Artikel aktualisiert am 01.10.2019

Ich brauche dich! Du musst mir unbedingt helfen die Reiterwelt ein bisschen besser zu machen. Das können wir aber nur zusammen. Ich verspreche dir, dass du auch etwas davon hast, wenn du mitmachst bei meiner großen „Löschaktion“. Du wirst ganz sicher eine bessere Beziehung zu deinem Pferd bekommen. 

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Bullshit Bingo für Reiter!

Ich möchte zwei Sätze aus der Reiterwelt löschen. Bedingungslos! Vielleicht möchtest du diesen Artikel auch Weiterteilen mit der Bitte an alle deine Reiterfreunde, diese zwei Sätze aus ihrem Kopf und damit aus der Reiterwelt endlich zu streichen.

Pferdeflüsterei TO GO – Der Podcast zum Thema “Der Gaul verarscht dich doch”

Warum wir dringend eine Lösch”aktion” brauchen

Im Artikel werde ich dir diese zwei Sätze beschreiben und dir erklären, warum du sie unbedingt aus deinem Kopf streichen solltest. Denn diese zwei Sätze beinträchtigen immer wieder die Beziehung zu deinem Pferd. Selbst wenn du es im Alltag nicht immer merkst, aber wenn sie in deinem Hinterkopf lauern und bei passenden Gelegenheiten rausspringen, stören sie jedesmal die Beziehung mit deinem Pferd. Warum werde ich dir im Artikel erklären und dir natürlich auch diese zwei Sätze nennen. Aber erst einmal will ich dir eine kurze Geschichte erzählen.

Eine persönliche Geschichte…

Vor kurzem war der Tierarzt bei uns… Ich hole kurz etwas aus und erkläre dir dann, warum mich dieser Tierarztbesuch zu dem heutigen Artikel inspiriert hat. 

Der Tierarzt war bei uns, weil meine Stute in ihrem Verhalten manchmal sehr hengstig sein kann. Sie spielt mit den Wallachen wie ein ganzer Kerl, sie scharrt gerne andere Apfelhaufen durcheinander und beim Spazierengehen MUSS sie auch immer wieder dringend an fremden Pferdehaufen schnuppern. Sie kann sehr dominant sein und auch ziemlich schnell ziemlich unwillig und bruddelig. Außerdem hat sie richtig feste Muskeln. Beim Reiten hatte sie dann auch noch eine kurze unwillige Reaktion gezeigt nach dem Aufsteigen und sie wollte sich nicht mehr so gerne am Rücken anfassen lassen. 

Also wollte ich wissen, ob sie vielleicht zuviel Testosteron hat. Das gibt es manchmal bei Stuten und kann ihr Verhalten, ihren Muskeltonus und ihre Stimmung natürlich beeinflussen. Wir haben sie also untersucht und soweit ist alles gut an der Hormon-Front. 

Dann habe ich den Tierarzt auch darum gebeten, sich ihren Rücken genauer anzusehen. Ich nehme stark an, dass sie sich bei den wilden Spielereien mit den Wallachen verrenkt hatte. Der Tierarzt hat sie abgetastet und nach einer kurzen Anti-Reaktion hat sie es mit sich machen lassen. Er hat sie ausgiebig abgetastet und kam zu einem klaren Ergebnis. 

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Sein Fazit: Der Gaul verarscht Sie doch! Das Pferd hat gar nichts und bildet sich das nur ein. Seine Empfehlung: Einfach draufsetzen und losreiten. Das Pferd würde sich dann schon einkriegen…

Habe ich auf den Tierarzt gehört? Du ahnst meine Antwort wahrscheinlich schon: NEIN! Und das obwohl er ansonsten ein sehr guter Tierarzt ist. 

Denn ich glaube nicht, dass das Pferd den Menschen „verarscht“. Das bringt mich auch schon zu dem ersten Satz, den ich zusammen mit dir unbedingt für immer und ewig aus der Reiterwelt löschen möchte. 

Zwei Sätze, die wir aus der Reiterwelt löschen müssen

SATZ 1: Der Gaul verarscht dich doch

Ich würde mir so sehr wünschen, dass ich diesen einen Satz NIE NIE wieder hören oder lesen muss. 

„DER GAUL VERARSCHT DICH DOCH“

Pferde verarschen uns nicht. Punkt. Warum tun sie das nicht?

  1. Sie sind kooperativ und harmoniebedürftig – als Herdentiere
  2. Sie kommunizieren gerne – als Herdentiere
  3. Sie haben trotz allem ein eher langweiliges Leben in unserer typischen deutschen Pferdehaltung  – und freuen sich auf Aufgaben und Abwechslung
  4. Sie sind Pferde, keine Menschen. Sie leben im Hier und jetzt und agieren nicht mit derartigen Hintergedanken

Natürlich sagt dein Pferd manchmal oder auch öfter mal Nein zum Training oder zu dir. Dann verarscht es dich aber nicht, sondern versucht das Beste für sich herauszuholen an diesem Tag und in dieser einen speziellen Situation. Pferde leben im Hier und Jetzt. 

Das Beste kann zum Beispiel sein: 

  • dass es eine Pause braucht
  • dass es Schmerzen vermeiden will
  • dass Stress hatte und Ruhe braucht
  • dass es gerade lieber fressen will
  • dass das Training mit dir vielleicht noch nicht so motivierend ist
  • dass es Stress vermeiden will, weil es dich nicht immer versteht 

…oder etwas ganz anderes. Es ist dann deine Aufgabe herauszufinden, warum das Pferd gerade „Nein“ sagt und etwas an deinem Training oder deinem Tagesplan zu ändern. Ich verspreche dir, dass dein Pferd es dir langfristig danken wird, wenn es auf diese Art und Weise mitreden darf. 

Erst, wenn wir in uns, unserem Herzen und ganz konkret im Training dem Pferd gegenüber den richtigen Ton für das Pferd treffen, das vor uns steht, dann erreichen wir das Herz und die Seele des Pferdes und erst dann bekommen wir die Chance auf eine schöne Beziehung und ein Verlasspferd. Das alles bekommen wir nicht, wenn wir das Pferd durch alles durchzwängen und davon ausgehen, dass der „Gaul uns verarscht“. Das ist eine merkwürdige Vermenschlichung, die dich und dein Pferd auf keinen Fall weiterbringt in eurer Beziehung. Im Gegenteil. 

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Beziehungskiller

Der Satz „der Gaul verarscht dich“ ist ein echter Beziehungsstörer. Wenn du ihn in deinem Kopf mit dir herumschleppst, wirst du mit der falschen Brille auf dein Pferd und seine Reaktionen schauen.

Diese „Brille“ ist negativ und du wirst die Reaktionen deines Pferdes negativ deuten, statt einfach neutral und liebevoll zu überlegen, was dein Pferd gerade bewegt. Wenn aber dein Pferd lernt, dass es mit seinen Fragen und Problemen immer nur gegen eine Wand rennt, wird es irgendwann aufhören mit dir zu reden. Warum sollte es auch? Es bekommt doch ohnehin kein Gehör. Weil du davon ausgehst, dass dein Pferd etwas nicht macht „weil es dich verarscht“. 

Umgekehrt, stellt sich doch die Frage, was für ein Bild wir vom Thema „Pferdetraining“ haben, wenn wir glauben, dass unsere Pferde uns verarschen, um dem Training entgehen zu können. Das impliziert ja den Gedanken, dass das Pferd eigentlich könnte, aber versucht der Aufgabe, der Übung oder dem Zusammensein zu entgehen, in dem es uns „verarscht“. 

Wenn ich davon ausgehen müsste, dass mein Pferd etwas nicht macht und sich verweigert, um mich zu „verarschen“, dann würde ich ganz intensiv über mein Training nachdenken. Denn dann läuft etwas gewaltig schief.

Wir sollten das Training doch viel besser so aufbauen, dass die Pferde gerne mitarbeiten und sich dem Training nicht entziehen wollen. Das bringt mich auch schon zu dem zweiten Satz, den du ganz dringend streichen solltest, wenn du eine schöne und echte Beziehung zu deinem Pferd möchtest. 

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SATZ 2: Setz dich durch! 

Auch diesen Satz möchte ich bitte NIE NIE wieder hören oder lesen. 

„SETZ DICH DURCH!“

Manchmal wollen Pferde nicht und in aller Regel haben sie einen guten Grund dafür. Wie oft habe ich schon von Pferden gehört, die mit dem Kopf geschlagen haben oder gegen das Gebiss gegangen sind oder nicht vorwärts laufen wollten oder sogar gebuckelt haben beim Reiten und der Mensch hat sich krampfhaft „durchgesetzt“. Das geht natürlich nicht gewaltfrei ab, wenn ein Pferd wirklich deutlich „Nein“ sagt. 

Und dann – nach einigen Wochen oder Monaten und manchmal leider auch Jahren – wurde der Rücken des Pferdes gegengecheckt und es hatte Schmerzen, Verspannungen, Blockaden oder der Sattel hat schlicht nicht richtig gepasst. 

Stell dir vor, dass wäre dein Pferd. Du setzt dich auf seinen Rücken, es hat Schmerzen und schreit laut „Nein“ und du glaubst, dass du dich durchsetzen musst und das Pferd nur keine Lust hat und reitest es täglich unter Schmerzen… Im schlimmsten Fall setzt du sogar die Gerte ein oder nimmst Ausbinder oder einen Sperrriemen, damit es vorwärtsläuft, aufhört zu buckeln oder mit dem Kopf zu schlagen oder gegen das Gebiss zu gehen. 

Aber all das macht es ja vermutlich nur weil es Schmerzen hat… Wie schrecklich ist diese Vorstellung! 

Deswegen gilt für mich die Maxime: Vielleicht wollen Pferde manchmal nicht, aber dann haben sie in aller Regel einen guten Grund. 

In der Reiterwelt herrscht leider noch viel zu oft die Maxime: Wenn du dich nicht durchsetzt, wird dein Pferd dir auf der Nase herumtanzen.

Weißt du was? Das ist der größte Quatsch! 

Das Gegenteil ist der Fall: Wenn du deinem Pferd zuhörst, wenn du seine Meinung wahrnimmst und wenn du fein mit deinem Pferd kommunizierst, dann wird es dir dafür unglaublich dankbar sein und viel lieber mit dir zusammenarbeiten. 

Frage dich doch einfach einmal selbst: Willst du lieber einen Trainer haben, der dich anbrüllt, dich durch die Turnübungen mit einem Fusstritt scheucht und dich das volle Programm machen lässt, auch wenn du über Rückenschmerzen oder Verspannung klagst? 

ODER: willst du einen Trainer, der dich erstmal fragt, wie es dir geht, das Training an deine Tagesform anpasst und dich lobt, wenn du etwas richtig machst, aber nicht zwingt weiterzumachen, wenn du gerade nicht so gut kannst? 

Umgekehrt stellt sich auch bei diesem Satz die Frage, was für eine Form des Zusammenseins du mit deinem Pferd hast, wenn es immer wilder und bockiger wird, wenn du es nicht in die Übung „prügelst“ – mal ganz böse gesagt.

Warum die zwei Sätze Beziehungskiller sind

  1. Der Gaul verarscht dich doch
  2. Setz dich durch

Trainer, die mir solche Sätze sagen, würde ich mittlerweile direkt feuern und nie wieder buchen. 

  • Mal ehrlich: Da läuft doch ganz viel schief, wenn es Zwang braucht, damit das Pferd mitarbeitet, oder? 
  • Wäre es nicht viel besser erst einmal zu prüfen, ob das Pferd Schmerzen hat oder ob etwas anderes gerade nicht so läuft, wie es laufen soll? 

Diese beiden Sätze zeigen ein Pferdebild, das in unserer Pferdewelt immer wieder kursiert, das weder besonders schön, noch besonders richtig ist. 

Pferde wollen kooperieren und kommunizieren – sie arbeiten gerne mit uns zusammen, wenn wir die Zusammenarbeit spannend und gesund gestalten – sie gehen gerne eine Bindung mit uns ein, wenn wir sie nicht erzwingen. Dann sind sie mit dem Kopf und dem Herzen dabei. 

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Das alles verhindern wir aber, wenn wir mit diesen beiden Sätzen im Hinterkopf agieren. Sie beeinflussen uns. 

Du ahnst also wahrscheinlich schon, warum diese beiden Sätze Beziehungskiller sind. Wir tragen sie in unseren Köpfen, weil sie uns von Anfang an immer wieder eingeimpft worden sind. Egal wie sehr wir tief in uns drin daran zweifeln, haben sie doch eine unglaubliche Macht auf uns und unser Verhalten, weil sie so klar und felsenfest geäußert werden und überall kursieren. 

Leider sind beide Sätze so erfolgreich in der Pferdewelt, weil sie letztlich einfache Lösungen suggerieren und weil sie leider auch scheinbar funktionieren. Pferde haben keine Schmerzlaute und sie sind als Herdentiere in aller Regel sehr gut zu dominieren. 

Kurz gesagt: Viele Pferde geben lieber nach als zu kämpfen. Wenn wir sie also dominieren, werden die meisten Pferde irgendwann aufgeben und einfach tun, was wir wollen. Dann haben wir ein „funktionierendes“ Reitpferd und können unserem Hobby immer so schön nachgehen, wie wir das wollen. Dann kommt das Pferd mit, wenn wir es holen, es lässt sich satteln und reiten, es kommt im Roundpen zu uns, wenn wir es rufen. 

Aber nicht, weil es das möchte, sondern weil es weiß, dass es alternativlos ist. Wenn es nämlich nicht kommt, kooperiert und mitmacht, dann drohen dem Pferd ja unschöne Folgen. So bekommen wir eine gut funktionierende brave Maschine – aber keinen Pferdepartner. 

Die Frage, die jeder Pferdemensch sich irgendwann stellen muss: Will ich den Partner oder die Maschine? 

Wenn du den Partner willst, dann musst du unter anderem die zwei Sätze aus deinem Kopf streichen. So einfach ist das. 

Wenn wir sie nämlich nicht endlich komplett aus unserem Kopf löschen, werden wir sie in unser Training tragen. Sie werden uns immer wieder wie das Teufelchen auf der Schulter in unser Ohr flüstern, dass wir uns jetzt sofort durchsetzen müssen und dass das Pferd uns ja nur verarscht. Das verhindert aber wiederum die Beziehung, das Wachstum von Vertrauen und eine echte Partnerschaft. 

5 Wörter, die dir zu einer besseren Beziehung mit deinem Pferd verhelfen

Ich finde also, dass es ein paar geniale Wörter als Antwort auf die Frage gibt, ob wir uns immer durchsetzen müssen: 

  1. Zuhören
  2. nachfragen
  3. respektieren
  4. achten
  5. reagieren

…passend zur Situation, passend zum Training und passend zum Pferd.

So einfach und so schwer ist das. Es gibt keine pauschale Anleitung und wer das behauptet, erzählt Blödsinn. Weder ist die Gerte, noch der Druck, noch die Pause, noch der Wattebausch immer die richtige Antwort. Pferde sind so individuell, wie wir Menschen und wie die Situationen in die wir mit ihnen geraten. 

Frage dich also einfach immer, wenn dein Pferd etwas nicht macht: 

  • Warum macht mein Pferd nicht was ich will?
  • Versteht es mich nicht?
  • Kann es noch nicht?
  • Hat es Schmerzen? 
  • Ist heute nicht der passende Tag für diese Übung?
  • Bin ich vielleicht nicht klar genug? 

Dann kannst du entweder einen Schritt zurückgehen, deinen Trainingsplan für den Tag ändern, die Übung kleinschnittiger erklären oder einfach mal gar nichts machen und lieber gemeinsam chillen. 

Allen Zweiflern, die dich für bescheuert halten und dir einreden wollen, dass dein Pferd dir dafür jeden Tag weniger Respekt entgegenbringen wird, kannst du milde entgegenlächeln und dich jeden kommenden weiteren Tag darüber freuen, wie eure Beziehung wächst. 

Den meiner Erfahrung nach hat es noch nie geschadet, wenn ich einen Schritt zurückgetreten bin und auf mein Pferd gehört habe. Im Gegenteil: Meine Stute dankt es mir jedesmal mit mehr Vertrauen. 

petra carey kuscheln
Kuschelzeit! Immer schön – immer wichtig – immer im Trainingsplan

Warum du trotzdem manchmal auf etwas bestehen solltest

Es gibt nur ein kleines ABER: Wichtig ist natürlich immer die Motivation deines Pferdes für sein „Nein“ und wie es das „Nein“ kommuniziert. Dein Pferd darf dich nicht treten oder beissen oder schubsen. Das Nein des Pferdes zu akzeptieren und damit so umzugehen, dass das Pferd dich weiterhin als sicheren Partner sieht, bedarf auch eines guten Mindsets tief in dir drin. 

Dein Pferd darf „Nein“ sagen, aber es darf dich nicht schubsen, quer über den Platz zerren oder unhöflich werden. 

Pferde WOLLEN Sicherheit – sie WOLLEN Ruhe und sie WOLLEN Klarheit. Wenn du deinem Pferd das alles schenken und liefern kannst, durch deine gefestigte Persönlichkeit, dann ist es vollkommen okay, wenn dein Pferd „Nein“ zu Übungen oder Trainingsrunden sagt und du darauf hörst. Denn es weiß ja, dass du ihm grundsätzlich Klarheit, Konsequenz und Sicherheit schenkst. 

Dazu musst du wissen: Pferde FAHREN extrem auf selbstsichere, klare, weitsichtige und gelassene Persönlichkeiten ab, denn das sind in aller Regel Persönlichkeiten, die in dieser rauen und gefährlichen Welt voller Löwen, Schlangen und anderer Gefahren, gute Entscheidungen treffen und Verantwortung für ihre Sicherheit übernehmen können. 

Das bedeutet aber nicht, dass du dein Pferd dominieren sollst. Genau das ist ein großes Missverständnis in der Reiterwelt. Natürlich agieren Pferde in Hierarchien, aber diese Hierarchien sind nicht in Stein gemeißelt und sie hören einander zu. Vor allem folgen Pferde aber nicht demjenigen in der Herde, der am lautesten schreit oder am meisten die Hinterbeine wirft, sondern demjenigen, der verantwortungsbewusst und selbstsicher ist. 

Der Unterschied zwischen Klarheit und Dominanz

Das ist ein ganz großer Unterschied! Wir brauchen keine Dominanz, sondern Selbstsicherheit und Klarheit. Das vermittelt dem Pferd das Gefühl, dass wir in einer Gefahrensituation verantwortungsbewusst agieren können. 

Verantwortungsbewusst und klar zu handeln, bedeutet aber auch, dass man erkennt, wenn das Pferd Hilfe braucht, es ihm nicht gut geht oder es etwas nicht leisten kann. In der Herde leitet die Leitstute nicht nur, sie passt auch auf die anderen auf, sorgt dafür, dass alle fressen und trinken können und die Gruppe kümmert sich umeinander. Gleichzeitig erwarten die Ranghohen Pferde auch Respekt von den anderen. 

Pferde geben sich gegenseitig Schutz, Pflege und „Liebe“, sie geben sich aber auch Grenzen. 

Wie dir der richtige Rahmen dabei helfen kann mit dem „Nein“ deines Pferdes besser umzugehen

Mir persönlich hilft immer das Bild eines Rahmens. In diesem Rahmen bewegst du dich mit deinem Pferd. Dieser Rahmen zeigt im Grunde die Grenzen und Möglichkeiten die euch als Team einrahmen. Beides kann sich ständig verändern. Solange Pferd und Mensch immer auf die Sicherheit des anderen achten, kann dieser Rahmen bei jedem Duo ganz anders aussehen.

Es braucht viel Verständnis und Geduld und auch die Bereitschaft, das Pferdeverhalten zu verzeihen und nicht frustriert zu sein, wenn etwas nicht klappt.

Die Arbeit mit Pferden ist keine Gleichung, die wir ansetzen können und nach ein bisschen Rechnerei eine fertige Lösung bekommen. Auch wenn es schön wäre. Wir werden immer wieder Entscheidungen treffen müssen. 

Aber eines ist relativ sicher: Wenn Pferde „Nein“ zu etwas sagen, dann haben sie eigentlich immer einen Grund.

Hilfreich ist es das Pferd gut zu kennen, damit du seine Reaktionen besser einschätzen kannst:

  • Wie ist der Charakter?
  • Wie sind Position und Verhalten in der Herde?
  • Wie sind seine Muskeln und das Blutbild?
  • Was sagen Pferdephysio und Tierarzt über die Körperlichen „Baustellen“ des Pferdes?
  • Wie reagiert es bei Stress? Bei Angst?
  • Bei Hitze? Bei Kälte? Bei Wetterwechseln?
  • Ist es introvertiert oder extrovertiert?

Ich glaube mittlerweile, dass wir mit dem Training den Körper der Pferde erreichen, sicher. Auch mit Druck bekommen wir den Körper der Pferde. Aber dann haben wir nur eine Hülle.

Das Herz und die Seele erreichen wir durch die Art wie wir trainieren, durch Achtsamkeit dem Tier gegenüber, durch Achtung vor den Bedürfnissen des Pferdes, durch das Wissen um seine Persönlichkeit, durch Zeit und Geduld und ganz viel Verständnis. 

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21 Kommentare zu “Zwei Sätze, die die Beziehung zu deinem Pferd vergiften können

  1. Miriam sagt:

    Liebe Petra,

    wieder ein sehr schöner Artikel. Mir wird schon lange gesagt, dass mein Ponymann irgendwann die Weltherrschaft an sich reißen wird, wenn ich weiter so mit ihm umgehe wie ich das tue. Nun, darauf warte ich nun seit beinahe 7 Jahren. Also entweder ist er ein extremer Spätzünder, oder es wird wohl nicht passieren. Meine Ponys dürfen ihre Meinung immer sagen. Mir wurde mal prophezeit, dass meine Ponys ja nie mehr einzufangen sind, wenn ich sie in Ruhe lasse, wenn sie nicht mitkommen wollen. Interessanterweise habe ich die Situation, dass ich schon fast streng regeln muss, wer mit dem Training als Erster dran kommt und die anderen stehen ungeduldig am Zaun und wollen unbedingt auch mitmachen. Pferde verarschen uns nicht. Warum auch? Ich gestalte mein Training so, dass die Ponys daran Spaß haben. Warum sollten sie sich nur um mich zu ärgern irgendwas nicht machen wollen? Das macht keinen Sinn, dann stimmt doch die Beziehung nicht. Ich geh doch auch nicht zum Spieleabend zu Freunden und nur damit die anderen nicht Recht haben, sage ich mal nein zu irgendwas was Spaß macht?
    Durchsetzen muss ich mich auch nicht. Denn meine Ponys strengen sich in der Regel unheimlich an, wenn sie es nicht tun, dann kann es sein, dass sie mich nicht verstehen, dass ihnen irgendwas unangenehm ist, aber vielleicht haben sie auf eine bestimmte Übung auch einfach keine Lust im Moment. Dann finde ich das auch okay, denn mal ehrlich, ich trainiere ja auch nur mit meinen Pferden, wenn ich Lust dazu habe und ich überlege mir in der Regel worauf ich Lust habe und biete das an. Warum sollen meine Pferde nicht das selbe Recht haben? Wir sind Partner und keine Gegner.
    Liebe Grüße
    Miriam

    • Petra sagt:

      Hallo liebe Miriam, die gleiche Erfahrung mache ich auch – also Carey drängelt nicht am Gatter ;-))) , aber sie kommt umso lieber mit, wenn ich ihr nein akzeptiere. Mir wurde uach schon oft gesagt, dass "die blöd wird", wenn ich mich nicht durchsetze. Bis heute warte ich darauf… :-) Deine Ponys haben sowieso sehr viel Glück mit dir und ich freue mich immer sehr über deine Kommentare. Bis bald und liebe Grüße, Petra

  2. Claudia Degenhardt sagt:

    Genauso ärgere ich mich immer wieder über die Erzahlungen und Behauptungen über Pferde, die angeblich eine Krankheit vortäuschen. Gerade beim Lahmheiten wird behauptet: Der markiert bloß, um sich vor der Arbeit zu drücken. Dabei geht es mir manchmal auch so: Mal ziept oder pocht es in meinem Knie, mal tut es etwas weh und dann ist wochenlang wieder gar nichts. Ist eine alte Verletzung aus meiner Jugendzeit. Pferde müssen nun noch einen Reiter tragen, dabei noch enge Wendungen gehen oder werden longiert. Habe früher schon nicht daran geglaubt, dass Pferde eine Krankheit vortäuschen und werde auch nie daran glauben. Oft sind gesundheitliche Probleme schwer zu lokalisieren. Bei Rückenproblemen sollte man ja auch immer gleich die Zähne mit kontrollieren lassen, weil auch dort der Auslöser liegen kann. Ein sehr schöner Artikel, der mir aus der Seele spricht. Menschen neigen wirklich dazu, negative menschliche Eigenschaften auf Tiere zu projezieren. Vielen Dank und herzliche Grüße, C.D.

    • Petra sagt:

      Aber wirklich! Das sagte auch mal ein Reitlehrer zu mir – sein Pferd hätte das Lahmsein vorgetäuscht… Ganz ehrlich? Ich glaube das nicht. Und selbst wenn es so wäre (was definitiv quatsch ist) ist das Argument ja auch widersinnig, denn was sagt es denn über die Trainingseinheit aus, wenn das Pferd Krankheit vortäuschen müsste..? Also – ich bin da ganz bei dir und danke dir für deinen ergänzenden Kommentar. Ganz liebe Grüße, Petra

  3. Anni sagt:

    Sätze die vermutlich jeder Pferdemensch schon mal gehört hat…
    "Setz´ Dich durch!"
    "Er macht mit Dir was er will!"
    "Zügel kürzer, die sind schon wieder viel zu lang!"
    "Lass Dich nicht verarschen!"
    "Er muss am Zügel gehen, sonst muss ich ihm Ausbinder dran machen"
    -Ein paar Beispiele von vielen-
    Was soll man dann als 15 Jährige der lauten, aggressiven und von sich überzeugten (nicht mal richtig ausgebildeten!) Reitlehrerin antworten?
    … NICHT VIEL!
    So wird es aber auch schon den jüngsten Reitschülern vorgesagt.
    Schnell war mir klar, dass es so nicht weitergehen kann, denn jeder mit einem einigermaßen gesunden Pferde- oder generell Tierverstand merkt, dass das kein Weg ist!
    Zudem habe ich mich in der Zeit schon intensiv mit artgerechter, naturnaher Haltung, Fütterung, …
    beschäftigt und super viel informiert, weil mir diese Themen einfach unfassbar am Herzen liegen und dann dieses NEGATIVBEISPIEL!
    Was soll man dazu sagen, wenn man in Büchern und im Internet wunderbare Fotos von Paddocktrail-Paradiesen sieht, aber die "Schulpferde" (sie waren nicht wirklich ausgebildet, teilweise nicht mal richtig angeritten) dann im viel zu kleinem, matschigen Offenstall stehen?
    Das ungesündeste Zucker-Futter gefüttert wird und die Pferde und Ponys mit unpassenden Sättel geritten werden?
    Der Stress, das schlechte Gewissen und das ungute Gefühl vor den Reitstunden wurde immer größer und schließlich habe ich es nicht mehr ausgehalten. (also bin ich nicht mehr hingegangen)

    Und was ist mit dem Pony, das immer beim Angallopieren buckelt?
    -> "Das macht er, weil die jüngeren Kinder sich nie halten konnten und er sie ärgern möchte!"
    Welch ein großer Gedankengang von einem so kleinen Pony! (nichts gegen Ponys und ihre Intelligenz; ich weiß wie unfassbar schlau sie sind ;) )
    Aber mal ganz ehrlich: Möchte er uns nicht viel mehr sagen, dass etwas nicht stimmt?
    War da nicht was? Da kommt zum Beispiel wieder der unpassende Sattel ins Spiel.
    Denn ich bin mir sicher, dass es nicht die Absicht ist, den Reiter vom Rücken abzuwerfen, sondern dass ein anderer Grund dahinter steckt!
    Und dieses Pony "spricht" sehr LAUT!!
    Eines von hundert,… von unzähligen Beispielen!

    Ein Pferd handelt nie ohne Grund und ich bin mir zu 1000000000 Prozent sicher, dass sie uns nicht verarschen!

    Ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass JEDER seinem Pferd die Chance gibt, gehört zu werden! Denn nur daraus kann ein MITEINANDER entstehen!

    Ich bin 15, also noch so gut wie Kind oder nennen wir’s einfach Jugendliche und ich befasse mich intensiv mit dem fairen, pferdegerechten Umgang, der naturnahen Fütterung, den PRO-Pferd-Reitweisen, Ausrüstung, und noch viiiiieeelem mehr!
    Also können das die Erwachsenen genauso schaffen, einfach mal umzudenken.
    Denn wie man sieht, gibt es hier draußen doch einige von diesen wundervollen Menschen.
    Hiermit möchte ich ein riieeeßengroßes DANKE aussprechen, dass ihr die Pferdewelt etwas bunter macht!
    Und danke an Dich, Petra, dass du diesen unfassbar tollen Blog schreibt und so viele Pferdemenschen damit erreichst!!!
    *Anni*

    • Petra sagt:

      Hallo liebe Anni, erst einmal ganz ganz großen Dank für deinen wunderbaren Kommentar. du bist "kein Kind", zumindest nicht in der Art wie du schreibst, reflektierst und deinen eigenen Weg gehst – das ist ganz ganz groß! Mach unbedingt weiter so und lass dir nichts einreden. Ich wünschte es gäbe mehr Mädchen in deinem Alter, die hinterfragen und neue Wege gehen mit ihren Tieren. Das ist gar nicht einfach – wie du schreibst – wenn Reitlehrer, Umfeld und alle einem etwas anderes erzählen. Das kostet Kraft und Mut andere Wege zu gehen, aber die Tiere werden es dir danken und letztlich kommt es ja auf sie an. Ich finde großartig, was du schreibst und wie du denkst und fühlst und freue mich, dass so wunderbare Pferdemenschen wie du hier mitlesen. Alles Liebe und bis bald, Petra

  4. Alexandra sagt:

    Liebe Anni,

    ich möchte dir meine Hochachtung aussprechen dafür, dass du deinen Weg gehst auch gegen die Wiederstände und das Unverständniss einiger (unbelehrbarer?) Erwachsener!
    Ich habe erst spät mir Pferden angefangen, da mir als Kind der Reitunterricht nicht gefallen hat, und ich nicht wie du das Durchsetztungsvermögen und den Mut hatte, trotzdem wie du weiterzumachen, ich habe stattdessen aufgehört.

    Und auch jetzt, mit über 50, fällt es mir nicht immer leicht, völlig andere Ansichten zu vertreten als mein Umfeld. Aber auch ich bin überzeugt, dass dieser Weg der einzig richtige ist, und die Bestätigung der Pferde ist mir mittlerweile wichtiger als die der Menschen.
    Mach weiter so, und lass dich nicht verbiegen!

    Viele herzliche Grüße

    Alexandra

    • Anni sagt:

      Hallo liebe Alexandra,
      vielen Dank für deine wundervollen und lieben Worte!

      "Niemand hat alles verändert indem er so war wie alle anderen." – The Greatest Showman

      Ich finde, dass dieser Spruch sehr passend für uns Pferdemenschen ist.
      Neue Wege gehen ist nicht immer leicht, aber das ist es immer, wirklich IMMER wert!
      Steh’ zu DEINER Meinung!
      Und wie Du siehst, bist Du damit auch nicht allein!

      Jetzt streife ich mit zwei Shettys ein paar Dörfer weiter durch Wald und Wiesen.
      Wir sind im Hier und Jetzt und lassen es uns einfach gut gehen.
      An das Reiten denke ich momentan gar nicht.
      Zum Einen fehlt mir zur Zeit die Möglichkeit dazu und zum Anderen muss ich mir erst im Klaren darüber sein, ob ich das überhaupt möchte, denn die Bodenarbeit und einfach nur das mit-dem-Pferd-sein erfüllt mich momentan am meisten.
      Ich bilde mich weiter über sämtliche Themen fort und hoffe, wenn ich bereit dazu bin, ein wundervolles Pferd bei mir einziehen darf.

      Hiermit sende ich ganz viele Grüße an Dich liebe Alexandra!

      *Anni*

  5. Jessica sagt:

    Liebe Petra,
    vielen herzlichen Dank für diesen wundervollen und so wichtigen Blogbeitrag! Jahrelang wurde mir von verschiedenen Trainern immer wieder genau das eingeredet – Der verarscht dich nur – Setz dich mal durch! Es hat lange gedauert bis ich angefangen habe, mehr auf mein Pferd als auf die Trainer zu hören. Und noch länger, um diese tief in mir eingepflanzten Glaubenssätze wieder loszuwerden. Manchmal kommen sie auch heute noch kurz hoch. Aber inzwischen erkenne ich das sofort, halte dann erst einmal inne und atme tief durch. Dann lächle ich und schau liebevoll auf mein Pferd und die Situation. Meistens reicht es schon, wenn ich meinen eigenen Ehrgeiz, mein Ego loslasse und mich frage "Warum will ich das jetzt eigentlich gerade?". ;-) Und wenn nicht, versuche ich die Situation aus der Sicht des Pferdes zu sehen und seine Reaktion zu analysieren. Sind da Anzeichen von Unsicherheit, Angst oder Schmerzen? Meistens habe ich mich einfach nicht klar genug ausgedrückt, meinen Wunsch nicht klar genug formuliert. Dann kann mein Pferd ja auch gar nicht wissen, was ich von ihm möchte!
    Ach, ich könnte über das Thema auch ewig reden… *lach*

    Ich hoffe einfach, dass die Pferdewelt langsam aber sicher immer besser und einfühlsamer wird! DANKE, dass du einen großen Teil dazu beiträgst!

    Liebe Grüße,
    Jessica

    • Petra sagt:

      Hallo liebe Jessica, diese Glaubenssätze sitzen so unglaublich fest – da hast du absolut Recht. Sie schwingen immer wieder mit und es ist sehr schwer sie wieder loszuwerden. Sie setzen sich auch bei mir ab und an wie das Teufelchen auf die Schulter, aber der tiefe Atmer und das Lächeln und der eine Schritt raus aus der Situation sorgen eigentlich immer für mehr Erkenntnis und letztlich gab und gibt es immer einen Grund, wenn das Pferd nicht das macht, was ich mir in dem Moment vorstelle und meist liegt der Grund in dem Menschen und nicht im Pferd. Danke für deine lieben Zeilen :-) Ich freue mich sehr darüber! Ganz liebe Grüße, Petra

  6. Alexandra sagt:

    Liebe Petra, liebe Alle & liebe Anni, die schon früh zu Einsichten gelangt ist, für die ich über ein halbes Leben gebraucht hab!
    (Könnte fast ein wenig neidisch werden ;-)), aber das war halt nicht mein Weg, ich hatte erst noch andere Baustellen)
    Mir ist da noch was eingefallen zu dem Thema:

    Nachdem ich die "setz dich durch, der Gaul verarscht dich"- Ratschläge nicht als Lösungsmöglichkeit in Betracht gezogen habe, bin ich ja immer noch auf der Suche nach intelligenten Alternativen. Und ich denke, ein wichtiger Baustein ist die Sache mit der Achtsamkeit und dem "Hier und Jetzt". Weil dann die Energie da ist, wo sie hingehört und nicht bei dem, was gestern nicht geklappt hat, nachher schiefgehen könnte oder ich später noch unbedingt erledigen muss. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber mir fällt das nicht immer leicht. Ich habe dann mit Meditation und Yoga angefangen, und das hat mich auch ein Stück weitergebracht. Aber das Puzzelstück, das mir richtig viel gebracht hat, ist Qigong.
    Da ist Aufmerksamkeit, Entspannung, Energie, Ausgeglichenheit,Harmonie, Ruhe und Bewegung drinn. Und diverse Einsichten inklusive.
    Und bei meinem ersten Kursbesuch war das Gelächter groß, als ich erzählt habe, dass ich wegen der Pferde da bin. Von den Frauen sind die mit Pferd in der Mehrheit:-)) Es geht allerdings auch ohne Kurs, im Netz gibt es viele Übungsanleitungen, und auch ohne großen Zeitaufwand.

    Viele Grüße

    Alexandra

    • Petra sagt:

      Hallo liebe Alexandra, wir sind ja erst auf dem Weg – die volle Weisheit werden wir vermutlich alle nie erlangen ;-) Qigong ist sicher super – es sorgt ja auch für Standfestigkeit in sich, soweit ich weiß? Ein guter Tipp! Danke dir :-) Ganz liebe Grüße, Petra

    • Anni sagt:

      Liebe Alexandra,
      es freut mich so sehr zu lesen, dass Qigong Dir so weiterhilft!
      Bei mir ist es das Singen…
      Es ist mein Ausgleich, Entspannung und es hilft mir, meine Gefühle zu ordnen.

      Herzliche Grüße an Dich liebe Alexandra :)

      *Anni*

  7. B sagt:

    Dem ersten Satz stimme ich vollkommen zu. Der Begriff "verarschen" ist eine rein menschliche Geschichte und so negativ behaftet, dass man es einem Pferd auf keinen Fall vorwerfen kann. Dennoch habe ich die Erfahrung gemacht, dass Pferde durchaus "versuchen" oder "testen", was ich rein posititv meine. Denn das ist durchaus pferdisches Verhalten. Kein Pferd hat seine Manieren zb. im Sozialverhalten durch Bücher erlernt. Es hat etwas gemacht und eine positive oder negative Reaktion erfahren. Es hat gelernt, dass es durch testen erfährt, was es darf und was nicht. Wenn wir Menschen nicht klar und deutlich sagen, was wir möchten und was nicht, dann bohrt das Pferd unter Umständen so lange weiter, bis es Klarheit erlangt. Für den Menschen, der nicht merkt, dass seine Reaktion unklar ist, fühlt sich das an, als würde er "verarscht".
    "Der verarscht dich!" darf also gerne aus dem Wortschatz der Reiter verbannt werden.
    Beim Satz "Setz dich durch!" sehe ich das anders. Zum Einen heißt "Duchsetzen" nicht immer, dass man etwas mit Gewalt erzwingt. Manchmal bedeutet es auch, dass man hartnäckig darauf besteht, was man will. Zum Anderen glaube ich fest daran, dass man sein Pferd für immer auf seiner Seite hat, wenn man seinem Pferd zeigt, dass man Autentisch ist (also zu seinem Wort bzw seinem Befehl steht).
    Ich muss auch echt mal loswerden, dass ich dieses Märchen vom armen Pferd, dass gegen seinen Willen zu Leistung gezwungen wurde und später eine Kissings Spines-Diagnose (oder Vergleichbares) erhalten hat, nicht mehr hören kann! Ich bin fest davon überzeugt, dass 99% aller Reiter ihr Pferd lieben und bei dauerhaftem Ungehorsam gesundheitliche Ursachen ausschließen! In meinem Bekanntenkreis erlebe ich eigentlich mittlerweile das andere Extrem: Da jammern sie eher herum, weil das Pferd dieses und jenes tut oder nicht tut und der Tierarzt, Osteopath, Zahnarzt, Sattler und manchmal noch der Heilpraktiker nicht erklären können warum. Was soll ich sagen? Wie wärs denn man mit Durchsetzen? Es ist ja nichts verwerflich daran, bei Fehlverhalten einen Gesundheitscheck durchzuführen, aber ehrlich Leute! Wenn der Besitzer mit der Standfestigkeit einer labbrigen Pommes "Bitte Bitte" sagt, und das Pferd nicht wie gewünscht reagiert…dann wird er von mir diesen Satz zu hören kriegen (wenn er nach einem Rat fragt)!
    Und das sage ich nicht aus Reiter-Eigennutz. Auch das Pferd hat was davon.
    1. die Gewissheit, dass der Reiter sich sicher ist, dass seine Entscheidung richtig ist. Sicherheit ist für das Pferd das Beste was es gibt!
    2. Es muss nicht ständig alles hinterfragen. Ist es nicht total bequem, wenn man nicht ständig diskutieren muss? Man bedenke, dass das Pferd nur diskutiert, weil es keine Klarheit und Sicherheit verspürt!

    Logischerweise macht "Durchsetzen" nur Sinn, wenn man etwas verlangt, was das Pferd kann und wenn man es verständlich rüber bringt. Gerade im Sattel bei der Arbeit auf dem Platz scheitert es sehr sehr oft daran.

    Aber im alltäglichen Umgang oder auch im Gelände stehe ich weiterhin dazu, dass ich mich durchsetze, wenn es sein muss. Ich kenne leider ein paar vereinzelte Reiter, die das mit dem Durchsetzen sicherlich für böse halten. Das sind leider auch die Reiter, die mit Ihrem Pferd nicht vom Hof kommen und das ganze Jahr über in der stickigen Halle kringeln, während ich regelmäßig auch mal durch Wälder, Wiesen und Felder streife und die Seele baumeln lasse. Ja, das ich das will, musste ich durchsetzen. Aber ich glaube mein Pferd findet mich gar nicht so doof. Vor allem nicht, wenn ich ihm die Zügel hingebe und er einfach durch die Natur marschieren darf.

    • Petra sagt:

      Hallo liebe B, ich weiß was du meinst und an einigen deiner Gedanken ist sicher etwas dran. Pferde LIEBEN klarheit und sie lieben starke Persönlichkeiten. Das hat aber auch ganz viel mit klarer feiner Kommunikation, innerer Sicherheit und Fokus zu tun und muss sich nicht im "durchsetzen" von Ansagen zeigen. Trotzdem stresst es PFerde natürlich auch, wenn jemand unsicher, zweifelnd oder "labbrig" ist, wie du geschrieben hast. Vieles ist Geschmackssache und Glaubenssache und ich denke, dass alles zwischen dem was du schreibst und dem was ich geschrieben habe in Ordnung ist im Umgang mit Pferden. Solange es gewaltfrei bleibt und nicht in einer Diktatur des Menschen ausartet, kann ich mit vielen Varianten leben und man muss auch immer von Pferd zu Pferd und von Situation zu Situation sehen, was angemessen sein könnte. In einem Punkt möchte ich dir aber widersprechen. Ich denke nicht, dass 99% der Reiter immer die gesundheitlichen Probleme gegenchecken wenn das Pferd widersetzlich ist und selbst wenn sie es tun, bekommen sie nicht immer Unterstützung oder es wird erkannt. Ich habe das selbst zweimal erlebt, dass mein Pferd mir zu etwas "nein" gesagt hat und zwei Tierärzte bzw. Osteopat und Tierheilpraktiker nichts erkannt haben. Erst die hartnäckige Suche, der Glaube daran dass mein Pferd einen Grund hat, wenn sie nein sagt und der zweite Osteopath haben es dann erkannt. Hätte ich auf die ersten Experten gehört, die schnell der Meinung waren, dass das Pferd sich das nur einbildet und ich "drüber trainieren" soll, hätte ich mein Pferd unter Schmerzen geritten.. Das nur als persönliche Ergänzung. Auf jeden Fall ganz liebe Grüße und danke für deine Gedanken, Petra

  8. Cal sagt:

    Hallo und danke für den anregenden Artikel und die interessanten Kommentare. Ich bin über 50 und musste leider auch erst meinen Weg weg von Gerten, Sporen und den kernigen Sprüchen der militanten Reitlehrer finden.
    Zur Zeit kümmere ich mich um eine junge unausgebildete Stute, die sehr dominant und zugleich sehr unsicher Menschen gegenüber ist. Sie steigt oft und alle haben einen riesen Respekt vor ihr. Da es nicht mein Pferd ist, kann ich leider nicht verhindern, dass sie mit viel zu scharfen Gebissen und ungeeigneter Ausrüstung auf Distanz gehalten bzw. sofort bestraft wird, wenn sie auch nur mit dem Kopf hoch geht …
    Es tut mir so leid, aber ich komme gegen die verkrustete Meinung des Halters nicht an. Drückt mir die Daumen, dass ich mit Geduld beiden einen besseren Weg zeigen kann.
    Euer Blog ist absolut wichtig, damit so was endlich aufhört!!!
    Liebe Grüße
    Cal

    • Petra sagt:

      Hallo liebe Cal, wow – ich finde toll, dass du dich der Stute widmest und ihr einen anderen Weg zeigen willst. Leider erleidet willensstärkere Pferde oft dieses Schicksal. Dann wird eben „runtergeregelt“ mit allem was geht. Sehr traurig! Ich drücke die Daumen, dass du etwas für sie tun kannst und schicke dir viele liebe Grüsse, Petra

  9. Nicole sagt:

    Liebe Petra,
    ich lese deine Artikel sehr gerne und finde schon das du recht hast. Ich bin tatsächlich mit 31 relativ neu in der Pferdewelt (als Kind geritten, aber das ist schon so lange her, dass es nicht zählt).
    Ich frage mich allerdings schon immer wie du denn reagierst, wenn das Pferd unhöflich ist und dich wegschubst oder sogar tritt. Du schreibst immer nur, das ein Pferd das nicht darf und ich gehe mal davon aus, dass dein Pferd auch nicht nach dir tritt, aber was mache ich wenn das Pferd es doch tut?
    Folgende Situation: Ich habe gestern mit einem Shetty trainiert, alles lief super. Nachdem er sich am Ende des Trainings gewälzt hat wollt er Gras fressen. Als ich ihn hole um zum Stall zu gehen stürmt er davon. Rennt über den Platz und sucht wie verrückt den Ausgang. Er sucht ihn sich schließlich und rennt zur Weide wo er unbedingt drauf möchte. Ich fange ihn wieder ein und bringe ihn für die Nacht in den Stall. Heute komme ich und hole ihn von der Weide. Am Putzplatz ist er super unruhig und geht von links nach rechts und hebt halt auch irgendwann den Hintern. Deine Artikel im Hinterkopf fange ich an mich zu fragen was er hat. Es wird immer schlimmer, sodass ich ihn in seine Box bringe. Als seine Besitzerin kommt, ist er das liebste Pferd. Ich nähere mich ihm und sobald seine Besitzerin weit genug weg ist fängt das gleiche Spiel von vorne an. Es geht ihm also offensichtlich gesundheitlich gut und er hat ein Problem mit mir… Aber wie reagierst du bitte in solchen Situationen, wenn es anscheinend ein ich zitiere die Besitzerin "Massives Autoritätsproblem" gibt? Ich hatte am Anfang Probleme mit ihm, aber seit zwei Monaten haben wir schön zusammen gearbeitet und jetzt auf einmal so etwas…
    Liebe Grüße Nicole

    • Petra sagt:

      Hallo liebe Nicole, da hast du Recht – das ist auch schwer zu beschreiben, weil es ja auch ein Gefühl ist und von Situation zu Situation abhängt. Auch davon, welche Gründe das Pferd hat. Konkret zu deiner Situation kann ich dir keinen Tipp geben, weil ich nicht weiß, wie du dich verhältst oder was das Dilemma des kleinen Kerls ist. Menschen kommen ja gerne mit "Dominanz-Themen" und "Autoritäts-Problemen" und JA – Pferde wollen SIcherheit von uns und Sicherheit kann auch durch Grenzen und Regeln entstehen. Die Frage ist aber wie ich sie gebe. Um deine Frage vage zu beantworten ;-) Manchmal entziehe ich mich, manchmal gehe ich in meinem Wollen einen Schritt zurück, manchmal schimpfe ich, manchmal schiebe ich den Kopf weg, manchmal "zwicke ich zurück", manchmal schicke ich das Pferd einen Schritt weg und fordere meinen individualabstand neu ein, manchmal atme ich tief ein und aus und vermittle Ruhe, manchmal reagiere ich auch schnell und unüberlegt und damit nicht richtig. Mal besser, mal schlechter – aber meist nach Bauchgefühl und dem Gefühl dafür, was für die Situation passen könnte. Hilft dir das ein bisschen weiter? Ganz liebe Grüße, Petra

  10. Lisa sagt:

    *Seeeeeeeuuuffffzzzzz*

    Liebe Petra,

    dieser wundervolle Artikel von dir beschreibt exakt und haargenau das, was mir ständig durch den Kopf geht. Da ich mir im Moment einfach kein eigenes Pferd leisten kann, ich aber auch nicht auf den Partner Pferd voll und ganz verzichten kann, nehme ich seit 8 Jahren Reitstunden in einer Reitschule. Dort leben die Schulponys in einer Herde in einem Offenstall. Das gefällt mir auch sehr gut. Aber auch dort gibt es diese beiden Sätze, die du so unbedingt nie wieder hören/lesen willst… Wie oft musste ich mir anhören, "Setz dich durch", "Er verarscht dich", "LAss das nicht mit dir machen, du bist der Chef", "Du bist der Chef, er darf sowas nicht machen, du darfst ihm dann schon mal eine geben" usw… Jedes Mal blutet mir das Herz dabei.
    Das Schulpony, das ich eigentlich nahezu immer reite, ist noch recht jung und am Halleneingang warten halt manchmal noch die ein oder anderen Gespenster und erschrecken ihn ganz fürchterlich. Dann schaut er da hin, biegt seinen Körper oder macht auch mal einen Satz zur Seite. Vor allem früher ist er dann einfach weggeschossen und ich konnte mich mit Mühe halten. Jetzt hätte ich ihn mit der Gerte verdroschen können und die Zügel noch enger nehmen können, "damit er versteht, das sowas ja überhaupt nicht geht" Doch ich habe ihn kucken lassen und ihm gesagt, dass es okay ist, wenn er Angst hat, und das ich da bin und auf ihn aufpasse.
    Und heute schenkt er mir so wundervolle Momente, wenn wieder die Gespenster am Halleneingang warten: Er läuft ruhig dran vorbei, er schaut und hat dabei gleichzeitig ein Ohr bei mir und wartet geduldig darauf, wie ich reagiere. Und diese kleinen Momente möchte ich keinesfalls mehr missen.

    Hätte ich ihn damals dafür bestraft, ein Fluchttier zu sein, wäre ich mit Sicherheit in all den Jahren das ein oder andere Mal selbst dafür bestraft worden…

    Vielen Lieben Dank für deinen wundervollen Artikel, du hast genau ins schwarze getroffen und ich hoffe, dass noch gaanz ganz vielen Reitern mit diesem Artikel die Augen geöffnet werden! <3

    Viele liebe Grüße
    Lisa

    • Petra sagt:

      Hallo liebe Lisa, danke dir für deinen wunderbaren Kommentar und diese schöne Ergänzung aus deiner Praxis. Ich denke auch, dass du dir mit deiner Geduld und Klarheit einen Freund geschaffen hast und das wiederum schenkt so viel mehr Sicherheit als das übliche "Draufhauen" und "Durchzwingen" – vielleicht geht das irgendwann komplett verloren – ich hoffe es sehr. Alles Liebe, Petra

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