Du hast ein explosives Pferd? Dein Pferd explodiert scheinbar aus dem Nichts? Es buckelt auf dem Weg zur Koppel an der Hand? Es rast auf dem Longierzirkel im Kreis? Es steigt und erschreckt sich wegen der Kleinigkeit auf dem Weg zum Reitplatz? Und du fühlst dich hilflos an seiner Seite? Vielleicht liegt der Kern des Problems nicht im „Ungehorsam“, sondern tief in seinem Inneren.

Stell dir dein Pferd wie eine geschüttelte Colaflasche vor: Zu viel Energie, zu wenig Ventil. In diesem Artikel erfährst du, wie du diese „innere Spannung“ deines Pferdes erkennst, verstehst und nachhaltig auflöst. Damit du kein explosives Pferd sondern ein motiviertes Pferd hast. Mit einem klaren 2-Schritte-Plan für mehr Gelassenheit, Sicherheit und Beziehung.
Momentan sieht es vielleicht so bei dir aus? Du hast ein explosives Pferd. Du führst dein Pferd zur Koppel und plötzlich zieht es am Strick oder plustert sich auf. Beim Longieren buckelt es los oder rast kopflos im Kreis. Ein Rascheln am Wegrand und dein Pferd steigt oder zieht dich weg. Du kennst das? Dann hast du vermutlich gerade ein explosiveres Pferd an deiner Seite. Und dieser Artikel wird dir helfen.

Der Colaflaschen-Effekt: Ein Bild, das alles erklärt
Stell dir vor, du hast eine Colaflasche, die ordentlich durchgeschüttelt wurde. Wenn du sie jetzt mit einem Ruck öffnest, spritzt alles heraus. Genau das passiert mit deinem Pferd, wenn sich Energie anstaut, die plötzlich entweichen will. Das Verhalten ist nicht gegen dich gerichtet, sondern ein natürlicher Ausdruck innerer Spannung.
Besonders betroffen sind:
- Explosives Pferd = Jungpferde mit wenig Bewegung
- Explosives Pferd = Pferde mit zu kleinen Paddocks oder zu wenig Sozialkontakt
- Explosives Pferd = Pferde mit Schmerzen oder Überforderung im Training
- Explosives Pferd = Pferde nach Krankheit oder mit Winterstau und Frühlingsenergie
Die gute Nachricht ist, dass du deinem Pferd ganz einfach helfen kannst.
Warum sich diese Energie aufgestaut hat, ist die zweite Frage die du dir dann stellen musst.
Aber erst einmal musst du verstehen, dass dein Pferd nicht explodiert um dich zu ärgern oder weil es frech oder ungezogen ist, sondern weil es wie die frisch geschüttelte Colaflasche ist.
Wenn du sie dann holst und sofort ins Training bringst (also mit einem Ruck öffnest), dann werden sie wie die Colaflasche reagieren und die Energie entweicht.
Gründe können sein:
- Unterforderung – egal ob emotional, körperlich oder mental – kann aus deinem Pferd eine Colaflasche machen.
- Überforderung – egal ob emotional, körperlich oder mental – kann auch dazu führen.
- Schmerz – egal ob körperlich oder mental durch Traumata – kann auch dazu führen.
ACHTUNG: Was du nie vernachlässigen darfst ist der Blick auf die Gesundheit deines Pferdes und auf euer Miteinander. Buckeln, Steigen, Angst, Durchgehen sind alles auch Verhaltensweisen die durch Schmerz entstehen können. Wenn also die Ausrüstung nicht passt oder dein Pferd (noch) unentdeckte Krankheiten oder körperliche Probleme hat, der Reitersitz Schmerzen verursacht oder das Training überfordert und deswegen Schmerzhaft ist, kann es auch sein, dass die Pferde zur “Colaflasche” werden.
Manchmal haben explosive Pferde auch einfach nur Angst. Auch das sollten wir registrieren und ihnen dabei helfen die Angst zu nehmen. Dann müssen wir über Embodiment, Gelassenheitstraining, unsere Mentalkraft und bessere Vernetzung der Gehirnhälften nachdenken.
Es ist immer wichtig, diese körperliche Komponente auszuschliessen und damit auch Schmerz auszuschliessen, bevor wir an die weitere Analyse der Colaflaschen-Momente gehen. Gehen wir aber jetzt einmal davon aus, dass dein Pferd keinerlei körperliche Schmerzen hat, die Ausrüstung sitzt, eure Beziehung meistens fein ist und du ein netter Reiter bist. Dann macht es Sinn das Thema in 2 Schritten anzugehen.
Explosives Pferd an deiner Hand? Löse das Problem in 2 Schritten
Wenn dein Pferd plötzlich explosiver ist, ist der erste Schritt natürlich das Problem in der Situation lösen zu können. Dafür habe ich gleich ein paar simple Tipps.
Danach kommt der zweite Schritt: Ursachenforschung und Lösung. Alles andere ist Blödsinn, denn du willst ja nicht jeden Tag mit einer spritzenden explodierenden Colaflasche an der Hand durch die Gegend laufen und vor allem hoffe ich, dass du ein glückliches und entspanntes Pferd an deiner Seite haben willst.
Pferde machen das alles nicht um uns zu ärgern, sondern aus Selbstfürsorge. Sei es, weil sie Verspannungen im Winter haben weil sie ihre Muskeln auch für ihre Thermoregulation nutzen, sei es weil sie jung sind und zu wenig Spielkumpels haben oder das Paddock zu klein ist, sei es weil das Frühlingsgras so krass gut ist, dass sie alles vergessen.
Es gibt einen Grund. Wenn du ihrer Energie einen guten Kanal gibst, hast du ganz schnell wieder eine entspannte coole Colaflasche an deiner Seite.

Schritt 1: Entschärfe die Colaflasche
Statt die Flasche mit einem Ratsch zu öffnen, lass die Energie über viele kleine „Zischs“ entweichen. Gib deinem Pferd die Möglichkeit, seine Spannung sanft loszuwerden. Praktisch kann das so aussehen:
- Wenn der Platz frei ist, starte mit Freiarbeit und gib deinem Pferd den Raum seine Energie erst einmal im freien Spiel in der Halle loszuwerden, bevor du mit dem Training startest.
- Beschäftige den Kopf schon mit ersten Tricks auf der Koppel oder in der Box. Wir können unsere Pferde auch im Kopf müde machen.
- Du kannst weitere Aufgaben auf dem Weg einbauen, mit denen du den Kopf beschäftigst: Rückwärts, Handarbeit, Schritt-Trabwechsel, Volten und kleine Kreise um dich herum. Kreise haben einen entspannende Wirkung.
- Auf dem Weg planst du permanent Tempiwechsel im Schritt ein. Mit Aufgaben geben wir ihrem Kopf etwas zu tun und die Konzentration darauf beschäftigt sie positiv, gibt ihrer Energie einen Kanal.
Jede kleine Aufgabe ist ein Mini-Zischer. Sie reduziert Spannung, fördert Konzentration und bringt dein Pferd ins Denken statt ins Reagieren.

Schritt 2: Ursachenforschung & nachhaltige Lösung
Reminder: Schmerz immer ausschließen! Ausrüstung, Fütterung, Haltungsform und Gesundheitsstatus deines Pferdes sollten geprüft werden. Denn auch Schmerzen, Muskelverspannungen oder Überforderung können explosive Reaktionen auslösen. Nur wenn du das ausgeschlossen hast, kannst du gezielt am Verhalten arbeiten.
Hat dein Pferd zu wenig Auslauf, ist das Paddock zu klein oder die Herde nicht passend, entstehen chronische Spannungszustände. Wenn du weißt, dass dein Pferd aus systemischen Gründen zur Colaflasche wird, hast du zwei Optionen:
- Du lässt alles wie es ist, gehst damit um und akzeptierst, dass es für dein Pferd auch nicht perfekt ist (manchmal geht es leider nicht anders, weil es leider nicht endlos gute Reitställe gibt und du schon den Besten von allen herausgepickt hast).
- Oder du ziehst um und versuchst entspannt ein Setting zu finden, dass eventuell besser zu deinem Pferd passen könnte.
Beides ist legitim. Nicht jeder hat sofort die perfekte Lösung parat. Ich kenne das Dilemma – glaub mir – bevor wir unseren eigenen Stall am Haus hatten, bin ich 4 mal umgezogen. Weder den Stall, noch die anderen Pferde in der Herde, noch die Miteinsteller lassen sich immer verändern. Hier und da können wir als Einsteller kreativ werden, aber mehr auch nicht. Wir müssen also gut abwägen, ob wir Pest gegen Cholera tauschen und ob wirklich etwas besser wird, wenn wir umziehen.
Aber was du immer beeinflussen kannst, ist dein Training.
Training als Kanal für die Energie
Prüfe, ob dein Pferd unterfordert ist, weil es zu wenig Input bekommt. Oder ob du es überforderst, weil das Training nicht altersgerecht oder logisch aufgebaut ist. Gutes Training passt sich der Persönlichkeit, dem mentalen Zustand und dem Körper deines Pferdes an.
Oft erleben wir im CLUB, dass bereits kleine Trainingsanpassungen Wunder bewirken. Du musst nicht radikal neu starten aber vielleicht anders denken.
Idealerweise passt das Training zur Persönlichkeit, zum Ausbildungsstand und zur aktuellen körperlichen Kraft des Pferdes. Da überschätzen oder unterschätzen wir uns Pferde oft. Ich sehe beides bei den Pferdemenschen.
Jungpferde: Mehr Colaflasche, weniger Balance
Manchmal wächst sich das alles auch aus. Gerade bei Jungpferden sind einfach mehr Colaflaschen-Momente mit eingepreist, weil sie mental noch nicht stabil sind, ihr Körper sich ständig entwickelt und sie deswegen immer wieder aus der Balance fallen und weil sie grundsätzlich energetischer sind als ältere Pferde.
Hier helfen vor allem:
- Routine
- Klares aber sanftes Training
- Raum für Kommunikation
- Geduld
Bei jungen Pferden ist das „Explodieren“ oft Teil ihrer Entwicklung. Ihr Nervensystem reift noch, der Körper verändert sich, die mentale Balance ist fragil.
Kommunikationsbooster
Die Colaflasche ist kein Problem – sie ist ein Signal. Explosives Verhalten ist kein Machtkampf. Es ist ein Hilferuf. Wenn du ihn lesen lernst und darauf reagierst, bekommst du ein kooperatives, entspanntes Pferd. Gib der Energie deines Pferdes eine Richtung und nimm seine Bedürfnisse ernst. Dann wird aus der Colaflasche ein klarer, sprudelnder Dialog zwischen euch.
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ein sehr anschaulicher Vergleich
ich bin neu auf dieser Seite und das war mein erster Artikel den ich lesen durfte und praktisch verschlungen habe. Der Vergleich ist vollends zutreffend, ich habe mich als Pferdeneubesitzerin mit unserem 5-jährigen Tinkerwallach gespiegelt gefühlt, werde aber gleich im Stall die „Colaflasche “ im Hinterkopf behalten und schauen, je nach dem welchen Tag wir heute erwischen ( heute gut, morgen sehr impulsiv -das weiß man nie im Vorraus)ob ich die Energie langsam entweichen lassen kann. Ich werde berichten
Ich bin gespannt :-) schreibe supergerne und ich freue mich, dass ich dir helfen konnte – es ist so wichtig einen schönen gemeinsamen Anfang zu haben und mein Pferd musste damals „aushalten“, dass ich durch sie und mit ihr vieles lernen musste. Ich freue mich, wenn du von Anfang an einen schönen Weg gehen kannst :-) Alles Liebe, Petra