Pferderücken stärken: 4 geniale Übungen + Anatomie-Wissen für ein gesundes, tragfähiges Pferd

Im Artikel gebe ich dir vier einfache und geniale Übungen an die Hand mit denen du den Rücken und Bauch deines Pferdes ganz einfach trainieren kannst.

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Stell dir vor, du setzt dich auf deinen Pferderücken und spürst sofort: Hier ist alles fest. Blockiert. Dein Pferd läuft steif, der Rücken schwingt nicht, und du fragst dich, was du falsch machst.

Die Antwort? Meistens gar nichts.

Nur hat niemand deinem Pferd gezeigt, wie es dich gesund tragen kann. Denn Pferde sind von Natur aus nicht fürs Reiten gemacht. Aber mit den richtigen Übungen wird aus einem verspannten Pferderücken eine geschmeidige Tragkraft.

In diesem Artikel zeige ich dir vier simple Übungen, die den Pferderücken deines Pferdes verwandeln können. Du erfährst, welche Muskeln wirklich wichtig sind, warum dein Pferd ohne Aufwärmen nicht starten sollte und wie du mit Stangenarbeit, Übergängen und cleveren Bodentricks einen starken, gesunden Pferderücken aufbaust.

Kein Fancy-Equipment. Nur Wissen, Zeit und die richtigen Impulse.

Pferdeanatomie Rücken

Das Wichtigste zum Pferderücken auf einen Blick

Du hast es eilig? Hier sind die wichtigsten Erkenntnisse für einen gesunden Pferderücken:

Ein gesunder Pferderücken entsteht nicht durch Reiten allein, sondern durch gezieltes Training von Rücken-, Bauch- und Halsmuskulatur. Alle drei Muskelgruppen arbeiten zusammen, damit dein Pferd dich tragen kann.

Aufwärmen ist Pflicht, nicht optional. Kalte Muskeln können den Reiter nicht gesund tragen. Ohne Aufwärmen riskierst du Verspannungen und langfristige Schäden.

Die 4 besten Übungen für den Pferderücken: Übergänge zwischen den Gangarten, Bergauf und Bergab rückwärts, Stangentraining und Longentraining in Stellung. Diese Übungen stärken die Muskulatur gezielt und fördern einen geschmeidigen, tragfähigen Rücken.

Dehnungshaltung ist kein Luxus, sondern Grundlage für einen aufgewölbten Pferderücken. Wenn dein Pferd sich vorwärts-abwärts dehnt, entlastet das den langen Rückenmuskel und fördert die Losgelassenheit.

Rückenprobleme erkennst du an: Unwilligkeit beim Satteln, Taktfehlern, Wegdrücken des Rückens, Empfindlichkeit bei Berührung und verkürzten Schritten.

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Warum ein gesunder Pferderücken essenziell ist

Der Pferderücken trägt uns nicht automatisch gesund und schmerzfrei. Er muss darauf vorbereitet werden. Denn Pferde sind von der Natur nicht fürs Reiten gemacht. Deswegen tragen wir als Reiter Verantwortung: für Muskelaufbau, Geschmeidigkeit und Rückengesundheit.

Jedes Pferd sollte bei uns Reitern unbedingt auch immer ins Fitnessstudio, bevor wir uns auf seinen Rücken setzen können ohne ihm zu schaden.

Denn Reiten bedeutet immer auch Belastung. Doch wenn du den Rücken deines Pferdes gezielt trainierst, kann aus Belastung gezielte Stärkung werden. Ein tragfähiger Rücken entsteht durch Bewegung, Aufwärmen, feine Hilfen und vor allem durch ein Training, das biomechanisch durchdacht ist.

Anatomie in Kürze: Was der Pferderücken braucht

Diese Elemente musst du im Training für den Pferderücken gezielt ansprechen. Nur dann wird dein Pferd lernen, dich gesund zu tragen, nicht nur irgendwie, sondern mit Leichtigkeit.

  • Beweglichkeit in der Brustwirbelsäule
  • Stabilität in der Lendenwirbelsäule
  • Kraft in Bauch und Hinterhand
  • Elastizität in der Oberlinie
  • Losgelassenheit im ganzen Körper

Denn Rückenschmerzen beim Pferd kommen oft schleichend ausgelöst durch unpassendes Training, Verspannungen, falsche Hilfengebung oder eine schlechte Haltung. Deshalb lohnt sich gezieltes, bewusstes Rückentraining vom ersten Moment an.

Wenn du dann noch mehr über den Pferderücken erfahren willst und welche Muskeln beim Reiten für dich arbeiten kannst du HIER in unserem Artikel über die Rückenanatomie des Pferdes weiterlesen. Jetzt legen wir erst einmal mit den versprochenen Fakten los, so dass du danach genau weisst was du warum bei deinem Pferd trainierst und wie du die ersten Schritte angehen kannst.

Ein gesunder Pferderücken schwingt und trägt dich durch seine Muskulatur und eine gute Körperhaltung des Pferdes. Aber das passiert nicht zufällig. Und auch nicht von selbst.

Das passiert nur durch kluge Übungen, kleinschrittige Entwicklung und ein durchdachtes Trainingskonzept, das biomechanisch sinnvoll aufgebaut ist.

Nur dann kann dein Pferd dich wirklich mit Freude, Leichtigkeit und auf gesunde Weise tragen.

Pferderücken - mit Hand Querformat BLOG

Aufwärmen: Das unterschätzte Fundament

Stell dir vor, du müsstest aus dem Kaltstart sprinten. Genau das passiert bei Pferden, wenn wir sie ohne Vorbereitung reiten. Deshalb ist Aufwärmen kein Extra, sondern Pflicht.

Ein gutes Aufwärmen lockert, durchblutet und aktiviert die Muskulatur. Es holt dein Pferd mental zu dir, gibt euch beiden Orientierung und bereitet den Körper auf gesundes Tragen vor.

Ohne ein schönes Aufwärmtraining sind die Muskeln steifer, fester und kälter. Die Gelenke sind noch nicht richtig am Start und die Gelenkschmiere „fliesst“ noch nicht richtig. Die Bänder sind fester und können leichter Verletzungen bekommen, wenn wir unsere Pferde nicht richtig aufwärmen.

Wenn wir unsere Pferde nicht richtig aufwärmen, riskieren wir Verspannungen, Widerstände oder sogar gesundheitliche Probleme. Deshalb ist das Aufwärmen kein Extra, sondern eine Notwendigkeit. Es bereitet nicht nur den Körper auf die bevorstehenden Aufgaben vor, sondern auch den Kopf.

Es gibt Pferde, die mehr Aufwärmtraining brauchen als andere, weil sie festere Muskeln haben oder von Natur aus weniger Tragkraft und Geschmeidigkeit. Meine Quarterstute beispielsweise muss ich deutlich länger aufwärmen als meine spanische Stute, bis sie geschmeidig läuft. Auch deswegen starte ich immer am Boden, damit der Pferderücken entlastet wird dabei.

Petra Carey bei der Bodenarbeit - Training an der Longe - BLOG

3 einfache Bodenübungen für den Pferderücken zum Aufwärmen

Ich mache mein Aufwärmtraining immer gerne am Boden, damit ich nicht nur das Pferd, sondern auch mich gleich mit aufwärmen kann und mein Pferd mich auch in der Schrittphase nicht schon auf seinen „noch kalten“ Muskeln tragen muss.

Am Boden geht das auch besonders fein, weil du dein Pferd sehen, spüren und begleiten kannst. Du bekommst sofort Rückmeldung, wie präsent es ist, wie frei es sich bewegt und was es gerade braucht.

Die folgenden drei Übungen sind einfach, effektiv und lassen sich wunderbar in euren Alltag integrieren. Sie fördern Losgelassenheit, Aufmerksamkeit und bereiten den gesamten Körper sanft auf die Arbeit vor.

Ich fasse mich kurz, denn es gibt einen ganzen Artikel zur Aufwärmphase und zu diesem Thema auf der Pferdeflüsterei mit vielen weiteren Tipps und Ideen – du kannst ihn dir HIER anschauen und weiterlesen – aber wichtig ist, dass du immer mit einer schönen Schrittphase startest, dann lockernde und gymnastizierende Übungen anfügst, um dann erst in Trab und später Galopp zu starten. Dein Pferd aufwärmen ist wichtig und es braucht eine richtige Aufwärmphase für dein Pferd.

Hier sind 3 einfache Bodenübungen fürs Aufwärmen:

  1. Führtraining mit Tempowechseln
    Schritt – Halten – Schritt – Rückwärts – Schritt schnell – Schritt langsam. Das fördert Aufmerksamkeit, Balance und Gelenkschmierung.
  2. Schlangenlinien & 8er-Figuren
    Am besten um Pylonen oder Bäume. Das mobilisiert die Wirbelsäule und aktiviert die Biegemuskeln.
  3. Kopf-Tief-Übungen mit Kappzaum
    Sanftes Anfragen der Dehnungshaltung durch Zupfen. Das entlastet die Halsbasis und dehnt die Oberlinie.

Je lockerer dein Pferd im Schritt ist, desto freier wird später der Rücken schwingen.

Was passiert ohne Aufwärmen?

Ohne Aufwärmen kann dein Pferd nicht nur körperlich, sondern auch mental nicht sein Bestes geben. Die Muskeln sind kalt und können sich nicht optimal zusammenziehen. Die Gelenke haben noch nicht genügend Gelenkschmiere produziert. Das Risiko für Zerrungen, Verspannungen und sogar Verletzungen steigt massiv.

Stell dir vor, du würdest morgens aus dem Bett springen und direkt einen Marathon laufen. Genau so fühlt sich dein Pferd, wenn du dich ohne Vorbereitung auf seinen Rücken setzt und losreitest.

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Quick Win: 3-Minuten-Aufwärmroutine

Du hast wenig Zeit? Hier ist eine Minimal-Routine, die trotzdem wirkt:

  1. 1 Minute: Führe dein Pferd im Schritt mit Tempowechseln
  2. 1 Minute: Lass es Kopf-Tief-Position suchen (durch sanftes Zupfen am Kappzaum)
  3. 1 Minute: Erste Schlangenlinien oder kleine Volten im Schritt

Das ist besser als gar kein Aufwärmen.

Sanfte Gymnastizierung: Vom Aufwärmen ins Training

Sobald dein Pferd bei dir ist – körperlich wie geistig – darf die nächste Ebene beginnen. Jetzt geht es nicht mehr nur ums Ankommen, sondern ums Öffnen.

Diese Übungen kannst du führen, longieren oder reiten. Aber wichtig ist die feine Kommunikation und das richtige Timing.

  • Schulterherein im Schritt – aktiviert schräge Bauchmuskeln, mobilisiert die Schulter
  • Travers auf der Geraden – stärkt die Lendenpartie, fördert Biegung
  • Volten mit echter Biegung – bringen Balance und Koordination

Wenn du spürst, dass dein Pferd also losgelassen atmet, weich in der Bewegung wird und seine Aufmerksamkeit bei dir liegt, ist der Moment gekommen, gezielt in die Lockerung zu gehen.

Sanfte gymnastizierende Übungen helfen dem Körper, sich zu dehnen, zu strecken, Spannungen abzubauen und sich geschmeidig auszurichten. Ohne Druck, ohne Zwang, sondern im Einklang mit der natürlichen Bewegungslust deines Pferdes.

Carey und Petra bei der Bodenarbeit

Handarbeit: Rückentraining ohne Reitergewicht

Die klassische Handarbeit ist ein Geschenk für den Pferderücken. Sie stärkt, mobilisiert und erlaubt dir, dein Pferd ohne Belastung gesund zu trainieren.

Unsere Trainerin Hero Merkel hat mit dieser Methode ein als unreitbar geltendes Pferd (Kissing Spines) zurück ins Training geführt. Mit System und Herz.

Unsere Trainerin im BodenarbeitsCLUB – Hero Merkel – hat ihr von der Tierklinik als unreitbar attestiertes Pferd mit der Diagnose Kissing Spines nur mit der richtigen Handarbeit am Boden bis zu einem erfolgreichen Stunt- und Dressurpferd wieder aufgebaut und trainiert.

Wenn du lernen willst, wie das geht: Im BodenarbeitsCLUB bekommst du Schritt-für-Schritt-Anleitungen, Trainingspläne und Live-Support. Hier mehr erfahren →

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Die Anatomie des Pferderückens verstehen

Es gibt diesen grossen Irrtum, dass der grosse Rückenmuskel des Pferdes den Reiter trägt. Das ist aber falsch. Denn beim Reiten sollten mehrere Muskeln zusammenspielen. Insgesamt spielen 3 grosse Muskelgruppen zusammen, die uns beim Reiten idealerweise tragen.

Du brauchst für einen tragfähigen Rücken folgende Muskeln besonders intensiv:

Nummer 1: Der lange Rückenmuskel (Musculus longissimus dorsi)

Dieser Muskel des Pferderücken ist der längste und stärkste Muskel und verläuft beidseitig entlang der Wirbelsäule des Pferdes. Vom Kreuzbein bis zum Nacken. Er verbindet die Hinterhand mit der Vorhand.

Er ist wichtig für die Bewegungsübertragung von der Hinterhand nach vorne (also auch den Schwung), stabilisiert den Rücken und muss das Reitergewicht tragen. Dieser Muskel hebt und senkt den Rücken – je nach Spannung – und beeinflusst unheimlich stark wie gut dein Pferd dich mit seinem Pferderücken tragen kann.

ACHTUNG: Ist er nicht trainiert oder verspannt, kann das zu Trageerschöpfung oder Schmerzen führen. Deswegen müssen wir diesen Muskel gut trainieren, stärken, lockern und elastisch halten.

Macht dir klar, dass er seeeeehr lang ist. Stell dir vor du hast ein langes Seidenband und spannst es zwischen zwei Baumstämmen. Du legst dann ein Gewicht darauf. Was passiert? Es hängt durch. Wenn du aber ein starkes Seil hast, wird es nicht so schnell durchhängen.

Nummer 2: Die Bauchmuskulatur (Musculus rectus abdominis)

Dein Pferd brauch seine Bauchmuskeln als „Gegenspieler“ um den Rückenmuskel zu unterstützen. Sie spielt also eine genauso grosse Rolle, wie der Rückenmuskel. Besonders der Musculus rectus abdominis.

Denn die Bauchmuskeln helfen die Wirbelsäule zu stabilisieren und sind die Gegenspieler zum Rückenmuskel. Sie unterstützen die Aufwölbung des Rückens und verhindern ein Hohlkreuz bei deinem Pferd.

Es es also auch die Bauchmuskeln, die dem langen Rückenmuskel dabei helfen sich zu heben und damit den Reiter schmerzfrei zu tragen.

Nummer 3: Die Halsmuskulatur (z.B. Musculus splenius)

Kommen wir noch zum Hals, der ebenfalls eine wichtige Rolle spielt. Spätestens wenn du diesen Absatz gelesen hast, wirst du verstehen warum Ausbinder oder Schlaufis Blödsinn sind.

Denn der Musculus splenius verbindet den Hals deines Pferdes in der Anatomie des Pferderückens mit dem Schulterbereich und beeinfluss damit, wie das Pferd den Kopf und Hals trägt.

Hals und Vorhand sind eng mit dem Rücken verbunden. Wenn dein Pferd also den Hals korrekt dehnt, kann es den Rücken leichter aufwölben, was dann den Druck auf den langen Rückenmuskel verringert.

Die Halsmuskeln helfen deinem Pferd seinen Kopf in einer schönen vorwärts-abwärts gerichteten Position zu halten. Das entlastet wiederum den Rücken und macht eine harmonische Dehnungshaltung überhaupt erst möglich.

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Wie arbeiten die 3 Muskelgruppen zusammen?

Bauchmuskulatur und Rückenmuskel arbeiten als Gegenspieler. Die Bauchmuskeln ziehen den Rücken hoch, während der lange Rückenmuskel für Stabilität sorgt. Ein locker vorwärts-abwärts gerichteter Hals sorgt dafür, dass die Rückenmuskeln freier arbeiten können, indem sie nicht durch einen hohen oder steifen Hals blockiert werden.

Wenn alle diese Muskeln aktiv sind und von deinem Pferd bewusst eingesetzt werden beim Reiten. kannst du auch davon reden, dass sich das Pferd „selbst trägt“.

Weshalb auch die Idee, dass wir „nur“ ein bisschen im Gelände im Schritt tingeln wollen und der Pferderücken das gut tragen kann kompletter Blödsinn ist.

Muskelaufbau für den Rücken des Pferdes

Ganz wichtig beim Thema Muskeln und Training ist neben einem guten Aufbau und den richtigen Lektionen vor allem die Zeit, die du dir und deinem Pferd gibst. Baue den Pferderücken langsam und geduldig auf. Es ist unglaublich wichtig, dass wir unseren Pferden Zeit geben und das Aufbautraining nicht verkrampft, sondern mit Liebe und Geduld gestalten.

Der Weg ist das Ziel und das Training soll euch beiden Spaß machen. Nur dann ist dein Pferd auch entspannt und kann mit Kopf und Körper korrekt trainieren.

TIPP: Wenn du gerade keinen passenden Sattel hast, den Rücken bei einem jungen Pferd oder bei deinem Pferd nach einer Krankheitsphase erst aufbauen musst. Deinem Pferd zwischendurch entspannte Runden mit voller Bewegungsfreiheit gönnen möchtest. Oder grundsätzlich deinen Sitz schulen willst, ist ein Lammfellsattel oder Reitpad optimal.

Lammfellsattel Satteln Carey - Pferderücken

Ich nutze sie gerne zwischendurch oder für kürzere Reiteinheiten, so dass das Pferd und die Muskeln ohne einen Baum komplett frei arbeiten können und ich die ganze Bewegung fühlen kann.

Sobald dein Pferd vorbereitet ist, kannst du auch beim Reiten gezielt für Rückengesundheit sorgen. Und zwar durch:

  • Losgelassenheit im Sitz
  • Weiches Mitschwingen
  • Einfühlsame Hilfen
  • Übergänge, Biegungen, Paraden

Die 4 besten Übungen für einen tragenden Pferderücken

Eine starke Rückenmuskulatur beim Pferd ist essenziell, um den Reiter gesund und langfristig tragen zu können. Ohne gut entwickelte Rückenmuskeln besteht die Gefahr von Verspannungen, Rückenproblemen und einer eingeschränkten Beweglichkeit. Um die Rückenmuskulatur des Pferdes zu stärken, ist gezieltes und durchdachtes Training notwendig, das auf die Anatomie und Bedürfnisse des Pferdes abgestimmt ist. Durch spezifische Übungen für den Pferderücken, wie Stangenarbeit, Bergaufreiten oder Longieren in Dehnungshaltung, kann das Training der Rückenmuskulatur effektiv gestaltet werden.

1. Übergänge mit System

Übergänge lockern das Pferd und kräftigen gleichzeitig den Rücken.

Je nach Gangart belastet das Pferd seine Rücken- und Bauchmuskeln unterschiedlich. Wenn du also zwischen den Gangarten Wechsel einbaust, bekommen die Muskeln deines Pferdes unterschiedliche Impulse und das wiederum lässt die Muskeln auf Dauer wachsen.

Außerdem muss das Pferd im Übergang zwischen den Gangarten seine Muskeln lösen, um dann wieder neu und eben anders anspannen zu können. Das löst also auch den Rücken immer wieder.

Genau das brauchst du auch für einen starken und guten Rücken – lösen und anspannen.

TIPP: Du kannst das Ganze noch optimieren, wenn du in einer ACHT durch die ganze Bahn reitest – immer auf dem X-Punkt wechselst du die Gangart und Seite.

Du reitest also im Galopp bei „A“ an und reitest den Zirkel im Galopp bis zum X-Punkt. Da parierst du zum Trab durch, wechselst auf den anderen Zirkel, reitest im Trab bis du wieder zum X-Punkt kommst und galoppierst dann wieder an.

Quick Win: Schon 5 Minuten Übergangsarbeit im Schritt-Trab-Schritt lockern den Rücken spürbar.

Häufige Fehler: Zu schnelle, hektische Übergänge ohne Vorbereitung. Dein Pferd braucht Zeit, um die Muskeln umzustellen. Pariere sanft und rechtzeitig durch.

2. Bergauf – vorwärts und rückwärts

Klingt im ersten Moment skurril, aber das stärkt die Hinterhand und fördert die aktive Hinterhand und das wiederum hilft deinem Pferd langfristig nicht mehr so auf die Schulter zu fallen und mit aktiver Hinterhand unterzutreten.

Außerdem müssen die Bauchmuskeln arbeiten und die wiederum helfen deinem Pferd dich gesund zu tragen. Es muss den Rücken lösen, um rückwärts den Berg hochzukommen. Das ist also eine supergeniale Sache für das Rückentraining. Aber auch das Bergarbeiter ist gut für den Rücken deines Pferdes.

So geht’s: Du gehst mit deinem Pferd spazieren und sobald es irgendwo bergauf geht, richtest du dein Pferd rückwärts und lässt es nur zwei bis drei Schritte mit gelassener Kopfhaltung (also nicht hochgerissenem Kopf) rückwärts den Berg hochgehen. Anfangs reichen 1-2 Schritte, später kannst du immer mehr Schritte bis zu acht oder zehn Schritte abfragen und irgendwann kannst du das Ganze auch vom Sattel aus machen bei deinen Ausritten.

Das darfst du aber nicht unterschätzen – es ist unglaublich anstrengend für die Pferd und deswegen solltest du es anfangs nicht übertreiben, weil es dir so easypeasy vorkommt. Außerdem sollte dein Pferd schon entspannt und gut rückwärts gehen, damit es mit einer guten Kopfhaltung rückwärts hochgehen kann und nicht den Rücken durchdrückt dabei, weil es den Kopf zu hoch hält.

Quick Win: Schon 3-5 Schritte rückwärts bergauf pro Spaziergang aktivieren die Bauchmuskulatur.

Häufige Fehler: Zu viele Schritte am Anfang oder ein hochgerissener Kopf. Dann wird der Rücken nicht gestärkt, sondern verspannt.

3. Stangentraining

Ich LIEBE Stangen. Sie helfen deinem Pferd seine Beine aktiver zu heben und damit natürlich auch den Rücken zu lockern und die Bauchmuskeln mehr einzusetzen. Wenn du immer wieder mit Stangen trainierst, wird dein Pferd nach und nach lernen seine Beine bewusster zu heben und weniger zu schlurfen.

TIPP: Anfangs nimmst du am besten Softboarder oder Gassen und kannst sie einfach mit Sand und Späne füllen. Dann kann dein Pferd sich nicht verletzen, wenn es vielleicht noch mit den Beinen dagegen schlägt, weil es seine Beine nicht hoch genug nimmt. Dann kannst du nach und nach auf Holzstangen wechseln und diese irgendwann auch mit Cavaletti höher legen.

Je nach Größe deines Pferdes legst du die Stangen etwas näher aneinander oder etwas weiter voneinander weg. Wie weit hängt außerdem noch von der Gangart deines Pferdes ab. Wie lang genau, musst du ausprobieren. Denn unabhängig von der Größe und Beinlänge, haben Pferde auch unterschiedlichen Raumgriff. Aber die folgende Grafik kann dir schon einmal erste Anhaltspunkte geben.

Stangenabstände als Richtwert:

  • Schritt: ca. 0,80-1,00 m
  • Trab: ca. 1,30-1,50 m
  • Galopp: ca. 3,00-3,50 m

Quick Win: Schon 4-6 Stangen im Schritt aktivieren Bauch- und Rückenmuskulatur sofort.

Häufige Fehler: Zu enge oder zu weite Abstände. Beobachte dein Pferd genau und passe die Abstände an seinen natürlichen Raumgriff an.

Stangentraining beim Pferd - der richtige Abstand - BLOG Grafik

4. Longentraining in Stellung

Wenn du Muskeln aufbauen willst, dann kann dir auch korrektes Longieren dabei helfen.

Kurz gesagt: Dein Pferd sollte in einer schönen Innenstellung mit dir auf dem Zirkel laufen. Du kannst das Ganze mit Gassen anfangen, so habt ihr eine klare Richtung vor Augen.

Dafür brauchst du einen Kappzaum und Longe, 8 Softboarder und 4 Pylonen.

So geht’s: Du legst die Softboarder auf dem Zirkel aus. Immer zwei Softboarder parallel nebeneinander in einer Pferdebreite – so dass du 4 Gassen auf dem Zirkel hast. Zwischen den Gassen stellst du auf Höhe der Gassen-Innenseite jeweils eine Pylone auf.

Anfangs kannst du mitlaufen bis dein Pferd das Prinzip erkannt hat, später kannst du dich auch in die Mitte stellen. Dann machst du deinem Pferd den Kappzaum um und nimmst die Longe in die Hand. Du lässt dein Pferd seinen Weg in den Gassen immer selbst finden. Da kann es sich dann lösen und geraderichten. Zwischen den Gassen – also um die Pylonen – stellst du dein Pferd durch ein zupfendes Signal am Kappzaum nach innen. Es muss sich also um den Pylonen „Biegen“ beim Laufen.

  • Das alles solltest du natürlich immer nur mit einem gesunden Pferd trainieren und im Zweifelsfall deinen Tierarzt oder Trainer vor Ort fragen.
  • Wenn dein Pferd zu Übungen „Nein“ sagt, gilt es immer nachzuforschen warum das so ist. Meist haben Pferde einen Grund, wenn sie etwas nicht umsetzen wollen. Schließlich soll nicht nur der Rücken deines Pferdes gesund sein, sondern auch seine Seele und ihr solltet beide Spaß an den Übungen haben.
  • Achte auf eine Schöne Kopf-Hals-Haltung und idealerweise tritt dein Pferd korrekt unter und „siegelt“. Auf dem Foto siehst du, dass meine Stute das Hinterbein noch etwas besser nach Vorne heben könnte. Sie tut sich sehr schwer mit dem „Untertreten“ durch ihre Anatomie. Aber die Kopf-Halshaltung ist gut und sie öffnet die Schulter für ihre Verhältnisse ganz gut.

Quick Win: Schon 10 Minuten Longenarbeit mit Stellung mobilisieren die Wirbelsäule und stärken die seitlichen Bauchmuskeln.

Häufige Fehler: Zu enge Zirkel oder zu viel Spannung auf der Longe. Das Pferd muss sich selbst tragen können, nicht an der Longe hängen.

Die perfekte Dehnungshaltung und was sie mit dem Rücken zu tun hat

Die Dehnungshaltung beim Pferd ist wichtig für die Gesundheit und Beweglichkeit des Pferderückens. Wenn dein Pferd im Training zwischendurch auch immer wieder in der richtigen Dehnungshaltung läuft, dehnt es seine gesamte Oberlinie vom Nacken über den Rücken bis hin zur Kruppe.

Die Dehnungshaltung ist kein Selbstzweck. Sie aktiviert die Oberlinie, entlastet den langen Rückenmuskel und unterstützt die Losgelassenheit.

Richtig ausgeführt:

  • Nase leicht vor der Senkrechten
  • Rücken wölbt sich auf
  • Pferd dehnt sich selbstständig vorwärts-abwärts

Beim Vorwärts-abwärts reiten wird der Rücken aufgewölbt, die Rückenmuskulatur wird gestärkt und Verspannungen können gelöst werden.

Dazu habe ich dir einen eigenen Artikel verfasst, weil das Thema zu wichtig ist, um in diesem Artikel unterzugehen.

Du kannst hier alles zu einem schönen Vorwärts-Abwärts nachlesen.

Aber kurz zusammengefasst kann ich sagen, dass du dein Pferd über ein schönes Aufwärmtraining lockerst und dann über die Dehnungshaltung zwischendurch Lockerung abfragen und Verspannungen lösen sowie Muskeln stärken kannst. Die Dehnungshaltung und das Vorwärts-Abwärts hilft deinem Pferd dabei lockerer und durchlässiger zu werden.

Dabei bleibt die Nase leicht vor der Senkrechten, und dein Pferd dehnt die gesamte Oberlinie.

5 Zeichen, dass dein Pferd richtig dehnt

  1. Die Nase ist leicht vor der Senkrechten, nicht dahinter und nicht hochgerissen
  2. Der Rücken wölbt sich sichtbar auf, du kannst es fühlen oder sehen
  3. Das Pferd schnaubt ab, atmet tief und entspannt
  4. Die Hinterhand tritt aktiv unter, das Pferd schiebt sich selbst nach vorne
  5. Die Bewegung wird geschmeidiger, lockerer und rhythmischer

3 typische Fehler bei der Dehnungshaltung

Fehler 1: Zu viel Druck auf die Zügel
Die Dehnung muss vom Pferd kommen, nicht von dir. Wenn du ziehst oder drückst, verspannt der Rücken statt sich zu öffnen.

Fehler 2: Die Nase zu weit unten
Wenn die Nase fast am Boden ist, kann das Pferd nicht mehr korrekt untertreten. Die Dehnung wird zur Belastung.

Fehler 3: Zu lange in Dehnung reiten
Dehnungshaltung ist kein Dauerzustand. Baue sie als Phasen ins Training ein, nicht als Gangart.

Quiz Reitgeheimnisse - sattel Nah

Rückenschmerzen beim Pferd erkennen und vermeiden

Ein gesunder Pferderücken ist das Fundament für die Gesundheit und Zufriedenheit deines Pferdes. Leider sind Rückenprobleme beim Pferd keine Seltenheit. Sie können durch viele Faktoren wie einen schlecht sitzenden Sattel, unpassenden Reiter oder falsches Training entstehen. Solche Rückenbeschwerden beim Pferd führen oft zu Unbehagen, Bewegungseinschränkungen und langfristig sogar zu schweren gesundheitlichen Problemen.

Rückenprobleme bei Pferden können sich auf vielfältige Weise äußern, und es ist wichtig, frühzeitig auf subtile Anzeichen zu achten, um größere gesundheitliche Probleme zu vermeiden. Hier sind die wichtigsten Symptome, an denen du erkennst, dass dein Pferd möglicherweise Rückenprobleme hat:

5 typische Anzeichen für Rückenprobleme beim Pferd:

  1. Unwilligkeit beim Satteln oder Aufsteigen
  2. Taktfehler, steifes oder asymmetrisches Laufen
  3. Wegdrücken des Rückens unter dem Reiter
  4. Empfindlichkeit am Rücken bei Berührung
  5. Lahmheiten oder kurze Schrittlänge

Ursachen reichen von Sattelproblemen bis zu unpassendem Training. Kläre immer körperliche Ursachen ab (Tierarzt, Physio, Osteo), bevor du ins Training gehst.

Aber mit gezielten Maßnahmen und dem richtigen Training kannst du Rückenschmerzen beim Pferd effektiv vermeiden und den Pferderücken langfristig gesund und glücklich halten.

Was du sofort tun kannst, wenn du Rückenprobleme vermutest

Schritt 1: Stoppe das Reiten sofort. Belaste den Rücken nicht weiter.

Schritt 2: Beobachte dein Pferd genau. Notiere alle Auffälligkeiten: Wann zeigt es Schmerzen? Bei welchen Bewegungen? Wie reagiert es auf Berührung?

Schritt 3: Rufe deinen Tierarzt, Physiotherapeuten oder Osteopathen an. Erkläre die Symptome und vereinbare einen Termin.

Schritt 4: Überprüfe deinen Sattel. Passt er noch? Liegt er korrekt? Gibt es Druckstellen?

Schritt 5: Starte nach der Behandlung langsam wieder. Beginne mit Bodenarbeit und Handarbeit, bevor du wieder reitest.

Checkliste für den Tierarzt/Osteo-Besuch

Bereite dich gut vor, damit der Experte schnell helfen kann:

  • Wann sind die Symptome aufgetreten?
  • Was hat sich im Training verändert?
  • Wann wurde der Sattel zuletzt angepasst?
  • Gibt es Vorerkrankungen oder Verletzungen?
  • Welche Übungen fallen dem Pferd besonders schwer?

Du brauchst kein fancy Equipment für einen gesunden Pferderücken.

Du brauchst:

  • Achtsamkeit
  • Anatomisches Wissen
  • Freude an der feinen Kommunikation

Dann kann dein Pferd Schritt für Schritt einen starken, tragenden Rücken entwickeln. Nicht durch Druck. Sondern durch Vertrauen, Zeit und richtiges Training.

Der richtige Sattel entlastet den Pferderücken

Machen wir uns nichts vor: Wir können noch so schön trainieren und Muskeln beim Pferd aufbauen, lockern und an unserem Sitz arbeiten, aber wenn der Sattel nicht passt, kann dein Pferd nicht gesund und schmerzfrei laufen und wird auch nicht die richtigen Muskeln am Pferderücken entwickeln können.

Ein passender Sattel ist kein Luxus, sondern Grundlage für den Pferderücken.

Achte auf:

  • Schulterfreiheit
  • Wirbelsäulenfreiheit
  • Kein Druck oder Rutschen

Lass die Passform regelmäßig kontrollieren. Nur dann kann dein Pferd den Rücken gesund nutzen.

Leider erlebe ich viel zu oft, dass die Sättel nicht passen, weil Sattler beispielsweise das Kopfeisen zu eng einstellen, damit der Sattel am Pferderücken nicht rutscht. Oder das Pferd sich so stark weiterentwickelt hat, dass der Baum am Pferderücken nicht mehr passt. Oder der Baum nie richtig gut eingestellt wurde, weil es leider nicht nur gute Sattler gibt.

Ein guter Sattel ist ganz wichtig für einen gesunden Rücken, damit dein Pferd Wirbelsäulenfreiheit und Schulterfreiheit hat.

Dazu darf der Sattel am Pferderücken nicht drücken, damit keine Atrophien entstehen.

  • Lass unbedingt regelmässig die Passform deines Pferdesattels am Pferderücken überprüfen und checke den richtigen Sitz beim Reiten. Ein guter Sattel kann den Pferderücken entlasten und dein Reitergewicht schön über den Baum verteilen. Ein schlecht sitzender Sattel kann deinem Pferd Schmerzen, Blockaden und viele unangenehme Gefühle verschaffen.
  • Wenn dein Pferd beim Satteln oder Aufsteigen unruhig wird, den Rücken wegdrückt oder sogar versucht zu beißen, könnte das ein Hinweis auf Rückenschmerzen sein. Besonders das Auflegen des Sattels oder Anziehen des Gurtes kann bei Rückenproblemen unangenehm sein.
  • Ein Pferd mit Rückenproblemen zeigt häufig eine eingeschränkte Beweglichkeit, läuft steif oder ungleich. Du könntest merken, dass es Schwierigkeiten hat, schwungvoll zu traben oder den Galopp zu wechseln. Auch Taktfehler und Stolpern können ein Zeichen für Verspannungen oder Schmerzen im Rückenbereich sein.
  • Wenn das Pferd den Rücken wegdrückt, anstatt sich aufzuwölben, oder Schwierigkeiten hat, den Reiter korrekt zu tragen, ist dies ein klares Zeichen für ein Problem. Es könnte sein, dass es sich nicht vorwärts-abwärts dehnt oder generell Schwierigkeiten zeigt, den Rücken zu entspannen. Ein Pferd, das Rückenschmerzen hat, wird oft an Leistungsfähigkeit einbüßen. Es zeigt weniger Vorwärtsdrang, ist weniger rittig und kann sich schlechter versammeln oder biegen. Auch die allgemeine Bereitschaft zur Arbeit lässt nach.
  • Achte darauf, wie dein Pferd auf Berührungen am Rücken reagiert. Bei Rückenproblemen sind betroffene Pferde oft empfindlich, besonders im Bereich der Wirbelsäule. Leichte Berührungen können Unbehagen auslösen, und das Pferd könnte mit Muskelzucken, Wegdrücken oder sogar Aggressivität reagieren.
  • In schweren Fällen können Rückenprobleme sogar zu unspezifischen Lahmheiten führen. Ein ungleichmäßiger Gang oder kürzere Schrittlängen können auf Verspannungen oder Blockaden im Rückenbereich hinweisen, weil das Pferd versucht, den Schmerz zu kompensieren.

3 Sattel-Checks, die jeder selbst machen kann

Check 1: Die Wirbelsäule
Lege deinen Sattel auf und schaue von hinten. Kannst du die Wirbelsäule komplett durchsehen? Wenn nicht, drückt der Sattel auf die Wirbelsäule.

Check 2: Die Schulter
Bewege die Schulter deines Pferdes nach hinten (so als würde es einen Schritt machen). Bleibt genug Platz? Oder klemmt der Sattel die Schulter ein?

Check 3: Nach dem Reiten
Nimm den Sattel ab und schaue auf den Rücken. Siehst du trockene Stellen? Das sind Druckpunkte. Ein gut passender Sattel hinterlässt gleichmäßige Schweißflecken.

Wenn du mehr Austausch und Wissen willst, dann komm gerne in unsere Bodenarbeits-Community auf der Lernplattform Skool kommen – du kannst dich jederzeit anmelden und reinschnuppern – klick HIER um dir alles einfach mal einen Monat anzuschauen. Kein Risiko, du kannst jederzeit monatlich kündigen.

Pferderücken stärken: 4 geniale Übungen + Anatomie-Wissen für ein gesundes, tragfähiges Pferd 1

FAQ: Die häufigsten Fragen zum Pferderücken

FAQ

Wie lange dauert Muskelaufbau am Pferderücken?

Das hängt vom Ausgangszustand deines Pferdes ab. Ein junges, untrainiertes Pferd braucht etwa 6-12 Monate, bis eine solide Grundmuskulatur aufgebaut ist. Ein Pferd nach einer Pause oder Krankheit kann schneller wieder Muskeln aufbauen, weil die Strukturen schon vorhanden waren. Rechne mit mindestens 3-6 Monaten konsequentem Training.

Wichtig ist: Muskelaufbau braucht Zeit, Geduld und kleinschrittiges Vorgehen. Du kannst den Prozess nicht beschleunigen, ohne Schaden zu riskieren.

Kann ich mit einem hohlen Rücken reiten?

Nein. Ein hohler Rücken ist ein Zeichen dafür, dass dein Pferd dich nicht korrekt trägt. Die Bauchmuskulatur arbeitet nicht, der lange Rückenmuskel ist überlastet und die Wirbelsäule wird falsch belastet. Das führt langfristig zu Schmerzen und Schäden.

Wenn dein Pferd den Rücken wegdrückt, stoppe das Reiten und arbeite erst am Boden an der Rückenmuskulatur. Erst wenn der Rücken sich aufwölbt, darfst du wieder reiten.

Welche Übung ist am besten für den Rückenaufbau?

Es gibt nicht die eine perfekte Übung. Der Rücken braucht Vielseitigkeit: Übergänge für die Lockerung, Stangenarbeit für die Koordination, Bergarbeit für die Kraft und Dehnungshaltung für die Geschmeidigkeit.

Wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich sagen: Übergänge. Sie sind einfach, überall umsetzbar und wirken sofort.

Wie erkenne ich, ob mein Sattel passt?

Achte auf diese 3 Punkte:

  1. Wirbelsäulenfreiheit: Du kannst von hinten durchschauen
  2. Schulterfreiheit: Die Schulter kann sich frei bewegen
  3. Gleichmäßige Druckverteilung: Nach dem Reiten siehst du gleichmäßige Schweißflecken, keine trockenen Stellen

Lass deinen Sattel mindestens einmal im Jahr von einem guten Sattler überprüfen.

Ist Stangenarbeit auch für alte Pferde geeignet?

Ja, absolut. Stangenarbeit ist sogar besonders wertvoll für ältere Pferde, weil sie Koordination, Balance und Muskelkraft fördert – alles Dinge, die im Alter abnehmen.

Beginne mit niedrigen Stangen oder Softboardern im Schritt. Achte darauf, dass dein Pferd nicht überfordert wird. Kurze, regelmäßige Einheiten sind besser als lange, anstrengende Sessions.

Was mache ich bei Kissing Spines?

Kissing Spines ist eine ernsthafte Diagnose, die immer tierärztlich begleitet werden muss. Viele Pferde können aber mit gezielter Bodenarbeit, Handarbeit und Muskelaufbau wieder Lebensqualität gewinnen.

Der Fokus liegt auf: Rückenmuskulatur aufbauen, Bauchmuskulatur stärken, Dehnung fördern und niemals mit Hohlkreuz arbeiten. Reiten ist oft erst nach Monaten wieder möglich – manchmal auch gar nicht mehr. Aber ein erfülltes Leben am Boden ist möglich.

Hero – unsere Pferdeexpertin im BodenarbeitsCLUB hat ihr Pferd mit der Diagnose „unreitbar wegen Kissing Spines“ nur mit der ichtigen Bodenarbeit wieder reitbar trainiert – und zwar so, dass Omen sogar als Stuntpferd in Shows mitlaufen konnte und bis heute geritten wird.

HEro reitet auf Omen durchs FEuer hochkant

Wie oft sollte ich Rückentraining machen?

Idealerweise jeden Tag, aber in kurzen, gezielten Einheiten. Lieber 15 Minuten konzentriertes Training täglich als einmal pro Woche 2 Stunden.

Dein Pferd braucht aber auch Pausen. Plane mindestens einen Tag pro Woche komplett ohne Training ein. An diesem Tag darf dein Pferd einfach Pferd sein.

Kann ich den Pferderücken nur vom Boden trainieren?

Ja, absolut. Bodenarbeit ist sogar oft effektiver als Reiten, weil der Rücken nicht durch Reitergewicht belastet wird. Du kannst mit Handarbeit, Longenarbeit, Stangentraining und gezielter Gymnastizierung einen starken, gesunden Pferderücken aufbauen.

Viele Pferde profitieren davon, wenn Bodenarbeit die Basis bildet und Reiten nur die Ergänzung ist – nicht umgekehrt.

Zusammenfassung: Dein Weg zum gesunden Pferderücken

Ein gesunder Pferderücken entsteht nicht durch Zufall. Er entsteht durch Wissen, Zeit und die richtigen Übungen.

Hier sind die wichtigsten Punkte nochmal zusammengefasst:

Verstehe die Anatomie. Drei Muskelgruppen tragen dich: der lange Rückenmuskel, die Bauchmuskulatur und die Halsmuskulatur. Alle drei müssen zusammenarbeiten.

Wärme dein Pferd auf. Kalte Muskeln können nicht korrekt arbeiten. Ohne Aufwärmen riskierst du Verspannungen und Verletzungen.

Nutze die 4 besten Übungen. Übergänge, Bergarbeit, Stangentraining und Longenarbeit in Stellung stärken den Rücken gezielt und effektiv.

Arbeite mit Dehnungshaltung. Sie entlastet den Rücken, fördert die Losgelassenheit und ist Grundlage für alles weitere Training.

Achte auf deinen Sattel. Ein schlecht sitzender Sattel macht alles Training zunichte. Lass ihn regelmäßig überprüfen.

Höre auf dein Pferd. Wenn es Schmerzen zeigt, reagiere sofort. Kläre körperliche Ursachen ab, bevor du weiter trainierst.

Du brauchst keine 100 Übungen, kein stundenlanges Training, sondern Achtsamkeit, Verständnis, Feinheit und ein Pferd, das gesehen wird. Dann kann dein Pferd sich öffnen, schwingen, loslassen und Stück für Stück einen gesunden, tragfähigen Rücken aufbauen. Denn Rückenmuskeln wachsen nicht durch Druck, sondern durch Vertrauen, Feinheit und fundiertes Training.

Dein nächster Schritt

Du willst mit biomechanisch korrekter und guter Bodenarbeit starten? Dann finde MIT UNSEREM BODENARBEITSQUIZ heraus, wo du und dein Pferd gerade steht und was eure nächste beste Bodenarbeitsübung ist.

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Zum Schluss: Lesetipps für schönes Rückentraining

Zum Schluss habe ich noch Lern- und Lesetipps für schönes Rückentraining für dich. Sie können dir bei deinem Training mit dem Pferd weiterhelfen.

Wenn du noch mehr über schönes Stangentraining, Pferde Anatomie und sinnvolle ganzheitliche Bodenarbeit für ein gesundes Pferd lernen willst, habe ich folgende drei Lern- und Lesetipps für dich:

  1. TIPP: Sinnvolle Bodenarbeit! ..nach dem ganzheitlichen Prinzip der BODENARBEITSFORMEL von meiner Reiterfreundin Hero Merkel und mir – du kannst die komplette Formel in unserem BodenarbeitsCLUB anschauen und trainieren – hier kannst du mehr dazu erfahren
  2. TIPP: Thema „Stangentraining“: Hier in meinem Artikel kannst du genauer nachlesen, wie du schönes Stangentraining sinnvoll aufbauen kannst – HIER nachlesen
  3. TIPP: Pferde Anatomie besser verstehen? In meinem Lieblingsbuch zu diesem Thema bekommst du die wichtigsten Fakten auf einen Blick erklärt – HIER anschauen

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7 Kommentare

  1. Claudia

    Hallo Pferdefreunde,
    ich verstehe bis heute nicht, warum Rückwärtsrichten als Strafe eingesetzt wird, wo es doch auch eine gymnastizierende Übung ist.
    Zum Thema Rückenmuskulatur gibt es ja Bücher noch und nöcher. Ich selber bin der Meinung, dass der Aufbau selbiger erstmal vom Boden aus erfolgen sollte. Ich möchte auch nicht gleich einen Rucksack schleppen, wenn ich anfange den Rücken zu Trainieren. Ich selber bin für gutes Longieren ohne jegliche „Hilfszügel“ um sowohl den Rumpftrageapparat, als auch die Rücken- und Bauchmuskulatur zu trainieren. Damit meine ich nicht nur im Kreis longieren, sondern auch mit geraden Strecken dabei. Es sollen ja ventrale und dorsale Muskelketten angesprochen werden. ( Ich arbeite nach „Longieren als Dialog“ von K. Möller). Dazu noch gymnastizierende Einlagen, und all die oben beschriebenen Sachen.
    Hat man schon ein trainiertes Pferde tut gutes Longieren zwischedrin auch immer wieder gut.
    Beim Fellsattel habe ich keine eigenen Erfahrungen, aber Test zeigen, dass er wohl die größten Druckspitzen aufweist?!
    Ja, beim gesamten Training/Ausbildung braucht es eigentlich Zeit, da neben der Muskulatur sich auch die anderen Strukturen (Fazien, Sehnen, Bänder, Herz-Kreislauf „anpassen“ müssen.
    Und aus eigenen Erfahrungen sollte man wissen, wie schnell Muskulatur, Ausdauer und Kondition schwinden, wenn man selbst Sport treibt. Das heißteigentlich, dass ein Pferd nach der evt. Winterpause und was auch immer, erstmal wieder „auftrainiert“ werden sollte, um es gesund zu erhalten.
    Aber wieviele Freizeitreiter reiten drauf los, ohne sich jemals zu fragen kann mein Pferd mich eigentlich gesund tragen? Die Sportreiterei ist ein anderes Thema.
    Ich freue mich immer wieder, hier Leute zu treffen, die sich wirklich einen Kopf um ihren Partner machen.
    Liebe Grüße an alle Pferdefreunde
    Claudia

    Antworten
    • Petra

      Hallo liebe Claudia, da bin ich ganz deiner Meinung. Das Rückwärts ist eine vertrauensvolle und wunderschöne Übung, die man nicht als Strafe nutzen sollte. Es ist wunderschön, wenn Pferde sie mit einem mitgehen und so viel Vertrauen zeigen, dass sie ins „Nichts“ gehen – denn sie sehen ja ganz hinten „nichts“. Ganz liebe Grüße, Petra

    • Kirsten

      Hallo Claudia,
      dass Rückwärtsrichten als Strafe eingesetzt wird, kommt aus dem Springreiten und ist tatsächlich aufgrund eines Mißverständnisses entstanden. Korrekt ausgebildete Pferde kann man durch Rückwärtsrichten tatsächlich extrem schnell und ohne großen Aufwand wieder an die Hilfen stellen, Geraderichten und Schließen/Versammeln. Daher wurde das Rückwärts früher gern im Springreiten eingesetzt, wenn das Pferd verweigert hat – einfach um schnell Weiterreiten zu können und dem Pferd trotzdem noch die Möglichkeit zu geben, sich das Gruselhindernis noch etwas anzusehen. Noch heute sieht man das Rückwärts vor dem Parcours als Vorbereitung.
      Weniger fortgeschrittene Reiter haben das Rückwärtsrichten nach dem Verweigern dann beobachtet und dachten, der Reiter mache das, um das Pferd zu bestrafen. Und schwupps war der Mythos geboren.

      Da man feststellte, dass das Pferd rückwärts allein nicht als Strafe ansieht, wurde es natürlich noch mit ordentlich Riegeln und Sporenstechen zur Strafe gemacht, wenn das Pferd nicht promt reagierte. Gepaart mit Unvermögen kam es dann zu den heutigen unschönen Szenen.

      LG – Kirsten

    • Elisabeth Jedinger

      Fellsättel sollten laut Fa. Grandeur ohne Steigbügel geritten werden, dadurch entstehen Druckspitzen.

    • Petra

      Sehe ich auch so :-)

  2. Miriam

    Liebe Petra,

    das sind wirklich gute Übungen, die helfen die Muskulatur aufzubauen. Meiner Ansicht nach profitieren nicht nur Reitpferde davon, sondern alle Pferde.
    Eine Anmerkung vielleicht zu der Übung Rückwärts den Berg hoch. Hier ist es natürlich wichtig, dass das Pferd das Rückwärts entspannt und nicht mit hoch erhobenen Kopf macht. Viele Pferde kennen das Rückwärtsrichten leider als Strafe und nehmen dann schon mal entsprechend den Kopf in die Höhe. Dadurch verspannt sich das gesamte Pferd und die Übung ist eher kontraproduktiv. Diese Übung funktioniert nur dann wirklich, wenn das Pferd entspannt und freiwillig rückwärts tritt. Alles andere führt eher zu noch mehr Verspannungen. Meiner Ansicht nach ist die Übung nur dann wirklich zu empfehlen, wenn das Pferd auf der Ebene ein entspanntes Rückwärts ohne hoch erhobenen Kopf oder verspannten Rücken zeigt.
    Rückwärtsrichten ist an sich eine sehr schöne kräftigende Übung und ich persönlich lehne es ab, diese als Strafe einzusetzen. Denn damit macht man sich die Übung oft einfach kaputt und die Pferde eilen mit hochgehobenen Kopf irgendwie mit unsortierten Beinen rückwärts. So bringt die Übung dem Pferd aber absolut nichts außer Verspannungen und Schmerzen.
    Liebe Grüße
    Miriam

    Antworten
    • Petra

      Hallo liebe Miriam, da hast du absolut Recht. Für mich ist es so selbstverständlich, dass ich ein Rückwärts in Ruhe und Geduld und nicht mit hochgerissenem Kopf möchte – das Rückwärts ist so eine schöne vertrauensvolle Übung, dass ich sie nie als Strafe einsetzen würde. Das sollte natürlich nicht sein – damit die Übung rückenfreundlich ist, muss das Pferd schön rückwärts gehen – da hast du Recht :-) Ganz liebe Grüße, Petra

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