Artikel aktualisiert am 14.02.2017

Dein Pferd kürzt die Ecken immer wieder ab? Es ignoriert dich, wenn du ihm die Trabhilfe gibst? Pferde sind Energiesparer. Sie sehen wenig Sinn darin im Kreis zu laufen und Ecken auszureiten. Das ergibt einfach keinen Sinn für sie. Aber du kannst ihnen die Ecken schmackhaft machen. Ganz einfach. 

Die ewige Schuldfrage

Stellst Du Dir auch immer wieder die Frage: Wer ist schuld? Warum macht mein Pferd das?

Es ist schon wichtig, dass du dich zuerst fragst, ob es an dir liegt. Die Fragen, die mir immer zuerst durch den Kopf schießen sind:

  • Warum macht das Pferd das?
  • Habe ich ihm etwas falsches gesagt?
  • Eine falsche Hilfe gegeben?

Wenn ich diese Frage mit Ja beantworten kann .- arbeite ich an meinen Hilfen, übe meinen Sitz und schule mein Timing. Komme ich zu dem Ergebnis, dass das Pferd sich dieses Verhalten angewöhnt hat, mir nicht zuhört oder mir nicht glauben will, dass ich weiß, was ich tue, bleibe ich an meinem Wunsch dran. Sanft, bestimmt und wohlwollend.

Jetzt kommt Dein Part: Du musst deinem Pferd einfach immer wieder sagen, was du willst. Zum Beispiel: “Nö! Du gehst jetzt wieder dahin zurück. Wir nehmen diese Ecke.” Gleichzeitig machst du die Ecke zu einem schönen Ort. Dort ist Pause, Ruhe und Streicheln angesagt. Da gibt es ein Leckerli und eine Pause.

Außerhalb der Ecke wird gearbeitet. Trab, Volten, Schlangenlinien. Das macht die Ecke besonders bequem.

So kannst du deinem Pferd beibringen, das du gerne ausgerittene Ecken haben willst. Aber mit Geduld und Konsequenz, nicht mit Gewalt und Zwang.

Signalgebung – so gehts

Aber wie machst du das Signal für: “Nö!”

  1. Nimm dein Gewicht leicht in die Richtung, in die du möchtest
  2. Schau genau hin, wo du hinwillst
  3. Inneres Bein ran, erst zart, dann stärker
  4. Dazu denn den inneren Zügel aufnehmen und im Zweifelsfall, wenn alles nicht hilft, ein Impuls mit dem äußeren Zügel

 

Es ist wichtig, dass du immer mit der ersten Stufe anfängst, damit das Tier lernt, dass du fair bist, ihm die Chance gibst. Zumal du ja gerne eine feine Kommunikation möchtest und wenn du dein Pferd mit lauten Signalen anbrüllst, wird es entsprechend laut zurückbrüllen.

Das Pferd hat letztlich drei Aufgaben (die aber sehr schwer für Pferde sind, weil sie ihrer Natur widersprechen):

  • Es soll gelassen bleiben, sich also nicht wie ein Fluchttier verhalten
  • Es soll die Richtung und die Geschwindigkeit beibehalten, so lange bis eine neue Ansage kommt. Es soll sich also nicht wie der Energiesparer verhalten der es eigentlich ist
  • Es soll uns vertrauen und darauf achten wo es läuft und nicht über seine eigenen Beine stolpern

Regeln gelten für beide Seiten beim Reiten

Nicht nur ich bin durch eine klare und freundliche Sprache dafür verantwortlich gut für das Pferd zu sein, das Pferd ist auch dafür verantwortlich durch braves und ruhiges Verhalten gut zu mir zu sein. Als Chef in der Menschenwelt ist es meine Aufgabe, die Verantwortlichkeiten des Pferdes konsequent einzufordern, wenn es das nicht von alleine anbietet.  Dafür kümmere ich mich um das Pferd und bin ein ruhiger, sicherer und klarer Ort, an den es immer zurückkehren kann.

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7 Kommentare zu “Das Pferd und die Ecke! Wie du sie schmackhaft machen kannst

  1. Véronique Ferring sagt:

    Hallo Petra
    Puuuhhhh … da hast Du Dir ganz schön viele Gedanken gemacht!
    Hoffentlich kannst Du Deine Reitstunden noch geniessen ;-)
    Aber es passt alles zusammen!
    Mach’ weiter so!
    LG Véro
    (Westernreiterin + Arbeitskollegin von Tom)

    • Petra sagt:

      Hey Vero, jaaaa das viele denken, muss ich mir mal abgewöhnen ;-) Danke für Deinen sehr netten Kommentar, unser erster! Juchuuu! Liebe Grüße, Petra

  2. Anna sagt:

    Hallo, ich habe jetzt nicht wirklich ein Problem mit den Ecken usw. sondern mit dem Tempo. Vielleicht kannst du mir oder jemand anders helfen, dass wäre sehr nett. Also, ich hatte eine Reitstunde mit einem Haflinger und ich sollte zuerst reiten. Das Pferd wollte einfach nicht vorwärts gehen. Es stand einfach nur auf der Mittellinie und tat nichts. Schenkel halfen NICHTS! Bis meine Reitlehrerin sagte:,, Komm schon, Gerte sonst macht der was er (Amigo so heißt der Wallach) will. Alle kicherten und ja, bis zum Trab. Er war wirklich langsam und ich war immer noch Erste. Ich sollte schneller sein und er reagierte wieder nicht. Hilfen helfen nichts. Natürlich muss mal wieder die Gerte ran. Eigentlich mag ich keine Gerten bzw. Nicht zu feste und auch nicht zu viel, aber naja ich will echt keinen Ärger von der Reitlehrerin bekommen. Er hat die Angewohnheit, dass er unterm Trab auf einmal stehen bleibt und wieder in Luft guckt und sich warscheinlich denkt: Was will die von mir, lass mich doch einfach in Ruhe. Oder so. Und ja ihr könnt es euch vielleicht schon denken.
    Ich glaube nicht, dass ich soooo unerfahren bin, denn ich reite jetzt seit ungefähr 7 Jahren und habe den Reiterpass (auf nen Isländer gemacht), nächstes Jahr kommt die Nadel (auch auf Isländer) und tja. Es ärgert mich einfach.

    • Petra sagt:

      Hallo Anna, uiuiui das ist sehr schwer. Ist es denn ein Schulpferd, das vielleicht nicht wirklich viel Korrektur geritten wird? Dann wird es schwer das in einer Schulstunde anders zu machen. Viele Schulpferde sind einfach stumpf, weil sie die feinen Hilfen nicht mehr beigebracht bekommen, nachdem die Schüler darauf saßen. Die ja oft mit den groberen Hilfen als Anfänger den Pferden falsche Dinge beibringen. Das ist normal und kann gar nicht anders sein. Deswegen wäre es ja so wichtig, dass die Schulpferde auch Korrektur geritten werden. Nur fehlt dafür leider oft die Zeit und das Geld. Das ist ein Teufelskreis und ein großes Dilemma, für das die Schulen oft nicht mal was können, weil einfach nicht genug Geld und Personal da ist. Manchmal kann es helfen, dass du dem Pferd das Gewollte bequem und das Ungewollte unbequem machst. Sprich: er bleibt stehen? Dann führe ihn in die Volte oder eine Hinterhandwendung, in dem du den inneren Zügel leicht vom Pferd Weg zuppelst und dein inneres Bein weiter hinten anlegst. Wenden und Kreise sind immer unbequemer als geradeauslaufen. Dann wird er vielleicht schnell merken, dass Laufen immer noch netter ist als stehen bleiben. Oder du überraschst ihn mit Aufgaben, bevor er ans stehenbleiben denken kann. Wenn das denn geht in der Reitstunde. Wenn du genau reinhörst in das Pferd und eure Bewegungen ahnst du schon vor ihm, wann er langsamer werden will und lenkst ihn in eine Volte. Oder treibst wieder ein bisschen. Vielleicht ist er auch so sensibel, dass er stehen bleibt, weil du beim Trab die Spannung verlierst? Hast du einen lockeren und unabhängigen Sitz? Sonst könnte es auch sein, dass du ihn beim Trab aus der Balance bringst und er sich deswegen für das stehenbleiben entscheidet. Es gibt viele Möglichkeiten, Gründe und Ursachen für sein Verhalten. Schwierig finde ich aber, wenn Schulpferde durch immer mehr Gerteneinsatz immer mehr abgestumpft werden. Das ist weder für die Seele des Pferdes besonders schön, noch für die gemeinsame Reitstunde. Aber ich bitte dich um eines: Ärgere dich nicht, weder über dich noch über das Pferd. Pferde machen nichts aus Boshaftigkeit oder um dich zu ärgern. Es kann sein, dass er das Stehenbleiben von anderen Reitschülern gelernt hat, es kann sein, dass er ein Problem hat oder einfach nur ungerne läuft. Pferde sind Energiesparer und sehen erst einmal wenig SInn darin ihre Energie durch das laufen im Kreis zu verbrauchen. Und rede vielleicht auch mal mit der Reitlehrerin nach der Stunde darüber, ob er Korrektur geritten wird, ob er das auch bei anderen Reitschülern zeigt, wie ihr das Problem lösen könnt. Wenn sie eine gute Reitlehrerin ist und du bei einer guten Reitschule bist, dann wird sie dir Ideen oder Lösungen an die Hand geben und eine Erklärung geben können. Das ist meine Meinung dazu :-) Aus der Ferne ist es natürlich schwer etwas zu sagen, ich habe trotzdem den Versuch gewagt. Ohne Garantie, weil ich weder dich noch deine Reitlehrerin, noch das Pferd kenne. Ich drücke euch die Daumen und schicke liebe Grüße, Petra

  3. Thomas Uplegger sagt:

    Hallo Petra,
    wäre es nicht sinnvoll sich zuerst zu überlegen, ob das Unterbinden des abkürzens überhaupt nötig ist ? Je nach Thema der Reitstunde spielt das eventuell garkeine Rolle.
    Zu überdenken bleibt auch die vorgeschlagene Methode der Korrektur. Entschuldigung, in der Reitstunde nicht machbar, aber schlechter kann man es wohl nicht machen. Bei mir ensteht zumindest der Eindruck, das hier das Pferd gezwungen wird das zu tun was verlangt wird und gleichzeitig auch noch der Lerneffekt "brav" seins gefordert wird. Gleichzeitig soll das Pferd gelassen bleiben, sogar seine Natur als Fluchttier ablegen – was nicht geht, dich als Chef anerkennen und dir vertrauen. Wenn dich jemand zu etwas zwingt, bist du dann auch brav und kooperativ oder lernst das dadurch ?

    • Petra sagt:

      Hallo Thomas, du hast absolut Recht – zu 100 %. Als ich deinen Kommentar gelesen habe, habe ich mich erst gewundert, weil Zwang so gar nicht mein Thema ist. Mittlerweile. Der Artikel ist uralt und das Ergebnis meiner ersten Reitstunden, bei einem Reitlehrer, dessen Unterricht ich aus diesem und anderen Gründen nicht mehr besuche. Ich habe mich immens weiterentwickelt und verändert und würde den Text heute so nicht mehr schreiben. Du erinnerst mich also mit deinem Kommentar daran, dass ich endlich mal all die alten Texte aus den Anfängen durchgehen und löschen oder ändern sollte. Du als Leser kannst ja gar nicht wissen, dass ich meine Ansichten weiterentwickelt habe und so wie dir, wird es auch anderen Lesern gehen. Also – lieben Dank – für die kleine Erinnerung. Das steht ab heute auf meiner To-Do Liste für die kommende Woche. Liebe Grüße, Petra

    • Thomas Uplegger sagt:

      Hallo Petra,
      danke das du das nicht übel nimmst. Wir entwickeln uns alle weiter. Ein unangenehmes Bauchgefühl und Fehler sind dabei ganz wichtig. Nur so ist man in der Lage überhaupt zu lernen. Schämen muss man sich dessen nicht.
      Gerade solche Beispiele machen deutlich, das Horsemanship keine Technik ist die man erlernt, sondern ein Lebendskonzept. Die innere Einstellung mit der man an die Dinge herangeht spielt hier, meiner Meinung nach, eine sehr wichtige Rolle. Um das sichbar zu machen sind solche Artikel wirlich gut.
      Vielen Dank und viele liebe Grüße Thomas

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