ich als Mensch so unfair mit ihm umgehe?

Wie kann ich auf Vertrauen und Bindung und Sicherheit hoffen, wenn ich mir all das ausschließlich über Kontrolle erarbeiten will und wie kann ich mir eine Kommunikation mit meinem Pferd wünschen, wenn ich ihm bei jeder Kleinigkeit das Maul verbiete? Wieso scheint so ein Verhalten aber bei Pferden okay zu sein?

  • Weil sie größer sind?
  • Weil sie schwerer sind?
  • Weil wir Angst vor unseren Pferden und ihrer Kraft haben?
  • Weil wir Angst davor haben nach Jahren des falschen Umgangs ehrlich mit uns selbst zu sein?
  • Weil wir es so gelernt haben und erschrecken müssten, wenn wir in den Spiegel sehen?
  • Weil wir uns nicht mehr hinterfragen wollen?
  • Weil es so schön einfach und bequem ist die Kontrolle über Gewalt zu erlangen?
  • Weil wir lieber die Augen verschließen, statt uns selbst in die Augen zu sehen und etwas an uns und unserem Training zu verändern?
  • Weil wir vielleicht auch Angst vor den Antworten der Pferde haben, wenn wir sie wirklich fragen würden, ob sie mit uns zusammensein wollen?

Natürlich müssen wir auch die Psychologie der Pferde in unsere Art des Trainings miteinbeziehen. Ein Pferd will anders trainiert werden als ein Hund oder eine Katze. Es braucht Rahmenlinien, Grenzen und Klarheit um sich sicher zu fühlen. Das glaube ich schon. Es kennt auch den Druck als Kommunikationsmittel, weil es auch in seiner Herde so kommuniziert. Aber zwischen Druck und Gewalt ist immer noch ein Unterschied. Das eine ist Energie, Fokus und Körpersprache – das andere ist Schmerz und Unterdrückung.

Egal, was gelehrt wird: Wir haben ein Gehirn zum Denken und ein Herz zum Fühlen. Wir können hinterfragen und diskutieren und wir können uns empatisch zeigen und überlegen, wie der beste Weg zu dem Tier ist, das uns da gerade gegenübersteht. Egal ob es ein Pferd oder ein Hund oder eine Katze ist.

Es wird tausende Gründe geben, warum jeder Einzelne handelt wie er handelt. Manchmal weiß man es auch nicht besser und wir alle machen Fehler. Ich auch. Darum geht es nicht. Da ist in Ordnung. es ist nur menschlich. wir sind alle nicht perfekt. Ich würde mir nur wünschen, dass wir anfangen neue Wege zu gehen, uns ab und an zu hinterfragen und lieber ehrlich mit den gemachten Fehlern und uns selbst umgehen, als die Augen zu schließen und den Fehler immer weiterzuführen. Ich würde mir wünschen, dass wir endlich grundsätzlich etwas daran ändern, wie immer noch viel zu oft mit viel zu vielen Pferden umgegangen wird.

Es geht nicht darum, dass ich perfekt wäre. Keiner von uns ist das. Ich muss mir da auch an die eigenen Nase fassen. Wenn 500 oder 600 Kilo Pferd vor einem stehen, gibt man manchmal auch zu laute Signale. Wir alle machen Fehler und wir alle sind sicher auch mal unfair. Das müssen wir uns zugestehen. Wir sind ja keine Maschinen. Fehler sind menschlich.

Der einzige Fehler, den wir nicht machen dürfen ist Falsches immer wieder zu wiederholen, weil wir Dinge nicht hinterfragen, weil wir uns nicht informieren oder weil die Augen vor unserem Tun verschließen. Aus welchen Gründen auch immer. Falsch ist nur, sich nicht weiterzuentwickeln.

Wichtig ist, dass wir über unser Tun nachdenken, dass mehr Empathie und Mitgefühl in die Pferdewelt einkehrt und dass wir unseren Pferden nicht immer wieder Schmerz zufügen – nur weil wir es können und weil es so gelehrt wird. Dass wir uns und unser Tun immer wieder hinterfragen und nicht einfach nur akzeptieren und nachmachen, was uns von Reitlehrern und Trainern gesagt wird. Wir sollten uns viel öfter fragen, ob wir gerne unser Pferd wären.

Und vielleicht würde es dem einen oder anderen auch helfen, wenn er sich immer mal wieder fragen würde, was er tun würden, wenn da nicht ein Pferd, sondern ein Hund oder eine Katze vor ihm stehen würde.

Hunde Training sanft

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18 Kommentare zu “Was wäre wenn… Pferde Hunde wären

  1. Miriam sagt:

    Liebe Petra,

    leider kann ich dir berichten, dass ich einige Hundevereine und Hundeschulen erlebt habe, wo genau das praktiziert wird, was du in deinem Artikel beschreibst. Einmal wurde mir die Leine meiner Hündin aus der Hand gerissen und ihr Hintern brutal und mit Anschreien auf den Boden gedrückt, weil sie auf der nassen Wiese kein Sitz machen wollte. Dort hat man mit zu einem Würgehalsband geraten, damit mein Hund aufhört an der Leine zu ziehen und wenn sie es trotzdem macht, soll ich sie ordentlich zurück ziehen. Mein Hund wiegt 2,5 kg ich weiß gar nicht was ich da an Schaden angerichtet hätte, wenn ich diesen Rat befolgt hätte. Diese Stunde habe ich vorzeitig verlassen und mir geschworen nie wieder irgendwo mit meinem Hund hinzugehen bevor ich mir das Training vorher ohne sie nicht mal angesehen habe.
    Ich denke warum wir mit Pferden so grob sind liegt daran, dass die meisten Angst vor ihrem Pferd haben. Sie denken, dass sie die Kontrolle über ihr Pferd brauchen, weil es so groß ist.
    Ich war früher selber so. Ich hab mir natürlich nicht eingestanden, dass ich Angst habe. Ich bin viele "wilde" Pferde geritten und war auch noch stolz darauf wie ich sie im Griff habe. Alles was ich gemacht habe, habe ich ja nur der Sicherheit wegen gemacht. Außerdem gehen Pferde in der Herde ja auch nicht zimperlich miteinander um.
    Dass das Blödsinn ist, habe ich erst mit meinem ersten Pferd begriffen. Ihn konnte ich nicht unter Kontrolle bringen. Egal was ich gemacht habe, er hat sich in solcher Heftigkeit gewehrt, dass ich es nicht konnte. Wir haben keinen Trainer gefunden der mit diesem Pferd klar kam. Darunter auch bekannte Namen. Da hab ich begriffen, dass ich Angst habe und Kontrollsüchte an den Tag lege. Erst als ich das abgelegt habe und an diese Stelle Vertrauen trat, konnte ich mit ihm sogar ohne Strick spazieren gehen.
    Pferde sind übrigens in einer gut zusammen gestellten Herde nicht grob zueinander. Ich hatte es hier noch nie, dass ein Pferd wirklich gebissen oder getreten wurde. Natürlich gibt es mal Gezicke, aber die Drohung umgesetzt hat hier noch kein Pony.
    Liebe Grüße
    Miriam

    • Petra sagt:

      Hallo liebe Miriam, wie traurig, dass das auch in der Hundewelt passiert. Aber ich glaube dann doch trotzdem weniger als in der Pferdewelt – zumindest was den Alltag der Masse betrifft. Und wenn man in die Parks und den Umgang mit Hunden schaut und in die Ställe und den Umgang mit Pferden sehe ich da doch schon UNterschiede. Sogar was Pferdemenschen mit Hund betrifft. Nicht immer – du zum Beispiel ganz und gar nicht. Und viele andere auch. Aber man sieht es trotzdem sehr häufig. Das finde ich traurig. Jede Tierart verdient einen freundlichen und artgerechten Umgang. Deine Erfahrung mit deinem Pferd zeigt es letztlich ja auch. Bei all den Grenzen, die Tiere vielleicht auch brauchen, verdienen sie doch einen freundlichen und respektvollen Umgang. Deine kleine Ponybande ist auch sehr liebevoll zusammengestellt. Da hast du schon Recht. Davon träume ich auch. Noch haben wir es nicht – mein Pferd und ich. Daher kenne ich das Gezicke schon, leider. Viele liebe Grüße, Petra

  2. Svenja sagt:

    Hallo Petra,
    Prinzipiell finde ich deinen Artikel gut und richtig. Es gibt aber wie immer ein ABER
    🙂 du hast ja geschrieben, das du bewusst die Grautöne raus gelassen hast. Ich zB habe Pferd und Hund. Richtig ist, das mein Hund deutlich mehr Freiheiten hat als mein Pferd. Liegt aber auch daran, das mein Hund einfach 450kg weniger wiegt. Wenn die mal an der Leine zieht weiß ich, ich kann sie halten und sie rennt nicht auf die nächste Straße. Mit meinem Pferd bin ich am Wochenende vom offenstall in eine paddockbox umgezogen. Sie war einfach nach 7 Monaten offenstall total ko, hat nicht mehr richtig geschlafen und mehr als unmotiviert. Ich habe daher die haltungsform verändert, anstatt Sporen oder Gerte im Einsatz zu haben. Ich muss zugeben, das ich bis gestern echt Bauchschmerzen hatte, ob es wirklich richtig war mein Pferd in die Box mit stundenweise Auslauf zu stecken. Doch gestern hab ich deutlich gemerkt, das mein Pferd die deutlich coolere von uns beiden ist. Sie ist noch nie so gut unter dem Sattel gelaufen, wie gestern. Sie war noch nie so entspannt und sie genießt sichtlich, das sie ihr eigenes Heu für sich ganz alleine hat und hat direkt in der ersten Nacht gelegen zum schlafen. Ob es das richtige bleibt, wird sich mit der Zeit zeigen, aber noch ist sie sehr zufrieden damit. Auch beim Gebiss hab ich was geändert, nachdem sie sich zunehmend auf den Zügel gelegt hat. Nasen und sperriemen haben wir allerdings noch nie benutzt. Jetzt hat sie ein Liefergebiss und läuft sehr zufrieden damit, als wenn man eine Feder in der Hand hat. Ich wäge schon ab, wann was geändert werden muss und hinterfrage sicherlich erst mich vor dem Pferd. Allerdings gibt es beim Pferd wie beim Hund no go’s. Das Pferd bekommt schon mal nen Klappe, wenn sie mal wieder nicht auf ihre und meine Füße achtet. Beim Hund reicht ein räuspern. Wenn ich beim Pferd nur räuspern würde, würde die sich wahrscheinlich kaputt lachen und mich nicht ernst nehmen, wenn ich andersherum dem Hund einen Klaps geben würde (wir reden wirklich von Klaps) würde sie mit eingezogenem Schwanz in ihr Bett wandern. Aber sie sind halt nicht nur vom Gewicht her unterschiedlich, sondern auch vom Charakter. Mein Hund ist lustig, immer für Spaß zu haben und sehr liebebedürftig. Mein Pferd ist eher der Tollpatsch, sie liebt es gekrault zu werden, sagt aber auch deutlich, wenn es genug ist, sie hat ihren eigenen sturkopf und braucht lange um zu vertrauen. Beide dürfen nein sagen und das wird auch akzeptiert. Dann wird mit dem Hund eben nicht ne Stunde spazieren gegangen, nur weil ich meine das es nötig ist, aber der Hund nach dem pipi machen eigentlich gleich wieder nach Hause möchte. Dann wird eben nicht geritten, longiert oder sonst was, sondern nur geputzt, gekratzt und einfach da sein. Sie haben alle die Wahl, aber es gibt halt unterschiedliche feste Regeln für beide.

    • Petra sagt:

      Hallo liebe Svenja, klar – das stimmt. Der Umgang ist auch ein bisschen Typensache und Charaktersache. Aber ich meine ja auch nicht Menschen wie dich, die sich Gedanken machen und ihrem Pferd das bieten, was das Pferd braucht. Sondern Menschen, die mit der Gerte prügeln, das Tier treten und den ganzen Tag in die Box packen. Da liegen Welten dazwischen. Natürlich – und das schreibe ich ja auch – wollen Tierarten unterschiedlich behandelt werden, weil es unterschiedliche Arten sind – eben artgerecht. Aber keine Tierart will gewalttätig behandelt, ungesund gefüttert und eingesperrt werden. Und das ist für mich über die Rassen und Arten hinweg nun einmal gleich. Viele liebe Grüße, Petra

    • Petra sagt:

      Danke, wie lieb – ich würde mich auch freuen, wenn der eine oder andere nachdenken würde, ganz liebe Grüße, Petra

  3. Michaela sagt:

    Schöner Artikel, er erinnert mich an meine Reitanfänge vor über 30 Jahren. Die Schulpferde standen in Ständern und wurden sehr grob behandelt. Ich hatte eine ältere Stute als Reitbeteiligung und ich wurde immer belächelt, wenn ich sanft und nachgiebig mit ihr umgegangen bin. Mir wurde eingeredet, dass ich es so nie ein guter Reiter werden würde, weil das Pferd mich veräppeln würde. Ich habe immer an mir gezweifelt und habe das Reiten dann letztendlich aufgegeben. Die Liebe zu Pferden ist immer geblieben, aber so wollte ich es nicht mehr ausüben. Mit fast 50 Jahren habe ich mir vor 4 Jahren meinen Kindheitswunsch erfüllt und mir mein erstes eigenes Pferd gekauft. Er ist ein ausgedientes Schulpferd und ich behandele ihn so, wie ich es für richtig halte. Er steht im Offenstall, geht barhuf und läuft gebisslos. Wir machen viele unterschiedliche Dinge miteinander und ich glaube, es geht ihm gut und mir auch. Ich bin immer wieder traurig, wenn ich Pferde in Boxenhaltung sehe oder erlebe , wie grob mit diesen hoch sozialen Wesen umgegangen wird. Vielleicht regt dein Artikel den ein oder anderen zum nachdenken an. Ich würde es mir von Herzen wünschen.

    • Petra sagt:

      Hallo libe Michaela, danke dir für deinen Kommentar. Und wunderschön, dass du deinem Schulpferd ein zuhause gegeben hast und das gefühl schenkst, wie es ist nur zu einem Menschen zu gehören. Das hat dein Kleiner sicher sehr verdient. Ganz liebe Grüße und mach unbedingt weiter so, Petra

  4. Ilse sagt:

    Zuerst einmal Respekt für diesen tollen Gedankengang! Ja es stimmt, wir denken in der Tat zu wenig nach, einen ähnlichen Gedankenansatz habe ich jedesmal wenn es um Tiere als Lebensmittel geht (warum ist Fleisch von Kühen, Schweinen etc. in Ordnung, aber wenn die Sprache auf Pferde-, Hunde- oder Katzenfleisch kommt ist das Geschrei groß!? )

    Ich finde es aber generell schade, dass immer gleich die "klassischen" Bösewichte angesprochen werden, wie Gerte, Sporen, Sperrriemen und so…. was ist denn mit den Leuten, die völlig planlos ein Knotenhalfter anwenden, weil is ja "Horsemanship"… im besten Fall wird das Tier dann noch damit angebunden und unbeaufsichtigt gelassen… oder was ist mit solchen Leuten, die mit Reitpad oder Fellsattel oder gleich ganz ohne reiten, auf einem Pferd, dessen Wirbel gefühlt 2 cm heraus stehen und der Reiter mit jedem Trabschritt fleißig in den sowieso schon weggedrückten Rücken fällt…. Was ist mit den Leuten, die aus Nettigkeit gebisslos reiten wollen… Ihrem Pferd aber nur fleißig den Nasenriemen über das empfindliche Nasenbein reißen? Oder solche Leute, die sich im Winter nach dem Reiten nicht die Zeit nehmen ihr Pferd wieder trocken zu bekommen… hat ja dickes Winterfell, braucht ja keine Decke… das das nassgeschwitze Fell im Winter eher suboptimal ist denkt keiner drüber nach… Ich habe sogar schon erlebt das Pferde mit ner Fleeceabschwitzdecke im Regen draußen standen… dann doch lieber die Regendecke!?

    Da in den letzten Jahren die sogenannte Horseman/Freizeitreiter Szene immer mehr gewachsen ist beobachtet man leider immer mehr Leute, die vermeintlich ihren Pferden was ganz doll Gutes tun, sieht ja auch so toll aus bei Ostwind und co. so ganz frei mit ohne alles…. leider denkt keiner nach über das was er tut oder informiert sich nicht ausreichend… es wird einfach ausprobiert was grad angepriesen wird… und am besten sofort und direkt, und das Pferd macht natürlich auch gleich alles mit… das da bei den ganzen Vorbildern ewig viel und lange Arbeit hintersteckt wird einfach mal weit weg geschoben.

    Also mein Fazit…. man sollte nicht alles pauschal verteufeln oder in den himmel loben, weil es halt 10 andere Leute so gesagt haben… Jeder sollte für sich selbst und vor allem für sein Tier genau überlegen und abwägen, nicht nur was das beste ist, sondern auch was realistisch ist! Und man sollte auch regelmäßig reflektieren wohin mich dieses oder jenes gebracht hat, ob es sich lohnt diesem Weg weiter zu folgen oder ob es doch eine Sackgasse war…. und nie vergessen: Jeder macht Fehler… das wichtigste ist, dass man sich diese eingesteht und daran arbeitet 😉

    • Petra sagt:

      Hallo liebe Ilse, da hast du schon Recht – es gibt auch im Kleinen so viele UNgerechtigkeiten. Manches auch, das aus Unwissenheit passiert oder Gedankenlosigkeit – wenn auch gut gemeint ist. Das macht es nicht besser. So ein Artikel hat ja dann doch immer eine begrenzte Anzahl an Zeichen, weshalb ich mich dann für aus meiner Sicht eindeutige Beispiele entscheide. Ein Sperrriemen ist aus meiner Sicht eben immer ein NoGo – ein Reitpad nur, wenn die Bemuskelung und der Rücken des Pferdes es nicht hergeben oder der Reiter es zu viel und zu lange nutzt. Da müsste ich nun sehr viel drumherum erklären. Aber natürlich ist auch das eine Form der Tierquälerei, wenn das Pferd aufgrund der falschen Anwendung eines guten Dinges Schmerzen hat – keine Frage. Viele liebe Grüße, Petra

  5. Viola sagt:

    Wahre Worte !
    Dem kann man nur mit Aufklärung entgegenwirken. Aufmerksam machen mit Öffentlichkeitsarbeit, z.b. sozialen Netzwerken, in Literatur, Pferdemessen….. etc. Der ganzen Not eine Stimme geben, immer wieder und immer lauter.
    Pfernetzt war ein voller Erfolg und die Nachfrage ist groß. Es müssen mehr "ganzheitliche" Angebote her. Dann wird auch die Gruppe derer die sich unfair dem Pferd gegenüber verhalten kleiner. Es geht leider nicht von heute auf morgen.
    Letztendlich braucht es eine "Marketingstrategie " wie BIO
    😉

    • Petra sagt:

      Da hast du so Recht – das wird dauern. Ich freue mich, dass du bei Pfernetzt dabei warst – es war und ist ein Herzensprojekt. Ganz liebe Grüße, Petra

  6. Ariane Paetz sagt:

    Toller Artikel, Petra – und mir aus dem Herzen gesprochen. Aber leider muss ich dazu sagen, dass der Vergleich ein klein wenig hinkt, da auch unsere Hunde vielfach nicht artgerecht gehalten oder behandelt werden…

    • Petra sagt:

      HAllo liebe Ariane, Vergleiche hinken ja immer ein bisschen. Aber es gibt genug Pferdemenschen, die ihre Hunde so viel besser behandeln als ihr Pferd und es gar nicht merken, weil es bei Pferden offenbar gesellschaftlich anerkannt ist so mit ihnen umzugehen. Natürlich gibt es überall gute und schlechte Menschen – da hast du Recht. Leider. Ganz liebe Grüße, Petra

  7. Boris sagt:

    Hallo Petra, leider erlebe ich es auch immer wieder, dass Hunde und Katzen (und so viele andere "Heimtiere") genau so schlecht wie viele Pferde behandelt werden. Manche Menschen haben eine merkwürdige Einstellung zu den Tieren, über die sie scheinbar Macht ausüben können.
    Einige Beispiele: Viele Sittich- und Papageienarten sollten grundsätzlich nicht alleine gehalten werden, genauso wie Meerschweinchen und Kaninchen. Auch die meisten Fische sollten nie alleine durch das Aquarium schwimmen – viele von ihnen sind Schwarmtiere. Aber es ist überall einfach möglich, ein einzelnes Tier (ohne viele Nachfragen) zu erwerben. Warum?
    Viele Hunde werden geschlagen, ihnen wird der Hals mit Würgebändern zugedrückt, sie werden angeschrieen und getreten, und oft auch in aller Öffentlichkeit, ohne dass sich Widerspruch regt – das scheint ein Teil der Normalität zu sein. Aber auch Hunde in Handtaschen, und Hunde in "ach ist das süß"-Kleidung sind nicht artgerecht gehalten – auch eine Form von Missbrauch, finde ich.
    Und bei meinem Pferd – wie oft musste ich mir schon anhören, dass ich zu nett und zu nachgiebig sei, dass ich meinem Pferd mal kräftig in den Hintern treten solle, oder mal ordentlich drauf hauen, oder fest durchgreifen. Es scheint "normaler" zu sein, einem Pferd auf die Nase zu hauen, als es ruhig und bestimmt über die Körpersprache wegzuschicken, wenn es sich zu sehr nähert. Was nicht alles schon als "respektlos" bezeichnet wird – ich persönlich mag es, wenn mein Pferd zu mir kommt und mich mit seiner Nase begrüßt, ich mag es, wenn er mit der Nase auch mal meine Jacke oder mein Gesicht anpustet, oder seinen Kopf auf meiner Schulter ablegt. Ich werde mein Pferd weder schlagen, noch am Strick reißen, oder treten – dafür gibt es keinen vernünftigen Grund. Und ich habe (dadurch?) ein unglaublich aufmerksames, mitdenkendes Pferd – er gibt mir die Hufe zum Auskratzen an, er achtet genau darauf, mir nicht auf die Füße zu treten und mich nicht anzurempeln, er folgt mir auch ohne Führstrick, auch über Hindernisse, in den Hänger oder durch Engpässe. Er vertraut mir, und ich will dieses Vertrauen Wert sein und ihn gewaltlos begleiten. Würde ich mich jemandem anschließen, der mich schlägt und tritt? Sicher nicht. Natürlich hinkt der Vergleich zwischen Mensch und Pferd – die Denkweisen sind unterschiedlich.
    Was uns aber wirklich zu denken geben sollte, ist der grundsätzliche Umgang von Menschen mit Tieren. Auch Schweine, Kühe, Hühner und Puten schließe ich ausdrücklich nicht aus. Es ist eine Mischung aus Unwissenheit und Verdrängung, welches Leid Tieren durch Menschenhand zugefügt wird. Und unsere Gesellschaft nimmt das zu einem großen Teil einfach hin – solange Milch, Eier und Fleisch so einfach und günstig zu haben sind. Beim Liter Milch im Pappkarton denkt niemand mehr an das Leid einer Milchkuh, und das Fleisch in appetitlicher Verpackung auf Styroporschale unter Klarsichtfolie hat ja "zum Glück" auch nichts mehr mit dem Tier zu tun, aus dem es herausgeschnitten wurde.
    Liebe Petra, ich hoffe, dass Dein Artikel viele Leser finden wird und bei dem Einen oder Anderen einen Impuls zum Nachdenken (oder vielleicht sogar zum Umdenken) setzen wird. Danke für Deine Worte.

    • Petra sagt:

      Hallo lieber Boris, und ich muss danke für deine Worte sagen. Ich würde deinen Kommentar zu 100% unterschreiben – er ist so wahr in allen Facetten. Ich denke mir auch so oft wie das sein kann, wenn ich durch den SUpermarkt laufe. Ich habe sehr nette und liebevolle Freunde, die all das Tierleid gaaaaaanz schrecklich finden und Massentierhaltung gaaaaanz schlimm und Hähnchenschreddern gaaaanz grausam – und dann gehen sie zu den Discountern und kaufen da ihre Wurst und ihre Eier. Das macht mich ehrlich gesagt oft sprachlos. Aber vielleicht kann jeder von uns im Kleinen ein bisschen was ändern und dann irgendwann wird eine große Welle daraus. Viele liebe Grüße, Petra

  8. Kati sagt:

    Hey,
    schwarz-weiß… manches muss man wohl drastisch formulieren damit andere wissen was gemeint ist. Was wird denn das – war mein erster Gedanke zu diesem Beitrag; sie hat ja Recht der zweite. Und dann fiel mir ein: zuhause muss ich manchmal darauf hinweisen dass mein Pony auch nicht mit ins Wohnzimmer darf wenn mal wieder jemand die Katze aufs Sofa lässt. Pony, Hund und ich sind fast immer zu dritt ausreiten, beide hab ich sehr lieb, beide versuche ich gleich zu behandeln, allein schon weil es sonst schnell zu Eifersüchteleien kommen kann. Aber auch weil jedes Lebewesen einen achtsamen Umgang verdient hat, unabhängig davon welche Anforderungen an es gestellt werden. Vielleicht behandeln manche Leute ihre Tiere unterschiedlich weil sie verschiedene Dinge und Situationen mit ihnen erleben – 3 Stunden beim Pferd im Stall, 12 Stunden mit Hund im Haus und überall da wo er mit kann? Gawani Pony Boy zum Beispiel hat in einem seiner Bücher ganz interessant beschrieben wie sich die Beziehung zu seinem Pferd verändert hat nachdem er wochenlang mit ihm auf Tour war.
    LG

    • Petra sagt:

      Hallo liebe Kati, das ist bestimmt auch ein Ansatz. Klar verbringt man mit dem Pferd weniger Zeit. Das stimmt. Ich höre auch immer wieder von Menschen wie sehr sich die Bindung zu ihrem Pferd verändert hat, nachdem sie es zu sich geholt haben und selbst hinter dem Haus versorgen. Das kann ich mir gut vorstellen. Traurig wäre es aber trotzdem, dass man dem Tier mehr Geduld und Liebe schenkt, das man mehr sieht, oder? Ich glaube, dass es bei vielen alte Gedanken und überkommene Traditionen sind, ein Nicht-Nachdenken und nachmachen dessen, was ja alle machen oder eben Angst vor der Größe des Pferdes. Viele liebe Grüße, Petra

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