Artikel aktualisiert am 20.02.2017

Du hast auch ein Jungpferd und fragst Dich, wann es was genau können muss? Das ist schwer zu sagen. JEdes Pferd ist anders und entwickelt sich anders. Das eine ist mit 2 Jahren schon auf der Suche nach Aufgaben und Denkspielen, das andere will auf der Weide spielen und ist noch ganz Kind. Du musst also das Training an dein Pferd und seine Persönlichkeit anpassen. Aber wie könnten die ersten Schritte aussehen?

Trainer wie Alfonso Aguilar*  oder die Dyslis* trainieren junge Pferde immer wieder spielerisch, bis sie etwa 3 oder 4 Jahre alt sind. Immer nur kurz, um die Pferde danach auf der Weide wieder Pferd sein zu lassen. Das bedeutet vor allem, dass die jungen Pferde erst einmal die wichtigsten Basics lernen.

Basic 1: Halfter und Führstrick

Pferde sollten lernen sich führen zu lassen. Zum Beispiel von der Weide oder wenn der Tierarzt leider doch kommen muss. Das können sie ehrlich gesagt fast nicht früh genug lernen. Das ist aber eine große Herausforderung für so ein junges Pferd. Das solltest du immer im Hinterkopf haben.

Da ist plötzlich jemand, der bestimmen will wo es langlaufen soll und wo nicht. Der eventuell über das Halfter auch ein bisschen Druck auf den Nacken ausübt. Das ist beängstigend und befremdlich. Deswegen solltest du deinem Jungpferd ganz viel Zeit damit lassen. Zum Beispiel in dem du ihm erst spielerisch das Halfter zeigst. Seinen Körper mit dem Halfter abstreichst. Das Halfter ins Maul zum Beknabbern und spielen gibst. So lernt es, dass das Halfter ein cooles und ungefährliches Ding ist.

Dann ziehst du ihm ds Halfter an – erst über das Maul, dann über die Ohren. Nach und nach. Wenn es einen der Schritte nicht akzeptiert, gehst du wieder einen Schritt zurück und wartest ab, bis es zum Beispiel das Halfter am Maul ganz entspannt und zufrieden akzeptiert. Gibst ihm vielleicht auch ein Leckerli. Als Belohnung. Das ist dann fast so als ob es vo Halfter gefüttert werden würde. Das ist cool!

Danach ziehst du das Halfter irgendwann über den Pferdekopf und lässt es da kurz. Nimm es sofort wieder ab und lobe dein Pferd als ob es kein morgen gäbe. Vielleicht auch mit einem Leckerli und lass es wieder hüpfen.

Das machst du mehrere Tage hintereinander. Bis es das Halfter voll akzeptiert. Jetzt kommt der Führstrick.

Du gehst genau wie mit dem Hafter vor. Abstreichen, um den Hals legen, damit wedeln, einhaken, aushaken. Fertig. Immer wieder.

Sobald das Pferdchen den Strick akzeptiert hakst du ihn ein und gehst einfach mit. Dann lernt das Pferd, dass der Führstrick erst einmal ihm folgt. Du lässt es grasen damit. Übst kein bisschen Druck aus.

Irgendwann machst du eine einladende Bewegung und zupfst leicht a Strick. Macht dein Pferd auch nur einen Schritt in deine Richtung, lobst du es als ob es kein morgen gäbe. Und hörst sofort auf.

Dann brauchst du eine zweite Person: Die die Mutterstute am Halfter nimmt – du lässt sie vorausgehen und folgst mit deinem Pferd einfach. Das übst du jetzt auch ein paar Wochen. Und dann könnt ihr Schrittweise das Führen ohne Mutter üben. Usw.

Basic 2: Hufe geben

Im Grunde sollten die Pferde schon im Fohlenalter ans Hufe geben gewöhnt werden, aber nur spielerisch und kurz.

Du nimmst einfach den Huf, streichelst ihn und kraulst ihn. Immer wieder. Streichst die Beine ab. Immer wieder. Sobald dein Pferd das ruhig mit sich machen lässt hörst du auf und lobst es. Das machst du mehrere Tage.

Irgendwann hebst du den Huf dann ganz leicht an. Das machst du täglich. Nach und nach kannst du die Hufe dann immer höher heben. Und vergiss nie, dass das Hufe geben ein Riesenakt für dein junges Pferd ist. Es hat noch keine Balance. Das Stehen auf drei Beinen bringt es in eine hilflose Position – es muss dir schon sehr vertrauen und ihr braucht eine gute Basis miteinander. Nach und nach kannst du den Huf auch höher heben.

Bei mir hat es zum Beispiel über 2 Jahre gebraucht, bis ich die Hufe entspannt heben und kratzen konnte. Der Hufschmied kann heute an ihren Hifen Pflegen ohne Probleme. Das war anfangs nicht so. Du siehst also, dass auch das Zeit, Balance und Vertrauen braucht.

  • Zartes Kraulen,
  • dann leichter Druck nach oben,
  • dann wieder zartes Kraulen,
  • so lange, bis die Kleine ihren Huf gehoben hat.
  • Sobald sie kurz ruhig stand, wurde der Huf wieder abgestellt und ausgiebig gelobt.

Das ist für ein Pferd gar nicht so einfach, weil es erst lernen muss die Balance zu halten. Immerhin ist es für das Pferd in der freien Wildbahn eher unüblich auf drei Beinen zu stehen. Da wird man das perfekte Angriffsziel für Raubtiere und wieso soll man überhaupt auf drei Beinen stehen? Braucht so ein Wildpferd gar nicht. Wir wollen reiten und arbeiten, deswegen müssen wir auch die Hufe pflegen, also muss das kleine Pferd lernen, seine Hufe zu geben und dabei schön ruhig zu stehen.

Basic 3: Stehen bleiben

Im Alter von knapp 2 Jahren können die jungen Pferde langsam lernen auch mal ruhig zu stehen und sich anbinden zu lassen.

Dafür legst du deinem Pferd einfach den Strick um den Hals und lobst es sobald es auch nur eine Minute ruhig steht. Dann geht ihr wieder. Diesen Zeitraum dehnst du nun Wochenweise aus. Jede Woche eine Minute mehr. Sobald das ein paar Minuten klappt, kannst du den Strick auch um den Anbindepfosten legen. Sobald das klappt, kannst du auch mal ein paar Meter weggehen und warten.

Geht dein Pferd dir nach, stellst du es einfach ruhig aber bestimmt wieder an die Stelle zurück, an der es vorher stand. Lobst es sobald es ruhig steht und gehst wieder weg. Oder putzt es ausgiebig, wenn es das gerne mag – als Lob.

Sobald es die gewollte Anzahl an Minuten ruhig stand, lobst du es als ob es kein Morgen gäbe und bringst es dann wieder auf die Weide zurück.

Oder auch in die Paddock-Box, immer mal wieder tageweise, damit sie Stück für Stück lernen auch ohne ihre Herde auf der Weide klar zu kommen. In der Nachbarbox steht dann zum Beispiel die Mutter, damit das Pferdekind sich nicht allzu alleine fühlt.

And Hufegeben gewöhnen

Die drei Basics – nochmal zusammengefasst:

  • Jungpferde ans Halfter gewöhnen
  • Anschließend an das Führen mit Seil gewöhnen
  • Hufe geben: Schritt für Schritt und Zentimeterweise
  • Stehen bleiben – Minutenweise steigern

Klappt das Führen und Hufe geben – könnt ihr die ersten Schritte ins Gelände wagen: Spazieren gehen

Stolz wie Eislaufmutti

Halfter zart über den Kopf gezogen, Strick ran ans Halfter und dann entspannt loslaufen. Ganz gemütlich! Das soll Spaß machen und dem Tier ein gutes Gefühl vermitteln. Hast du ein ängstliches oder unsicheres Pferd, nimm dir am Anfang ruhig ein gelassenes Begleitpferd mit. Andere Pferde vermitteln einfach ein gutes Gefühl.

Mein Pferd ist sehr cool und selbstbewusst. Deswegen hat sie die ersten Spaziergänge geradezu erschreckend cool gemeistert. Die meiste Zeit ist sie sehr ruhig und unerschrocken mitgelaufen. Sobald ein Geräusch kam oder etwas Fremdes in den Weg kam (Ziegen, Hunde, Katzen, ein Huhn – kann alles passieren) blieb sie kurz stehen.

Dann lass dein Pferd einfach schnuppern und schauen. Am Besten bringst du ihm auch bei sich Schreckgegenständen mit der Nase zu nähern und zu tasten. Das nimmt ihnen schnell den Schrecken. Die meisten Pferde machen das dann irgendwann von alleine, wenn sie es gelernt haben. Schön mit locker hängendem Seil.

Immer wieder, mit viel Geduld und Lob bei bravem Verhalten. Ich war stolz, wie eine Eislaufmutti, dass das Pferd schon relativ ist stand und sich auch von Tom und mir brav führen ließ.

INFO: Auch ein Jungpferd ist einfach nur ein Pferd. Du musst es nicht wie ein rohes Ei behandeln. Du musst wissen, dass es jung ist und noch nicht so gelassen wie ein altes Pferd. Aber du solltest es nicht anders behandeln als ein erfahrnes Pferd. Sie sollen ja lernen, dass das alles ganz normal ist, was du da mit ihnen machst. Wenn du aber vorsichtig und übertrieben zart um sie herumtänzelst, wird das Pferd anfangen sich zu fragen, warum du so bist und damit bekommen die Dinge mehr Bedeutung als sie eigentlich haben sollten.

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