Artikel aktualisiert am 27.07.2017

Willst du wirklich wissen wie Pferde denken und fühlen? Willst du mehr erfahren über Pferdeverhalten und wie du lernen kannst ein bisschen mehr in ihre Köpfe zu schauen? Dann ist diese Serie hier genau das Richtige für dich.

Pferdetrainerin und KräuterLogo Herdis Hillerexpertin Herdis Hiller schreibt über das „Eins werden mit dem Pferd“. Schritt für Schritt – inklusive praktischer Übungen. Sie ist studierte Pferdepsychologin und Pferdeverhaltenstherapeutin und hat sich dem sanften Weg der Pferd-Mensch-Kommunikation verschrieben.

TEIL 1 der Serie findest du HIEREins werden mit dem Pferd: Was ist der Schlüssel zum Erfolg?
TEIL 2 der Serie kannst du HIER nachlesen – Die Natur der Pferde: Was die Pferdeseele bewegt und wie Pferde wirklich ticken

Herdis Hiller - Eins werden mit dem PFerd

Teil 3 der Serie “Eins werden mit dem Pferd” von Herdis Hiller – was Pferde brauchen und welchen Menschen sie an ihrer Seite brauchen:

In der letzten Folge dieser Serie haben wir uns zusammen die Natur des Pferdes angesehen. Heute geht es darum, was aus diesem Wissen folgt. Welche Konsequenzen wir daraus ziehen können. Und was das für uns, als Pferdepartner bedeutet.

Wenn ihr die Übung zur Senkung der Gehirnfrequenz probiert habt, habt ihr vielleicht ein Gefühl davon bekommen, wie sehr die Veränderung unseres eigenen Verhaltens Einfluss auf unser Pferd hat. Bei Pferden, die traumatisiert sind, ist die Wirkung auf eine Senkung unserer Gehirnfrequenz noch weltbewegender.

Ein tiefer Atemzug – eine freie Seele

Irgendwann kommt ein Atemzug, ganz tief von innen, als wäre eine riesige Last von der Seele gefallen. Ich bekomme direkt eine glücklichmachende Gänsehaut, wenn ich nur daran denke.

Diese Übung kann uns eines sehr deutlich lehren: Die größten Veränderungen im Pferd geschehen, wenn wir uns verändern. Dieser Mechanismus ist bei Menschen sogar wissenschaftlich untersucht und lässt sich durch die sogenannten „Spiegelneuronen“ erklären. Wir alle nehmen die Energie unserer Umgebung und unseres Gegenübers auf und können kaum anders, als diese zu spiegeln.

Bei Pferden ist dieser Mechanismus besonders stark ausgeprägt, da für sie soziale Bindungen, Herdenstrukturen und schnelle Reaktionen überlebenswichtig sind. Das ist anders als zum Beispiel bei Katzen. Eine Katze weiß, dass sie im Notfall immer allein klarkommen wird. Ein Pferd weiß, dass es alleine verloren ist. Darum spiegelt das Pferd noch viel mehr seine Herde, seine Umgebung als Raubtiere es tun.

Wenn also unsere innere Wandlung und die der Umgebung so viel Macht hat auf ein Pferd, liegt die Frage nicht fern, was genau ein Pferd braucht, damit es sich wohl fühlt und bereit ist für tiefe Kooperation. Dafür gehen wir jetzt jeden Punkt der letzten Folge einmal durch.

Da dieses Thema sehr komplex ist, und ich nicht noch stärker komprimieren möchte, als ich es ohnehin schon tun muss, habe ich diese Schlussfolgerungen auf mehrere Artikel aufgeteilt. Nächstes Mal gibt es also noch weitere Infos zu dem Thema. Heute werde wir uns erstmal ansehen, was die ersten beiden Punkte des Pferdseins für Anforderungen an uns stellen, um dem Pferd nicht nur das zu geben was es braucht, sondern darüber hinaus auch noch eine tiefe Bindung herzustellen. In zwei Wochen geht es dann weiter mit den anderen Aspekten.

  1. Pflanzenfresser und Steppenbewohner
  2. Fluchttier/Herdentier

Dülmener Wildpferde

Pflanzenfresser und Steppenbewohner —> Haltung & Fütterung

Am Verdauungstrakt und dem Bewegungsapparat des Pferdes haben Jahrhunderten der Domestikation im Vergleich zum Wildpferd nichts verändert. Darum ist eine Haltung & Fütterung, die den natürlichen Lebensbedingungen des Pferdes so nah wie möglich kommt, die erste Voraussetzung für körperliche und psychische Gesundheit.

Wir erinnern uns: nahezu dauerhafte Aufnahme von energiearmer aber rohfaserreicher Nahrung in kopfabgesenkter Haltung bei langsamer Fortbewegung (mind. 16 Stunden am Tag).

Kräuter fürs Pferd

Leider sind unsere Weiden aber oft nicht annähernd mit denen der Steppe zu vergleichen, denn anstatt wenig Energie auf viel Fläche bieten sie unseren Pferden meist viel zu viel Energie auf kleinster Fläche. Das führt bei vielen Pferden, aber besonders bei den genügsamen Rassen zu Übergewicht und chronischen Stoffwechselerkrankungen. Und natürlich ist ein stoffwechselgestörtes Pferd weder glücklich noch verhält es sich normal.

Magenschmerzen und Leberprobleme können Pferde z.B. deutlich aggressiver werden lassen als sie es normalerweise sind. Daher sollte eine Abklärung sowohl des Gesundheitszustandes als auch der Haltungs- & Fütterungsbedingungen eine der ersten Pflichten eines Pferde-Verhaltenstherapeuten sein.

Und noch ein Wort zur Fütterung, das mir persönlich sehr am Herzen liegt:

In meiner zweiten Berufung im Rahmen meiner pflanzenheilkundlichen Arbeit berate ich täglich viele Pferdehalter in Sachen Fütterung. Ein Thema begegnet mir dabei nahezu jeden Tag, das mich wirklich traurig macht:

  • Die meisten Ställe füttern zwei bis drei Mal am Tag
  • Als Raufutter wird meist Silage oder Heulage gereicht, da es für die Ställe einfacher herzustellen und zu lagern ist
  • Der Anteil des Rohfasergehalts in der Gesamtfutterration ist oft abgesenkt zugunsten komprimierter Futtermittel wie Getreide, Müsli, Mash etc.

Alle drei Aspekte sind nicht artgerecht und führen meiner Erfahrung nach so oft zu gesundheitlichen Problemen, dass viele Pferdehalter und Stalleigentümer schon denken, dass dies normal sei. Dem ist aber nicht so. Pferde müssten nicht so oft an Koliken erkranken oder gar sterben (häufigste Todesursache bei Pferden). Auch die zweithäufigste Todesursache bei Pferden, die Hufrehe, ließe sich eklatant minimieren, wenn in mehr Ställen artgerecht gefüttert und gehalten würde. Doch das wird sich zum Wohle der Pferde nur dann ändern können, wenn immer mehr Einsteller diese Fütterungsbedingungen nicht mitmachen.

Was genau eine artgerechte Fütterung ausmacht und wieso diese so wichtig ist, könnt ihr HIER in der KRAUTERIE nachlesen

Flucht- und Beutetier —> Herdentier —> Suche nach Sicherheit

Die künstliche Auslese des Menschen durch die Zucht hat eine noch größere „Vielfalt“ hervorgebracht. So werden einige bei den Überlegungen zur letzten Folge vielleicht festgestellt haben, dass ihr Pony oder Pferd wenig typische Fluchttiermerkmale zeigt, statt dessen sogar eher stur und phlegmatisch ist.

Andere besitzen vielleicht ein Pferd, bei dem durch fehlerhafte Züchtung diese Merkmale sogar übersteigert sind (leider werden derzeit einige solcher Ponyrassen gezüchtet, die für Kinderhand überhaupt nicht mehr geeignet und für das Tier selbst auch nicht gerade eine Wohltat sind.) Und die Meisten von euch dürften Fluchttierverhalten in verschiedenen Ausprägungen beobachtet haben. Die Form dieser Ausprägung hängt von verschiedenen Faktoren ab: Auch hier ist wieder die Rasse wichtig. Genauso entscheidend sind außerdem das Geschlecht, die „Kinderstube“, das Umfeld, der individuelle Charakter und der Mensch.

  • Ein Fluchttierleben ist geprägt von Angst
  • Angst ist Stress
  • Dauerstress macht krank und kann langfristig sogar töten
  • Was Fluchttiere also unbedingt als Ausgleich benötigen, um gesund und zufrieden zu sein, ist das Gefühl von Sicherheit

In Freiheit entsteht Sicherheit durch:

  • die Gemeinschaft einer stabil strukturierten Herde
  • ein weithin gut überschaubares Umfeld
  • soziale Bindungen (Stressabbau z.B. durch soziale Fellpflege, Spielen etc.)
  • gute Führung

Habt ihr ein weniger ursprüngliches Pferd oder Pony, das kaum Fluchttierverhalten zeigt, werdet ihr feststellen, dass zumindest der zweite und der letzte Punkt nicht so weltbewegend sind. Habt ihr hingegen ein eher ursprüngliches Pferd oder gar ein ins Panische gezüchtetes Pferd, kann das Fehlen eines dieser Punkte meiner Erfahrung nach in gefährlichem Chaos enden.

Welches Pferd für welchen Menschen?

Darum finde ich es auch so wichtig, sich beim Pferdekauf darüber klar zu sein, welches Pferd sich Mensch an seine Seite holt. Für Anfänger und Kinder sind die eher phlegmatischen Vierbeiner mit einem großen Verantwortungsbewusstsein im Sinne des Menschen und schon etwas mehr Lebenserfahrung ein Geschenk. Wer wie ich auf einem solchen Wesen reiten lernen durfte, bekommt einen tollen Start ins Leben mit Pferden. (Ich verneige mein Haupt in Dankbarkeit und Liebe, Jolly!)

Je ursprünglicher bzw. ins Hitzige überzüchtet ein Pferd ist, desto mehr kommt es auf die Kompetenzen des Menschen und auf die Einhaltung der oben genannten Punkte an, wenn man eine Einheit mit seinem Pferd werden möchte.

Nun heißt es mancherorts, dass wir uns kein Pferd suchen sollten, dass genauso ist wie wir. Und natürlich hat dieses „Gesetz“ einen sinnvollen Hintergrund: Ein ängstlicher Reiter wird einem ebenso ängstlichem Pferd nicht die Sicherheit geben können, die es braucht, um ruhig zu werden. Beide könnten sich gegenseitig aufschaukeln – was wiederum in einer Katastrophe enden könnte. Richtig. Aber so wie es kein Schema F und keine absoluten Wahrheiten gibt, gibt es für nahezu alles Ausnahmen – auch hier.

Ich bin überzeugt, dass wir alle auf diesem Planeten sind, um etwas zu lernen, um uns weiterzuentwickeln. Ich glaube darum auch nicht, dass der Zufall uns mit einem Pferd zusammen führt. Jeder bekommt das Pferd, das ihm oder ihr helfen kann, sich weiterzuentwickeln.

Pferde Auge

Pferde können unsere besten Lehrmeister sein!

Wenn wir es zulassen und uns den eigenen Schwächen und dunklen Seiten stellen. Denn dann wird das ängstliche Pferd den ängstlichen Reiter dazu bringen, seine Angst zu überwinden. Und in der Folge wird der ehemals ängstliche Reiter so ein Experte darin sein, mit Angst konstruktiv umzugehen, dass es wiederum dem Pferd helfen kann, die seine zu überwinden. So gesehen ein Dream-Team, oder? ;)

  • Ihr müsst euch nur entscheiden (am besten vor dem Pferdekauf): Wollst ihr herausgefordert werden, da wo eure Schwächen sind, um sie zu überwinden? Das kann auch mal sehr anstrengend, frustrierend und vor allem zeit- und kraftaufwendig sein.
  • Oder möchtet ihr euch zusammen mit eurem Pferd auf andere Aufgaben konzentrieren oder vielleicht einfach nur entspannen? Jede Entscheidung ist völlig in Ordnung und gut! Aber sie sollte getroffen werden.

Was muss der Mensch tun, um Sicherheit zu gewährleisten?

Eine artgerechten Haltung mit möglichst viel Kontinuität und einer stabilen Pferdeherde ist die Grundlage. Doch sobald unsere Pferde die Herde verlassen, weil wir etwas mit ihnen unternehmen wollen, ist diese Sicherheit fort. Es ist also spätestens dann an uns, dem Pferd diese Sicherheit zu geben, sodass es weiß: „Wenn ich bei meinem Menschen bin, kann mir nichts passieren! Er beschützt mich!“ Gelingt uns das nicht, können (gerade unsichere) Pferde „Unarten“ wie Kleben, Durchgehen, Zackeln usw. entwickeln.

Was wir dem Pferd geben sollten? Sicherheit! „Wenn ich bei meinem Menschen bin, kann mir nichts passieren! Er beschützt mich!“ (Pferdeflüsterei.de)

Da wir dem Pferd in unserer Sprache kaum vermitteln können, dass wir ein guter Beschützer sind, müssen wir dies auf die Art des Pferdes tun.

Dafür müssen wir uns erst einmal ansehen, wie Pferde Sicherheit vermitteln:

Wir hatten schon das Thema mit den Spiegelneuronen… Pferde spiegeln also die innere Haltung anderer Pferde und ihrer Umgebung. Ist ein Pferd angespannt, überträgt sich diese Spannung sofort auf die anderen.

Unser erster Job ist also: Die innere Haltung kontrollieren und transformieren

Wenn wir angespannt sind, werden wir unserem Pferd genau das vermitteln. Das Pferd wird denken „Oh, hier ist irgendwas im Busch, denn mein Mensch ist angespannt!“ Und es wird ebenfalls nervös werden oder bereits vorhandene Anspannung wird verstärkt.

Angst ist ein Problem: Ja oder nein?

Nun hört man ja gerne einmal „Wenn du mit Pferden zu tun hast, darfst Du keine Angst haben.“ Das sehe ich absolut anders! Für Pferde ist Angst ein natürlicher Bestandteil des Lebens. Sie bewerten sie nicht so wie wir Menschen das gern tun. Es degradiert den Menschen also nicht, wenn er Angst hat.

Was den Menschen in den Augen eines Pferdes meiner Erfahrung nach allerdings degradiert, ist, wenn er seine negativen Emotionen nicht Im Griff hat, sondern diese ihn.

Das hat einen einfachen Hintergrund: Wer von seinen Emotionen übermannt wird, kann keine guten Entscheidungen mehr treffen und ist in der Welt des Pferdes eine Gefahr für sich und andere. Darum werden überschießende Emotionen in einer Herde sofort sanktioniert und reguliert.

Was den Menschen in den Augen eines Pferdes kleiner macht, ist nicht seine Angst, sondern wenn er seine negativen Emotionen und seine Angst nicht im Griff hat, sondern diese ihn.(Pferdeflüsterei.de)

Es geht nicht darum, keine negativen Emotionen zu haben wie Angst, Unruhe, Ärger, Neid oder Trauer. Es geht vielmehr darum, zu lernen, sich diesen Emotionen zu stellen und sie zu kontrollieren. Wer das tut (gerne auch in Gegenwart seines Pferdes) wird eine unglaublich positive und gute Rückmeldung von seinem Pferd bekommen, die so viel heißen könnte wie „Respekt, Mensch! Respekt! ;)“ oder anders ausgedrückt: „Bei dir fühle ich mich sicher! Denn wenn du deine eigenen Emotionen kontrollieren kannst, kannst du auch unvorhergesehene Ereignisse kontrollieren und mich beschützen!“

Und ich meine mit „kontrollieren“ nicht, die Emotionen beiseite zu schieben und zu verdrängen. Ich meine, diese zu transformieren. Aus Angst, Wut oder Depression tiefe Ruhe zu machen.

Diese Lektion ist für viele von uns wohl eine der schwersten unseres Lebens – und doch, oder vielleicht auch gerade deswegen – DIE Lektion, die am schnellsten und am tiefgreifendsten eine feste Einheit zwischen Mensch und Pferd entstehen lässt. Wer das bereits kann, weil er oder sie das Glück hatte, in einem weisen Elternhaus aufzuwachsen, der dürfte nur wenig Probleme damit haben, eine tiefe Verbindung zu seinem Pferd herzustellen. Die meisten von uns müssen diese Lektion im Laufe Ihres Lebens aber erst einmal lernen.

TIPP: Den ersten Schritt habt ihr bereits gemacht! Die Atemübung, die ich euch letztes Mal gezeigt habe. Nutzt sie, wenn ihr eure Emotionen verändern möchtet. Und schaut, was passiert. Denn diese Übung kann euch in Verbindung mit eurer Intuition bringen. Und eure Intuition weiß ebenso gut wie euer Pferd, was weiterhin zu tun ist. Viel Erfolg und spannende Erkenntnisse wünsche ich euch!

Unser Verhalten kontrollieren und transformieren

Unser Inneres kontrolliert unser Äußeres. Wenn wir innerlich unsicher sind, werden wir automatisch den Kopf einziehen, die Schultern hochziehen und den Rücken rund machen. Das passiert so automatisch und unterbewusst, dass wir das oft gar nicht mitbekommen. Unser Pferd hingegen ist ein Experte in den feinsten Feinheiten der Körpersprache. Es wird diese Veränderung unseres Körpers auf jeden Fall mitbekommen. Und da das Pferd seine eigene Körpersprache bewusst einsetzt, wird es denken, dass wir in diesem Moment folgendes zu ihm sagen:

„Du…ich hab Angst und fühle mich echt unsicher! Ich weiß nicht was ich tun soll und bin total hilflos.“

  • Ein ängstliches Pferd wird sich nun vielleicht dazu aufgefordert sehen, die Führung zu übernehmen, um sich selbst in Sicherheit zu bringen (denn auf uns ist ja nun kein Verlass mehr) – obwohl viele Pferde nicht anführen möchten und dadurch überfordert werden
  • Ein hoch in der Rangordnung stehendes Pferd kann vielleicht den Respekt verlieren und für jetzt oder die Zukunft entscheiden, unsere Wünsche nicht mehr unbedingt in Betracht zu ziehen
  • Ein stures und eher phlegmatisches Pferd wird die Gelegenheit vielleicht nutzen, um sich in Richtung des leckeren Grases auf und davon zu machen.

Und so weiter.

Kurz: Jedes Pferd wird auf die Signale unseres Körpers reagieren. Wie genau, hängt unter anderem mit seinem Charakter, Temperament, seinen Erfahrungen, seinem Geschlecht, seiner Rasse zusammen.

Daraus folgt: Wir sind gut beraten, wenn wir 1. immer genau wissen, was unser Körper unserem Pferd erzählt und 2. diese Sprache auch sprechen, also den Körper bewusst einzusetzen wissen.

Da unsere innere Haltung und unser Körper untrennbar miteinander verflochten sind, führt auf der einen Seite natürlich eine Veränderung unserer inneren Haltung zu einer positiv auf das Pferd wirkenden Körpersprache. Auf der anderen Seite kann unser Körper aber auch unsere innere Haltung beeinflussen. Und da wird es spannend für alle, die sich noch auf dem Weg zu einer guten inneren Haltung befinden! Denn diese Ausstrahlung bekommen wir nicht von heute auf morgen. Auf unseren Körper können wir aber sofort achten:

TIPP: Wenn ihr euch locker aufrecht haltet, Brust raus, Bauch rein, Schultern fallen lassen, Muskulatur bewusst entspannen, Kopf hoch nehmen und tief ein und aus atmen (etwas länger ausatmen als einatmen), dann gibt euer Körper ein Signal an eure innere Haltung. Das Signal für Entspannung! So könnt ihr durch euren Körper nicht nur euer Pferd positiv beeinflussen, sondern auch euch selbst.

Diese stolze Lockerheit sollte in all euren Bewegungen und vor allem in jeder Berührung eures Pferdes liegen. Sobald ihr die Hände, in denen ein Zügel oder ein Strick liegt, zu einer harten, festen Faust ballt, geht ein falsches Signal an euer Pferd. Sobald ihr mit Krafteinsatz schiebt, zieht oder drückt genauso. Alles was ihr willensstark aber locker und leicht durchführt, sagt eurem Pferd, dass ihr alles im Griff habt und es bei euch sicher ist.

Übung 1 für eine bessere Körpersprache mit dem Pferd:

  • Beobachtet eure Pferde auf einem Auslauf
  • Konzentriert euch vor allem auf die Berührungen, die kommunikativer Natur sind
  • Und versucht dann, diese lockere Impulsartigkeit in euren Umgang mit dem Pferd mitzunehmen
  • Geht zum Beispiel mit eurem Pferd am Strick spazieren. Beobachtet, was passiert, wenn ihr die Faust fest zu macht und zieht oder schiebt
  • Und beobachtet, was passiert wenn ihr einen klaren aber lockeren Impuls gebt – mit eurer Hand, eurem Körper, einer Bewegung.
  • Geht vorweg und beobachtet aus den Augenwinkeln, wie euer Pferd reagiert, wenn ihr eine ängstliche Haltung einnehmt – und, wenn ihr eine stolze, lockere und fröhliche Haltung einnehmt

Übung 2 für eine bessere Körpersprache mit dem Pferd:

  • Probiert in verschiedenen Situationen am Tag, was eure Körperhaltung mit euren Emotionen macht
  • Begebt euch dazu erst in eine gebückte Haltung, Schultern hoch und nach vorne gezogen, Kopf eingezogen, Arme vor der Brust verschränkt. Atmet ganz flach -> Stellt fest, was ihr fühlt
  • Und dann richter euch auf, hebt den Kopf wie ein stolzer König oder eine stolze Königin. Lasst die Schultern nach hinten unten fallen. Nehmt die Arme zur Seite, so dass euer Brustkorb sich öffnet. Und atmet tief in euren Bauch ein -> Stellt fest, wie sich eure Gefühle nun verändern

Testet das als Erstes, wenn ihr Zeit allein für euch habt – einfach Zuhause üben: 

Wenn ihr geübter darin seid, schaut einmal was passiert, wenn ihr telefoniert. Wie verändert sich eure Stimme? Wie verändert sich das Verhalten des Menschen am anderen Ende der Leitung euch gegenüber? Und dann probiert es einmal in Gegenwart fremder Menschen. Vielleicht im Supermarkt? Beobachtet einmal, wie Menschen auf euch reagieren, wenn ihr die eine oder die andere Haltung einnehmt.

Und nicht vergessen: Habt viel Spaß beim Üben und gebt eurem Pferd einen sanften Nasenstubser von mir. 

Welche Anforderungen noch an uns aus den natürlichen Bedürfnissen des Pferdes entstehen, könnt ihr in der nächsten Folge weiter lesen.

Frage: Wie fandet ihr die Übungen? Wie haben eure Pferde auf euch reagiert? Schreibt uns einen Kommentar! Wir freuen uns auf eure Erlebnisse mit den Übungen.

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9 Kommentare zu “Was Pferde brauchen und wie wir ein guter Partner werden können

  1. Miriam sagt:

    Hallo zusammen,

    für mich ist der Schlüssel zum Umgang mit Pferden, dass ich selber klar in meiner Kommunikation bin. Dazu gehört für mich Ehrlichkeit, d.h. ich zeige meine Gefühle meinem Pony durchaus. Auch wenn ich mich mal vor irgendwas erschrecke, dann zeige ich das meinem Pony und versuche das nicht zu unterdrücken. Denn ganz ehrlich Pferde sind im Lesen der Körpersprache so gut, da kann ich doch sowieso nichts vormachen. Ich werde nur unglaubwürdig, wenn ich mich anders gebe als ich gerade bin. Wichtig ist für mich dann nur, wie im Artikel beschrieben, dass ich selber wieder ruhig werde. Das ist bei mir aber eine echte Ruhe und ich spiele das nicht, was ich bei anderen oft sehe. Und wie im Artikel beschrieben, hilft mir hier gut ruhig zu atmen und bewusst zu entspannen.
    Ich glabue, weil ich an mir selber arbeite, an meinen Selbstzweifeln, Kontrollsüchten und Ängsten arbeite, schließt sich mein Pony mir gerne und freiwillig an. Ohne, dass ich hierfür irgendwelche "Machtspiele" mit ihm spielen muss.

    Liebe Grüße
    Miriam

    • Petra sagt:

      Hallo Miriam, das ist so wahr. Danke für deinen schönen Kommentar. Ich denke auch, dass die Pferde schätzen, wenn wir authentisch sind und nicht wenn wi versuchen etwas vorzugeben, was wir nicht sind. Das ist die eigentlich Arbeit an uns selbst. Ganz liebe Grüße und bis bald, Petra

  2. Sabine sagt:

    Hallo,
    Ich finde diese neue Seite super, besonders weil Übungen beschrieben sind, die man ausführen kann. Denn meist wird in Artikeln formuliert was ein Pferd braucht ……., aber es wird nicht erklärt wie man etwas macht.

    Was hier geschrieben wird ist so einleuchtend und nachvollziehbar und ich habe mir vorgenommen diese Übungen zu machen. Dieses durchatmen um innerliche Ruhe zu erreichen funktioniert bei mir leider nicht. Denn ich habe oft Angst. Wenn mein Pferd etwas wahrnimmt und denn Kopf hochreißt dann fängt mein Herz zu klopfen an und ich bekomme weiche Knie. Das wiederum nimmt mein Pferd zum Anlass sich noch mehr aufzuregen. Dabei kann ich atmen wie ich will, ich werde zwar ein bisschen ruhiger, aber mit innerer Ruhe hat das noch lange nichts zu tun. Außerdem habe ich damit zu tun, dass ich die Stute beruhige und ich möchte das so schnell als möglich tun. So entsteht dann natürlich eine Hektik und der Teufelskreis beginnt.
    Ich weiß, was ich falsch mache, bin aber nicht in der Lage es zu ändern. Das nervt mich so was von……..

    Liebe Grüße
    Sabine

    • Petra sagt:

      Hallo Sabine, das freut mich sehr und wird auch Herdis freuen, die diesen wunderbaren Artikel geschrieben hat. Sie ist Pferdepsychologin und kann wirklich toll erklären. Ich hatte bei ihren Texten auch schon AHA-Erlebnisse. Vieles weiß man ja, aber trotzdem tut es gut, es gut erklärt zu lesen. Das Durchatmen und Ruhe gewinnen ist glaube ich auch ein Lernprozess, keine Sache die von heute auf Morgen kommt – sondern mit jedem Mal ein kleines bisschen besser wird. Es kann auch helfen dann zu Lächeln, sich daran zu erinnern, dass es Spaß macht mit dem Tier, dieses Gefühl abzuschalten, dass man am besten Gestern der perfekte Pferdemensch sein möchte und sich erlauben Fehler zu machen, nicht immer gleich alles zu können und zu wissen. Ich kann verstehen, dass dich das nervt, aber so esoterisch das klingt – das wird dich nicht weiterbringen. Aber zu lächeln, es anzuerkennen und vielleicht auch zu sehen, dass genau das vielleicht die Aufgabe ist, die vor dir liegt und die dein Pferd dir beibringen wird, ist doch so viel spannender. Pferde spiegeln uns, heißt es immer so schön. Vielleicht ist diese Ungeduld mit dir selbst oder die Tatsache, dass du noch nicht immer "die Ruhe bewahren kannst" etwas, das dich auch sonst im Leben begleitet. Durch die Arbeit mit dem Pferd und den Wunsch, dass es sich wohlfühlen soll, wird sich das vielleicht auch grundlegend in dir ändern. Ich stelle immer wieder fest, dass der Weg zu meinem Pferd, in ihr Herz und zu ihrem Vertrauen in mich, im Grunde der Weg zu mir selbst ist.

      Mir hat eine Trainerin einmal sehr geholfen, die mich damals daran erinnert hat, dass Pferdetraining im Grunde keine Technik ist, die wir uns nach einem Schema aneignen, sondern ein Weg ist. Ein Weg, der uns Freude machen sollte. Wir können nicht von jetzt auf gleich alles richtig machen, aber das ist in Ordnung. Wir lernen eben jeden Tag ein bisschen dazu und auch der Weg dorthin ist Teil des ganzen und kann Spaß machen. Es ist übrigens auch in Ordnung Angst zu haben, wenn Pferde sich aufregen oder groß machen. Die Kunst ist (und das ist ein großer Teil der Arbeit an uns selbst) dann durchzuatmen, sich zu entspannen und sich seine Ruhe wiederzuholen. Denn das signalisiert dem Pferd, dass man nicht kopflos ist, sondern sicher, weil man die Lage einschätzen und mit Ruhe reagieren kann. Das ist nicht einfach und ich würde wetten, dass das kaum einer von Anfang an kann. Ich kenne deine Stute nicht und weiß auch nicht, was sie dann tut, aber meist ist es hilfreicher gar nicht auf die Aufregung zu reagieren, sondern das Pferd in aller Ruhe zu bitte, mit dem weiterzumachen, was man gerade gemacht hat. Denn wenn du anfängst es wie wild beruhigen zu wollen, wird dein Pferd vermutlich eher denken: "Oh Gott, mein Mensch macht so viel Hektik, da muss wirklich was sein". Wohingegen, wenn du deinem Pferd sagst (ruhig danebenstehend – Sicherheit immer vorausgesetzt): "Hey, ich habs auch gesehen, aber weißt du was, da ist nichts. Glaubs mir. Wir können einfach weitermachen" und dann weitermachst mit dem, was du gerade gemacht hast, in dem du dein Pferd bittest mitzumachen und zwar immer wieder sanft, solange bis es sich dazu entscheidet mitzumachen und dann für die Ruhe und die Aufmerksamkeit lobst – funktioniert das meist besser. Das ist eine grundlegende Geschichte, die oft funktioniert. Aber jedes Pferd ist anders, jeder Mensch auch. Deswegen auch immer auf dein Bauchgefühl hören, was passt und dir dein Pferd dabei ansehen, ob es funktioniert. Wenn nicht andere Wege versuchen. Ganz liebe Grüße, Petra P.S.: Wo genau wohnst du denn? Ich kenne eine sehr sanfte junge Pferdetrainerin, die vielleicht auch passen könnte

    • Herdis Hiller sagt:

      Liebe Sabine,

      ja, es ist ein Weg, wie Petra sagt (vielen Dank meine Liebe für die schönen Zeilen! :)
      Unsere Pferde helfen uns dabei, uns weiterzuentwickeln – nach und nach.

      Das Thema Angst spaltet sich meist in eigentlich zwei Themen:

      1. die Angst an sich (hier kannst Du Dich fragen, wovor genau Du Angst hast, also was dahinter steht. Dann kannst Du an Deiner Angst arbeiten, auch ohne dass Dein Pferd Dir einen Impuls gibt.)

      2. das weit größere Problem ist aber meist: die Angst vor der Angst. "Bloß jetzt nicht auch noch Angst bekommen, sonst kommen wir wieder in blöde Situationen" oder so ähnlich. Dieser kannst Du begegnen, indem Du die Angst einfach zulässt und akzeptierst. Sag Dir in dem Moment: "Es ist okay, dass ich Angst habe und ich lasse sie zu." Stelle Dir vor, wie sie durch deinen Körper fließt, ohne von dir aufgehalten zu werden.

      Aber ich habe noch einen weiteren Tipp für Dich, was Du in solchen Momenten tun kannst. Vielleicht hilft er Dir.
      Nutze die Atemtechnik einfach mal nicht, um DICH zu beruhigen, sondern Dein Pferd. Stell Dir vor, wie Du die Angst Deines Pferdes einatmest, in Deinen Lungen zu Liebe und Zuversicht verwandelst und Deinem Pferd mit Deinem Ausatmen wieder zurück gibst. Damit tust Du aktiv etwas für Dein Pferd und hast dennoch positiven Effekte für Dich.

      Und vielleicht kann Dir auch noch dieser Artikel von mir weiterhelfen: http://www.herdishiller.de/blog.html?month=201501

      Hab Geduld mit Dir! Gib Dir selbst die Zeit, die es braucht.

      Herzliche Grüße

      Herdis Hiller

  3. Monica sagt:

    Hallo!
    Bin so froh, dass diese Seite mich gefunden hat. So schöne Ratschläge und Hilfen. Ich werde sie beherzigen und üben und so sicherlich meine Ängste (nicht im Sattel, sondern am Boden) bald minimieren können. Danke

    • Petra sagt:

      Hallo Monica, was für ein schöner Satz "dass die Seite dich gefunden hat" – ich mag ihn sehr. Und es freut mich, dass die Seite dir weiterhilft – Herdis (die Autorin des Artkels) ist Pferdepsychologin und hat ganz wunderbare Ansichten zum Thema Pferd, finde ich :-) Angst ist glaube ich normal, Pferde sind nun einmal groß und haben Hufe und Zähne – es ist also ein Teil des Ganzen diese Ängste nach und nach abzulegen. Da können die Übungen von Herdis wirklch gut weiterhelfen. Ganz liebe Grüße und danke für deinen Kommentar, Petra

  4. Barbara sagt:

    Ich reite manchmal eine Stute, die auch recht zappelig sein kann. Da ich erst vor 1 Jahr wieder mit Reiten angefangen habe, bin ich manchmal unsicher. Ich sage ihr das. Ich sage: hey, Dancer, tut mir leid, ich bin ein bisschen nervös heute. Sie reagiert super darauf. Wenn ich dann drauf sitze und auf dem Platz reite, ist es auch schon vorbei, dann bin ich ruhig – und sie auch. Ich habe sie jetzt viermal geritten, jedes Mal geht es besser. Ich lobe auch mit Worten, wenn sie etwas gut macht, und gebe Worthilfen zu den Schenkelhilfen: Hopp – für Gallopp, Hoooo für langsam. Auch darauf reagiert sie sehr gut. Gerade heute habe ich sehr häufig Gangwechsel gemacht, da sie im Gallopp manchmal schwer zu kontrollieren ist. Es hat super geklappt.

    • Petra sagt:

      Wie schön, liebe Barbara, so sollte der Umgang immer sein. Verständnis, Geduld und klare Signale. Ich freue mich, dass die Stute so schön darauf reagiert. Danke für deine Gedanken zum Thema und viele liebe Grüße, Petra

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