Artikel aktualisiert am 24.03.2017

Pferdetraining sollte geduldig und liebevoll ablaufen. Sollte. Das tut es aber leider nicht immer. Früher wurden Pferde gebrochen und leider werden sie das in vielen Ländern auch heute noch. Da gibt es die schlimmsten Methoden, die ich hier gar nicht erst erwähnen will, die aber mit brachialster Gewalt arbeiten. Da stellt sich doch die Frage: Warum sind Gewinnsucht und die hartherzigsten brutalen Methoden soviel mehr verbreitet als Freundlichkeit und Respekt?

Stichwort: „Imprinting”

Steht für das Prägen eines Fohlens. In verschiedenen Stufen.

  1. Einfaches und freundliches Prägen des Fohlens (also streicheln, erste kleine kurze Übungen – sprich: Das Pferdchen an den Menschen gewöhnen.) – okay!
  2. GEHT gar nicht: Berascheln und festhalten

Imprinting Hardcore

Das Fohlen soll so schnell wie möglich – auch gleich nach der Geburt – von seiner Mutter getrennt und dann betatscht, mit raschelnden Dingen, Geräuschen und so weiter konfrontiert werden, es soll gleich lernen, die Hufe zu geben und sich führen zu lassen. So schnell wie möglich, in den ersten Stunden.

Dann wenn das Tier doch lieber erstmal die Welt kennenlernt und Sicherheit von seiner Mutter braucht. Wenn es das nicht mit sich machen lassen möchte, dann solle man es im Zweifelsfall auf den Boden legen und dazu zwingen.

So bitte nicht!

Ein Fohlen muss doch erstmal Bindung zu seiner Mutter aufbauen und gewinnt dadurch Vertrauen, dass es weiß, dass es beschützt wird, Fehler machen darf und eben nicht gezwungen wird. Eine erzwungene Schocktherapie vermittelt Angst, und Angst ist ein Gefühl, dass Fluchttiere wie Pferde extrem in Stress bringt.

Wenn man ein Menschenbaby nehmen würde, gleich nach der Geburt von der Mutter trennen und ihm dann Händeschütteln beibringen wollte, würde das auch nicht funktionieren. Da würde jeder den Kopf schütteln und das ganze für Blödsinn halten. Ganz abgesehen davon, dass jeder entsetzt wäre, dass man das Baby von seiner Mutter trennt.

Ohne Menschen und Pferde in einen Topf werfen zu wollen, aber das verwundert schon sehr, dass so ein kleines Fohlen dadurch Vertrauen zum Menschen bekommen soll, dass es isoliert und gezwungen und damit geängstigt wird. Wenn man verschiedene Bücher liest von Experten, die sich für einen vertrauensvollen pferdegerechten Umgang engagieren, dann sind sie alle gegen das extreme Imprinting und bestätigen mein Bauchgefühl, dass ein langsames Kennenlernen, sich beschnuppern lassen, die Neugierde des Fohlens nutzen, um mit ihm spielerisch in Kontakt zu kommen, alles besser und natürlicher ist, als dem Fohlen und damit dem späteren Pferd das Gefühl der Hilflosigkeit von Anfang an in Verknüpfung mit dem Menschen beizubringen.

Ich denke, dass man mit den Pferden reden muss in ihrer Sprache und es ist sicher keine freundliche Ansprache ein Fluchttier mal eben auf den Boden zu pressen und in eine hilflose Situation zu bringen. Freundlicher ist es durch eine gelassene Haltung „Hallo“ zu sagen und sich langsam anzunähern, um eben nicht wie ein fieses überfallartiges Raubtier zu wirken. Ich würde sagen, nachdem ich einiges darüber gelesen habe, dass dieses extreme Imprinting ein echtes No-Go ist. Das ist Tierquälerei in meinen Augen.

Zu früh, zu schnell, zu viel!

Dann geht es aber oft genug falsch weiter. Beim Absetzen des Jungpferdes zum Beispiel. Viele machen das offenbar zu früh, weil sie mit der Stute weiterzüchten oder Turniere reiten wollen, wird das kleine Pferdekind eben brutal getrennt und auf eine andere Weide gestellt. Dabei ist es laut Experten wie Susanne Kreuer total wichtig die Pferde langsam umzugewöhnen an eine neue Herde mit Gleichaltrigen, damit die Pferde Sozialverhalten in der Herde lernen*

Das schnelle Anlernen geht dann oft beim Beritt weiter. Damit man das Pferd schon früh bei Turnieren vorstellen und gut verkaufen kann, werden die armen Pferde zu früh zugeritten, dabei sind die Knochen oder sogar der Kopf und damit die Pferdeseele noch gar nicht so weit.

Das sind dann im Grunde Grundschüler und Kindergartenkinder, die zu einer Uniabschlussprüfung in kürzester Zeit getrieben werden, um nochmal einen menschlichen Vergleich zu wagen. So kommt es mir zumindest vor. Am Ende kommen dann im schlimmsten Fall Pferde dabei raus, die  nach 10 oder 15 Jahren kaum noch reitbar sind, gesundheitliche Probleme haben und alles andere als zufrieden durch das  Leben zockeln.

 

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4 Kommentare zu “Vertrauen statt Zwang! Warum Imprinting als Trainingsmethode bei Fohlen ein NOGO ist

  1. Margrit Baumgärtner sagt:

    Das Wichtigste ist Zeit und Geduld—das gilt für die Menschen- und
    Pferdeerziehung. "Imprinting" finde ich grauenhaft und egoistisch. Ein Fohlen gehört zu seiner Mutterstute und der Mensch muss im Hintergrund bleiben.

    • Petra sagt:

      So wahr! Ich bin absolut Deiner Meinung. Als ich das erste Mal davon gelesen hatte, war ich entsetzt – dass Menschen mit einem jungen und noch unschuldigen Fohlen so umgehen. Alfonso Aguilar zum Beispiel macht auch ein bisschen was mit den Fohlen – aber erst 1-2 Tage nach der Geburt und ganz spielerisch. Er sagt, dass er will, dass das Fohlen Hufe geben und Führen lassen und anfassen kennt – in einem guten und verspielten Moment. Falls es krank werden sollte, ist der Erstkontakt mit dem Mensch nicht ein HUfschmied oder Tierarzt, sondern ein netter Mensch. Den Gedanken finde ich ganz logisch. Aber diese Ur-Imprinting mit "grabschen", "wegreissen" und "zwingen" finde ich ganz ganz schrecklich.

  2. Miriam sagt:

    Liebe Petra,

    dieses Imprinting ist einfach nur grausam. Ein Pferd ist ein Pferd und sollte das auch lernen dürfen. Die ersten Stunden gehörem Mama und Kind eigentlich die ersten Tage.
    Die Züchterin von meinem Pony hat es ganz toll gemacht. Sie hat die Geburt über die Videokamera im Nebenraum beobachten. Als das Fohlen da war, ist sie nach kurzer Zeit rüber hat sich kurz angeschaut, ob alles in Ordnung ist und hat die zwei dann alleine gelassen. Die Prägung auf die Mutter ist doch so wichtig und ich finde es grausam die zwei zu trennen. Mal davon abgesehen, dass das für das Fohlen schrecklich ist, ist es doch auch für die Stute eine Katastrophe. Sie hat gerade ihr Baby auf die Welt gebracht und anstatt ihr natürliches mütterliches Verhalten ausleben zu dürfen, wird ihr ihr Kind weggenommen. Und wer schon mal eine Stute hat schreien hören, wenn ihr Fohlen weg ist, der weiß wie die Stute leidet. Und ich finde nicht, dass das ein vermenschlichen ist, wenn ich auch Stuten Muttergefühle zuschreibe. Wo steht geschrieben, dass nur menschliche Müter ihre Kinder lieben?
    Zumal das Ganze auch nicht notwendig ist. Fohlen sind neugierig und wollen die Welt erkunden und dann kommen sie irgendwann von ganz alleine zum Menschen und das ist auch gut so. Selbst ein Fohlen sollte über seinen eigenen Körper verfügen dürfen und selber entscheiden dürfen, von wem und wann es angefasst werden will.
    Zum Thema auf den Boden drücken und festhalten schreibe ich lieber nichts, sonst wird mein Kommentar zu wütend und ich benutze evtl. Worte, die ich eigentlich nicht hier schreiben will.

    Liebe Grüße
    Miria

    • Petra sagt:

      Liebe Miriam, das sehe ich genauso wie Du. Irgendwie sehen wir ohnehin sehr viel sehr gleich :-) Ich finde auch, dass es schrecklich klingt. Den Artikel habe ich vor einem Jahr geschrieben, damals war ich noch am Anfang meiner Recherchen und wollte nicht "klugscheissen" ohne viel Erfahrung. Fand aber das ganze Thema damals schon schrecklich. Vielleicht sollte ich die "Möglicherweises" und "eventuells" noch rausstreichen. Denn ich denke auch, dass es keinen Sinn macht, so mit einem Fohlen umzugehen. Ich hoffe, das kommt in meinem Artikel rüber. Alfonso Aguilar "arbeitet" in den ersten 9 Tagen schon mit dem Fohlen. Aber spielerische Basics im Beisein der Mutter. Also mal die Hufe heben und sich ein bisschen führen lassen und anfassen lassen, falls Hufschmied oder Tierarzt aus gesundheitlichen Gründen kommen müssen. Das scheint mir schon sinnvoll. Er nennt aber auch das "Imprinting" – ich denke, dass es da verschiedene "Methoden" dazu gibt. Wie so oft ist der Begriff vielfach benutzt, aber nicht eindeutig geklärt. Habe ich zumindest das Gefühl.. Aber die Urvariante, wie sie sich dieser Fachmann ausgedacht hat, macht mich total wütend. Ich finde es schrecklich!Das einzige, was das Fohlen mit solchen Methoden lernt ist: "Menschen sind grausam und böse" und es hätte Recht damit. Liebe Grüße, Petra

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