Artikel aktualisiert am 02.04.2017

Nur du und dein Pferd. Kein Sattel. Du spürst jeden Muskel, die Bewegungen deines Pferdes und kannst weich mit den Bewegungen mitgehen. Das ist traumhaft und es ist gut für deinen Sitz. Viele haben Angst, dass sie dann nicht sitzen bleiben oder dem Pferd schaden. Aber wenn du es von anfang an richtig angehst, kann das eine tolle Hilfe und Sitzschulung für dich sein.

Reiten ohne Sattel – meine persönlichen ersten Erfahrungen

  • Reiten ohne Sattel – Bilanz Nummer eins: Ich bin nicht heruntergefallen
  • Reiten ohne Sattel – Bilanz Nummer zwei: Galopp macht auch ohne Sattel Spaß
  • Reiten ohne Sattel – Bilanz Nummer drei: Tatsächlich tut es dem Sitz gut ohne Sattel funktionieren zu müssen
  • Reiten ohne Sattel – Bilanz Nummer vier: Das Lenken mit Gewicht ging leichter ohne Sattel, weil ich näher am Pferd war.

Aufsteigen aufs Pferd ohne SattelVorteil des Reitens ohne Sattel

  • Es ist eine gute Sitzschulung ohne Sattel zu reiten und dabei gerade, ausbalanciert und mit lässig hängenden Beinen zu reiten. Also ohne zu klammern.
  • Du bist näher am Pferd und kannst deswegen die Bewegungen und die Anatomie besser erfühlen
  • Das Pferd trägt nur dein Gewicht und wird nicht durch den Sattelgurt eingeengt
  • Eure Verbindung ist direkter

Aber Achtung: Es ist auch nicht so gut für den Pferderücken, weil du ihn anders als im Sattel punktuell stärker belastest. Da kann ein Barebackpad ganz hilfreich sein. Weil du nicht so herumrutschst und gleichzeitig ein gutes Barebackpad die Belastung noch ein bisschen verteilt.

HIER bekommst du anatomisch gebaute Barebackpads oder auch Reitpads genannt, die ich dir uneingeschränkt empfehlen kann:

Oder du kannst auch einen anatomischen und individuell polsterbaren Lammfellsattel nehmen – auch sie liefern ein Gefühl fast wie “Reiten ohne Sattel” aber mit Rückenschutz und zusätzlich der schweißabsorbierenden und antibakteriellen Wirkung des medizinisch gegerbtem Lammfells.

Die erste Reitstunde

Aufsteigen kannst du einfach mit einem Hocker – das schont den Pferderücken. Starten würde ich immer im Schritt. Du kannst diese Gangart einfach ganz gut aussitzen und dich langsam an das neue Gefühl gewöhnen.

Der Trab ist tatsächlich anders, sagen wir es mal so. Die ruckelnde Bewegung fordert noch mehr Hüftshake, damit du oben bleibst. Du kannst das vorher gut auf einem Stuhl üben, indem du deine Sitzbeinhöcker lockerst. Versuche einfach zu erfühlen, wo sie sich gerade befinden und drehe deine Hüfte im Kreis auf dem Stuhl. Sie sollten immer mittig sitzen. Wenn du dann auf dem Pferd sitzt, stell dir einfach vor, dass du rückwärts Fahrrad fährst, damit gehst du automatisch mehr mit den Bewegungen des Pferdes mit.

Der Galopp ohne Sattel

Petra reitet ohne Sattel

Reitlehrer: So, jetzt Angaloppieren!

Ich: *innerlich kreischend* Galopp?

Reitlehrer: Ja.

Ich: *Oh gott* Okay.

Du wirst vielleicht denken, dass der Galopp sehr schnell ist und ihn ungerne ohne Sattel reiten wollen. Aber tatsächlich ist der Galopp die angenehmste und schönste Gangart ohne Sattel. Ich wäre am liebsten immer weiter querfeldein galoppiert. Aber dann musste ich in den Zirkel und dann in den kleinen Zirkel, dann über den Zirkel wechseln, dann stoppen, dann wieder Angaloppieren und so weiter.

Es macht Spaß, weil es sich so direkt anfühlt. Du musst auch viel entspannte Hüftarbeit leisten, die Füsse schön locker lassen, damit du dem Pferd nicht in den Rücken plumpst, sondern entspannt mitgehst.

Jeden Muskel und jede Bewegung

Du kannst jeden Muskel und jede Bewegung spüren. Das ist hilfreich beim Reiten mit Sattel.

  • Die Erkenntnis, wie viel Bewegung auf so einem Pferderücken abläuft.
  • Wie wichtig es ist, dass der Sattel passt, nichts einengt und wirklich genau auf das Pferd angepasst ist.

Das wurde mir noch mal sehr deutlich klar beim direkten Kontakt auf dem puren Pferderücken.

Reiten ohne Sattel Slider

Die Nachteile des Reiten ohne Sattel

Natürlich ist das Reiten ohne Sattel nicht nur eine zauberhafte und wundervolle Angelegenheit. Der Sattel hat nicht nur den Zweck dich sicher auf dem Rücken des Pferdes zu halten. Vor allem schützt er das Pferd und den Pferderücken, da er dein Gewicht sinnvoll auf dem Pferderücken verteilt.

Sitzt du ohne Sattel auf dem Pferd wirkst du punktuell auf den Pferderücken ein. Wenn du also ausschließlich ohne Sattel reitest und dein Pferd nicht ausreichend gymnastiziert und bemuskelt ist, kannst du ihm richtig damit schaden.

  • Dein Pferd muss einen sehr gut bemuskelten gesunden Rücken haben
  • Du solltest nie zu lange ohne Sattel reiten, vor allem bei längeren Ausritten und dann noch bergauf und bergab wird die Belastung zu stark für den Pferderücken
  • Du solltest nicht zuviel wiegen – das ist zwar fies, aber es ist die Wahrheit. Mehr Gewicht, bedeutet mehr Belastung

Der entspannte, aber mittige und lockere Sitz ist wichtig, damit wir die Pferde nicht unnötig belasten, wenn wir auf ihrem Rücken herumhoppeln. Mal ganz abgesehen davon, dass die Gewichtshilfen viel klarer wirken, wenn sie immer ausbalanciert und eindeutig kommen.

Das können sie nur, wenn der Sitz auch immer ausbalanciert und eindeutig ist. Reiten ohne Sattel hilft dabei einen unabhängigen Sitz zu entwickelt. Ist aber zu lange praktiziert nicht gut für den Pferderücken.

Buchtipps zum Thema REITEN OHNE SATTEL:*

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8 Kommentare zu “Reiten ohne Sattel: Tipps für den Einstieg

  1. rike sagt:

    Hi,
    also meine RB hat ein ride on Pad von Barefoot. Das ist auch super. Wegen den fehlenden Steigbügeln zwar nicht für jede Reiter-Pferd kombination im Gelände zu empfehlen, aber um am Sitz zu arbeite auf jedenfall ne super Sache. Vorteil gegenüber von ohne alles reiten: der Pferderücken ist nicht ganz so rutschig, man sitzt gepolsterter und grade etwas unsichere Reite sind weniger belastend für den Rücken, vorallem Pferde mit hohem Wiederrist oder sehr schmalen Rücken sind bequemer.
    Ansonsten spürt man die Wirbelsäule(zumindest die Fortsätze) und die Muskulatur ähnlich gut wie ohne. Man merkt also sofort wenn man verspannt oder nicht mehr überm Schwerpunkt sitzt.
    Was deine Bilanz 4 angeht, ich glaube das geht eher von der Menschen seite aus. Also ich glaube das Pferd spürt die Hilfen sehr gut auch durch den Sattel und alles, aber wenn man das Gefühl hat das Pferd besser zu erreichen merkt es das.

    Schön zu "beobachten" welche Fortschritte du machst und das du deiner Linie treu bleibst.

    P.S. Wenn du die Gelegenheit hast, schau dir doch mal die Doku "Wild Horse, Wild Ride" an. Ein paar der Vorgestellten Horseman fand ich unheimlich toll.

    • Petra sagt:

      Hi Rike, erst einmal ein großes Sorry, dass Du noch keine Antwort von mir bekommen hast. Ich war mir so sicher, Dir eine Antwort geschrieben zu haben, weil ich mich über Deinen Kommentar sehr gefreut hatte! Aber da waren wohl die Taten nicht so schnell wie die freudigen Gedanken. Danke für den Tipp, ich werde mir die Pads genauer ansehen. Neulich bin ich auch auf eine tolle Seite gestossen in Sachen Barefoot-Sattel. Da will ich vielleicht demnächst für ein Interview vorbeihüpfen wenn ich dafür Zeit finde *hüstel*. Denn ich denke auch, dass die Rückenbelastung beim Reiten ohne Sattel auf jeden Fall ein Thema ist. Der Sattel an sich ist zwar schwer und fest, aber dann doch auch ein festes Gerüst für den Reiter und damit rückenschonend. Diese ganzen Barefoot-Sachen sind vermutlich ein schönes Mittelding. Freut mich also zu lesen, dass das Pad für Deine Reitbeteiligung gut funktioniert. Weiterer Punkt für die Zukunft mit eigenem Pferd :-) Jetzt wünsche ich Dir noch alles Liebe und würde mich freuen, wenn wir uns hier auf der Seite "wiedersehen" und vielen Dank für Dein P.S. der Trailer auf Youtube ist vielversprechend

  2. Roswitha Schütte sagt:

    Hallo, ich nutze einen Barefoot-Sattel, es ist schon mein zweiter, ich finde es gut, dass es heute solche Sättel gibt. Heute reite ich mit dem Nevada, mein Pferd fühlt sich wohl, er macht immer in der Entspannungsphase den Rücken rund, und ich reite zwischendurch auch immer mal ohne Sattel. Allerdings, habe ich schon Leute gehabt, die können mit diesem Sattel nichts anfangen. Ich finde sie genial.

    Liebe Grüße

    Roswitha Schütte

    • Petra sagt:

      Liebe Roswitha, vielen Dank für Deinen Hinweis. Grandios zu lesen, dass es so gut funktioniert. Noch ist meine Kleine zu klein und ich habe kein Pferd in meiner Nähe, um diese Sättel zu testen. Aber Dein Kommentar macht mir noch mehr Mut einen Barefoot-Sattel auszuprobieren, sobald meine Kleine im Beritt war und alt und trainiert genug, um mit so einem Sattel klar zu kommen. Es gibt ja auch diese Ride-On-Pads die mich auch sehr interessieren :-) Alles Liebe, Petra

  3. Thomas sagt:

    Hi!
    Ich habe meine ersten Erfahrungen ohne Sattel von meinem Pferd aufgebrummt bekommen, da sie eine verletzung am vorderen Bauch hatte und ich den Sattel nicht gurten konnte!
    Meine Reitkollegen gingen ausreiten und ich wollte natürlich auch mit!
    Es war eine super Erfahrung da ich erst 1 Monat vorher mit dem Reiten begonnen habe und ich es mir selber und ohne Reitlehrer beibringe! Ich bin dan 2 Monate nur ohne Sattel ausreiten gegangen und mache das heute, ca. ein Jahr später auch noch sehr gerne!
    P.s. Reitstunden wären bei mir sicher nicht verkehrt gewesen, aber so habe ich meinen eigenen Stil aus western und Freizeitreiten entwickelt der mir und meinem Pferd gut gefällt!

    • Petra sagt:

      Hi Thomas, es gibt ja ein paar Trainer, die mir das Reiten ohne Sattel empfohlen haben (also nicht zu lange, um dem Pferderücken nicht zu schaden). Weil man so den besten Sitz entwickeln kann. Insofern hat Dir Dein Pferd wahrscheinlich einen großen Gefallen getan. Ich finde das wichtigste Argument, egal für was ist, dass es dem Pferd und seinem Mensch gefällt. Dass beide Training und gemeinsame Zeit mögen. Dann ist eigentlich alles richtig. Alles Liebe, Petra

  4. Nicole sagt:

    Liebe Petra,
    ich habe als Kind das Reiten ohne Sattel gelernt. Auf dem Ponyhof war es so üblich. Man bekam eine Decke und einen Gurt mit Haltegriff- so fühlte man sich sicher und hat trotzdem die Bewegungen des Ponies richtig gespürt. Erst, wenn man ausbalanciert und ohne sich festzuhalten in allen drei Gangarten reiten konnte, durfte man mit Sattel weiter üben.
    Heute mache ich es mit meinen Reitschülern genauso- denn ich bin einfach überzeugt davon, dass dies der beste Weg zu einem natürlichen, unabhängigen Sitz und feinem Reiten ist! Erstaunlicherweise (oder nein, eigentlich ist es gar nicht so erstaunlich… ;-) ) kehren die Kinder immer wieder zum `ohne-Sattel-reiten` zurück. Sie finden es viel schöner!
    Auch mir geht es so. Irgendwie hat mich diese starre Ding zwischen mir und meinem Pferd immer gestört. Die Kommunikation, das Gefühl, diese feine Verbindung… all das ist `oben ohne` so viel intensiver! Und auch mein Pferd ist ohne Sattel so viel zufriedener!
    Deshalb haben wir das `starre Ding` gegen einen Barefoot eingetauscht. Für uns die perfekte Mischung!!! Wir fühlen uns durch diesen schönen, weichen Sattel nun nicht mehr gestört.
    Trotzdem: eigentlich benutzen wir ihn nur im Gelände…
    Das Leben ist eben DOCH ein Ponyhof!!! :-)
    Ganz herzliche Grüße!!!
    Deine Nicole

    • Petra sagt:

      Liebe Nicole, genau das haben mir auch verschiedene Trainer zum Thema "Reiten ohne Sattel" gesagt. Es ist die beste Sitzschule für den Reiter. Ich liebe auch das Gefühl "ohne alles" auf dem Pferd zu sitzen, auch wenn ich gerade im Trab manchmal ein schlechtes Gewissen habe, weil ich noch nicht perfekt sitze und deswegen zu viel für meinen Geschmack "in den Rücken hopple" – das würde ich dem Pferd gerne ersparen, einmal Schnippen und schon den perfekten unabhängigen Sitz haben. Aber so ein baumloser Sattel ist sicher ein sehr guter Schritt für Reiter und Pferd, um das sattellose Gefühl zu haben und doch ein bisschen Sitzunterstützung und Rückenschonung für das Pferd. Ich beschäftige mich gerade intensiv mit dem Thema "Sattel" für meine Jungstute. Und schiele sehr Richtung baumlos. Und du hast so Recht: Das Leben ist auf jeden Fall ein Ponyhof! ..ein bunter und wundervoller Ponyhof :-) Ganz liebe Grüße, Petra

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