Harmonie mit dem Pferd: Wie der „sanfte Touch“ dir dabei helfen kann

Darum geht's in diesem Artikel

Sehnst du dich nach Struktur und Klarheit? Hast du vielleicht Kommunikationsprobleme mit deinem Pferd, die immer wieder auftauchen? Würdest du gerne einfach Schritt für Schritt mit deinem Pferd trainieren und suchst nach einem schönen Plan?

Peter Kreinberg hat genau dafür zusammen mit seiner Frau Rika Kreinberg ein Trainingssystem. Das hat den Namen „The Gentle Touch (=TGT)“-Methode. Letztlich geht es um die Ausbildung des Pferdes vom Boden bis in den Sattel – mit dem Fokus: Verlasspferd mit biomechanisch korrektem Training.

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Haben nicht alle Pferdemenschen irgendwann und zwischendurch Kommunikationsprobleme oder Baustellen mit ihrem Pferd?

Peter Kreinberg sagt: Das ist normal! Pferdetraining verläuft in Wellen – wir müssen es nur schaffen eine schöne Aufwärtskurve zu haben und genau dafür brauchen wir Ziele und eine Struktur. 

Wie genau das geht und wie die Methode aufgebaut ist, wird Peter dir jetzt im Interview erzählen – von den ersten Schritten am Boden, über den schönen Flow bis zu feinem Reiten – wie du das Schritt für Schritt ganz praktisch erreichen kannst. 

Teil 1 des Interviews mit Peter Kreinberg findest du HIER – darin geht es um die „Harmonie“ zwischen Reiter und Pferd – was sie bedeutet und wie du sie erreichen kannst

Teil 2 des Interviews findest du HIER – darin geht es um die Frage, wie feines Training mit dem Pferd aussehen kann

Jetzt kommt der dritte Teil des Interviews mit Peter Kreinberg über „The Gentle Touch“ und wie du Schritt für Schritt eine feinere Kommunikation erarbeiten kannst.

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Wie du Schritt für Schritt eine feinere Kommunikation mit dem Pferd erarbeiten kannst

Pferdeflüsterei: In den ersten beiden Parts unseres Interviews haben wir allgemein über Harmonie und feines Pferdetraining gesprochen. Jetzt reden wir ganz konkret über „The-Gentle-Touch“ – die Trainingsmethode von Rika und dir. Teil dessen ist die Bodenarbeit. Wie geht ihr das an?

Peter Kreinberg: Wir machen zu Beginn viel mit dem Leitseil und sehr kleinschrittig. Start ist immer die Bodenarbeit. Wir holen das Pferd in seinem Lernsystem ab. Da können wir mit unseren körperlichen Bewegungen dem Pferd Hilfestellungen geben, wo und wie es sich bewegen soll. Dann verknüpfen wir das sin der Bodenarbeit mit taktilen Reizen. Wir bleiben aber dabei wie bei einem Touchscreen auf der Oberfläche und berühren nur die Haut. 

Da fangen wir eigentlich beim simpelsten Vorgang an: dem Führtraining. Das Halfter wird zu einem Übermittlungsmittel. Nicht mehr Druck, damit das Pferd mitgeht, sondern wir beginnen mit dem Halfter durch eine entsprechende Impulsgabe an Nase unter dem Kinn von hinten nach vorne.

Die richtige Ausrüstung

Pferdeflüsterei: Knotenhalfter oder Stallhalfter?

Peter Kreinberg: Wir nehmen das Stallhalfter aus einem simplen Grund. Das Knotenhalfter hat am Diamantknoten einen sehr langen Weg der Kommunikation, wenn wir einen Impuls setzen wollen. Haben wir ein Stallhalfter, idealerweise auch so verschnallt, dass es nicht zu locker ist, können wir mit ganz wenig Handbewegung von hinten nach vorne, von außen nach innen, von innen nach außen und von rückwärts auf den Nasenrücken einwirken.

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Das Training nach der TGT-Methode – Schritt für Schritt

Pferdeflüsterei: Was kommt dann nach dem Führtraining? 

Peter Kreinberg: Wir bleiben in der TGT-Arbeit (= The Gentile Touch) nicht bei einem Ausrüstungsgegenstand, sondern wählen je nach Ausbildungsziel und Ausbildungsphase die funktional optimalen Ausrüstungsgegenstände und gehen dann strukturiert Schritt für Schritt weiter. 

Pferdeflüsterei: Das fügt sich ganz gut in den Alltag, denn wir alle, die wir Pferde besitzen, sind zwangsweise Ausbilder unserer Pferde

Peter Kreinberg: So sage ich es auch immer, genau. Ich kann natürlich einfach mal lässig sein und mit Leuten Spaß haben beim Reiten. Aber es gibt auch die Fachlichkeit und da geht kein Weg an methodischem Arbeiten und an systematischen, verzahnten, aufeinander aufbauenden Lernschritten vorbei. Man muss als Reiter das Bild für das Ganze haben, dann nach der anatomischen und biomechanischen Bewegungslehre den ganzen Komplex in seine Einzelteile zerlegen und anschließend wie eine Musik nacheinander wieder zusammenfügen.

Pferdeflüsterei: Ich glaube, viele sehnen sich nach Trainingsplänen und Struktur, aber es ist gar nicht so leicht, diese Pläne und Struktur Schritt für Schritt sinnvoll und logisch aufgebaut zu bekommen.

Peter Kreinberg: Das war auch mein Kernmotiv, einen systematischen Trainingsweg über zwei bis drei Jahre angelegt und mit viel Freude dazwischen zu bauen. Und wie schnell vergehen drei Jahre? Aber wenn ich sehe, wie viele Leute nach drei Jahren intensivem Umgang mit ihrem Pferd und auch viel Anleitung, Investment und Zeit, manchmal mmer noch die gleichen Probleme haben, weiß ich ganz genau, dass es einen systematischen Weg braucht. 

Es gibt natürlich Gott sei Dank auch andere Ausbilder, die systematische und gut strukturierte Wege anbieten. Mein Ansatz ist eben, das beste aus zwei Welten zu verknüpfen: Also weg von der Hand und dem engen Kontakt, hin zum Bedürfnis nach Freiheit und Lockerheit, was in der Westernreiterei mal ein Kernmotiv war. Aber gleichzeitig dem Pferd während der Phase der Ausbildung Führung, Anlehnung im positivsten Sinne zu bieten. 

Es braucht die Phase des Form gewinnen im engen Kontakt durch Wiederholung und dann wieder das freie Reiten und das Loslassen. Es beginnt also die Ausbildung des Pferdes mit der Signalreitweise oder der Signalverständigung bei der Bodenarbeit. Dann muss es die Bewegung durch Wiederholung automatisieren. Dabei braucht es Unterstützung, Hilfe und später auch Korrektur. Und dann können wir es wieder weglassen von dem Hilfenrahmen und mit wenigen Signalen das Erlebte abrufen, genießen und dann auch in Leichtigkeit und Lässigkeit mit dem Pferd auf höherem Niveau reiten. 

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Mehr Struktur im Pferdetraining

Pferdeflüsterei: Dein Training ist mit viel Struktur and anfangs auch mit korrigierenden Hilfen verbunden – aber was bedeutet das in der Praxis in Sachen „Druck“ und Hilfengebung? 

Peter Kreinberg: Also erst einmal sollten wir akzeptieren, dass das Pferd immer lernt, auch von uns. Es liegt an uns und daran wie präpariert wir sind, ob es Gutes von uns lernt und Fruchtbares daraus wird oder ob es Ungutes lernt und Unfruchtbares daraus wird. In dem Begriff the „Gentle Touch“, stecken die Wörter „gentle“ = „sanft“ und „touch“ = „Berührung“.

Das ist beispiesweise einer der Gründe, warum ich in der Bodenbasisarbeit der TGT-Methode nicht mit einem sogenannten Horsemenstick arbeite. Ich habe nichts gegen Touchierpeitschen, Gerten oder Longierpeitschen und selbst wenn jemand mit dem Stick arbeiten will, soll er es tun. Aber wann immer wir ein Instrument, mit dem wir nachdrücklich Zwang ausüben können, in den Händen halten oder an den Beinen haben, werden wir in diesem Bewusstsein anders agieren, als wenn wir nichts in den Händen hätten. 

Dieses Gefühl der Hilflosigkeit, nicht physischen Zwang ausüben zu können, möchte ich sehr in diesen ersten Phasen des Lernens bewusst etablieren. Da stehe ich dann mit meinem Leitseilende. Das ist dann so 60 Zentimeter lang. Mit dem wedele ich in der Luft herum und mein Pferd guckt sich das an und lacht mich aus. Jedes Pferd in Deutschland hat schon einmal irgendwo und irgendwann die Erfahrung mit einer Schlagbewegung gemacht. 

Wenn ich aber mit dem Leitseilende drei Meter vom Pferd weg stehe und nichts anderes in der Hand habe, dann lernt das Pferd: Der kann mich nicht berühren und wenn, dann macht der das so ungeschickt, da bin ich schon weg, wenn der da ist. 

Dieses Gefühl der Waffenlosigkeit möchte ich für meine Schüler erst einmal haben. Denn in dem Gefühl der Waffenlosigkeit kommt die Erkenntnis, dass ich mit Druck nicht weiterkomme – egal wie wütend ich bin. Denn manchmal kommt ja aus der Frustration, dass etwas nicht gelingt, die Wut hoch. Da kann sich kein Pferdeliebhaber davon frei sprechen. Was ich lerne ist aber, dass ich einen anderen Weg finden muss, um meine Idee zur Idee des Pferdes zu machen. Ich muss warten lernen, bis das Pferd die Idee aufnimmt und annimmt. Dann kann ich den nächsten Schritt gehen, wenn das Pferd also die positive Erfahrung gemacht hat, dass wir im Zweifel nicht doch energisch Zwang ausüben sondern gemeinsam eine Lösung finden müssen. 

Pferdeflüsterei: Wie sieht dann der nächste Schritt aus?

Peter Kreinberg: Dann kann ich hingehen und sagen, so jetzt wird die touchierende Berührung an den Körper fallen. Also ich lasse das Seil propellern, das Pferd hat aber inzwischen überhaupt keine Angst, wenn das Seil schwingt. Wenn das Seil jetzt herunterfällt, hat es eine gewisse energetische Fallberührungsintensität. Dann kann ich das Seil auf einer Stufe von eins bis zehn ranfallen lassen, bis das Ende des Seiles das Pferd berührt. Nicht schlagen oder ähnliches! Es ist eher wie: Die Fliege landet oder die Fliege landet und ist ein bisschen unangenehm, während sie herumkrabelt. 

Das ist meine Botschaft: Mit Kraft könnt ihr es nicht ausrichten, ihr habt keine Machtmittel in der Hand mit denen ihr Angst auslösen könnt, keine Einschüchterungsinstrumente. Jetzt könnt ihr nur noch lästig sein wie eine Fliege. Jede Fliege bringt ein Pferd dazu, sich zu bewegen, wenn es sich nicht bewegen will. Jetzt darf ich als Fliege aber das Pferd nicht verfolgen, sondern muss einfach nur immer da sein, wo das Pferd nicht sein soll. Ganz kleinschrittig. 

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Darf das Pferd „Nein“ sagen?

Pferdeflüsterei: Das Pferd hat also auch immer die Möglichkeit zu sagen, dass es ihm zu viel ist oder es gerade nicht möchte oder kann?

Peter Kreinberg: Es hat theoretisch diese Möglichkeit, aber praktisch gar nicht die Notwendigkeit. Denn alles, was wir von ihm wollen ist, dass es einen Schritt nach links, nach recht, vor oder zurück macht. Wir arbeiten anfangs nur in der normalen Schrittarbeit und in der ruhigen Trabarbeit. Dabei geht es anfangs nur um drei Hauptberührungsthemen. Kopfkontrolle, Schulterkontrolle und Hinterhandkontrolle. Alles Schritt für Schritt. 

Pferdeflüsterei: Dein Trainingsansatz ist also, um es zusammenzufassen, sehr strukturiert. Es ist schon Arbeit mit Energie und Druck ohne Leckerli, aber sanft und fein. Und es ist Klarheit für das Pferd durch Wiederholung mit dem Langfristziel der Vorbereitung aufs Reitpferd?

Peter Kreinberg: Genau! Klarheit beim Pferd. Insofern, als dass es lernt, bestimmte Körperteile auf Anleitung anders zu bewegen als es das von selber täte.

Pferdeflüsterei: Jetzt sind wir die ganze Zeit ein Stückweit beim Pferdekörper. Wir wollen aber als liebevoller Freizeitreiter auch die Pferdeseele mitnehmen. Wie ist da eure Erfahrung: Motiviert diese Klarheit die Pferde und sind sie mit Freude dabei?

Peter Kreinberg: Das erklärte Ziel und das ist bisher durchgängig seit mehr als ein Dutzend Jahren immer wieder in den Trainerschulungen gelungen, ist, dass jedes Pferd, das hereinkommt und am Anfang noch Missmutsbekundungen zeigt, am Ende deutlich weniger Missmut zeigen und am besten gar keinen haben soll. Missmut ist im Grunde immer ein Zeichen für mangelnde Losgelassenheit. 

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Mehr Losgelassenheit im Training – so gehts!

Pferdeflüsterei: Wie erreicht ihr das?

Peter Kreinberg: Am Anfang gibt es unheimlich viel Benefit und positive Rückmeldung für ganz wenig Leistung. Da wir in dreier Rhythmen arbeiten, wird es schnell einfach. Erst will ich einen Schritt, Dankeschön und Pause! Dann will drei Schritte als Bewegungskette, eins, zwei, drei. Dankeschön und Pause!

Oh, sagt das Pferd, einmal war einfach, jetzt kriege ich auch eins, zwei, drei hin. 

Dann sage ich, jetzt wollen wir eine Neunerkette haben: eins, zwei, drei, durchatmen, eins, zwei, drei, durchatmen, eins, zwei, drei, durchatmen usw. Wir haben beim Durchatmen ein Absenken der Energie und immer noch das Belohnungselement. Das realisiert das Pferd, Endorphinausschüttung findet wieder statt. Gleichzeitig entsteht energetisch eine Wellenbewegung. Daraus kann der Flowzustand entstehen. Schnell haben wir dann Neunerserien. Drei mal neun sind 27. Hier wird es schon interessant. Wenn wir 27 Schritte in einer Reihe haben, kommen wir in einen wunderschönen Rhythmus, den man auch in Wien gern pflegt. 

Wir haben also eine wiederkehrende Wellenbewegung von leichtem Ansteigen und Abschwellen und alle drei bis neun Schritte gibt es eine dicke Belohnung. Das ist altes, bewährtes, traditionelles Horsemenship. Das ist klein klein und unspektakulär. Aber das bringt die Abwesenheit von Konflikten. 

Und jetzt kommen wir zum zweiten Teil. Wenn ich das konditioniert habe, kann das Pferd später auch mit mentalem und physischem Druck problemloser umgehen. Denn Pferde können jede Menge körperlichen Druck wegstecken, wenn es nicht persönlich, aggressiv oder offensiver Druck ist. Ein Pferd kann jede Menge mitmachen, wenn es mit sich und der Umwelt im Reinen ist und keine Furchtgefühle hat. 

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The Gentle Touch – so kannst du das Training „nach Peter Kreinberg“ lernen

Pferdeflüsterei: Wer sich jetzt für deine Vorstellung von Training interessiert, wie kann er das denn lernen?

Peter Kreinberg: Das ist relativ einfach. Wir bieten in den verschiedenen Regionen in Deutschland mehrfach im Jahr Wochenendseminare an. Jeder kann in eines dieser Seminare kommen, ganz gleich auf welchem Ausbildungsstand er ist, mit welchem Pferd er kommt und welche Reitweise er hat. Voraussetzung ist, dass sich das Pferd in einer kleinen Gruppe von drei Leuten so weit führen, dass es in Schritt und Trab gearbeitet werden kann. Es sollte nur kein „Problem“pferd sein, das außergewöhnliche Verhaltensweisen zeigt, also starken Korrekturbedarf hat. 

Pferdeflüsterei: Es sollte im Grunde einfach nur halfterführig sein?

Peter Kreinberg: Genau, je nachdem, was der wenige möchte. Wir bieten Bodenschulseminare und Reitseminare an. Wir haben ja auch etwa 150 Trainer im Trainernetzwerk, die die Bodenschullizenz haben. Also man kann auch schauen, wo ich in meiner Region, in meiner Nähe ein TGT-Bodenschultrainer habe, der mir Einführung in die Bodenschultechniken gibt. Dann haben Rika und ich die Möglichkeit, darauf aufbauende, weiterfördernde Hilfestellung zu geben in unseren Seminaren.

Wer will, kann auch in unser Jahresprogramm kommen. Die kommen also in den Kurs, wir machen eine Bestandsaufnahme beim ersten Mal und dann bekommen sie ein Trainingsheftchen mit. Wir können auch Videocoaching vereinbaren. Das wäre dann also strukturiertes und begleitetes Arbeiten mit einer Ablaufstrategie und einem Trainingsplan. Dem kann der individuell folgen der Teilnehmer, die Teilnehmerin. 

Pferdeflüsterei: Ich danke dir sehr für das Gespräch und die ausführlichen Informationen.

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