Wie Pferde denken

Wie Pferde denken: Was würde dein Pferd über dich sagen?

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Der ganze große Artikel für dich auf einen Blick

Pferde sind dumm! Diese – entschuldige bitte – ziemlich dumme Aussage findest du immer wieder im Internet und hörst sie in Ställen. Du erfährst im Artikel, warum das der größte Quatsch der Welt ist, wie Pferde denken und wie du deinem schlauen Pferd noch mehr in seinen hübschen Kopf schauen kannst. Denn Pferde sind alles andere als dumm – es gibt einige Bereiche in denen sie uns um einiges voraus sind. 

Genau das sollten wir wissen, damit wir verstehen, warum sie bestimmte Reaktionen zeigen, wie wir mit ihnen besser trainieren und kommunizieren können und eine gemeinsame Sprache mit ihnen finden.

Wenn du dir das bewusst machst, wird dein Pferdetraining besser als je zuvor. Dafür musst du aber wissen wie Pferde ticken, denken und fühlen. Dann beginnt die wahre Magie und die heißgeliebte Leichtigkeit kommt in eure gemeinsamen Trainingssessions.

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Wie kommen manche Pferdemenschen darauf, dass Pferde dumm seien? 

Tatsächlich scheinen Pferde manchmal tollpatschig zu sein oder zeigen Reaktionen oder Verhaltensweisen, die wir Menschen dann gerne als nicht besonders clever einstufen: 

  • Wenn zum Beispiel die blaue Plane immer wieder gruselig ist oder die Hinterbeine irgendwie so gar nicht zu wissen scheinen, was die Vorderbeine gerade machen.
  • Wenn sie festhängen und immer hektischer ziehen, statt ruhig zu bleiben und einmal kurz innezuhalten, um zu checken wie sich sie befreien können, verliert der Mensch gerne mal kurz den Glauben an die Intelligenz der Pferde.

 

Dann entscheiden wir über sie und ihre hübschen Köpfe hinweg, glauben dass wir besser wissen was gut für sie ist, als sie selbst und streiten letztlich ihre Kognitionskompetenz ab. Das alles nur deswegen, weil wir nicht wirklich verstehen wie Pferde denken und was sie von uns brauchen. Das alles werde ich dir in diesem Artikel zusammenfassen, damit du dein Pferd zukünftig noch besser verstehen kannst.

Das ist die Voraussetzung für eine schöne Bindung, echte Sicherheit und harmonisches Miteinander. 

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Pferde sind dumm?

Wie würdest du die provokante Frage beantworten?

Wie würdest du die provokante Eingangsfrage beantworten? Viele Pferdemenschen würden leider „JA!“ sagen. Dabei sind die Pferde uns an vielen Punkten haushoch überlegen. Sie können zum Beispiel unendlich besser Bewegungen einschätzen und Emotionen erkennen als wir Menschen. Sie können besser hören und riechen als wir und "sehen" dadurch manchmal Tiere, riechen Gerüche und hören Geräusche, die wir schlicht nicht wahrnehmen können. Genau dann treten die typischen Pferdebesitzer auf, die Pferde als dumm bezeichnen, weil sich der "Gaul" mal wieder so "aufregt" wegen nichts. Dabei hat das Pferd einfach etwas gesehen, gerochen oder gehört, das wir nicht wahrgenommen haben.

Das sind nur ein paar Beispiele für die unglaubliche Intelligenz und Kompetenz der Pferde.

Fakt: Pferde denken nicht schlechter oder weniger als wir, sondern nur anders. Pferde sind von Natur aus Beutetiere und haben deswegen andere Kompetenzen entwickelt als wir Menschen, Hunde oder Katzen. Letztere sind Raubtiere und mussten deswegen ganz andere Denkstrategien entwickeln, um zu überleben. Es ist deswegen so wichtig zu wissen, wie Pferde denken, damit wir besser mit ihnen interagieren können. 

Der Artikel liefert dir keine Abhandlung darüber wie Pferde denken – dazu gibt es unglaublich viele verschiedene Artikel im Blog. In diesem Artikel bekommst du die wichtigsten Basis-Facts und einen supercoolen Übungstipp, um dir klarer darüber zu werden, wie Pferde denken und vor allem darüber wie DEIN Pferd denkt. 

"Pferde denken nicht weniger oder schlechter als wir, sondern nur anders."

Pferdeflüsterei

Genauso wie die Natur den Pferden auch möglichst wenig Lautsprache mitgegeben hat, damit sie still und leise und unentdeckt überleben können.

Die gleiche Ursache liegt in der schnellen Panik und dem schnellen Stress, den Pferde entwickeln und sich einfach nur losreissen wollen, wenn sie Angst bekommen: Welches Pferd hätte in der Wildnis überlebt, wenn es erst kurz überlegt hätte, ob der Säbelzahntiger wirklich gefährlich ist, den es hinter der nächsten Ecke vermutet?

Du ahnst vielleicht schon worauf dieser Absatz hinausläuft? Pferde sind nicht dümmer, inkompetenter, lernunwilliger oder denken weniger als wir Menschen – sie ticken einfach nur anders. Genau dieses „Anders“ müssen wir lernen und verstehen, damit wir so mit ihnen kommunizieren können, dass sie gerne und gut mitarbeiten können.

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Wie Pferde denken: Was du über den "Kopf" der Pferde wissen solltest

Pferde haben eine beeindruckende soziale Intelligenz, unfassbar feine Sinne und sind die Meister der nonverbalen Kommunikation über die Körpersprache und Energie.

Du musst das Ganze also eher umgekehrt betrachten: Nur weil die Pferde so intelligent und kooperativ sind, sind sie bereit sich auf uns laute und tölpelhafte, tollpatschige Menschen einzulassen und nicht ihre körperliche Stärke gegen uns einzusetzen.

Sie haben unfassbar feine Sinne für Gefahren und sichere Wege.

Ein Beispiel: Ich hatte einmal die Situation, dass ein Pferd einfach nicht weiter in eine Richtung reiten wollte. Es hat mir immer wieder mitgeteilt, dass es gerne umkehren würde. Es war dabei nicht frech, bockig oder hat sich richtig geweigert, sondern mir feine Signale gesendet.

  • Es ist langsamer geworden
  • Immer wieder zögerlich stehen geblieben
  • Hat immer wieder gefragt, ob wir uns nicht drehen können
  • War mehr unter Spannung und Stress

Nach einigen Versuchen und der Bitte weiterzugehen, habe ich beschlossen auf das Pferd zu hören, umzukehren und nach Hause zu Reiten. Später habe ich von einem krassen Unwetter in genau dem Gebiet gehört, in das ich reiten wollte.

Das Pferd hat also im Vorfeld schon die Spannungen und das heraufziehende Gewitter bemerkt und mir mit seinen schlauen feinen Sinnen mitgeteilt, dass es schlauer wäre umzukehren. Ist das nicht clever?

Sind Pferde intelligent? Das sagt die Forschung

Neue Erkenntnisse im Interview mit der Pferdeprofessorin Konstanze Krüger

Würdest du den Pferden gerne in ihre Köpfe schauen. Möchtest du wissen, wie Pferde denken oder fühlen? Wie kommunizieren Pferde und welche Bedürfnisse haben sie? Hier kommt dein Interview mit der Pferdeexpertin Konstante Krüger. 

Konstanze Krüger forscht in Nürtingen zu den Pferden und ist Deutschlands erste und einzige Professorin für Pferdehaltung. Seit Jahren widmet sie sich der Intelligenz und dem Verhalten der Tiere.

  • Sie hat unter anderem jahrelang Wildpferdeherden erforscht,
  • Sie hat nachgewiesen, dass Pferde voneinander abschauen und besser lernen, wenn erfahrene Artgenossen aus der eigenen Herde etwas vormachen.

Dinge, die die Forschung vorher abgestritten hatte. Sie versucht den Pferden in die Köpfe zu schauen und herauszufinden, wie sie denken, fühlen und warum sie sich so verhalten, wie sie sich verhalten.

Konstanze Krueger

Pferdeflüsterei: Sie haben die Pferde in vielen Studien erforscht, wollen ihnen in die Köpfe schauen. 2013 haben Sie eine neue Studie gestartet – worum geht es da?

Konstanze Krüger: Interessanterweise werden Pferde in der Forschung als dumm erachtet. Das hat geschichtlichen Hintergrund. Die Suppe hat uns clever Hans eingebrockt. Das war ein Pferd um die Jahrhundertwende, etwa 1907. Von dem dachte man, er könne rechnen. Er hat die unglaublichsten Rechenaufgaben gelöst, wie zum Beispiel: zähle die Leute mit Hut in der Menge oder rechne den Kalender aus oder sonst was.

Bis dann hinterher der Assistent darauf kam, dass er nicht rechnen konnte, sondern nur die Mimik und Gestik seines Besitzers gedeutet hat. Insofern auch ein Punkt dazu, wie fein und intelligent die Tiere sind. Das war aber damals für die Erforschung der Intelligenz das absolute Trauma. Und überhaupt für die Erforschung von kognitiven Fähigkeiten und dann ist es interessant, dass sich fast 100 Jahre niemand mehr an dieses Thema herangewagt hat und Pferde als dumm abgestempelt waren.

Interessanterweise gibt es gar nicht so viel Forschung zu Pferden. Ich versuche verschiedene Aspekte zu beleuchten. Und ein Aspekt ist, wie clever sind die Pferde in ihrem täglichen Umfeld. Was für Tricks und Kniffe lassen sie sich einfallen, um mit ihrer Box, ihrem Nachbarn oder ihrem Pferdebesitzer mit den verschiedensten Situationen klar zu kommen.

Pferdeflüsterei: Haben Sie schon erste Erkenntnisse gewonnen?

Konstanze Krüger: Grundsätzlich hatten wir erwartet einiges zu finden, weil wir alle Pferdemenschen sind und jeder Pferdebesitzer gerne über den neuesten Kniff seines Pferdes berichtet. Aber eben auch mit dem Hintergrund, dass es in der Wissenschaft nicht anerkannt war, so dass wir das bis ins Detail prüfen müssen, was uns berichtet wird.

Wir haben eine Homepage angelegt auf der wir Pferdebesitzer auffordern uns zu berichten, was ihre Pferde so können und da sind schon ganz witzige und interessante Ergebnisse reingekommen.

Pferdeflüsterei: Was wurde zum Beispiel schon berichtet?

Konstanze Krüger: So wie es aussieht sind viele Pferde Meister darin, Objekte zu öffnen, Türen zu öffnen, frei zu kommen – egal ob es Umzäunungen sind oder Boxen. Von einer Stute wurde uns berichtet, die dreht eine Futterkiste auf, eine Futtertonne. Dinge, von denen man eigentlich denkt, dass Pferde es nicht tun würden oder auch gar nicht können.

Das ist der eine Aspekt, der da hervorsticht, dass Pferde ein bisschen Ausbrecherkünstler sind und sich die Freiheit immer wieder erobern mit cleveren Tricks.

Petra von der Pferdeflüsterei: Und der andere Aspekt?

Konstanze Krüger: Auf der anderen Seite haben wir einen Fall, der uns sehr sehr erstaunt hat. Das ist ein Pferd das eine simple Form des Werkzeuggebrauchs gezeigt hat. Das Pferd benutzt einen Stock, um Futter unter der Futterkrippe herauszukratzen und interessanterweise hat auch das Maultier, das mit diesem Pferd im Stall steht das abgeschaut und macht das mittlerweile auch.

Das ist eine wissenschaftliche Sensation, weil man Werkzeuggebrauch nur Menschen und Primaten vorbehält in der Wissenschaft. Wir sind momentan noch sehr vorsichtig mit der Einordnung und hoffen, dass noch weitere ähnliche Schilderungen über diese Homepage reinkommen. Aber das Video an sich kann man sich anschauen auf der Homepage, es spricht Bände und ist wahnsinnig interessant.

Pferdeflüsterei: Heißt aber eigentlich – Pferde können Problemlösungsprozesse entwickeln?

Konstanze Krüger: Ja, absolut!

Pferdeflüsterei: Das ist doch ein Zeichen von hoher Intelligenz, oder?

Konstanze Krüger: Es gibt natürlich auch einfache Möglichkeiten Probleme zu lösen. Die Frage ist, ob es einfache Konditionierungsprozesse sind, die dem zugrunde liegen. Das ein Pferd einfache Verbindungen zwischen "schmeckt gut" und "das mache ich jetzt" findet und wenn er einen sofortigen Nutzen von einer Handlung hat, sie dann entwickelt und wiederholt.

Das muss nicht unbedingt ein hochintelligenter Prozess sein. Aber diese Geschichte mit dem Werkzeuggebrauch, die legt schon nahe, dass dieses Pferd auf einem höheren kognitiven Level handelt, weil es die Zusammenhänge ja begreifen muss.

Pferdeflüsterei: Pferde sind so feine Tiere. Aber sie haben sich nicht nur mit der Kommunikation, sondern auch mit dem Sozialverhalten und der sozialen Intelligenz der Pferde beschäftigt. Haben Sie schon erste Ergebnisse, die zeigen, wie sozial die Pferde sind?

Konstanze Krüger: Jetzt haben sie natürlich meine zwei Hauptstichworte kombiniert. Mein Forschungsgebiet ist ja die soziale Intelligenz des Pferdes. Mir ist früh bewusst geworden, dass Pferde sehr sozial sind und im Bereich des sozialen Lebens unheimlich clever sind. Dass es für sie auch sehr wichtig ist, dass man das berücksichtigt.

Ich glaube in der Vergangenheit wurden besonders Hauspferde gerne als dumm gezüchtet dargestellt. Das habe ich witzigerweise früher auch vertreten können. Ich bin mittlerweile völlig davon abgekommen. Ich denke, dass das, was wir beim Hauspferd haben, eine andere Art von Intelligenz und Art der Anpassung an die Haltung durch den Menschen ist.

Ich glaube, man muss sich hüten, "dumm sein" mit "duldsam" zu verwechseln. Ich glaube, dass unsere Hauspferde in der Zucht über Jahrhunderte so selektiert worden sind, besonders kooperativ zu sein mit den Menschen, aber sie sind auch kooperativ mit anderen Pferden.

Pferdeflüsterei: Wie haben Sie das herausgefunden?

Konstanze Krüger: Ich bin die ganzen letzten Jahre in Europa Wildpferden hinterher und habe sie beobachtet. Wir haben auch mit Hauspferden gearbeitet im Vergleich. Was mir geglückt ist und da bin ich auch stolz darauf, ist herauszufinden, dass Pferde sozial lernen, das heisst von ihren Artgenossen lernen. Das war genauso wie die Innovativität, einer der Aspekte, der in der Wissenschaft abgestritten wurde, weil Experimente in der Vergangenheit fehlgeschlagen sind.

Wir haben jahrelang erforscht: Was ist für das Pferd in seinem Sozialleben eigentlich wirklich wichtig. Was dabei herauskam ist sehr interessant. Nämlich dass sie in der Hauptsache von ranghöheren und älteren Pferden lernen aus ihrem sozialen Umfeld. Also von solchen, die sie kennen.

Diejenigen, die sie nicht kennen, haben sie in den Versuchen ignoriert, das hat sie gar nicht interessiert. Genauso war es auch mit rangniederen Pferden. Die Versuchspferde haben das Verhalten von rangniederen Pferden nicht kopiert, also auch von jüngeren Pferden. Weil Rang und Alter in der Regel beim Pferd untereinander korrelieren. Die arbeiten sich im Laufe ihres Lebens und der Hierarchie dann hoch.

Pferdeflüsterei: Was kann ich daraus für meinen Umgang mit den Pferden im Alltag lernen?

Konstanze KrügerMich fragen dann immer die Leute, ja wie erlerne ich mir dann den Respekt dieser Pferdegruppe? Das Einfachste ist es mit dem ältesten und ranghöchsten Pferd der Gruppe zu arbeiten und sich dann den Respekt aufzubauen.

Die anderen stehen da, schauen zu und beobachten ganz genau, was da passiert zwischen dem Mensch und dem Chef der Gruppe. Hat man dann Erfolg, ist es so, dass man häufig mit den Jüngeren dann überhaupt keine Probleme mehr im Umgang hat. Hat man keinen Erfolg, ist der Umkehrschluss auch, dass man es dann mit den anderen umso schwerer hat.

Pferdeflüsterei: Wie lange geht die Studie noch?

Konstanze Krüger: Ja, die wird noch die nächsten Jahre laufen. Wir haben das im Frühjahr 2013 angefangen, als studentische Projektarbeit. Das soll jetzt noch einige Jahre laufen, um genügend Input zu bekommen, so dass wir davon wegkommen, dass es alles Einzelfallbeschreibungen sind. Wir haben jetzt 22 Fälle, die uns berichtet wurden.

Pferdeflüsterei: Vielen Dank für das Interview!

Aus der Sicht des Pferdes - Übungstipp zum Thema "Wie Pferde denken"

Mit dem Wissen darüber, wie intelligent und kompetent die Pferde sind, möchte ich dich bitten heute deinen Blickwinkel einmal zu wechseln und den Tag und die Welt aus der Sicht deines Pferdes zu betrachten. Ein schöner Artikel zu dem Thema ist auch "Lerne wie ein Pferd zu denken" von Tash Horsexperience – du kannst ihn HIER finden.

Kommen wir also zum Thema des Artikels – was würde dein Pferd über dich sagen?

Praktische Aufgabe – wie du in den Kopf deines Pferdes schauen kannst

Du versucht einfach dich die ganze Zeit beim Training zu beobachten und dein Pferd und seine Körpersprache, Mimik und Gestik zu beobachten – danach stellst du dir die Frage: Was würde dein Pferd heute über dich sagen?

Dein Übungstipp - für eine bessere Kommunikation mit deinem Pferd

Wenn du das nächste Mal bei deinem Pferd bist, dann versuche immer wieder zwischendurch an „Flughöhe“ zu gewinnen und das Training und dich aus den Augen deines Pferdes zu betrachten.

  • Wie agierst du deinem Pferd gegenüber?
  • Wie fein oder laut sind deine Signale?
  • Wie ist deine Körpersprache, während du mit deinem Pferd agierst und trainierst?
  • Wie gehst du mit den Äußerungen deines Pferdes um, wenn es auf dich reagiert? Auch wenn du beispielsweise nicht magst, was es dir sagt?
  • Wie kommuniziert ihr miteinander auf dem Platz / im Gelände / auf der Stallgase / auf der Koppel? usw…

Wenn dir das schwerfällt, kannst du dir auch dein Handy am Rand aufstellen und ein Video beim Training mitlaufen und danach anschauen.

Ich bin dann beispielsweise oft (negativ) überrascht, wenn ich mich auf Fotos sehe und arbeite danach immer wieder an den Sachen. Zum Teil sind es auch Dinge, die sich immer wieder einschleichen. Deswegen lohnt es sich diese Übung immer mal wieder zu machen.

Vieles wird mit der Zeit aber auch immer besser und besser.

Plus: Ich kann Reaktionen meines Pferdes im Nachhinein besser verstehen, wenn ich die dazugehörigen Fotos sehe.

Ein Beispiel - wie Pferde denken

Was Carey sagen würde

Carey: "Also prinzipiell finde ich entzückend, wie sehr du dich anstrengst richtig und fein mit mir zu reden und ich weiß zu schätzen, dass du dich bemühst für mich.

Ich passe dafür auch auf dich auf und reisse mich zusammen, wenn ich mal was blöd finde. Und du weißt ja, dass ich sehr schnell ziemlich viel blöd finde. Aber so bin ich nunmal und ich werde mich da auch nicht ändern. Okay…

Ich verstehe dich nicht immer und manchmal willst du auch ein bisschen zu viel Kuscheln für meinen Geschmack – aber insgesamt finde ich dich ganz süß.

Nur richtig cool finde ich dich, wenn du so richtig schön gelassen, zweifelfrei und voller positiver Gedanken bist. Ohne Grübeleien, ob du alles richtig machst. Ohne die Unsicherheiten, ob ich alles bis ins letzte i-Tüpfelchen mag, was wir anstellen – einfach 100% Du und 100% da.

Mega! Bitte mehr davon, dann bleibe ich auch gerne nach dem, Training stundenlang bei dir stehen und trabe dir hinterher, wenn du mit mir über die Wiese rennen willst. Weil du so schön angenehm Gedankenfrei bist.

Weil – ehrlich gesagt: Je größer die Gedankenwirbel in deinem Kopf sind, desto schlechter verstehe ich dich. Oder wenn du nicht sicher bist, ob ich happy bin. Dann hast du Zweifel um dich herum und dein Mund sagt irgendwie etwas anderes als deine Schultern, deine Arme, deine Hüften und deine Füße.

Also lass bitte diese anstrengenden Gedanken zu Hause, die manchmal mal wie ein kleiner bis dicker bunter Wirbel um deinen Kopf fliegen.

Am liebsten mag ich dich, wenn du schön tief durchgeatmet hast, bevor du zu mir auf die Koppel kommst, wenn du weißt was du willst, aber dabei nicht vergisst mir zuzuhören und wenn du einfach so klar und gelassen sagst, was du haben möchtest.

Dann können wir so Zenmäßig durch die Gegend schweben und eine coole Zeit haben.

Traumpferd finden Carolin Burgert Foto

"Pferdeflüstern bedeutet, dass wir lernen das Flüstern der Pferde zu hören und zu verstehen."

Die Pferdeflüsterei ist ein Wissensblog und Herzensprojekt – denn wir wünschen uns, dass alle Pferde und ihre Menschen glücklich miteinander sind. Wenn wir lernen die Pferde zu verstehen, fein und fair zu trainieren und der beste Pferdemensch zu werden, der wir sein können – wird es auch deinem Pferd gut gehen und es wird immer sein Bestes für dich geben. Versprochen!

Wir unterstützen dich mit unseren Artikeln, Interviews und Kursen – Du bekommst Facts zu pferdegerechter Haltung und Fütterung, feinem Training und Pferdeverhalten. 

Petra und Carey

Wer wir sind

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Kommentare (4)

Liebe Petra, jetzt hast Du mich ins Grübeln gebracht. Ich schaue, so oft es eben geht, Videos und Fotos an, auf denen ich mit meinem Hakon zusammen trainiere oder "einfach nur so" Zeit verbringe. Ich bin selbst mein ärgster Kritiker und weiß dann genau, was ich besser machen kann (und möchte). Aber was würde Hakon über mich sagen?
Dass ich immer so ein grimmiges Gesicht mache, wenn ich konzentriert und fokussiert bin, und öfter mal lachen oder lächeln sollte? Ganz bestimmt, ja.
Dass ich auch mal fünf gerade sein lassen soll, wenn eine Übung mal nicht so gut klappt oder Hakon zwischendurch mal eine Pause haben möchte? Ja, auch das.
Dass das schon ganz gut ist, was ich mit ihm anstelle, aber dass ich mich über Erfolge auch mal so richtig ausgelassen freuen sollte? Auch da hätte er Recht.
Und ja, dass ich ihm bitte so wenig wie möglich am Kopf berühren möchte, weil der das eben so gar nicht mag.
Aber wahrscheinlich würde er mir auch sagen, dass ich in seinen Augen eine coole Socke bin, die für richtig Abwechslung in seinem Leben sorgt, die ihn mit leckeren Sachen füttert und mit dem man gerne auch mal ohne den Rest der Herde eine richtig gute Zeit verbringen kann. Der ihn nicht dafür bestraft, wenn er beim Angaloppieren im Gelände mal einen echten "Buckler" hinlegt, oder beim Laufen am Fahrrad kurz "abtaucht", weil der Löwenzahn dann doch zu verführerisch war. Der ihm zuhört, der sich nach Kräften bemüht, ein fairer und wertschätzender Partner zu sein.
Vielleicht hat er auch sehalb gelernt, schon mein Auto zu erkennen, um mich dann gleich als erster auf dem Paddock zu begrüßen. Nein, Pferde sind nicht dumm. Das Gegenteil ist der Fall.

Lieber Boris, das ist doch das schönste Kompliment an einen Artikel – wenn er zum Nachdenken anregt und dann auch noch für so schöne Ergebnisse sorgt. Ich glaube dein Hakon kann sehr happy mit dir sein :-) Ganz liebe Grüße und bis bald, Petra

Liebe Petra,

ich habe erst letztens das wirklich gute Buch von Marlitt Wendt zu dem Thema gelesen. Da habe ich für mich auch nochmal einige neue Erkenntnisse rausgenommen. Wusstest du z.B. dass Pferde sehr viel besser darin sind wie wir Menschen kleine Unterschiede in Symbolen zu erkennen? Macht natürlich auch Sinn, aber ich fand das sehr beeindruckend. Pferde sind perfekte Memoryspieler und würden uns da um Längen schlagen. Übrigens auch unsere Hunde, die wir ja immer für so intelligent halten. Ich denke jeder hat seine Intelligenz auf seine ganz eigene Art. Es gibt nicht die eine Intelligenz, sondern auch hier viele viele Schattierungen.

Ich weiß nicht, was meine Ponys über mich sagen würden, aber ich hoffe sie sind soweit zufrieden mit mir.

Liebe Grüße
Miriam

Hallo liebe Miriam, stimmt – da gab es mal eine superfaszinierende Studie dazu. Oder auch eine andere Studie, in der sie emotional superfein auf Gesichtsausdrücke auf Fotos reagiert haben. Sie sind so schlau! Deine Ponys würden dir sicher zujubeln!!! Ganz liebe Grüße, Petra

Was denkst du über dieses Thema?