Wir sind in Südafrika. Irgendwo zwischen Kapstadt und Stellenbosch am Rande einer Kleinstadt namens Durbanville. Dort darf ich meine erste Englisch Reitstunde nehmen. Wir wohnen bei einem herrlich skurrilen Ehepaar namens Pat und Dave. Dave und Pat züchten Rennpferde. Ich könnte den Fohlen und Jungpferden stundenlang auf der Weide zusehen.

Pferde auf Collingwood Stud 3

Collingwood Stud - die Weiden

Collingwood Stud - Haupthaus

Der Happy Horse Ball

Pats Pferde schweben elegant über den Boden und man merkt ihnen an, dass sie es lieben zu rennen. Sie haben Temperament und Geschwindigkeit. Ein Junghengst spielt immer wieder mit einem Ball speziell für Pferde (… kann man hier kaufen*). Kaum wirft man ihn über das Gatter, galoppiert er wiehernd los, schnappt sich den Ball und spielt ausgelassen.

Junger Hengst hat Spaß mit dem Pferdeball

Pferdeball im Visier

Während wir ihn beobachten erklärt Pat, wie ihre Rennpferde trainiert werden. Ihre Jährlinge werden täglich zweimal in einem flotten Schritt geführt, später sehr viel im Trab, damit sie Muskeln aufbauen. Sie sollen ihren Willen zur Geschwindigkeit bewahren und langsam auf gesunde Weise die richtige Konstitution für ihre Zukunft als Rennpferde aufbauen. Pat liebt ihre Pferde, sie stehen auf der Koppel in der Herde und werden mit allem versorgt, was sie brauchen.

Pat ist eine engagierte Tierschützerin. Fast täglich fährt sie in die Townships um Hunde und Katzen zu retten und vermittelt sie an den Tierarzt und am Ende an einen neuen Besitzer. Pat ist in eine Züchterfamilie geboren und sie führt das Erbe ihres Vaters weiter. Es macht Spaß sich mit ihr über Pferdezucht, Haltungs- und Fütterungsbedingungen auszutauschen, während wir auf der schönen Veranda ihres Farmhauses sitzen und Kaffee trinken. Einzig bei dem Leben, das ihre Pferde einmal führen werden, sind wir uns nicht einig.

Pferde auf Collingwood Stud

Pferde auf Collingwood Stud - Morgenrunde

Die perfekte Position

Ich ertappe mich immer wieder dabei, dass ich an die Zukunft dieser jungen Pferde denke und sie ein bisschen bemitleide. Denn sie müssen irgendwann auf die Rennbahn und sich dort beweisen. Je nach Trainer und Erfolgsaussichten wird das dann wohl mehr oder weniger hart für die Pferde. Ich kenne mich nicht aus im Rennsport, aber wenn ich die Bilder im Fernsehen sehe, dann weiß ich sofort, dass mir nicht gefällt, was ich dort sehe.

HIER bei Chevalie findet ihr einen Artikel von einer jungen Frau, die hinter die Kulissen geblickt hat und mehr weiß über den Rennsport

Ich frage Pat, was mit ihren Pferden passiert, wenn sie zu alt für die Rennen sind und freue mich zu hören, dass sie entweder in die Zucht kommen oder an liebevolle Freizeitreiter verkauft werden. Außerdem hat sie ein Hofmaskottchen, das liebevoll gepflegt wird. Der kleine Kerl kommt sofort angerannt, um sich kraulen zu lassen, sobald wir die Weide betreten.

Das schnellste Rennpferd des Stalls ;-)

Saying Hi to the Pony

Ein JA zu Horsemanship statt Profisport

Da ich mich für gebissloses Reiten, Freiheitsdressur und Pferd-Mensch-Kommunikation interessiere, ist im Grunde fast jeder Profisport für mich ein zweischneidiges Schwert. Meine leise Kritik hat nichts mit Pat und Dave zu tun oder mit ihrer Pferdehaltung. Denn man sieht, dass die beiden ihre Pferde lieben und artgerecht halten.

Pferdepopo auf Collingwood Stud

Es hat sehr viel damit zu tun, dass ich persönlich nicht glaube, dass Pferde Freude am Profisport haben. Sobald es um Profisport geht, geht es auch um Geld. Damit geht es um Leistung und Leistungsdruck. Es geht um Stresssituationen, Enge und Adrenalin. Das wiederum passt aus meiner Sicht nicht zum Fluchttier „Pferd“.

Natürlich gibt es auch viele Freizeitpferde, die unter Druck gesetzt und mit Hilfsmitteln in Stress gebracht werden. Aus Unwissenheit oder Ignoranz. Das ist genauso ungut. Keine Frage. Aber ich schweife ab oder ist der Gedanke vielleicht auch die perfekte Überleitung zu meinem eigentlichen Thema?

Western-Englisch

Ein Vergleich: Englisch versus Western – Impuls versus permanente Hilfen

Ich bekomme dank Pat die Gelegenheit auf dem Nachbargestüt eine neue Reitweise kennenzulernen. Ich habe als Westernreiterin angefangen und bewege mich momentan in eine Richtung, die man am Besten als Gewicht-Schenkel-Unabhängiger-Sitz-Gebisslos-Reitweise nach Sally Swift umschreiben könnte.

Der Sattel, in dem ich sitze, ist mir erst einmal egal. Ich will einen unabhängigen Sitz entwickeln und möglichst Zügelunabhängig reiten. Wenn es geht, reite ich auch gerne kurz ohne Sattel.

Petra auf Collingwood Stud

Aber egal ob nun gar kein Sattel oder Englisch-, Barock- oder Westernsattel – bei allen Reitweisen sollte es um einen guten Sitz, feine Hilfen, klare Körperhaltung und Gewichtshilfen gehen. Die Reitweisen unterscheiden sich im Grunde vor allem durch ihr Equipment, ihre Geschichte und die damit verbundenen Anforderungen an das Pferd. So hat sich auch die unterschiedliche Hilfengebung entwickelt.

Vereinfacht gesagt: Ein Cowboy hatte andere Wünsche an sein Pferd, als der englische Jagdreiter. In der Theorie halte ich erst einmal nicht so viel von der Idee der permanenten Hilfengebung, die bei der Englischen Reitweise oft üblich zu sein scheint.

Theoretisch Englisch* Reiten:

Englische Reitweise ist im Grunde eine Sammelbezeichnung für Dressur, Springen, Vielseitigkeit und Jagdreiten. Das Pferd wird zum einen über die Gewichtshilfen und die Schenkel, zum anderen in einem ständigen sanften Zügelkontakt geritten – sehr vereinfacht zusammengefasst. Anlehnung nennt sich das. So wiederum soll die Hinterhand aktiviert werden, damit das Pferd mit Schwung vorwärts geht und nicht auf die Vorderhand fällt. Parallel wird es mit treibenden und verhaltenden Hilfen des Reiters eingerahmt.

Dieser Rahmen soll permanent vorhanden sein. Heißt also, auch wenn das Pferd gerade alles Gewünschte macht, wird so lange möglichst fein und sanft mit Schenkel, Zügel und Kreuz auf das Pferd eingewirkt, wie der Reiter auf seinem Rücken sitzt. Erst wenn der Reiter etwas ändern will, ändert er wiederum die Hilfe und gibt sie dann erneut permanent.

Theoretisch Western* Reiten:

Das Pferd soll sich beim Westernreiten von alleine tragen und mit aktiver Hinterhand unter dem Reiter gehen. Es gibt weniger eindeutige Richtlinien, als in der englischen Reitweise, was die einzelnen Hilfen betrifft. Viele Westernreiter arbeiten auch mit Stimmsignalen. So zum Beispiel ein „Küsschen“-Geräusch zum Angaloppieren (wenn nötig mit gleichzeitigen leichten Bein- und Zügelhilfen) oder ein „Whoa“ für Halt. Die wichtigsten Unterschiede sind vermutlich aber die Impuls-gebenden Hilfen.

Anders als beim Englischen Reiten gibt es die permanente Anlehnung durch Maulkontakt (da lockere Zügel) beim Westernreiten nicht auf diese Art und Weise. Die Westernreitweise kommt ganz ursprünglich aus der Reitweise der spanischen Vaqueros, die ihre Reitkultur mit nach Amerika brachten. Da der Cowboy weite Strecken zu überwinden hatte, sollte das Pferd ohne viele Signale mitarbeiten und so dem arbeitenden Cowboy helfen. Westernreiten heißt mit lockerem Zügel und kurzen Impulsartigen Hilfen zu reiten. Sie dann aber sofort ruhen zu lassen, wenn das Pferd den Wunsch erfüllt. Der Reiter macht so lange nichts, bis entweder das Pferd etwas ändert oder der Mensch auf dem Pferd etwas ändern will.

Odd and Me – eine ganz persönliche Erfahrung in einer Englisch-Reitschule

Odd wartete in der Box auf mich. Die schönen Regeln des Natural Horsemanship galten hier nicht. Es gab kein ausgiebiges erstes Hallo und Führtraining, das Pferd ging mal rechts und mal links neben mir und der Putzplatz diente vor allem dem Satteln und Auftrensen. Odd war grundsätzlich zugewandt und ruhig und als Claire, meine Reitlehrerin, mir meinen Helm geholt hat, habe ich die Zeit für das ausgiebige “Hallo” und die kurze Petra-Kuschelrunde genutzt.

Petra sagt Hi

Ich weiß, dass das nicht jeder nachvollziehen kann. Ich wurde schon als „Mädchen“ bezeichnet, ironisch gefragt ob ich mal wieder eine Meditationsrunde mit dem Pferd machen würde oder dass ich aufpassen müsse nicht als „Wattebausch“-Fraktion bezeichnet zu werden. Es ist mir egal. Das Pferd ist ein Lebewesen und ich möchte, dass es mich kennt und akzeptiert, bevor ich auf seinen Rücken steige.

Mit Helm geht auch!

Helm auf und Rauf aufs Pferd

Die Reitlehrerin und Pat zeigten mir erst einmal wie die Steigbügel sitzen sollen (höher als beim Westernreiten)

Ungewohnter Sattel

Dann zeigte die Reitlehrerin mir, wie ich die Zügel halten soll (straffer als beim Westernreiten)

Ungewohnt feste Zügel

Und wie meine Körper- und Handhaltung aussehen soll (gerader und fester als beim Westernreiten)

Mit gutem Beispiel voran - Tipps zum perfekten Sitz auf dem Pferd

Hilfreiche Tipps aus der Englisch-Reitstunde

Es gab Tipps, die ich hilfreich fand und die Reitweisen-übergreifend gelehrt werden sollten. Aus dem Western kenne ich vor allem den Jog, den langsamen Trab, den man aussitzt. Deswegen wurde da in den Unterrichtsstunden noch nicht wirklich an meinem Leichttraben gearbeitet. Das gefällt mir bei dieser Englisch-Reitstunde besser.

Mir wurde genau erklärt, wie ich meine Absätze halten muss und warum ich nicht zu hoch aus dem Sattel gehen soll, während ich leichttrabe. Claire hat keine Mühe gescheut mir genau zu erklären was sie meint. Das wiederum hat mir geholfen nochmal über meinen korrekten Sitz nachzudenken.

Gute Korrekturen

Der Kampf mit der Anlehnung

Wenn ich ehrlich bin, dann muss ich sagen, dass mir das Konzept der Anlehnung, so wie es mir in der Stunde gezeigt wurde, gar nicht gefallen hat. Ich habe mit der Anlehnung gekämpft. Ich sollte einen permanenten Kontakt zum Pferdemaul halten und dann mit feinen Signalen am Zügel „helfen“, wenn das Pferd auf meine Gewichts- oder Schenkelhilfen nicht reagiert.

  • So würde ich eine Kommunikation mit dem Pferd durch das Maul erreichen
  • Ich würde dem Pferd so zeigen, dass ich da bin und wir würden eine Verbindung haben

Mir erscheint es ehrlich gesagt nicht besonders sinnvoll permanent durch das Maul zu kommunizieren. Aber da ich beschlossen hatte mich auf das Experiment einzulassen, habe ich alle Anweisungen befolgt:

Petra steigt auf und nimmt die Zügel auf.

Petra greift die Zügel aus ihrer Sicht schon recht kurz

Reitlehrerin: „Nimm sie noch kürzer“

Petra: „Noch kürzer?“

Reitlehrerin: „Ja, Er muss dich und deine Anwesenheit fühlen“

Petra greift die Zügel noch etwas kürzer und hat schon das unangenehme Gefühl Gewicht in der Hand zu haben

Reitlehrein: „Super!“

Reitstunde

So in etwa müsst ihr Euch die ersten Minuten vorstellen. Und so in etwa lief es immer wieder in der Reitstunde. Ich habe die Zügel immer wieder etwas gelockert, weil sich diese Anlehnung für mich wie ein Zug auf das Maul anfühlte. Und schon kam der Ruf von der Seite nach der Anlehnung.

Verrückt war tatsächlich, dass Odd jedesmal anfing zu stolpern, wenn ich die Zügel im Trab zu locker ließ. Weil der Zug vorne fehlte, hat er sich auf die Vorhand verlagert beim laufen und war so nicht mehr gut genug ausbalanciert. Im Grunde hat er sich also von mir und den Zügeln tragen lassen. Das ist sicher nicht Sinn der Sache.

Ausbilder wie Anja Beran gehen sogar davon aus, dass wir die Anlehnung irgendwann aufgeben können sollten, wenn ein Pferd den entsprechenden Ausbildungsstand erreicht hat, weil es sich von alleine tragen soll. Du siehst also, dass man auch in der Dressur und der englischen Reitweise nicht ganz einig ist, wie es laufen muss.

Dieses Pferd war es so gewohnt vorne gehalten zu werden, dass er ohne diesen Halt im Grunde auseinandergefallen ist. Anders kann man es gar nicht beschreiben. Zumal ich nicht wirklich das Gefühl hatte ein ganz und gar versammeltes Pferd unter mir zu haben. Trotz der Anlehnung und der treibenden Hilfen. Aber ich weiß auch, dass das Momentaufnahmen sind, das Pferd mich nicht kannte, mein Sitz nicht perfekt ist und das meine erste Englisch-Stunde war…

Sitzstudie von der Seite

Es fühlte sich trotzdem so an, als ob man ein Paket vorne und hinten zusammengeschnürt hat und wenn sich die Schnur auf der Vorderseite lockert dann ploppt es an dieser Stelle auf und verliert die Form.

Petra bei der Reitstunde

Ein innerer Kampf

Es war für mich ein innerer Kampf. Ich kann es leider nicht anders sagen. Ich habe nur diese eine Reitstunde erlebt. Vielleicht gibt es Englisch-Reiter da draussen, die es anders sehen und anders handhaben? Für mich hat es sich angefühlt wie ein Dauerzug am Pferdemaul. Ich habe mich nicht wohl dabei gefühlt. Zumal mir Odd nicht gerade weich und nachgiebig erschien. Es war eher so, als ob er resigniert hatte, angesichts der Dauerhilfen. Ich bin regelrecht erschrocken als ich die Bilder danach sah.

Krass straffe Zügel

Natürlich gibt es im Westernreiten viele Pferde, die auf der Vorhand laufen, weil auch sie nicht richtig gelernt haben sich selbst zu tragen. Es ist immer auch eine Frage der fundierten Ausbildung von Reiter und Pferd. Trotzdem erscheint mir das Modell der impulsgebenden Hilfen deutlich logischer als die permanente Hilfengebung, die mir in dieser Reitstunde nahegelegt wurde.

Warum Pausen wichtig sind!

Ich bleibe ein Freund des lockeren Zügels. Ich möchte am liebsten gebisslos reiten und ich halte nach dieser Stunde auch weiterhin nicht viel davon einem Pferd durch permanenten Kontakt mit dem Maul die Belohnung der Entspannung vorzuenthalten. Entspannung und Pausen sind Signale für das Pferd, dass es etwas richtig gemacht hat. Das ist mir logisch. Es ist ein bisschen wie mit dem dauertreibenden Schenkel.

  • Warum soll ich mein Pferd permanent treiben, wenn es doch gerade brav in der Gangart geht, um die ich es gebeten habe?
  • Warum soll ich sozusagen permanent weiterfordern und das Pferd damit letztlich stressen, wenn es den Wunsch doch schon erfüllt hat?
  • Ähnlich kommt es mir mit der Anlehnung vor. Warum soll ich permanent an seinem Maul „halten“, wenn es doch gerade freundlich und höflich meine Aufforderungen nach Versammlung erfüllt?

Das ist ja im Grunde Dauerdruck und Hebel auf die empfindliche Pferdezunge, aus meiner Sicht. Ich frage mehrfach nach, ob diese dauernde Anlehnung in Form eines Maulkontaktes wirklich nötig ist.

Dann werde ich belehrt, dass man aber nur so ein Pferd richtig versammeln könne. Die wenigsten Pferde würden das einfach so können. Ich widerspreche, weil ich Pferde kenne, die versammelt laufen, weil es ihnen entsprechend am Boden mit geduldigem Training beigebracht wurde.

Zum Teil laufen sie auch dann besonders gut mit Schwung und aus der Hinterhand, wenn der Sitz und die Gewichtshilfen gerade besonders gut stimmen. Sie brauchen den angezogenen Zügel gar nicht. Aber ich komme nicht durch damit. Es ist so, wir haben das schon immer so gemacht und es ist nötig. Punkt. So nett und sympathisch die Reitlehrerin ist, an diesem Punkt kommen wir einfach nicht zusammen.

Noch eine kleine Geschichte zum Thema „Stimmhilfen“

Odd zum Beispiel ist sehr dankbar für klare und freundliche Stimmsignale. Anfangs reagiert er auf mein „Halt“-Signal gar nicht gut. Vermutlich weil er durch das Dauergezerre an seinem Maul, mit einem leissen Zuppeln nicht mehr allzu viel anfangen kann. Also zupple ich etwas stärker und sage „Ho“. Beim ersten Mal, kaum eine Reaktion. Ich muss nochmal stärker den Zügel annehmen. Wir üben es immer mal wieder leise für uns während der Stunde. Jedes Mal, wenn er auf mein „Ho“ hält, lobe ich ihn ausgiebig und gebe beim nächsten Mal wieder ganz wenig Zügelhilfe.

Pause

Schon nach wenigen Minuten, muss ich immer weniger mit den Zügeln machen. Seine Ohren klappen nach hinten und er schnaubt. Nach einigen weiteren Halts, bleibt er nur auf mein leises „Ho“ hin stehen. Ich lobe ihn, kraule seinen Hals und er schnaubt. Auch in der Schlussphase, als ich ihn am langen Zügel laufen lasse, weil ich das will und nicht weil es mir als nötig kommuniziert wird, funktioniert mein kleines „Ho“.

Mein Fazit

Ich will keine Reitlehren angreifen. Ich habe nur meine Erfahrungen mit einer Reitstunde geschildert und sie eins zu eins wiedergegeben. Nach der Stunde habe ich mich gefragt, ob das “Englisch Reiten” war, so wie es sein soll. Wenn ja, dann mag ich es nicht. Wenn nein, dann wüsste ich gerne wie es richtig geht und wundere mich, dass es so gelehrt wird.

Ich ahne, dass es eigentlich ganz anders gedacht ist und anders sein soll, dass die Lehre der englischen Reitweise nichts mit einem Dauerzug am Zügel zu tun hat und Anlehnung auch über Sitz und Gewicht funktionieren soll. Das ist beruhigend zu wissen und nicht weit von den Grundlehren anderer Reitweisen entfernt. Ich bin immer noch auf der Suche nach dem richtigen gesunden und korrekten Reiten.

Es ist mir letztlich auch egal in welchem Sattel ich dabei sitze und wie der Name der Reitweise  ist. Es geht mir einfach darum, was das Beste für mein Pferd ist. Deswegen probiere ich gerne immer wieder neue Dinge aus. Aber nach und nach, stelle ich mir auch die Frage, ob genauso wie es mir gezeigt wurde, nicht leider oft die Realität ist?

Ist Western wirklich besser?

Das gilt natürlich auch fürs Westernreiten. Da gibt es auch die Lehrer, die die “impulsgebende Versammlung predigen” und nur den kurzen Ruck am Zügel damit meinen, um den Kopf immer wieder runter zu holen. Auch das ist keine echte Versammlung, auch da laufen die Pferde zwar mit tiefem Kopf, aber oft trotzdem auf der Vorhand. Das ist auch falsch.

Vermutlich muss es Reitweisenübergreifend heißen: Sanft am Zügel, guter Sitz und vor allem bewusst und mit gutem Unterricht – so sollte richtiges Reiten sein egal in welcher Reitweise. Am Ende müssen wir wohl einfach nur eine Antwort auf die Frage finden: “Wie kann ich so fein wie möglich, so gesund wie möglich reiten?” Egal in welcher Reitweise.

Es geht mir um das „WIE“

  • WIE kann ich Reiten, ohne dem Pferd zu schaden?
  • WIE kann ich reiten, so dass es dem Pferd auch Spaß macht?
  • WIE kann ich so Reiten, dass das Pferd gesund und zufrieden ist?
  • WIE kann ich möglichst fein Reiten und welche Hilfen brauche am Besten dafür?
Wie seht ihr das Thema der Anlehnung? Und was sagen die Englisch-Reiter unter euch? Wie sind Eure Erfahrungen?

55 Kommentare zu “Englisch oder Western: Lieber Impulse oder permanente Hilfen?

  1. Gina sagt:

    Oh man da muss ich schlucken, ich finde deine Artikel sonst immer echt informativ und nett geschrieben.

    Dieser hier ist aber mehr oder weniger ein gehetzte gegen Englisch reiten, ohne (scheinbar) wirkliche Ahnung worum es da eigentlich geht und wie es richtig ist.

    Was die Reitstunde angeht, gebe ich dir recht. Die war völlig falsch aufgebaut. Denn die Anlehnung ensteht nicht, indem man die Zügel immer kürzer nimmt und zieht. Sondern indem man das Pferd an die Hand treibt. Dann kann man mit leichter Hand die Anlehnung anbieten, aber vorher muss das Pferd losgelassen sein. Die Anlehnung soll kein Dauerzug am Zügel sein, sondern eine leichte Verbindung (fühlbar wie ein Spinnenweben, der jeden Moment zerreißen kann), die man quasi mit zwei Fingern halten können muss.

    Genauso gibt es danach kein Dauertreiben ohne, dass das Pferd irgendwas anders machen soll, denn wenn es richtig gemacht wird, soll das Pferd vor den Hilfen sein (ist alles ein bißchen viel um es jetzt in diesem Kommentar zu erklären).

    • Petra sagt:

      Ohje, liebe Gina, zum Schlucken wollte ich Dich nicht bringen 😉 Nein im Ernst, ich will keine Reitweisen angreifen, also keine Reitlehren und das habe ich im Bericht auch nicht. Ich habe nur meine Erfahrungen geschildert und sie eins zu eins wiedergegeben. Nach der Stunde habe ich mich gefragt, ob das Englisch Reiten ist so wie es sein soll. Wenn ja, dann mag ich es nicht. Wenn nein, dann wüsste ich gerne wie es richtig geht. Aus Wissensdurst und um etwas zu lernen. Deswegen habe ich den Bericht und die Erfahrungen mit euch geteilt. Immer wieder mit der Frage: "Ist das wirklich so gewünscht? Wenn nein, erzählt mir bitte, wie es eigentlich sein soll" Aber nach und nach und auch nach all den Kommentaren stelle ich mir die Frage, ob das nicht leider oft die Realität ist, wie es unterrichtet wird? Aber das gilt natürlich auch fürs Westernreiten. Da gibt es ja auch die Lehrer die die "impulsgebende Versammlung predigen" und das ist dann oft nichts anderes als ein fieser Ruck am Zügel um den Kopf runter zu holen. Das ist auch falsch 🙁 Vermutlich muss es heißen: Sanft am Zügel, guter Sitz und vor allem bewusst und mit gutem Unterricht – so sollte richtiges Reiten sein egal in welcher Reitweise. Liebe Grüße und ich hoffe Du nimmst den Bericht als das, was er ist. Ein Erfahrungsbericht um nachzufragen 🙂

    • jessy sagt:

      Also erst mal, ich finde deinen Beitrag super! Ich gehörte selbst jahrelang zu den Dressurreitern, bis zu einem Erlebnis im November. Mein Pferd War total nervös und geladen an dem Tag, aber ich dachte es muss funktionieren, ob es will oder nicht. am ende lag ich im Krankenhaus. Ich hatte viel zeit zum Nachdenken aber seither hat sich viel geändert. Ich bin nun auch im natural horsemanship Zuhause, stelle mich auf mein Pferd ein und tauschte meinen Dressursattel gegen einen baumlosen westernsattel und meine Trense gegen ein sidepull. Gestern bin ich das erste mal nachdem Unfall getrabt. Ich wünschte mir meinen englischsattel zurück aber ich weiß, dass es nur Gewohnheit ist. Da muss ich jetzt durch auch wenn mein Pferd und ich Wie Anfänger durch die bahn zockeln, da es schon scheitert im Schritt zu bleiben wenn ich den Schenkel weg nehme.
      interessanter weiße ändert sich sozial auch etwas. Seit ich mich nicht mehr für das konventionelle englisch reiten interessiere (und mittlerweile nicht verstehen kann wie ich das so lange praktizieren konnte) haben sich einige Freunde mit denen ich immer zusammen geritten bin von mir abgewandt. Schade, aber die blicken nur stur gerade aus. Aber für eine ehrliche Freundschaft mit meinem Pferd nehme ich das gern in kauf.

    • Petra sagt:

      Liebe Jessy, darf ich Dir sagen, dass mich Deine Antwort berührt und schockiert? Sie berührt mich, weil Du Deinen weg gefunden hast und ich glaube, dass es ein ganz toller Weg ist, den Du da gehst. Ich denke auch, dass er schwieriger ist als der klassische den viele gehen. Weil er immer wieder dazu auffordert über sich selbst nachzudenken, an sich zu arbeiten und nicht das Pferd für Misslungenes verantwortlich zu machen. Er lässt dem Pferd mehr Wahl. Das ist schön, wenn das Pferd einen wählt. Und es ist frustrierend, wenn es das nicht tut. Schockiert bin ich, weil es Reiterfreunde gibt, die sich abwenden, nur weil Du einen anderen Weg gehst. Diese Reiterwelt ist schon eine ganz seltsame Gemeinschaft. Sie alle wollen respektvolle und zugewandte Pferde, die mit ihnen arbeiten und zuhören. Können selbst aber weder zuhören, noch zugewandt sein oder manchmal gar respektvoll. Weder ihrem Pferd noch anderen Menschen gegenüber. Ich freue mich deswegen sehr über jeden Pferdemenschen, der es anders machen will und sich Gedanken macht. Also: Schön, dass Du da bist 🙂 Ich bin gespannt, wie es mit Dir und Deinem Pferd weitergeht. Ich habe gemerkt, dass selbst Schulpferde sehr schnell lernen, wenn man ihnen andere Wege zeigt. Ich probiere das immer wieder aus, wenn ich ein Schulpferd reite und lobe Kleinigkeiten oder versuche mich an der Körpersprache und es funktioniert oft schon nach ein oder zwei Reitstunden ein bisschen. Ich glaube, dass Pferde zwar erstmal brauchen, bis sie sich umgewöhnen, aber die andere Kommunikation sehr zu schätzen wissen und darauf anspringen 🙂 Alles Liebe und ich freue mich von Dir zu lesen, Petra P.S.: Es gibt soweit ich weiß auch baumlose Englisch-Sättel oder Sättel mit Leder oder Fieberglas-Baum. Die sollen so ein Mittelding sein. Also flexibler als der Holzbaum, aber weniger "lasch" auf dem Rücken als der baumlose Sattel. Aber da muss ich mir selbst noch eine endgültige Meinung bilden. Ich bekam so einen von einer Pferdeosteopathin empfohlen als gesunde Lösung.

  2. Hannah sagt:

    Es kommt bei beiden Reitweisen immer auf das WIE an! Du hattest eine Reitstunde auf einem wahrscheinlich stumpfen Schulpferd, das von Reitschülern geritten wird, die ihm in den Rücken plumsen, noch nicht gut sitzen können und erst recht nicht das Pferd über den Rücken reiten können. Wird das Pferd dann nicht mindestens genauso oft korrekt Korrektur geritten, dann wird es sich unter dir kaum fallen lassen und fein zu reiten sein.
    Zudem wissen wir nicht ob die Reitlehrerin dort überhaupt eine gute Englisch-Reitlehrerin ist. Allein wie sie die Anlehnung aufbauen wollte, hört sich nicht richtig an.
    Andrerseits kann es aber auch sein, dass du für die korrekte Anlehnung zu wenig Gefühl in deinen Händen/Armen/Körper hast, weil du es ja so nicht kennst. Auf den Fotos läuft das Pferd ja nicht in richtiger Anlehnung und schön am Zügel. Von daher kann es sein, dass du es gar nicht geschafft hast eine richtige Anlehnung zu erfühlen.
    Eine meiner Stuten ist zum Beispiel total sensibel. Wenn man die Zügel richtig und sanft aufnimmt, dann bleibt der Hals entspannt und der Kopf unten und sie nimmt eine schöne Anlehnung an ohne, dass man mit dem Zügel etwas machen muss. Wenn aber ein etwas unerfahrener oder groberer Reiter die Zügel aufnimmt und sie dabei etwas stört, dann reißt sie den Kopf hoch, öffnet das Maul und streckt den Unterhals raus. Dann sieht das aus wie auf deinen Fotos vielleicht hattest du also auch einfach nicht genug Feingefühl für die Zügel, da du sie sonst lang hast?

    Ein zu abgestumpftes Pferd, eine "schlechte" Reitlehrerin oder deine noch zu ungeübte Hand könnten also mögliche Ursachen für die nicht funktionierende Anlehnung sein!
    Ich tippe auf eine Mischung von allem.
    Wäre ja zu schön, wenn jeder Reiter in nur einer Stunde eine korrekte Anlehnung erlernen könnte

    • Petra sagt:

      Da hast Du Recht, manchmal würde man sich wünschen – egal in welcher Reitweise – dass man das Reiten mit einem Schnippen schnell beherrscht, um das Pferd nicht so sehr zu stören.. Aber natürlich geht das nicht 😉 Ich verstehe was Du meinst und ahne, dass das echte Konzept der Anlehnung etwas vielschichtiger ist als das, was mir gezeigt wurde. Es fühlte sich auf jeden Fall nicht gut an, weder für mich und für das Pferd glaube ich auch nicht. Deswegen freue ich mich auch über Kommentare, wie Deinen, die zeigen, dass Englisch mehr ist als das, was mir in der Stunde erklärt wurde. Ich bin immer noch auf der Suche nach dem richtigen gesunden und korrekten Reiten, es ist mir letztlich auch egal in welchem Sattel und wie der Name dafür ist. Ich glaube ich schreibe es auch, es geht mir einfach darum, was das Beste für mein Pferd ist. Deswegen probiere ich unterschiedliches aus. Aber vielleicht sollte ich nochmal einen Versuch wagen 😉 Ganz liebe Grüße, Petra

  3. Eva Kochler sagt:

    Hallo Petra, danke für den sehr interessanten Artikel. Ich bin Späteinsteiger, Englisch Reitweise, und suche auch nach Antworten über die Anlehnung. Ich finde ein sehr spannendes Thema. Es ist auch von Pferd zu Pferd sehr unterschiedlich. Meine RL arbeitet mit mir daran, das Halten möglichst ohne Zügeleinwirkung zu erreichen. Und das fühlt sich auch deutlich besser an wenn es denn gelingt. Bei Schulpferden ist es nicht leicht diesen stärkeren Zügelkontakt allmählich zu lockern. Meine RL, die Dessur über alles liebt, sagt z.B. es ist schon das höchste Ziel die Zügelverbindung / Anlehnung ganz leicht zu halten und möglichst nur über Gewichts/Sitz- und Schenkelhilfen einzuwirken, aber das schaffen einfach die wenigsten. Nach meiner bisherigen leider noch kurzen Erfahrung mit Schulpferden lohnt es sich aber sehr, daran zu arbeiten. LG Eva

    • Petra sagt:

      Hallo Eva, vielen lieben Dank für Deinen Kommentar. Es ist spannend zu lesen, wie Du das wahrnimmst. Auch als Späteinsteigerin. Ich hadere immer noch ein bisschen mit dem permanenten "Kontakt" zum Maul durch einen gehaltenen Zügel. Am liebsten mag ich die Reitstunden, bei denen ich im Schritt und ohne Zügel lenken soll. Da zeigt sich dann immer, dass ich noch an meinen Gewichtshilfen arbeiten muss 😉 Aber es fühlt sich gut an, nicht auf den Pferdekopf einzuwirken. Das ist aber nur mein persönliches Gefühl. Vielleicht habe ich auch deswegen so sehr mit dem Konzept der Anlehnung gehadert, das mir da präsentiert wurde. Wobei ja nun einige Englisch Reiter auf meine Frage geschrieben haben, dass Englisch anders aussieht und mehr als das ist, was mir gezeigt wurde. Am Ende muss man wohl einfach nur eine Antwort auf die Frage finden: "Wie kann ich so fein wie möglich, so gesund wie möglich reiten?" Egal in welcher Reitweise 🙂

    • Petra sagt:

      Dann zählen wir irgendwie zur gleichen Gruppe. Ich habe noch einen Hang zu "Gebisslos" und Irgendwie-eine-Mischung-aus-Allem-Hauptsache-das-Pferd-Mags-Horsemanship 😉 Das Video werde ich mir gleich mal einverleiben. Liebe Grüße, Petra

  4. Denise sagt:

    Toll das du es wenigstens veruschst bevor du urteilst :-).
    Ich reite Englisch …..einfach weil ich es so kennen gelernt habe, die Reiterei. Habe mal beim Westernreiten zugesehen sah auf jeden Fall nach ner Menge Spass aus. Meine Reitlehrerin redet auch ständig von Anlehnung und Maulkontakt und Versammlung damit das Pferd in den Tölt kommt.

    Allerdings mag ich es auch lieber den Zügel etwas länger zu lassen also hab ich folgendes versucht mit meinem Mietpferd….mal ohne meine Reitlehrerin einfach den Versuch ob das Pferd den Tölt auch ohne Versammlung (Versammlung- extremes einkasteln wie du es so schön beschreibst) macht. Beim Tölt ist der Zügel richtig richtig kurz zu halten zumindest wurde mir das so gelernt…..also versuchte ich mal das gegenteil um zu wissen geht das auch ohne einkasteln……ich habs nicht geschafft sie hat angetrappt aber ohne jeden Takt zu halten in den Tölt lies sie sich nicht verschieben und das obwohl sie eine Naturtölterin ist und wollte ständig da ich auch versuchte nicht dauernd zu treiben wollte sie immer wieder Schritt gehen. Ich musste ja dann wieder treiben wenn ich nachgab fiel sie wieder in den Schritt.

    Also mein Fazit, wir sind mit dem längeren Zügel und dem wenigerem treiben und ohne Versammlung – einkasteln leider nicht weiter gekommen, so dass ich diese Stunde wie gewohnt so wie im Reitunterricht durchführte- beendete

    • Petra sagt:

      Obwohl es ja manche gibt, die wiederum finden, dass einmal versuchen nicht ausreicht 😉 Interessant finde ich auch Deine Erfahrung. Ich frage mich, ob das Pferd das braucht, um die Aufgabe gut und gesund zu lösen oder ob es das braucht, weil es so sehr gewohnt ist "eingekastelt" zu sein, wie Du schreibst. Das ist auch genau die Frage, die mich beim Schreiben umgetrieben hat. Mein Bauchgefühl sagt "nein", aber viele erfahrene Englisch Reiter sagen "ja". Ich lerne täglich dazu seit ich mich mit dem Thema Pferde beschäftige und bin gespannt, was ich in einem Jahr oder später für eine Antwort darauf finde. Momentan kann ich es mir nicht vorstellen, in dauernder Anlehnung zu reiten.

    • Christina sagt:

      Huhu Denise,

      ich finde es klasse, dass du mit deinem Mietpferd versuchst neue Wege zu gehen!
      Ich reite seit mittlerweile 15 Jahren Isländer und sehe leider viel zu oft was du beschreibst: das Pferd wird zum Tölten komplett "eingequetscht". Eine Reitlehrerin hat mir tatsächlich mal geraten mir das Pferd als Luftpumpe vorzustellen und zum Tölten vorne zuzuhalten und hinten zu pumpen. Eine Katastrophe!
      Tatsächlich kannst du dein Pferd bei ausreichender gymnastizierender und versammelnder Vorarbeit problemlos mit sehr wenig bis gar keinem (bin schon mit Halsring getöltet) Zügelkontakt tölten. Viel wichtiger sind hier die Kreuz- und Gewichtshilfen. Deine Beschreibung klingt für mich so, als würden die bei dir ein bisschen fehlen und als hättest du keinen guten Reitlehrer, der dir die richtigen Hilfen erklärt :-/
      Leider ist das "Zügel kurz und Kopf hochziehen" immer noch weit verbreitet.

      Viele liebe Grüße,
      Christina

    • Petra sagt:

      Hallo Christina, Was ist das nur mit diesem "Einpressen" und "Zurechtzurren"? ..umso länger ich in der Reiterwelt bin, umso mehr habe ich das Gefühl, dass Reitweisenübergreifend gepresst, gedrückt und gezogen wird. Aus mangelndem Wissen manchmal, wegen schlechtem Unterricht oder falschen Vorbildern, oft auch aus Hilflosigkeit oder Faulheit und und und… Leider scheint es einfacher, die Pferde zurechtzuzurren, als ihnen lange und geduldig und immer wieder zu zeigen, was man sich von ihnen wünscht. Ich denke immer wieder an dieses eine Zitat: "Wenn Pferde Schmerzlaute hätten, wäre es laut in vielen Reithallen." ..und könnte heulen und wütend werden gleichzeitig. Und dann diese Reitlehrer, die in der Mitte stehen und den immer gleichen Blödsinn beibringen, Generationen on Kindern… Okay, bevor ich mich in eine Wutrede schwinge, höre ich lieber auf und freue mich, dass es so tolle Pferdemenschen wie Dich gibt. Ich mag Deinen Blog sehr gerne 🙂 Liebe Grüße und bis bald. Ich freue mich, wenn Du hier vorbeischaust, Petra

    • Sissi sagt:

      Hallo 🙂
      eigentlich lese ich immer nur (und mache mir Gedanken dazu), aber da du nun das Thema Gangpferde im Zusammenhang mit Anlehnung und Versammlung angeprochen hast, dachte ich, ich schreibe einen kleinen Beitrag.
      Natürlich kann man den Begriff Anlehnung unter unterschiedlichen Gesichtspunkten betrachten (oder auch zwischen Anlehnung und Selbsthaltung unterscheiden) aber das alles ginge hier ins Unendliche;)
      Grundsätzlich ist es so, dass in jeder Reitweise, gutes Reiten auch über (so gut wie) ausschließlich Hilfen aus der Körpermitte, sprich aus dem Sitz funktionieren kann.
      Genau so wie es seine Zeit dauert bis man einem Pferd eine korrekte Anlehnung gestatten kann (vgl. "das Pferd sucht die Anlehnung, der Reiter gestattet sie") und das sehr viel Übung bedarf (vgl. klassische ReitKUNST, also keinesfalls innerhalb einer Stunde erlernbar) Bedarf es auch sehr, sehr viel Zeit, sein Pferd durch die primären Hilfen aus dem Gesäß zu leiten. Aber schließlich ist das ja auch nicht das Ziel, dass dies von heute auf morgen geht; der Weg ist das Ziel und egal wo wir uns darauf befinden können wir jede Menge Spaß haben 🙂
      Wenn wir jetzt davon ausgehen, dass das Pferd in "Anlehnung" geht, also energisch aus der Hinterhand schiebt/trägt und über einen entspannten, locker schwingenden Rücken vertrauensvoll an die Reiterhand heran tritt und nach der Anlehnung "fragt" sehen wir das Thema bereits in einem anderen Licht.
      Zum (eigentlichen) Thema Gangpferde: Natürlich braucht der Tölt ein gewisses Maß an Versammlung. Das bedeutet jedoch, dass die Hinterhand gut untertritt und der Rücken entspannt und aufgewölbt ist. "Maulkontakt" kann nicht als Ersatz für "Versammlung" angesehen werden.
      Letztendlich ist es natürlich möglich, bei entsprechendem Ausbildungsstand den Tölt am durchhängenden Zügel auf Sitzhilfen zu reiten, aber nicht umsonst ist die T2 eine der anspruchsvollsten Prüfungen im Isländersport. Tölt in absoluter Selbsthaltung erfordert vom Pferd einen sehr, sehr guten ausbildungsstand und vom Reiter eine sehr differenzierte, perfektionierte Einwirkung über den Sitz…das ist natürlich über längere Zusammenarbeit und einen sehr hohen ausbildungsstand von sowohl Pferd als auch Reiter zu erreichen.
      Ich hoffe, ich konnte mich einigermaßen kurz fassen und ansatzweise das Wichtige darstellen, zu dem Thema könnte Stunden und Tage gesprochen und hunderte von Seiten geschrieben werden.
      Es ist sehr schön, wenn man ausprobiert und weiter ausprobieren will, allerdings muss man das Ganze einmal von einem sehr kompetenten Trainer gehört haben, um sich ansatzweise ein Bild machen zu können und widerum jahrelang üben, um es selbst in der Art und Weise ausführen zu können, die man sich wünscht.
      Ganz liebe Grüße 🙂

    • Petra sagt:

      Hi Sissi, Du meinst sicher die Kommentare von Christine und Denise? Ich habe in meinem Artikel die Gangpferde ignoriert, weil ich mich noch nicht damit beschäftigt habe. Ich saß auch noch nie auf einem Gangpferd 🙂 Aber Deinen Kommentar finde ich sehr spannend und habe wieder etwas dazugelernt. Ich danke Dir dafür! Ganz liebe Grüße, Petra

  5. Vanessa sagt:

    Hallo Petra,

    als erstes müsste man den Begriff Anlehnung definieren. Wenn man im Internet forscht, trifft man auf die verschiedensten Erklärungen. Und hier liegt meiner Meinung nach auch das Problem. Jeder versteht unter dem Begriff etwas anderes. Geht man von der FN aus (und vom Großteil) bedeutet es im Umkehrschluss lediglich das mein Pferd an den (Zügel-) Hilfen steht. Es geht darum, dass man am Zügel merkt, wann das Pferd zur Dehnung etc. bereit ist. Dieses funktioniert auch mit einem durchhängenden Zügel und auch mit einer gebisslosen Zäumung. Und auch ein Westernreiter sollte sein Pferd in Anlehnung reiten, da nur so ein gesundes Reiten möglich ist. Die Anlehnung gehört zum Kreislauf sozusagen. Es wird eine Spannung aufgebaut die wir da vorne brauchen und bringt auch einfach die Sicherheit, dass unser Pferd bei uns.

    Und auch sollte ein Westernreiter sein Pferd mit den übrigen Hilfen einrahmen. Leider sind viele der Meinung, das Impulsreiten wirklich nur aus Impulsen besteht. Wenn man sich den geschichtlichen Hintergrund anguckt (und nun nagelt mich bitte nicht auf Kleinigkeiten fest) kommt diese "Reitweise" aus der Arbeitsreitweise in der große Strecken auf dem Pferd absolviert wurden. Wenn man schonmal 12 Stunden auf dem Pferd saß, weiß man warum man da "selbst" nicht ständig beim Pferd ist. Wenn dann ein Impuls folgte erwartete man Zeitnah eine Reaktion vom Pferd. Für die heutige Platzarbeit völlig banal. Wir verlangen im Entefekt das unser Pferd 100 Prozentig bei uns ist, geben ihm aber nur in 20 Prozent Rückmeldung? Die restlichen 80 prozent läuft er einfach lustig munter weiter… also quasi hängt das Pferd die gesamte Zeit in einem Luftleeren Raum um dann besser gestern als heute auf einen "Impuls" zu reagieren.

    In der heutigen "Impulsreitweise" sollte man sein Pferd also trotzdem einen gewissen Rahmen geben, aus Nettigkeit… damit meine ich nun nicht Beine ran drücken und fertig, sondern dem Pferd einfach mitteilen das man präsent ist. Folgt dann ein Impuls (z.B. das Wadenanspannen) wird das Pferd nicht überrumpelt. Im übrigen frage ich mich gerade wie du reitest, wenn du das Pferd nicht in einem gewissen Rahmen festhälst… deine Beine dürfen dann ja quasi nur wären des Impuls geben das Pferd berühren…das stelle ich mir doch ziemlich anstrengend vor.

    Um aber nochmal auf das eigentliche Thema zurück zu kommen. Anlehnung erfolgt wie oben geschrieben nicht durch Zügel annehmen sondern ist etwas "natürliches" vom richtigen Reiten. Wenn ich ein Pferd ordentlich von hinten nach vorne reite quasi… also auch Ziel bei jedem Westernpferd.

    Im übrigen komme ich ebenfalls aus der Westernszene und habe das auch so gelernt. Ich würde das bei deiner Reitlehrerin nochmal hinterfragen. Ich glaube die Problematik liegt hier echt an der Definition jedes einzelnen. Es ist ein Mythos das man dafür immer einen "anstehenden" Zügel benötigt. Ich kann ein Pferd auch ohne alles in Anlehnung reiten.

    Liebe Grüße
    Vanessa

    • Petra sagt:

      Liebe Vanessa, das stimmt – einen gewissen Rahmen kann ich nicht verneinen. Ich gebe sogar hiermit offen zu, dass der manchmal zu aktive Schenkel eine meiner Dauerbaustellen ist. Nicht, weil ich treiben will, sondern weil ich an meinen lockeren Beinen arbeiten muss *seufz* Aber ich schweife ab… Was mich gestört hat ist nicht der Rahmen, den ich als Reiter dadurch biete, dass ich oben drauf sitze und versuche ruhig und gelassen und gefühlvoll und unabhängig zu sitzen (was für eine Aufgabe 😉 ), sondern der aus meiner Sicht zu feste Rahmen, der von mir verlangt wurde, durch im Takt treibende Hilfen und einen festen Zügel, der sich für mich wie Zerren angefühlt hat. Aber wie Du auch geschrieben hast, war es ein Erfahrungsbericht und ich wollte euch teilhaben lassen, um zu wissen, ob das wirklich so sein soll und so gedacht ist. Deswegen freue ich mich sehr über Kommentare wie Deinen, die anders ( und besser?) als die Reitlehrerin erklären, wie sie sich Anlehnung im Englischen vorstellen. Im Western läuft auch einiges schief, da hast Du Recht. Das muss ich im Artikel noch ergänzen. Ich war so auf meine Erfahrungsberichtsituation fixiert, dass ich nicht daran gedacht habe. Kommt noch 🙂 Liebe Grüße auf jeden Fall und bis bald, Petra

  6. Anna sagt:

    Bei mir war es das selbe… Bin eigentlich auch Westernreiter, nur in den Reiterferien reite ich Englisch. Udnd ich hatte GENAU das selbe Gefühl. Außer, dass bei mir nichts aufploppen konnte, weil alle Schulpferde mit Ausbindern laufen.
    Auch der Gedanke mit dem Dauertreiben kam bei mir schon oft…
    Aber es gibt ja auch genug Englischreiter, die ihr Pferd so reiten, dass sie am Halsring oder ähnlichem Versammlung und Selbsthaltung gezeigt werden kann. Ich denke also nicht, dass sich deine und meine Erlebnisse auf die komplette Reitweise übertragen lassen, ich bin lediglich der Meinung, dass Menschen wie wir mal eine wirklich gute Reitstunde bräuchten, wo es einem RICHTIG erklärt wird. 🙂
    Denn eigentlich ist ja das Ziel jeder Reitweise ein Pferd, dass in Selbsthaltung über den Rücken läuft und den Reiter gesund trägt, egal ob Englisch oder Western. 😉

    • Petra sagt:

      Wahrscheinlich ist es so, dass in Reitstunden auch viel Falsches erklärt wird. Deswegen hat mich auch Eure Meinung interessiert und ich habe den Erfahrungsbericht veröffentlicht. Ich wollte wissen, ob das wirklich so gedacht ist. Bei einem guten Reitlehrer würde ich den Versuch gerne nochmal wagen – nur wo finden? 🙂 Und Deinen Schlusssatz unterschreibe ich sowieso einmal dick und fett!! 🙂

  7. Akki sagt:

    Liebe Petra,

    danke für einen ausführlichen Erfahrungsbericht. Ich war früher auch Englischreiterin, habe mit meinem Pferd an Springturnieren teilgenommen (weil ich für Dressur einfach zu schlecht war) und war auch einigermaßen erfolgreich. Jetzt bin ich vor 2 Jahren mit meiner Stute zum Westernreiten gewechselt, bei einem sehr guten Trainer.

    Und siehe da: wenn man das Reiten "neu" lernt, erkennt man, dass es gar nicht so viele Unterschiede zwischen den Reitweisen gibt. Es gibt nur zu viele Fehlinterpretationen. Und meistens sind diese von Menschen, die selber nicht die besten Reiter sind, mit harter Hand und viel Druck einwirken und ihre Pferde damit unterwerfen. In meiner Erfahrung als Trainerin habe ich gesehen, dass häufig die großen Blüter (egal ob Vollblut oder Warmblut) sehr sensibel sind und schnell auf Druck reagieren. Daher sieht es meist so aus, als könnten diese Menschen, die viel Kraft aufwenden, wirklich gut reiten. Wenn diese sich auf ein Westernpferd (mit eigenem Kopf) setzen sind sie meist völlig verloren. Weil das Pferd sich nicht einfach unterwirft, sondern nachfragt.

    Heute reite ich anders. Ich glaube, es ist egal ob man vom Stil her Englisch oder Western reitet. Es ist die Einstellung, die zählt. Wenn ich meinem Pferd in der Ausbildung erkläre, welches Verhalten ich von ihm verlange, machen diese wunderbaren Tiere fast alles für uns. Da kann ich Anlehnung abfragen ohne Kraftaufwand, nur mit einem leichten Fingerzeig am Zügel. Ich kann das Halten der Lektion verlangen, ohne ständig den Schenkel einzusetzen.

    Das Ziel ist einfach: wir müssen unsere Reiter und unsere Pferde besser ausbilden. Nicht mehr und nicht weniger.

    Liebe Grüße, akki

    • Petra sagt:

      Liebe Akki, wie wahr "es ist die Einstellung die zählt", das trifft es auf den Punkt 🙂 Ich Danke Dir für diesen Satz. Darum geht es vermutlich immer und in jeder Reitweise. Vielleicht hätte ich das auch noch mehr verdeutlichen sollen. Mir geht es nicht um ein Bashing, sondern um eine Erfahrung, die Frage ob das die gewünschte Realität ist und wenn nein um eine Diskussion, wie das auszusehen hat und warum es dann leider oft anders unterrichtet wird. Ich bin ja kein Einzelfall. Egal ob Western oder Englisch. Ich hatte auch schon schlechten Western-Unterricht 😉 Willst Du nicht zu mir ziehen und mir Reitunterricht geben? 😉 Liebe Grüße, Petra

    • Melina sagt:

      Hallo Akki,

      du hast geschrieben: "Da kann ich Anlehnung abfragen ohne Kraftaufwand, nur mit einem leichten Fingerzeig am Zügel. Ich kann das Halten der Lektion verlangen, ohne ständig den Schenkel einzusetzen."

      Würdest du mir bitte kurz deine Vorgehensweise dabei erklären?

    • Petra sagt:

      Hallo liebe Melina, danke für deine Frage. Dann drücke ich mal fest die DAumen, dass Akki den Kommentar liest und du eine Antwort bekommst. Ganz liebe Grüße, Petra

  8. Andreas Werft www.reitcoach.eu sagt:

    Super geschrieben Petra! Leider stellen sich nur ganz wenige Menschen diese Fragen.
    Das Problem ist das es einfach von anderen Reitern so vorgemacht wird und leider sind unsere Berufsreiter mit dieser Art des reitens erfolgreich! Das ist dann für die meisten das ausschlaggebende Argument warum so geritten werden muss wie du es und viele andere auch erleben mussten oder müssen.
    Leider lassen sich ja auch viele "Ausbilder" von Reitern schulen die so reiten woher sollen die es dann wissen wie es besser geht?

    Ich wünschte mir das irgendwann, irgendwie diesen Teufelskreis sprengt und ein umdenken und eine Umschulung stattfindet.

    Es gibt ja einige die Weiterdenken aber es sind einfach zuwenig und wir werden nicht wirklich wahrgenommen.
    Die Gründung eines Verbandes oder Vereins ( europaweit aufgestellt) von Ausbildern die Pferdeschonenden Reitunterricht und Pferdeausbildung praktizieren könnte eine Lösung sein um sich eine Lobby zu schaffen!
    Das wäre mal meine Vision!

    • Petra sagt:

      Irgendwie beruhigt mich das, dass du als Reitlehrer und Experte, bestätigst, dass ich keinen Blödsinn verzapft habe. Und gleichzeitig beunruhigt es mich, dass das wohl so öfter unterrichtet wird. Bei einem Verein wäre ich sofort dabei! Wir brauchen so etwas, um das Leben der Pferde und die Pferdewelt endlich zu verändern! Ganz liebe Grüße, Petra

  9. Nadja sagt:

    Habe bei unterschiedlichen Reitlehrern genau die gleichen Erfahrungen gemacht wie du. Zwar sollte man ein System nicht über diejenigen beurteilen, die es falsch anwenden (was ich von Sophie gelernt habe :)), aber irgendwie sträubt sich schon etwas in mir, wenn schon die Terminologien einer Reitweise (mit Anlehnung, ans Gebiss reiten, Spannungsbogen aufbauen usw. )so kompliziert und vielschichtig sind, dass man sie nicht in wenigen Worten allgemeingültig zusammenfassen kann.

    • Petra sagt:

      Schlimm, dass Du die gleichen Erfahrungen machen musstest. Ich wünschte mir, dass ich nur ein Einzelfall war. Dieser Artikel wurde ja in vielen Foren heiß diskutiert. Es gab diejenigen, die meinten, dass ich das ganze System nicht kennen würde und deswegen nicht urteilen dürfe und es gab diejenigen, die mir sagten, dass ich wohl nur eine schlechte Lehrerin hatte und es gab diejenigen, die mir Recht gegeben haben oder ähnliche Erfahrungen gemacht hatten. Ich habe viel darüber nachgedacht und glaube, dass ein Grundproblem dahintersteckt, das reitweisenübergreifend ist. Ja, es war nur ein persönlicher Erfahrungsbericht… und ja: ich habe über etwas geschrieben, das ich noch nicht komplett verstehe. Aber leider gilt auch: Offenbar bin ich nicht die Einzige, der das so beigebracht wird. Auch im Western hatte ich einmal einen Lehrer, der mit Gummiausbindern gearbeitet hat. Anfangs habe ich es nicht hinterfragt, dann habe ich sofort aufgehört bei ihm Stunden zu nehmen, weil ich es für falsch halte diese Dinger zu benutzen. Oder eine Lehrerin, die mir beibringen wollte ruckhaft (sie nannte es impulsgebend) am Zügel zu ziehen, um das Pferd zu versammeln. Heute weiß ich: So geht der Kopf runter, aber mit Versammlung hat das nichts zu tun. Ich glaube dahinter steckt oft mangelndes Wissen und der Wunsch möglichst einfach und schnell zu einem tollen Ergebnis zu kommen, nicht an sich arbeiten zu müssen und das Pferd irgendwie auch nicht in seiner Ganzheit zu betrachten. Wenn Du weißt, was ich meine. Dann wird gezurrt, weil es alle machen oder weil die Optik dann stimmt. Mit respektvollem Miteinander hat das wenig zu tun aus meiner Sicht. Egal in welcher Reitweise. Das muss sich ändern und wieder die Menschen mehr werden, die sich mit ihrem Pferd auseinandersetzen, lernen wollen, an sich arbeiten wollen und versuchen ohne Hilfsmittel zu einem für das Pferd angenehmen und gesunden Ergebnis zu kommen. Das würde ich mir wünschen 🙂 Okay, jetzt ist eine Abhandlung draus geworden 😉 Du weißt sicher, was ich meine. Liebe Grüße, Petra

  10. Andrea sagt:

    Also ich glaube, dass du im Englisch reiten einfach eine schlechte Reitlehrerin erwischt heißt. Anlehnung heißt schließlich nur, das du einen weichen (!) Kontakt zum Pferdemaul hast und nicht zerren sollst. Annehmen und Nachgeben bis das Pferd den Hals fallen lässt. Dann solltest du eigentlich nichts mehr in der Hand haben und überwiegend mit Schenkel- und Gewichtshilfen reiten. :O

    Ganz ehrlich ich kenne beide Reitweisen. Western und Englisch auch wenn ich meine eignen Pferde englisch reite… aber Anlehnung habe ich auch im Western gelernt. Schließlich gehts dabei wie gesagt um die weiche Verbindung zum Pferdemaul. Man muss halt einfach präsent sein… aber weich. Hm… kannst nicht besser erklären 😀 Aber deine Erfahrungen habe ich in deutschen Reitschulen auch gemacht. Es ist nicht klassisch reiten im eigentlichen Sinne, sondern echt perverser Müll den man begebracht bekommt und den man ablehnen sollte. Aber es ist auch kein Beispiel für das gute englische reiten. Tut mir ehrlich gesagt leid, dass du so eine Erfahrung gemacht hast. Klar ist die Zügelführung im Western noch lockerer, aber im Englischen sollte sie auch nicht ‘hart’ sein. Um sonst ist das Reitziel eben nicht ‘nichts in der Hand zu haben’. Auch hier soll sich das Pferd in der Anlehnung (v/a) selbst tragen und nicht festgehalten, runter geriegelt oder gezerrt werden. 😉

    LG

    • Petra sagt:

      Hi Andrea, nach all den spannenden Kommentaren zu meinem Artikel, denke ich auch, dass die Reitstunde nicht wirklich die englische Reitweise widerspiegelt. Ich kenne Western mit dem lockeren Zügel. Nur in der Ausbildung wird mit Anlehnung gearbeitet bzw. bei der Gymnastizierung natürlich. Aber auch da wird einem ja Zitat "perverser Müll" beigebracht. Von wegen Impulsgebende Hilfen zur Versammlung, die dann oft in ein spontanes Rupfen ausarten. Auch das mochte ich nicht. Ich wünsche mir auf jeden Fall irgendwann diesen Punkt zu erreichen, den Du beschreibst – dass man "nichts in der Hand hat". Mein Wunsch wäre, egal in welcher Reitweise, so lange an mir zu arbeiten bis ich hoffentlich an den Punkt komme, das Pferd möglichst gar nicht mehr zu stören, während ich da oben sitze und dann mit zarten Hilfen zu kommunizieren. Drück mir die Daumen 😉 Das wird ein laaaaanger Weg.. Liebe Grüße, Petra

  11. denise sagt:

    Puh hier gehts um :-D.

    @Petra ja genau das weiß ich eben nicht…..das Pferd wird es gewohnt sein und sich daher schwer tun und vl. auch nicht genau wissen was ich nun von ihm will.

    Allerdings muss ich sagen ich verstehe das mit den gebenden Hilfen noch nicht ganz diese Anlehnung und das ganze mach ich wahrscheinlich auch nicht ganz richtig…..aber ich habe bald eine neue Reitlehrerin mal sehen was die so sagt. Ich finde man kann sich immer belehren lassen ma is ja nie perfekt 😉

    Christina jaaa genau das meine ich….ich bin seit September Jungpferdebesitzerin und habe da auch das erste Mal den Tölt versucht…..daher noch nicht viel Erfahrung damit auch mit den richtigen Hilfen hab ich so meine Probleme und ich hoffe der Reitlehrer wechsel hilft mir dabei das besser zu lernen. Reite seit ich 10 Jahre bin aber immer nur freizeitmäßig habe nie Unterricht genommen und fange jetzt an richtig zu lernen ……alles viel auf einmal. Vielen Dank für deinen Kommentar.

    @Sissi dann habe ich jetzt wohl ein neues Ziel vielen Dank sehr schön gesagt ich hab da wohl noch einiges zum nachholen. 🙂 reiten und reiten da gibts eben doch sehr rießige Unterschiede bzw. ist reiten nicht immer gleich gut reiten :-D.

  12. Petra sagt:

    Huhu Petra,

    das war keine Anlehung, was Du da erfahren hast.
    Bei einer richtigen Anlehnung hast Du nur noch das Gewicht einer Feder in der Hand und das Pferd trägt sich selbst erhaben und gelassen.

    Dazu muss das Pferd entsprechend ausgebildet sein und der Reiter auch und in der Balance sitzen und in jeder Gangart seine Hände komplett kontrollieren können.

    Es ist einer der schönsten Momente überhaupt, wenn das Pferd sich "anlehnt" – anlehnt an Deine feine Führung. Es ist der Moment, wo es sich Deiner Führung komplett anvertraut und im Vertrauen loslässt. Dann seid ihr eins und dann kannst Du das Pferd fast nur noch mit Deinen Gedanken lenken …

    Wenn man noch nicht richtig gut reiten kann, erwischt man diese Momente leider immer nur kurz, weil das Pferd aus dem Vertrauen wieder rausgeht, wenn die Hilfestellungen dann doch nicht richtig stimmen oder man nicht in der Balance sitzt und das Pferd stört und so weiter. Dann sieht der Rest der Stunde leider genauso aus wie du es beschrieben hast.

    Es ist ein langer Weg bis zu einer richtigen, federleichten Anlehnung … und tja, das ist wirklich die Frage, ob man das dem Pferden antun will. Aber Reiten lernt man ja (leider) nur durch Reiten 😉 Vielleicht ist da das Westernreiten schonender, keiner Ahung …

    Viele liebe Grüße
    Petra

    • Petra sagt:

      Huhu Petra, so klingt Anlehnung auch deutlich schöner 🙂 Ein bisschen hadere ich ja immer noch mit diesem "Kontakt"-Thema. Denn ich frage mich: Wie viele bekommen das wirklich soooo fein hin, dass sie das Pferd nicht stören. diese berühmte Federleichte Führung.. Und Du weißt ja, dass ich grundsätzlich mit dem Thema Gebiss hadere. Wenn ich mir dann vorstelle, dass permanent ein leichter (wenn auch hauchzarter) Druck am Maul ist, kann ich mir nicht vorstellen, dass sich das gut anfühlt. Aber das sind einfach immer die Fragen, die in meinem Kopf aufploppen. Nach all den netten und kritischen Kommentaren auf meinen Erfahrungsbericht, weiß ich aber zumindest, dass die Art, wie man mir Anlehnung erklärt hat und dort praktiziert hat, nicht wirklich klassisch Englisch ist, so wie es sein sollte 🙂 tragisch nur, dass ich kein Einzelfall bin. Denn auch das wurde mir oft bestätigt. Da muss sich etwas ändern. Und fairerweise auch im Western, da könnte ich auch mal den Finger in die Wunde legen. Da predigen nämlich Lehrer immer wieder Laut die "Versammlung", was oft nichts anderes heißt, wie ein ruckartiger Impuls am Zügel… Das ist fast genauso fies, wenn nicht fieser, weil der Zügel vorher ja so schön locker durchhängt. Auch das sorgt am Ende für Pferde, die innerlich aufgeben… Vermutlich ist es egal in welcher Reitweise, es muss einfach immer und immer wieder um feine Hilfen, gutes Reiterliches Können und möglichst wenig Druck / Zug am Pferde gehen. Kein einfacher Weg, aber wert ihn zu gehen 🙂 Viele liebe Grüße zurück, Petra

  13. Petra sagt:

    … noch was hinterher, nicht, dass ich falsch verstanden werde.

    Also ich denke, die Anlehnung ist ein hehres und richtiges und pferdegerechtes Ziel, wenn die Ausbildung dorthin bei Pferd und Reiter richtig und mit Pferdeverstand aufgebaut wird. Anlehnung ist doch auch ein wunderschönes Wort. Jemand lehnt sich freiwillig und vertrauensvoll an mich an.

    Aber das sieht man ja überall in den Reitställen, dass es leider nicht so ist, falsch vermittelt wird und in eine Quälerei ausartet. Wie Du es oben ja schön-schaurig beschrieben hast 😉

    Das Pferd muss ja auch die richtige Tragkraft und Muskulatur und Geschmeidigkeit entwickeln, damit es sich so tragen kann, dass es die Anlehnung vertrauensvoll annehmen kann.

    nochmals viele liebe Grüße
    & es ist so toll, dass Du Deine Fragen und Erfahrungen mit der Welt teilst 😉
    Mit "Anlehnung" an Dein Bauchgefühl bist Du auf dem richtigen Weg 😉

  14. Petra sagt:

    … oh, das wusste ich nicht, dass beim Westernreiten für die "Versammlung" am Zügel geruckt wird. Ja, das ist richtig fies, weil er vorher locker durchhängt. Hab nur immer so Horrorstories gehört, dass die Pferde voll Speed gegen die Wand geritten werden und so.

    Naja, ich hab das jedenfalls oft beim Englischreiten gesagt bekommen, dass ich die Zügel kürzer fassen soll, weil es dem Pferd eher weh tut, wenn er durchhängt und ich Impulse gebe. Und weil es eine für das Pferd verlässliche Verbindung sein soll.

    Es hat sich für mich sehr oft sehr falsch angefühlt, manchmal (bei anderen Lehrern und bei einem guten inneren Draht zum Pferd und zu mir selbst in der Reitstunde) aber auch sehr gut, eben nach einer Verbindung und nach Kommunikation, vor allem, wenn das Pferd dann wirklich auf einer Seite nachgegeben hat, wenn man nur ganz zart nachgibt.

    Ich kann halt nur leider nicht so gut reiten, dass ich das je auf eine höhere Stufe hätte bringen können.

    Manche gebisslose Reitweisen sind aber auch nicht wirklich "nett", oder? Manchmal ist der Druck auf der Nase ja schon auch heftig. Wobei es da immer heißt, dass das die Pferde "hight" macht, weil hier die Nervenenden sind. Die Nasenbremse ist doch auch irre, oder? Da wird die Oberlippe gequetscht und das reduziert die Schmerzempfindlichkeit. WAs hat die Natur sich nur dabei gedacht 😉

    Übrigens hat meine Freundin Christiane, von der ich Dir häufiger erzählt hat, einen Tierarzt, der ohne Nasenbremse die Zähne macht. Die Pferde stehen total relaxt da und lassen sich die Zähne raspeln. Einfach wegen der Ausstrahlung von diesem Typen.

    Und wenn man manche youtube-videos sieht von kleinen Mädchen, die ohne sattel und zaumzeug auf ihrem Pferdchen durch den wald fetzen und über Baumstämme springen, dann gehts hier auch nur noch um Vertrauen, innere Verbindung und Leadership aus dem Bauch raus fernab aller technischen und theoretischen Fragen …

    Ganz viele liebe Grüße
    Petra

  15. Millie sagt:

    Hallo Petra!

    Ich habe elf Jahre die selbe Erfahrung gemacht.
    Ich hatte für ein Jahr eine Reitbeteiligung. Das Pferd gehörte der Reitlehrerin des Hofes, und so musste ich mehr oder weniger schon Reitunterricht nehmen. Das Pferd war steif, ängstlich und unwillig. Als meine Reitlehrerin auf das Pferd stieg, um mir zu zeigen, wie man "richtig" in die Anlehnung reitet, war ich geschockt: Sie ritt das Pferd in kleinen Volten, zog den inneren Zügel weit nach innen und zog das Pferdemaul von links nach rechts (das nennen wir hier Riegeln). Da ich, um das Pferd zu behalten, genau das tun musste, gab ich es auf. Nach einem halben Jahr wurde das Pferd verkauft, und da stellte sich heraus, dass das Pferd so etwas wie Skoliose hatte, da muss man sich mal vorstellen, wie viel Kraft nötig war, um das Pferd in die "Anlehnung" zu zwingen.
    Schon da hatte ich darüber nachgedacht, "umzusatteln". Aber bei uns ist das Westernreiten nicht wirklich vertreten und es war unmöglich, einen Reitlehrer mit Schulpferden zu finden.
    Also suchte ich mir eine neue Reitlehrerin. Die ersten Wochen durfte ich nichts mit den Zügeln machen und nach einem ganzen Stück Arbeit ging das Pferd ohne großen Zügelkontakt in der Anlehnung.
    Also geht es auch anders, was mir sehr gefreut hat!

    Grüße, Melina

    • Petra sagt:

      Hallo Millie, das Wort "riegeln" kannte ich noch gar nicht und ich bin sehr froh, dass ich es bislang auch noch nicht kennengelernt habe. Wie schrecklich! Ich frage mich ja, ob wir so schicke Worte für solche Praktiken finden, weil wir uns dann nicht mehr wie Tierquäler fühlen müssen, wenn wir sie nutzen. Rollkur zum Beispiel, Hilfszügel oder Sperrriemen und jetzt reiht sich Riegeln da auch noch ein. Diese Wörter bedeuten Schmerz, Qual, verspannte Muskeln, zugesperrtes Maul, Atemnot oder Gewalt – und wir nennen sie dann Rollkur und und und… Ich glaube übrigens mittlerweile auch, dass das Westernreiten nicht die Lösung ist, sondern guter Reitunterricht, Reitlehrer die genau wissen was sie tun und viel Achtsamkeit bei allem was wir tun – egal in welcher Reitweise. Wahrscheinlich hatte ich Pech mit meiner Reitlehrerin. Wobei ich immer noch mit den Impulsgebenden Hilfen mehr anfangen kann als mit den treibenden Hilfen. Es erscheint mir einfach logischer 🙂 Unabhängig von Englisch oder Western 🙂 Alles Liebe und danke für Deine Geschichte, Petra

    • Petra sagt:

      Liebe Geri, wie lieb, danke Dir! Das gleiche wünsche ich mir auch. Liebe Grüsse, Petra

  16. Gisela Fritz sagt:

    Hallo Petra, ich bin durch die Verkaufsanzeige von Herrn Freyr auf Deine Webseite gestoßen und arbeite mich da allmählich durch. Ich finde es schön, wie Du Deine Erfahrungen beschreibst und Deine Meinungen begründest.
    Auch ich habe als Jugendliche in einem "normalen" Reitstall (damals noch mit Ständerhaltung) das erste Reiten gelernt – und es aufgegeben, als ich in einer Reitstunde das an diesem Tag sehr faule und triebige Pferd laut Anweisung des Reitlehrers ordentlich mit der Gerte traktieren mußte. 🙁 Anschließend habe ich erfahren, dass das Pferd am Vormittag beim Hufschmied gewesen war und dafür sediert worden war. D.h. man hatte mich auf ein immer noch halbsediertes Pferd gesetzt! Ich war leider damals noch zu jung, um meinem Gefühl "ich quäle ein Pferd und das will ich nicht" zu folgen und einfach abzusteigen und die Reitstunde sausen zu lassen.
    Aber der Pferdevirus hat mich nicht losgelassen. Über mein zweites eigenes Pferd, ein sog. Problempferd, habe ich unendlich viel gelernt an Horsemanship und Pferdeflüstern und Zuhören. Mein drittes Pferd, einen Haflinger, habe ich jetzt seit 14 Jahren, bin mit ihm zuerst western geritten und habe ihn dann auf Dressur umgestellt. (Es gab keine Möglichkeit mehr zum Westernunterricht, und da dachte ich: Lieber "englisch" mit Unterricht als western ohne Unterricht und immer mehr Fehler, die sich einschleichen…) Jetzt reite ich ihn aufgrund seines Alters und meines Nachwuchspferdes nur noch ein bis zweimal die Woche, die anderen Tage geht er ihm Kinderreitunterricht. Er hasst permanente Anlehnung durch Handeinwirkung, dann lahmt er. Und wenn ihm was zu anstrengend wird, streckt er die Zunge raus. (Sperrriemen gibts bei mir schon seit Ewigkeiten nicht mehr). Dann weiß der Reiter spätestens, dass er was ändern muss.
    Mein neues Pferd ist einIsländer, mit dem ich seit 6 Monaten zusammen bin und mit dem ich auf eine feine und harmonische Zukunft hin arbeite. An Turnieren hab ich eh keinen Spaß mehr. Mit dem Hafi hab ich einige Western-Turniere mitgemacht, aber auch da gab’s mir dann zuviel Leute und PFerde, die nur im Stress waren und bei denen der Spaß am gemeinsamen Abenteuer auf der Strecke blieb. Und nur das zu sehen und irgendwie dabei zu sein, fand ich blöd.
    Außerdem bin ich seit etlichen Jahren schwerbehindert und mit zunehmendem Alter einfach nicht mehr so belastbar. Und das schöne, feine, harmonische Reiten und die Verbindung mit dem Pferd in gegenseitigem Einvernehmen ist mir im Laufe der Zeit immer wichtiger geworden. Aufgrund meiner Behinderung ist Reiten ohne Sattel leider nicht möglich, aber ein Traum. Mit meinem Isi übe ich konsequent eine feine Zügelführung. Bei meinem Hafi übe ich die auch, aber aufgrund seines Temperaments, seines riesigen Halses und seiner Vorhandlastigkeit ist es da ungleich schwerer hinzukriegen.
    In unserem Reitstall wird traditionell englisch geritten (ich bin Exot), aber unsere "Chefin" ist sehr offen und tolerant anderen gegenüber, "Hauptsache, sie haben ihr Pferd lieb". Wir wissen alle, dass wir jeden Tag dazulernen können und müssen und dass es gutes und schlechtes Reiten in jeder Reitweise gibt.
    Liebe Grüße an alle, die daran glauben und darauf hinarbeiten wollen, dass ihr Pferd es toll findet, von ihnen geritten zu werden!
    Gisi

    • Petra sagt:

      Liebe Gisi, vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich kann so mitfühlen mit jedem Deiner Worte und ich freue mich sehr, dass Dir die Pferdeflüsterei gefällt.
      Es ist so schade, dass so viele diese schlechten Reiterfahrungen machen müssen, die Du und ich auch als Jugendliche gemacht haben. Eine zeitlang habe ich immer wieder bereut, dass es für mich damals auch keine andere Möglichkeit gab, als aufzuhören. Ich konnte Pferde nicht so behandeln, wie es im Unterricht von mir verlangt wurde. Aber mittlerweile denke ich, dass es etwas Gutes hatte, dass ich es nicht "durchgezogen" habe. Jetzt als Erwachsene und dank des Internets hatte ich ganz andere Möglichkeiten nach neuen Wegen zu suchen. Bei meinem Neustart. Man hinterfragt die Dinge anders und sagt schneller "Nein", als als Kind. So kommt man schneller auf andere Wege. Ich hatte auch das Glück anfangs auf einen Westerntrainer zu stossen, der seine Privatpferde für den Unterricht nimmt, sie leben im Offenstall und gehen nicht mehr als 2 Schulstunden pro Tag an 4 Tagen pro Woche. Auch da gab es Ausbinder und "Funktionieren müssen"-Sätze. Aber immerhin war es ein Einstieg, der mich nicht gleich vergrault hat. Trotzdem wollte ich mehr und habe Gott sei Dank Sabine gefunden. Freyrs Ausbilderin, die mit viel Liebe, Geduld und dem Fokus auf Kommunikation mit den Pferden arbeitet. Und ich habe tolle Trainer wie Alfonso Aguilar, Quantum Savvy oder Kenzie Dysli entdeckt. Kennst Du sie schon?

      Gerade habe ich in Neuseeland wieder das Reiten ohne Sattel getestet. Es ist wirklich schön, aber vielleicht tröstet es Dich ja, dass viele Experten zu viel und zu lange Reiten ohne Sattel kritisieren. Denn das ist nicht perfekt für den Pferderücken. Kurze Trainingsrunden sind okay, aber langes Ausreiten ist ohnehin nicht gut für das Pferd. Vielleicht ist ja dann auch ein Baumloser Sattel eine Art "Ersatz" für Dich? Nur so ein Gedanke… 🙂

      Was Du schreibst klingt toll. Ich habe das Gefühl, beim Lesen, dass Du Deinen Weg schon gefunden hast und Deine Pferde es Dir danken. Ich finde persönlich, dass Sperrriemen und Ausbinder genauso No Go’s sind wie Boxenhaltung oder Rollkur. Auch wenn mich manche dafür vielleicht "steinigen" würden. Ich kann es nicht verstehen. Das hat so etwas von "Wenn mein Pferd nicht so will, wie ich, wird es eben reingezwungen". Ich verstehe zum Beispiel nicht, wozu ein Sperriemen dienen soll. Wenn das Pferd offenbar so unzufrieden ist, dass es sein Maul aufsperrt oder die Zunge rausstreckt, dann muss man doch das darumherum überprüfen und überdenken, anstatt es einfach zuzuschnüren. Ich finde toll, dass Du das anders machst 🙂 Wie alt ist Dein Isi denn? Und den Satz Deiner "Stallchefin" finde ich ganz wunderbar. Wenn doch nur alle so denken würden. Ich freue mich auf Dich hier und schicke Dir und Deinen Pferden ganz liebe Grüße, Petra

  17. Gisela Fritz sagt:

    Hallo Petra,
    danke für Deine ausführliche Antwort!
    Ich hatte das Glück, mit meinem Problempferd Janosch in den 1990er Jahren Herrn Marlie in Klingberg kennenzulernen. Er hat bei mir den Quantensprung ausgelöst. Bei ihm hab ich zum ersten Mal den Sperrriemen und dann ein paar Tage später auch das Reithalfter abgeschnallt. Und dann gelernt, die Zügel auch mal loszulassen und die Beine und….
    Von den anderen von Dir angesprochenen Trainern "kenne" ich keinen persönlich, aber Alfonso Aguilar und Kenzie Dyslie sind mir natürlich ein Begriff (und auch Kenzies Vater).
    Ja, ich weiß auch, dass das Reiten ohne Sattel nicht unbedingt "gesund" für das Pferd ist. Aber ich bewundere immer die Kinder und Erwachsenen, die das einfach so können und mal einfach so machen. Einfach mal drauf und ein paar Minuten reiten…
    Meinen Hafi reite ich inzwischen mit einem Prestige Trekker Wanderreitsattel, für meinen bald 9jährigen Isi habe ich mir einen Barocksattel gekauft. Ich brauche wegen meiner Behinderung einen Sattel entweder mit Horn wie die Westernsättel oder mit einer hohen Galerie vorne, da ich bei Gleichgewichtsproblemen immer nach vorne kippe und bei flachen Sätteln dauernd das Gefühl habe, vorne runterzufallen.
    Mein Hafi war letztes Jahr lange lahm, ich dachte schon, ich müßte ihn in Rente schicken. Durch das Spielen mit dem neuen Isländer (der war frisch kastriert und durfte noch nicht zu den anderen Pferden aufs Paddock) hat sich seine Kondition aber so gebessert, dass er wieder fit ist. Ich setze ihn jetzt im Kinderreitunterricht ein – da kriegt er Ausbinder eingeschnallt -. Unsere Schulponies sind überwiegend schon älter und trotzdem noch gesund, weil die Ausbinder schon helfen, dass sie den Rücken nicht hängen lassen. Aber den Sperrriemen lasse ich immer noch weg, auch wenn er dann manchmal die Zunge rausstreckt. Ich glaube, er hat diese Art Zügellahmheit, bei der es zwischen Zunge/Kiefer und Bein eine Verbindung gibt – genaues weiß ich nicht darüber.
    Jedenfalls wenn er gerade mal wieder mit der Zunge "nörgelt", weiß der Reiter, dass er jetzt etwas anders machen muss. Insofern finde ich das gar nicht schlimm.
    Wenn Du mehr über mich und meine Pferde lesen und sehen möchtest, suche einfach mal nach "die-kunterbunte-pferdetruppe.de" und klicke dann auf die Seiten von Benni und Háfeti. Ich glaube, auch die anderen Leute von der kunterbunten Pferdetruppe, allen voran unsere Freundin und Ausbilderin Ebba, sind Menschen und Pferdeleute nach Deinem Geschmack.
    Liebe Grüße,
    Gisi

    • Petra sagt:

      Liebe Gisi, Herrn Marli kenne ich noch nicht. Das wird dann meine nächste Google-Recherche. Ich bin immer auf der Suche nach inspirierenden Trainern 🙂
      Ich mag das Reiten ohne Sattel, ich kann verstehen, dass Dir das gefällt. Ich tue es auch hin- und wieder. Es fühlt sich so direkt und frei an. Du hast einen Trekker Sattel? Von der Marke habe ich bislang nur Gutes gehört. Demnächst steht ja auch der Sattelkauf bei mir an. Ich tendiere zu einem Fieberglasbaum, mir ist Hidalgo sehr empfohlen worden. Mal sehen 🙂 Es gibt ja für jedes Problem die passende Lösung, und es ist toll, wenn Du trotz Behinderung reiten kannst, weil Du den passenden Sattel dafür hast. Danke für Deinen Link, da werde ich auch gleich vorbeisurfen. Das klingt toll. Wo genau seid ihr denn? Also in welchem Bundesland? Ganz liebe Grüße, Petra

  18. Linda sagt:

    Hey!

    Ja, ich bin auch sehr berührt von deinem Bericht. Und jedes einzelne Wort konnte ich so gut nachvollziehen. Ich beschäftige mich seit mehr als 10 Jahren mit Parelli Natural Horsemanship und bin vor allem so begeistert davon, weil es reitweisenübergreifend ist, weil man lernt, was grundlegend wichtig ist für eine gesunde Partnerschaft mit dem Pferd und vor allem in welcher Reihenfolge das erlernt werden sollte: erst face to face am Boden, mit Seil, ohne Seil, auf dem Rücken, ohne Anlehnung (zügelunabhängig), mit feiner(!!) Anlehnung und letztendlich ALLES OHNE ALLES!

    Vor ein paar Jahren musste ich dann für eine Weiterbildung das Deutsche Reitabzeichen der FN absolvieren. ICH? In eine normale englische Reitschule? Mit ziehen, zerren und treten? Ja. Und es war genauso wie du es beschrieben hast. NICHTS habe ich verstanden. KEIN EINZIGER REITLEHRER konnte in sich stimmig vermitteln wie die klassische Reitweise pferdegerecht umgesetzt werden kann. Ich habe nur gefühlt: Das ist falsch!

    Aber dafür gibt es ja Bücher und ich habe viiieel gelesen und bin mir nun sicher: Die meinen alle so ziemlich das gleiche. Und was in den Büchern geschrieben steht macht auch (fast) alles Sinn. Aber die Umsetzung ist einfach nicht korrekt. Sie erzählen viel und handeln nicht danach. (Und ich hab es in den edelsten Stellen noch nicht korrekt gesehen!)

    Sie zäumen insbesondere für Reitanfänger im wahrsten Sinne des Wortes das Pferd von hinten auf.
    Darüber könnte man tatsächlich Romane schreiben, was in der Umsetzung alles schief läuft. Da kann man nur sagen: Sie meinen es nur gut, kriegen es aber einfach nicht so hin, wie sie es lehren oder gelehrt bekamen!

    Naja, das Abzeichen habe ich in der Tasche, inzwischen auch das Fahrabzeichen (glaube mir, da geht es noch um einiges rauher zu!!!) und ich bin jetzt um einiges schlauer!
    So wie du schreibst: Das Pferd bleibt in allen Reitweisen Pferd, das Zusammensein mit dem Pferd sollte harmonisch, beidseitig gesundheitsfördernd und fair sein, lediglich die Anforderungen unterscheiden sich.
    Wir Freizeitreiter können davon nur profitieren und entsprechend flexibel und ich sag mal ‘kreativ’ handeln, weil wir uns nicht so starr in eine Richtung bewegen.

    Ich wünsche dir alles Liebe für deine pferdige Zukunft!

    • Petra sagt:

      Hey Linda, da hast Du wirklich etwas auf den Punkt gebracht. Es ist nicht so, dass im Western alles toll ist und im Englischen schlecht oder umgekehrt. Es ist so, dass zu viele Reitlehrer da draussen und zu viele Trainer nicht korrekt genug das lehren, was man eigentlich lernen müsste. Im Western zum Beispiel wird ja mittlerweile auch ganz viel gezogen und gezerrt und gerupft. Oder der Kopf hängt schon am Boden. Alles andere ist egal. Das ist ja auch so falsch. Und wenn man dann in die Bücher sieht und versucht nachzuvollziehen worum es ging, stellt man fest, dass das eigentlich ganz sinnvoll und logisch ist mit dem Vorwärts-abwärts oder der Dehnungshaltung oder der korrekten feinen Anlehnung – dann wenn es wirklich richtig passiert und nicht einfach nur gezerrt und erzwungen wird. Darüber könnte ich jetzt wirklich zusammen mit Dir den nächsten Roman schreiben. Hoffentlich ändert sich bald was, das ist das Fazit, das man daraus ziehen kann. Mehr Pferd, weniger Ehrgeiz. Mehr Zeit, weniger Erfolgsorientiertes Reiten. Das wäre doch keine schlechte Richtung, oder? Danke für Deinen Kommentar und Alles Liebe, Petra

  19. Martin sagt:

    Liebe Petra,

    ich kann mich nur meinen Vorrednern und Vorrednerinnen anschließen: Erst einmal Danke, dass Du Deine Erfahrungen so frei und ungeschminkt mit uns geteilt hast. Und Deine Wahrnehmung ist richtig: Anlehnung kann nichts mit einem "heftigen Anziehen des Zügels" zu tun haben.
    Ich habe erfreulicherweise einen sehr guten Trainer, der genau auf die Punkte wert legt, die Dir auch so wichtig sind: Mit den Zügeln nur minimal arbeiten, der Rest über die Gewichts- und Schenkelhilfe. Tatsächlich ist das Ziehen grundfalsch; das Pferd sucht sich bei der "korrekten Anlehnung" aus sich selbst heraus genau die Spannung am Zügel, die es braucht, und diese Verbindung muss der Reiter elastisch (!) halten. Und das ist wirklich nur ganz wenig. Mit dem gewalttätigen Anziehen des Pferdekopfs zum Reiter (-> das geht ja schon in Richtung "Rollkuhr"?) hat das gar nichts zu tun.
    Mir wurde beigebracht, das Pferd in seiner natürlichen Bewegung so wenig wie möglich zu stören und dies durch meine eigene Körperbalance zu erreichen (was wieder in Richtung des Ideals geht, dass Du ja auch suchst). Wenn ich die Erfahrungen in beiden Reitweisen nun vergleiche, komme ich zu dem Schluss, dass die grundlegenden Elemente (Balance, das Pferd nicht zu behindern oder zu stören, Reiten fast nur mit Gewichtshilfen) bei beiden Formen des Reitens (Englisch / Western) im Ideal sehr ähnlich sind. Es steht und fällt letztlich mit der Qualität des Reitlehrers oder der Reitlehrerin.
    Für mich selbst steht noch aus, das Westernreiten zu probieren. Da freue ich mich schon drauf… 🙂

    • Petra sagt:

      Lieber Martin, da sagst genau das richtige. Ich denke mittlerweile, dass es egal ist um welche Reitweise es geht. Ich hatte offensichtlich keine gute Reitlehrerin. Ich hatte übrigens auch schon Westerntrainer, die mich vorne halten und hinten treiben ließen. Auch da gibt es viele schlechte Trainer. Das sollte ich vermutlich mal in dem Artikel klarstellen. Aber unterm Strich bleibt leider, dass genauso viele Reitstunden ablaufen und Menschen lernen etwas Falsches als das Richtige zu betrachten. Und das muss sich ändern. Du scheinst einen wunderbaren Reitlehrer zu haben. Solltest du Western mal ausprobieren, dann schreib mir unbedingt hier in einem Kommentar, wie du es empfunden hast 🙂 Ganz liebe Grüße, Petra

    • Petra sagt:

      Das freut mich 🙂 Danke! Wobei ich auch zugeben muss, dass ich das Westernreiten und seie negativen Auswüchse etws zu gut habe wegkommen lassen. Letztlich gibt es in beiden Reitweisen schlimme Dinge. Da muss ich mal ein bisschen feinjustieren 😉 Liebe Grüße und danke für deinen Kommentar, Petra

  20. Nikki sagt:

    Hi Petra,

    dein Erfahrungen kann ich nur zu gut nachvollziehen. Ich reite seit vielen Jahren Englisch und immer, wenn ein Reitlehrer dabei ist, spielt sich Folgendes ab:

    1. Ich reite mein Pferd am langen Zügel warm.
    2. RL: "Zügel aufnehmen"
    3. Ich nehme Zügel auf.
    4. RL: "Noch mehr, der Zügel hängt"
    5. Ich nehme weiter auf, meine Armmuskeln spannen sich an, weil das ganze Gewicht vom Pferdekopf auf meinen Händen liegt und mich nach vorne zieht.
    6. RL: "Fäuste schließen"
    7. Ich tue es, aber ein Pferdekopf ist eben schwer
    8. Ich treibe das Pferd "in die Hand", manchmal gibt es nach und der Druck auf der Hand verschwindet, dann habe ich das ganze Gewicht wieder in der Hand.
    9. RL: "Zügel kürzer, Fäuste schließen, treiben, Gerte, treiben, innerer Schenkel, Paraden geben, Schenkel" das Pferd ist total verkrampft, hat merkbar keinen Spaß 🙁
    —das geht 60 min so—
    10. RL: "Gut, dann lass dein Pferd auslaufen"
    11. Ich lasse die Zügel los, das Pferd hat plötzlich einen ganzen weichen und regelmäßigen Schwung im Gang, streckt kurz den Hals und knickt vorbildlich im Genick ab. RL: "Ja jetzt geht er gut; er braucht eben seine Zeit, um warmzuwerden"

    Jedesmal frage ich mich, ob ich blöd bin, oder ob das Pferd tatsächlich immer perfekt läuft, wenn ich null Spannung am Zügel habe. Aber was soll ich machen? Es sind ja nun mal nicht meine Pferde und ich will nicht klugscheißern….also nehme ich es hin und warte auf den Tag, an dem ich mein eigenes Pferd habe…

    Also ich verstehe deine Skepsis 🙂

    • Petra sagt:

      Hallo Nikki, danke dir für deinen Kommentar. Ich habe ja mittlerweile auch Englisch Reiter kennengelernt, die sanfte Anlehnung beherrschen und Westernreiter gesehen, die rupfen wie blöde. Ein bisschen muss ich meine Vorurteile also zurücknehmen 😉 Aber genau die Erfahrungen, die du auch gemacht hast, machen leider viel zu viele Reitschüler – ich ja auch. Und das ist aus meiner Sicht auch falsch. Dieses "Halten" bis das Pferd "weich" wird. Ich finde das schlimm, weil es ja bedeutet "Schmerzen" bis das Pferd "nachgibt". Ich würde mir so sehr wünschen, dass sich da etwas ändert. Kann aber auch dich verstehen, in der Reitstunde auf einem fremden Pferd, muss man auch ein Stückweit dem folgen, was der Pferdebesitzer möchte. Leider. Ich drücke dir die daumen, dass dein eigenes Pferd bald kommt und freue mich, dass es in dir offenbar eine Pferdemenschen an seiner Seite haben wird, der einen sanfteren Weg gehen will. Alles Liebe und danke für deine Erfahrungen, Petra

  21. Christina sagt:

    Hallo Petra,
    mit einiger Verspätung habe ich diesen Beitrag entdeckt. An den Kommentaren kann ich sehen, dass du da ein sehr kontroverses Thema angeschnitten hast.
    Ich weiß nicht, ob oder wie sich deine Meinung bezüglich der unterschiedlichen Reitweisen mittlerweile geändert hat, möchte dir aber einen Lesetipp ans Herz lesen: "Du entscheidest" von Christin Krischke von der Bückeburger Hofreitschule.
    Ein Buch, das mir teilweise die Augen geöffnet hat, mich zum Nachdenken angeregt hat und eben auch mit manchen "Das-haben-wir-immer-schon-so-gemacht"-Methoden aufräumt. An mancher Stelle unangenehm, weil man als Leser/in gezwungen wird, sich mit den eigenen Methoden/der eigenen Reitweise auseinanderzusetzen. Und nicht immer gefällt einem, was man da sieht.
    Die Autorin beschäftigt sich auch mit dem, was wir englische Reitweise nennen und das war für mich (urspr. englisch "gezogen") sehr interessant, da sich ihre Ausführungen mit dem decken, was ich selbst in den letzten Jahren zu hinterfragen begann.

    • Petra sagt:

      Hallo Christina, danke für deinen Kommentar. Ich muss gestehen, dass sich meine Meinung nicht wesentlich geändert hat. Die Dressur und einiges aus der Reitweise ist sicher nicht schlecht, aber die Ausprägungen, wie sie heute unterrichtet wird ist in der Mehrheit überhaupt nicht das Meine. Und ich frage mich schon immer wieder, warum so viele Reiterinnen so starke Oberarmmuskeln haben… Die Anlehnung – so wie sie oft gelehrt wird – und der Rahmen – sind beides nicht das Meine. Warum – beschreibe ich ja im Artikel. Was hinterfragst du? Oder wo siehst du die Stellschrauben? Das Buch klingt spannend, das werde ich auch auf meine Bücherwunschliste setzen. Ich danke dir! Auf jeden Fall viele liebe Grüße, Petra

  22. Christina sagt:

    Hallo Petra,
    ich habe genauso englisch "reiten" gelernt, wie du in deinem Artikel beschreibst. Hinten treiben, vorne festhalten. Über die Jahre hat sich das ganze verschoben zur gemütlichen "Wald-und-Wiesen-Reiterei" (am durchhängenden Zügel natürlich, also praktisch das andere Extrem). Seit ich meinen jungen Wallach selbst ausbilde, suche ich den Mittelweg dazu und mache mir viel mehr Gedanken über die (vermeintlich) althergebrachten Grundsätze und schaue mir mehr an, welchen Zweck das jeweilige Vorgehen hat (s. auch unten). Von einer Reitlehrerin habe ich mich z.B. getrennt, weil sie bereits in der 2. Stunde, in der mein Pferd geritten wurde, gefordert hat, ich solle die Zügel kürzer nehmen und treiben – wieso, wenn er doch (quasi freiwillig) geht. Und diese These vom "an die Hand treiben, damit das Pferd sich am Gebiss abstoßen kann" habe ich – ehrlich gesagt – nie verstanden.
    Als Neu-Jungpferdebesitzerin habe ich mir auch die Richtlinien der FN für Reiten und Fahren, Bd. 1 zugelegt, einiges, was ich dort gelesen habe, hat mir nicht gefallen. Ich kann dir nicht mal konkrete Beispiele nennen, es war mehr so ein allgemeines "Unwohlsein". Gewissermaßen das letzte Tröpfchen für mich war jedoch, dass in den letzten Jahren immer wieder sich auf die Heeresdienstvorschrift 12 bezogen wird und diese dann als Reitlehre angepriesen wird. Um Pferde für den Kriegseinsatz "gebrauchen" zu können, war eine Ausbildung erforderlich, die schnell geht und die jedem (reiterlich noch so mäßig begabtem) Soldaten ermöglicht hat, jedes Pferd reiten zu können (falls das eigene "ausfiel"), das heißt, die Hilfengebung, die Anforderungen an den Sitz, etc. sind an diese Anforderungen angepasst. Will ich MEIN Pferd, das mein Partner ist, so ausbilden?? Never ever.
    Ich habe für mich und mein Pferd die barocke Reitlehre entdeckt, in der ich vieles von dem, was ich mir wünsche, gefunden habe, wie zum Beispiel das Nachlassen bzw. Aussetzen der Hilfen im Gegensatz zum Dauerdruck, die Gesunderhaltung des Pferdes, die vollständige Ablehnung von Hilfszügeln, etc. Natürlich ist es auch hier so – die beste Theorie ist nichts wert, wenn sie (von schwarzen Schafen, die es überall gibt) mangelhaft in die Praxis umgesetzt wird. Aber unseren Pferden zu liebe sollte jeder von uns daran arbeiten, der "beste" Reiter zu werden, der er werden kann.

    • Petra sagt:

      Hallo liebe Christina, das kann ich alles unterschreiben und sehr gut verstehen. Ich finde es auch sehr schwierig eine Reitweise für gut zu befinden und darin alles zu finden, was mir richtig und logisch erscheint. Genau wie auch der ursprung für den Heereseinsatz für mich ei Zeichen war und ist, dass vieles nicht zu mir und meiner Art mit den Pferden passen kann. Danke für deine ausführlichen Zeilen – ich war einfach neugierig, ob ich deine Zeilen richtig gedeutet habe. Viele liebe Grüße, Petra

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