Reiten ist Sport. Punkt. Trotzdem mag ich das Wort Reitsport nicht. Warum, erzähle ich dir gleich. Erstmal erzähle ich dir, warum dein Pferd dir dabei hilft einen Knackpo zu bekommen und zu einem entspannten Mensch zu werden. 

Reiten ist also Sport. Warum ich dir das so sicher sagen kann? Weil ich mal wieder mit Muskelkater zu Hause sitze. Weil ich gerade gestern mit dem Pferd bei größter Hitze eine Stunde über den Platz gejoggt bin. Erst im Schritt, dann im Trab. Biegungen und Führtraining. Und damit bin ich noch nicht am Ende meiner Trainingsliste angekommen.

Bodenarbeit

Danach bin ich mindestens fünf mal im Kreis gerannt, bis das Pferd den perfekten Übergang vom Schritt in den Galopp geschafft hat. Auf beiden Seiten. Natürlich. Auf der rechten Hand sogar Neun mal, mindestens. Weil das Pferd auf der rechten Hand weniger gut anspringt und man ja immer die schlechten Seiten etwas mehr fordern soll als die guten Seiten. Gegen die natürliche Schiefe. Das Pferd gerade richten. Die Balance trainieren.

Pferdefluesterei_Angaloppieren_aus_dem_Schritt_Petra-Dazzy

Du kennst das bestimmt auch. Ich finde ja sowieso, dass die Bodenarbeit, ein wichtiger und oft vernachlässigter Bestandteil des Pferdetrainings ist. Aber das ist wieder eine andere Geschichte. Falls du mehr über die Bodenarbeit lesen willst, kann ich dir Alfonso Aguilar sehr ans Herz liegen. Ich bin bestimmt sein größter Fan, weil er wunderbare Ansätze hat in der Zusammenarbeit mit Pferden und sehr viel Wissen, mit viel Erfahrung verbindet*

Zurück zum Stall als Fitnessstudio: Ach ja, vor der Bodenarbeit habe ich natürlich die Box gemistet. Du weißt ja bestimmt, wie schwer so eine Schublade werden kann. Das Ganze zieht sich dann über 2-3 Stunden, inklusive dem Gang zur Koppel vor dem Training. Durch das Gatter, über die Wiese, in den Wald. Ganz hinten im Wald, also am anderen Ende der großen Koppel – wo das Pferd im Sommer besonders gerne zu grasen beliebt.

HIER findest du übrigens noch mehr gute Infos über Balance und gute Gymnastizierung*

Stallarbeit als Fitnessstudio

Dazwischen musste ich den Sattel von A nach B schleppen. Falls du das mal vermeden willst – kann ich dir das leichte und trotzdem ergonomisch geformte Barebackpad oder einen anatomischen Fellsattel mit Druckschutz empfehlen:

So als nächstes musst du natürlich trotzdem das Pferd putzen, die Hufe auskratzen, das Heu in die Box tragen. Auch das ist Sport. Mein Bizeps war noch nie so gut in Schuß wie jetzt, seit dem ich zu einem Pferdemädchen geworden bin.

Sattel schleppen

Ach und vorgestern. Das war so schön! Da sind wir durch den Wald gejoggt. Also das Pferd ist gejoggt und ich saß obendrauf. Okay, wird jetzt der eine oder andere Nicht-Pferdemensch jetzt vielleicht sagen – jetzt kommen wir zur Wahrheit. Jetzt gibt sie endlich zu, dass sie sich faul durch die Weltgeschichte tragen lässt… Ich muss sie alle enttäuschen, auch das ist Sport. Immerhin muss ich eine bestimmte Haltung bewahren, ich muss locker mitschwingen, die Beine und die Rückenmuskeln müssen mitarbeiten, damit ich dem Pferd nicht in den Rücken falle. Beim Leichttraben muss ich im Takt der Schritte aus dem Sattel, in den Sattel, aus dem Sattel, in den Sattel. Eine Meisterin des Leichttrabens und Sitzens ist übrigens Sally Swift – falls du jetzt mehr dazu stöbern willst*

Du weißt vielleicht schon worauf ich hinaus möchte: Reiten ist Sport. Wer etwas anderes behauptet, reitet nicht richtig, macht keine Bodenarbeit, kümmert sich nicht richtig um sein Pferd. Das kannst du jedem fröhlich ins Gesicht sagen, der behauptet, dass Reiter Menschen sind, die sich den Sport sparen wollen oder einfach nur gemütlich durch die Gegend tragen lassen.

Wichtig ist dabei aber auch die richtige und gesunde Ausrüstung.

Welche Muskeln werden beim Reiten trainiert?

Ich könnte es kurz machen und sagen: fast alle.

  • Reiten stärkt die Bauchmuskeln
  • beugt Rückenproblemen vor
  • sorgt für eine bessere Koordinationsfähigkeit
  • stärkt den Gleichgewichtssinn

Beim Reiten werden Muskeln genutzt, die du in deinem ganzen Leben vorher noch nie bemerkt hast. Denn dein Körper muss beim Reiten immer locker mit den Bewegungen mitschwingen, damit du sicher und gut im Sattel sitzen kannst. Das Ganze potenziert sich noch mit den verschiedenen Gangarten der Pferde. Der Schritt ist ein Viertakt, der Trab ein Zweitakt, der Galopp ein Dreitakt – da müssen unterschiedliche Muskeln jeweils zusammenarbeiten, um das alles ruhig und locker „aussitzen“ zu können.

Deine Rücken- und deine Bauchmuskeln sind sowieso die ganze Zeit am arbeiten. Sie müssen sich permanent anspannen und entspannen, damit du die Bewegungen auf dem Pferdrücken überhaupt mitmachen kannst. Wenn also ein Waschbrettbauch dein Ziel war, dann kann dir dein Pferd dabei helfen. Außerdem wird es dir dabei helfen dein Balancegefühl zu stärken. Kommen wir zum Knackpo. Darauf hast du doch bestimmt schon die ganze Zeit gewartet.

Reiten Sport
Reiturlaub auf der Hacienda Buena Suerte in Andalusien

Knackpo dank unabhängigem Reitersitz

Habe ich schon erwähnt, dass auch deine Pomuskeln trainiert werden? Beim Galopp zum Beispiel, musst du immer wieder die Pomuskulatur anspannen, damit die die Bewegung korrekt sitzen und mitgehen kannst. Reiten macht also auch noch einen knackigen Hintern. Wenn du richtig sitzt. Es ist also auch zutiefst egoistisch am unabhängigen Sitz zu arbeiten. Weil: Dann bekommst du einen echten Knackpo.

Was wird noch trainiert beim Reiten?

Arme, Schultern und Beine werden auch trainiert, weil du deinen Körper koordiniert bewegen musst, weil du Schenkelhilfen geben musst und weil du die Zügel mit leichter Hand halten sollst.

Wichtig: Das alles klappt aber nur, wenn du die Bewegungen korrekt lernst und immer wieder daran arbeitest so fein und leicht wie möglich zu reiten. Du musst an dir arbeiten, um ein guter Reiter zu werden. Denn all deine Fehler übertragen sich auf das Pferd und schaden am Ende der Gesundheit deines Pferdes. Das ist die Kehrseite der Medaille.

Du sitzt auf einem Lebewesen, nicht auf einem Fahrrad. Es hat eigene Muskeln, Beine und ein Knochenskelett. Es ist also im Grunde deine Pflicht und Verantwortung als Reiter einen wirklich guten Job da oben auf dem Pferderücken zu machen. Oder zumindest ständig an dir zu arbeiten, damit du nach und nach eine gute Figur auf deinem Pferd machst. Denn es ist nur fair, dass du deinem Pferd auch die Gesundheit zurückschenkst und die Freude, die es dir gibt.

Das Pferd ist also im Grunde dein Fitnessstudio. Aber es ist noch viel mehr.

Meditation und Seelentrainer

Das Beste am Umgang mit Pferden ist nämlich die entspannende Wirkung für deine Seele. Pferde sind dein Psychologe und Yogameister in einem. Nur wenn du in dir ruhst, wenn du deine innere Entspannung findest und in einer Art meditativem Ommmmmh zu deinem Pferd kommst, wird es auch entsprechend ruhig und gelassen auf dich reagieren. Und nur dann macht der Ausritt auch Spaß.

Denn Pferde sind als Fluchttiere darauf gepolt ihr Gegenüber innerhalb von Millisekunden abzuchecken. Davon hing früher ihr Leben ab. Entsprechend sensibel sind sie auch und reagieren auf Stimmungen und die Erregungskurve ihres Gegenübers. Pferde können sogar deine Herzfrequenz spüren und dein Adrenalin sowieso*

Also musst du als Pferdemensch immer dafür sorgen, dass die Glücks- und Entspannungshormone sprudeln, wenn du deinem Pferd gegenüber trittst. Damit sich dein Pferd auch bei dir wohlfühlen kann und nicht nur du bei deinem Pferd. Egal ob im Sattel oder am Boden.

Vorhand kreuzen

Bisschen biegen bitte

So, denkst du jetzt vielleicht. Das ist doch alles gut und schön, sagst du jetzt vielleicht. Ich bin dabei und finde das alles super. Aber warum gehört das Wort Reitsport abgeschafft, fragst du dich vielleicht.

Warum „Reitsport“ trotzdem das falsche Wort ist

Wenn ich Reitsport lese, tut mir das oft ein kleines bisschen weh.

Warum? Fragst du jetzt vielleicht, nachdem ich ausführlich erklärt habe, dass Reiten auch Sport ist. Weil in diesem Wort „Reitsport“ für viele leider auch steckt, dass ihr Pferd ein Sportgerät ist, ein Freizeitausgleich. Und das wiederum tut mir weh. Pferde sind so viel mehr als das. Sie sind Freunde, Partner, Psychologen, aber sie sollten nie Sportgerät oder ReitSPORT sein.

Weil das Wort dem Umgang mit Pferden eine andere Richtung geben kann. Ich sage bewusst „kann“. Es hängt natürlich davon ab, was jeder selbst daraus macht. Aber in diesem Wort steckt so viel und Wörter haben Macht. Ich habe nichts gegen das Wort grundsätzlich, sondern gegen das wofür es eben auch stehen kann. Wie immer gilt auch hier, dass nicht jeder Profireiter schlecht ist und auch Reitsport fair, artgerecht und pferdegerecht sein kann. Nicht jeder der Reitsport sagt, betrachtet sein Pferd auch als Sportgerät. Aber es gibt dem ganzen eine andere Richtung, eine andere Intention als zum Beispiel das Wort „Reitkunst“ oder „Pferdemensch“ oder „Horsemanship*“.

Frage: Vielleicht fällt dir auch ein schönes Wort ein, dass den „Reitsport“ ersetzen könnt. In dem alles Wichtige steckt, aber in dem vor allem auch der Respekt vor dem Lebewesen Pferd steckt? Schreib mir einfach einen Kommentar wie du das siehst oder welche Wörter du gerne magst – oder nicht magst und warum.

Ja, dein Pferd kann dir helfen ein sportlicherer und zufriedenerer Mensch zu werden und Reiten ist natürlich Sport, weil du deine Muskeln anstrengst. Aber Pferde sind kein Sport. Sie sind Lebewesen mit Bedürfnissen und Eigenschaften und das musst du immer respektieren.

Du musst lernen als Dank dafür, dass sie dir so viel geben, ihnen auch etwas zurückzugeben:

  • Dein Wissen
  • Deine Kompetenz als Reiter
  • Deinen Respekt für ihre Bedürfnisse

Dann könnt ihr zusammen sehr lange sehr gesund und zufrieden sein. Also tue mir bitte einen Gefallen und schmeiße deine Ausbinder, deine Sperrriemen, deine Hilfszügel und vielleicht sogar deine Sporen weg. Trainiere mit deinem Pferd am Boden wie im Sattel und lerne es kennen. Dann wird es dir so viel mehr schenken als das reine Muskeltraining und ein paar nette Stunden im Sattel und du wirst ihm irgendwann gerecht werden.

Pferd hinten

22 Kommentare zu “Warum Reiten Sport und das Wort „Reitsport“ trotzdem falsch ist

    • Petra sagt:

      Hach – liebe Sabine, danke!!! Das freut mich sehr. Liebe Grüße an Dich und Freyr, Petra

  1. Vivi sagt:

    Mir gehts genauso, ich mag das Wort Reitsport auch nicht. Jeder der nichts mit Pferde zu tun hat und dem du sagst das du reitest, denk als erstes an Reitsport und verbindet damit, was man beim durchschalten im Fernsehen sieht (nach der Rolexwerbung): Reiter die sich von ihrem Pferd durch den Pakour tragen lassen, da macht das Pferd ja den Sport, werden sie sagen. Gar nicht so selten habe ich schon Springreiter gesehen, die wirklich nur "draufhingen" und Glück hatten, nach dem Sprung noch oben zu sein und ein Pferd zu haben, das die Distanzen selbst abschätzt und auch bei einer unpassenden Distanz noch über den M-Sprung geht. Ich finde es so traurig, dass im Reitsport so oft die, die das Pferd nur als Sportgerät sehen, die Erfolge haben. (Nicht nur beim Springen, bei Dressur, Distanz, Western,…) Zwar gibt es Ausnahmen, die es auch mit Fairness schaffen, ganz nach oben zu kommen, doch das sind nicht viele. Es finde es schade, dass man sich als Reiter dann immer rechtfertigen muss und erst erklären muss, was man selbst tut und warum das was anderes ist und dass das keine Tierquälerei ist.

    • Petra sagt:

      Liebe Vicky, da sagst du was. Es ist so eine merkwürdige Mischung aus "erklären müssen", dass Reiten und das Zusammensein mit Pferden auch ganz anders laufen kann. Oft sind die Menschen dann fasziniert und finden toll, dass man ein Pferd hat. Und der andere Part der Mischung ist aber gleichzeitig "sagen müssen", dass leider so viel schiefläuft in der Reiterwelt. Die Richter haben für mich einen großen Anteil daran. Wenn andere Dinge bewertet würden und große Namen gezwungen würden durch die Bewertungen anders reiten zu müssen, wäre schon viel getan. Genau wie die Verbände, die ja mit ihren Vorgaben oft zuviel von zu jungen Pferden wollen und Züchter damit auch "zwingen" bei diesem Wahnsinn mitzuziehen, wenn sie davon leben wollen. Genau wie die Bereiter und Trainer, die davon leben müssen und und und. Es muss sich einiges ändern. Aber es ist schön, dass es Menschen wie dich gibt, die schon einen anderen Weg gehen. Ganz liebe Grüße, Petra

  2. Susanne sagt:

    Ja, Wörter haben Macht und sie machen einen Unterschied! Mein Sprachgebrauch hat sich genauso verändert, wie mein Umgang mit Pferden. Irgendwann passen gewisse Wörter oder Sätze einfach nicht mehr. Und ich zuck zum Beispiel, wenn jemand sagt "Ich geh zum Reiten." Da fehlt für mich das, um was es geht – das Pferd. Ich geh schwimmen oder joggen, aber wenn ich in den Stall fahre, geh ich zu Corado und was wir dann zusammen machen, ist zweitrangig – Hauptsache wir haben Spaß.

    • Petra sagt:

      Das ist schon merkwürdig, aber es ist einfach so. Ich habe anfangs auch noch gesagt, dass ich "zum Reiten gehe" – oder "zur Reitstunde" – nicht zum Pferd. Das ist jetzt etwas anderes. Ich gehe immer zu einem Pferd. Es geht mir genau wie dir. Danke für den wunderbaren Kommentar und liebe Grüße an Corado und dich, Petra

    • Petra sagt:

      Wie lieb, dankeschön! Ich freue mich sehr, dass du den Artikel magst. Liebe Grüße, Petra

  3. Claudia sagt:

    Liebe Petra,

    der Artikel hat mich echt zum nachdenken gebracht. Da ist mir aufgefallen, dass ich das Wort Reitsport eigentlich gar nicht verwende. Ich sage nicht einmal: "Ich bin heute Reiten!"

    Wenn mich jemand fragt was machst du heute, dann sage ich immer: "Ich fahr heute zum/r Pferd/Maus/Chickybär!"

    Total schön wenn man darüber nachdenkt, dass schon unterbewusst durch diese Aussage klar wird was einem wichtig ist…

    Beim Thema Sport bin ich auch total bei dir, ich hatte erst vor kurzem ein Belastungs-EKG. Der Arzt war absolut begeistert von meiner Kraft in den Beinen und der Ausdauer!

    Schön wenn man seine Leidenschaft für Pferde ausleben kann und ganz nebenbei auch fit bleibt!

    lg Claudia

    • Petra sagt:

      Liebe Claudia, Wörter sind wirklich spannend. Erst mal sind es nur Buchstaben, aber dann bekommen sie eine Bedeutung und sie beeinflussen wer wir sind und wie wir uns verhalten. Oder sie können es zumindest. Deswegen habe ich einfach mal über das Wort "Reitsport" nachgedacht. Du hast ja schon die passenden Wörter im Kopf. Ich gehe auch immer zum "Pferd" und dann reiten wir vielleicht auch 🙂 Ganz liebe Grüße an dich und Chickybär, Petra

  4. Doro sagt:

    Hallo Petra,

    hast Du denn Alternativen? Ich fühle mich ein wenig an die Diskussion um das Zigeunerschnitzel erinnert und bin ehrlich gesagt der Meinung, dass Du jetzt pauschalisiert und alle, die das Wort Reitsport nutzen, über einen Kamm scherst. Obwohl du ja geschrieben hast, nicht alle. Aber dennoch bin ich der Meinung das ein so etabliertes Wörtchen (ich mache darüber hinaus auch "Hundesport") doch niemandem weh tut oder soviel Raum für Fehlinterpretation lässt. Reitsport sagen bedeutet doch nicht, dass man die Beziehung außer acht lässt. Jeder Tierfreund (bei mir ob Pferd ob Hund) weiß doch um die enge Beziehung und das Miteinander, ohne dass man seinen Sport (in dem Fall die Begleiterscheinung der Tierliebe) gar nicht ausüben kann. Mich stört das Wort zumindest nicht und die Leute von außerhalb des "Reitsport" können weder mit den Tieren noch dem Sport viel anfangen, von daher… Naja. Mich stört das Wörtchen nicht. Uff…
    LG
    Doro

    • Petra sagt:

      Hallo Doro, Du scheinst sehr viel Wert auf Sicherheit zu legen. Da du ja sogar eine ganze Webseite nur zu dem Thema Sicherheitswesten hast. Ich kenne die Diskussion um das Zigeunerschnitzel leider nicht, deswegen kann ich dazu nichts sagen. Ich möchte dich nicht angreifen und niemand anderen, aber es macht mich immer wieder traurig, wenn ich sehe wie sehr oft mit Tieren umgegangen wird. Nicht alle im Reitsport tun das, sicher nicht. Ich denke, dass das absolut klar ist. Ich habe den Artikel bewusst etwas zugespitzt, weil ich zum nachdenken anregen will. Genauso wenig, wie es bedeutet, dass man mit dem Wort "Reitsport" bedeutet, dass man die Beziehung außer acht lässt (wie du schreibst), bedeutet es leider, dass man eine enge Beziehung als Basis braucht, um Turniersport mit dem Tier zu machen. Da muss ich dir leider widersprechen. Wenn ich mich im Profisport umschaue – dann wage ich schwer zu bezweifeln, dass die Mehrheit eine liebevolle und von Verständnis geprägte Beziehung zum Tier hat. Nimm all die Pferderennen – die Jockeys sitzen oft als gebuchte Reiter auf dem Rücken eines Pferdes, das sie kaum kennen. Ich könnte dir noch mehr Beispiele nennen. Ich will auch nicht sagen, dass man nicht Reitsportler und tierliebender sein kann. Aber ich würde mir wünschen, dass die Seele der Pferde öfter mal eine größere Rolle spielen würde als der Pokal. Ich freue mich aber für dich mit, dass dich das Wort nicht stört. Mich schon, oft. Nicht immer. Aber oft. Weil es für eine Haltung dem Tier gegenüber steht und nur diese Haltung "greife" ich an, wenn ich so einen Artikel schreibe. Nicht die Reiter, die mit ihrem Pferd liebevoll, artgerecht und fair umgehen. Liebe Grüße, Petra

  5. Sandra sagt:

    Hallo Petra,
    ein sehr schöner Artikel, der den Nagel auf den Kopf trifft. "Reitkunst" ist das Wort, das ich selbst lieber verwende als Reitsport, wenn ich versuche, zu erklären, worum es mir beim Reiten geht. Und "Kunst" kommt beim Reiten eindeutig von "Können". Reiten ist so viel mehr, als einfach ein Sport. Es ist vielmehr eine Lebenseinstellung. (Ok, von der "Kunst" bin ich selbst noch meilenweit entfernt – und ob ich es je soweit schaffe – wer weiß …). Vielleicht steht mir dieser Begriff auch nahe, weil ich aus Wien komme (ja, mit der Spanischen Hofreitschule vor Augen … 😉 und selbst im Kulturbereich arbeite. Auf jeden Fall gibt es da große Parallelen finde ich – "Kunst" beinhaltet Ästhetik, Feinfühligkeit, auch das Finden des eigenen Ausdrucks, es ist ein lebenslanger Weg – ja, und die Kunst beginnt dann, wenn sie über die reine "Technik" hinausgeht. Das sind dann die beschriebenen Glücksmomente, die süchtig machen. Dahin zu gelangen benötigt viel Geduld, Arbeit und Leidenschaft (ganz wichtig!) – und um diese Momente zu erleben, mistet man auch gerne hunderte Male das Viereck und den Putzplatz hinter dem geliebten Vierbeiner ab 😉 LG, Sandra

    • Petra sagt:

      Liebe Sandra, danke für deine Gedanken zu dem Thema – sie treffen genau das, was ich auch empfinde. Es ist ein lebenslanger Weg – aber das ist ja auch das Schöne daran. Anfangs wollte ich zu schnell zu perfekt sein – dabei geht dann das Gefühl verloren. Von Kunst bin ich auch noch ganz weit entfernt – aber so lange wie Gefühl und Lebenseinstellung zulassen und immer mitnehmen, wird daraus irgendwann eine Form der Kunst – da bin ich mir sicher 😉 Ganz liebe Grüße und bis bald, Petra

  6. PferdeFreund sagt:

    Danke für den tollen Beitrag. Ich muss mich auch andauernd vor meinen Freunden rechtfertigen, dass das Reiten auch eine Art Sport ist. Werde den Text mal ausdrucken und ihnen vor die Nase halten ^^

    • Petra sagt:

      Sehr gerne 🙂 Es ist schon komisch, gell? Das Pferde so oft mit Sport in einen Pott geworfen werden. Naja, vielleicht ändert sich das irgendwann noch. Viele liebe Grüße, Petra

  7. Anabelle sagt:

    Wie schon viele vor mir gehe ich nicht zum Reiten. Ich gehe entweder in den Stall und dann um im Stall zu Arbeiten oder Ich gehe zum Pferd. was anderes gibts bei mir nicht. wozu auch, man macht ja sonst nix 😀 außer vielleicht mal ein stück Kuchen oder so ;D

    • Petra sagt:

      Das sehe ich auch so 🙂 Ich gehe immer zum Pferd – was wir dann machen wird sehr spontan entschieden, je nach Gefühlslage des Pferdes und meiner. Und alles ist schön – viele liebe Grüße, Petra

  8. Renate Weisz sagt:

    Hi Petra, Deine Kommentare gefallen mir sehr gut. Ich hab bewußt ein Pferd aus dem Tierschutz,im gesetzten Alter ohne große reiterliche Ambitionen zu mir geholt. Ich hab zwei Monate nur am Boden mit ihr gearbeitet, bin dann im Schritt ausgeritten und dann hatte sie eine gelenknahe Schnittverletzung bedingt durch einen Weideunfall.
    Also wieder nur Bodenarbeit bzw. 3Wochen nur Ruhe. 2xtgl.Verbände mit Spülung und das hat sie alles tapfer ertragen.
    Es dauerte drei Monate bis alles gut verheilt war und ich mich wieder traute sie zu reiten,natürlich wieder nur im Schritt. Aber sobald das Mädchen "eingelaufen"war ging sie zügig vorwärts und es schien ihr gut zu tun.
    Die Heilung schritt voran und traben mochte sie auch gerne.
    Ich hab nen Stübben Wanderreitsattel…also so was ausladendes bequemes ,ne Sabro Trense mit einem angeblich super leckeren Sprenger Gebiß, hier der Übergang, die Empfehlung für das Gebiß stammte von einer pferdeerfahrenen Neueinstellerin,welche nach ein bis zwei Ausritten meinte Sperriemen muß drauf und wir trainieren vorwärts-abwärts mit Ausbindern.
    Da Pferd immer nach Hause rennt probieren wir mal das palhalm….
    Aaaalso ich will nicht länger langweilen …ich hab meinem Pferd das alles angetan weil ich dieser Frau vertraute und selbst wenig Pferdeerfahrung habe……Jetzt lebe ich mein Pferd alleine..ich möchte sie gebißlos reiten vielleicht mit Pad und einfach gucken was geht.
    Ich ab mich wirklich manipulieren lassen und bin froh an einem Punkt angelangt zu sein, an welchem ich sage :so wenig "Hilfen wie möglich" und höre was Dein Pferd Dir sagt. Liebe Grüße

    • Petra Haubner sagt:

      Hallo liebe Renate, danke für deinen Kommentar und deine Ehrlichkeit. Ich finde wunderbar, dass du dich dazu entschieden hast deinen eigenen Weg zu gehen. Ich glaube, dass jeder anfangs oder irgendwann etwas macht, was er später vielleicht bereut. Wenn man Lernender ist, dann muss man auch auf die Lehrer hören, bis man es besser weiß und manchmal macht man dabei auch Fehler. Das einzig wichtige ist, dass wir irgendwann hinterfragen und die Fehler nicht ewig wiederholen. Und das machst du ja. Du bist genau an dem richtigen Punkt das ist toll und dein Pferd wird es dir sicher danken. Ich danke dir auf jeden Fall für deine Ehrlichkeit und deine Gedanken und schicke euch viele liebe Grüße, Petra

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