Dein Pferd lahmt und muss in der Box stehen? Es hat eine Verletzung und darf sich nicht bewegen? Es hat sozusagen Stillstand vom Arzt verordnet bekommen? Das muss leider manchmal sein. Bei Verletzungen, Sehnenschäden oder anderen Blessuren, die Ruhe und wenig Bewegung zum Heilen erfordern. Aber den Pferden wird natürlich unglaublich langweilig dabei und manche Pferde werden auch regelrecht aggressiv, weil sie den Stillstand in der Box nicht aushalten. Ich habe ein paar Tipps für dich, wie du deinem Pferd durch die Boxenruhe helfen kannst.

Meine Stute musste vor kurzem für ganze 3 Wochen in die Box. Das ist für ein junges, bewegungsfreudiges und cleveres Pferd wie meine Kleine der absolute Horror. Leider hatte sie es geschafft sich eine so tiefe und ungünstig gelegene Wunde am inneren Hufballen zuzulegen, dass kein Weg an der Boxenruhe vorbeiführte. Wir hatten das volle Programm inklusive nächtlichem Notfalltierarzt-Einsatz, Sedierung, Nähten und 7 Tage Verband. Deswegen habe ich kein Foto von den ersten tagen.

Das war die Wunde nach 10 Tagen…

Wunde Carey Stall

Ich bin kein Fan von Boxenruhe und dem Ruhig stellen. Oft ist die Boxenruhe nicht unbedingt die richtige Lösung, auch wenn sie immer gerne empfohlen wird und ich habe auch schon ein oder zweimal entgegen dem tierärztlichen Rat darauf verzichtet. Aber in diesem Fall hatte ich keine andere Wahl, weil die Wunde ohne Boxenruhe und Dauerverband immer wieder aufgerissen ist.

Du siehst also, dass es ganz schön fies war und ich mir einiges überlegen musste, damit mein bewegungsfreudiges und ungeduldiges Pferd die Boxenruhe einigermaßen entspannt übersteht.

Kleiner Tipp am Rande: Ich habe für die Wundheilung noch Traumeel-Tabletten dazugegeben. 10 Stück pro Tag – 7 Tage lang. Das hat super geholfen. 

Tipps für die Boxenruhe

Du kannst deinem Pferd natürlich erstmal die Box “versüßen”, indem du die eine oder andere Kleinigkeit in der Box anbringst.

Interior für die Box

Du kannst zum Beispiel dafür sorgen, dass es ein bisschen mehr zu tun hat beim Fressen als sonst. Wir haben ein Heunetz mit sehr engen Maschen genutzt, damit sie deutlich länger zu tun hat, um an ihr Fressen zu kommen. Das kann schon einmal ein bisschen Langeweile nehmen. Wäre sie noch länger in der Box gewesen hätte ich ihr noch ihr Heutoy aufgehängt. Auch das ist ein schönes kleines Spielzeug für die Boxenruhe.

Stallwechsel Pferd Carey Fohlenhof Heutoy Heufresser

Stallwechsel Pferd Carey Fohlenhof Heutoy Heufresser

Du kannst auch verschiedene Bürsten anbringen, damit dein Pferd sich zwischendurch kratzen und schrubben kann – wenn du zum Beispiel eine längere Boxenruhe verordnet bekommen hast und sich das ganze Festschrauben zeitlich lohnt.

Wichtig ist auch, dass die Pferde und ihre Ruhe-Box nicht komplett alleine stehen, sondern Pferdenachbarn in der Nähe sind. Bei meiner Stute war zum Beispiel der Innenbereich der benachbarten Offenstalltruppe direkt gegenüber, so dass sie ständig Kontakt pflegen und Gespräche mit anderen Pferden führen konnte.

Was für die Seele – Training bei Stillstand

Natürlich sollen sich Pferde, die Boxenruhe verordnet bekommen haben, möglichst wenig bewegen. Trotzdem kannst du dein Pferd ein paar Meter rausführen und so den Blutkreislauf in Schwung bringen und deinem Pferd Abwechslung bieten.

Zum Beispiel:

Zwei Trainingstipps für die Zeit des Stillstands in der Box

Um meiner Stute die Langeweile zu nehmen und ihr ein bisschen was für den Kopf zu geben, habe ich in der Zeit neben all den anderen Tipps, die ich dir gerade geschrieben hatte, zwei neue Übungen beigebracht. Ich beschreibe sie dir jetzt und dann kannst du schauen, ob sie auch etwas für dich sein könnten. Natürlich vorausgesetzt, dass das jeweils geht mit der Verletzung deines Pferdes.

  1. Tipp Nummer 1: Du kannst dein Pferd sanft “schaukeln”! Das ist ohnehin eine schöne Übung, weil sie die Hinterhandaktivität fördern kann:
    1. Du stellst dich neben dein Pferd auf Widerristhöhe, so dass ihr beide in die gleiche Richtung blickt
    2. Dann legst du die Hand auf den Widerrist
    3. Du bewegst dein Gewicht langsam nach hinten und gibst deinem Pferd das Signal für Rückwärts (bei uns ist es Back)
    4. Dabei gibst du auch mit der Hand einen leichten “ziehenden” Druck nach hinten
    5. Sobald dein Pferd sein Gewicht nach hinten verlagert stoppst du und lobst es ausgiebig
    6. Dann bewegst du dein Gewicht nach vorne und gibst deinem Pferd das Signal für vorwärts (bei uns ist es ein einmaliges Schnalzen)
    7. Dabei gibst du auch mit der Hand einen leichten “schiebenden” Druck nach vorne
    8. Sobald dein Pferd sein Gewicht nach vorne verlagert stoppst du und lobst dein PferdSo könnt ihr auf der Stelle schaukeln. Anfangs wird dein Pferd wahrscheinlich einen Schritt gehen. Dann kannst du an deiner Hilfengebung arbeiten und sie verfeinern. Irgendwann wird es verstehen und sanft mit dir vor und zurückschaukeln. Das ist gut für die Muskeln und du kannst es später beim Reiten nutzen, indem du die Hand auf den Widerrist legst und dein Pferd erst kurz zurückschaukeln lässt, bevor die anreitest. Das ist super für die aktive Hinterhand.
  2. Tipp Nummer 2: Du kannst “Beine kreuzen”! Das ist im Grunde eine “Spiegelübung” und ist einfach was Nettes für den Kopf deines Pferdes:
    1. Du stellst dich direkt vor dein Pferd, so dass ihr euch gegenseitig anschaut
    2. Du stehst aber so weit entfernt, dass dein Pferd auch sehen kann, was deine Beine machen
    3. Dann verlagerst du dein Gewicht nach rechts und kreuzt ganz langsam dein rechtes Bein über den linkes Bein
    4. Gleichzeitig tippst du deinem Pferd an die linke Schulter mit der Gerte
    5. Sobald dein Pferd auch nur sein Gewicht verlagert lobst du es
    6. Das wiederholst immer wieder, solange bis dein Pferd gleichzeitig auch die Beine kreuzt – dann lobst du es ausgiebig
    7. Das kannst du jetzt beliebig weitertrainieren – erst nimmst du das andere Bein, dann kannst du auch zwei Schritte trainieren und so weiter

Das waren jetzt zwei kleine Beispiele, natürlich gibt es noch viel mehr, was du machen kannst. Alles was deinem Pferd Freude macht, seinen Kopf fordert und seinem Körper trotzdem Ruhe gibt. Da kannst du ganz kreativ werden.

Schreibe mir gerne in deinem Kommentar Übungen und Ideen, wenn du auch welche hast – je mehr Inspiration wir zusammensammeln können, desto mehr Pferde machen wir während ihrer Boxenruhe glücklich.

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Pferde machen glücklich. Sie sind unsere Lehrmeister, auf dem Weg zu dem besten “Ich”, das wir werden können. Daran glaube ich fest. Es ist wichtig, dass wir ihnen zuhören und lernen sie zu verstehen. Dann schenken sie uns besondere Momente. Diese Momente machen süchtig. Im echten Leben bin ich professionelle Journalistin. Das versuche ich hier in die Welt der Pferde zu übertragen. Ich schreibe die Artikel, führe die Interviews und besuche die Kurse für mehr Pferdewissen. Mein Mantra: Sei ein sicherer Ort für das Pferd.

Ein Kommentar zu “Stillstand! Wie du deinem Pferd eine Boxenruhe versüßen kannst

  1. Laura sagt:

    Hallo Petra,
    vielen Dank für diesen Beitrag :) Ich suche immer wieder nach Ideen meiner kleinen Stute die Zeit in der Box etwas zu erleichtern und ihr Abwechslung zu bieten. Das "Beine kreuzen" finde ich ganz toll, das werden wir heute gleich mal versuchen.

    Was ich auch sehr gern mache ist ihr von unseren Haselnussbäumen, Zweige mit Blättern mitzubringen und diese an der Boxenwand zu befestigen. Das sieht am Anfang immer witzig aus, wenn sie in ihrem kleinen Dschungel steht, aber sie liebt es die Blätter abzuzupfen und die Zweige anzuknabbern. Von unserem Apfelbaum, lege ich ihr auch dickere Stämme in ihre Heuraufe damit sie da die Rinde abknabbern kann. Oder ich verstecke kleine Karotten und getrocknete Apfelstücke in ihrem Heu, dann ist sie etwas länger beschäftigt diese zu suchen.

    LG Laura

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