Kennst du diese Tage an denen gar nichts klappen will? Diese merkwürdigen und blöden Tage an denen dein Pferd nicht macht, was es machen soll oder dich mit Verhaltensweisen überrascht, die nicht gerade Freude machen? Diese Tage an denen du frustriert aus dem Stall nach Hause fährst, weil du dich fragst, was du falsch gemacht hast oder was dein Pferd von dir braucht? Diese Tage kennt vermutlich jeder Pferdemensch. 

Dann herzlich willkommen im Club der Zweifler und Neustarter. In diesem Artikel will ich dir ein paar Gedanken zur Pferdeseele schreiben und auch einfach die eigenen Gedanken zu Zweifel, Frust und Neustart fließen lassen. Und ich will dir eine Idee geben, wie du den richtigen Weg zu deinem Pferd finden kannst. Ich würde mich freuen, wenn du mitfahren willst auf dem Gedankenfluss und vielleicht findest du ja auch die eine oder andere Inspiration für dich und dein Pferd.

Irgendwie bewegen sich Pferdemenschen ja oft in einem Spannungsfeld zwischen den Polen und der großen Frage, wie wir pferdegerecht mit unserem Tier umgehen. Wir fragen uns, welche Trainingsmethode Recht hat und bewegen uns in einem ewigen Zweifel zwischen positiver und negativer Verstärkung – zwischen der Frage, was richtiger ist: Nachgeben und Dominanz.

Überall werden wir mit Informationen bombardiert, was wir sollen und was nicht – was alle anderen mit ihrem Pferd können und welche Trainingsmethode die richtige ist, welche die falsche. Wir bekommen Kommentare von Stallkollegen. Wir selbst haben gute und schlechte Tage und unser Pferd hat gute und schlechte Tage. Wir wünschen uns Vertrauen, Bindung und eine Partnerschaft mit dem Pferd – sehen aber auch, dass da zwischen 400 und 700 Kilo Powermasse vor uns stehen, die nicht gerade zimperlich in der Herde miteinander umgehen.

In diesen Spannungsfeldern bewegen wir uns und unser Pferd können wir leider nicht richtig fragen, was es gerne hätte und ob wir zu hart oder zu weich sind. Ob wir Sicherheit oder Unsicherheit schenken und was es gerne von uns und dem gemeinsamen Training hätte.

Und dann zweifeln wir und grübeln und suchen neue Wege und hören rechts und links von positiver und negativer Verstärkung, von erlernter Hilflosigkeit und hochmotivierten Clicker-Ponys. Das kann Zweifel auslösen und es ist schwer in diesem Dschungel den einzigen und wahren und richtigen Weg zu finden. Aber weißt du was? Das ist menschlich und normal . Es zeigt, dass dir dein Pferd wichtig ist und du eine gute Beziehung willst. Deswegen zweifelst du und deswegen grübelst du.

  • Zweifel gehören dazu
  • Zweifel sind okay
  • Zweifel können ein Motor sein
  • Zweifel zeigen neue Wege auf
  • Zweifel sind die kleinen Botschafter deines Bauchgefühls

Zweifel können toll sein, wenn du richtig damit umgehst, sie für dich nutzt und dich nicht zerfleischt. Wenn du sie mit einem wohlwollenden Lächeln betrachtest, dann können sie richtige kleiner Helferlein sein.

Der richtige Weg zum Pferd

Ich gebe dir jetzt vorab schon die Antwort auf die Frage nach dem einen, perfekten und richtigen Weg zu deinem Pferd: Es muss DEIN Weg sein und der Weg DEINES Pferdes. Ihr müsst ihn zusammen suchen und finden und es ist okay, wenn das dauert. Dabei können dir die Zweifel auch weiterhelfen und letztlich – auch wenn es schwer ist – sollte egal sein, was die anderen um euch herum machen, sagen oder denken. Es muss sich für euch beide gut anfühlen.

Wie dir Zweifel bei deinem Pferd weiterhelfen können

Zweifel ist an sich nichts Schlechtes. Punkt. Das ist meine tiefe Überzeugung. Aus Zweifel darf nur nicht „Ver-Zweiflung“ werden. Das ist ein kleiner aber feiner Unterschied. Zweifel bedeuten, dass du nicht festgefahren bist. Sie helfen dir auf neue Wege und sie sind der Anstoß für neue Gedanken und Richtungen im Leben und im Training mit deinem Pferd. Ich zweifle oft und ich stehe dazu. Auch wenn das in den Artikeln nicht immer zu tragen kommt, weil sie oft das Ergebnis der Zweifel und damit der Veränderungen sind, die ich dadurch angehe im Leben mit meinem Pferd.

Zweifel sagen dir erst einmal nur ganz wertneutral, dass es vielleicht Bedarf zur Veränderungen geben könnte. Sie sind die kleinen oder großen Botschafter deines Bauchgefühls. Das meldet sich leise und dann lauter an und schickt dir ein paar Zweifel vorbei, weil es noch vor deinem Kopf spürt, dass da etwas gerade nicht so läuft, wie es laufen könnte.

Wie so oft im Leben braucht es Momente der Ruhe, des Innehaltens, des Grübelns und des Nachdenkens, damit Neues entstehen kann. Nur wer zweifelt, mit offenen Augen durch das Leben läuft und offen bleibt für sich und andere, der entwickelt sich weiter.

Wir müssen nur lernen unsere Zweifel kennenzulernen und zu unterscheiden, wann sie angebracht sind und wann nicht – wann sie von außen an uns herangetragen werden und getrost ignoriert werden können und wann sie tief aus uns kommen und wir ihnen Raum zum Denken geben können.

In Lösungen denken, statt in Problemen

Noch so ein Gedanke: Es gibt keine Probleme – es gibt nur Lösungen. Auch das entspricht meiner Überzeugung. Wir haben selbst in der Hand, was wir aus dem Leben und unseren Umständen machen. Und wir haben selbst in der Hand was wir aus den Problemen machen, die sich mit unseren Pferden ergeben.

  • Sehen wir sie als Problem? VERzweifen wir an ihnen? Zweifeln wir an der Bindung oder an unserem Pferd?
  • Oder: Betrachten wir sie mit einem Lächeln, nehmen wir sie als Botschafter und denken wir darüber nach, weshalb sie uns besuchen, was die Motivation und die Ursache für das Verhalten unseres Pferdes sein könnte, welchen Anteil wir daran haben und was wir vielleicht ändern können.

Warum auch wilde Zeiten mein Grundvertrauen nicht ins wanken bringen können

Ein persönliches Beispiel: Ich habe diese Woche eine komplett neue Seite an meiner Stute kennengelernt. Wer die Pferdeflüsterei verfolgt, ahnt schon, dass Carey ein kompliziertes Pferd sein kann. Sie ist eigenwillig, launisch, sich selbst sehr nahe, sensibel, fein und hochdominant. Sie kann sehr deutlich sprechen und sie scheut sich auch nicht ihre Meinung zu sagen. Sie ist gleichzeitig aber auch anlehnungsbedürftig, braucht viel Sicherheit und will gehört werden.

Dann ist sie aber auch achtsam, aufmerksam, neugierig und hat einen großen Beschützerinstinkt ihren Lieben gegenüber. Sie gibt ungerne Verantwortung ab und und ist immer auf dem Sprung, die Verantwortung in der sie umgebenden Herde übernehmen zu wollen. Das betrifft ihre Boxennachbarin, das betrifft aber auch mich. Normalerweise haben wir geklärt, dass sie das nicht muss und verfeinern das auch immer weiter und normalerweise klappt das auch.

Dass “normalerweise” nicht immer gilt, habe ich diese Woche erlebt. Ich will dir kurz schildern, was passiert ist und letztlich auch, was ich für uns beide aus dieser Situation lernen werde.

Die Vorgeschichte

In die Nachbarbox ist ein relativ frisch gelegter Jungwallach eingezogen. Ein ganz zutraulicher und freundlicher kleiner Pferdekerl. Trotzdem sind neue Pferde für meine Stute immer mal wieder aufregend und sie agiert oft erst einmal gestresst auf neue Boxennachbarn. Da meine Stute Herdenchefin ist und ihre Boxennachbarin rangniedriger, war schon klar, dass sie Verantwortung übernehmen wollen würde und wir wollten den Annäherungsprozess langsam gestalten. Also haben wir meine Stute in die hintere Hälfte des Laufstalles geschickt und ihre Boxennachbarin in die vordere Hälfte.

Stallwechsel Pferd Carey Fohlenhof Heutoy Heufresser

Carey war ab dem Zeitpunkt geladen, als sie sich dem Laufstall und damit dem frisch gelegten Jungwallach genähert hat. Der kleine Kerl stand einfach nur da und hat sich alles verwundert angesehen.

Ronja – ihre Boxennachbarin – wurde trotzdem unsicher und hat sich zu Carey an den Rand gestellt. Infolgedessen wurde meine ohnehin schon sehr geladene Stute immer unruhiger.

Dann ist etwas passiert, womit ich nie gerechnet hätte. In Careys Kopf hat sich wie ein Schalter umgelegt. Sie ist komplett ausgerastet. Hat Geräusche von sich gegeben, die ich noch nie von ihr gehört habe. Sie hat randaliert und war wie ein wilder Mustanghengst, der einen jungen Rivalen vor sich hat. So habe ich sie noch nie erlebt.

Wir wollten also die Trennwand im Laufstall öffnen und meine Stute nach vorne lassen, damit sie den jungen Wallach im Nachbarlaufstall beschnuppern und ihrem Job als Herdenchefin nachkommen kann. Sie hat mich komplett ignoriert und mit aller Kraft gedrängt und geschubst, nur um nach vorne zu kommen zu den Gittern der Nachbarbox. Sie hat nicht mehr zugehört und war wie ausgeschaltet – die Augen waren komplett abwesend und nur auf den jungen Wallach und Krawall ausgerichtet. Warum sie so extrem auf den jungen Wallach reagiert hat, können wir nur rätseln – er stand ruhig und freundlich da und hat auf ihren Stress überhaupt nicht reagiert. Die Hormone sind vermutlich Achterbahn gefahren in ihrem Kopf und sie wollte die Situation in die Hand nehmen.

Ich war gesundheitsbedingt etwas vorsichtiger an diesem Tag und musste auf mich achten. Das hat sie gespürt und sowohl Ronja als auch mich komplett aus dem Weg kegeln wollen. Es war als ob sie sagen wollte: Weg da, Petra und Ronja – ich regle das jetzt. Sie ist fast gestiegen im Laufstall, hat immer wieder Richtung Jungwallach getreten und war ein komplett anderes Pferd.

Soweit die Situation – Ich schildere dir kurz die Lösung und erzähle dir dann, warum ich meiner Stute trotzdem immer noch vertraue, was ich daraus machen werde und wieso es mir unglaublich wichtig war dir diese Geschichte zu erzählen.

  • Ich habe sie dann in einem ersten Versuch der Deeskalation erst einmal aus der Box herausgeholt und bin mit ihr Richtung Longierzirkel gelaufen. Nach wenigen Metern Abstand zum Jungwallach war sie wieder wie immer. Ist mit mir mitgelaufen und hat die Bodenarbeitssession brav mitgemacht. Wir wollten ihrem Kopf und Körper Zeit geben das Adrenalin erst einmal loszuwerden und dann nochmal einen Versuch starten. Also haben wir über eine Stunde lang viele Übergänge gemacht, viel Trab und Galopparbeit und ein bisschen Kopfarbeit.

Kaum näherten wir uns dem Laufstall begann das gleiche Spiel von vorne. Sie begann durchzudrehen und im Laufstall wieder einen Schalter umzulegen. Sie war geistig nicht mehr anwesend, wie ferngesteuert und besessen von dem Gedanken dem Jungwallach Prügel zu verabreichen.

Da sie wieder komplett den Schalter umgelegt hatte und geistig 100% auf Kampf gepolt war und ich ihr offenbar – ich war ja etwas vorsichtiger als sonst – aus dem Stress in ihrem Kopf heraushelfen konnte, mussten wir eine andere Lösung finden. Wir haben Pferde getauscht und meine Stallkollegin ist als unbeteiligte “Dritte” zu Carey.

  • Meine Stallkollegin musste ihr sehr laut sagen, dass sie nicht ignoriert werden will. Es brauchte tatsächlich einen ziemlich lauten Schrei und einen dominanten Auftritt. Dann ging auch wie ein kleiner Ruck durch mein Pferd – es war als ob sie dadurch wieder in die Realität zurückfinden und die Aufforderung von meiner Stallkollegin eher annehmen konnte. Vielleicht auch, weil Julia für sie weniger Teil ihrer Herde ist, vielleicht weil sie meine Empfindungen noch stärker wahrnimmt. Wie auch immer – Carey war zwar immer noch hochaufgeregt, aber hörte wieder zu.

Dann haben wir die Boxen getauscht, um sie und den Jungwallach besser zu separieren. Haben die Trennwand aufgehoben zwischen meiner Stute und ihrer Laufstallgenossin Ronja und ihnen allen Zeit gegeben wieder runterzukommen. Der junge Wallach blieb die ganze Zeit ruhig und stand relativ freundlich da. Auch das hat sicher geholfen. Nach etwa einer Stunde legte sich die Aufregung in meinem Pferd langsam wieder und am nächsten Morgen war alles auch schon deutlich entspannter. Mittlerweile fressen die beiden auch aus der gleichen Raufe. Damit hätte ich nach dem starken Ausraster meines Pferdes nicht so schnell gerechnet.

Ich kann mir dieses unglaubliche Verhalten meiner Stute nur mit ihrem Herdentrieb erklären, der auf die Hormone eines relativ frisch gelegten Wallachs gestossen ist. Es war als ob alle Sicherungen durchgebrannt wären. Wer weiß, was ihre Instinkte ihr geraten haben.

Aber jetzt genug dieses kleinen Dramas. Ich wollte dir ja keine Geschichte fürs Entertaining schreiben, sondern die Situation schildern.

  • Ich könnte meiner Stute jetzt böse sein oder mit diesem Bild von einer randalierenden Carey im Kopf zu ihr gehen und härter oder tougher trainieren, ich könnte mich selbst zerfleischen und fragen, ob unser Verhältnis nicht stimmt, weil sie meine Schwäche gleich „ausgenutzt“ hat.
  • Oder ich betreibe Ursachenforschung und überlege mir, warum sie komplett ausgerastet ist. Ich könnte mich darüber freuen, dass ich im richtigen Moment abgegeben habe, weil ich meinem Pferd in dieser Sekunde nicht das geben konnte, was sie gebraucht hat. Ich kann mich auch fragen, was an diesem kleinen Jungpferd so anders war als an allen anderen Pferden, denen sie bisher begegnet ist. Ich kann mir überlegen, was ich in Zukunft machen kann – jetzt da ich vorgewarnt bin.

Meine eiserne Grundregel: Jeder Tag ist wie ein weißes Blatt. Ich versuche wirklich die Vergangenheit und die Zukunft auszublenden und mein Pferd als auch mich wie ein weißes Blatt zu betrachten, das wir beide immer wieder neu beschreiben können.

Ich bin also nach Hause gefahren und am nächsten Morgen zu meinem Pferd. Ich bin ihr so begegnet als ob nie etwas gewesen wäre und sie ist – trotz der Tatsache, dass sie erst seit 15 Minuten auf die Graskoppel gelassen wurde – mit gesenktem Kopf auf mich zugelaufen als ich ihren Namen gerufen hatte. Wer Carey kennt, weiß wie viel es für sie bedeutet Gras stehen zu lassen.

Ich habe sie dafür gelobt, mit ihr ruhig und friedlich am Boden gearbeitet und sogar eine kleine Anreitsession eingebaut.

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Weil ich meinem Pferd vertraue, weil sie auch an diesem Tag wieder ein weißes Blatt sein durfte und weil ich denke, dass wir jeden Tag mit unseren Pferden wie einen Neustart angehen sollten. 

Das Pferd der Spiegel?

Was ich wieder gelernt habe: Wenn ich einen schlechten Tag habe oder emotional nicht so gefestigt bin oder vielleicht aus verschiedenen Gründen etwas vorsichtiger im Umgang mit ihr, hat sie offenbar in dieser für sie extremen Situation gesagt: Komm Petra, weg da – ich regle das! Soweit gehört der Hang zu dominantem Verhalten einfach zu ihrer Persönlichkeit. Nur hat das normalerweise Grenzen und sollte nicht so eskalieren. Normalerweise haben wir da auch eine ziemlich gute Kommunikationsebene gefunden. Ich muss selten richtig laut werden und sie hat gelernt, dass ich die Hauptverantwortung trage.

Aber Pferde sind eben auch Individuen und was „normalerweise“ gilt, gilt eben nicht immer und jederzeit. Es macht Sinn sich das bewusst zu machen und daraus etwas für sich und das Training zu lernen. Es macht aber keinen Sinn sich deswegen zu zerfleischen oder das Vertrauen zu mindern. Auch Pferde haben das Recht auf gute und schlechte Tage.

Frage: Kennst du auch solche Situationen? Woran zweifelst du? Schreib mir gerne einen Kommentar – ich freue mich auf deine Erlebnisse, deine Meinung und deine Geschichte.
  • Deswegen arbeite ich jetzt noch intensiver an unserem Entspannungssignal. Ich habe mit meiner Stute ein Signal eingeübt, dass sie lernt in Stresssituationen auf dieses Signalwort hin den Kopf zu senken und aus dem ersten Adrenalinschub herauszukommen. Dieses Signalwort hat uns schon bei neuen gruseligen Gegenständen sehr geholfen. Aber offenbar muss ich es noch besser installieren. Damit es auch in so einer unerwarteten Situation greifen kann
  • Ich habe auch gelernt, dass sie eine 150%ige Stute ist und ich mit Hengsten erst einmal vorsichtiger sein sollte
  • Ich habe gemerkt, dass ich ihren Beschützerdrang und den Drang die Herde zu regeln noch ein bisschen unterschätzt habe
  • Die Situation hat mir bewusst gemacht, wie schwer es für sie ist Verantwortung abzugeben – eine neue, alte Baustelle, an der wir noch mehr arbeiten müssen

Ich habe sehe dadurch noch einmal mehr, wie sehr die Pferde ihre Instinkte für uns beiseitestellen und wie stark sie sich im Alltag auf uns einlassen und bin nochmal dankbarer dafür, dass wir grundsätzlich eine gute Basis gefunden haben.

Gleichzeitig zeigen solche Ereignisse aber auch, dass unsere Pferde uns immer mal wieder überraschen können – wie in einer echten Partnerschaft. Es ist dann unser Job mit dieser Überraschung umzugehen und Wege zu finden unserem Pferd aus unguten Situationen und Verhaltensweisen wieder herauszuhelfen oder dem Partner zu verzeihen und neu zu starten.

Wie du eine sichere Bank für dein Pferd werden kannst

Es ist sicherlich ein langer Weg eine ruhige, gelassene und sichere Bank zu sein – in jeder Situation und für die unterschiedlichsten Pferdetypen. Ich arbeite daran und vermute fast, dass ich das noch ein Leben lang machen werde. Aber ich glaube auch, dass der Weg dorthin ein ganz großer Schlüssel ist zum Herzen der Pferde.

Wie wir einem Pferd Sicherheit geben können, hängt ganz von der Persönlichkeit des Pferdes und von unserer Persönlichkeit ab. Da können uns wieder die Zweifel weiterhelfen, die uns immer wieder nach neuen Wegen und neuem Wissen suchen lassen. Dabei werden wir Fehler machen, aber wir werden uns auch weiterentwickeln und immer besser und besser werden. Wenn wir alles, was wir machen, mit Liebe und Geduld machen – mit uns selbst und mit unseren Pferde – dann wird auch alles gut.

Vertrauen finden und Bindung stärken

Das gilt sowieso für viele kleine Momente und Situationen. Es ist ja nicht immer der Hormonschwall eines frisch gelegten Junghengstes – manchmal ist es einfach auch nur ein lustloser Tag oder Winterstress oder ein müder Moment, der dafür sorgt, dass das Pferd nicht so motiviert oder freudig ist wie sonst. Auch dann liegt es an uns Mittel und Wege zu finden mit dieser Situation so umzugehen, dass wir das Beste für unser Pferd erreichen.

  • Sei es indem wir das Training anpassen
  • Sei es in dem wir einfach gar nichts machen an diesem Tag
  • Sei es indem wir unsere Pläne ändern
  • Sei es indem wir erstmal 10 Minuten meditieren gehen, bevor wir weitermachen
  • Sei es indem wir einem Menschen, dem wir vertrauen, mal kurz sagen: Nimm du mein Pferd – ich bin offenbar gerade emotional zu involviert
  • Sei es, dass wir die Trainingsmethode für diese Situation ändern, anpassen oder hinterfragen
  • Sei es, dass wir tief durchatmen, unser Pferd wie ein weißes Blatt betrachten und uns fragen, was es heute auf dieses Blatt schreiben würde

Was ich dir damit sagen will?

  1. Pferde leben im Hier und Jetzt. So wie meine Stute an diesem einen Tag durchgedreht ist, wegen des neuen Boxennachbarn, ist sie am nächsten Tag zufrieden und entspannt durch das Leben gelaufen. Was gestern war spielt in ihrem Kopf heute keine Rolle mehr. Und deswegen sollte es in deinem Kopf auch keine größere Rolle mehr spielen.
  2. Zweifel sind nichts Schlimmes. Sie sagen dir nur, dass du ein offener und selbstkritischer Mensch bist, der sich weiterentwickeln kann. Sie zeigen dir vielleicht auch Defizite, aber sie helfen dir auch auf neue Spuren. Wenn du nicht an ihnen VERzweifelst und sie als kleine Helfer nimmst, mit Wohlwollen empfängst und dann auch wieder entlässt, wenn du dir einen neuen Weg gesucht hast.

Meine Stute ist introvertiert und ich zweifle immer wieder an unserem Weg und an mir und meiner Körpersprache oder meiner Kommunikation – aber ich meine das gar nicht negativ.

Ich grüble und suche einfach immer wieder und immer weiter nach einem Weg, wie ich für unsere Beziehung noch mehr Freude, Motivation, Vertrauen und Feinheit finden kann. Denn mir ist klar, dass das vor allem meine Verantwortung ist. Das Pferd hat sich nicht ausgesucht mit mir zu sein, sondern ich habe beschlossen, dass wir zusammen durchs Leben gehen. Also muss ich dem Pferd auch zeigen, dass es Freude und Sicherheit geben kann mit mir zusammen zu sein. Da jedes Pferd anders ist, muss ich den individuellen Weg für meine Stute und mich finden. Da sie nicht einfach ist, ist es auch kein einfacher Weg.

Das sorgt oft für Zweifel, ist manchmal anstrengend und frustrierend – es ist aber auch unglaublich lehrreich, erfüllend und schenkt mir Zufriedenheit. Würde ich ohne einen offenen Blick, Zweifel und Neugierde durchs Leben gehen, würde ich viel weniger Schönes erleben, wäre vermutlich ein gröberer Mensch und würde deswegen weniger geschenkte Glücksmomente bekommen und ich würde nicht dazu lernen und das Leben besteht ja daraus zu wachsen, zu lernen und sich weiterzuentwickeln.

Wie du siehst hat diese Medaille also zwei Seiten. Das Selbstbewusstsein meines Pferdes ist oft anstrengend, aber es ist auch in vielen Situationen sehr hilfreich. Die komplexe Persönlichkeit meiner Stute ist manchmal frustrierend und es wäre auch sehr schön, wenn sie es mir viel einfacher machen würde. Andererseits lerne ich unglaublich dazu und weiß sehr zu schätzen, was sie mir gibt und schenkt.

Das alles im Leben zwei Seiten hat, gilt auch für unsere Pferde und die gemeinsame Zeit:

  • Also erlaube dir Zweifel, solange du sie mit Freude auch wieder entlassen kannst und dich nicht selbst zerfleischt damit.
  • Gönne dir und deinem Pferd ein tägliches weißes Blatt und betrachte euch immer wieder mit Neugierde und Offenheit.
  • Frage dich warum dein Pferd agiert, wie es agiert und betreibe lieber Ursachenforschung als Problemjammerei
  • Sei nett zu dir selbst, auch wenn mal etwas nicht klappt und sei nett zu deinem Pferd – auch wenn mal etwas nicht klappt.
  • Jede Medaille hat zwei Seiten – wenn etwas vermeintlich “Schlechtes” passiert, kann auch immer etwas Gutes daraus erwachsen oder du kannst vielleicht erkennen, dass es auch grundsätzlich etwas Gutes hat
Frage: Kennst du auch solche Situationen? Woran zweifelst du? Schreib mir gerne einen Kommentar – ich freue mich auf deine Erlebnisse, deine Meinung und deine Geschichte.

Und zum Schluss ein ganz wichtiger Tipp: Vergleiche dich nicht mit anderen. Sondern vergleiche dich nur mit dir selbst. Von außen betrachtet sieht das Leben bei den anderen immer bunter, besser und erfolgreicher aus als deines. Weil du nur diese Seiten siehst und wahrnimmst und weil wir Menschen dazu neigen uns mit denen zu vergleichen, die vermeintlich besser und perfekter sind.

  • Du bist du und dein Pferd ist dein Pferd.
  • Ihr seid ein Team, so wie ihr seid und das ist gut so mit allen Höhen und Tiefen.

Wie du siehst habe ich auch Höhen und Tiefen. Das ist menschlich und normal. Wichtig ist nicht, was uns passiert und begegnet – wichtig ist nur wie wir damit umgehen.

Pferd Persönlichkeit Dominant Carey

3 Kommentare zu “Zweifelst du? So findest du den besten Weg zu deinem Pferd

  1. Vanessa sagt:

    Ein Thema, was mich in letzter Zeit sehr oft begleitet hat! Danke für diesen tollen Beitrag, jetzt bin ich in meiner Meinung ein Stück weit gefestigter.

    Ich habe eine siebenjährige Islandstute, die ich jetzt seit 10 Monaten mein Eigen nennen darf. Ein absoluter Traum, den ich mir da erfüllt habe. Aber es war auch mit ihr nicht immer einfach, so fing auch ich an, an meiner Art und Weise des Trainings zu zweifeln.
    Vor ihr hatte ich es eher mit Pferden zu tun, bei denen man sich von Anfang an durchsetzen musste und zeigen musste, dass man der Chef aller Dinge in jeder Lage war. Das funktionierte sowohl bei einer Traberstute, einer Kaltblutmixstute, als auch bei zwei deutschen Reitponys sehr gut. Besonders bei den Reitponys war Gefühl und starkes Auftreten sehr wichtig.

    Zurück zur Isistute: Sie ist ein ganz anderer Charakter. Sie liebt meine Aufmerksamkeit, ist ziemlich verspielt und entdeckt gerne neue Dinge. Auch mit ihr fing ich an am Boden sehr intensiv zu arbeiten. So wie mit allen Anderen. Doch sobald sie was nicht wollte (oder vielleicht auch nicht ganz verstand, was ich wollte) und ich den Druck erhöhte und deutlich zeigte, was ich möchte, machte sie dicht. Ein Fels mitten auf dem Platz… Da ging kein Millimeter mehr vor oder zurück. Und meinte Fortschritte waren bis Dato dahin.
    Also fing ich an zu Grübeln und an mir selbst zu Zweifeln. Mit "einem leeren Blatt" ging ich wieder zu ihr und wollte ganz sanft von vorn beginnen. Und schon war sie sich in Allem unsicher. Genauso wie ich. Mit diesem Vorgehen gewannen wir genauso viel Land wie zuvor.
    Und dann zweifelte ich erst recht…

    Im Endeffekt haben wir einen sehr guten Mittelweg gefunden. Sie braucht viel Sicherheit von mir und hat mittlerweile starkes Vertrauen zu mir aufgebaut. Ist ein Schatz im Gelände und liebt unsere mehrstündigen Erkundungstouren. Auch wenn sie mal der Meinung ist, der andere Abzweig führt aber nach Hause, bleibe ich ganz gelassen und konsequent in meiner Meinung, aber nie mit zu viel Druck. Gebe ich ihr die nötige Sicherheit, so gibt auch sie mir die Sicherheit und Liebe zurück, die uns zu einem guten Gespann gemacht haben.

    Ich kann nur sagen, Zweifel bringen im Leben weiter!

    Liebe Grüße
    Vanessa

  2. Katrin sagt:

    Hallo Petra,

    ich würde gerne viel öfter von den Pferdemenschen lesen, was sie so für Probleme haben und wie sie diese angehen. In der perfekten Instagram-Filter-Welt habe ich oft das Gefühl, ein schlechter Mensch für mein Pferd zu sein weil bei uns nicht alles nur perfekt ist und wir auch an diversen Problem’chen arbeiten. Solche Beiträge bringen mich wieder zurück auf den Boden der Tatsachen und dafür danke ich dir. Ich habe oft Zweifel und frage mich dann auch, ob ich durch meine Zweifel meinem Pferd auch eine schlechte Führungspersönlichkeit bin.

  3. Boris sagt:

    Ich muss ein bisschen schmunzeln. Zweifel sind fester Bestandteil meines Denkens. Ich zweifele an mir, nicht an meinem wunderbaren Pferd. Verstehe ich, was er mir sagen will? Werde ich ihm gerecht? Bin ich gerecht mit meinen Handlungen, Emotionen, fordere ich ihn zu viel oder zu wenig, mache ich das, was ich mache, auch richtig? Und doch, auf die Zweifel gebe ich mir inzwischen, nach bislang fünf gemeinsamen Jahren mit meinem Islandwallach Hakon, eine Antwort. Die lautet: Ja, ich mache es so gut, wie ich eben kann. Ich bin einfach auch nur ein Mensch mit Ecken und Kanten und Launen und Fehlern, und ich versuche stets, besser in dem zu werden, was ich mache. Aber das hat Grenzen. Das gelingt nicht jeden Tag gleich gut. Aber ich versuche, mein Pony als gleichberechtigt in seinen Launen und Emotionen zu sehen, und darauf Rücksicht zu nehmen. Ist gerade viel Unruhe in der Herde, so ist er auch beim Reiten oder bei der Bodenarbeit eher unkonzentriert und versucht eher, mitzubekommen, was jenseits des Reitplatzes geschieht. Dann könnte ich ungeduldig und laut werden, ohne dass sich dadurch irgendetwas verbessern würde. Oder – und da habe ich selbst die Wahl – ich mache leichte Übungen mit ihm, die er gut kann und lobe ihn sofort dafür – und wir beide haben ein Erfolgserlebnis und können uns sofort wieder besser aufeinander einlassen. Und das meine ich – ich habe immer eine Wahl – und das auch bei den Zweifeln. Mir hilft es, mich gedanklich aus der Situation zu entfernen und die Situation von außen zu betrachten. Mich nicht zu ärgern und die Situation dadurch zu bewerten, sondern versuche, neutral und neugierig zu sein. Also im Sinne von "interessant. Was ist denn jetzt los?" und dann zu entscheiden, was uns beiden gut tut. Immer mit dem Wissen, es so gut wie möglich zu machen und das Beste für die Beteiligten zu wollen. Und dann wird es leichter für mich, mit den Zweifeln zurecht zu kommen. Denn ich finde, sie gehören dazu. Das ist das Schöne an diesem Hobby – bei dem Zusammensein mit Pferden ist immer Luft nach oben. Wir Menschen haben die wundervolle Chance, an dieser Aufgabe beständig zu wachsen. Und ist es nicht genau das, was die Faszination im Zusammenspiel von Pferd und Mensch ausmacht? Ich finde schon.

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