Artikel aktualisiert am 16.06.2019

Der Rücken deines Pferdes trägt dich. Deswegen ist es besonders wichtig, dass du ihn trainierst und gut aufbaust, wenn du reiten willst. Dein Pferd muss sozusagen ins Fitneßstudio, bevor du dich gesund auf den Rücken setzen kannst. Im Artikel gebe ich dir jetzt vier einfache und geniale Übungen an die Hand, mit denen du den Rücken und Bauch deines Pferdes ganz einfach trainieren kannst. Wenn du mehr über den Rücken deines Pferdes erfahren willst und welche Muskeln beim Reiten für dich arbeiten kannst du übrigens HIER im Artikel über die Rückenanatomie des Pferdes nachlesen. Jetzt bekommst du aber erst einmal 4 geniale Übungen für den Rücken deines Pferdes an die Hand.

Muskelaufbau für den Rücken des Pferdes

Ganz wichtig beim Thema Muskeln und Training ist die Zeit, die du dir und deinem Pferd gibst. Gib dir und deinem Pferd alle Zeit der Welt und baue den Rücken langsam und geduldig auf. Ich finde unglaublich wichtig, dass wir unseren Pferden Zeit geben und das Aufbautraining nicht verkrampft, sondern mit Liebe und Geduld gestalten. Der Weg ist das Ziel und das Training soll ja euch beiden Spaß machen. 

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Tipp: Solltest du übrigens den Rücken bei einem jungen Pferd oder bei deinem Pferd nach einer Krankheitsphase erst aufbauen müssen, deinem Pferd zwischendurch entspannte Runden mit voller Bewegungsfreiheit gönnen oder einfach nur grundsätzlich deinen Sitz schulen wollen, kann ich dir einen Lammfellsattel total empfehlen – das sind im Grunde sehr gut gepolsterte Reitpads für das Reiten ohne Sattel – mehr dazu kannst du HIER erfahren

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Kommen wir zurück zum Training und zum Thema Muskelaufbau: Wenn du dich also auf den Rücken deines Pferdes setzen willst, dann baue das bitte langsam auf und setze dich anfangs nur kurz auf den Pferderücken – je nach Rücken und Bemuskelung deines Pferdes. Du kannst da dann die Minutenzahl nach und nach steigern.

TIPP: Wenn du ein Schema möchtest, dann kannst du als Faustregel pro Reiteinheit um circa 5 Minuten steigern. Aber auch da gilt natürlich, dass du auf dein Pferd hören solltest und es für euch beide auch besser sein kann nur um 1-2 Minuten zu steigern oder gleich um 5-10 Minuten – du kannst dabei einfach immer schauen, ob dein Pferd unterfordert oder überfordert ist und das Training entsprechend anpassen.

Vier starke Übungen für den Pferderücken

Jetzt habe ich noch vier Übungen mit denen du den Rücken deines Pferdes garantiert aufbauen und beim Reiten stärken kannst:

  1. Trainiere immer wieder Übergänge: Übergänge lockern das Pferd und kräftigen gleichzeitig den Rücken. Je nach Gangart belastet das Pferd seine Rücken- und Bauchmuskeln unterschiedlich. Wenn du also zwischen den Gangarten Wechsel einbaust, bekommen die Muskeln deines Pferdes unterschiedliche Impulse und das wiederum lässt die Muskeln auf Dauer wachsen. Außerdem muss das Pferd im Übergang zwischen den Gangarten seine Muskeln lösen, um dann wieder neu und eben anders anspannen zu können. Das löst also auch den Rücken immer wieder. Genau das brauchst du auch für einen starken und guten Rücken – lösen und anspannen. TIPP: Du kannst das Ganze noch optimieren, wenn du in einer ACHT durch die ganze Bahn reitest – immer auf dem X-Punkt wechselst du die Gangart und Seite. Du reitest also im Galopp bei „A“ an und reitest den Zirkel im Galopp bis zum X-Punkt. Da parierst du zum Trab durch, wechselst auf den anderen Zirkel, reitest im Trab bis du wieder zum X-Punkt kommst und galoppierst dann wieder an.
  2. Vorwärts und Rückwärts den Berg hoch: Klingt im ersten Moment skurril, aber das stärkt die Hinterhand und fördert die aktive Hinterhand und das wiederum hilft deinem Pferd langfristig nicht mehr so auf die Schulter zu fallen und mit aktiver Hinterhand unterzutreten. Außerdem müssen die Bauchmuskeln arbeiten und die wiederum helfen deinem Pferd dich gesund zu tragen. Es muss den Rücken lösen, um rückwärts den Berg hochzukommen – das ist also eine supergeniale Sache für das Rückentraining. Aber auch das Bergarbeiter ist gut für den Rücken deines Pferdes. So gehts: Du gehst mit deinem Pferd spazieren und sobald es irgendwo bergauf geht, richtest du dein Pferd rückwärts und lässt es nur zwei bis drei Schritte mit gelassener Kopfhaltung (also nicht hochgerissenem Kopf) rückwärts den Berg hochgehen. Anfangs reichen 1-2 Schritte, später kannst du immer mehr Schritte bis zu acht oder zehn Schritte abfragen und irgendwann kannst du das Ganze auch vom Sattel aus machen bei deinen Ausritten. Das darfst du aber nicht unterschätzen – es ist unglaublich anstrengend für die Pferd und deswegen solltest du es anfangs nicht übertreiben, weil es dir so easypeasy vorkommt. Außerdem sollte dein Pferd schon entspannt und gut rückwärts gehen, damit es mit einer guten Kopfhaltung rückwärts hochgehen kann und nicht den Rücken durchdrückt dabei, weil es den Kopf zu hoch hält.
  3. Stangentraining! Ich LIEBE Stangen. Sie helfen deinem Pferd seine Beine aktiver zu heben und damit natürlich auch den Rücken zu lockern und die Bauchmuskeln mehr einzusetzen. Wenn du immer wieder mit Stangen trainierst, wird dein Pferd nach und nach lernen seine Beine bewusster zu heben und weniger zu schlurfen. TIPP: Anfangs nimmst du am besten Softboarder oder Gassen – günstige SOFTboarder bekommst du zum Beispiel HIER und kannst sie einfach mit Sand und Späne füllen – Dann kann dein Pferd sich nicht verletzen, wenn es vielleicht noch mit den Beinen dagegen schlägt, weil es seine Beine nicht hoch genug nimmt. Dann kannst du nach und nach auf Holzstangen wechseln und diese irgendwann auch mit Cavaletti höher legen.
  4. Gassentraining a la Equikinetic – Longieren in Stellung: Wenn du Muskeln aufbauen willst, dann kann dir auch korrektes Longieren dabei helfen. Kurz gesagt: Dein Pferd sollte in einer schönen Innenstellung mit dir auf dem Zirkel laufen. Du kannst das Ganze mit Gassen anfangen, so habt ihr eine klare Richtung vor Augen. Dafür brauchst du einen Kappzaum und Longe, 8 Softboarder und 4 Pylonen.So gehts: Du legst die Softboarder auf dem Zirkel aus. Immer zwei Softboarder parallel nebeneinander in einer Pferdebreite – so dass du 4 Gassen auf dem Zirkel hast. Zwischen den Gassen stellst du auf Höhe der Gassen-Innenseite jeweils eine Pylone auf. Anfangs kannst du mitlaufen bis dein Pferd das Prinzip erkannt hat, später kannst du dich auch in die Mitte stellen. Dann machst du deinem Pferd den Kappzaum um und nimmst die Longe in die Hand. Du lässt dein Pferd seinen Weg in den Gassen immer selbst finden – da kann es sich dann lösen und geraderichten. Zwischen den Gassen – also um die Pylonen – stellst du dein Pferd durch ein zupfendes Signal am Kappzaum nach innen. Es muss sich also um den Pylonen „Biegen“ beim Laufen.

Mit diesen vier Übungen kannst du den Rücken deines Pferdes auf jeden Fall trainieren und aufbauen. Natürlich gibt es noch viel mehr, was du trainieren kannst, aber diese Übungen sind ein schöner Einstieg ins Rückentraining und du kannst sie immer wieder aus deiner Trainingskiste holen und einbauen.

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  • Das alles solltest du natürlich immer nur mit einem gesunden Pferd trainieren und im Zweifelsfall deinen Tierarzt oder Trainer vor Ort fragen.
  • Wenn dein Pferd zu Übungen „Nein“ sagt, gilt es immer nachzuforschen warum das so ist. Meist haben Pferde einen Grund, wenn sie etwas nicht umsetzen wollen. Schließlich soll nicht nur der Rücken deines Pferdes gesund sein, sondern auch seine Seele und ihr solltet beide Spaß an den Übungen haben.
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Lesetipps für Pferdetraining

Jetzt habe ich zum Schluss noch Lesetipps für weiterführende Bücher, die dir bei deinem Training mit dem Pferd weiterhelfen können. Wenn du noch mehr über Stangentraining, das Intervall-Training und die Gassen lernen willst, kann ich dir folgende drei Bücher empfehlen:

  1. Stangentraining: Da kannst du nachlesen, wie du Stangentraining siamvoll aufbauen kannst – HIER nachlesen
  2. Dualaktivierung: Da bekommst du Facts und Übungsaufbau für das Training mit Gassen – HIER Entdecken
  3. Equikinetic: Da kannst du lernen, wie du dein Pferd mit Intervalltraining aufbauen und fit machen kannst – HIER STÖBERN

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4 Kommentare zu “4 geniale Übungen für einen guten Pferderücken

  1. Miriam sagt:

    Liebe Petra,

    das sind wirklich gute Übungen, die helfen die Muskulatur aufzubauen. Meiner Ansicht nach profitieren nicht nur Reitpferde davon, sondern alle Pferde.
    Eine Anmerkung vielleicht zu der Übung Rückwärts den Berg hoch. Hier ist es natürlich wichtig, dass das Pferd das Rückwärts entspannt und nicht mit hoch erhobenen Kopf macht. Viele Pferde kennen das Rückwärtsrichten leider als Strafe und nehmen dann schon mal entsprechend den Kopf in die Höhe. Dadurch verspannt sich das gesamte Pferd und die Übung ist eher kontraproduktiv. Diese Übung funktioniert nur dann wirklich, wenn das Pferd entspannt und freiwillig rückwärts tritt. Alles andere führt eher zu noch mehr Verspannungen. Meiner Ansicht nach ist die Übung nur dann wirklich zu empfehlen, wenn das Pferd auf der Ebene ein entspanntes Rückwärts ohne hoch erhobenen Kopf oder verspannten Rücken zeigt.
    Rückwärtsrichten ist an sich eine sehr schöne kräftigende Übung und ich persönlich lehne es ab, diese als Strafe einzusetzen. Denn damit macht man sich die Übung oft einfach kaputt und die Pferde eilen mit hochgehobenen Kopf irgendwie mit unsortierten Beinen rückwärts. So bringt die Übung dem Pferd aber absolut nichts außer Verspannungen und Schmerzen.
    Liebe Grüße
    Miriam

    • Petra sagt:

      Hallo liebe Miriam, da hast du absolut Recht. Für mich ist es so selbstverständlich, dass ich ein Rückwärts in Ruhe und Geduld und nicht mit hochgerissenem Kopf möchte – das Rückwärts ist so eine schöne vertrauensvolle Übung, dass ich sie nie als Strafe einsetzen würde. Das sollte natürlich nicht sein – damit die Übung rückenfreundlich ist, muss das Pferd schön rückwärts gehen – da hast du Recht :-) Ganz liebe Grüße, Petra

  2. Claudia sagt:

    Hallo Pferdefreunde,
    ich verstehe bis heute nicht, warum Rückwärtsrichten als Strafe eingesetzt wird, wo es doch auch eine gymnastizierende Übung ist.
    Zum Thema Rückenmuskulatur gibt es ja Bücher noch und nöcher. Ich selber bin der Meinung, dass der Aufbau selbiger erstmal vom Boden aus erfolgen sollte. Ich möchte auch nicht gleich einen Rucksack schleppen, wenn ich anfange den Rücken zu Trainieren. Ich selber bin für gutes Longieren ohne jegliche "Hilfszügel" um sowohl den Rumpftrageapparat, als auch die Rücken- und Bauchmuskulatur zu trainieren. Damit meine ich nicht nur im Kreis longieren, sondern auch mit geraden Strecken dabei. Es sollen ja ventrale und dorsale Muskelketten angesprochen werden. ( Ich arbeite nach "Longieren als Dialog" von K. Möller). Dazu noch gymnastizierende Einlagen, und all die oben beschriebenen Sachen.
    Hat man schon ein trainiertes Pferde tut gutes Longieren zwischedrin auch immer wieder gut.
    Beim Fellsattel habe ich keine eigenen Erfahrungen, aber Test zeigen, dass er wohl die größten Druckspitzen aufweist?!
    Ja, beim gesamten Training/Ausbildung braucht es eigentlich Zeit, da neben der Muskulatur sich auch die anderen Strukturen (Fazien, Sehnen, Bänder, Herz-Kreislauf "anpassen" müssen.
    Und aus eigenen Erfahrungen sollte man wissen, wie schnell Muskulatur, Ausdauer und Kondition schwinden, wenn man selbst Sport treibt. Das heißteigentlich, dass ein Pferd nach der evt. Winterpause und was auch immer, erstmal wieder "auftrainiert" werden sollte, um es gesund zu erhalten.
    Aber wieviele Freizeitreiter reiten drauf los, ohne sich jemals zu fragen kann mein Pferd mich eigentlich gesund tragen? Die Sportreiterei ist ein anderes Thema.
    Ich freue mich immer wieder, hier Leute zu treffen, die sich wirklich einen Kopf um ihren Partner machen.
    Liebe Grüße an alle Pferdefreunde
    Claudia

    • Petra sagt:

      Hallo liebe Claudia, da bin ich ganz deiner Meinung. Das Rückwärts ist eine vertrauensvolle und wunderschöne Übung, die man nicht als Strafe nutzen sollte. Es ist wunderschön, wenn Pferde sie mit einem mitgehen und so viel Vertrauen zeigen, dass sie ins "Nichts" gehen – denn sie sehen ja ganz hinten "nichts". Ganz liebe Grüße, Petra

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