Sie sind langohrig, charakterstark und zäh. Sie haben keine Angst vor Hunden oder Wölfen und sondieren im Zweifelsfall ausführlich die Lage statt blind davon zu laufen. Und, sie können bis zu 50 Jahre alt werden: Klar, wir meinen den Esel! In diesem Artikel erfährst du nicht nur alles, was du über die artgerechte Haltung der Langohren wissen musst. Sondern auch jede Menge interessante Facts zu den grauen Gefährten, die den Menschen seit rund 4000 Jahren begleiten.

Esel – der besondere Equide

Esel gehören zwar wie Pferde zu der Gattung der Equiden. Doch Esel unterscheiden sich stark von den Pferden, sowohl im Aussehen, als auch im Verhalten. Wer Esel halten will, sollte die Besonderheiten und Ansprüche der grauen Vierbeiner genau kennen, um ihnen ein artgerechtes Zuhause zu bieten.

Optik und Körperbau: Die Besonderheiten des Grautiers

Wer kennt sie nicht? Laaaaange Ohren, schräge, raffiniert blickende, hell umrandete Augen und das typische Mehlmaul: Klar, muss das ein Esel sein.

Esel haben je nach Rasse ein Stockmaß zwischen 80 bis 160 Zentimetern. Bekannt sind sie in der Farbe grau, es gibt aber auch braune, schwarze und seltener, weiße und gescheckte Esel. Ihr Bauch und die Innenseite der Beine sind in der Regel weiß. Typische Kennzeichnen der Vierbeiner sind außerdem der Aalstrich entlang der Wirbelsäule und ein dunkler Querstrich über Widerrist und Schulterblätter. Oft kommen zu diesen Abzeichen noch die Ansätze von Zebrastreifen auf den Beinen dazu.

Der Behang, also Mähne und Schweif, ist lang nicht so ausgeprägt wie beim Pferd: Esel haben eine kurze, struppige Stehmähne und einen Schwanz mit Quaste. Außerdem haben sie fast keinen Widerrist. Die harten, steilen Hufe geben dem Esel eine traumwandlerische Trittsicherheit auch in schwierigem Terrain. Esel sind langlebig – können bis zu 50 Jahre alt werden.

Starkes Organ: Verhalten und Grundbedürfnisse des Esels

Die Vorfahren des Hausesels, die afrikanischen Wildesel, wanderten durch die karge Steppe und gingen den Großteil des Tages auf Nahrungssuche. Bis zu 17 Kilometer konnten sie dabei zurück legen. Deswegen brauchen auch unsere Hausesel freie Bewegung an der frischen Luft und Licht. Ihre Bedürfnisse unterscheiden sich kaum von denen ihrer Ahnen. Mageres Raufutter und frisches Wasser sind deswegen genauso wichtig, wie der Kontakt zu Artgenossen, um Eseln ein artgerechtes Zuhause zu bieten.

Eselhengst, Eselstute oder Eselwallach: Das Verhalten ist abhängig vom Geschlecht der Tiere und vom Alter. Eselhengste zum Beispiel bringen ein deutlich höheres Aggressionspotenzial mit als Eselwallache oder -stuten. Eselwallache dagegen sind friedlicher, haben aber Bewegungsdrang und spielen gern, während sich Stuten lieber in Gesellschaft anderer Damen aufhalten und gemeinsam ruhen. Rangordnungskämpfe, wildes Toben und hartes Spielen sind bei den Jungtieren, vor allem den Junghengsten, am stärksten ausgeprägt.

Werden Esel nicht artgerecht, sondern allein gehalten, kann es durchaus zu einer Lärmbelästigung kommen, wenn sie nach ihren Artgenossen rufen. Vor allem Eselhengste haben ein ordentliches Organ.

Haltung – bitte in der Gruppe!

Der Esel ist ein Herdentier und braucht die Gesellschaft und den Schutz der Herde. Sie haben ihre eigene Sprache mit den bekannten, lauten Ia-Rufen und Schreien, kommunizieren natürlich aber auch über Mimik und Körpersprache. Deswegen dürfen Esel nicht allein gehalten werden – sie brauchen mindestens einen Artgenossen, um sich wohl zu fühlen.

Esel brauchen einen befestigten Auslauf das ganze Jahr über. Da ihr Fell nicht wasserdicht ist, benötigen sie außerdem eine Hütte oder einen Stall, um sich vor Regen, Wind und Kälte zu schützen.

Wichtig ist außerdem, den Eseln Abwechslung mit möglichst vielen Außenreizen zu bieten – sie wollen stimuliert werden und wissen Input und neue Aufgaben zu schätzen. Esel können vor Langeweile tatsächlich krank werden und Verhaltensstörungen entwickeln.

Wie Pferde müssen Esel entwurmt und geimpft werden. Auch regelmäßige Hufpflege wird fällig. Im Durchschnitt kostet ein kleiner Esel zwischen 50 und 120 Euro im Monat für das Einstellen. Dazu kommen dann noch Ausgaben für Tierarzt und Hufpflege.

Esel und andere Tiere

Esel werden gern mal als Beisteller bei Tieren anderer Rassen geparkt, etwa bei Ponys, Schafen oder Ziegen. Von außen mag das zwar eine praktische Lösung sein – ein Esel allein ist aber nicht glücklich, er braucht mindestens einen Kumpel seiner eigenen Art. Denn auch wenn Esel mit Ponys und Pferden artverwand sind, gibt es Kommunikationsunterschiede. Oft leiden Esel sogar unter der Dominanz von Pferden.

Der Charakter: Dummer Esel! Oder doch nicht?

„Du Esel!“ ist nicht gerade ein Kompliment. Den grauen Vierbeinern wird gerne unterstellt, störrisch, faul oder dumm zu sein. Ihr Verhalten kann durchaus stur wirken: Wenn Esel nicht weiter wissen, dann fliehen sie nicht instinktiv wie ein Pferd – obwohl sie ebenfalls zu den Fluchttieren zählen. Sie bleiben stehen, schauen sich die Situation an und schätzen sie ein.

Esel wägen ab, ob Flucht, Kampf oder Ignoranz die beste Strategie ist. Diese Tendenz, angewurzelt stehen zu bleiben und sich nicht mehr bewegen zu lassen, hat dem Esel den Ruf beschert, stur zu sein. Setzt der Mensch das Tier dann mit Schlägen zusätzlich unter Druck, bewegt er sich erst recht nicht mehr.

Natürlich ist dieses Verhalten super sinnvoll, wenn man bedenkt, wo der Esel ursprünglich lebte: Im kargen Ödland mit felsigen Klippen und steilen Hängen musste er genau wissen, wo er hin trat – eine kopflose Flucht hätte ihm das Leben kosten können.

Wie ticken Esel denn nun wirklich? Die Langohren sind klug, zuverlässig und freundlich. Sie strahlen Ruhe aus und wirken durchaus stoisch. Lässt man sich auf das Tier ein, gewinnt man einen treuen und gutmütigen Freund. Da Esel in der Regel neugierig sind und gern Kontakt aufnehmen, kann man mit ihnen richtig Spaß haben. Hat man ihre Freundschaft gewonnen, lassen sie sich gern streicheln und betüdeln.

Umgang und Erziehung – Esel wollen Abwechslung

Esel sind intelligente Tiere. Wenn du ihnen genug Abwechslung bietest, habt ihr nicht nur gemeinsam Spaß, du kannst auch verhindern, dass sich unerwünschte Verhaltensweisen entwickeln. Eselfohlen sollten schnell und früh Kontakt zu Menschen haben und lernen, sich führen zu lassen und Hufe zu geben.

Was tun mit einem Esel?

Esel freuen sich über Abwechslung und Input im Alltag. Du kannst ihnen ein abwechslungsreiches Programm bieten – zum Beispiel sind sie unerschrockene und ausdauernde Begleiter bei Spaziergängen und Wanderungen.

Esel wurden und werden als robuste Packtiere eingesetzt – es ist ok, wenn sie Lasten tragen oder etwas ziehen, du musst nur darauf achten, sie nicht zu überlasten. Eine Faustregel sagt: Die Traglast soll maximal 20 Prozent des Eselgewichts betragen. Ziehen darf der Esel maximal 40 Prozent seines Körpergewichts. Hält man sich an diese Grenzen, wird schnell klar, dass Erwachsene mit Normalgewicht einen Esel besser nicht reiten sollten.

In manchen Gegenden werden Esel als Hütetiere für Schafherden eingesetzt, da sie die Tiere gegen Hunde und sogar Wölfe verteidigen. Der Esel ist auch in der Landschaftspflege willkommen, da er nicht so wählerisch ist wie Pferde und auch Disteln oder Brennesseln wegmampft.

Esel-Fütterung: Raufutter, Raufutter und noch mehr Raufutter

Da Hausesel vom afrikanischen Wildesel abstammen, der in kargen Steppen und Wüstenrandgebieten zu Hause war, sieht sein natürlicher Speiseplan weder fette, eiweißreiche Kuhwiesen noch Getreide vor. Da Esel gute Futterverwerter sind, werden sie schnell dick.

Das Grundnahrungsmittel für Esel sollte Raufutter sein: gut strukturiertes, mageres Heu, das er über den Tag verteilt in kleinen Portionen fressen kann. Esel haben nur einen kleinen Magen, deswegen sind regelmäßige, kleine Futtermengen wichtig.

Für eine gute Verdauung brauchen sie mehr Rohfasern und Zellulose als Pferde. Deswegen sollte ihnen Äste, Zweige, holzige Sträucher oder Stroh zum Knabbern und Nagen gereicht werden.

Ein grober Richtwert besagt: im Durchschnitt braucht man 1 bis1,5 Kilogramm Heu sowie 0,5 bis 0,8 Kilogramm Stroh pro 100 Kilogramm Körpergewicht pro Tag, um einen Esel satt zu machen. Natürlich braucht er darüber hinaus Zugang zu frischem, sauberem Wasser und auch ein Salz- oder Mineralleckstein ist sinnvoll.

Ein Esel freut sich über eine Karotte oder einen Apfel und vor allem über frisches Gras. Dieses Zusatzfutter muss aber mit Sinn und Verstand und vor allem mit Maß gefüttert werden. Gerade eiweiß- und fruktanreiches Gras, wie es häufig auf Pferdeweiden steht, ist für den Stoffwechsel eines Esels Gift. Der Weidegang muss dann unbedingt auf wenige Stunden pro Tag begrenzt und strikt reguliert werden.

Für Esel ungeeignete Futtermittel sind:

  • Kraftfutter wie Hafer, andere Getreide oder Müsli
  • Hartes Brot
  • Silage und Schnittgras

Krankheiten: Esel sind empfindlicher, als gedacht

Da Esel gute Futterverwerter sind und lang nicht so viele Kalorien brauchen, um ihren Grundbedarf zu decken wie ein Pferd, macht sie das bei falscher Haltung und Fütterung anfällig für Stoffwechselkrankheiten – vor allem Hufrehe und Koliken. Auch Übergewicht ist ein Thema: Bringt die Nahrung zu viel Energie, nehmen sie schnell zu.

Eselhufe sind auf ein Leben in Trockenheit angepasst – die Hufwände können mehr Wasser aufnehmen und sind härter, reiben nicht so leicht ab wie ein Pferdehuf. Beste Bedingungen also für ein Leben in der Hitze und auf harten Böden. Nässe und Feuchtigkeit dagegen können die Langohren nicht ganz so gut ab: Esel entwickeln dann schnell eine Neigung zu Strahlfäule, die Hufe werden rissig und löchrig.

Der Esel und der Mensch: eine lange Geschichte

Der Esel wurde noch vor den Pferden rund 4000 v.C. domestiziert und zunächst als Reittier benutzt oder vor Wägen gespannt. Nachdem das Pferd diese Rolle übernommen hatte, wurde er noch als Packtier eingesetzt. Esel sind ausdauernder als Pferde und können länger ohne Wasser und Futter durchhalten. Da ein Packtier außer Zähigkeit und Trittsicherheit keine spezifischen Eigenschaften erfordert, gibt es anders als beim Pferd nur wenige sogenannte Esel-Kulturrassen, die vom Menschen spezifisch gezüchtet wurden. Die Bestände dieser Rassen sind klein und werden in Südeuropa geführt und geschützt. Während von den ursprünglichen Wildesen heute nur noch wenige hundert Tiere im nordöstlichen Afrika beheimatet sind, leben verwilderte Hausesel dagegen rund um den Globus – in Australien, dem Südwesten der USA oder auf Zypern.

Fun Facts

Esel sind anders als Pferde, denn…

  • sie besitzen 5 statt 6 Lendenwirbel und 31 statt 32 Chromosomenpaare
  • sie haben mit 37 Grad eine niedrigere Körpertemperatur – bei Pferden sind 37,5 bis 38,2 Prozent normal
  • sie bleiben länger im Bauch der Mutter: Bis zu 370 Tage dauert die Trächtigkeit einer Eselstute, bei Pferden sind es 330 Tage im Durchschnitt
  • sie wurden noch vor den Pferden rund 4000 v. Christus domestiziert
  • sie sind schwindelfrei

Kreuzt man Esel und Pferde, entstehen Hybride, die nicht fortpflanzungsfähig sind: Das Maultier (Muli) ist der Nachwuchs eines Eselhengstes und einer Pferdestute, der Maulesel hat einen Pferdehengst als Vater und eine Eselstute als Mutter. Seltener ist der Zesel, eine Esel-Zebra-Mischung. Maultiere sind gängiger als Maulesel, was mit dem Paarungsverhalten der Tiere zusammenhängt. Eine unwillige Eselstute sagt nämlich sehr deutlich ihre Meinung, während eine Pferdestute das Weite sucht, wenn sie kann.

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