Immer öfter liest du vielleicht von Mulis und begeisterten Muli-Reitern und vielleicht suchst du auch gerade ein Pferd für dich und überlegst, ob ein Muli eine schöne Alternative sein könnte. Oder du interessierst dich einfach nur für Mulis und möchtest ein bisschen mehr über die besonderen Tiere erfahren. Oder vielleicht fragst du dich wie Mulis sich reiten lassen oder ganz simpel, wie sie eigentlich klingen? Sind sie genau wie Pferde oder ganz anders? All diese Fragen beantworte ich dir jetzt zusammen mit der Pferde- und Mulitrainerin Dana Santana Goetze.

Mulis 

Egal wo ich auf Facebook schaue und wer mir auf Instagram begegnet – immer öfter sind auch Mulis und Esel als Reittiere dabei. Es gibt spezielle Reitesel, die größer sind als die kleinen Eselchen, die man vom Streichelzoo kennt und die Mulis werden immer beliebter unter Reitern. Scheinbar sind Mulis echte Charaktertiere, die weit mehr können als nur „stur“ zu sein. Das ist ja bekanntlich der schlechte Ruf, der ihnen und den Eseln vorauseilt. Dabei können Mulis so viel mehr, sind echte Persönlichkeitsentwickler und hochspannende Reittiere. 

So klingt ein Muli übrigens – echt witzig! Hörs dir unbedingt an :-) Es dauert ein paar Sekunden, bevor der Muli-Brüller ertönt

Mule Jule

Deshalb freue ich mich besonders, dass mich die Email der MuliBesitzerin und Pferdetrainerin Dana erreicht hat. Nicht nur, weil sie sich als begeisterte Leserin geoutet hat, sondern vor allem, weil sie mir mehr von ihrem Muli Jule geschrieben hat und wir nach einem regen Austausch beschlossen haben ein Interview über die Mulis und ihre Erfahrungen mit den Tieren zu machen. Auf ihrem Blog mule-jule kannst du übrirgens noch mehr Mulifacts lesen.

Lesetipp: HIER findest du übrigens noch einen Erfahrungsbericht der Horsmeanship-Trainerin Nadja von Verstehepferde zum Muli-Training

Aber jetzt reden wir ausführlich über die Mulis, die Mulizucht, wie sie sich trainieren und reiten lassen, was sie son besonders macht, weshalb sie immer beliebter werden und wo du dir ein Muli holen kannst, wenn du auch gerade auf der Suche bist.  

Interview über Mulis

Interview mit der Pferdetrainerin und Muli-Expertin Dana Santana Goetze über die Besonderheiten der Mulis, was sie ausmacht,wie du sie trainieren musst, was sie von Pferden unterscheidet, wie sie sich Reiten lassen und was du alles über das Muli wissen musst

Dana ist nicht nur Pferdetrainerin und Persönlichkeitscoach, sondern trainiert auch ihr Muli Jule und hat sich intensiv mit der Trend-Rasse auseinandergesetzt. Deswegen freue mich mich, dass sie uns im Interview an all ihren Erfahrungen teilhaben lässt. 

Was unterscheidet das Muli vom Pferd

Pferdeflüsterei: Was unterscheidet das Muli vom Pferd? Körperlich und im Verhalten? 

Dana Santana: Ihre körperlichen Besonderheiten gehen alle auf den Eselvater zurück: die großen Ohren, die kleinen ovalen, dicken Hufe, die nah beieinanderstehenden Beine. Mulis sind unglaublich trittsicher und können im Catwalk einen Huf vor den anderen setzen. Sie sind deutlich gelenkiger als Pferde und können insbesondere ihre Hinterbeine in einem wesentlich größeren Radius bewegen als Pferde.

Da Esel sich territorial verhalten, werden sie teilweise sogar als Schutztiere gegen Wölfe und Hunde eingesetzt. Daher sollte man kleine Tiere wie Hunde oder Katzen nicht unbeaufsichtigt zu Mulis lassen. 

Meistens haben sie keine lange Mähne, sondern nur einen kleinen Schopf und eine Stehmähne. Vom Eselvater erben sie auch den geraden Rücken mit wenig Widerrist, der häufig verbunden ist mit einem breiteren Rippenstand. 

Wie beim Pferd ist hat jedes Tier natürlich seinen ganz eigenen Charakter oder Besonderheiten. Allgemein gelten Mulis aber als intelligent, offen, gradlinig und besonders neugierig. Sie haben ihren eigenen Willen, denken mit und treffen auch selbst Entscheidungen. Passen Mensch und Muli gut zusammen, bauen sie eine enge Verbindung auf und sind auch bereit, viel für ihren Menschen zu machen. 

Im Vergleich zu Pferden achten sie besser auf sich, regenerieren schneller, sind belastbarer (bis zu 150 kg), werden älter (über 40 Jahre) und sind weniger krankheitsanfällig. 

Unterschied zwischen Muli, Maultier und Maulesel

Pferdeflüsterei: Was ist der Unterschied zwischen Mulis, Maultieren und Mauleseln?

Dana Santana: Am einfachsten kann man sich das merken, indem man sich verdeutlicht, wie das Tier geprägt wurde: Ein Maultier hat eine Pferdemutter und wurde von dieser daher in der pferdetypischen Sprache geprägt. Deshalb sollte ein Maultier auch mit Pferden (oder anderen Maultieren) zusammenstehen. 

Ein Maulesel hat eine Eselmutter, wird entsprechend sozialisiert und sollte daher mit Eseln (oder Mauleseln) vergesellschaftet werden. Maulesel sind deutlich seltener anzutreffen, rein äußerlich sind die beiden Hybriden jedoch nicht voneinander zu unterscheiden.

Muli ist eine Abkürzung, mit der in der Regel das Maultier gemeint ist.

Pferdeflüsterei: Sind Esel stur? Beziehungsweise: sind Maultieren stur?

Dana Santana: Nein. Das ist nur ein verbreitetes Vorurteil und liegt an dem Verhalten des Eselanteils in Gefahrensituationen: Während Pferde auf ihren Fluchtreflex zurückgreifen, bewerten Esel zunächst einmal die Situation. Sie schätzen ihr Gegenüber ein und entscheiden dann, ob sie als verteidigende Maßnahme kämpfen müssen. Dieses Verhalten zeigen sie auch in neuen Situationen oder im Training. Diese Momente des Überlegens und Bewertens werden dann von Menschen fehlinterpretiert als Sturheit. In dieser Zeit lässt sich das Muli auch nicht bewegen. Es denkt ja noch nach. 

Mulis und die Zucht – geht das?

Pferdeflüsterei: Kann man mit Mulis züchten? Ich meine zu wissen, dass sie sich gar nicht fortpflanzen können?

Dana Santana: Genau, eigentlich kann man nicht mit Mulis züchten, da sie unfruchtbar sind. Es gibt jedoch seltene Ausnahmen, in denen Mulistuten Fohlen zur Welt gebracht haben. Mulihengste sind aber immer zeugungsunfähig.Mulistuten werden aber trotzdem rossig und der Hormonspiegel von Mulihengsten entwickelt sich wie bei Pferden, weshalb sie als Wallach besser händelbar sind.

Pferdeflüsterei: Warum sind Maultiere unfruchtbar?

Dana Santana: Das liegt daran, dass Esel und Pferde eine unterschiedliche Anzahl an Chromosomensätzen haben. Während Esel 62 Chromosomen zu 31 Paaren haben, hat das Pferd 64 Chromosomen in 32 Paaren. Entsteht aus dieser Verbindung ein Muli, erhält dieses 63 Chromosomen, die nicht paarig sind. Daher ist es – bis auf seltene Ausnahmefälle –  nicht fortpflanzungsfähig. 

Pferdeflüsterei: Es gibt ja verschiedene Pferderassen – gibt es auch verschiedene Mulirassen?

Dana Santana: In Deutschland gibt es noch keine richtigen Mulirassen wie bei Pferden. Häufig sind sie eher Weideunfälle. Allerdings gibt es in anderen Ländern schon gezielte Züchtungen: So lieben die Schweizer es beispielsweise, mit ihren Freibergern stämmige Kaltblutmulis zu züchten, während die Brasilianer und Spanier sich auf sehr edle, große Mulis mit viel Blutanteil spezialisiert haben. In den USA werden mit speziellen Gangeseln und Missouri Foxtrottern auch Gangmulis gezüchtet. Es gibt aber keine weltweiten Zuchtregister für Mulirassen.

Muli oder Pferd – das Training

Pferdeflüsterei: Kann man mit Mulis alles machen, was man auch mit dem Pferd macht?

Dana Santana: Grundsätzlich ja: In den USA nehmen Mulis schon seit langem an Dressurturnieren teil. Sie können aus dem Stand auch sehr hoch springen. Der Weltrekord liegt derzeit bei 1,80 m! Im sog. Mule Jump werden entsprechende Wettbewerbe veranstaltet. 

In Großbritannien hat das Muli Wallace 2018 sogar einen Dressurwettbewerb gewonnen, nachdem es zunächst von der Veranstaltung ausgeschlossen werden sollte. 

In der Schweiz und Deutschland sind Mulis allerdings eher im Freizeitreiter- oder Distanzreiterbereich anzutreffen. Manche wandern auch mit ihren Mulis weil sie große Lasten tragen können (das sog. Säumen). Auch viele Kutschfahrer finden Gefallen an Mulis. Und manche nutzen sie aufgrund ihrer Kraft sogar für‘s Holzrücken im Wald. 

Pferdeflüsterei: Horsemanship oder klickern – was ist eher was fürs Muli?

Dana Santana: Beides ist möglich. Ich persönlich mag nicht so gern klickern, habe aber viel Horsemanshiperfahrung. Daher setze ich eher Elemente aus dem Horsemanship ein. Natürlich gibts bei mir auch Kekse zur Verstärkung. Andere Mulibesitzer setzen aber auch erfolgreich das Klickern ein.

Pferdeflüsterei: Wie muss ich mich umstellen, wenn ich von Pferd auf Muli umsteigen will?

Dana Santana: Das kommt darauf an, wo man steht: Bringt man bereits eine gelassene, offene innere Haltung und Humor mit, muss man gar nicht viel umstellen. Hat man darüber hinaus auch noch Spaß an Ausflügen ins Gelände oder Kutschfahrten, passt ein Muli hervorragend. 

Wer allerdings noch eine Haltung hat, wonach Equiden nichts zu sagen haben und dann über viel Dauerdruck ausbilden möchte, der wird keinen Spaß mit einem Muli haben und sollte sich auch keines holen.

Pferdeflüsterei: Muss ich ein Muli dann anders ausbilden oder trainieren als ein Pferd?

Dana Santana: In einer Pferdewelt, in der Pferde mit 2 oder 3 Jahren schon voll geritten werden, gelten Mulis als Spätentwickler. Wenn man sich allerdings ihre Lebenserwartung von 40 Jahren oder mehr anschaut, ist ein Anreiten mit beispielsweise 6 Jahren oder darüber ja nicht wirklich spät. Ich persönlich warte ohnehin immer ab, bis das Tier soweit ist.

Es gibt den Spruch: Mulis muss man so behandeln, wie Pferde behandelt werden sollten. Mit veralteten Trainingsmethoden, die auf Steigerung des Drucks bis hin zur Gewalt und immer wiederkehrenden Wiederholungen basieren, kommt man beim Muli nicht weit. Durch ihre Kraft und Intelligenz sind sie in der Lage, sich körperlich zu entziehen und machen das auch, falls sie dies für nötig halten. Sie achten gut auf sich und lassen sich weniger gut als Pferde überfordern.

Ich persönlich trainiere Pferde seit Jahren schon so, wie Mulis nach meiner Einschätzung trainiert werden sollten: ich sehe ihr Potenzial und bin begeistert. Daher lobe ich sehr viel! Ich bin sehr klar und habe eine Vision. Dann schaue ich, welche kleinen Teilziele wir heute – tagesformabhängig – gemeinsam erreichen können und was das Tier beitragen möchte. Ich mache sehr auch sehr viele Pausen und gebe viel Raum zum Nachdenken. Wenn etwas nicht klappt, hinterfrage ich mich.

Durch ihren Körperbau sind Mulis in der Lage, mehr Last zu tragen als Pferde. Die Frage, wieviel muskuläres Training beim Muli erforderlich ist, um es lange gesund zu erhalten habe ich schon mit einigen Mulibesitzern diskutiert. Meine jetzt 4jährige Mulistute trainiere ich, wie ich auch jedes Pferd trainiere: Zuhause mit einem Mix aus Stangentraining, Übergängen, longieren und leichten Seitengängen. Und auch viel im Gelände über Baumstämme und bergauf und bergab.

Extremetrails sind super geeignet für Mulis! Dabei punkten sie durch ihre Trittsicherheit und sie haben an diesem herausfordernden Gelände auch viel Spaß.

Pferdeflüsterei: Pferde „spiegeln uns“ und bringen uns dadurch auch als Persönlichkeiten weiter – wie ist das bei Mulis?

Dana Santana: Bei Mulis ist das genauso, nur – je nach Persönlichkeit – noch etwas herausfordernder. Wer mit einem Muli arbeiten möchte, sollte schon ein großes Stück auf seinem Weg der persönlichen Entwicklung gegangen sein! Vor 20 Jahren wäre ich mit meiner Haltung und Einstellung zu Pferden an einem Muli gescheitert.

Während in der Pferdewelt gerade erst diskutiert wird, ob Pferde auch „nein“ sagen dürfen, machen Mulis das ganz natürlich. Und damit muss man als Mensch umgehen können. 

Pferdeflüsterei: Was macht das Training mit dem Muli so special? 

Dana Santana: Es gibt folgenden Spruch, der meiner Erfahrung nach gut passt „Einem Pferd kann man befehlen, einen Esel muss man überzeugen und mit einem Muli muss man verhandeln“. Beim Spazierengehen gibt es z.B. immer wieder Situationen, in denen Mule Jule fragt, ob wir uns nicht die Hofeinfahrt anschauen oder wenigstens auf die Weide abbiegen können. Dann hält sie an. Dann gilt es, zu erklären dass wir nicht jede private Auffahrt besuchen können und dann verhandeln wir. Nach reiflicher Überlegung und einem guten Angebot (z.B. die Aussicht auf einen Keks im Stall) kommt sie dann wieder mit. Anfangs hat mich die Möglichkeit, dass sie stehen bleibt und ich sie nicht bewegen kann, mental gestresst. Da kam dann die Kontrollverlustangst, die jeder Reiter gut kennt, durch. Inzwischen bleibe ich total gelassen und habe sogar Spaß an unseren Diskussionen: Wir entscheiden halt gemeinsam. Oder mal der eine, mal der andere. Wie in einer richtigen Beziehung hat jeder seine Stärken und Vorlieben und jeder darf mal bestimmen was gemacht wird. 

Bereits beim Führen laufen Mulis natürlicherweise über die äußere Schulter in die andere Richtung wenn sie dort etwas erkunden wollen. Mit dieser Hebelwirkung haben sie große Kraft. Haben sie gelernt, dass sie den Menschen durch die Gegend ziehen können, kann es sein, dass sie das auch nutzen, eigene Wege zu gehen. Deshalb habe ich von Anfang an konsequent eine feine Hinterhandwendung trainiert. 

Durch ihre Intelligenz lernen sie sehr schnell. Manchmal brauchen sie aber auch mehr Zeit als ein Pferd um – eseltypisch – über eine Übung oder Situation nachzudenken. Das muss man wissen, ggf. einplanen (z.B. beim Hufschmied oder Tierarztbesuch) und entsprechende Geduld aufbringen.

Das wichtigste ist nach meiner Einschätzung die mentale Ebene. In meinen Seminaren mit Reitern sehe ich immer wieder, was besonders im Training mit meinem Muli spürbar ist: wir Menschen müssen wirklich ganz da sein. Da sind Mulis weniger tolerant als Pferde. Wer voller Stress, Ängste oder Sorgen ist, bei dem geht das Muli evtl. eigene Wege. 

Das Zweite was man von Mulis lernen kann, ist loszulassen. Wenn man mit einer Haltung von „das muss jetzt aber“ an Dinge herangeht, klappt das mit dem Muli nicht. Auf Ärger und Wut können sie mit stehenbleiben, weglaufen oder Gegenwehr reagieren. Wenn etwas nicht funktioniert, muss man nachdenken wie man es dem Muli besser erklären kann. Dabei bewegt man sich oft aus der eigenen Komfortzone heraus und lernt, umzudenken.

Die Sprache von Mulis ist subtiler als die von Pferden. Mulis lehren uns daher auch, genauer hinzusehen und feiner hinzuspüren. Wenn man das aber nicht weiß oder übersieht, geht man über wichtige Grenzen. Das kann zu Überforderung oder Verweigerung beim Muli führen.

Mulis Reiten – das sind die Facts

Pferdeflüsterei: Wie „sicher“ sind Mulis als Reittiere – also: sind sie gelassener als Pferde?

Dana Santana: Grundsätzlich gelten Mulis als gelassener. Andererseits treffen sie auch ihre eigene Entscheidungen und passen auf sich auf. Wenn sie zu dem Schluss kommen, dass Gefahr im Verzug ist, drehen sie auch schon mal blitzschnell um und laufen in die andere Richtung. 

Meiner Erfahrung nach ist die Fluchtstrecke aber deutlich kürzer als bei Pferden. Mein Muli bleibt dabei auch eher leidenschaftslos und weniger panisch als ein Pferd.  Nach ein paar Metern bleibt sie stehen oder kommt sogar zurück. Um solche Momente zu minimieren ist ein Schwerpunkt ihrer Ausbildung zusätzliches Gelassenheitstraining.

Pferdeflüsterei: Was unterscheidet das Reiten auf einem Muli vom Reiten auf einem Pferd? 

Dana Santana: Vom Sitzgefühl her kommt das – wie bei Pferden – natürlich sehr auf die Eltern an. Insgesamt sind sie aber bequem zu sitzen. Großrahmige Bewegung wie bei einem gezielt gezüchteten Dressurpferd sind allerdings nicht zu erwarten. Am liebsten erkunden sie stundenlang im Schritt die Gegend, sind dabei aber natürlich auch für Trab- oder Galoppabschnitte zu haben.

Permanente Wiederholungen und wenig Neues im Training mögen sie nicht so gern. Gestaltet man aber als Reiter das Training abwechslungsreich oder geht viel ins Gelände, sind sie gern dabei.

Während Pferde im Gelände gern zurück in den Stall gehen, lieben Mulis es, immer weiter zu gehen. Lasse ich meine Mulistute entscheiden wohin wir gehen, kommen wir daher immer weiter weg vom Stall. 

Manche Mulis akzeptieren kein Gebiss, daher werden viele Mulis gebisslos geritten. Auch das Sattelthema kann sich schwer gestalten. Da die Schulterbewegungen des Mulis vertikaler als beim Pferd sind, ist es sehr wichtig, dass der Sattel nicht auf die Schulter rutscht. Da die Schultern aber beim Muli oft weniger ausgeprägt sind, kann das leicht passieren. Mulireiter greifen daher oft auf Western -, Militär- oder Distanzsättel zurück. In bergigen Regionen ist auch Vorder- und Hinterzeug erforderlich, damit der Sattel liegen bleibt. Oder man lässt sich einen Sattel maßanfertigen.

Pferdeflüsterei: Kann man Mulis in allen Disziplinen Reiten – von Western bis Englisch – von Dressur bis Springen? 

Dana Santana: Im Grunde schon. Aufgrund ihres Charakters und ihrer Vorlieben sind sie gut bei der immer größer werdenden Gruppe von Freizeitreitern, die Wert auf eine freundschaftliche Beziehung zu ihrem Equiden legen und gern ein Trainingsmix macht, aufgehoben. 

Muli Kaufen – wo und wie?

Pferdeflüsterei: Wenn ich ein Muli kaufen möchte – wo finde ich denn Mulis und gibt es da beim Kauf auch etwas zu beachten? 

Dana Santana: In Deutschland werden in den einschlägigen Pferdebörsen immer mal wieder Mulis verschiedener Größe und Altersklassen angeboten. Auch in Muligruppen bei Facebook oder im Maulitierforum werden Mulis abgegeben. Kleine Mulis werden insgesamt häufiger angeboten, manchmal sogar verschenkt. Diese eignen sich dann für Kinder oder zum Kutsche fahren.

Große Mulis, auf denen auch Erwachsene reiten können, finden sich deutlich seltener, was den Kaufprozess oft langwierig macht. Ich persönlich habe ungefähr 10 Mulis angeschaut, bevor ich meine Mule Jule gefunden habe. 

In der Schweiz, Frankreich, Belgien, Holland und Spanien gibt es deutlich mehr große Mulis. Wenn man im Ausland ein Muli kaufen möchte, sollte man jemanden vor Ort haben oder selbst hinfahren. Bei den Spaniern ist es leider üblich, Mulis früh zu trainieren und dabei wird auch vor dem Einsatz scharfer Zäumung und Gewalt nicht Halt gemacht. Das Vertrauen eines solch vorbelasteten Mulis wieder zu erlangen, ist ein langwieriger Prozess und für Mulianfänger nicht empfehlenswert. Ich kann für Spanien die deutschsprachige Iris Schneider von Extremaduramules (kontaktierbar über Facebook) empfehlen. Sie bildet mit viel Erfahrung sehr geduldig und liebevoll Mulis aus oder hilft bei der Vermittlung des passenden Mulis vor Ort. 

In Deutschland werden Mulis gezielt auf dem Reiterhof Melchert gezüchtet.

Bevor man allerdings leichtfertig eine Entscheidung für die nächsten 40 Jahre trifft, sollte man Mulis am besten kennen lernen. Das geht auf einer Treckingtour bei Julia Krüger von Albmuli.de. Sie hat derzeit eine Herde von 14 Mulis und verfügt über großes Wissen in Bezug auf Mulis. 

Muli Haltung und Futter 

Pferdeflüsterei: Muss man ein Maultier anders halten?

Dana Santana: Das ist wie beim Pferd: Offenstall oder Paddock Trail sind am besten geeignet. Auf jeden Fall in Pferde- oder Maultiergesellschaft. Ein Eselkumpel, Schaf oder ähnliches ist nicht geeignet!

Pferdeflüsterei: Wie sind Mulis in der Herde? Also: Typisches Muli-Verhalten? 

Dana Santana: Generell sind Mulis leicht zu integrieren, da sie auf Rangordnungen etwas weniger Wert als Pferde legen. Da gibt es natürlich auch Ausnahmen und ein Muliwallach wird vielleicht eher versuchen aufzusteigen als eine Stute.

Meine Mulistute hat in der Integrationsphase viel gerosst, was laut der Erfahrung von Julia Krüger, die über 14 Mulis besitzt, auch eine Integrationsmaßnahme ist. Wenn es Stress gibt, geht meine Stute erstmal weg. Sie ist aber gleichzeitig beharrlich und fragt immer wieder nach, ob sie jetzt wieder näher kommen kann. 

Am ersten Tag stand sie nebenan auf einem extra Paddock. Sie hat sich dann aber abends über den Zaun selbst in die Herde integriert. Versuche, sie zurückzuführen, sind gescheitert. Sie war halt einfach so weit. Seitdem steht sie entspannt in der Herde und spielt gern mit den Wallachen. 

Meine Mulistute wiehert auch mehr als Pferde, aber nicht so oft wie ein Esel. Der Mix aus Esel und Pferd macht sich auch im Wiehern bemerkbar und sorgt für gute Laune!

Pferdeflüsterei: Maultierfütterung – gibts da Besonderheiten?

Dana Santana: Mulis fressen liebend gern Kräuter und Äste! Es ist sehr spannend bei Spaziergängen zu sehen, dass mein Pferd am liebsten Gras frisst, während meine Mulistute gern je nach Jahreszeit verschiedene Kräuter und Äste sucht. Oft muss ich auch recherchieren, ob sie das ein oder andere überhaupt fressen darf. Im Moment liebt sie beispielsweise Moos und Klebkraut. 

Damit Krankheiten gar nicht erst entstehen, sollten Pferde und Mulis nach meiner ganz persönlichen Einschätzung am besten wie stoffwechselerkrankte Tiere behandelt und gehalten werden. Das heißt für mich gutes Heu als Grundnahrung, zuckerfreie Ergänzungsfutter oder Kräuter, viel Bewegung und möglichst kräuterreiche Wiesen und ggf. nur begrenzten Weidegang.

Pferdeflüsterei: Danke für das Interview und dass du dein Wissen mit uns geteilt hast. 

Wer ist unsere Interviewpartnerin?

Dana Santana Goetze ist seit vielen Jahren Pferdetrainerin und auch seit über 10 Jahren Coach für Persönlichkeitsentwicklung. Deswegen arbeitet sie nicht nur mit dem Körper, sondern auch mit Kopf und Herz.

Ihr Credo: „Besonders das, was wir denken, unsere Überzeugungen und die damit einhergehenden Gefühle bestimmen, ob wir etwas umsetzen können. Deswegen konzentriere ich mich in meinen Seminaren immer auf alle drei Ebenen: mental, emotional und körperlich.“

Daraus hat sie das sogenannte 3D-Reiten entwickelt – noch mehr Infos zu ihrer speziellen Methode findest du auf ihrer Website: 3d-reiten.de

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2 Kommentare zu “Trendtier? Was das Muli alles kann

  1. Hansruedi Arn sagt:

    Habe da etwas Mühe mit der Aussage, das Maultier und Maulesel nicht zu unterscheiden seien. Das ist ganz meines Wissens auf Grund der Vererbung klar. Die Mutter vererbt dem Nachkommen in der Regel z. b. wenn die Mutter eine Pferdestute ist, einen Pferdeschweif umgekehrt die Eselin vererbt einen Quastenschweif usw. Diese Umstände brauchten unserer Vorfahren um zu beweisen, dass die Mutter eindeutig mehr vererbt als der Vater. Früher gab es noch keine DNA Analyse. In der Armee haben wir nebst den Freibergern, immer nur Maultiere gehabt, sie sind angepaart mit einer REINEN Freibergerstute absolute Verlasspferde.

    • Petra sagt:

      Hallo lieber Hansruedi – da bin ich mal gespannt, was Dana dazu schreibt – ich selbst bin ja kein Muli-Experte und kann dir das nicht sagen. Aber spannend, dass du mit der Freiberger-Maultierkombi so gute Erfahrungen machst – das kann ich mir sehr gut vorstellen, weil Freiberger ja auch so verlässlich und entspannt sind in aller Regel. Ganz liebe Grüße, Petra

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