Artikel aktualisiert am 27.02.2017

Ein Importpferd ist immer eine schwierige Sache was das Füttern betrifft. Denn das Pferd ist unter anderen Bedingungen aufgewachsen. Sein Immunsystem ist also auch auf andere Bedingungen eingestellt. Hast du vielleicht auch in Importpferd? Oder einen Ekzemer oder ein Pferd mit einer anderen chronischen Krankheit? Das alles sind Pferde in einer Ausnahmesituation, denen man mit der richtigen Fütterung oft helfen kann.

Nehmen wir mal ein Beispiel – Meine Jungstute. Sie ist zum Importzeitpunkt 3,5 Jahre alt, eine Quarterstute. Sie ist in Andalusien groß geworden. Nun kommt sie nach Deutschland. Andere Gräser, anderes Heu. Wie soll ich sie umstellen? Wie angrasen?

Einmal Pferd füttern bitte, aber richtig!

Karin Skaletz beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit der Futterfrage: Wie sieht gesunde und artgerechte Pferdefütterung aus.

Der Auslöser: Ihr Pferd ist an einer chronischen Kehlkopfentzündung erkrankt und keiner konnte helfen. Keine Therapie, kein Tierarzt. Da hat sie beschlossen die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Sie hat sich intensiv mit alternativen Heilmethoden, Veterinärmedizin, Pferdeanatomie und artgerechter Pferdefütterung beschäftigt.

Pferd und Katrin

Verblüffend, aber wahr: Ihr Pferd wurde wieder gesund, vor allem durch eine artgerechte und angepasste Ernährung mit den richtigen Kräutern.

Katrin und Pferd

Nach mehreren Weiterbildungsseminaren wissenschaftlicher Recherche und vielen Jahren Praxiserfahrung hat sie „NATÜRLICH PFERD“ gegründet. Katrin macht ausführliche Futterberatungen und passt die Futtermischungen an jedes Pferd einzeln an.

Dafür musst du dann ein Futterberatungsformular ausfüllen. Dadurch bekommt Katrin alle Informationen wie Rasse, Geschlecht, Alter, Haltungsbedingungen, bisherige Fütterung und so weiter. Und sie erfährt, was du gerne wissen möchtest.

Anhand der Informationen erstellt sie dann eine Beratung mit vielen Tipps und Ratschlägen sowie Informationen über die Physiologie des Pferdes. Auch mit Links und Buchtipps zu externen Informationen.

Sie hat auch für mich eine Futterberatung gemacht:

Die Futterberatung der Futterexpertin Katrin Skaletz von NATÜRLICH PFERD für ein Importpferd

Pferdeflüsterei: Hast Du da Tipps für alle Importpferdebesitzer?

Katrin Skaletz: Ganz wichtig, wenn man ein Pferd importiert ist, dass man sich anschaut wie die bisherigen Haltungs- und Fütterungsbedingungen sind. Dann kann man ein Konzept/einen Futterplan erstellen, der es dem Pferd erleichtert sich umzustellen. Wie das dann im Detail aussieht, findest du in deiner Futterberatung.

Katrin stellt eine Futterempfehlung zusammen basierend auf dem, was du ihr über dein Pferd erzählst von Basics wie Rasse, Alter und Geschlecht über Lebensbedingungen, Krankheiten und Besonderheiten. Du füllst ein Formular aus und bekommst dann eine beeindruckend detaillierte Antwort.

Da meine Jungstute aus Andalusien kommt, ist es wichtig die Umstellung Schritt für Schritt anzugehen.

Futterberatung Andalusien

Haltung meiner Jungstute auf der Hacienda Buena Suerte bisher: Andalusien. 24 Stunden auf der Weide zusammen mit anderen Pferden. Steiniger fester Boden und Büsche. Heu ad libitum, einmal täglich eine kleine Haferration. Mehr nicht. Ich habe sie nach einer sinnvollen Umstellung gefragt, nach dem Thema „Selenmangel“ und nach Futterempfehlungen.

Futterempfehlung für den Fall IMPORTPFERD

„Liebe Petra!

Vielen Dank für deine Anfrage!

Die derzeitigen Haltungs- und Fütterungsbedingungen für deine Stute sind ja nahezu ideal. Karge Weide (Steppe) und sich rund um die Uhr frei bewegen können –  es gibt eigentlich nichts Besseres für ein junges Pferd. Nun steht der Umzug nach Deutschland vor der Tür und es ist ganz wichtig sich nun ein paar Gedanken zu machen wie deine Stute an die im Vergleich sehr protein- und energiereiche Kost gewöhnt werden kann. Meine Empfehlung für dich wäre, dass du dich umschaust bei wem du Bergwiesenheu bekommst. Bergwiesenheu ist im Vergleich zum „Flachlandheu“ protein- und energieärmer. Es hat in der Regel zudem einen hohen Kräuteranteil, was der Vegetation Andalusiens recht nahe kommt.  Auch ein Bio-Kräuterheu würde als Alternative in Frage kommen.

Mögliche Bezugsquellen sind zum Beispiel:

www.lechtaler-bergwiesenheu.de

www.schwarzwaldheu.de

www.heukoenig.de

www.bergwiesenheu.de

www.heu-heinrich.de

Mir ist natürlich bewusst, dass die Beschaffung des Bergwiesenheus eine Herausforderung wird und natürlich auch mit Kosten verbunden ist, aber dein Pferd wird es dir sicherlich danken. Vielleicht gibt es auch die Möglichkeit Heu aus Andalusien mit nach Deutschland zu bringen. Das wäre optimal.

Umstellung – 6-8 Wochen

Ich würde dir empfehlen die Umstellung des Heus für 4-6 Wochen einzuplanen. In dieser Zeit sollte Carey nicht auf die Weide. Ihr gesamter Stoffwechsel ist daran gewöhnt karge Kost zu verarbeiten. Vor allem die Leber wird in der Umstellungszeit so einiges zu tun haben.

Pferde können zwar kurzfristig die bis zu 200fache Menge Proteine ganz gut weg stecken, aber ich würde das Risiko einer Stoffwechselentgleisung, Hufrehe oder Kolik nicht eingehen. Zudem ist ein Heunetz im ersten Jahr zu empfehlen, um die Heuaufnahme zu beschränken. Solange Carey noch nicht auf die Weide darf, sollte die Hälfte der Tagesration vom Boden gefüttert werden, um Muskelverspannungen vorzubeugen.

Bergwiesenheu und Co

Die ersten 2 Wochen sollte sie ausschließlich das Bergwiesenheu bekommen, danach kannst du beginnen halbkiloweise das hofeigene Heu dazu zu geben und das Bergwiesenheu um die entsprechende Menge zu reduzieren. Wenn man von einer täglich gefütterten Heumenge von 10 kg ausgeht, benötigst du in Summe ca 235kg Bergwiesenheu. Dies entspricht etwa einem Rundballen mit 1,40-1,50m Durchmesser (je nachdem wie fest es gepresst ist).

Erst wenn sie sich an das neue Heu gewöhnt hat, kannst du mit dem Anweiden beginnen, auch dies im Schneckentempo. Dass heißt in 10 Minuten Schritten anweiden. Wenn du meine Empfehlungen beherzigst, hast du den großen Vorteil, dass du erst im Juli/August zum Anweiden kommst. Was wiederum bedeutet, dass das Gras schon wesentlich weniger Proteine enthält und es auch hier keine Probleme geben sollte.

Mittagessen

Von der weiteren Haferfütterung oder anderen energiereichen Zusatzfuttermitteln würde ich dir in den ersten Monaten abraten. Careys Stoffwechsel wird mit der Verwertung des neuen Heus genug zu tun haben.

Zur Unterstützung der Leberfunktion würde ich dir Mariendistel und Artischocke empfehlen. Sie helfen der Leber die neue Kost zu verwerten, sich zu regenerieren, regen die Gallensekretion an und können ungesunde Gasansammlungen und Blähungen im Darm verhindern.

Auch die klimatischen Bedingungen sind in Deutschland anders als in Andalusien, entsprechend würde es Sinn machen das Immunsystem mit Echinacea und grünem Tee zu unterstützen. Eine individuelle Kräutermischung stelle ich dir gern zusammen.

Pferdekräuter

Thema Selen – heiß diskutiert

Erst einmal muss ich dir sagen, dass ein Bluttest kaum Aufschluss darüber geben kann, ob dein Pferd ausreichend mit Selen versorgt ist oder nicht. Das liegt einerseits daran, dass Blutanalysen nur Momentaufnahmen sind und andererseits daran, dass der Selenwert im Blut, im Vergleich zu anderen Mikronährstoffen, zuerst sinkt und dann im späteren Verlauf wieder ansteigt.

Weiterhin unterscheiden sich die Selenreferenzwerte der Labors gravierend. In dem einen Labor ist beispielsweise ein Selenwert von 65 mikrogramm/Liter (z.B. Biocontrol) vollkommen im Normbereich, in dem anderen Labor (z.B. Tierlab) wärst du mit diesem Wert weit unter der Norm und dir würde sicherlich ein Selenpräparat empfohlen.Ich denke es ist schlichtweg falsch Landesteile oder gar ganz Europa als Selenmangelgebiete zu beschreiben.

Die Selenwerte haben sich nämlich nicht verringert. Im Gegenteil! Durch die Ausbringung selenhaltiger Düngemittel sind die Selenwerte des Bodens in den letzten Jahrzehnten sogar noch gestiegen. Entsprechend haben wir eher ein Problem mit chronischer Selenüberversorgung als mit einem Mangel.

Solange ein Pferd keine Symptome eines Mikronährstoffmangels zeigt und nur laut Blutbild eine Supplementierung erforderlich ist, würde ich von Mineralfutter abraten. Sie können gravierend in den Stoffwechsel eingreifen und einen schier endlosen Teufelskreis verursachen. Zudem sind Organschäden, beim Selen vor allem Nierenschäden (überschüssiges Selen wird in den Nieren eingelagert), nicht auszuschließen. Meiner Meinung nach ist es am sinnvollsten immer zuerst natürliche Alternativen zu suchen. Wie im Fall des Selens Leinsamen/Leinpresskuchen/Leinöl eine natürliche Selenversorgung darstellt.

Folgende Artikel sind absolut Lesenswert:

http://www.pferdeglueck.de

http://www.artgerecht-tier.de

Bisher ist deine Stute wunderbar ohne Mineralfutter ausgekommen, obwohl uns ja immer vorgegaukelt wird, dass gerade Fohlen und junge Pferde eine Supplementierung mit Mineralfutter benötigen. Es ist natürlich richtig, dass unsere Weiden und das Heu viel artenärmer sind als noch vor 100 Jahren, aber gerade deshalb sollte man doch versuchen Weide und Heu mit natürlichen Mitteln aufzuwerten.

Nicht zuletzt deshalb, weil man mit natürlichen Futtermitteln wie Kräutern keine Überversorgung provozieren kann und der Körper des Pferdes an die Verwertung von Pflanzen angepasst ist und nicht an Mineralfutter oder voll vitaminisierten und mineralisierten Müslis.

Für weitere Fragen stehe ich dir gern zur Verfügung und wünsche dir ganz viel Freude mit deiner hübschen Stute!“

Futterberatung Importpferd

Das war Katrins Antwort und ausführliche Futterempfehlung zugeschnitten auf meine Stute.

Du findest Wissenswertes zum Thema Pferdefütterung HIER und kannst dich dann auch bei Karin zwecks einer Futterberatung melden – wenn du auch gerne eine für dein Pferd hättest

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Pferde machen glücklich. Sie sind unsere Lehrmeister, auf dem Weg zu dem besten “Ich”, das wir werden können. Daran glaube ich fest. Es ist wichtig, dass wir ihnen zuhören und lernen sie zu verstehen. Dann schenken sie uns besondere Momente. Diese Momente machen süchtig. Im echten Leben bin ich professionelle Journalistin. Das versuche ich hier in die Welt der Pferde zu übertragen. Ich schreibe die Artikel, führe die Interviews und besuche die Kurse für mehr Pferdewissen. Mein Mantra: Sei ein sicherer Ort für das Pferd.