Longieren, kennst du. Das macht man eben. Warum? Weil man es eben macht, sagst du vielleicht. Das man etwas einfach so macht oder schon immer so gemacht hat. Das ist vermutlich der blödeste Grund, den es gibt.Aber er wird ja immer gerne genommen in der Pferdewelt.

Longieren stand ganz weit oben auf meiner To-Do-Liste in mir. Weil ich es wichtig finde nicht nur oben gut zu sitzen und in der Runde zu hoppeln, sondern alles zu können in Sachen Pferd. Auch Longieren. Aber letztlich musst du ganz genau wissen, wie – damit die Longe Sinn macht. Ansonsten artet es in einen sinnlosen Schleudergang aus. 

Also habe ich das Pferd von der Weide geholt, geputzt, mit der Bürste das Fell massiert, musste Lächeln weil das Pferd zufrieden geschnaubt hat, dann weiter gestriegelt und den Kappzaum aus dem Stall geholt. Ein Kappzaum ist ein spezieller Zaum, er ist im Grunde wie ein Halfter geschnitten, hat aber auf der Nase drei Ringe und muss sorgfältig verschnallt und dem Pferd angelegt werden. Du kannst es so feiner in die Biegung steuern. 

Es gibt verschiedene Kappzäume, je nachdem, was man damit anstellen will. Geht es darum an der Längsbiegung des Pferdes zu arbeiten, also an der körperlichen Biegung und Gymnastik, dann ist ein Kappzaum gut, weil man beim Longieren ganz fein auf den Kopf und damit auf die Stellung des Genicks einwirken kann.

Nicht zu scharf auf die Nase! Der Kappzaum

Der Kappzaum sollte schon gut abgepolstert sein, damit er nicht zu scharf auf die Nase wirkt. Da hat das Pferd einige sensible Nerven und der Nasenknochen ist sehr fein. Du kannst ihn ganz schnell brechen.

Der Kappzaum sollte immer gut passen, damit er nicht unangenehm oder scharf auf die zarte Pferdenase wirkt. Es ist sehr wichtig, dass der Kappzaum richtig sitzt.

Hier sind die wichtigsten Facts zum Kappzaum

  • Nicht auf der Nase, sondern unterhalb des Jochbein-Knochens.
  • Man könnte sagen, etwa 2 Finger unter dem Jochbein.
  • So ein Kappzaum hat zwei Riemen, einen Nasenriemen und einen Ganaschenriemen (also die Bäckchen vom Pferd).
  • Beide sollten gut festgezogen werden, damit der Kappzaum nicht verrutscht und dem Pferd ins Auge gehen kann. Eine tolle Beschreibung gibt es auf der Webseite „Wege zum Pferd“ (Kappzaum to Go – Link).
  • Der Kappzaum muss gut sitzen, damit er nicht bei Handwechseln (also wenn man das Pferd von rechten auf die linke Hand wechseln lässt zum Beispiel) an der Nase herumschlenkert oder sich gar ins Auge drückt.

Sinnlos longieren

Jede Gangart 10 Minuten, also Schritt, Trab und Galopp. Auf jeder Hand je 5 Minuten. 

Kurz gesagt:

  1. Auf der linken Hand 5 Minuten Schritt
  2. Auf der rechten Hand 5 Minuten Schritt
  3. Auf der linken Hand 5 Minuten Trab
  4. Auf der rechten Hand 5 Minuten Trab
  5. Auf der linken Hand 5 Minuten Galopp
  6. Auf der rechten Hand 5 Minuten Galopp.

Immer im gleichen Abstand

  • Das Pferd sollte sich immer im gleichen Abstand um den Menschen bewegen.
  • Die Longe sollte nicht am Boden schleifen und das Pferd sollte das machen, was der Mensch will

How to Handwechsel

  • Hör auf zu treiben
  • beweg dich auf das Pferd zu
  • Geh von der Mitte weg
  • Komm vor die Schulter des Pferdes
  • Du schneidest dem Pferd körpersprachlich im Grunde den „Weg abschneidet“, dann wendet es relativ schnell und dann wieder treiben und dabei hinter die Schulter kommen und schwupps schon läuft es.

Allerdings kann ich das auch alles ohne Longe machen.

Nachteil der Longe: Worin besteht der Sinn für ein Pferd im Kreis zu laufen?

Gar nicht. Punkt. Erstmal. Natürlich hilft es dem Pferd seine Balance zu finden. Sich zu biegen und zu stellen. Du kannst deinem Pferd an der Longe sicher sehr viel beibringen. Aber das ist eine hohe Kunst. Das Longieren, so wie es oft betrieben wird, macht wenig Sinn für die Pferde. Sie werden müde. Okay. Sie lassen Energie ab. Okay. Aber wenn Pferde in der Herde gehalten werden und genug Raum für Bewegung haben, braucht es das gar nicht.

Sinnvolles Longieren

Longieren kann sinnvoll sein. Ich kann euch da die Longenkurse von “Wege zum Pferd”* sehr empfehlen. Die beiden Trainerinnen zeigen perfekt, was man mit der Longe alles anstellen kann. Sie haben sich quasi darauf spezialisiert und sind wahre Longen-Künstlerinnen geworden.

Longieren nach Michael Geitner und der Dualaktivierung kann sicher auch sinnvoll sein. Ich habe mit Michael Geitner, dem Erfinder der Dualaktivierung, ein Interview dazu geführt:

LINK zum Interview mit Michael Geitner

Da kannst du mehr darüber nachlesen. Und ich habe mit einer seiner Trainerinnen einen Film dazu gemacht:

Auch das ist sinnvoll: Equikinetic ®: Pferde effektiv longieren*

Aber das “Schleudern im Kreis” mit dem einzigen Zweck des Müde machens oder Longierens “weil man es schon immer so gemacht hat”, das macht aus meiner Sicht keinen Sinn.

5 Kommentare zu “Richtig Longieren: Wie die Longe wirklich pferdefreundlich ist

  1. Sabrina sagt:

    Hi,

    ich finde es echt traurig, dass ich so viele Reiter sehe, die ihr Pferd kurz ablongieren, damit sie sich selbst nicht anstrengen müssen. Obwohl man mit dem richtigen Longieren so viel mehr erreichen kann.
    Da meine Stute (Tennessee Walker, Gangpferd) leider nicht Trabt oder Walkt sondern in dieser Geschwindigkeit Pass läuft ist für mich die Longierarbeit kombiniert mit Stangen sehr wichtig (sie hatte mir damals neben Pass das Traben angeboten). Und von wegen immer das Gleiche, jedes Mal wird alles (Stangen, Pylonen, etc.) anders aufgebaut. Für uns ist dieses Training nicht weg zu denken, vor allem hat sie sich innerhalb 1 Jahres so gut gemacht und mir somit bestätigt, dass wir auf einem Guten Weg sind.

    Freue mich schon auf mehr Artikel.

    Liebe Grüße
    Sabrina

    • Petra sagt:

      Hallo liebe Sabrina, Stangenarbeit ist auch so ein tolles Thema, was wir auch auf der Agenda haben. Die Longe kann so viel mehr als nur "müde machen" – zumal die Pferde so ja auch Kondition aufbauen und so immer schwerer im Umgang werden. Viele liebe Grüße und danke für deine Erfahrungen zu dem Thema, Petra

  2. Judith sagt:

    Hallo Petra, warum longierst du mit einem kappzaum? Ja, ich weiß, alle, die von der klassischen Dressur Ausbildung kommen, propagieren das, ich habe es auch gemacht. Aber je mehr ich mich mit Freiarbeit beschäftige, desto unbefriedigender finde ich den Kappzaum. Da er recht fest geschnallt werden muss um nicht ins Auge zu rutschen, lässt der Druck nie wirklich nach. Wenn man einmal kapiert hat, dass ein Pferd durch Nachlassen des Drucks versteht, was wir von ihm wollen (was dann wie eine positive Verstärkung wirkt), kommt einem der Kappzaum widersinnig vor. Ich habe festgestellt, dass man auch sehr wohl durch einfaches Nachtreiben von hinten eine Innenstellung erreichen kann, wenn man in dem Moment die treibende Hilfe komplett aussetzt, in dem das Pferd nach innen schaut. Dauert halt etwas länger, erfordert Gefühl, ist aber VIEL nachhaltiger. LG JUDITH

    • Petra sagt:

      Hallo Judith, tatsächlich habe ich mir einen nach Maß machen lassen und ohne Eisen. Er muss also nicht so fest verschnallt werden. Ich nutze ihn auch mehr für die Handarbeit als für das Longieren und bei mir passt 1-2 Fingerbreit unter den Nasenriemen – da ist also kein Druck drauf. Viele liebe Grüße und danke für deine Gedanken zum Thema – dein Ansatz ist auch sehr spannend, Petra

  3. Christina sagt:

    Hallo Judith,
    darf ich dir eine provokante Frage stellen – wie stehst du dann zum Sattelgurt? Auch der übt beständigen, relativ hohen Druck aus.
    Es ist richtig, der Kappzaum muss – verglichen mit einem Reithalfter – enger verschnallt werden, seit ich für mein Pferd jedoch einen gefunden habe, der richtig gut passt, habe ich nicht das Gefühl ihn einzuengen. Ich habe auch nicht den Eindruck, als wäre er durch den konstanten Druck ärgerlich oder verwirrt, weil er nicht weiß, ob er richtig reagiert hat. Meine Hilfe (egal ob Longen-, Stimm- oder Gertensignal) setzt ja trotzdem in dem Moment aus, wo die richtige Reaktion da ist.

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