Artikel aktualisiert am 02.06.2019

Du willst in den Kopf deines Pferdes schauen und lernen dein Pferd besser zu verstehen? Du willst manchmal gerne wissen, was dein Pferde denkt und warum es sich verhält, wie es sich verhält? Genau das ist der Weg von Timo Ameruoso. Der Pferdetrainer nutzt die Wissenschaft, um Pferdeverhalten zu erklären: Von der Psychologie, über die Hirnmechanik bis zur Forschung über die Herdendynamik, um den Pferden in Kopf und Herz zu schauen. Im Interview erklärt er dir seine Thesen und Trainingstheorien, damit du lernen kannst dein Pferd besser zu verstehen.

Außerdem erzählt Timo dir im Interview, wie du dein Pferd mit all dem Wissen im Hinterkopf strategisch trainieren und gesunderhalten kannst.

Timo Ameruoso (www.timo-ameruoso.de) war ursprünglich Springreiter und hat seine Pferde mit dem klassischen Training und Druck zu Höchstleistungen trainiert. Dann hatte er einen Motorradunfall und sitzt seitdem im Rollstuhl. Dann stand er vor der Wahl die Pferde aufzugeben oder komplett umzudenken. Seitdem hilft er Menschen und ihren Pferden einen gesunden und pferdegerechten Weg zueinander zu finden.

Interview mit Timo Ameruoso über Herdendynamik und Gehirnmechanik des Pferdes

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Pferdeflüsterei: Du bist Dozent an einer Pferde-Uni und ziehst nach eigenen Angaben auch die Wissenschaft in deine Methoden mit ein, welche Studien haben dich vor allem beeinflusst?

Timo Ameruoso: Zunächst gibt es leider in Deutschland noch viel zu wenig wissenschaftliche Studien zum Thema Pferd. Deshalb bin ich sehr schnell dazu übergegangen, interdisziplinär vorzugehen und mir aus den anderen Bereichen und wissenschaftlichen Erkenntnissen Infos zu beschaffen. Besonders interessieren mich Techniken aus der Psychotherapie, die man zum Beispiel anwendet, wenn Menschen eine Phobie (zum Beispiel vor Spinnen) entwickelt haben oder Angsttraumata bestehen.

Aus diesen Ansätzen entwickle ich artgerechte und effiziente Trainingsmethoden für Pferde, um sie ohne Gewalt, und Zwang von ihren Ängsten zu befreien. Dann nutze ich die Forschungen des Neurobiologen Gerald Hüther für unsere Arbeit sehr interessant und beeinflussen meine Vorgehensweise mit Pferden grundlegend. Ebenfalls nutzen wir Erkenntnisse aus der Sportwissenschaft bei der Entwicklung unserer Trainingsmethoden zur Gesunderhaltung und Leistungssteigerung des Pferdes im Profibereich beispielsweise.

Pferdeflüsterei: Gab es da besondere AHA-Momente und wenn ja welche?

Timo Ameruoso: Aufgrund der Tatsache, dass ich im Rolli sitze, war sehr schnell klar, dass ich im Gegensatz zu anderen Trainern nichts durch Kraft oder Schnelligkeit kompensieren kann. Da es manchmal etwas Zeit benötigt, bis sich ein bestimmtes Verhalten eines Pferdes verändert, war ich aufgrund des Rollis dazu gezwungen immer wieder Pausen einzulegen. Dadurch habe ich gemerkt, dass sich die Pferde schneller verändern, also ihr Trauma beispielsweise loslassen, wenn man immer wiederkehrende, strategische Pausen einlegt.

Daraus entstand die Reflexionsphase. Diese Phase ist nicht mit der Pause zu verwechseln, die man häufig macht, wenn das Pferd etwas gut gemacht hat. Die Reflexionsphase wird unabhängig vom Verhalten des Pferdes aber zu einem bestimmten Zeitpunkt gegeben und hat den Zweck, das Gehirn des Pferdes in die Reflexion zu bringen, da eine Studie gezeigt hat, dass unter Stress kein Lernprozess stattfindet.

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Pferdeflüsterei: Stichwort: Gehirnmechanik! Was genau verstehst du darunter?

Timo Ameruoso: Zunächst mal muss hier festgehalten werden, dass das Gehirn nicht mechanisch funktioniert. Den Begriff der Hirnmechanik habe ich zusammen mit einem befreundeten Psychotherapeut geprägt. Es beschreibt die Abläufe der Verhaltensmuster des Gehirns. Jedem von uns sind die guten Vorsätze fürs neue Jahr ein Begriff. Jedem ist auch klar, dass man diese Vorsätze oft nicht einhält. Jedes Jahr aufs Neue. Der Grund liegt im Gehirn.

Das Gehirn legt Muster an, die unser Verhalten steuern. Gute oder schlechte Angewohnheiten. Diese Angewohnheiten und Muster können nicht so einfach verändert werden, weil das Gehirn versucht diese Muster zu erhalten. Der Grund dafür liegt in der Energieeffizienz des Gehirns. Wenn das Gehirn neue Muster anlegt, verbraucht es etwa 20% mehr von der der Energie, die vom Körper bereitgestellt wird. Das ist also anstrengend. Deshalb bleiben wir oft bei bekannten und gewohnten Verhaltensmustern, obwohl uns rationell klar ist, dass uns diese Schaden.

Extrinsische versus intrinsische Motivation

Pferdeflüsterei: Und wie funktioniert sie beim Pferd?

Timo Ameruoso: Beim Pferd ist es das gleiche wie bei uns. Liegt ein ungünstiges Muster wie Angst vor, so muss das Pferd von selbst dazu kommen einen intrinsischen Impuls zu erzeugen. Ich erkläre es an einem Beispiel aus unserem Leben. Wenn wir rauchen und wollen uns das abgewöhnen, weil es unseren Partner stört, sind wir die ersten Wochen erfolgreich und motiviert. Dann kommen wir an einen Punkt, an dem wir diszipliniert sein müssen und noch eine Weile später Rauchen wir wieder, wenn wir auf einer Geburtstagsfeier sind und alle rauchen. Der Grund ist einfach, Rauchen ist ein Muster. Es gab keinen intrinsischen Impuls und gleichfalls keinen Grund fürs Gehirn das zu ändern.

Wenn jetzt der Arzt sagt, hören sie auf zu rauchen, weil ihre Lunge sehr schlecht in Schuss ist, dann ist die Chance deutlich höher, dass wir mit dem Rauchen aufhören. Der Grund ist der, dass es jetzt aufgrund des äußeren Drucks einen intrinsischen Impuls gibt.

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Aufzuhören, weil der Partner das gern möchte ist ein extrinsischer Impuls, ähnlich, wie bei der Konditionierung. Jegliche Konditionierung beruht auf einem extrinsischen Impuls. Zum Beispiel dem Pferd beizubringen hinter uns zu laufen, an der Aufstiegshilfe stehen zu bleiben oder das Kompliment auszuführen. Wir geben den Impuls an das Pferd und dieses führt aus. Es gibt Belohnung oder erneute Impulse, bis das Pferd folgt oder die gewünschte Handlung zeigt. Im schlimmsten Fall dann noch Bestrafung, wenn etwas nicht gemacht wird. Das Pferd tut etwas, weil es dafür etwas bekommt oder die Strafe ausbleibt. Die Motivation ist aus dem Außen.

Aus diesem Grund ist es falsch, sich mit unzähligen Übungen zu beschäftigen wie “stehen bleiben beim Satteln” oder “Aufsitzen” oder dem “Verladen”. Arbeiten wir vor allem an der Beziehung und kümmern uns um intrinsische Impulse, wird das Pferd von selbst in den Hänger gehen und stehen bleiben beim Satteln und Aufsitzen, ohne das man es dem Pferd beigebracht hat oder üben musste. Das ist der Unterschied von Symptom und Ursache. Die Pferdewelt kümmert sich permanent um Symptome, statt an den Ursachen zu arbeiten. Die unglaublich vielen Hilfsmittel zum Beispiel (Ausbinder, Sporen, Führketten,…), die sich der Mensch hat einfallen lassen, bedienen hauptsächlich die Symptome. Das alles war mir zu meiner Zeit als Springreiter – in Richtung Profikarriere – auch nicht bewusst.

Pferdeflüsterei: Was können wir jetzt also praktisch für uns und den Umgang mit unserem Pferd daraus ableiten?

Timo Ameruoso: Zunächst ist eines sehr wichtig: Pferde sind keine Menschen! Sie sind gleichwertig, aber eben Pferde. Was ich damit sagen will ist, wenn wir artgerecht sein wollen müssen wir erstens aufhören menschliche Trainingsmethoden (z.B. Konditionierung) über sie zu stülpen und zweitens verstehen, dass Pferde in einem anderen System leben. Pferde sind wie wir sehr intelligent, aber sie sprechen eine andere Sprache.

  • Das bedeutet auch, dass wir eine Beziehung nicht aufbauen können, wenn wir mit ihnen umgehen, wie mit einem Menschen. Probleme lassen sich so schon gar nicht lösen.
  • Des Weiteren ist es wichtig zu verstehen, dass es sich bei einem Pferd auch um ein geschlossenes System handelt. Das bedeutet, dass alles Auswirkungen hat und, dass das eine das andere bedingen kann.
  • Viele Menschen interpretieren gerne Gefühle in das Pferd, zum Beispiel „Mein Pferd freut sich auf das Reiten!“. Das können wir nicht 100% sicher sagen, es bleibt eine Vermutung. 

Das wichtigste ist aber, dass Pferd nicht durch die eigene Brille des Menschen zu beurteilen und immer sich im Wertesystem des Pferdes zu bewegen.

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Herdendynamik und Pferdetraining

Pferdeflüsterei: Ein weiteres Puzzleteilchen deiner Theorie ist die Herdendynamik – Was bedeutet „Herdendynamik“ für dich?

Timo Ameruoso: Herdendynamik ist im Grunde das Verhalten eines Pferdes in der Herde, also das, was ein Pferd zu einem Pferd macht. Wichtig ist zu verstehen, dass es immer um Herdendynamik geht und nicht um Herdenstatik, daraus resultieren nämlich in der Pferdewelt sehr viele Irrtümer.

Herdendynamik bedeutet, dass das Leittier nicht festgenagelt auf seiner Position sitzt, sondern diese Situationsbedingt innerhalb von einer Minute abgibt und wieder übernimmt. Zum Beispiel dann, wenn es für diesen Moment seine Position mit dem Omega tauscht.

Pferdeflüsterei: Welche Aspekte und Ideen davon genau beeinflussen dein Trainingskonzept und wie?

Timo Ameruoso: Die Herdendynamik ist ein interessanter und komplexer Grundbaustein. Wenn man die Art mit Pferden zu arbeiten nicht an der Herdendynamik aufbaut, geht sie vollkommen am Pferd vorbei. Das ist in etwa so, also würden man versuchen einen Ferrari mit Diesel zu tanken. Die gesamte Pferdepsychologie orientiert sich an der Herdendynamik, also am Verhalten des Pferdes.

Pferdeflüsterei: Wenn es um Herdendynamik geht, geht es auch immer um die Frage „wieviel Dominanz muss sein“ und die Leittiertheorie. Bist du Anhänger der Leittiertheorie oder hast du eine andere Ansicht zu diesem Thema?

Timo Ameruoso: Auch hier gibt es in der Pferdewelt einige Theorien. Um diese Frage zu beantworten, muss ich zunächst den Begriff der Herdendynamik und das, was damit in Verbindung steht genau verstehen. Wie der Name Herdendynamik sagt, ist eine Herde dynamisch und nicht statisch.

Ich erlebe es immer wieder, wie versucht wird eine Position zu lokalisieren und zu beweisen, dass Pferde nicht hierarchisch organisiert sind. Pferde sind aber hierarchisch organisiert. Das lässt sich immer wieder beobachten, vor allem in der “Gefangenschaft”. Egal wie weit die Koppel auch reicht: Unsere Pferde leben genau genommen in Gefangenschaft. Pferde verfolgen ihre Ziele und sichern den Bestand. Im schlimmsten Fall, lassen sie auch ein anderes Pferd nicht mitfressen oder sondern kranke Tiere aus.

Um nun den zweiten Teil der Frage zu beantworten, so kann ich da auf meine Erfahrung mit mehreren tausend erfolgreich trainierten Pferden zurückgreifen. Pferde sind unter anderem durch den Herdentrieb stark beeinflusst. Der Herdentrieb zwingt das Pferd dazu, bei der Herde zu bleiben, denn diese bietet dem Pferd Schutz. Deshalb ist es auch schwieriger mit einem Pferd alleine spazieren zu gehen, als mit einem Hund.

Wenn wir also eine Bindung zu unserem Pferd aufbauen wollen (beidseitig), so müssen wir dafür sorgen, dass sich unser Pferd bei uns wohl und sicher fühlt. Das tut es nur dann, wenn es sich uns freiwillig unterordnet und uns folgt, erst dann hat es das Gefühl in eine Herde eingebettet zu sein. Die Folge ist, dass das Pferd ruhiger und selbstbewusster wird. Auch hier ist es wichtig sich auf die Unterordnung zu beziehen und sich von der Unterwerfung absolut zu distanzieren.

Unterordnung bedeutet lediglich ein Leittier zu akzeptieren und sich ihm anzuschließen. Ich mache das einfach an einem Beispiel aus unserer Praxis deutlicher: Ich wurde zu einer 7-jährigen Stute gerufen, die beim Reiten immer wieder stieg, sich von fremden Menschen nicht hat anfassen lassen und auch nicht in den Anhänger ging. Auf ihrer Koppel rannte sie permanent von einem zum anderen Ende und wieherte. Wir haben etwas ganz anderes als das gemacht, was wir als Mensch instinktiv gerne machen würden: das Pferd zu beruhigen.

Was wir stattdessen gemacht haben war, das Pferd als Pferd zu betrachten und an den Ursachen zu arbeiten. Das Pferd hat dann aus sich selbst heraus seinen Fluchtreflex abgebaut und sich seiner Besitzerin angeschlossen.

Pferdeflüsterei: Wie geht es dem Pferd heute?

Timo Ameruoso: Das Pferd zeigt keinerlei Stresssymptome mehr, hat deutlich an Muskulatur zugelegt und lässt sich völlig entspannt reiten. Es lässt sich von fremden Personen anfassen und von der Koppel holen, obwohl die Futtergabe zur Begrüßung völlig eingestellt wurde. Aber das interessanteste ist, dass das Pferd vor dem Training nicht mehr in den Hänger gegangen ist und bei den letzten Fahrten völlig durchgeschwitzt ausgestiegen ist. Nach einem halben Jahr Training, hat die Besitzerin den Stall gewechselt und war völlig überrascht. Das Pferd ist ohne zu zögern in den Hänger gestiegen und entspannt und trocken im neuen Stall angekommen – OHNE ein einziges Verladetraining. Es wurde lediglich an der Ursache gearbeitet und das Symptom „Problempferd“ hat sich in Luft aufgelöst.

Pferdeflüsterei: Wie habt ihr das gemacht und was sagt die Wissenschaft, die du studiert hast und mit der du dich auseinandergesetzt hast, dazu?

Timo Ameruoso: Diese Frage ist sehr interessant und meine Antwort darauf wird dich erstaunen. Für die Hirn- und Lernforschung ist Bestrafung und Belohnung das gleiche. Der Grund liegt in der Objektisierung des Individuums. Das ist unter anderem das Problem bei der Konditionierung.

Bei der Subjektisierung geht es um die Würde des anderen Individuum. Aus diesem Grund lassen wir das Pferd, Pferd sein und kümmern uns um eine starke Basis. Die Basis ist die Beziehung. Eine gute Beziehung erreichen wir nur von beiden Seiten und nicht wenn wir unser Pferd konditionieren, es wie ein Fahrrad behandeln oder wie einen Menschen. Wobei hier auch nochmal zu betonen ist, dass Konditionierung nichts Schlimmes ist und sobald die Basis/Beziehung stabil ist und das System Pferd in sich stabil ist, auch gerne konditioniert werden darf. Schwierig wird es dann, wenn das gesamte System ausschließlich auf Konditionierung aufbaut.

Führung statt Dominanz

Pferdeflüsterei: Welche Rolle spielt Dominanz in deinem Umgang mit Pferden? Und wenn ja: wie sieht „Dominanz“ für dich aus?

Timo Ameruoso: Der Begriff Dominanz wird oft unterschiedlich verstanden und verwendet und trägt oft schon eine negative Stigmatisierung. Man verbindet mit Dominanz oft die kraftvolle, energische Demonstration von Überlegenheit. Diese Dominanz führt zur Unterwerfung des Pferdes und ist absolut schädlich für das Pferd.

Wenn ein Pferd ein anderes mit einem Blick vom Heu wegdrängt und es dazu bringt woanders zu fressen, dann ist das auch Dominanz. Also was ganz natürliches und an sich nichts Schlimmes. Wenn sich mein Pferd hinter mir einordnet beim spazieren gehen, also das von sich aus macht (es darf nicht konditioniert sein „du bleibst hinter mir“) so ordnet sich das Pferd unter. Es bleibt dabei aber vollkommen es selbst und unterwirft sich nicht.

Ich finde an dieser Stelle den Begriff Führung sehr viel interessanter. Was bedeutet Führung? Führung bedeutet nicht, eine Gruppe zu führen, sondern Führung bedeutet seine Arbeit so gut zu machen, dass eine Gruppe freiwillig folgt. Im Business oder in einer Herde.

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Auch hier möchte ich ein weiteres Beispiel aus unserer Praxis nennen. Luise ist eine 11-jährige Quartestute. Luise ist als Westernpferd ausgebildet und wurde gebrochen. Das heißt, sie zeigte bei ihrer neuen Besitzerin stark dissoziatives Verhalten. Jeder empfand das Pferd als sehr brav, extrem ruhig und gut ausgebildet. Im Inneren des Pferdes sah es jedoch ganz anders aus. Die Besitzerin hatte dann im Gelände ein paar Situationen, in denen sich das Pferd sehr erschrocken hat – aus für sie unerklärlichen Gründen.

Erst als wir der Besitzerin erklärt haben, was im inneren von Luise vorgeht, ergab sich für sie ein Bild. Sie hat sich sprichwörtlich aufgegeben und an ihrer Umwelt kaum mehr Anteil genommen. In der Herde stand sie weit abseits, ihre Lektion führte sie sofort und korrekt aus und lies alles über sich ergehen. Nur ein Schreckmoment brachte sie aus ihrer Trance.

Pferdeflüsterei: Wie trainierst du jetzt so ein Pferd?

Timo Ameruoso: Man entwickelt die Besitzerin hin zu einer optimalen Führungsperson, die ihrem Pferd den Raum geben kann Stück für Stück selbstbewusster zu werden und aus sich herauszukommen. Nun nach einem halben Jahr Training, steht Luise wieder in ihrer Herde und beteiligt sich aktiv am Herdenverband. Sie ist aufgeweckter, wacher und ihr körperlicher Zustand hat sich deutlich verbessert. Die Besitzerin ist überglücklich und Luise hat einen psychisch gesünderen Zustand.

Was an dieser Stelle wichtig ist zu verstehen, dass die Pferde immer vom Besitzer trainiert werden sollten, denn nur dann entsteht eine ultimative Beziehung und man hat ein nachhaltiges Ergebnis. Besitzer und Pferd müssen sich gleichermaßen entwickeln und zusammen wachsen.

Du siehst, wenn du den Begriff der Dominanz im Zusammenhang mit der Herdendynamik richtig verstehst, kommt das Pferd sogar aus seiner Dissoziation heraus und entwickelt Selbstbewusstsein. Aus einem gebrochenen Pferd wird wieder ein selbstbewusstes, lebensfrohes Pferd. Dissoziation bedeutet Abspaltung und äußert sich darin, dass das Pferd nicht mehr an seiner Umwelt teil nimmt und sehr eingeschüchtert ist und beim kleinsten Reiz, panisch steigt und davon rennt.

 

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Vom Sportprofi zum Pferdeflüsterer

Pferdeflüsterei: Du hast ja nicht immer so mit den Pferden trainiert und kommuniziert wie heute – wie war dein Weg zu den Pferden?

Timo Ameruoso: Ich habe in den Achtzigern Reiten gelernt. Meine Freundin hatte eine Reitkarte bekommen. Ich wusste nicht was das ist, wollte das aber auch. So kam ich an meine erste Reitkarte. Jede Woche eine halbe Stunde Sitzübungen ohne Zügel und ohne Bügel. So habe ich begonnen.

Pferdeflüsterei: Wie warst du als Pferdemensch vor deinem Unfall?

Timo Ameruoso: Ich war Springreiter, ich habe mit einem der heutigen Olympiareiter zusammen trainiert. Ich habe das gelernt, was mir gelehrt wurde.

Pferdeflüsterei: Was würde der Timo von heute gerne dem Timo von damals in Bezug auf Pferdetraining sagen?

Timo Ameruoso: Der Timo von heute würde dem Timo von damals zeigen, wie Pferde denken und fühlen, und er würde ihm zeigen, wie er eine tiefere Bindung herstellen kann. Der Weg zur ultimativen Beziehung.

Pferdeflüsterei: An welchen Punkten arbeitest du heute ganz anders mit den Pferden? Was würdest du nicht mehr machen oder anwenden, was vor deinem Unfall vielleicht vollkommen selbstverständlich für dich war?

Timo Ameruoso: Das Reiten und das Pferdetraining ist noch ein Relikt aus den vergangenen Kriegen. Vieles kommt davon und Vielen ist das nicht bewusst. Das meiste ist vollkommen überholt. Ich arbeite so, wie es das Pferd erfordert und nicht wie es veraltete Regeln vorsehen. Die Natur des Pferdes hat dabei oberste Priorität, die Potenzialentfaltung eines jeden Pferdes ist der Fokus. Mit Potenzialentfaltung ist nicht das Spring- oder Gangpotenzial eines Pferdes gemeint, sondern das Pferd als Wesen und Individuum zu begreifen und zu fördern. Die Beziehung zwischen Mensch und Pferd ist dabei das Vehikel.

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Pferdeflüsterei: Wer war dein größter Lehrmeister auf dem Weg zu dem Timo- Pferdemann, der du heute ist und warum?

Timo Ameruoso: Man kann von jedem etwas lernen, sogar vom schlechtesten Reitlehrer. Und wenn es das ist, wie man es nicht macht. Vor allem arbeite ich heute interdisziplinär, also ziehe sehr viel Wissen aus anderen Bereichen mit in mein Training. Die Sportwissenschaft ist da nur eine Disziplin. Ich orientiere mich an den Pferden und den resultierenden Fakten. Daraus habe ich am meisten gelernt. Wie ein bekannter Wissenschaftler schon sagte: “Erfahrung ist noch wichtiger als Wissen”.

Warum dein Pferd dein Coach ist

Pferdeflüsterei: Die Pferde sind ja auch unsere Lehrmeister – was haben dir die Pferde vor allem beigebracht?

Timo Ameruoso: Das wir alle gleich sind und keiner dem anderen etwas voraus hat. Pferde sind viel besser fokussiert als wir und besser darin erfolgreich zu sein. Pferde haben ein ausgesprochenes Durchhaltevermögen. Jeder der mit seinem Pferd an einem grünen Grasbüschel vorbei will, weiß was ich meine.

Es gibt unglaublich viele Dinge, die wir von Pferden lernen können. Bewundernswert ist, dass wir von unseren Pferden ein sofortiges, vorurteilsfreies und unmittelbares Feedback bekommen, welches uns in unserer Persönlichkeitsentwicklung massiv voranbringen kann.

“Es gibt unglaublich viele Dinge, die wir von Pferden lernen können”

Pferdeflüsterei: Du machst auch Coaching mit Pferden und für Menschen mit ihrem Pferd – was beobachtest du immer wieder bei deinen Coachings von Pferd und Mensch (typische Fehler)?

Timo Ameruoso: Ein sehr häufig wiederkehrender Fehler ist der, das versucht wird das Pferd wie einen Menschen zu beurteilen. Das geschieht ganz unbewusst und unbeabsichtigt, hat aber große Folgen. Wir nennen das Systemmissverständnis.

Die aktuelle Idee von Pferdesprache ist komplett auf einem Systemmissverständnis aufgebaut. Man beurteilt das Pferd wie einen Menschen und versucht Gefühle hineinzuinterpretieren. Natürlich haben Pferde Gefühle, aber auf die haben wir erstmal keinen direkten Zugriff. Wenn wir wissen wollen, was in einem Pferd vorgeht, müssen wir wissen, wie ein Pferd denkt und nicht wie wir die Handlung interpretieren.

Ich nenne ein Beispiel: Wenn ich das Pferd sattele und mein Pferd schaut dabei zu mir, so wird das häufig als positiv gewertet… So auf die Art: “das Pferd freut sich aufs Reiten”. Das ist eine klassische Fehleinschätzung. Das Gegenteil ist der Fall! Diese Geste stellt den Anfang des Sattelzwangs dar. Da das Pferd nichts verbal äußern kann, muss es das physisch tun.

Noch ein Beispiel: Auch wird sehr häufig davon gesprochen, dass dem Pferd bestimmte Lektionen Spaß machen, oft sind es die Lektionen, die uns gut von der Hand gehen. Das ist schwierig. Wir können nie hundert Prozent sagen, was das Pferd fühlt, wir können uns nur an Fakten halten und nach und nach zum Kern der Wahrheit vordringen.

Pferdeflüsterei: Was können wir als Persönlichkeiten von den Pferden lernen?

Timo Ameruoso: Vor allem uns besser zu fokussieren und durchzuhalten, nicht gleich bei der ersten oder zweiten Niederlage aufzugeben. Ich erzähle hier mal eine Geschichte in Kurzform. Die ausführliche Fassung steht in meinen Buch „Zum Aufgeben ist es zu spät“.

Mein Pferd Paolo sah in jedem Grashalm eine gigantisch große Motivation und gleichzeitige Verschwendung diesen stehen zu lassen. Dass ich ihm in Kraft deutlich unterlegen bin, erkannte er sehr schnell und somit war kein Grashalm mehr vor ihm sicher. Das Ganze fing harmlos an, aber Paolo entdeckte irgendwann dann nicht nur die Grashalme am Wegrand sondern ganze Wiesen für sich.

Nun stand ich vor dem Problem ihm das abzugewöhnen ohne Gewalt aufzuwenden. Also blieb auf freundliche Art und Weise nur die sogenannte “Bleiente” übrig. Ich hielt das Seil fest und habe einfach nicht mehr losgelassen. Paolo erkannte so sehr schnell das seine Spaziergänge nicht mehr alleine stattfanden und hörte von alleine damit auf. Ich lernte zwei Dinge: Durchzuhalten und vom Boden in den Rollstuhl einzusteigen.

Pferdeflüsterei:„Das Pferd ist dein Spiegel“ – wieviel ist aus deiner Sicht dran an diesem Zitat?

Timo Ameruoso: Das kann ich zu 100% unterschreiben. Die Frage ist aber, wieso ist das Pferd dein Spiegel? Das Pferd spiegelt uns nicht, weil es unser Lehrmeister sein will, das klingt immer mal so durch bei dem ein oder anderen Coach oder Trainer. Das Pferd spiegelt uns aus einem viel irdischeren Grund.

Pferde sind Beutetiere und leben in einem Herdenverband. Pferde benötigen die Herde um zu überleben. Zebras haben unter anderem aus diesem Grund Streifen. Der Räuber kann das einzelne Tier nicht mehr erkennen, wenn Zebras zusammenstehen. Pferde wissen, dass sie nur in der Herde überleben können.

Sobald ein Pferd Gefahr entdeckt, bekommt es der Rest der Herde in kürzester Zeit mit. Sie kommunizieren miteinander über ihre Energie und ihren Fokus. Aus diesem Grund spiegeln Pferde das Verhalten. Dazu kommt, dass zumindest bei Säugetieren, die in einem Verband leben, im Gehirn Spiegelneuronen vorhanden sind. Sie dienen dazu, sich der Umwelt optimal anzupassen. Das ist der Grund, warum Pferde unser Verhalten spiegeln.

Trainieren mit System – so geht’s!

Pferdeflüsterei: Du hast dein eigenes Trainingssystem entwickelt – nach deinem Unfall – was genau beinhaltet dieses System?

Timo Ameruoso: Zunächst einmal geht es darum überhaupt mit System zu arbeiten. Strategisches Vorgehen ist wichtig, um voranzukommen, sowohl bei der Ausbildung als auch bei der Lösung von Problemen oder dem Aufbau erfolgreicher Turnierpferde.

  • In der ersten Stufe geht es darum den Graben zwischen Pferd und Mensch zu überwinden. Das geschieht mit der Grundlage der angewandten Pferdepsychologie.
  • Im nächsten Schritt geht es darum den Körper des Pferdes optimal zu trainieren. Das beinhaltet die Mobilisation, Dehnung, den maximaler Muskelaufbau und so weiter. Dabei passieren in der heutigen Zeit noch immer die größten Fehler. Man hat oft im Training viel Verschleiß. Wir trainieren Pferde wie Sportler, nach den Grundsätzen der Sportwissenschaften.

Stichworte sind hier die Superkompensation, Vorermüdungsphase, Leistungsphase, Nachermüdungsphase, Intervalltraining (nicht zu verwechseln mit der Equikinetic), Supersatztraining und strategisches Training (wichtig beim Isolieren von Muskelgruppen). Dieses Training führt zur langfristigen Gesunderhaltung und maximalen Leistungssteigerung des Pferdes. Ein Beispiel: Das Pferd meiner Mitarbeiterin wurde von ihr von der Rennbahn gerettet mit einem so starken Senkrücken, dass das Pferd als unreitbar diagnostiziert wurde. Das Pferd war damals 25.

Meine Mitarbeiterin nahm das Pferd in die Leistungssteigerung und Gesunderhaltung nach einem Trainingsplan, den ich für die beiden entwickelt hatte. Dadurch hat das Pferd in dem hohen Alter wieder begonnen massiv an Muskelmasse aufzubauen und der Rücken kam fast wieder in die Waagrechte. Das Pferd wurde dann vom selben Tierarzt wieder als reitbar diagnostiziert. Auch hier zeigte sich das Pferd nach kurzer Zeit deutlich lebhafter und nahm wieder deutlich mehr am Herdenleben teil. Vorher hatte es sich bereits weit von der Herde abgesondert.

  • Der nächste Schritt ist wichtig um das Pferd auf das Reiten vorzubereiten. Das machen wir übrigens auch mit bereits gerittenen Pferden. Da die meisten Pferde bereits kleine Abwehrmuster zeigen setzen wir mit der sogenannten “reduktiven Konvergenz” das Fundament für erfolgreiches Reiten. Beim Reiten selbst geht es zunächst darum eine Einheit mit dem Pferd zu werden, dazu muss man Grundlagen der Bewegungsdynamik verstehen und sich vom Altbekannten lösen. Danach nutzen wir die bilaterale Stimulation um das Pferd OHNE mechanischen Einfluss und Hilfsmittel, wie halbe Paraden oder jede andere Form einer Hilfe, in die Selbsthaltung zu bringen und mit einem psychologischen Fakt aus der Motivationspsychologie des Pferdes die Lösungsphase immer weiter zu verkürzen. (gemeint ist die Lösungsphase, nicht die Aufwärmphase)
  • Im letzten Schritt geht es um die Einheit. Bei der Einheit geht es darum eine langfristige stabile Beziehung zu erhalten, wovon Pferd und Mensch beiderseits profitiert, wächst und sich entfalten kann. Das geht nur indem man die Gesetze des psychischen Raums beachtet.

Pferdeflüsterei: Da dreht sich also auch viel um die Seele und den Kopf der Pferde – du hast in deinem Buch 5 Strategien erwähnt, die es braucht, um eine bessere Bindung zum Pferd zu bekommen – magst du uns diese 5 Strategien jeweils kurz anreissen und erklären?

Timo Ameruoso: Um eine Bindung zwischen Pferd und Besitzer aufbauen zu können, ist es wichtig, dass das Pferd seinen Fluchtreflex deutlich abbauen kann und wir uns im System des Pferdes bewegen. Erst dadurch ist das Pferd in der Lage sich dem Menschen richtig zuzuwenden und es beginnt seinen Menschen zu fixieren. Vorher ist das nicht möglich, auch wenn es für den ein oder anderen Pferdebesitzer oft so aussieht.

Das Ganze wird erst dadurch möglich, indem wir uns gegenüber dem als Leittier positionieren (das geht nur durch Tempo und Richtung, nicht durch Join up oder Konditionierung) und dann dadurch, dass unser Pferd erkennt, dass wir es verstehen. Dann wird das Pferd einen intrinsischen Impuls entwickeln uns zu folgen und nicht nur ein Kommando ausführen. Die sogenannte Fixierung beginnt.

Pferdeflüsterei: Du sagst “kein Join Up” (was ich gut finde), aber trotzdem willst du es über “Tempo und Richting” lösen – was ist bei dir anders als bei anderen Horsemen?

Timo Ameruoso: Ich bin einen komplett anderen Weg gegangen. Wir arbeiten ausschließlich an den Ursachen und lassen jegliche Symptome, die das Pferd zeigt, komplett in Ruhe. Denn die lösen sich in aller Regel am Ende von selbst auf.

Wir orientieren uns am System des Pferdes und beachten dessen Denk- und Verhaltensmuster und vor allem die Funktionsweise des Gehirns. Anfangs verzichten wir auf jegliche Form der Konditionierung und Dressur. Wir legen den Fokus darauf, dass der Besitzer ausschließlich mit dem Pferd arbeitet und leiten an. Denn nur dann entsteht eine ultimative Beziehung zwischen Pferd und Mensch, die nachhaltig funktioniert und Erfolg hat.

Pferdeflüsterei: Du sagst auch, dass wir die Pferde viel besser trainieren können, wenn wir eine Strategie haben und wenn wir die Hirnmechanik der Pferde besser verstehen – wie sieht diese Strategie (kurz umrissen) aus?

Timo Ameruoso: Wie im Training von Sportlern ist immer ein Trainingsplan wichtig. Einerseits um eine Entwicklung aufzeigen zu können und anderseits den Aufbau gezielt zu planen. Daher gehen wir auch im Training mit Pferden immer strategisch vor.

Was ist die Ursache des Verhaltens, was ist eine mögliche Strategie um die Beziehung zwischen Pferd und Mensch zu stabilisieren, wie lange muss die Strategie angewendet werden, bis sie durch eine darauf aufbauende ersetzt wird.

Pferdeflüsterei: Wie gehst du Schritt für Schritt vor (die ersten Steps) – wenn du ein neues Pferd oder ein „Problem“pferd bei dir im Training hast?

Timo Ameruoso: Ich schaue, was das Pferd über den Menschen denkt und in welcher Beziehung die beiden stehen. Das lässt sich durch bestimmte Verhaltensmuster definieren. Wir nehmen sozusagen wir einen IST-Stand auf. Danach schaue ich ob das Pferd Übersprungshandlungen, Manipulationsverhalten, Kompensationsverhalten zeigt. Ich schaue in welcher Situation, welches Verhaltensmuster auftritt. Daraus lässt sich eine mögliche Ursache erkennen. Danach geht es um Systemstabilisierung. Das heißt, wenn das Pferd instabil ist, also ängstlich ist oder unruhig oder nicht stehen bleibt, wird das stabilisiert durch intrinsische Verhaltensänderung. Erst wenn die Basis stabil ist geht es weiter.

Bei allem ist aber das Wichtigste den Besitzer primär mit dem Pferd trainieren zu lassen. Natürlich leiten wir an und geben den entsprechenden Input, aber nur so entsteht ein nachhaltiges Ergebnis und keine Abhängigkeit von Trainer und Pferdebesitzer.

Pferdeflüsterei: Worauf achtest du beim Pferd im Training?

Timo Ameruoso: Das das Pferd ständig in die Reflexion kommt, d.h. Denkprozesse aktiv werden. Das geht nur, wenn das Nervensystem immer wieder umschaltet vom Sympaticus zum Parasympaticus.

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Pferdeflüsterei: Worauf achtest du bei dir und deinen Verhaltensweisen im Training?

Timo Ameruoso: Auf zwei Dinge: Das ich genug innere Kraft und Ruhe habe.

Pferdeflüsterei: Wir wollen ja nicht nur ein glückliches Pferd und eine gute Bindung – wir wollen auch ein gesundes Pferd. Hast du deine drei besten Praxistipps für gesunderhaltendes Training für uns?

Timo Ameruoso: Nach Uhr trainieren, die 2-Minutenregel einzuhalten und den Körper des Pferdes in die Superkompensation zu bringen. Als vierten und wichtigsten Tipp: genug Ruhephasen und zwei effiziente Trainingstage pro Woche ergibt maximalen Aufbau und Gesunderhaltung.

INFO: Timo Ameruoso ist übrigens auch auf der Equitana: vom 15.-17.03.19 und im Fernsehen zu sehen ab dem 21. Juli 2019 – „Wieder fest im Sattel“ heißt die Sendung über ihn im hessischen Rundfunk: Immer Sonntags um 19.00 Uhr!

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8 Kommentare zu “Kopfkino Pferd: Wie du lernen kannst dein Pferd besser zu verstehen

  1. Yvonne sagt:

    Hi, zum einen – wollte den Beitrag bewerten, doch die Herzchen sprangen direkt auf eine höhere Bewertung, als ich abgeben wollte. Merkwürdig.
    Zum anderen – ich habe das erste Buch von Timo damals gelesen und fand es gut. Doch dieses Interview hier ist wie eines, mit einem Politiker. Um alles wird drum herum geredet, gerne kaum bis garnicht erklärte Begriffe verwendet, doch konkret nichts erklärt.
    Schade. So ein langer Artikel mit kaum Inhalt. Das kann die Pferdeflusterei, von der ich sonst sehr angetan bin, besser.

    • Petra sagt:

      Hallo liebe Yvonne, was beschreibst du denn da verrücktes? Das ist technisch eigentlich nicht möglich, dass die Herzchen auf eine andere Bewertung springen, als die, die du angewählt hast. Vielleicht bist du mit der Maus verrutscht? Wie auch immer, ich kann deine Gedanken verstehen. Das Interview reißt nur an – hier und da wäre etwas konkreter sicher auch gut gewesen. Aber ich finde – anders als du – auch einige spannende Ideen und Ansätze darin wieder. Welche Begriffe hättest du denn gerne noch erklärt? Manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht und Timo und mir waren die Begriffe alle so klar, dass wir keinen Erklärungsbedarf gesehen haben. Ganz liebe Grüße, Petra

    • Lena sagt:

      Liebe Petra,
      da muss ich Yvonne in dem Punkt zustimmen, dass das Interview leider wirkt, als wäre Timo ein Politiker. Beispiele werden angerissen, aber nicht abschließend erklärt (Luise – wie wurde die Besitzerin zum "Leittier", dem sich Luise gerne anschloss?), und auch wenn viele Aspekte sehr nett klingen und richtig sein mögen, hatte ich beim Lesen des Interviews das Gefühl, dass alle anderen Arbeitsmethoden schrecklich falsch sein müssen. Das finde ich schade, denn im Tiertraining sollte es um das Individuum gehen, nicht um die Trainingsmethode.
      Natürlich wird ein Grund für die "Schwammigkeit" des Interviews sein, das Interesse an Timos Buch zu wecken, das ist absolut verständlich und legitim. Allerdings bewirkt der Artikel bei mir eher das Gegenteil. Die Pferdeflüsterei hat sonst eine ganz andere Qualität!
      Und was mir an Timos Aussagen aufgefallen ist: Unterordnung und Unterwerfung haben eins gemeinsam, nämlich dass es ein übergeordnetes Individuum gibt. Das widerspricht in meinen Augen dem partnerschaftlichen Grundsatz, der dem Umgang mit jeglichem Getier (und teilweise auch den Mitmenschen) zugrunde liegen sollte. Timos Methode hat für mich den Beigeschmack der Leittier-Theorie, nur etwas euphemismierter verpackt und hinter hochwissenschaftlich klingenden Fachbegriffen verborgen.
      Wiederum sehr gut gefällt mir der Punkt mit der intrinsischen Motivation: es muss von innen kommen, sonst ist es "lediglich" konditioniert. Das unterschreibe ich voll und ganz! Und ganz wichtig finde ich den Zusatz, dass Konditionierung an sich nichts Schlechtes ist. Denn das Clickertraining als Beispiel basiert auf Konditionierung und Lerntheorien und hat sich vielfach (und trotzdem noch viel zu wenig) bewährt ;-)
      Auf die nächsten Artikel mit dem gewohnten Pferdeflüsterei-Niveau freue ich mich schon jetzt <3
      Herzliche Grüße, Lena

    • Petra sagt:

      Hallo liebe Lena, das ist sehr spannend, dass du das Interview so wahrnimmst und ich kann es sogar ein stückweit nachvollziehen – aber letztlich kannst du ja nie alles sagen in so kurzer Zeit und ich denke, dass wie in jedem Gespräch, auch spannende Meinungen drin stecken. Zum Beispiel die instrinsische Motivation, die ich als Thema schon etwas länger hochspannend finde. Deswegen nehme ich das Interview vielleicht ein bisschen anders wahr, kann aber nachvollziehen, was ihr beide meint. Ganz liebe Grüße, Petra

  2. Miriam sagt:

    Liebe Petra,
    wieder ein sehr interessanter Artikel.
    Ich stimmt ihm zwar nicht in allem zu, so sehe ich das mit den Gefühlen bei Pferden etwas anders, aber eine Aussage kann ich komplett unterschreiben. Es ist wichtig, dass ich an mir arbeite.
    Ich erlebe es gerade wieder selber. Wir haben eine kleine Ponystute zu uns genommen. Sie ist sehr scheu, hatte mit ihren fast 2 Jahren noch so gut wie keinen Menschenkontakt. Sie ist sehr misstrauisch und die Vorbesitzer konnten sie nur zu dritt überhaupt irgendwie einfangen, wenn sie sie in die Ecke gedrängt haben. Kein schönes Bild. Als wir uns die Stute angeschaut haben, kam sie schon nach 5 Minuten im Paddock zu mir und hat mich abgeschnuffelt. Damit will ich nicht sagen, dass ich der perfekte Pferdetrainer bin und alle Probleme lösen kann, aber ich glaube, dass die viele Arbeit an mir und meiner Persönlichkeit mich zu einem Menschen macht, dem sich Pferde gerne anschließen.
    Es ist viel einfacher das Pferd zu trainieren, aber der Weg zu einer Beziehung führt über die Persönlichkeitsentwicklung. Ich versuche Ängste, Kontrollzwänge und Selbstzweifel loszuwerden. Ich muss meine Pferde nicht dominieren und kann ihnen volles Mitspracherecht einräumen und trotzdem funktioniert unser Zusammenleben. Sie stellen mich nicht ständig in Frage, sondern schließen sich mir freiwillig an.
    Ich habe mit keinem meiner Pferde bisher Verladetraining gemacht, trotzdem gehen sie problemlos in den Hänger, ich arbeite so gut wie ohne Druck und Hilfsmittel, trotzdem lassen sie sich anständig führen und so weiter.
    Letztens wollte ich für den Ponymann Hufschuhe kaufen und wir hatten ein Paar da. Ich habe ihm den einen Hufschuh angezogen und er fand es etwas gruselig. Er mochte das Gefühl an seinem Bein nicht und wollte den Huf am liebsten nicht mehr absetzen. Nun wollte ich ihm aber gerne den zweiten anziehen und hab ihn deshalb gebeten den anderen Huf zu haben. Dafür musste er natürlich den Huf mit dem Schuh absetzen. Er hat kurz gezögert und ich habe ihm angesehen, dass er sich überwinden muss, aber er hat es getan, obwohl er genau weiß, dass ich nicht darauf bestanden hätte. Denn wenn er etwas nicht machen will, muss er auch nicht (außer es geht natürlich um wirklich gefährliche oder notwendige Situationen).
    Ich für mich habe bemerkt, dass ein freundschaftliches Zusammensein mit meinen Pferden nur dann möglich ist, wenn ich mit mir im Reinen bin. Das ist nicht immer schön und tut manchmal weh, aber es hilft mir auch sonst im Leben. Die innere Haltung ist das, worauf meiner Meinung nach Pferde reagieren und wenn ich hier klar mit mir und meinem Umfeld bin, dann schließen sich Pferde ganz ohne Druck und Stress an und ich muss nicht über irgendwelche Regeln diskutieren.
    Natürlich ist es nicht so, dass ich hier perfekt wäre, aber ich habe hier zum Glück ganz ehrliche Gegenüber und wenn ich bei meinen Ponys hinspüre, dann merke ich oft, was mit mir nicht stimmt und wo ich in alte Verhaltensmuster falle.
    Liebe Grüße
    Miriam

    • Petra sagt:

      Liebe Miriam, danke für deinen wunderschönen Kommentar – ich würde ALLESALLES unterschreiben. Carey fühlt sich ja auch immer sher hingezogen zu dir :-) Diese innere Ruhe, die du dir erarbeitet hast, spüren die Pferde ganz sicher. Ich glaube auch, was du schreibst, dass die Pferde unser Mindset spüren und genau das darüber entscheidet, wie gerne sie sich anschließen wollen. Ganz liebe Grüße, Petra

  3. Cordula sagt:

    Hallo Leute, ich arbeite seit einem guten halben Jahr mit einem Konzept von Timo und bin nach anfänglichen Startschwierigkeiten sehr zufrieden, mit der Entwicklung der Beziehung zu meinem Pferd, seiner Kraft, Ausdauer und Balance. Er war der einzige Trainer den ich gefunden habe, der sich so stark auf das innere Wesen des Pferdes konzentriert, und ich hatte zuvor schon andere, gute Trainer die auch Reitweisen übergreifend arbeiten. Mir geht’s auch so, dass ich finde er drückt sich manchmal zu kompliziert, zu fachtechnisch und umständlich aus. Hab ich ihm auch schon gesagt :-)
    Jeder Mensch hat nun Mal seine Art zu kommunizieren und wer Timo verstehen will muss sich etwas detaillierter informieren. Meiner Meinung nach ist er kein Trainer für die Masse der Pferdebesitzer, weil er eben keine griffigen Schlagwörter und Formulierungen benutzt, sowie keine eingängigen Lösungsvorschläge die man mal schnell selbst ausprobieren kann. Ich empfehle ihnen wenn man absolut bereit ist, sich Mal auf eine ganz andere Art des Trainings einzulassen. Damit meine ich nicht, dass sein Training das einzig richtige auf der Welt ist, denn auch er kann das Pferd nicht neu erfinden und es gab und gibt schon immer viele sehr begabte Pferdemenschen. Meine persönliche Meinung und Erfahrung darf ich übrigens immer in das Training einbringen und einbauen. So, das soll es gewesen sein. Euch allen weiter viel Freude mit euren Pferdepartnern!

    • Petra sagt:

      Hallo liebe Cordula, wie spannend eine persönliche Erfahrung und Meinung zu lesen. Ich hatte auch das Gefühl, dass im Interview wertvolle Gedanken steckten und ganz viel einfach individuell gelöst werden muss. Was ja prinzipiell korrekt und richtig ist – denn Pferde sind Individuuen. Danke für deinen Kommentar und persönliche Erfahrung und alles Liebe, Petra

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