Bernd Hackl und die Pferde haben es sogar in den SWR geschafft. Für das Wissensmagazin SWR2 Impuls habe ich diesen Radiobeitrag über Pferd-Mensch-Kommunikation und neue Forschungsergebnisse zur Pferdeintelligenz gemacht.

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  • Hör Dir meinen Radiobeitrag für den SWR mit Konstanze Krüger, Professorin für Pferdehaltung, und dem Pferdeprofi Bernd Hackl an.

Es geht um die Intelligenz von Pferden, ihr Sozialverhalten, und was wir Menschen im Umgang mit den Tieren alles regelmäßig falsch machen:

…wem das jetzt wieder zu wenig zu lesen ist, der findet hier den Beitragstext:

Pferde gehören zu den beliebtesten Haustieren in Deutschland, trotzdem spielte bis vor wenigen Jahren weder das Seelenleben noch das Kommunikationsverhalten der Tiere eine große Rolle in der Forschung. Seit einigen Jahren boomt die Pferdeforschung. Neueste Studien zeigen, dass die Pferde eine unterschätzte Rasse sind. Das Pferd ist in vielen Punkten immer noch eine große Unbekannte in der Forschung. Wissenschaftler, wie die Biologin Konstanze Krüger, Professorin für Pferdehaltung und wissenschaftliche Leiterin der Pferdetage Baden-Württemberg, wollen den Pferden in die Köpfe schauen und erforschen, wie die Tiere ticken.

Konstanze Krüger: „Mich würde es irre interessieren, wie das Pferd die Welt überhaupt wahrnimmt. Also welche Farben sieht es wirklich? Man geht davon aus, dass sie zwei Farben sehen können, aber wie mischen sie das? Wie orientieren sich Pferde im Raum? Wir haben Beispiele immer wieder von blinden Pferde, die unglaublich gut Wege gefunden haben. Wo wir uns denken: Am Sehen kann es nicht gelegen haben – da müssen noch andere Sinneswahrnehmungen geholfen haben. Das fände ich echt spannend.“

Bernd Hackl: „Wenn ich für einen Tag ein Pferd sein könnte, dann wäre ich am besten irgendwo, wo ich diesen Tag nicht geritten werde (lacht). Einfach irgendwo oder in der Wildnis, wo sie mich nicht finden. Ich wäre ungern ein Pferd.…“

Der Pferdetrainer und Buchautor Bernd Hackl, spricht vermutlich vielen Pferden aus der Seele. Die Deutschen sind Europas Reitervolk Nummer 1. Über eine Million Pferde werden in Deutschland gehalten. Gleichzeitig leiden erstaunlich viele Reitpferde unter Verhaltensstörungen, die es bei Wildpferden nicht gibt. Die logische Schlussfolgerung muss also sein, dass die Probleme durch die Domestizierung entstanden sind. Lange galten Pferde in der Wissenschaft auch noch als dumm. Es gab nahezu keine Forschung zu Sozialverhalten oder Intelligenz der Tiere, sagt Konstanze Krüger und benennt den Schuldigen.

Konstanze Krüger: „Das hat geschichtlichen Hintergrund.  Die Suppe, die hat uns Clever Hans eingebrockt. Clever Hans war ein Pferd um die Jahrhundertwende herum, so um 1907 hat er gelebt von ihm dachte man, er könne rechnen. Hat dann die unglaublichsten Rechenaufgaben gelöst, wie zum Beispiel: Zähle die Leute mit Hut in der Menge oder rechne den Kalender aus oder sonst etwas. Bis dann hinterher sein Assistenz darauf kam, dass er keineswegs rechnen konnte, sondern die Mimik seines Besitzers gedeutet hat.“

Damit waren die Pferde erstmal abgestempelt. Das ändert sich seit einigen Jahren, erzählt Konstanze Krüger. Sie ist eine Vorreiterin, die erste und einzige Professorin für Pferdehaltung in Deutschland. In ihrer aktuellen Studie sammelt sie über eine Homepage Geschichten von Pferdebesitzern über die Talente ihrer Vierbeiner. Ein Fall hat bei der Forscherin für große Aufregung gesorgt:

Konstanze Krüger: „Das ist ein Pferd, das tatsächlich eine simple Form von Werkzeuggebrauch gezeigt hat. Dieses Pferd benutzt einen Stock, um Futter unter der Futterkrippe herauszukratzen. Und das ist eigentlich eine kleine wissenschaftliche Sensation, weil man Werkzeuggebrauch momentan nur Menschen und Primaten vorbehält in der Wissenschaft.“

Wenn auch ein Einzelfall, aber ein Pferd, das sich Werkzeug aneignet, um Futter zu beschaffen, ist für Konstanze Krüger ein erstes Zeichen für eine hohe Intelligenz. Außerdem hat sie mit ihren Studien bewiesen, dass Pferde eine hochgradig soziale Ader haben. Das geht sogar so weit, dass sie als Streitschlichter agieren…

Konstanze Krüger: „ Das hat uns am Anfang extrem erstaunt. Weil jeder der als Streitschlichter dazwischen geht, auch irgendwo riskiert, dass er selbst eine Abreibung bekommt.  So wie es aussieht hat auch das wieder etwas mit sozialen Bindungen zu tun. Dass der wichtigste Faktor der ist, dass man versucht entweder soziale Bindungen zu schützen – also dann auch dazwischen geht, wenn ein Sozialpartner im Streit mit dabei ist oder zu einem neuen soziale Bindungen aufzubauen. Und der andere Aspekt scheint aber auch zu sein, den Aggressionslevel in der Gruppe niedrig zu halten.“

Pferde sind Herdentiere. Die Gemeinschaft sichert ihr Überleben in der Wildnis. Der Pferdegedanke dahinter: Je besser ich mich mit der Herde verstehe, umso besser funktioniert die Herde untereinander, desto eher werden wir in der Wildnis überleben. Dieser Wille zur Zusammenarbeit ist eine Eigenschaft, die die Menschen sich in der Pferd-Mensch-Kommunikation zu Nutzen machen können, sagt der Pferdeexperte Bernd Hackl. Der Pferdetrainer ist für seine sanften Methoden bekannt. Er nimmt in seinem Trainingsstall in Bayern regelmäßig Problemfälle auf. Meist ist aber nicht das Pferd das Problem, sagt Bernd Hackl.

Bernd Hackl: „Ich habe ganz viel Kundschaft, die ihre Pferde lieben. Das glaube ich denen auch, wenn sie das sagen. So jetzt bringt das Pferd eine Leistung, aber leider nicht die 100 Prozent, die erwartet wurden. Und prompt hört die Pferdeliebe auf. Und der muss jetzt! Und der hat zu! Dass der aber 5 % von dem erwarteten schon geliefert hat, das übersehen sie komplett. Dass das Pferd natürlich sagt – okay, wenn 5 % nicht richtig waren, dann probiere ich 50 % nicht, weil dann bekomme ich ja noch mehr Anschiss. Da liegen die Missverständnisse zwischen Mensch und Pferd. Also dieses persönliche Beleidigt sein, das hat bei Pferden nichts verloren.“

Pferde brauchen klare Signale und eine ruhige innere Einstellung. Sie sind aufgrund ihrer ursprünglichen Lebensweise als Fluchttiere sehr empfänglich für Stimmungen, reagieren sensibel auf die Haltung ihres Gegenübers. Der gemeinsame Nenner zwischen Mensch und Pferd ist die Körpersprache. In der Herde entscheidet das Leittier was passiert. Teilweise nur mit dem Zucken eines Ohres oder einem leisen Geräusch. Das adaptiert Bernd Hackl in der Kommunikation mit den Pferden. Er geht bestimmt und aufrecht auf das Pferd zu, schnalzt und sofort läuft sein Pferd  ein paar Schritte weg.

Bernd Hackl Buch

Bernd Hackl: „Weil ich so präsent bin für mein Pferd. Und ihm sage: Pass auf, wenn ich so auf Dich zukomme und sage: Geh weg! Du stehst mir im Weg! Wenn ich aber sage: Nein Bleib da, komme mit mir! Ich wende mich ab und nehme den Druck weg – dann wird er sich mir anschließen.“

Bernd Hackl dreht sich leicht ein, geht weg und das Pferd folgt ihm sofort. Alles ohne Seil, Halfter oder Führstrick. Er studiert die Verhaltensweisen der Tiere in der Herde und überträgt seine Erkenntnisse dann auf den Umgang mit ihnen. Speziell bei den Problempferden, die ihm gebracht werden.

HIER hat er der Pferdeflüsterei schon ausführliche Interviews gegeben zu Gebisslosem Reiten und Horsemanship, zu der Frage wie Pferde ticken und was sie von uns brauchen.

Bernd Hackl: „Wenn ich solche Pferde habe, die ein gewisses Dominanzverhalten an den Tag legen. Dann bringe ich die in die Box, schmeiße Karotten in den Futtertrog und dann tue ich so, als würde ich sie essen. Also ich blockiere diese Ecke und dann wird das Pferd furchtbar stinkig, weil er ans Futter will. Und ich sage ihm: Geh weg von mir, das ist mein Futter, Du stehst hier in der Ecke und ich fresse jetzt hier. Und erst wenn er ruhig ist, dann gehe ich. Dann lernt er erstens: je schneller der im Eck steht und mich im Frieden lässt, desto schneller bin ich satt und gehe. Zweitens, ich kann mein Futter verteidigen, also bin ich scheinbar doch eine ranghöhere Person, eine Respektsperson und drittens: er muss nicht verhungern, weil ich ihm die Futterstelle räume und etwas übrig lasse. Und schon läuft es auch im Training besser, weil er gelernt hat, dass ich eine Respektsperson bin.*“

Immer mit Ruhe, Konsequenz und Fairness. So wie der Herdenchef. Viele Pferdebesitzer verwechseln das mit Dominanz und die Verweigerungshaltung der Pferde dann mit der berühmten Dummheit, die den Tieren über Jahrzehnte unterstellt wurde. Darin liegen wohl die meisten Missverständnisse zwischen Mensch und Pferd. Das bestätigt auch die Wissenschaftlerin und Professorin für Pferdehaltung, Konstanze Krüger.

Konstanze Krüger: „Wenn der Mensch sich in die soziale Gruppe einfügt oder ihnen gegenüber auch die Führung übernimmt, dann bietet er ja einfach auch Sicherheit, dass man seinem Pferd nichts Gutes tut, wenn man ihm die Führung überlässt, denn dann schürt man Unsicherheit. Viele Pferde machen einen zufriedenen Eindruck, wenn der Mensch sich als Boss etabliert und ansagt, was zu tun ist.“

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