Pferde können mit ihren Augen nicht nur sehen, sie können auch mit ihnen reden. Die Pferdeaugen sagen dir etwas über die Stimmungslage des Pferdes – durch ihre Form und ihre Bewegung. Pferdeaugen sind unfassbar gut und können so viel mehr als unsere Menschenaugen. Was das alles ist, wie sie funktionieren und was das für dich bedeutet, erfährst du jetzt.

Augensprache – die Kommunikation des Pferdes mit den Augen

Panik! Eine Stimmung die fast jedes Pferd kennt. Pferde sind Fluchttiere. Deswegen sichert die Angst und damit der Fluchtinstinkt teilweise auch ihr Überleben. Angst ist eine Emotion, die du an den Augen des Pferdes ablesen kannst. Die Augen sprechen da eine ganz deutliche Sprache. Wenn ein Pferd panisch ist oder Angst hat reisst es meist die Augen ganz weit auf oder rollt sogar mit den Augen. Natürlich kommen noch weitere körperliche Signale dazu, wie ein hochgerissener Kopf, ein angespannter Körper oder geblähte Nüstern.

Stress! Die Augen eines Pferdes können dir sagen, ob es Stress oder Schmerzen hat. Dank der berühmten Stressdreiecke. Was haben mich diese Stressdreiecke anfangs selbst in Stress gebracht…Bei jedem Pferd habe ich nach dem Training nach den berühmten Falten geschaut und mir tausend Gedanken gemacht, wenn mich das Auge nicht spiegelglatt und faltenfrei angeblinzelt hat. Egal ob das Pferd entspannt schnaubte, zufriedene und offene Augen hatte, mir zugewandt war oder bei mir freiwillig stehen blieb.

Mittlerweile ist mir klar, dass die Augen nur ein Teil des Ganzen sind. Mein Pferd beispielsweise bekommt auch bei Konzentration leichte Falten. Nie wirkliche Sorgendreiecke – ganz leichte Falten. Oder beim Grasen und das ist nun wirklich keine stressige Situation.

Schmerz! Wenn aber aus den Falten richtige Dreiecke werden und sich die Falten steil über dem Auge aufwerfen, das Pferd vielleicht noch einen stumpfen Blick hat, dann solltest du genauer hinsehen. Das sind dann tatsächlich Symptome für Stress oder gar Schmerz.

Freude! Wenn die Augen deines Pferdes aber lebhaft und freudig in die Welt schauen, der Blick wach ist und das Maul entspannt, kannst du dich freuen – deinem Pferd geht’s super und es hat Spaß.

Die Anatomie der Pferdeaugen – so schauts aus!

Dein Pferd hat eine Augenhöhle und darin liegt dann der Augapfel. Die räumlichen Orientierung holen sich die Pferde über das sogenannte Sehloch – unter anderem. Der Augapfel wird im Grunde von der Lederhaut geschützt (also der hintere größere Teil des Augapfels), die etwas fester ist und so dafür sorgt dass das Auge deines Pferdes immer rund bleibt und schön scharf sehen kann. Vorne dran ist die Hornhaut. Sie kann sich trüben, wenn das Auge deines Pferdes erkrankt ist.

Dann gibt es noch die Iris und die Linse – sie liegen im Augeninneren rund um die Pupille. Die Linse ist für die sagenhafte Fernsicht deines Pferdes verantwortlich – mit der Pupille kann es seine Sehfähigkeit je nach Lichtsituation anpassen. Die Pupille kann sich dank der Muskeln im Auge erweitern oder verkleinern. Je nach Lichteinfall. Wie bei einer Fotokamera. Da kannst du die Linse auch passend zum Lichteinfall einstellen und sorgst so dafür, dass die Bilder weder im Dunkeln versinken noch überbelichtet sind. Ähnlich arbeitet auch das Auge deines Pferdes.

Um das Auge herum hat dein Pferd zwei Augenlider und seine Wimpern. Die Tränendrüse deines Pferdes produziert die Feuchtigkeit, die zum Beispiel die Fliegen so sehr lieben. Die Feuchtigkeit dient dazu, das Auge immer schön in Schuss zu halten.

Was die Pferdeaugen mit der Seele zu tun haben

Pferde haben große Augen. Und: Pferdeaugen sind seitlich am Kopf angeordnet. Die Natur wollte, dass Pferde besonders gut und besonders viel sehen können. Sie haben quasi eine Rundumsicht – nur am Rücken – genau mittig – haben sie einen blinden Fleck. Also genau dort, wo du als Reiter sitzt.

Einen weiteren blinden Fleck haben sie vor ihren Vorderhufen. Deswegen ist zum Beispiel ein zu enges Reiten für Pferde nicht nur muskulär eine Qual sondern auch seelisch – sie können sich nicht mehr umsehen und reiten quasi aus ihrer Sicht ins blinde Nichts. Du ahnst sicher wie schrecklich das für ein Fluchttier sein muss.

Pferde können zwar fast 360 Grad ihrer Welt überblicken, dafür sind sie deutlich schlechter im räumlichen Sehen. Alles hat eben Vor- und Nachteile. Pferde können deswegen Entfernungen nicht so gut einschätzen wie wir Menschen.

INFO: Pferde und ihre Wahrnehmung! Zu einem spannenden Ergebnis sind japanische Forscher gekommen. Sie wollten wissen inwieweit Pferde verschiedene Formen und Größen unterscheiden können. Sie habe also drei Ponys, drei Affen und sechs Menschen verschiedene Formen und Größen gezeigt. Die Pferde schnitten am schlechtesten ab. Sie konnten Größe und Formen nicht besonders gut unterscheiden. Ihre Augen sind also auf andere Dinge optimiert als zum Beispiel bei uns Menschen.

Pferdeauen sind darauf ausgerichtet dem Pferd sein Überleben zu sichern. Dein Pferd ist von der Natur dafür gemacht Raubtiere schon aus der größten Ferne zu sehen. Alles am Pferd dient dazu, es schnell in Sicherheit zu bringen und vor dem Fressen zu retten.

  • Pferdeaugen sind besser als unsere: bei Bewegungen – klitzekleine Bewegungen kann dein Pferd schon bemerken
  • Pferdeaugen sind bessere als unsere: in Sachen Lichtempfindlichkeit – als Beutetier müssen sie ja auch bei Dämmerung gut sehen können – deswegen galoppieren sie auch so grandios gut auch Nachts über die Koppel. Sie haben eine Art Zusatzreflektor auf der Netzhaut, den wir Menschen nicht haben. So können sie bei schlechtem Licht deutlich besser sehen. Von Hell ins Dunkle braucht das Pferdeauge aber ein bisschen, bis es sich umgewöhnt.
  • Pferde sehen grandios gut in der Ferne
  • Pferde sehen etwas weniger scharf als wir Menschen
  • Pferde sehen weniger Farben – vermutlich..da sind sich die Forscher nicht so richtig einig. Aber diverse Studien kommen zu dem Ergebnis, dass Pferde gelb und blau besonders gut erkennen können. Deswegen arbeitet die Dualaktivierung auch mit diesen beiden Farben (mehr zur Dualaktivierung für mehr Balance und Vertrauen kannst du HIER im Artikel nachlesen)
  • Pferd sehen tendenziell Zweidimensional. Sie haben nur ein winziges Gesichtsfeld, mit dem sie dreidimensional sehen können. Wenn es ihnen wichtig ist und sie einen genaueren Blick auf etwas werfen wollen, werden sie tendenziell ihren Kopf so zurechtdrehen, dass sie den Gegenstand in ihren dreidimensionalen Blickbereich bringen. Wenn also dein Pferd sich einen Gegenstand genauer anschauen will, dann gib ihm den Zügel oder die Stricklänge, damit es das tun kann. Es ist neugierig und mutig – das ist toll!

Da sie als Fluchttiere immer auf die Gefahr um sich herum achten müssen, scannen sie mit ihren Augen jede Kleinigkeit und speichern sie ziemlich maßstabsgetreu ab. Das sorgt aber auch dafür, dass sie manchmal vor einem Gegenstand auf dem Rückweg nochmal scheuen, vor dem sie schon auf dem Hinweg gescheut haben. Aus Pferdesicht ist der Gegenstand mit jedem Auge irgendwie anders und damit potentiell wieder gefährlich. Wenn du aber deinem Pferd genug Raum lässt seinen Kopf nach rechts und links zu bewegen vor einem „fürchterlichen“ Ding, dann wird es auf dem Rückweg wahrscheinlich nicht mehr scheuen.

Es gibt Studien die davon ausgehen, dass die Augen mit der jeweils gegenüberliegenden Gehirnhälfte verbunden sind. Die Gehirnhälften wiederum haben keine so gute Verbindung, wie bei uns Menschen. Auch das soll ein Grund dafür sein, warum Pferde Gegenstände nicht mehr wiedererkennen, wenn sie sie mit der anderen Kopfseite wahrnehmen.

INFO: In Rennes haben sich Wissenschaftler in einer Studie mit dem Thema beschäftigt. Sie haben sich knapp 70 Pferde geschnappt und geprüft auf welcher Seite die Pferde eher scheuen. Das Ergebnis: Die meisten Pferde scheuten auf der linken Seite. Die Forscher vermuten, dass das emotionale Zentrum der Pferde in der rechten Gehirnhälfte ist.

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