Artikel aktualisiert am 23.08.2019

Kannst du dir vorstellen im vollen Galopp ohne Einwirkung seitlich am Pferd zu hängen oder in einem Steigbügel hinterher geschleift zu werden, täglich vom Pferd zu fallen? Das ist der Alltag und Job von Hero Merkel. Sie ist Pferdetrainerin und Stuntfrau. Was für viele Reiter die absolute Horrorvorstellung ist, ist für Hero ihre Arbeit und ihr täglicher Adrenalinkick. Damit sie da alles so cool und entspannt machen kann, braucht sie mindestens genauso coole und entspannte Pferde. 

Horses & Heroes

Gerade hat Hero eine wirklich geniale Show auf die Beine gestellt – du kannst sie noch bis Ende September live sehen in der Show „Horses & Heroes“ im schönen Elsaß, nahe der deutschen Grenze. Die Show macht richtig Spaß und die Pferde haben vorbildlich schön entspannte Gesichtsausdrücke und arbeiten offensichtlich mit Freude und Vertrauen mit. Deswegen ist Heros Show so ziemlich die einzige Pferdeshow, bei der du mich finden wirst. Denn da weiß ich ganz sicher, dass die Pferde fein und geduldig dafür trainiert werden und es hinter den Kulissen genauso pferdefreundlich abläuft wie vor den Kulissen. 

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Wie du ein richtig gelassenes Pferd bekommst

Wie sie ihre Pferde vom „Normalpferd“ zum grundcoolen „Stuntpferd“ trainiert, wird sie dir jetzt gleich in diesem Gastartikel erklären. Das geniale daran ist, dass du dir all ihre Tips und Gedanken schnappen und auch dein Pferd cooler trainieren kannst.

Keine Angst! Du musst keine Stunts am Ende machen und dein Pferd muss auch nicht unbedingt wie Heros Pferde in den fahrenden Hänger galoppieren oder steigen können. Das sind natürlich geniale Hacks, die Hero mit ihren Pferden jeden Tag machen kann.

Aber sie schafft es auf eine unglaublich beeindruckende Art und Weise ein vertrauensvolles und schönes Verhältnis mit all ihren Pferden zu finden. Die Pferde machen Shows, Stunts und Actionreiches Training mit zutiefst gelassenen Gesichtsausdrücken mit und sind bombensicher – egal ob Feuer, Knallgeräusche oder wildes Geschrei um sie herum passiert. 

Bevor ich jetzt noch weitertippe und tippe und tippe, übergebe ich das Wort an Hero, die dir jetzt in ihrem Gastartikel Tipps und Gedanken mitgeben wird, damit auch dein Pferd zukünftig gelassener mit dir unterwegs sein kann. Sie beschreibt im Grunde ihren Weg und ihre Gedanken im Training mit noch unerfahrenen Pferden zu gelassenen Stuntpferden. D

Du kannst dir aber jeden einzelnen Schritt auch für dein Pferd schnappen – weil all diese Schritte und Tipps im Grunde das Ziel haben gelassene und gut reitbare Pferde zu bekommen. Genau das, was du dir vermutlich auch wünschst. 

Tipps von der Pferdetrainerin und Stuntfrau Hero Merkel für dich und dein Pferd – Gastartikel

Stuntpferde müssen gelassen sein und zwischen Pferd und Mensch muss es eine vertrauensvolle und starke Beziehung geben. Als Stuntreiter verlässt du dich auf dein Pferd und vertraust ihm letztlich auch dein Leben an. Deswegen ist die Ausbildung sehr wichtig und mir persönlich auch eine vertrauensvolle und liebevolle Ausbildung, die zu einer gesunden und starken Basis zwischen mir und den Pferden führt. Die meisten Schritte dieser Ausbildung kannst du dir auch für dein Freizeitpferd schnappen und üben. Es kann dadurch nur gelassener und sicherer für dich werden. 

Von Stuntpferden fürs Freizeitpferd lernen

Deswegen will ich dir in meinem heutigen Gastartikel meine Ideen und Tipps auf dem Weg zu einem Stuntpferd schreiben, damit du sie dir für deinen Privatgebrauch so schnappen kannst, wie sie sich gut für dich und dein Pferd anfühlen. Achte dabei aber immer auch auf deine Sicherheit und hol dir Unterstützung, wenn du unsicher bist. Da gilt natürlich: Nicht alles was bei unseren Shows oder auf unseren Videos gesehen wird, solltet man zuhause ohne Anleitung nachmachen. Eltern haften für ihre Kinder 😉

Wenn ich mit eine Pferd starte und seine Ausbildung zum Stuntpferd beginnen soll, fange ich zunächst bei mir selbst an. Zu Beginn des Trainings geht es für mich bei allen Pferden viel mehr um meine innere Einstellung zum Reiten als um besondere reiterliche Aktionen mit dem Pferd. 

Was ich damit sagen will: Bevor ich mit dem Trickriding anfange, muss ich mich fragen, ob ich dazu bereit bin, meinem Pferd mein Leben anzuvertrauen – das ist nämlich die Grundvoraussetzung für die sogenannte „Voltige“ – also das Stuntreiten. 

Die richtige Einstellung

Warum ich mich das frage? Die richtige Einstellung kann dabei helfen, Entspannung gemeinsam mit dem Pferd zu finden. Beim ersten Schritt zum Stuntpferd oder auch zum coolen Freizeitpferd geht es nämlich weniger um bestimmte Übungen, sondern eher um den Gedanken und den Willen loszulassen. Nur wenn ich loslassen und Vertrauen kann, bin ich körperlich und seelisch entsprechend losgelassen. Nur dann kann ich mich sicher genug bewegen und meinem Pferd auch genau diese Sicherheit vermitteln. Das ist letztlich ein großer Schlüssel zu einem coolen Stuntpferd – den du dir aber auch für das Training mit deinem Freizeitpferd aufnehmen kannst. 

Ebenso gehen meine Gedanken beim Training der angehenden Stuntpferde in diese Richtung. 

Die ersten Trainingsschritte zu mehr Gelassenheit

Am Anfang möchte ich beim entspannten Reiten einfach aufhören, mich durch normale Dinge einschränken zu lassen und mich unbefangen bewegen: 

  • Das können Kleinigkeiten des Alltags sein wie das Aus- oder Anziehen einer Jacke
  • dass der Reiter sich gemütlich die Nase putzen kann
  • eine raschelnde Kleidung beim Reiten
  • ungeschicktes Aufsteigen bei dem man mit dem Bein das Pferd berührt oder unkonventionelles Absteigen vorne oder hinten runter. 

Kurz gesprochen: Ich amüsiere mich mit meinen jungen Pferden während ich Unsinn auf ihrem Rücken mache oder mich einfach frei und losgelöst verhalte.

Wie schafft man es also, Pferde immer entspannter und gelassener werden zu lassen? Das entsteht letztlich, wenn das Pferd dem Menschen immer mehr vertraut. Das ist unsere große Aufgabe im Zusammensein mit den Pferden: Ihr Vertrauen zu gewinnen. 

Vertrauen ist der Schlüssel 

Leider sehe ich als Pferdetrainerin und Reitlehrerin immer wieder Reiter, denen das nicht gelingt.

Es gibt da aber kein Zaubermittel – gutes Pferdetraining ist die Lösung:

  • Ich biete meinen Pferden eine Konstante, bin sooft es mir möglich ist für sie da
  • Ich trainiere sie mit Ruhe und Geduld
  • Körperliche Entspannung durch Biegungen und Lockerungen, aber auch geistige Entspannungen durch Wiederholungen wo es nötig ist und Abwechslung, wenn es gewünscht wird, führen zu ausgeglichenen Pferden
  • Auch eine artgerechte Pferdehaltung kann dem Pferd helfen seine innere Ruhe zu finden

Außerdem ist es sehr wichtig, dass wir uns viel Zeit nehmen und unsere Pferde genau beobachten. Wir müssen zum Partner unserer Pferde werden und wie in einer menschlichen Partnerschaft, entsteht dieses Beziehungsband nicht von heute auf morgen, sondern wächst langsam mit der gemeinsam verbrachten Zeit und den gemeinsamen Erfolgen. 

Irgendwann spüre ich beim Training nach und nach eine Selbstverständlichkeit, die von beiden Seiten ausgeht. Einerseits gewöhnt sich das Pferd gänzlich an mich, andererseits fange auch ich selbst an, dem Pferd zu vertrauen und dann ist die Zeit gekommen den nächsten Schritt im Stuntpferdeleben des Pferdes einzuleiten. Das kannst du aber natürlich auch für dein Freizeitpferd nutzen. 

Sensible Desensibilisierung

  1. Wenn das Pferd und ich uns kennen und verstehen, beginne ich das Pferd mit meinen beiden Beinen überall, wo ich als Reiter hinkomme, zu streicheln. Meist habe ich dafür noch keinen speziellen Sattel auf dem Pferderücken und tue dies daher nur im Stand und im Schritt. 
  2. Dies artet dann schlussendlich in schwungvolle Bewegungen aus, die meine Beine von einer zur anderen Seite bringen. 
  3. Wenn das im Schritt und Stand gut geht, wechsele ich den Sattel um das alles auch im Trab oder Galopp machen zu können. Da nutze ich die Hilfe von jemandem am Boden, der das Pferd im Kreis in der gewünschten Gangart hält. Natürlich braucht das Pferd auch am Boden dafür eine gute Basis. Schritt, Trab und Galopp sollten leicht von der Person zu erfragen sein und bei einem Problem, sollte das Pferd sofort auf eine minimale Hilfe des Menschen anhalten. 
  4. Schließlich beginne ich dann auch mein Gewicht zu verlagern – am Anfang immer im Schritt und auf einer geraden Linie. Denn das ist körperlich leichter auszugleichen als im Stand oder auf einem Kreis. 
  5. Dann kommen erste Figuren. Ab hier geht es langsam immer mehr in Richtung Stuntpferde-Dasein. Du kannst das natürlich weiter mit“trainieren“ mit deinem Pferd. Aber all die kommenden Schritte dienen schon der Vorbereitung zum Stuntpferdedasein und weniger der reinen Gelassenheit. 
  6. Natürlich gibt es leichte Figuren, mit denen ich gerne anfange. Ich unterscheide übrigens auch gezielt mit welchem Körperteil mich das Pferd tragen muss – Figuren sind leichter, wenn das Pferd sie mit seinem Rumpf (also mit dem Rücken) ausgleichen kann; wenn der Hals bzw. die Vorhand das Reitergewicht tragen musst, lasse ich mir mehr Zeit. 
  7. Wenn das Pferd die leichten Figuren entspannt ohne Reaktion im Trab und Galopp mit einer Person am Boden absolviert, dann gewöhne ich die Pferde an die Voltige-Bahn (die gerade Linie, auf der wir meistens die Stunts machen). 

Voltige – was ist das?

Gleich geht es um die Frage: Linie oder Kreis und wie genau die nächsten Schritte im Stuntpferdetraining sind.

Vorher noch ein bisschen Theorifacts für alle Stuntinteressierten:

  • In Deutschland haben wir das Voltigieren, was aber meistens mit ausgebundenen, longierten Pferden gemacht wird und wofür man keinen Sattel hat. 
  • In Frankreich gibt es die Voltige Cosaque – hierfür nimmt man einen Sattel und hat meistens keine Ausbinder (seriöser ist es auf jeden Fall). Das Pferd galoppiert frei im Kreis oder auf der Linie. 
  • Aus den englischsprachigen Ländern kommt noch ein anderer Begriff dazu „das Trickriding“ – obwohl es der Voltige Cosaque gleicht, werden in Amerika normalerweise eine andere Art von Sätteln benutzt, diese ähneln mehr Westernsätteln.
  • Da es auf Deutsch kein passendes Wort gibt, nehme ich mir die Freiheit heraus mir von jedem etwas zu klauen und alles unter einen Hut zu werfen.

Die “Voltige-Bahn” ist für die Horsemanshipler im Grunde ein einfaches sogenanntes Point-to-Point. Einige Linien galoppiere ich einfach ohne eine Figur zu machen – das Pferd muss lernen beim Losreiten relativ ruhig zu stehen, sicher und gerade sofort nach dem Startsignal des Menschen durch zu galoppieren und von alleine auf der anderen Seite anzuhalten. Der Reiter kommt nicht immer in den Sattel zurück, daher kann das Pferd ihn schützen, wenn es den Job des Anhaltens alleine übernimmt.

Sobald ich bemerke, dass mein Pferd nach meinem Startsignal gut alles alleine schafft, versuche ich die erste einfache Figur bzw. beginne ich mein Körper leicht nach rechts oder links zu bewegen. 

An dieser Stelle schwanken einige Pferde, weshalb ich meistens noch eine Hand am Zügel habe um sie wieder gerade zu richten. Im Anschluss wage ich dann die erste richtige Figur – bisher stellte das alles nach der erwähnten Vorbereitung nie ein Problem für die Pferde dar und dennoch taste ich mich langsam an die schwierigeren Figuren ran, wie zuvor mit der Person am Boden. 

Stuntpferde – die wichtigsten Punkte

Bei all diesen Übungen musst du als Mensch dem Pferd sowohl körperlich als auch geistig komplett vertrauen. Wenn das Pferd anhält, umdreht oder stolpert kann das sehr gefährlich für den Reiter sein. Deswegen können wir also wirklich sagen, dass das Vertrauen in beide Richtungen gehen muss. 

„Stürze“ zeigen wir den Pferden übrigens ebenso erst im Schritt und Trab, allerdings interessiert das die gut ausgebildeten Voltigepferde nicht, denn sie haben gelernt ihrer Linie zu folgen und keine Angst zu haben vor dem, was Menschen auf oder neben ihnen tun. 

Im Übrigen heißt „Stuntpferd“ nicht, dass diese Pferde nur Action haben und nicht auch fein geritten werden können. Meine Voltigepferde reite ich auch alle dressurmäßig (auch ohne Trense) ohne, dass sie nervöser oder unaufmerksamer sind als andere Pferde. 

Ich sehe die Voltige einfach wie ein Gelassenheitstraining – der Nachdruck in meiner Körpersprache und mein Fokus zeigen ihnen, ob ich mir eine Reaktion oder Gelassenheit wünsche. 

Sind Stuntpferde wild?

Oft lese ich in Foren, dass Voltigepferde wild sind und nur für Profis geeignet sind – meiner Meinung nach ist das Gegenteil der Fall. Alle meine Stuntpferde sind wundervolle Freizeitpartner und können auch von Anfängern ohne erhöhte Gefahr geritten werden. 

Ich würde sogar noch weiter gehen: Wer ein gelassenes Pferd möchte, sollte ihm so eine Art der Ausbildung zukommen lassen – nach einer Saison als Stuntpferd bringt die Pferde nichts mehr aus der Ruhe.

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2 Kommentare zu “Wie du ein richtig gelassenes Pferd bekommst! Tipps von einer Stuntfrau aus ihrem Training mit Showpferden

  1. Vanessa sagt:

    Danke für den tollen Beitrag! Wirklich sehr spannend etwas über Stuntpferde und die Arbeit mit ihnen zu lesen.

    Hier kann (und sollte) wirklich jeder Reiter etwas mit nehmen. Ganz wichtig finde ich den Punkt "Vertrauen ist der Schlüssel ". Oft habe ich schon Reiter mit jungen Pferden erlebt, die volles Vertrauen von ihren Pferden verlangen, gerade in unsicheren Situationen (zum Beispiel ein großer LKW auf einer engen Straße) und selbst aber ihrem Pferd überhaupt kein Vertrauen schenken können.
    Einige Pferdemenschen vom "alten Schlag" verzeifeln regelrecht, wenn sie sehen, dass ich ohne Gebiss im Gelände unterwegs bin und mich versuchen zu überzeugen ein scharfes Gebiss und am besten Ausbinder einzuschnallen. Und wenn sie fragen, ob ich mich nicht unsicher fühle und das nicht zu gefährlich ist, dann antworte ich immer: "Nein, ich vertraue meinem Pferd. Ein Signalwort im vollem Tempo und mein Pferd ist im Schritt." Natürlich will ich damit nicht sagen, dass jetzt jeder einfach kopflos ohne Gebiss los reiten solle. Es war fast tägliches Training und Vertrauensaufbau (manchmal auch einfach nur Zeit miteinander verbringen), die so etwas für uns möglich gemacht haben.

    Für mich ist Vertrauensaufbau das wichtigste im Umgang mit dem Pferd. Toll, dass es hier ebenfalls so hoch gewertet wird!

    Liebe Grüße
    Vanessa

    • Petra sagt:

      Da hast du absolut Recht – Heros einStellung zu den PFerden ist ziemlich vorbildlich. Ich kennen niemanden der so empathisch, korrekt und im positiven Sinne emotionslos aber stark und fokussiert ist, wie sie. Das ist wirklich krass und beeindrucken – zumal sie erst Anfang 20 ist. Aber sie hat das wirklich verinnerlicht und setzt es supercool um. Ganz liebe Grüße,

      petra

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