Hero reitet Schritt auf weißem Pferd

Richtig Sitzen im Schritt! Die 3 besten Tipps für harmonisches Schritt Reiten

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Der ganze Artikel für dich auf einen Blick

Langsam reiten im Schritt müsste doch eigentlich kinderleicht sein, oder? Zumindest Nicht-Reiter behaupten das gerne. Aber wir Reiter wissen, dass ziemlich viel mit dem Pferd gar nicht so einfach ist, wie es von aussen aussieht. Natürlich hast du mehr Zeit zum Nachdenken und Reagieren im Schritt und weniger Gefahr vom Pferd zu fallen, aber flexibel und locker zu sitzen und den Takt des Pferdes zu treffen und zu spüren ist im Schritt tatsächlich deutlich schwieriger als in den anderen Gangarten.

Damit du den Schritt trotzdem 150% geniessen und mit deinem Pferd so butterweich mitschwingen kannst, wie du dir wünschst, bekommst du im Artikel jetzt die besten Tipps für ein weiches und schönes Schritt Reiten und wie du den Schritt richtig schön sitzen kannst. Denn glücklicherweise können wir spielend leicht mit den richtigen inneren Bildern die typischen Fehler beim Schrittreiten vermeiden.

Tipp Nummer 1 fürs Schritt reiten: Sei ein friedlich schaukelndes Schiff

Die Hüfte des Reiters sollte sich nach rechts und links seitlich bewegen und nicht schiebend nach vorne und hinten.

Ich stelle mir deswegen beim Schritt Reiten gerne vor, dass ich auf einem friedlich schaukelnden Schiff sitze und von den Wellen hin und her gewippt werde. Diese rechts-links Schwingung gibt das Pferd uns vor, wenn wir weich im Schritt auf seine Bewegung achten und sie mitmachen.

Der größte Fehler ist die oft genutzte Vor-Zurück-Bewegung der Reiterhüfte. Warum?

  • Sie führt beim jungen Pferd oft zu Verwirrung
  • Sie ist nicht natürlich
  • Sie behindert die Harmonie des Reiter-Pferd-Paares

Bleiben wir also bei der Links-Rechts-Bewegung im Takt des Pferdes.

Wenn du beschleunigen willst, kannst du im Takt des Pferdes diese Links-Rechts-Bewegung verstärken. Willst du dein Pferd verlangsamen / Zurücknehmen, kannst du versuchen das Schaukeln sanft zu blockieren.

—> Alle jungen Pferde, die ich bisher reiten durfte, haben dieses Konzept sofort verstanden und gut aufgenommen. Denn wenn wir im Takt mit den Pferden und in ihren Bewegungsmustern mit ihnen kommunizieren, verstehen sie uns in aller Regel am Besten und empfinden uns als angenehm. Dann sind wir in einem Gespräch.

Wenn das auf den Geraden klappt und du die Bewegung in deine Hüften eingebrannt hast, geht es einen Schritt weiter: Die Kunst besteht jetzt einfach nur darin, diese Bewegung im Takt des Pferdes locker auch auf engen Wendungen und während den Seitengängen beizubehalten.

Weil: Oft werden Pferde bei den versammelten Lektionen langsamer oder müssen vermehrt getrieben werden, weil der Reiter sich vor lauter Konzentration im Sitz verspannt. Wenn also dein Pferd mal wieder während einer Lektion triebig im Schritt wird oder langsamer läuft, ist es supersinnvoll das Ganze in eine Volte aufzulösen und die lockere Hüftbewegung wieder aufzunehmen, bevor du die Lektion fortführst. Alles andere würde nur zu einem für das Pferd ungerechten Druck des Reiterbeines führen.

Richtig Sitzen im Schritt! Die 3 besten Tipps für harmonisches Schritt Reiten 2

Tipp Nummer 2 fürs Schritt reiten: Treibe im richtigen Moment des Abfußens

Der zweite Tipp ist nicht ganz vom Ersten zu trennen, aber lässt euch sicherlich in jeder Dressurstunde glänzen:

„Treibe immer, wenn das innere Hinterbein abfußt, um damit seine Aktivität zu verstärken.“

Hands up! Hast du das auch schon einmal gehört und dann verzweifelt versucht, den Moment und die Bewegung des inneren Hinterbeins zu erspüren? Viele meiner Schüler haben mir verschämt gestanden, dass sie das im Schritt nicht spüren können. Dabei ist das ein echtes Kinderspiel, wenn du meinen folgenden Tipp Nummer 2 fürs Schritt Reiten beachtest:

Immer wenn unsere Hüfte von dem Pferd zur gegenüberliegenden Seite geschoben wird (also die Seite der Hüfte „tiefer“ geht) , fusst das Hinterbein dieser Seite ab.

Ein Beispiel: Wenn also deine Hüfte nach rechts „geschaukelt“ wird, dann fußt dein Pferd gerade mit dem linken Hinterbein ab.

Idealfall: Wenn wir also lockere Beine haben und im ganzen Körper locker sind, dann schwingt auch unser Bein eben in diesem Moment zum Pferd hin mit und wir treiben automatisch im richtigen Moment an.

Du kannst also supereinfach erkennen, mit welchem Bein dein Pferd gerade abfusst, wenn du „einfach nur“ dem Bewegungsgefühl in deiner Hüfte folgst. Macht Sinn? Super!

Kommen wir zum dritten Tipp in Sachen Schritt Reiten.

Tipp Nummer 3 fürs Schritt reiten: Geschmeidig - nicht spannungslos

Ich rede zwar die ganze Zeit von einer lockeren Hüfte und einem lockeren Körper, das heißt aber nicht, dass Entspannung die Lösung für alles ist. Du brauchst beim Reiten natürlich trotzdem eine positiv gehaltene Grundspannung im Körper.

Immerhin handelt es sich um einen Sport. Es geht ja nicht darum, dass sich unser Pferd dabei anstrengt, sondern wir sollten versuchen, optimal und geschmeidig mit seinen Bewegungen mitzugehen. Deswegen gehen wir jetzt einmal deinen ganzen Körper zusammen durch und ich gebe dir zu jedem wichtigen Körperteil einen Gedanken mit.

Fangen wir oben an:

Unser Kopf sollte im Vergleich zum Oberkörper gerade sein, ohne nach vorne oder hinten zu kippen <— dabei hilft das innere Bild von einem Buch, das wir auf unserem Kopf sicher mittragen müssen ohne, dass es herunterfällt.

Unsere Schultern sollten jederzeit parallel zu den Pferdeschultern sein.

Im Oberkörper wollen wir weder Hohlkreuz noch Buckel haben, sondern gerade in alle Richtungen sitzen ohne abzuknicken. Ich stelle mit gerne vor, dass meine Wirbelsäule einer Gummistange gleicht, die zwar mitschwingt, aber nicht abknicken kann.

Unsere Hüfte sollte ebenfalls annähernd parallel zu der Pferdehüfte sein und wie oben beschrieben nach links und rechts locker mitschwingen können.

Die Knie und das gesamte Bein dürfen sanft mit gleichmäßigem Kontakt das Pferd umarmen.

Die Fußspitze ist im Idealfall parallel zum Pferd, während die Fußunterseite parallel zum Boden ist. Diese Fußhaltung ist für mich der Schlüssel zu einem lockeren, aber konstanten Bein.

ACHTUNG: Die Beweglichkeit muss meistens erarbeitet werden. Setzt euch dafür auf einen Stuhl und bewegt mehrmals am Tag euren Fuß in alle Richtungen durch. Dreht ihn nach rechts und nach links. Hebt die Fußspitze hoch und runter.

Die Arme dürfen von den Schultern aus nach unten fallen und bis zum Ellenbogen am Oberkörper locker bleiben.

Die Unterarme ermöglichen, dass die Hände vor dem Bauchnabel aufrecht und mit den Fingernägeln zueinanderstehen können. Sowohl die Winkelung im Ellenbogen als auch die Winkelung im Handgelenk erleichtern ein sanftes Einwirken der Hände zum Pferdekopf.

Diese Beschreibung des Reitersitzes gilt natürlich nicht nur für den Schritt, aber im Schritt haben wir die Möglichkeit, das ganze Konstrukt immer wieder optimal zu üben.

Tipp: Mach einfach immer mal wieder ganz gemütliche Schrittausritte mit deinem Pferd und übe einfach nur dieses Bewegungsmuster – so dass es dir in Fleisch und Blut übergeht.

ABER: Grundsätzlich ist eine gute Sitzkorrektur ohne Hilfe von außen schwierig. Statt einem Reitlehrer, kannst du dich zur Not auch filmen lassen und selbst beobachten oder viele Spiegel aufhängen, um dich selbst korrigieren zu können.

Es ist auch gut, alles auszuprobieren und vor allem mit deiner Körperhaltung zu testen was sich gut anfühlt und was nicht.

Lockerer Reiter, lockeres Pferd

Aufwärmtipps für Reiter

Beweglichkeit und körperliche Fitness helfen beim Reiten immer. Wenn du also die Möglichkeit hast und motiviert bist, kannst du gerne ein entspanntes Aufwärmprogramm für dich selbst einführen bevor du aufs Pferd steigt.

Wie beispielsweise mit den Übungen des Funktional Training für Reiter an – die Übungen daraus sind das perfekte Aufwärmprogramm vor dem Reiter und optimiert auf die Reiterfitness

Oder du nutzt die ersten Minuten auf deinem Pferd im Schritt, um die Füße, den Oberkörper und die Arme durch zu bewegen und zu lockern.

Oder du lockerst dein Pferd erst einmal vom Boden aus und wärmst dich dabei gleich parallel mit auf – wenn du schöne Lockerungsübungen für dein Pferd haben möchtest, kannst du dir HIER supercoole Inspiration und Übungstipps holen

Die Harmonie im Fokus

Was ich dir aber zum Schluss unbedingt für deinen Kopf nun dein Herz mitgeben möchte: Auch wenn das alles sinnvolle Ratschläge von mir für dich und deine Schritt Sessions und ein erstrebenswertes Ideal sind, am Wichtigsten ist dabei die Harmonie mit deinem Pferd. Das ist so viel wichtiger als der perfekte Sitz, der natürlich auch wichtig ist und den du dir als langfristiges schönes Ziel setzen kannst.

Aber bei jedem Schüler oder auch bei mir selbst nach Krankheitspausen oder nach einer schlechten Nacht (in der ich mich verlegen habe) konzentriere ich mich zu Beginn einer jeden Reiteinheit immer erst auf die Harmonie mit dem Pferd und dann erst wieder nach und nach auf die Details meines Körpers. Überfordere dich also nicht und hab Geduld mit dir und deinem Reitersitz.

Denn grundsätzlich gilt, dass man Entspannung und die zuvor beschriebene positive Grundspannung nicht erzwingen kann, sondern sie aus der eigenen Körpermitte finden muss. Vergiss also nie auch einfach Spaß beim Suchen zu haben.

Hero Merkel und Achado

„Embodiment ist für mich so toll, weil mir zuvor immer die Möglichkeit fehlte mit meinen Pferden über ihre Gefühle zu sprechen.“

Bei unseren menschlichen Partnern wäre es für uns ein absolutes No-Go, nicht genau zu wissen, ob sie sich mit uns oder in ihrem Leben oder bei ihrer Arbeit wohlfühlen. 

Bei unseren Pferde fischen wir so oft im Trüben und nehmen es hin. Oft auch, weil wir keine andere Möglichkeit haben. Das muss nicht so sein. 

Zu wissen, was unser Pferd fühlt und ihm gleichzeitig ein gutes Gefühl beim Training zu geben, ist doch der Traum eines jeden Pferdemenschen. Die Technik des „Embodiment“ gibt uns die Möglichkeit das endlich zu erreichen und jedem Pferd durch den Kontakt zu uns ein Lächeln ins Pferde“gesicht“ zu zaubern.

Hero und Achado

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