Freude ist genau wie Glück etwas, das nicht immer einfach so anklopft und ganz von selbst bei uns vorbeischaut. Wir haben auch die Möglichkeit Freude und Glück regelmäßig zu uns auf einen kleinen Plausch einzuladen. Es liegt ein großes dickes Stückweit in unserer eigenen Hand wieviel Freude wir im Leben haben. Freude ist nämlich oft auch eine Frage des Blickwinkels. Wie genau du die Freude mit und an deinem Pferd noch mehr entdecken kannst und wieso das ein großer Beziehungsbooster für euch beide sein kann will ich dir im Artikel schreiben.

Inspiriert hat mich dazu der wunderbare Artikel HIER von Nadja von verstehepferde.de über die Frage “Was uns Freude macht”

Freude mit dem Pferd: Was der richtige Blickwinkel ausmachen kann

Setz dich mal kurz mit mir hin und stelle dir folgende Situation vor: Du kommst an den Stall und dein Pferd hat die Nase tief im Gras vergraben. Du rufst, es wirft den Kopf hoch und schaut – es kommt dir sogar einen Schritt entgegen. Aber du denkst: Meine Güte! Wieso kommt es denn jetzt nicht endlich ans Gatter…. Du stapfst zu deinem Pferd, es lässt sich brav aufhalftern und kommt mit dir mit – in Gedanken bis du schon bei der nächsten Trainingseinheit und überlegst dir, welche Übungen ihr heute durchziehen wollt. Dann geht ihr an den Putzplatz. Du putzt kurz und ziehst den Kappzaum über, gehst in die Halle. Dein Pferd läuft in der Halle aufmerksam um dich herum. Das innere Ohr ist ganz bei dir. Du starrst auf seine Schultern und stellst fest, dass es immer mal wieder auf die innere Schulter fällt, der Zirkel ist außerdem deswegen nicht rund genug, die Hinterhand tritt nicht genug unter und der Hals ist irgendwie auch ein bisschen zu sehr nach oben durchgedrückt. Kritisch blickst du von Körperteil zu Körperteil und stellst fest, dass ihr noch einige Baustellen habt. Wie schade! Du hast ganz viel verpasst!

Zwischen all diesen Fehlern und Baustellen und für dich nicht ganz zufrieden stellenden Momente hat dein Pferd dir ganz sicher immer wieder Freudemomente geschenkt. Aber du hast es vielleicht gar nicht bemerkt…

Stell dir die gleiche Situation einfach noch einmal vor: Du kommst an den Stall und dein Pferd hat die Nase tief im Gras vergraben. Du rufst, es wirft den Kopf hoch und kommt dir einen Schritt entgegen. Du denkst: Oh, wie schön! Trotz Gras und Pferdekumpels vergisst es das Fressen für einen Moment und kommt mit entgegen. Dann lässt es sich brav aufhalftern und kommt mit – du bist ihm also mindestens genauso lieb wie das Gras. Und das ist etwas ganz besonderes für die meisten Pferde.

Du läufst und atmest im Einklang mit deinem Pferd und fühlst die frische Luft, hörst das Vogelzwitschern und freust dich daran, dass ihr so friedvoll und vertraut nebeneinander zum Putzplatz lauft. Du gehst danach in die Halle und stellst gleich fest, dass dein Pferd ganz aufmerksam mit dem Ohr bei dir ist. Ja klar… es läuft noch nicht perfekt, aber es läuft schon so viel besser als noch vor drei Wochen und es gibt sich so viel Mühe es dir Recht zu machen. Immerhin ist das Laufen im Kreis nicht besonders spannend für ein Pferd und trotzdem macht es so aufmerksam und lieb mit. Unglaublich schön, oder? Das macht es nur für dich.

Was uns Freude macht

Es gibt so unglaublich viel was mir Freude macht wenn ich am Stall bin. Deswegen fand ich den Artikel von Verstehepferde.de so schön, weil er ein kleiner Reminder an mich war, mir all diese schönen Momente mal wieder vor Augen zu führen. Viel zu oft beschäftigen wir uns mit den vielen kleinen Problemen, die uns als Pferdebesitzer am Stall begegnen können.

Die nervige Stallkollegin zum Beispiel oder das strubbelige Stroh am Stall oder das Pferd, das immer noch nicht loslassen kann beim Traben oder die kleinen Verletzungen und Diskussionen in der Herde. Es gibt tausend Dinge auf die wir unseren kritischen Blick richten. Und dabei vergessen wir doch irgendwie gerne mal unseren Blickwinkel zu ändern und die wirklich wichtigen Dinge zu betrachten. Das spüren unsere Pferde übrigens ganz stark und das beeinflusst unsere Beziehung, unser Training und letztlich auch die Trainingsergebnisse. Diese Erfahrung mache ich selbst immer wieder.

Grund zur Freude ist für mich

  • Wenn mein Pferd brummelt wenn es mich sieht
  • Wenn Carey den Kopf hochwirft und mir drei Schritte entgegenkommen auf der Koppel, obwohl es dort taufrisches Gras gibt
  • Wenn mein Pferd seinen Kopf beim Kratzen und Kraulen auf meiner Schulter ablegt
  • Wenn Carey beim Traben loslassen und den Hals entspannen kann
  • Wenn ich die Koppel nach dem Training verlassen will und Carey mich noch bis zum Gatter begleitet
  • Wenn mein Pferd mir zeigt an welcher Stelle es gekrault werden möchte
  • Wenn Carey mir Trainingsübungen anbietet, weil sie aktiv mitgestalten will
  • Wenn ich Carey um etwas bitte und die Bitte im Grunde nur denken muss und sie führt es mit mir aus
  • Wenn Traktoren, Radfahrer und Walker an uns vorbeibrausen und sie nur zu mir schaut, um meine Reaktion auf die Monster abzuchecken und dann entspannt schnaubt, weil ich entspannt bleibe
  • Wenn sie über Planen trabt ohne zu zögern, weil ich sie darum bitte – obwohl alle Decken und Planen eigentlich immer wieder das Gruseligste ever für sie sind
  • Wenn mein Pferd mit mir mutig und vertrauensvoll ohne Hängertraining in den Transporter steigt, weil ich vorauslaufe und sie mir genug vertraut um einfach mitzukommen
  • Wenn Carey stehen bleibt, während ich um sie herum mit Fliegenspray sprühe, weil sie das vor zwei Jahren noch gruselig fand und dank Leckerli und Training innerhalb weniger Tage als ganz normal annimmt
  • Ihr wunderschönes Pferdegesicht ist auch Grund zur Freude und ihre traumhafte Fellfarbe und ihr wachen und offenen Augen
  • Ihr Selbstbewusstsein macht mir genauso Freude, wie ihre Charakterstarken Momente und ihr neugieriges introvertiertes Wesen
  • Die Tatsache, dass sie nach einem Umzug in der neuen Herde sich keine zwei Stunden nach der Zusammenführen einfach mal frech vor Augen der neuen Herdenmitglieder wälzt

Es gibt noch tausend Gründe, die mir Freude machen und die ich aufzählen könnte. Aber jetzt kommst du an die Reihe. Was macht dir Freude bei deinem Pferd? Schreib mir gerne einen Kommentar! Ich freue mich auf deine Freudemomente.

Pferde spüren unsere Emotionen

Wenn ich mit meiner Stute beispielsweise am Boden arbeite und mich dabei ertappe, wie ich beim Trab nur kritisch (und damit in meiner Grundhaltung eher streng und ernst) auf ihre Hinterhand starre, die zu kurz untertritt und den Hals betrachte, der sich einfach nicht lösen und lockerlassen will, dann wird mein Pferd ganz sicher nicht untertreten und lockerlassen.

  • Weil sie gar nicht kann
  • Weil sie meine kritische / negative Energie spürt
  • Weil sie Druck fühlt durch meinen ernsten Blick

Wie soll das Pferd denn entspannen können und motiviert, freudig und losgelassen mit mir arbeiten – wenn ich es nicht bin?

Ich erlebe immer wieder, dass sich alles ändert, wenn ich meine Haltung ändere und Freude zulasse:

  • Wenn ich mir also dessen bewusst werde, dass ich kritisch “starre”…
  • Dann versuche mit weichem Blick und liebevollem Verständnis auf ihren Körper und die Bewegungen zu blicken…
  • Mir noch in Erinnerung rufe wie viel besser sie schon läuft als noch vor ein paar Monaten oder einem Jahr…
  • Mit einem liebevollen Lächeln mit ihr arbeite…

…dann geht der Kopf immer mal wieder in die Entspannungshaltung, die Beine fußen schon ein bisschen weiter unter und sie schnaubt auch mal ab.

Freude kann ich meinem Pferd durch Pausen schenken, durch TTouches, durch Wellnessmomente, durch gemeinsames herumstehen und atmen, durch Leckerli und Lob und Liebe und Geduld.

Pferd Persönlichkeit Dominant Carey

Das alles sind kleine und große Freudemomente – die wir unseren Pferden schenken können, die uns unsere Pferde dann wieder zurückschenken.

Wenn wir einfach nur die Augen aufmachen und unseren Blickwinkel hier und da ändern, das Lächeln in uns zulassen und die Freude einladen mit dabei zu sein, wenn wir mit unseren Pferden zusammen sind, dann haben wir die ganze Zeit am Stall so unglaublich viele Chancen unseren Pferde Freude zu schenken und das Schöne daran ist, dass unsere Pferde uns dafür so viel mehr Freude zurückschenken.

Das verbessert die Beziehung so sehr. Das kann ich dir versprechen. Seitdem ich mir dessen immer wieder bewusst werde, mich bewusst für die Freude und das Lächeln entscheide und die Erwartungen zurückschraube, schenkt meine unabhängige und willensstarke Stute mir so viele schöne Momente.

Schreib mir gerne, welche Freudemomente dein Pferd dir geschenkt hat oder welche Momente du bewusst wahrgenommen hast, nachdem du das nächste Mal am Stall warst! Ich freue mich auf deinen Kommentar

4 Kommentare zu “Glücks-Reminder! Wie du ganz einfach mehr Freude mit dem Pferd haben kannst

  1. Gisela sagt:

    Meine wunderschöne Stute macht mich glücklich, weil
    Sie bereits in der zweiten Woche im neuen zu Hause mit den neuen Kumpelinen freundlich blubbert,
    Weil sie mir fröhlich entgegenkommt,
    Weil sie mich manchmal tief in ihr Herz schauen lässt ❤️🐎🤗

  2. Alina sagt:

    Danke liebe Petra, für diesen wundervollen Beitrag und dass du darauf hingewiesen hast, wie eine positive Denkweise das Pferdetraining bereichern kann. Erst gestern durfte ich wieder einen wundervollen Glücksmoment mit meiner jungen Ponystute Mabou erleben. Es war wieder mal unglaublich warm, und um Mabou eine kleine Abkühlung zu gönnen, machten wir uns auf dem Weg zum See. Noch nie zuvor war Bou im See planschen, und da die Stute von Natur aus eher skeptisch war, zerbrach ich mir den Kopf, wie sie auf das Wasser reagieren würde. Und doch kam es ganz anders, als ich es mir ausgemalt hatte: Ohne zu zögern, folgte mir meine wundervolle Stute vollkommen frei ins Wasser, ein rießiger Vertrauensbeweis, den mir meine sonst eher skeptische Stute entgegengebracht hat 😊 Vertrauensvoll zog sie mit mir durch den See, traute sich sogar ein bisschen an tieferen Stellen zu schwimmen, und das alles von ihr aus, ohne Zwang und Druck. Für mich war das ein rießiger Freudenmoment, der mir noch immer ein Lächeln ins Gesicht zaubert 😊

    • Petra sagt:

      Wie wunderschön! Danke, liebe Alina, für deine Geschichte zu diesem Thema – ich habe sie sehr gerne gelesen. Viele liebe Grüße an euch zwei, Petra

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