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Strahlfäule

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Der ganze Artikel für dich auf einen Blick

S wie Strahlfäule
Strahlfäule - was du dagegen tun kannst

Vielleicht kennst du folgende Situation: Du putzt dein Pferd wie üblich, hebst die Hufe hoch um sie zu reinigen und plötzlich steigt dir ein unangenehm fauliger Geruch in die Nase. Das kann ein Zeichen für die gefürchtete Strahlfäule sein. Doch keine Sorge. Wenn du schnell handelst, kannst du dem modrigen Muff effektiv begegnen und verhindern, dass er sich ausbreitet und dein Pferd krank macht.

Vielleicht passiert auch folgendes: Eine schmierige schwarze Masse im Strahl bestätigt dann die Befürchtung: Das Pferd hat Strahlfäule!

Wir sagen dir im Artikel, wie es dazu kommen kann – falls dein Pferd schon betroffen ist – und was du dagegen tun kannst. Wir wollen dir aber auch sagen, wie du eine Strahlfäule von vorne herein vermeiden kannst.

Ein gesunder Strahl ist breit, fleischig, zäh und lederartig – und dabei flexibel. Er dient als Stoßdämpfer für den Pferdehuf, da er sich beim Auffußen dehnt. Außerdem wird dadurch die Durchblutung und der Transport des Bluts in Richtung Herz angekurbelt. Hat dein Pferd Strahlfäule, werden all diese Mechanismen beeinträchtigt.

Strahlfäule

Was ist Strahlfäule

Das Fäulnisbaktierum Fusobacterium necrophorum ist der Hauptverantwortliche für Strahlfäule. Es fühlt sich in einer warmen, feuchten und gärenden Umgebung ohne Sauerstoff wohl – oft schafft die Mischung aus Kot, Urin und Schlamm, in dem manche Pferde stehen, die idealen Lebensbedingungen bzw. das passende Milieu für das Bakterium. Durch die Feuchtigkeit weicht der Huf auf und es entstehen feine Risse in der Strahlfurche.

Ammoniak entsteht als Produkt der Zersetzung durch die Bakterien – er greift das aufgeweichte Hufhorn zusätzlich an. Die Bakterien dringen ein und beginnen, den Strahl aufzuweichen und sich zu vermehren; es entstehen Kammern und Taschen, der Strahl zersetzt sich und wird schmierig und stinkt.

Das Problem: Die Strahlfäule zersetzt den Strahl schneller, als neues Material nachwachsen kann. Meistens beginnt der Gammel in der Strahlmitte, die Strahlfäule breitet sich dann in Richtung der Strahlfurchen und am Übergang zum Huf aus. Zuletzt sind die Ballen betroffen.

Die typischen Symptome von Strahlfäule

Folgende Anzeichen weisen auf Strahlfäule beim Pferd hin:

  • Der Huf riecht modrig und faulig
  • Die Hinterhufe sind häufiger betroffen
  • Die Strahlfurchen werden enger und tiefer
  • Der Strahl wird dunkel und schmierig
  • Es bilden sich Risse und Hohlräume
  • Das Horn löst sich ab
  • Es bilden sich Ringe an der Hornwand (im fortgeschrittenen Stadium)
  • Das Pferd beginnt zu lahmen – überwiegend auf weichem Boden
  • Die Strahlfäule weitet sich auf die Ballen, die Sohle und die Hufwände aus
  • Die Huflederhaut wird gereizt und kann sich entzünden
  • Manchmal greifen die Bakterien auch die weiße Linie an – die Hufwand kann dann sogar abplatzen.
  • Strahlfäule kann darüber hinaus Huf- und Strahlkrebs begünstigen

Strahlfäule ist nicht ansteckend – da die Ursachen aber oft in den Haltungsbedingungen liegen, werden wahrscheinlich mehrere Pferde betroffen sein. Es gibt verschiedene Ursachen für Strahlfäule.

Pferd richtig Putzen: Pferd Hufe kratzen

Wie entsteht Strahlfäule?

Jetzt kennst du die klaren Anzeichen von Strahlfäule. Doch wieso konnte es überhaupt so weit kommen? Die Ursachen für die Krankheit können vielfältig sein:

  • Schlechte Haltungsbedingungen
  • Schlecht gemistete Boxen oder Offenställe, nasser bzw. feuchter Boden, im Worst Case noch durchsetzt mit Urin und Kot, sind für die Fäulnisbakterien ein Fest. Von Strahlfäule sind deswegen oft Pferde betroffen, die auf Mistmatratzen oder auf matschigen Ausläufen gehalten werden.
  • Die Bakterien kommen übrigens per se im Kot von Pferden vor – man kann ihr Auftreten also nicht verhindern.
  • Schlechte Hufpflege und -bearbeitung

Einmal am Tagen sollten alle vier Hufe schon ausgekratzt, Steinchen und Mist in den Spalten entfernt werden. So kann Sauerstoff wieder durchdringen. Ist das nicht der Fall, können sich Fäulnisbakterien besser ausbreiten. Wichtig ist außerdem, dass das Pferd regelmäßig dem Hufpfleger oder dem Schmied vorgestellt wird, damit er die Hufe ausschneidet und alle Bereiche wieder freilegen kann. Dabei kann auch die Bearbeitung selbst ein Problem sein, nämlich dann, wenn durch sie zu viel Druck auf den Strahl kommt oder wenn durch Einlagen die Sohle komplett bedeckt wird.

  • Schlechte Hornqualität und Fehlstellungen: Durch Mangel etwa von Zink kann die Hornqualität beeinträchtigt werden. Auch dann wird der Huf für Strahlfäule anfälliger. Das Gleiche gilt für Fehlstellungen wie Zwanghufe. Sind Teile des Hufs deformiert, erleichtert das erneut den Bakterien die Vermehrung.
  • Zu wenig Bewegung: Ein aktiver Hufmechanismus schützt vor Strahlfäule. Dein Pferd braucht also Bewegung, damit das Gewebe durchblutet wird, sich gutes Horn bilden kann und der Huf widerstandsfähig und stabil wird. Mangelt es dagegen an Auslauf und Bewegung, macht das die Hufe für Strahlfäule anfälliger.
  • Schlechte Ernährung: Strahlfäule kann auch von falscher Ernährung ausgelöst werden – sowohl bei einem Mangel von Mineralstoffen und Spurenelementen, als auch bei einem Übermaß. Auch ein Zuviel an Eiweiß und Zucker können Strahlfäule mitauslösen.
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Sehr häufig entsteht Strahlfäule auch durch falsche oder mangelnde Hufpflege bzw. Bearbeitung. Wenn zum Beispiel die Bearbeitungsintervalle sehr weit auseinander liegen, kann es passieren, dass die Zehe des Pferdes sehr lang wird und nach vorne „schnabelt“. Durch diese Hufstellung wird zwangsweise die Gewichtsaufnahme nach hinten auf die Trachten verlagert und es kommt zu Trachtenzwang.

Die zusammengeschobenen Trachten quetschen den Strahl dann stark zusammen, so dass sich eine tiefe Furche bildet, die sich sehr weit ins Innere des Strahls ziehen kann. Hier können sich Bakterien schnell ansiedeln und vermehren. 

  • Ursache: Auch ein falscher oder unregelmäßiger Beschlag kann zu Trachtenzwang und infolgedessen zu Strahlfäule führen.
  • Ursache: Mangelnde Bewegung kann ebenfalls zu Strahlfäule führen. Pferde die sich nicht ausreichend bewegen können haben häufig eine schlechte Hornqualität und der Strahl ist in vielen Fällen klein und verkümmert. Durch die mangelnde Bewegung bekommt der Huf zu wenig Anreiz für eine gesunde Hornproduktion.
  • Ursache: Die Bakterien, die Strahlfäule auslösen, kommen im Darm des Pferdes vor und sind damit auch in den Pferdeäpfeln enthalten. Deshalb spielt natürlich auch die Stallhygiene eine große Rolle. Bei Pferden die viele Stunden auf schmutziger Einstreu stehen, gibt selbst der gesündeste Strahl irgendwann auf.
  • Ursache: Etwas seltener aber trotzdem auch eine Ursache für Strahlfäule kann die natürliche Entgiftung sein. Manche Pferde entgiften sehr stark über die Hufe.

Treffen die oben genannten Faktoren alle nicht zu, solltest du überprüfen welches Futter das Pferd zu sich nimmt und gegebenenfalls auch einen Blick auf die Weide werfen und prüfen, ob dort vielleicht Giftpflanzen wachsen.

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(c) Wicki58 von Getty Images via CanvaPro

Woran erkenne ich Strahlfäule?

Strahlfäule zeigt sich zu Beginn in der mittleren Strahlfurche durch einen dunklen Spalt oder mehrere dunkle Risse aus denen eine schwarze schmierige Masse tritt. Bleibt die Strahlfäule unbehandelt, kann sie sich bis in die seitlichen Strahlfurchen ausbreiten.

Die Belastung des Strahls wird für das Pferd irgend wann sehr schmerzhaft, weshalb es auch zur Lahmheit kommen kann.

Im schlimmsten Fall befällt die Strahlfäule die innenliegende Huflederhaut und sorgt für eine Entzündung. 

Was hilft bei Strahlfäule?

Bei der Behandlung von Strahlfäule ist es besonders wichtig, dass neben der Hufpflege und Versorgung des Strahls die Auslöser für die Strahlfäule ausgeschaltet werden.

  • Hat das Pferd genug Bewegung, damit sich ein gesunder Huf entwickeln kann?
  • Stimmt die Stallhygiene und werden die Huftermine regelmäßig eingehalten?

Lassen sich Ursachen nicht finden, kann manchmal auch ein Blutbild Auskunft geben.

Hufe Pferd

Wie kannst du Strahlfäule vorbeugen und behandeln?

So kannst du der Strahlfäule vorbeugen

  • Sauberkeit ist oberstes Gebot: Ausläufe und Liegeflächen müssen sauber und frei von Mist sein. Das bedeutet Abäppeln mehrfach am Tag.
  • Halte die Paddocks matschfrei und entferne feuchte Einstreu schnell.
  • Sorge für eine regelmäßige Hufbearbeitung und kratze täglich die Hufe aus.
  • Achte auf eine ausgewogene Ernährung und auf die Versorgung mit Zink und Biotin. Du kannst das Hufwachstum zum Beispiel mit Biotin, Kupfer und Selen anregen.
  • Sorge für ausreichend Bewegung.

Bei beginnender Strahlfäule können die Hufe mit einem desinfizierenden, auch gerne pflanzlichen Mittel wie Apfelessig oder Teebaumöl behandelt werden.

Dabei kannst du das Öl oder den Essig in etwas Wasser geben und die Hufe mit einer Bürste ausbürsten.

Um die Strahlfäule wieder loszuwerden, musst du Feuchtigkeit vermeiden und dafür sorgen, dass dein Pferd im Trockenen steht.

Reinige die Hufe und hole dir einen Fachmann bzw. eine Fachfrau, der das faule und lose Horn entfernt und den Huf ausschneidet. Danach werden die Sohle und der Strahl behandelt bzw. desinfiziert. Haben sich bereits tiefe Furchen gebildet, kannst du Gewebe tränken und mit dem Hufkratzer vorsichtig in die Ritzen schieben – sei behutsam, Pferde sind schmerzempfindlich, wenn die Strahlfäule zugeschlagen hat. Damit kannst du die Ritzen versiegeln, bringst die Desinfektion an Ort und Stelle und verhinderst, dass sich neuer Mist und Matsch hineinsetzt. Erneuere die Tamponade täglich und kontrolliere die Hufe. Sprich mit dem Fachmann, wann der nächste Termin zum Ausschneiden fällig ist. Es kann Wochen dauern, bis eine Strahlfäule abgeklungen ist.

Hausmittel gegen Strahlfäule

Es gibt zahlreiche Hausmittel gegen Strahlfäule. Sprich vor der Anwendung mit einem Tierarzt oder deinem Hufpfleger oder Schmied.

  • Jodoformäther: Dafür benötigst du ein Rezept vom Tierarzt. Jodoformäther lässt den Bakterien zwar keine Chance, trocknet den Strahl aber aus, was ihn wieder anfälliger macht.
  • Wasserstoffperoxid: Hier gilt da Gleiche – effektiv gegen Bakterien, aber schlecht zu Haut und Huf.
  • Kupfersulfat: Es soll antibakteriell wirken und gleichzeitig die Produktion von gesundem Horn fö Achtung: Es darf nicht ins Blut gelangen.
  • Weitere Hausmittel sind Blauspray, Essig und sogar Zahnpasta, Teebaumöl und Honig bzw. Zwiebeln. Sie werden wegen ihrer antibakteriellen Wirkung eingesetzt.

Klingt die Strahlfäule nicht ab solltest du zügig den Hufbearbeiter/die Hufbearbeiterin rufen, damit dein Experte die betroffenen Stellen sorgfältig ausschneiden und säubern kann. Ist die mittlere Strahlfurche schon sehr tief, kann auch regelmäßiges tamponieren helfen.

Der Hufpfleger sollte die Strahlfäule bei den weiteren Terminen dann gut im Blick behalten und mit dir über den weiteren Verlauf und die Behandlung sprechen.

Sarah und Winni

Sarah Barwinski liebt Hufe und widmet sich schon seit vielen Jahren der Hufbearbeitung. Ihre Ausbildung hat sie bei den verschiedenen Hufsystemen gemacht und verbindet so das beste Wissen aus den verschiedenen Welten. 

Sie ist selbst Pferdebesitzerin und hat sich ursprünglich das Thema „Hufpflege“ für ihr eigenes Pferd und dessen komplexe Hufe erarbeitet. Aus der Liebe wurde ein Beruf, den sie heute bei ihren verschiedenen Kundenpferden mit ganz viel Herzblut ausübt.

Sarah Barwinski

Die Autorin des Artikels

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