Wenn sich etwas im Leben verändert, wenn die Zeit knapp wird, wenn wir umziehen müssen oder der Stall schließt, wenn das Pferd doch nicht so lieb ist wie gedacht. Solche „Wenns“ gibt es offenbar sehr viele. Auch mir wurde die Frage schon gestellt, vor kurzem. Und soll ich dir sagen, wie ich reagiert habe?

Ich war fassungslos! Entsetzt und auch traurig. Darüber, dass Menschen die Verantwortung für ihre Tiere offenbar so leicht nehmen. Darüber, dass Menschen Tiere nicht so sehr wertschätzen wie die Bequemlichkeit, die sie sich von einem Leben ohne dieses Tier versprechen. Darüber, dass Menschen Tiere austauschen oder zurückgeben.

Mein Pferd ist ein Familienmitglied – meine Entscheidung für sie ist und bleibt eine Entscheidung fürs Leben. Weil ich Verantwortung übernommen habe, in dem Moment als ich JA zu ihr sagte und auch weil ich sie liebe. Für all das Glück, das sie mir schenkt. Das Lächeln, die Freude, die innere Ruhe, die Erkenntnisse. Und weil ich ihr etwas zurückgeben möchte dafür. Das, was sie braucht, um ein zufriedenes Pferd zu sein. Es ist meine Pflicht als Tier”besitzer” mich schlau zu machen, um ihr das bestmögliche Leben zu ermöglichen.

Und es entsetzt mich immer wieder, dass es so viele Tiermenschen gibt, die sich keinen einzigen Gedanken um das artgerechte Leben oder Glück ihrer Tiere machen. Die sich nicht richtig informieren und nicht lernen wollen. Niemand ist perfekt – darum geht es auch nicht, sondern um die Bereitschaft dazuzulernen und besser zu werden. Verantwortung zu übernehmen und dazu zu stehen. Egal ob es gerade passt oder nicht, ob es bequem ist oder nicht.

Carey Pferd kuscheln

Ein Pferd ist doch kein Fahrrad!

Sicher mag es Gründe und Zeiten geben, in denen wir dem Tier nicht die Sorgfalt und Fürsorge geben können, die es braucht. Es mag auch manchmal vielleicht auch gute Gründe geben, sich zu trennen. Ich will niemanden an den Pranger stellen oder schwarz-weiß denken, will keine Regeln aufstellen für die es keine Ausnahmen gibt.

Aber ehrlich gesagt, kann ich persönlich mir keinen Grund vorstellen, der mich dazu bringen würde mein Pferd oder meine Katzen herzugeben. Sie sind ein Teil meiner Familie. Sie sind keine Sportgeräte, sie sind keine Gegenstände, sie sind nicht dazu da meinen Ehrgeiz zu befriedigen oder mein Freizeitausgleich zu sein – sie sind Lebewesen mit Gefühlen und Bedürfnissen. Wer das nicht anerkennen und annehmen will, soll sich bitte ein Fahrrad kaufen oder ins Fitnessstudio gehen.

Traurige Pferdegeschichten – leider keine Ausnahme

Ich kenne die Geschichte eines Pferdes, das nach Jahren mager und mit sehr schlecht gepflegten Hufen an den Stall zurückgekommen ist. Der Besitzer hat sich früher wohl immer liebevoll um dieses Pferd gekümmert. Ich kann es mir kaum vorstellen, wenn ich mir die Stute heute ansehe und bin fassungslos.

Es gibt Menschen, die haben schon zwei Pferde – die sind aber nicht brav genug oder süß genug – Zeit haben sie aber auch nicht. Egal, wird noch ein drittes geholt.

Ich kenne auch die Geschichte einer wundervollen Stute. Sie ist geduldig, sanft, verantwortungsbewusst und sie ist die Leitstute. Sie kümmert sich um ihre Herde, begrüßt jedes einzelne Mitglied, wenn es nach dem Training zurückkommt, ist klar, freundlich und bestimmt. Genauso ist sie auch mit ihrem Menschen. Sie hat ihm Jahrelang treu zur Seite gestanden, hat ihn sicher durchs Gelände getragen. Er hat Geld, es geht ihm gut. Er könnte ihr das beste Futter, die schönste Rente und stundenlange Spaziergänge ermöglichen, denn Zeit er hat auch.

Sie ist jetzt Ende 20, langsam nicht mehr reitbar und er soll schon überlegt haben, ob er einen Tierarzt findet, der sie einschläfern würde. Ich finde das unglaublich grausam, herzlos und kalt. Und ehrlich gesagt reichen auch diese Worte nicht aus für das, was ich empfinde, wenn ich solche Geschichten höre. Ich möchte weinen und all diese Tiere nehmen und ihnen ein neues Zuhause geben. Sie auf die Weide zu meinem Pferd stellen und ihnen etwas von ihrer Sanftmut und Güte zurückgeben.

Carey Pferd

Es gibt leider unzählige dieser Geschichten. Menschen bekommen ein Baby und geben plötzlich ihre Katze oder ihr Pferd weg, Menschen wollen bessere Turnierergebnisse und tauschen ihr Pferd gegen ein neues Tier, als ob es ein Fahrrad wäre. Das Pferd ist nicht so lieb wie gedacht? Na gut? Dann ab zum Schlachter, holen wir uns einfach ein Neues. Der Haflinger ist nicht so schick wie ein Spanier und alle haben doch jetzt Spanier? Dann weg damit und her mit dem Lusitano. Ich habe die Dressur für mich entdeckt und das kann das Quarterhorse nicht so gut – alles klar, dann wird es eben verkauft.

Tiere sind so viel mehr

Dass so ein Tier auch eine Seele hat, ein Herz – eine Bindung an seinen Ort, seinen Menschen, seine Herde und seine Umgebung – wird gnadenlos wegignoriert. Dass es vielleicht grob und frech ist, weil der Mensch ihm nie gezeigt hat, wie er von seinem Pferd behandelt werden will oder das Pferd zutiefst verunsichert ist über die unklaren Aussagen des Menschen – wird gnadenlos wegignoriert.

Immer wieder lese ich von Pferden, die immer brav von der Weide mitgehen, die immer alles machen, die immer jede Übung ausführen. Das ist wunderschön, wenn diese Pferde ihren offenen Blick behalten, wenn sie neugierig und frech in die Welt blicken und die Beziehung so eng und gut ist, dass sie motiviert und freudig mit ihrem Menschen zusammenarbeiten.

Führtraining Petra und Carey

Es gibt aber auch die Pferde, die immer brav sind, weil sie aufgegeben haben. Weil sie wissen, dass sie ohnehin keine Chance haben. Weil der Mensch immer Recht hat. Weil der Mensch glaubt, dass Konsequenz gleichbedeutend mit Dominanz ist.

HIER hat Nadja von Verstehepferde.de einen Artikel über das richtige Maß im Training geschrieben

Lasst euch also nicht beirren, wenn ihr euch für den Weg des Vertrauens entschieden habt. Egal was die Lästerer an der Bande sagen und egal welche Tipps ihr arrogant von der Seite zugerufen bekommt. Geht ihn weiter, auch wenn er manchmal vielleicht nicht so gerade und perfekt erscheint, wie bei Pferd-Mensch-Paaren, in denen das Pferd immer zu funktionieren hat oder das einen Turniersieg nach dem anderen einheimst. Lasst euch nicht beirren von Ratschlägen wie „jetzt hau doch mal drauf und setz dich durch“.

Versteh mich nicht falsch, es ist schon wichtig, dass wir Regeln haben – für uns selbst und für unsere Pferde.

Ich werde wütend und traurig, wenn ich darüber nachdenke wie viele Tiere im Großen und im Kleinen von ihren Menschen alleine gelassen werden, unverstanden sind oder im schlimmsten Fall sogar schlecht behandelt werden.

Ich würde mir wünschen, dass Menschen mehr darüber nachdenken, was sie in ihrem Leben wollen, was sie sich leisten können und ob sie wirklich die Bereitschaft haben sich all die Zeit zu nehmen, die ein Tier nun einmal kostet. Zeit zu lernen, wie dieses Tier leben und behandelt werden will. Zeit für das Tier und Zeit die Bedürfnisse dieses speziellen Tieres zu erkennen. Zeit um miteinander zu wachsen und gemeinsam zu lernen. Zeit für eine Partnerschaft und Vertrauen – denn beides muss wachsen. Zeit und Geduld im täglichen Umgang.

Carey - Quarterhorse

Faktor Geld

Tiere kosten Geld. Punkt. Es ist nicht damit getan billig an irgendein Pferd zu kommen oder den Hundewelpen vom Nachbarn zu übernehmen. Pferde kosten noch viel mehr Geld. Vor allem wenn man sie wirklich gut und korrekt versorgen will. Der Tierarzt, der Osteopath, der Hufschmied, die Box, das Spezialfutter, die Kurse und Bücher um das Pferd besser zu verstehen.

Dann das Geld für das Equipment. Ich meine damit nicht irgendeinen Sattel und irgendein Zaumzeug das so hübsch glitzert, sondern einen passenden guten Sattel und ein anatomisch gut sitzendes Zaumzeug. Wenn es dann noch hübsch glitzert on Top, dann ist das in Ordnung und Geschmackssache. Aber es sollte wichtiger sein, wie gut die Qualität und Passform der Ausrüstung ist, als der Look.

Gute Ausrüstung kostet Geld. Statt 3000 schicke Schabracken und bunte Bürsten lieber ein richtig gutes Reitpad und ein in Deutschland gefertigtes vegetabil gegerbtes Lederzaumzeug, das dann Jahre hält und gut sitzt.

Cavesson braun Barefoot BF

Pferd = Verantwortung

Ich könnte diese Liste endlos weiterführen. Du ahnst sicher was ich meine. Mir geht es einfach darum, dass wir uns der Verantwortung für unsere Tiere bewusst werden. Es ist unsere Pflicht ihnen ein artgerechtes Zuhause zu bieten, sie gesund zu füttern und uns so sehr in ihr Verhalten und ihre Psychologie einzulesen, dass wir sie verstehen und sie uns verstehen können. Wir entscheiden uns für das Tier, nicht das Tier für uns. Zumindest am Anfang. Und wenn wir es schaffen, dem Tier im Training Freude, Spaß und Vertrauen zu vermitteln, wenn wir den richtigen Ton für das Tier treffen, dann wird sich das Tier vielleicht irgendwann für uns entscheiden.

Pferdefluesterei_Petra_Carey_Kuscheln_Weide

Das ist groß. Ein wunderschönes Gefühl und das ist wahres Glück im Zusammensein mit den Tieren. Das ist Partnerschaft und das ist worum es eigentlich gehen sollte. Nicht um Reitweisen, Glitzer und Chi Chi, um Erwartungen und Pflichten oder um „Gäule, die zu funktionieren haben“ – sondern um Vertrauen, Bindung und der respektvolle artgerechte Umgang mit einem Familienmitglied. Einer Persönlichkeit mit Charakter, Ecken und Kanten.

48 Kommentare zu “Verkaufst du jetzt dein Pferd?

  1. Mary-Theres Haller sagt:

    Persönlich kann ich das Geschriebene voll und ganz bestätigen ! Es existiert leider immer noch zu viel Empathilosigkeit, immer noch zu viel Tierleid – oftmals nur, weil die Türe zum "Hineinfühlen" aus den diversesten Gründen (noch) verschlossen ist !
    Jeder, der einmal in einem Stall war, hat diesbezüglich seine Erfahrungen – schliesst entweder Auge und Herz – oder geht…

    Ich finde es von grosser Bedeutung, dass Publizisten, Autoren, "Normalos" 🙂 noch viel mehr Pferdewissen/Pferdeliebe weitergeben ! Steter Tropfen höhlt den Stein – daher freue ich mich persönlich über jegliche Veröffentlichung in die "richtige Richtung"! 🙂

    (Ich gebe jetzt mal die website an – ohne hier "Werbung" machen zu wollen…:) 🙂 🙂 Sie ist aber ein kleiner Beweis, dass ich mir mit über 60 Jahren als Seiteneinsteiger und absoluter Neuling in die horseworld Gedanken gemacht habe und immer noch kleine Verbesserungen anstrebe. Gleichwohl freue ich mich immer wieder über Menschen, die die Pferdewelt angenehmer machen möchten ! In diesem Sinne einen wunderschönen Tag !

    • Petra sagt:

      Wie wahr – Empathie ist ein großes Wort und nicht allen Menschen fällt es leicht. Danke für deine Gedanken zum Thema und ich freue mich, dass du dir zu Aufgabe gemacht hast mehr PFerdeverständnis in die Welt zu tragen. Nur so erreichen wir alle irgendwann mehr Veränderung. Ganz liebe Grüße, Petra

  2. Karo sagt:

    Liebe Petra,
    mit deinem Artikel sprichst du mir zu großen Teilen aus der Seele. Auch ich werde wütend, wenn ich diese vielen, vielen Verkaufsanzeigen sehe von Leuten, die ihre "20-jährigen ganz braven Kinderponys" noch schnell verkaufen wollen, ehe sie nicht mehr reitbar sind und trotzdem viel Geld kosten.
    Für mich kommt sowas ebenso wenig infrage wie für dich und ich kann mir auch überhaupt nicht vorstellen, meinen Ponymann, den ich schon so lange an meiner Seite habe und der mein Leben so wahnsinnig bereichert, jemand anderem zu geben.
    Aber mir ist es viel zu schwarz-weiß gedacht, wenn du (auf Facebook) schreibst, es gibt nur eine richtige Antwort auf die Frage, ob man jetzt sein Pferd verkaufe. Denn es gibt einfach Situationen, in denen der Verkauf des Pferdes das Beste ist – und zwar für beide Seiten. Ich glaube, wer dies noch nie erlebt hat (ich auch nicht), kann das nicht nachvollziehen. Aber wenn man sich mit jemandem darüber unterhält, wird man irgendwann verstehen, dass es Gründe geben kann, ein Pferd zu verkaufen. Zum Beispiel dann, wenn Pferd und Mensch einfach nicht miteinander harmonieren – ja, sowas gibt es – oder wenn man plötzlich vor der Situation steht, dass man sich das Pferd, das einen schon länger begleitet, plötzlich nicht mehr leisten kann.
    Viele liebe Grüße
    Karo

    • Petra sagt:

      Liebe Karo, das kann ich alles nachvollziehen. Deswegen schreibe ich im Artikel ja, dass es Gründe geben mag – wie beispielsweise, wenn man seiner Fürsorgepflicht nicht mehr nachkommen kann. Vielleicht hätte ich das noch fetter und größer schreiben können, damit es keiner übersieht. Aber wie du auch weißt, kann man nie alle Ausnahmen und Besonderheiten in einem Artikel darstellen – deswegen erwähne ich es. Und schreibe dann über das, worum es mir eigentlich geht: Menschen, die ihr Tier leichtfertig hergeben, die nicht nachdenken bevor sie sich das Tier anschaffen, die nicht den Willen haben zu lernen und an sich selbst zu arbeiten , die das Tier als Gegenstand betrachten – in allen feinen und groben Nuancen, die es da gibt. Genau darum geht es vor allem in dem Artikel. Ausgelöst durch die Frage, die mir auch schon gestellt wurde. Und die ich für mich persönlich zu keinem Zeitpunkt anders beantworten würde, als ich das jetzt tue. Ganz liebe Grüße, Petra

  3. Lin sagt:

    Liebe Petra, ich kann deinen Artikel nur unterschreiben, mir geht es da so wie dir! Und das obwohl es bei mir aktuell nicht rund läuft und ich schon öfter darüber nachgedacht habe zu verkaufen. Aber letztendlich geb ich dann auf, bleibe in meiner Komfortzone und arbeite nicht an mir selbst. Das einzige ist, manchmal denke ich auch vielleicht muss man im Leben auch mal akzeptieren das man versagt hat, aber anderseits ist es doch nie zu spät wenn man nur will?
    Aus finanziellen Gründen wenn es einen unerwartet trifft, das ist für mich wirklich ein Grund, aber leichtfertig kaufen und erst nachher ausrechnen was ein Pferd kostet gehört für mich nicht dazu. Genauso wie wenn es nicht harmoniert, sowas zeigt sich nicht erst nach Jahren! Also auch hier wieder die Arbeit an einem selbst. Lg

    • Petra sagt:

      Liebe Lin, das sehe ich ähnlich wie du. Vorher rechnen, schnell prüfen ob man sich versteht und nicht gleich aufgeben. Das Schöne an Pferden ist ja, dass sie uns den Spiegel vorhalten und wir an uns arbeiten. Dadurch bekommen wir so viel für unser restlichen Pferdefreies Leben – es ist so schade, wenn man diese Chance nicht ergreift. Klar, wenn einen etwas unerwartet trifft oder man sich so gar nicht versteht und das trotz aller vorsorglichen Prüfungen und aller Mühen – klar, das sind andere Gründe, die ich auch nachvollziehen kann. Ganz liebe Grüße an dich also und vielen Dank für deinen Kommentar, Petra

    • Petra sagt:

      Liebe Karin, du hier 🙂 wie schön! Danke für deinen Kommentar und viele liebe Grüße zurück, Petra

  4. Miriam sagt:

    Liebe Petra,

    meine Tiere sind meine Familienmitglieder. Jedes hat seinen Platz in unserem Herzen. Der Ponymann muss ich gestehen, sogar einen ganz besonderen. Trotzdem war ich einmal kurz davor in abzugeben. Wir waren in einem Stall wo es ihm nicht gut ging. Er hatte Angst vor dem anderen Pony mit dem er die Weide teilte, er kam sehr unregelmäßig raus, seine Box war zugig und er fühlte sich nicht wohl. Ich habe verzweifelt versucht einen anderen Stall zu finden. Aber für ein Mini-Shetty Hengstfohlen ist das wie die Nadel im Heuhaufen. Er wurde immer unglücklicher und ich hatte das Gefühl seinen Bedürfnissen nicht gerecht werden zu können. Aus Verzweiflung hab ich mit seiner Züchterin Kontakt aufgenommen. Sie hat dann angeboten, dass sie ihn bei sich groß werden lässt. Das hatte ich gehofft, aber wenn sie ihn nicht so genommen hätte, hätte ich ihn ihr auch zurück gegeben. Zum Glück war das dann nicht notwendig und ich habe doch noch einen passenden Stall gefunden.
    Wäre mir das leicht gefallen? Nein, das war ein schrecklicher Gedanke, aber in diesem Fall wäre es für mein Pony besser gewesen wie dort zu bleiben wo er war.
    Jahrelang war ich im Tierschutz aktiv und was ich dort erlebt habe, hat mich oft erschreckt. Tiere sind vor dem Gesetz mit Sachen gleich gestellt und so wohl auch in den Köpfen vieler Menschen.
    Ich habe die Verantwortung für meine Tiere übernommen. Sie haben sich nicht ausgesucht zu mir zu kommen, sondern ich wollte das so. Also habe ich auf die Pflicht dafür zu sorgen, dass es ihnen gut geht. Ich sollte immer im Sinne des Tieres handeln. Egal ob Pferd, Hund oder Meerschweinchen. Aber dabei sollte ich wirklich die Bedürfnisse des Tieres im Blick haben und keine Rechtfertigung für mein Handeln suchen.
    Bei uns im Stall war ein Pferd, was von seiner Besitzerin gehegt und gepflegt wurde. Sie hat immer wieder betont, dass er wie ein Familienmitglied für sie ist. Irgendwann fing er an chronisch zu husten. Sie kam jeden Tag und hat ihn versorgt, inhaliert, das Heu nass gemacht und für Bewegung gesorgt. Damit ging es ihm ganz gut. Plötzlich hat die Frau sich neu verliebt und war ein halbes Jahr (!) gar nicht mehr bei ihrem Pferd. Die Hufe wurden nicht gemacht, er wurde nicht mehr inhaliert, sein Heu bekam er auch nicht mehr nass gemacht und die Bewegung fand nur noch auf der Weide statt. Dem Pferd ging es immer schlechter. Wir im Stall haben angefangen uns abwechselnd um ihn zu kümmern, haben seine Besitzerin angeschrieben, dass sie doch bitte mal in den Stall kommen kann. Dass wir uns Sorgen um ihn machen usw. Es kam immer die Antwort, keine Zeit, aber die nächsten Tage. Gesehen hat sie keiner. Eines Tages kam ich in den Stall und seine Box war leer. Das Pferd war in eine Reitschule verkauft worden. Er war 24 Jahre alt und hatte chronischen Husten. Ganz ehrlich in dieser Familie wollte ich kein Familienmitglied sein, wenn man dann so behandelt wird, sobald etwas anderes wichtiger ist.
    Liebe Grüße
    Miriam

    • Petra sagt:

      Liebe Miriam, das sehe ich ähnlich wie du. Die Sorgfaltspflicht und die Fürsorge sollten wir immer erfüllen können – wenn das nicht geht, dann ist es sicher auch sinnvol über einen Verkauf an einen Ort oder eine Person nachzudenken, die beides erfüllen kann. Aber ich denke die Frau, die du in deinem Kommentar beschreibst, hat keinerlei Sorgfaltspflicht erfüllt und ist aus meiner Sicht an dem Punkt ein Mensch, der vielleicht kein Tier besitzen sollte. Das alles gehört für mich zu der Verantwortung auch dazu, die wir übernehmen, wenn wir ein Pferd oder anderes Tier haben. Es so zu versorgen, dass es gesund und zufrieden sein kann. Wie du schreibst: Das Tier hat es sich nicht ausgesucht, wir schon. Es ist traurig, wenn Menschen so mit ihrem Pfrd umgehen und reiht sich in die Geschichten ein, die ich in dem Artikel beschreibe. Mein Appell an solche Menschen wäre: Kümmere dich verdammt nochmal um dein Pferd! Und wenn du das nicht mehr willst (was uch zutiefst egoistisch finde), dann suche wenigstens verantwortungsvoll einen guten neuen Platz. Das sind genau die Menschen, die sich eben nicht vorher gut genug überlegen, was die Verantwortung für ein Tier bedeutet. Wie schön, dass es Menschen wie dich gibt, die sich kümmern und so gut zu ihren Tieren sind. Es wäre schön, wenn es mehr davon gäbe. Ganz liebe Grüße an euch, Petra

  5. T. sagt:

    Liebe Petra,
    ich hab mich das auch oft gefragt, wenn ich Anzeigen lese und Berichte aus dem Tierschutz. Ich denke, das liegt einfach daran, dass sich die meisten Menschen die Pferde aus ganz anderen Gründen kaufen als wir. Wenn das Reiten im Vordergrund steht und die Haltung aus diesem Grund auch möglichst bequem gewählt werden muss, ist es doch kein Wunder, dass man sein Pferd wieder verkaufen muss, sobald sich die Lebenssituation etwas ändert. In gewisser Weise ist das dann auch besser so. Wenn wir unsere beiden Pferde in einem normalen Reitstall halten würde, was für ihre Ausbildung wegen der Verfügbarkeit einer Halle definitiv besser wäre, müssten wir sie jetzt auch verkaufen, weil ich schwanger bin und das zeitlich im Winter unmöglich zu schaffen wäre, alles andere wäre unverantwortlich. Und mal ehrlich, die wenigsten denken überhaupt über Alternativen nach. Man geht immer davon aus, dass das Pferd einen Menschen braucht. Das halte ich bei gesunden Pferden und einer entsprechenden Haltung für ziemlichen Unsinn (bis auf die korrekte Versorgung, Hufbearbeitung, Futter usw, das ist klar).

    Ich bin schwanger und werde definitiv in den nächsten Monaten keine Zeit haben mich um unsere Pferde zu kümmern. Sie stehen aber in einem Offenstall und im Sommer auf der Weide und daher denke ich, das wird schon gehen. Aber in unserem Umfeld fragen sich viele, warum wir die beiden nicht verkaufen. Sie werden nächstes Jahr fünf und wurden immer noch nicht eingeritten, weil wir keinen für uns passenden Ausbilder finden und diesen Sommer dann die Schwangerschaft dazwischen kam. Wir verkaufen sie nicht, weil wir gar nicht der Ansicht sind, dass sie unbedingt geritten und extensiv betüdelt werden müssen. Wir behalten beide, weil sie nunmal zusammen aufgewachsen sind und es total schön ist, dass sie als Herdentiere immer sich haben, auch wenn wir mal wieder umziehen müssen. Und sie sind Teil unserer Familie. Aber ganz ehrlich, am Ende des Tages, glaube ich nicht, dass es für die Pferde schlimm wäre, verkauft zu werden, solange sie zusammen bleiben und zu jemandem kommen mit Pferdeverstand und guter Haltung. Am Ende ist es sogar egoistisch Pferde zu behalten, wenn man gar nicht die Zeit hat, sich um sie zu kümmern. Die beiden gehören natürlich zur Familie, sie kommen immer, wenn wir sie rufen und kennen uns schon seit sie sechs Monate alt sind. Wir gehen spazieren, machen Bodenarbeit und sie vertrauen uns, alles keine Frage, wir sind eine willkommene Abwechslung. Aber trotzdem, wenn sie die Wahl hätten zwischen Kumpel verkaufen oder Menschen wechseln, mache ich mir keine Illusionen, wie die sich entscheiden würden. Menschen sind ein zwei Stunden am Tag da, aber ihre Kumpels machen ihr Leben aus.

    Ich musste wegen der Schwangerschaft jetzt auch ein Haustier abgeben. Manchmal geht es einfach nicht anders. Ich bin einem ziemlichen Shitstorm im Tierschutz auf Facebook begegnet und hab mir ziemliche viele Unverschämtheiten angehört. Ich denke, Verantwortung für Tiere zu übernehmen bedeutet durchaus auch zu wissen, wann man sich besser trennt, weil man dieser Verantwortung nicht mehr gerecht werden kann. Solche Entscheidungen sind nicht immer leichtfertig getroffen und sollten auch respektiert werden. Das Leben kann nunmal ganz unerwartete Entwicklungen nehmen. Im Gegensatz zu vielen Haustieren, lässt sich das bei Pferden aber meist lösen und überbrücken, indem man eine ansprechende Haltung sucht, vorausgesetzt natürlich man hat das Geld. Vielleicht bedarf es da teilweise auch mehr Aufklärung. Wenn ich lese, dass ein Rentnerpferd abgeben wird, weil man nicht mehr die Zeit habe und das Pferd dringend Beschäftigung bräuchte, dann kann ich mir das schon vorstellen, weil ich das Zeitproblem auch habe, aber ich hab mir auch schon oft gedacht, kann man es nicht einfach auf eine Rentnerweide stellen? Wissen wirklich alle, dass ein Pferd damit ganz glücklich sein kann?
    LG

    • Petra sagt:

      Liebe T. danke für deine Gedanken zum Thema. Ich kann ihnen gut folgen und letztlich hast du mit all dem Recht, was du schreibst. Es gibt sicher Gründe und Momente, die es rechtfertigen dass man sich trennt – und wie du schreibst – solange es verantwortungsbewusst und leichtfertig passiert – ist das der Lauf der Dinge. Aber man sollte es sich nicht leicht machen und vorher gut und langfristig überlegen, welche Pläne man noch hat im Leben und ob ein Tier da auch die nächsten 10 oder 15 oder 20 Jahre reinpasst. Wenn man alles bedenkt und einem das Schicksal dazwischenkommt – was immer passieren kann – dann ist es sicher besser vernatwortungsbewusst einen richtigen Platz finden, als es auf Teufel komm raus durchzuziehe. Ich glaube übrigens auch nicht, dass ich meinem Pferd wichtiger als ihre Kumpelinnen bin – aber ich merke schon, dass sie mit mir anders umgeht als mit anderen Menschen und fühle deswegen auch eine Verantwortung dieser wachsenden Bindung auch gerecht zu werden. Ganz liebe Grüße, Petra

  6. Martin sagt:

    Hallo Petra,
    es ist ein guter und bestimmt auch einmal fälliger Artikel, der ein Thema angeht und zum Nachzudenken anregt. Ich stöbere gerne auf Deiner Internetseite und bilde mich weiter.

    Ich bin 42 Jahre alt und habe seit April einen tollen Andalusier. Es war von mir kein Lebenstraum, ich habe lange überlegt, mich informiert und natürlich auch gerechnet. Nach einiger Zeit des abwägen entschied ich mich, mir einen Gaul zuzulegen. Ich schaute davor etwa ein Jahr bei meiner Frau zu, Sie kaufte sich damals ein Pferdchen und es verlief nicht vieles positiv.
    Mein Schimmel passt echt gut zu mir und wir starteten wirklich von Anfang an mit guten Fortschritten voll durch. Er wird beritten und ich nehme Reitstunden und lerne dazu, lese viel und probiere einfach auch Sachen aus.
    Ich denke täglich vielfach an meinen Gaul und bin auch jeden Tag bei ihm.

    Das Leben kann sich Tag für Tag ändern, es kann viel passieren und es sollte im Wohle des Tieres entschieden werden. Ich hasse Tierquäler – hier ist eine Trennung wohl anzuraten. Es gibt aber, wie Du geschrieben hast unzählige Einzelfälle, die einer genaueren Betrachtung verlangen.
    Ich habe mich entschieden, einen Gaul zu haben, ich bin Tier-Bezugsperson (kein Besitzer), ich habe auch das Glück, dass mein Gaul so gut zu mir passt.
    Mein Pferd gehört nun zu mir und so bleib es auch.
    Es kostet viel Zeit, Gehirnschmalz und auch Geld ein Pferd zu haben, die davor für andere Sachen vorhanden war. Eine strikte Umstellung des Lebens, jedoch gibt mein kleiner Racker mir sehr vieles zurück und entschädigt dafür, wir sind ein Team.

    • Petra sagt:

      Lieber Martin, danke für deine Gedanken zum Thema. Ich sehe es ähnlich wie du – ein Tier kostet Zeit, Geld und Hirnschmalz. Ich bin ja auch ein Wortklauber und mag das Wort "Gaul" nicht so gerne, weil viele es abschätzig nutzen – nicht wie du, dir merkt man an, dass du dich um dein Pferd bemühst. Aber das ist nur ein Gedanke am Rande. Viel wichtiger ist, dass wir us Verantwortlich fühlen für unsere Tiere und uns in ihrem Sinne um sie kümmern.

      Ganz liebe Grüße an dich und deinen Schimmel, Petra

  7. Andrea Waldl sagt:

    Danke für diesen Artikel, ich reite mein Pferd nach einem schweren Unfall mit ihm nicht mehr, vor allem weil ich Angst davor habe. Skippy ist 23 und steht einfach rum, viele sagen – sinnlos rum. Aber er ist gesund, ich mache viel Bodenarbeit mit ihm – das macht uns beiden sehr viel Spaß. Viele sagen, gibt ihn her, der ist eh unreitbar. Stimmt, er ist sozusagen "unreitbar" quasi für mich. Aber er ist meiner!!! Ich gebe auch meinen fast 17 Jahre alten Hund nicht her, weil er inkontinent ist. Meine Tiere bleiben bis zum Ende bei mir! Das sollten wir schon bei der Anschaffung bedenken. Und es gibt immer einen Weg, dass das Tier bleiben darf – auch finanziell! Liebe Grüße Andrea Waldl

    • Petra sagt:

      Liebe Andrea, danke für deinen wunderschönen Kommentar. Ich stimme dir aus vollem Herzen zu. Ich würde meine Kleine auch nie hergeben, egal ob sie reitbar ist oder nicht. Ich habe sie nicht für den Nutzen "Reiten", sondern weil ich sie als Persönlichkeit ins Herz geschlossen habe. Klar will ich auch Reiten, aber wenn das nicht ginge – würde das nichts ändern. Ganz liebe Grüße an dich, dein Pferdchen und deinen Hund – Petra

  8. Susi sagt:

    Hach, Du schreibst mir aus der Seele. Ich habe meine Haflingerstute seit 20 Jahren, hatte dazumals nicht viel Pferdeerfahrung aber wir haben beide dazugelernt und schon soviel erlebt. Die Hälfte meiner Lebensjahre habe ich schon mit ihr verbracht und ich bin sicher es kommen noch mindestens 10 dazu.
    Und es schmerzt wenn andere Pferdebesitzer sich einfach Pferde kaufen und dan verkaufen weil es ein Ekzem hat, man nicht zurecht kommt, die Kinder jetzt grösser sind und kein Pony mehr haben wollen und dies immer unter dem Vorwand "aus privaten Gründen", "schwerzen Herzens", …

    Pferdesport ist momentan sehr aktuell, die Leute haben das Geld sich Pferde zu kaufen. Nur ist glaub ich einem großen Teil nicht bewusst dass die Pferde eine Lebenserwartung von 30-40 Jahren haben und man wenn man ein Tier kauft die PFLICHT hat es bis zu seinem Tod artgerecht und nach bestem Gewissen zu versorgen.

    Viele wollen sich diese Kosten nur leisten solange das liebe Pferd reitbar ist.

    Es habe vor kurzem eine Anfrage an eine österreichische Pferdzeitung geschrieben ob sie nicht einmal dieses Thema behandeln wollen. Denn ich glaube dass es in den nächsten 10-15 Jahren viele Pferde gibt die ein Alter von über 20 Jahren haben und wer kauft die dann alle? Oder kommen die dann zum Schlachter? Ich glaube nämlich nicht dass sich alle Pferdebesitzer dann einen Pensionsstall leisten können oder besser gesagt wollen.

    Aber ich bin froh dass anderen dieses Thema auch bewusst ist.

    • Petra sagt:

      Liebe Susi, ja das ist in der Tat ein ganz schrecklicher Gedanke, dass Menschen ihr Pferd hergeben, weil es Senior und damit nicht mehr reitbar ist. Ich würde meine Kleine auch als Rentnerin nicht "nur" auf die Rentnerkoppel stellen, sondern auch noch Spazieren gehen oder mal Bodenarbeit machen – einfach für Kopf und Seele. Man kommt doch zusammen nicht für den Nutzen, sondern für die gemeinsame Zeit – und die endet nicht mit der Rente oder dem Alter. Sie muss nur neu definiert werden. Ganz liebe Grüße an dich und deinen Hafi, Petra

  9. Melanie sagt:

    Wunderschön geschrieben und sooo wahr!
    Ich bin immer wieder geschockt, wie wenig wahre Tierfreunde besonders unter den Reitern vertreten sind. Vielen geht es einfach nur um den Sport, den Erfolg oder das Prestige. Man kümmert sich vielleicht recht gut um das Tier, aber nur damit und vorallem so lange es funktioniert. Im Pferdebereich ist das extrem, aber auch andere Tiere werden viel zu oft einfach ausgetauscht oder abgestoßen, wenn sie vermeintlich nicht mehr ins Leben passen. Die Wegwerf-Gesellschaft ist eines der größten Probleme unserer Zeit und ich finde du hast es absolut mit deinem Bericht auf den Punkt gebracht! "In guten wie in schlechten Zeiten" – das ist mein Motto und so wird das mit all meinen Lieben gehandhabt – egal ob Zwei- oder Vierbeiner!

    • Petra sagt:

      Liebe Melanie, danke für deine lieben Worte. Es ist so schön, dass so viele positive Reaktionen auf den Artikel kommen. Ich freue mich, dass liebevolle Pferdemenschen auf der Pferdeflüsterei lesen. Ich sehe es wie du "in guten wie in schlechten Zeiten" – das will vorher gut überlegt sein. Ganz liebe Grüße, Petra

    • Petra sagt:

      Danke liebe Antoinette, für deinen Kommentar. Du hast natürlich auch Recht – Gott sei dank gibt es auch viele wunderbare Pferdemenschen und Tiermenschen, die sich vernatwortungsbewusst udn achtsam verhalten. Das ist gott sei dank die andere schöne Seite der Medaille. Liebe Grüße, Petra

  10. Carmen sagt:

    Super Beitrag, so empfinde ich auch.. Müsste ich daran denken mein Pferd herzugeben weil es in meinem Leben plötzlich bergab ginge, ich würde alles in Bewegung setzen dies zu verhindern. Und wenn es nicht anders ginge, ich wäre ohne meinen Seelenpartner nicht mehr ich selbst. Er macht mich komplett, er gibt mir alles und noch mehr zurück was ich versuche ihm zu geben. Er macht mich glücklich, lässt mich leben.. Ohne ihn wäre ich nur noch eine traurige Hülle von dem, was ich einmal war.. Ich hoffe er lebt bis ins hohe Alter und wir haben noch viele, viele Jahrzehnte zusammen bis ich ihm seine letzte Ehre erweisen!

    • Petra sagt:

      Liebe Carmen, danke für deine Gedanken. Ich kann sie so gut nachfühlen. Meine Kleine und ich – wir wachsen noch zusammen – aber ich kann mir gut vorstellen, dass ich irgendwann ähnliche Gedanken aufschreiben werde, wie du jetzt. Und auch kann auch jetzt schon sagen, dass mein Leben ohne sie nur halb so schön wäre. Ich würde so viel vermissen und wäre sicher unglücklicher und unzufriedener – sie geben uns so viel. Das sehe ich wie du. Dafür können wir ihnen auch Fürsorge und Achtsamkeit zurückgeben. Ganz liebe Grüße an euch zwei, Petra

  11. lotti sagt:

    Neulich erzählte mir eine Bekannte die probeweise ein Pferd in abgemagerten und ungepflegten Zustand (Hufe in völlig desolatem Zustand u.ä.) zu sich genommen hat, die Besitzer seien eigentlich ganz nette Menschen. Auf den Hinweis meiner Bekannten auf den Zustand der Hufe, äußerten sie, "jetzt wo Sie es sagen fällt es mir auch auf. Wissen Sie, ich habs mehr so mit dem reiten, nicht so mit dem drum rum".
    Was soll mensch dazu sagen?
    Können solche Leute sonst so überhaupt noch "nett" sein?
    Auch Menschen die vielleicht weniger pferdeemphatisch als die geneigten Leser*innen dieser Seite eingestellt sind, müssen sich doch dann schon denklogisch die Frage stellen, wen oder was willst du reiten, wenn die Hufe das Pferd ergo den Menschen nicht mehr tragen können.
    Mich macht solch eine Äußerung fassungslos.
    Immer mehr bemerke ich, dass ich Menschen, die ich sonst so ganz nett finde, die ihre Tiere aber nicht artgerecht halten, nicht artgerecht füttern, oder augenscheinlich keinerlei Ahnung von deren Sozialverhalten, Kommunikation und aktuellen Befindlichkeiten haben, nicht mehr unbefangen begegnen kann bzw. ich sie nicht mehr mögen kann.
    Geld steht dem meistens nicht im Weg.

    Es ist die mangelnde Bereitschaft, sich auf das Wesen einzulassen, Wissen über seine Art und und seine individuellen Bedürfnisse in Erfahrung zu bringen, diese in die Tat umzusetzen und dafür Zeit und Energie zu investieren.

    Das macht mich wütend und fassungslos. Wer ein Tier in seine Obhut genommen hat trägt die Verantwortung in guten und in schlechten Zeiten. Dazu kann auch gehören, die Verantwortung abzugeben, natürlich an eine Person, die die Bereitschaft mitbringt dieser Verantwortung auch gerecht zu werden.

    • Leni sagt:

      Hallo Lotti,
      zu Deinem Kommentar habe ich leider auch schon Erfahrungen machen müssen. Die Vorbesitzer meines Ponys haben ihn angeschafft mit der Vorgabe "soll möglichst Schecke oder sonstwie ausgefallen sein und nach Möglichkeit nichts kosten, am besten mit komplettem Zubehör". Damals war ich jung und dumm genug, um nicht genug dagegen anzugehen, aber wenn ich heute so darüber nachdenke, stellen sich mir die Nackenhaare auf wegen so viel Unverstand und Prestigesucht. Hufschmied kam nicht, Futter gabs keins ("stehen doch auf der Wiese"), Tierarzt sowieso nicht (obwohl Ekzemer) und auch keinen passenden Sattel. Nach Meldung beim Tierschutz kam von dort die Antwort: "Wieso, den Tieren geht’s doch gut, die haben Wasser und ne Weide, da geht’s etlichen Tieren schlechter". Na danke auch…
      Naja, der Ponymann wurde unhändelbar und dann dementsprechend abgeschoben. Glücklicherweise konnte ich ihn kaufen, jetzt ist er zufrieden. Kaum war er weg, wurde ein Absetzer-Hengstfohlen "gerettet"… Da kann man nur noch den Kopf schütteln, und zwar nicht nur über die "Pferdemenschen", sondern auch über den Tierschutz und über die Menschen, die ihre Pferde wahllos irgendwelchen dahergelaufenen Typen verkaufen, ohne sich zu informieren, wo das Pferd hingeht und welche Kenntnisse der Kaufinteressent mitbringt! Wie ging der Spruch noch? "Das größte Armutszeugnis der Menschheit ist, dass das Wort Tierschutz überhaupt erst erfunden werden musste".

    • Petra sagt:

      Liebe Lotti, deinen Gedanken kann ich sehr gut nachvollziehen. Mir fällt es auch schwer Menschen als nett zu empfinden, die nicht nett mit der Natur, ihren Mitmenschen oder mit Tieren umgehen. Es ist grauenvoll, dass jemand die Hufe verkommen lässt, weil er es "mehr mit dem Reiten" hat. Das sagt sehr viel über den Egoismus und im Grunde auch Gefühlskälte dieses Menschen aus. Solchen Leuten würde ich gerne ein Fahrrad empfehlen oder ein Schaukelpferd – das wäre sicher besser. Ganz liebe Grüße, Petra

  12. Karolin sagt:

    Liebe Petra,

    ich kann diese Frage für mich persönlich sehr leicht und schnell beantworten.
    Vor ca. 3 Jahren ging mein Pferd stark lahm, musste operiert werden. Während seiner verordneten Boxenruhe war ich jeden Tag zum Putzen und Tüddeln bei ihm. Irgendwann durften wir spazieren gehen und schließlich sogar wieder unter dem Sattel arbeiten. Es gab jedoch nochmal einen herben Rückschlag. Vom TA fielen Worte wie "da können wir nicht mehr viel machen".
    Ich wusste, dass mein Pony noch nicht aufgeben wollte und ich wollte das auch nicht…
    Es sind viel Geld und Nerven (ich sag nur Berg-und Talfahrt) draufgegangen, ich beende bald meine Ausbildung zur Tierphysiotherapeutin, die ich für ihn angefangen habe, belese mich und tue alles, um es dem kleinen Kerl gut gehen zu lassen. Er läuft inzwischen wieder lahmfrei, braucht durch die Arthrose nur seine Zeit um sich einzulaufen.
    Wir haben eine sehr gute Verbindung, sodass ich unser Aktivitätenprogramm gut an seine Tagesform anpassen kann. Eine tolle Anschaffung waren meine Wanderschuhe; man lernt es ganz anders zu schätzen, was die lieben Vierbeiner für uns tun! Und Reiten ist für mich doch recht unwichtig geworden.
    Viele Leute meinten schon zu mir, dass er doch zu Salami verarbeitet werden kann, da ich ihn doch gar nicht mehr voll "nutzen" kann. Ich weiß oft nicht, was ich zu solchen Menschen sagen soll. Sie würden es eh nicht verstehen.
    Solange mein Seelenpferd so gut drauf ist, bleiben wir zusammen, bis er ein alter Pferdeopa ist (und er ist erst 14). Auch wenn er ab morgen nicht mehr zu reiten und nur noch "Koppelpferd" wäre.
    Das ist für mich vollkommen logisch, da ich mich damals voll und ganz für ihn entschieden habe, so wie das jeder fühlende und verantwortungsbewusste Tierhalter tun sollte.
    Auf ganz individuelle, persönliche Gründe anderer Besitzer, die ihre Pferde abgeben, gehe ich nicht weiter ein. Letztendlich muss das jeder mit sich selbst vereinbaren können.
    Liebe Grüße
    Karolin

    • Petra sagt:

      Liebe Karolin, wie wunderschön, dass du deinem kleinen Ponymann ein so schönes Leben bereitest und sogar eine Ausbildung für ihn anfängst. Ich finde toll und genau richtig, wie du es angehst und kann deine Gedanken ganz und gar nachvollziehen. Individuelle und auch wichtige Gründe für einen Verkauf mag es immer wieder geben und das wollte und will ich mit meinem Artikel gar nicht bestreiten – diesen Absatz haben manche irgendwie überlesen 😉 Es geht mir um genau diese Menschen, die zu dir sagen, ob du dein Pferd nicht zur "Salami" verarbeiten lassen willst, weil du es nicht mehr "voll nutzen" kannst – das macht mich traurig und auch mir fehlen dann die Worte. Schön, dass es Menschen wie dich gibt, die nicht aufgeben und das in ihrem Pferd sehen, was es ist. EIn Partner und ein Freund, um den man sich kümmert – in guten und schlechten Zeiten. Ganz liebe Grüße an euch zwei, Petra

  13. Heike sagt:

    Glaubt ihr eigentlich auch das Kühe, Schweine und Hühner auch eine Seele haben? Seid ihr eigentlich auch empathisch, wenn ihr an der Fleischtheke steht oder eure Milch trinkt? Oder sind das für euch "andere Tiere"? Wenn ja, dann denkt doch bitte da mal drüber nach…..

    • Petra sagt:

      Hallo Heike, ehrlich gesagt verstehe ich deinen Kommentar nicht wirklich. Es ist zwar nicht wichtig, aber ich bin Vegetarierin. Ich kaufe im Reformhaus ein und versuche soweit es mir irgendmöglich ist ökologisch, Tierproduktfrei und Fairtrade zu leben und zu konsumieren. Aber das tut eigentlich nichts zur Sache. Denn niemand bezweifelt ja, dass Tiere eine Seele haben. Alle Tiere. Nun habe ich nunmal zwei Katzen und ein Pferd und schreibe deswegen über diese Tiere. Ich könnte mir auch eine Kuh und ein Huhn in die Familie holen – dann wäre mein Artikel exakt gleich ausgefallen. Soll ich mir um mein Pferd etwa weniger Gedanken machen, weil "auch Kühe, Schweine und Hühner" eine Seele haben? Oder was genau möchtest du mir mit diesem Kommentar sagen? Viele Grüße, Petra

  14. Christine sagt:

    Hallo liebe Petra,
    Ich muss hier was erzählen. Vor einiger Zeit habe ich schon Probleme mit meiner Stute geschildert.
    Aber was mir erst vor wenigen Wochen klar geworden ist, ist folgendes.
    Mein Pferd kam auf den Hof und war sehr sehr schwierig, lies sich nicht trensen, keine Fliegenmaske aufsetzen, mich nicht aufsteigen…
    Nach und nach und mit Trainern wurde alles besser aber es gab immer wieder Stimmen von außen und -was viel schlimmer ist- in mir, die sagten, ich könnte es so viel einfacher haben, wenn ich mir ein anderes Pferd kaufte.
    Nun hatte ich vor kurzem einen sehr guten Kurs und diese Trainerin hat mir gezeigt, wie sensibel das Pferd ist und wie achwiwrig für mich dadurch. Aber für mich ist damit win Schalter umgelegt worden. Mir wurde klar, dass meine Stute die ganze Zeit gemerkt hat, dass es mur schwer fiel, sie anzunehmen. Auf einmal gab es wie eine Welle der Liebe in mir und ich sehe sie mit ganz anderen Augen. Es ist nicht automatisch einfacher aber ich werde nie wieder über Verkauf nachdenken.

    • Petra sagt:

      Liebe Christine, was für eine schöne Geschichte. Die meine Gedanken für mich ein bisschen bestätigt. Ich glaube nämlich, dass nahezu jeder Mensch mit nahezu jedem Tier zusammenkommen kann. Es ist nur manchmal ein härterer und manchmal ein einfacherer Weg. Und oft lernen wir durch die schwierigen Momente so viel mehr, als durch die leichten. So wie du, wie schön, dass du nie aufgegeben hast! Ich kann auch deine Gedanken verstehen und wollte mit dem Artikel nie sagen, dass man nicht auch zweifeln darf oder über einen Verkauf nachdenken darf oder es manchmal nicht auch Gründe gibt, warum ein Pferd und ein Mensche nicht mehr zusammenbleiben können – nur leicht sollte man es sich einfach nicht machen. Und es ist auch ein bisschen meine persönliche Sicht, dass ich mir vorher gut überlege, ob ich dieses Tier will und wenn ja, dann eben auch alles gebe, um zu dieser Entscheidung zu stehen. Heißt aber im Umkehrschluss für mich nicht, dass jemand ein schlechter Mensch ist, der sich für den Verkauf entscheidet – wenn er denn wohlüberlegt und verantwortungsbewusst angegangen wird. Ganz liebe Grüße, Petra

    • Petra sagt:

      Liebe Anna, ich danke dir für deinen Kommentar – schön, dass du es ähnlich siehst. Ganz liebe Grüße, Petra

  15. Martha sagt:

    Liebe Petra,
    danke für diesen gut geschriebenen Artikel.
    Wie oft habe ich mir diese Frage anhören müssen. Oder eher die Aufforderung " Tu den Gaul weg, der taugt zu nix"
    Zum Glück bin ich genauso stur wie mein " Gaul". Und wenn ich eine Entscheidung treffe stehe ich auch dazu. Auch wenn mein Kopf mir vor drei Jahren sagte "dieses Pferd ist nicht das was du suchst", so habe ich auf mein Herz gehört.
    Auch wenn ich mich selbst nur zu oft gefragt habe ob ich es wirklich schaffe. Ob ich meinem kleinen Pferdemann wirklich gerecht werden kann. Ob ich ihm die Sicherheit und Stärke geben kann die er benötigt. Ob mein Wissen und Können reicht diese " Zeitbombe auf vier Hufen" zu bändigen.
    Und was soll ich sagen? Ich bin froh auf meine innere Stimme gehört zu haben, dass Pyrmo eine Chance verdient hat. Froh nicht nachgegeben und ihn nicht " verscherbelt" habe wie mir geraten worden ist. Allein die Wortwahl- als würden die Menschen vergessen, dass es sich hier um ein Lebewesen handelt. Dankbar, dass mein Mann jederzeit hinter mir stand . " Egal was passiert- dieses Pferd wird nicht verkauft!" Und gestern sass er selbst, als absoluter Nicht-Reiter das erste Mal auf Pyrmo, der ihn ruhig und grottenartig durch die Gegend trug.

    Zum Abschluss noch als positives Beispiel meine Schwiegermutter. Ihr 34 Jähriger Trakehner erfreut sich bester Gesundheit und lebt zusammen mit seiner Welsh Stute in einem Pferderentner Paradies. Er tobt und galoppiert über die Wiese wie ein Jungpferd. Und auch wenn er nicht mehr geritten werden kann so wird er geliebt, gepflegt und verwöhnt. Ein Lebensabend den ich allen Pferden wünsche.
    Suche mal an den üblichen Reitställen ein Großpferd das älter als 22 ist…
    Liebe Grüße
    Martha

    • Petra sagt:

      Liebe Martha, wie schön, dass du es so siehst und deinen Pferdemann nie aufgegeben hast. Gerade kompliziertere Pferde stellen uns ja wirklich vor Herausforderungen aber ich denke dann auch, dass das Geschenk des Vertrauens umso größer ist, wenn sie es dann fassen und gelassener und zufriedener im Zusammensein mit uns werden. Auch, dass deine Schwiegermutter einen so glücklichen Pferderentner hat, so sollte es immer sein. Ich würde mir sehr wünschen, dass meine Kleine auch so alt und zufrieden wird 🙂 Ganz liebe Grüße an euch, Petra

  16. Ulrich sagt:

    Hallo Petra,
    ich verfolge nun seit knapp 2 Jahren Deine Artikel und lese sie immer mit sehr viel Interesse.
    Selber habe ich zur Zeit kein Pferd, hatte aber immer wieder Pferde , die ich aber leider nie fuer laengere Zeit begleitet habe.
    Ich lebe in Mexiko und mein Beruf hat mich in verschiedene Laender gebracht, durch diese Situation konnte ich auch sehr viel an verschiedenen Pferderassen , Trainingsmethoden, Haltungen und Schandtaten sehen und erleben.
    Ich , war der typische Pferdebesitzer, zuerst ich , dann mein Ego und am Ende das Pferd.
    Ich bin zutiefst traurig wie ich so viele Jahre so unsensibel und unfaehr meinen Pferden gegenueber sein konnte.
    Zudem ist das Verstaendniss den Pferden gegenueber in Sued-und Mittelamerika ein ganz anderes. So habe ich viele dumme Dinge gelernt , die mir heute die haare aufstellen. Habe nicht hinterfragt, nicht mein Pferd gefragt , habe nur gemacht , meistens falsch.

    Ich wuensche jedem Pferd das er einen lieben faeren Partner- Mensch findet, und mit jedem Deiner Artikel Menschen wie ich aufwachen aus Ihrer Ignoranz und das Wohlwollen was ganz natuerliches wird.
    Geld, Zeit, Familie , Baby ,ect. all das sind keine Entschuldigung , die Verantwortung die man uebernommen hat , zu unterlassen.
    In diesem Sinne , einen schoenen Tag und fuer alle Pferde einen lieben und echten Partner.
    Ganz liebe Gruesse aus Mexiko , Ulrich

    • Petra sagt:

      Lieber Ulrich, vielen Dank für deinen Kommentar. Ich sehe es wie du – für mich persönlich gibt es keinen Grund ein Tier wieder abzugeben, auch wenn ich anderen ihre Gründe nicht absprechen möchte. Ich freue mich, dass du dich gewandelt hast, das ist auch nicht leicht. Die Erkenntnis zu gewinnen und so ehrlich mit sich zu sein erfordert Mut. Ganz liebe Grüße nach Mexiko und schön, dass du hier mitliest und mitredest, Petra

  17. Nickel sagt:

    Es gibt Menschen, die sich und ihrem Pferd sehr viel Leid antun, weil sie ihr Pferd nicht abgeben oder einschläfern können. Auch, wenn du dir keine Gründe vorstellen kannst. Es gibt einige. Ich freue mich darüber, dass ich all meine Tiere lange Jahre bei mir habe und hoffe, dass ich nicht in solch eine Situation kommen werde. Ja, es gibt bestimmt viele Verantwortungslose, die ihre Pferde abgeben und sich lieber "bessere" kaufen. Aber, es gibt eben auch Menschen, die einfach schlecht in der Lage sind, sich adäquat zu kümmern, sei es finanziell oder in Umgang und Haltung. Da hoffst du gerade zu auf eine neue Chance, für das Pferd und den Menschen. Die Welt ist nicht schwarz oder weiß. Sie ist oft grau…. manchmal zum Glück auch rosa

    • Petra sagt:

      LIebe Nickel, das kann ich gut nachvollziehen – deswegen schreibe ich ja auch, dass es Situationen und Gründe geben mag, in denen es sinnvoll ist und dass es zu unserer Sorgfaltspflicht gehört uns gut um Futter und Lebensbedingungen des Tieres zu kümmern. Zum Beispiel, wenn das Pferd vernachlässigt werden würde oder leiden müsste, wenn man es nicht verkauft. Aber ich persönlich kann mir für mich eben keine Gründe vorstellen. Weil ich Finanzen und Zeit vorher bedacht habe und das Pferd für mich ein Teil meines Ichs ist, meines Lebens und meiner Familie. Ganz liebe Grüße, Petra

  18. Kati sagt:

    Kommentar an Heike: ich denke, sowohl Petra als auch die meisten Leser meinen hier -drastisch ausgedrückt- "die ursprünglich besten Freunde (Pferd) die einfach nach Verbrauch im Stich gelassen und weggeworfen werden". Fleischkonsum und die Haltung von Nutztieren ist etwas völlig anderes, und nein, das sind nicht alles herzlose Tierquäler. Die Tiere werden nur zu einem komplett anderen Zweck gehalten, optimal wäre unter artgerechten Bedingungen usw. bis sie eines Tages zum Schlachter gehen – oder auf der Weide erschossen, sowas ist nämlich auch möglich, in Deutschland aber nicht genügend erwünscht… So kenne und erlebe ich das – ich laufe tagtäglich durch unseren Stall (auf dem Weg zu meinen Ponies) und streichle und rede mit unseren Jungs (Mastbullen). Es war neben dem Tag an dem meine Shetty-Stute starb und ich bis zur letzten Minute bei ihr war, der schlimmste Tag in meinem Leben als unsere Milchkühe den Hof verließen. Die meisten kannte ich ihr Leben lang, die älteste immerhin 17 Jahre. Mein Papa hing auch sehr an ihnen, ihm fiel die Entscheidung unheimlich schwer, aber er war der Meinung sie lieber direkt zum Schlachter gehen zu lassen als sie nochmal von irgendjemand anderem "quälen zu lassen". Er hat hier Verantwortung übernommen, und soweit man das nachvollziehen kann wahrscheinlich auch die bessere Entscheidung für die Tiere getroffen.
    …sorry, aber das konnte ich jetzt so nicht stehen lassen.

    Zum eigentlichen Thema zurück: Petra, du hast hier einen ganz tollen Artikel geschrieben, vielen lieben Dank dafür*
    Ich glaube, jeder verantwortungsvolle Tierhalter beschäftigt sich iwann mit der Frage "was wäre wenn". Und ich glaube auch, dass jeder schon einmal darüber nachgedacht hat, sein Pferd zu verkaufen, egal aus welchen Gründen. ich schließe mich da ein. Ich glaube aber, das sich jeder diese Frage in seinem eigenen Tempo und auf seine eigene Weise und mit eigener Begründung beantworten kann. Häufig gibt es Alternativen, wie zB das Pferd eine Zeit auf die Weide zu stellen, oder eine Reitbeteiligung zu suchen, oder sich an den Tierschutzverein zu wenden. Aber jeder muss sich selbst fragen ob diese das eigentliche Problem lösen. Wenn ich nämlich einfach keine Lust mehr auf mein Pferd habe, hilft die Reitbeteiligung wenig. Meiner Meinung nach sollte jeder die Verantwortung für sein Tier tragen und sich dieser bewusst sein, und damit dann auch leben können und müssen.

  19. Monique sagt:

    Hallo,

    von meiner Seite kann ich Petra in diesem Artikel nur zustimmen und bin begeistert, das es jemanden gibt der mir aus der Seele spricht.
    Ich selbst habe vier Pferde, die aus unterschiedlichen Gründen zu mir gefunden haben… alle aber mit einer mehr oder weniger schönen Vorgeschichte und trotzdem Liebe ich sie und würde das letzte Hemd für sie geben.
    Trennen wird uns nur der Weg über die Regenbogenbrücke und das stand für mich bereits beim Kauf fest.

    Das Größte an Ihnen ist das sie mir jeden Tag so wahnsinnig viel geben. ( Auch ohne sportliche Erfolge )

    Danke nochmal an dieser Stelle.

    Gruß Monique

    • Petra sagt:

      Liebe Monique, danke für deine lieben Worte und danke, dass du dein Herz für so viele Pferde geöffnet und ihnen damit eine neue Chance gegeben hast. Ich finde auch – für mich persönlich – dass man sich einen Pferdekauf vorher gut überlegen muss. Dann kommt man im Grunde nicht in die Verlegenheit es nachher wieder hergeben zu müssen. Für so ein Tier bedeutet es ja auch den Verlust einer Bindung. Auf jeden Fall ganz liebe Grüße an dich und deine Vier, Petra

  20. Silke sagt:

    Hallo,
    Ich fand den Artikel sehr gut getroffen. Wir haben zwei Pferde. Unser Stütchen ist etwas besonderes, sie ist ein Wildfang. Die Vorbesitzerin fand sie schick und hat sie aus Spanien importiert- kam dann aber mit ihr nicht klar. Sie hat sich uns so eng angeschlossen. Trotz anfänglicher Probleme ist sie so tief in unserem Herzen, einfach ein Familienmitglied. Mit Shane gibt es immer wieder Themen. Durch seine ausgeprägte Stärke, den Willen zu bestimmen macht er es einem nicht einfach, besonders wenn man wie ich eigentlich etwas weicher ist. Lange habe ich immer wieder gekämpft, mit ihm eine wirkliche Beziehung einzugehen. Nach einigen Vorfällen kam auch mir der Gedanke ob es für ihn und mich nicht besser ist das zu Beenden. Aber so leicht gebe ich einen Partner nicht auf. Ich möchte alles probiert haben, bevor ich so eine Entscheidung treffe. Was ist danach? Kann ich sicher sein, dass er jemanden findet der " stark" genug für ihn ist, ohne seinen sensiblen Kern zu zerstören? Nein. Und deshalb probieren wir es immer wieder. Ich muss mehr an mir arbeiten, wir wollen mehr kommunizieren und vor allem Spaß haben. Und Geduld. Pferde machen eben nicht immer nur Spaß sondern uns auch oft genug an die Grenzen… auch dann sollte man für sie da sein.

    • Petra sagt:

      Liebe Silke, danke für deinen wunderbaren Kommentar – gerade die letzten Sätze berühren mich sehr. Ja, ich denke auch, dass man das Beste für sein Pferd tun sollte und wenn es gar nicht gar nicht gar nicht geht, dann kann es wohl manchmal auch das Beste sein einen passenden Menschen zu finden. Aber ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass es gar nicht gar nicht geht zwischen einem Pferd und einem Menschen, wenn der Mensch bereit ist an sich zu arbeiten und sich auf das Pferd einzulassen. Vielleicht dauert es einfach etwas länger, aber Freundschaft und Bindung kann doch auch zwischen verschiedenen Individuen entstehen. Aber ich will da gar nicht so schwarz-weiß sein – ich finde deinen Weg wunderschön und würde ihn genauso gehen. Ich drücke euch fest die Daumen und schicke viele liebe Grüße, Petra

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