Pferde sind wie Kinder. Sie haben ihren eigenen Kopf, ihre Persönlichkeit und viele verrückte Ideen – sie folgen aber auch gerne. Sie sind verspielt und direkt. Gleichzeitig wollen sie aber auch klare Strukturen, damit sie wissen, dass sie sich auf dich verlassen können. So ein komplexes Geschöpf muss erst einmal dazu motiviert werden, mitzumachen. Das ist gar nicht so schwer. Wenn du weißt, wie.

Stehst du immer wieder vor deinem Pferd und fragst dich, was in seinem Kopf vorgeht? Dann wird es Zeit, dass du „pferdisch“ lernst. Deswegen ist es wichtig, viel zu lesen, dein Pferd in der Herde und im Alltag zu beobachten, Kurse zu besuchen und jedes Buch und jede DVD aufzusagen. Nicht jede Methode wird dir Richtige für dich und dein Pferd sein und nicht aus jeder Methode musst du alles für dich mitnehmen. Ich persönlich zum Beispiel mag manche Ideen aus dem Horsemanship, aber nicht alle. Vieles ist mir mit zuviel Druck verbunden.

HIER habe ich in einem Artikel zum Thema Horsemanship meine Gedanken nochmal für dich zusammengefasst

Trotzdem ist es interessant einzelne Elemente und Gedanken ins Training mitzunehmen. Auch wenn man nicht jeden Trainer oder jede Ausprägung mag.

Neben meinen LieblingsautorenMark Rashid* undAlfonso Aguilar* ist mir vor kurzem auch Birger Gieseke* über den Weg gelaufen. Der Horseman arbeitet seit über 40 Jahren mit Pferden. Er hat vor einiger Zeit zusammen mit Arminius Media die DVD „Horsemanship – Motivationstraining im Roundpen und Longierzirkel“ herausgebracht. Ich mag DVDs und Lehrvideos besonders gerne, weil wir so die Übungen und das Training in der Bewegung sehen können. Das ist fast wie ein Kurs – nur eben vom Wohnzimmersofa aus. Deswegen habe ich mich gefreut, als die DVD in meinem Postkasten gelandet ist und sie sofort eingelegt. Ich teile nicht alle Ansichten dieser DVD, aber will sie dir als eine von verschiedenen Facetten vorstellen.

DVD-Tipp „Horsemanship“

Ich habe mir die DVD für dich angesehen und eine Beschreibung für dich, damit du eine Vorstellung hast, worum es dabei geht und dir überlegen kannst, ob sie etwas für dich und dein Pferd ist:

Start: Mit einem Pferd im Roundpen.

  • Birger läuft mit der Stute im Roundpen.
  • Er fragt verschiedene Tempi und Richtungen an.
  • Erst nah, dann weiter entfernt, um zu sehen, ob die Stute folgt.

Es geht um Respekt und Achtsamkeit, darum sich zuzuhören. Das Pferd dem Menschen und der Mensch dem Pferd. Birger Giesecke erklärt Schritt für Schritt, wie er das erreicht. .

TIPP: Stell dir vor, du bist mit deinem Partner beim Christmas-Shopping! Der Mensch geht mit seinem Pferd spazieren und das Pferd darf überall langgehen, alles anschauen und betrachten. Du musst nur darauf achten immer in der gleichen Position zu bleiben. Also nebeneinander an den „Schaufenstern“ vorbeizulaufen und gemeinsam stehen zu bleiben.

Was mir gefällt:

  • Birger bedankt sich im Verlauf des Trainings immer wieder bei der Stute. Das finde ich toll!
  • Das Pferd wird nicht in eine Form gepresst, sondern darf sich wohlfühlen.
  • Er freut sich jedes Mal, wenn die Stute zu ihm kommt und dankt ihr für ihr Vertrauen. Sie soll verspielt sein, sie soll neugierig sein und darf lauffreudig sein.
  • Die Einstellung: Birger Gieseke will dem Pferd seinen Ausdruck lassen und erhalten.

Schritt für Schritt werden die Basics im Round Pen gezeigt und erklärt. Was mir sehr gefällt, ist, dass Birger Gieseke in der DVD bei jeder Übung immer erklärt was er macht und warum er es macht*

Kennst du das auch? Ich MUSS immer wissen, warum jemand etwas macht, um zu begreifen und merken zu können.

Ein Beispiel: Die Hinterhandwendung: Immer wieder visiert er die Hinterhand an, um abzufragen, ob die Stute die Hinterhand von ihm bewegen lässt. Allein durch seine Energie und Körpersprache. Er beugt sich leicht nach vorne (wie ein Raubtier) und visiert die Hinterhand an.

Die Stute dreht ihm den Kopf zu und weicht mit der Hinterhand. Warum tut sie das? Weil er ihr durch seine Körpersprache signalisiert hat, dass sie sich wegbewegen soll. Warum reagiert sie? Weil so die Kommunikation der Pferde untereinander klassisch funktioniert.

Gieseke erklärt, wie du Schritt für Schritt vorgehst:

  • wie du verschiedene Gymnastische Übungen wie „Seitengänge“, „Hinterhand“ oder „Vorhand weichen“ und andere Übungen am Boden vorbereiten kannst
  • was du tun kannst, wenn das Pferd nicht folgt oder nicht macht, was du möchtest

Gieseke erklärt auch, dass die Stute mit der er arbeitet, ihn schon gut kennt, weshalb die Übungen besonders gut funktionieren.

Wenn du also zu Hause anfängst, solltest du Schritt für Schritt vorgehen und nicht alles von Anfang an erwarten. Kleine Schritte sind großartige Erfolge. Freu dich mit deinem Pferd, wenn etwas klappt.

Mit vielen kleinen Schritten und Wertschätzung zum großen Erfolg.

Zu schätzen, was das Pferd für dich macht, ist wichtig. Alle guten Trainer machen genau das. Sie loben und wertschätzen, wenn etwas gut war.

Trainer wie Kenzie Dysli*Sandra Schneider*Bernd Hackl*Alfonso Aguilar* oder meine Trainern am Stall, Sabine Wendland – sie alle legen sehr viel Wert auf klare Körpersprache, Lob, Dank und Respekt der auf Gegenseitigkeit beruht.

Zurück zur DVD „Horsemanship für Roundpen und Longierzirkel“

Wie du deinem Pferd beibringen kannst entspannter und ausgeglichener zu werden?

So geht Birger Gieseke in der DVD vor:

Erst fragt er, ob sein Pferd Respektvoll ist, indem er testet, ob er die Hinterhand der Stute bewegen kann.

Er fragt das Pferd, ob es im Zirkel laufen kann. Egal mit welcher Gangart zunächst.

Er beobachtet, wie es läuft. Ist es interessiert? Ist es mit der Aufmerksamkeit bei ihm? Behält es die Gangart bei, auch wenn er keine Energie gibt?

Die Basis von allem ist Respekt. Wenn das Pferd ihn hat, wird es seinen Fragen folgen.

Er plädiert dafür, das Pferd immer wieder zum Nachdenken zu bringen, um es immer weiter fortzubilden. Das geht mit Seitwärts arbeiten, Hindernisse und Herausforderungen, neuen Übungen und Antischreck-Training.

Gieseke nimmt immer erst das Seil und das Knotenhalfer, danach trainiert er die gleichen Übungen auch ohne in der Freiheitsarbeit. Er arbeitet sehr stark mit Körpersprache und klaren Signalen. fängt immer mit leichter Energie an und steigert sich dann in mehreren Stufen.

  1. Freundliche Anfrage
  2. Deutlichere Anfrage
  3. Ich habe gesagt, Du sollst! Bitte mach also, das ist die letzte Warnung.

Spätestens hier scheiden sich die Geister. Es ist die Grundidee des Horsemanship in Druckstufen zu arbeiten und einzufordern, worum man gebeten hat. Ich persönlich mag die letzten Druckstufen nicht und versuche von meinem Pferd nur zu verlangen, was es auch geben kann. Ich belohne lieber gute Schritte in die richtige Richtung mit Lob und auch mal einem Leckerli, als mit Druck in eine Richtung zu arbeiten. Je nach Pferd und Mensch muss jeder für sich entscheiden, was der richtige Weg ist. Wichtig ist mir nur, dass das Pferd zu keinem Zeitpunkt das Gefühl entwickelt keine Wahl mehr zu haben. Denn dann wird es irgendwann zu einer Maschine werden, weil es gelernt hat, keine Wahl zu haben. Das kann irgendwann in der erlernten Hilflosigkeit enden. Das wäre traurig und schlimm. Wobei ich auch glaube, dass Richtlinien und Rahmenlinien dem Pferd wiederum ein gutes und sicheres Gefühl geben können.

Also: Auch bei diesem Training gilt: Hör auf dein Gefühl und hör auf dein Pferd.

Inhaltsangabe – Zusammenfassung:

Tipps und Tricks zum Horsemanship im Round Pen. Körpersprache und Lob als wichtiges Instrument der Motivation. Es geht um eine gute Gymnastizierung und verbesserte körperliche Fitness (erstmal für das Pferd, aber der Reiter trainiert ja auch mit).

Das große Ziel ist irgendwann ein motiviertes Pferd, das auch ohne Halfter oder Strick mitarbeitet. Ein Traum!

Fragen statt Fordern und Danken statt Darüberhinweggehen.

FAZIT:

Die DVD „Horsemanship für Roundpen und Longierzirkel“ erklärt in 85 Minuten die Basics zum Thema „Horsemanship“ im Round Pen. Birger Gieseke ist ein guter Lehrer, er erklärt ruhig und gelassen. Er liefert nicht nur das Was und das Wie, sondern auch das Warum. Körpersprache ist ein Schwerpunktthema bei der DVD. Du kannst sicher auch einzelne Übungen mit dem eigenen Pferd nachtrainieren. Da er so detailliert und einfach erklärt, dürfte das kein Problem sein.

Die DVD ist von Arminius Media und wurde uns netterweise zur Verfügung gestellt.

Autor: Petra

Pferde machen glücklich. Sie sind unsere Lehrmeister, auf dem Weg zu dem besten "Ich", das wir werden können. Daran glaube ich fest. Es ist wichtig, dass wir ihnen zuhören und lernen sie zu verstehen. Dann schenken sie uns besondere Momente. Diese Momente machen süchtig. Im echten Leben bin ich professionelle Journalistin. Das versuche ich hier in die Welt der Pferde zu übertragen. Ich schreibe die Artikel, führe die Interviews und besuche die Kurse für mehr Pferdewissen. Mein Mantra: Sei ein sicherer Ort für das Pferd.

4 Kommentare zu “Wie du dein Pferd richtig motivieren kannst! DVD-Tipp für Horsemanship

  1. Miriam sagt:

    Liebe Petra,

    du schreibst sehr schön „Fragen statt Fordern“, leider sehe ich das in den Stufen die du darüber beschreibst nicht. Beim Fragen sollte ich ein Nein akzeptieren. Es sollte doch eine ehrliche Antwortmöglichkeit bestehen. Diese hat das Pferd aber nicht, wenn ich dann einfach mehr Druck aufbaue um es doch zu dem zu bewegen was ich möchte. Dann ist es ehrlich gesagt ein Befehl. Klar ich sage ihn anfangs nett, aber wenn die gewünschte Reaktion nicht kommt, werde ich auch etwas unbequemer.
    Für mich entstehen daraus zwei Dinge, erstens werden gerade sensiblere Pferde sich nicht mehr trauen nein zu sagen, d.h. ich unterbinde damit die Kommunikation und zweitens tut das Pferd das von mir gewünschte nicht aus Eigenmotivation, sondern weil es Angst hat, dass ich unbequem werde, wenn es nicht reagiert.
    Für mich persönlich ist gerade das nicht der Weg zur Motivation. Denn ich möchte nicht, dass mein Pferd Dinge tut, weil es Angst hat, dass ich unbequem werde, wenn es das nich tut.
    Ich mache auch täglich die Erfahrung, dass es anders geht. Vielleicht ein kleines Beispiel: Mein Pony hat Schwierigkeiten damit still zu stehen. Das macht er nicht so gerne. Viel lieber kaspert er rum, wird gekrault, schaut sich Dinge an usw. Ich möchte nun aber von ihm, dass er auch mal still steht. Ich frage ihn also ob er für mich mal kurz stillstehen kann. Wenn er diese Frage auch nur ganz kurz mit Ja beantwortet, lobe ich ihn, freu mich ganz arg. Sagt er nein, ignoriere ich das einfach. Er kann dann weggehen, aber ich folge ihm nicht und mache dann auch kein anderes Angebot. Auf diese Art kann er mittlerweile sehr schön still stehen und ist mit Freude dabei. Ich sehe an seinem konzentrierten Gesichtsausdruck wie ihn das anstrengt, aber er möchte es gerne. Also versucht er es auch wenn er manchmal noch wegläuft, weil es dann doch zu lange war und er es nicht mehr ausgehalten hat.Die ganze Zeit hat er aber ehrlich die Chance zu sagen, ich möchte das nicht. Es passiert nichts unangenehmes, wenn er sich dagegen entscheidet. Es bleibt nur meine Freude und Begeisterung weg.
    Das sind für mich ehrliche Fragen und Motivation
    Liebe Grüße
    Miriam

    • Petra sagt:

      Liebe Miriam, da hast du Recht. Ich habe einfach die DVD zusammengefasst und an den besagten Stellen zu wenig meine Meinung einfließen lassen. Dein Kommentar hat mich daran erinnert. Ich habe den Artikel nochmal ergänzt. Ich glaube, dass es wichtig ist, das Pferd auch immer zu fragen und mitreden zu lassen. Mein persönlicher Mitspracheanteil ist nur etwas geringer als deiner. Ich glaube, dass wir uns darin etwas unterscheiden. Aber das sind Nuancen. Meine Stute entspannt aber auch regelrecht, wenn ich ihr freundlich aber bestimmt sage, das ich etwas nicht will. Auch das ist eine Erfahrung, die ich immer wieder mache. Sie scheint zu fragen, ob ich wirklich weiß was ich will und dann zu sagen: Alles klar, du weißt was du willst, also weißt du was du tust, dann kann ich ja aufhören mit dem stressigen Aufpassen und dir einfach folgen.

      Ich stehe vielem im Horsemanship genau wie du kritisch gegenüber, zumindest so wie es klassisch betrieben wird. Mit Seilgeschüttel, Druck Druck Druck und Gehorsamsgedanken. Trotzdem glaube ich, das einzelne Gedanken und Elemente daraus spannend und richtig sind. Dann wenn es darum geht, Pferde lesen zu lernen, Körpersprache zu beachten und erste Schritte der Kommunikation. Und dann wenn es bei Trainern gelehrt wird, die auch achtsam und fein sind. Ich mag übrigens deinen Trainingsweg mit deinem kleinen Ponymann so sehr. Aber das schreibe ich dir ja immer wieder einfach weil ich toll finde, was du machst. Danke, dass du immer wieder auch von euch schreibst 🙂 Das bereichert die Pferdeflüsterei wirklich sehr. Ganz liebe Grüße und danke für deinen Kommentar, Petra

  2. Sarah Z. sagt:

    Liebe Petra,
    ich teile da Miriams Meinung vollständig.
    Oft sagen Horseman, sie lassen den Pferden die Wahl, sind höflich und betrachten die Pferde als Partner und machen wenn´s darauf ankommt genau das Gegenteil.
    Generell muss ich sagen, dass allein der Roundpen schon nicht viel „Nein sagen“ erlaubt, denn das Pferd kann nicht gehen. (Kommt ein bisschen auf die Größe des Roundpens an-es gibt ja auch 30m Zirkel).
    Gerade da ist es wichtig, das Pferd nicht einzuengen und Druck aufzubauen.
    Die ehrlichste Form der Kommunikation findet immer noch im Freien statt.
    Dass man natürlich nicht gleich alle Seile entfernen kann und dann davon ausgeht, dass alles klappt, ist auch klar. Doch das, was man am Seil übt, sollte man meiner Meinung nach, immer danach frei abfragen, um zu sehen, wo man wirklich steht und das Pferd dann auch noch gern bei einem bleibt.
    Liebe Grüße
    Sarah

    • Petra sagt:

      Liebe Sarah, Miriam hat immer so schöne Gedanken zum Thema „Pferd“. Dem kann ich auch immer nur aus vollem Herzen zustimmen. Ihr habt auch beide Recht damit, dass viele Horseman nicht so höflich sind, wie sie sagen. Ich habe aber auch Trainer des Horsemanship kennengelernt, die ihr Versprechen gehalten haben. Aber ihr habt schon Recht mit den Druckstufen, deswegen habe ich die Rezension noch um ein paar Gedanken ergänzt. Der Round-Pen macht es den Menschen schon deutlich leichter, weil die Ecken und der Platz fehlen. Wir haben zum Beispiel keine Halle, nur ein überdachtes Roundpen und einen offenen PLatz. Deswegen übe ich vieles bei schlechtem Wetter auch im Roundpen, aber wir testen immer auch auf dem Platz ob es funktioniert. Das ist ein guter Indikator, um zu testen, ob das Pferd wirklich in Kommunikation ist – ein guter Hinweis 🙂 Liebe Grüße und bis bald, Petra

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