Artikel aktualisiert am 27.02.2017

Buck Brannaman - Zitat

Ein Gastbeitrag von HERZENSPFERD:

Fehler. Nichts was man gerne zugibt. Ich kenne nur wenige Menschen, die sich offen dazu bekennen und sagen „Ja, ich habe das falsch gemacht“.

Stattdessen streben alle nach Perfektion. Bei sich selbst, ihrer Arbeit und auch ihrem Pferd. Dabei wird vergessen, wie wertvoll Fehler sein können und was für eine Chance sie bieten. Fehler zu vermeiden und immer auf Nummer Sicher zu gehen bedeutet nämlich auch meistens, keinen Fortschritt zu machen und nichts dazuzulernen. Wer etwas Neues ausprobiert macht zwangsläufig Fehler. Und genau das ist es, wodurch man lernt.

Genauso ist es auch beim Pferdetraining. Das Pferd muss viele verschiedene Dinge ausprobieren und viele Fehler machen dürfen, damit es lernen und erkennen kann, was von ihm verlangt wird.

Levade von Herzenspferd

Übertriebener Perfektionismus schadet

Wird der ständige Perfektionismus auf das Training mit dem Pferd übertragen, verkommt der Mensch zum Micro-Manager, der jede noch so kleine Regung des Pferdes kontrolliert. Wird das noch mit Bestrafung von Fehlern kombiniert, ist man auf dem sicheren Weg seinem Pferd jede Motivation und Freude am gemeinsamen Training zu nehmen.

Ein weiteres Zitat von Buck Brannaman: „Als Reiter musst Du Deinem Pferd langsam und methodisch zeigen welches Verhalten gewünscht ist. […] Wenn Du es aber für Dein Pferd unmöglich machst die falsche Wahl zu treffen, dann führst Du Krieg.

Du solltest also immer zulassen, dass Dein Pferd Fehler macht. Dann hast Du die Chance ihm auf sanfte Art und Weise zu zeigen, dass das nicht die Reaktion war, die Du Dir gewünscht hast. So kann Dein Pferd verschiedene Reaktionen ausprobieren, bis es die Richtige gefunden hat. Das bedeutet es denkt aktiv mit und lernt daraus.

Spanischer Schritt von Herzenspferd

Reagierst Du aber mit Bestrafung auf jeden Fehler oder wirst wütend und frustriert, so wird sich Dein Pferd immer mehr davor fürchten, etwas falsch zu machen und Neues auszuprobieren. Würde Dir Dein Chef jedes Mal auf die Finger klopfen, wenn Du etwas falsch machst, würdest Du ganz schnell nur noch so wenig wie möglich ausprobieren und nur noch Dinge tun, die Du im Schlaf kannst. Und Du hättest mit Sicherheit keinen Spaß mehr an der Arbeit.

So machst Du das Falsche schwer und das Richtige einfach

Ein häufiges Beispiel: Das Pferd zieht beim Reiten in der Halle immer zum Ausgang. Dort wird es von sich aus langsamer oder bleibt sogar stehen, lässt man es den Weg bestimmen, läuft es zielstrebig dort hin.

Viele Reiter kämpfen während des gesamten Trainings mit dem Pferd, um es davon abzuhalten, zum Ausgang zu ziehen. Die Zügel werden kürzer genommen und die Gerte kommt zum Einsatz. Der Reitlehrer brüllt, dass man sich „mal durchsetzen“ soll.

Das ist die Fehlervermeidung. Der Krieg mit dem Pferd.

Warwick Schiller, der auch nach dem Grundsatz „Mache das Falsche schwer und das Richtige einfach“ arbeitet, schlägt folgenden Lösungsansatz vor:

  • Die Zügel einfach lang lassen.
  • Trifft das Pferd die „falsche“ Entscheidung und läuft zum Ausgang, so lässt man das zu. Man versucht nicht, es davon wegzulenken.
  • Ist es am Ausgang angekommen reitet man direkt am Ausgang viele Kringel und lässt es etwas schneller gehen – das Pferd muss sich also anstrengen.
  • Früher oder später wird es vom Ausgang wegdriften, dann hört man sofort auf etwas von ihm zu verlangen, lobt es und lässt es in Ruhe.

Das Pferd wird mit der Zeit lernen, dass es am Ausgang anstrengend ist und es überall sonst seine Ruhe hat. Man hat es ihm schwer gemacht, das unerwünschte Verhalten zu zeigen – aber nicht unmöglich! Es muss den „Fehler“ machen dürfen, damit es lernen kann.

Das alles funktioniert ohne großen Zügeleinsatz und ohne das Pferd zu bestrafen. Und man vermeidet damit einen andauernden Krieg mit dem Pferd, der sich in jeder Stunde in der Halle wiederholt.

Piaffe von Herzenspferd

Fazit: Fehler sind Deine besten Freunde

Sie sind nichts, vor dem man Angst haben oder wegen dem man sich schämen muss. Stattdessen sind sie eine wertvolle Chance zu lernen und sich weiterzuentwickeln. Wer niemals Fehler begeht wird auch niemals sein volles Potenzial ausschöpfen.

Um es mit einem weiteren Zitat zu sagen:

„Wer sein Leben so einrichtet, dass er niemals auf die Schnauze fallen kann, der kann nur auf dem Bauch kriechen.“ (Heinz Riesenhuber)

Text: Christina von Herzenspferd.de
Bilder: Christina von Herzenspferd.de

Buck Brannaman - Zitat

Wer ist der Zitategeber – Buck Brannaman*

Buck Brannaman ist ein amerikanischer Pferdetrainer der nach den Methoden des Natural Horsemanship arbeitet. Er hat unter anderem von Ray Hunt und Bill und Tom Dorrance gelernt.

Buck wurde als Kind von seinem gewalttätigen Vater misshandelt – er sagt, er weiß wie es ist, wenn man permanent Angst hat. Deshalb ist es sein Ziel in der Arbeit mit Pferden immer eine vertrauensvolle, gewaltfreie Beziehung aufzubauen und dem Pferd eine sichere Umgebung zu geben.

Ein weiteres, sehr berühmtes Zitat von ihm ist: „Ich arbeite nicht mit Menschen mit Pferdeproblemen, sondern mit Pferden mit Menschenproblemen“.

Über Buck und seine Arbeit wurde eine sehr sehenswerte Dokumentation gedreht: buck-derfilm.de*

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8 Kommentare zu “Buck Brannaman: Erlaube deinem Pferd Fehler zu machen

  1. Miriam sagt:

    Liebe Petra,

    das finde ich ein sehr schönes Zitat.
    Ich versuche im Training genau das, ich gehe auf "Fehler" von meinem Pony nicht wirklich ein, lobe aber das was in die von mir gedachte Richtung geht.
    Dadurch habe ich ein motiviertes, mitdenkendes, eigene Ideen einbringendes Pony was nie Angst hat etwas falsch zu machen.
    Manche Übungen, die er kann, sind sogar aus Ideen von ihm entstanden und ich habe es dann einfach aufgegriffen und verstärkt.
    Er zögert nicht Dinge auszuprobieren, zu raten, was ich gerade von ihm möchte und traut sich Ideen zu entwickeln. Ganz anders war anfangs meine leider nun ehemalige Reitbeteiligung (der Große ist in einen anderen Stall gezogen :( ). Er hatte anfangs immer Angst, was passiert, wenn er nicht das macht, was ich von ihm möchte. Gab es nicht gleich ein Lob, hat er alle Versuche eingestellt, war verschüchtert und in Erwartung einer Strafe. Das ist mittlerweile aber zum Glück auch nicht mehr so.
    Ich persönlich finde es auch einfach schöner den Fokus auf das zu legen, was gut läuft, zu schauen, wo ist ein richtiger Ansatz wie darauf zu schauen was schlecht läuft und das dann zu unterbinden. Diese Fehlersucherei, die manche Reiter betreiben, finde ich irgendwie für die Beziehung zu meinem Pony zu negativ. Natürlich mache ich auch Fehler, die sehe ich auch und zu denen stehe ich. Aber mein Fokus liegt nicht darauf.
    Liebe Grüße
    Miriam

    • Petra sagt:

      Liebe Miriam, mir geht es da wie dir, ich habe mich sehr gefreut, als Christina von Herzenspferd.de vorgeschlagen hat dieses Zitat zu nehmen. Ich mache auch das ungewollte etwas unbequemer, um meinem Pferd einen Rahmen zu geben. Damit es weiß, was ich nicht will und weiß, was ich mir wünsche. Aber das hat nie etwas mit bestrafen zu tun, sondern mit "einen Weg zeigen". So würde ich das bei uns beschreiben. Ich fände die Vorstellung grauenvoll, dass ein Pferd Angst vor Bestrafung haben muss. Sie sollen ihre Persönlichkeit entfalten und mitreden dürfen. Du und dein Pony macht das so schön und er hat so einen süßen eigenen Kopf. Das finde ich sehr sympathisch. Schade, dass deine Reitbeteiligung umgezogen ist. Ich drücke ihm die Daumen, dass er im neuen Stall gut ankommt. Ganz liebe Grüße, Petra

  2. Claudia sagt:

    Liebe Petra,
    Liebe Christina,

    ich finde den Artikel wunderschön! Er zeigt toll auf das Fehler machen nichts negatives sein muss… Es gibt ganz andere Wege um sich miteinander zu verständigen und zu zeigen, dass man es so nicht gemeint hat. Ein Fehler ist eine neue Möglichkeit zu lernen!

    Gerade beim Westernreiten ist genau dieses Verhalten eine wichtige Philosophie!

    Danke für diese schöne Zusammenfassung!

    Liebe Grüße
    Claudia

    • Petra sagt:

      Liebe Claudia, das Lob gebührt zu 100% Christina. Sie hat diesen wunderbaren Gastartikel geschrieben und ich war auch ganz hingerissen von den Gedanken, die in diesem Text stecken. Ganz liebe Grüße und danke für deinen Kommentar, Petra

  3. Nadja sagt:

    Tolles Zitat und toller Text! :) Warwick meinte auf der Clinic am Wochenende auch, dass wir die vermeintlichen Fehler der Pferde nicht als Fehler abwerten sollen, sondern sie als Versuche interpretieren, die richtige Antwort zu finden. Um das zu tun, muss das Pferd auch das "Falsche" ausprobieren können. Ich finde diese Einstellung ziemlich wichtig, weil sie maßgeblich für eine angenehme Lernatmosphäre ist – genau wie Christina schreibt. VG! Nadja

    • Petra sagt:

      Fand ich auch, ich war ganz begeistert von Christinas Text. Ich bleibe bei "Fehlern" einfach immer weiter mit meiner Frage dabei und frage und frage freundlich weiter, bis sie die Antwort findet und lobe dann sofort mit einer Pause und einem Streicheln. Ich freue mich schon darauf mich mit euch auszutauschen! Oh und ich habe einen Knotenhalfter-Anschlag auf dich vor. Es sitzt noch nicht perfekt, vielleicht kannst du mir beim Umknoten behilflich sein :-) Aber bitte gnädig sein, es ist das Vierte, das ich ausprobiert habe und das einzige, das nicht entweder deutlich zu klein oder deutlich zu groß ist. Ganz liebe Grüße, Petra

  4. Jana sagt:

    Ein spannendes Thema! Jeder Reiter sollte sich Gedanken machen, wie er mit Fehlern umgeht und sie im besten Fall für sich und sein Training nutzen kann – ohne Groll und schlechte Stimmung.
    Doch bedenken sollte man auch, dass man als Reiter immer die Verantwortung hat, sein Training pferdefreundlich aufzubauen. Für mich gehört dazu auch, dass es für das Tier einfach sein muss, das richtige Verhalten zu zeigen. Das hat dann auch nichts mit Angst vor Fehlern zu tun sondern mit möglichst frustfreiem und schnellem Lernen fürs Tier.
    P.S.: Wunderschöne Illustrationen!

    • Petra sagt:

      Liebe Jana, eine tolle Ergänzung, ich danke dir für deinen Kommentar. Das ist ein wichtiger Satz. Denn nur wenn die Schritte so aufgebaut sind, dass das Pferd sie auch lernen kann, muss man gar nicht erst an einen Punkt kommen, an dem es frustrierend wird für einen von beiden oder beide Seiten. Ganz liebe Grüße, Petra P.S.: Ich liebe die Bilder von Christina auch sehr

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