Ich stelle dir heute eine Frage und du wirst sie wahrscheinlich sofort mit einem lauten JA beantworten. Die Frage lautet: Liebst du dein Pferd? Wie lautet deine Antwort?

Bist du dir da ganz sicher? Ich konkretisiere diese Frage jetzt gleich noch einmal und dann möchte ich dich bitten mit mir zusammen auf eine Reise zu gehen. Ich meine die ehrliche und offene Reise zu dir, deinen Wünschen und Bedürfnissen und damit letztlich auch die Reise zu deinem Pferd. Danach stelle ich dir die Frage noch einmal und bin gespannt auf deine Antwort.

Liebst du dein Pferd so wie es ist?

Liebst du dein Pferd so wie es ist?

  • Mit all seinen Ecken und Kanten?
  • Mit all seinen Facetten?
  • Liebst du dein Pferd letztlich auch für all seine Ecken und Kanten?

Im ersten Moment willst du auch diese Fragen sicher laut mit JA beantworten. Klar, liebst du dein Pferd! Sehr. Aber liebst du es wirklich auch genauso wie es ist? Willst du es nicht vielleicht ein bisschen dicker oder dünner haben… Vielleicht ein bisschen motivierter oder weniger schreckhaft? Vielleicht ein bisschen kleiner oder größer oder weniger dominant oder weniger unsicher? Hast du nicht vielleicht auch ein Idealbild von deinem Pferd und wünscht dir manchmal ein kleines bisschen mehr hiervon und weniger davon?

Stallwechsel Pferd Carey Fohlenhof Heutoy Heufresser

Ich werde dir jetzt erzählen, wie ich auf diese Frage gekommen bin und wie ich sie für mich zunächst beantwortet habe. Aber vor allem werde ich dir erzählen, wie sehr die ehrliche Antwort auf diese Frage die Beziehung zu meinem Pferd verbessert hat. Warum ich dir das alles schreibe? Weil ich auch will, dass du die Beziehung zu deinem Pferd verbessern kannst und genau das kann diese Frage auch für dich und dein Pferd tun.

Wie beantworte ich diese Frage

Als ich zum Beispiel ganz ehrlich über diese Frage länger nachgedacht hatte, musste ich vor mir selbst zugeben, dass ich meine wilde wunderbare Stute liebe, aber manchmal schon gerne etwas weniger herrisch gehabt hätte..ein bisschen sanfter vielleicht…und es wäre doch auch schön, wenn sie mir den einen oder anderen großen Fury-Moment schenken würde.

Pferd Persönlichkeit Dominant Carey

Fury-Momente bei Carey sind nämlich eher ein gespitztes Ohr, trotz Gras, oder auch mal ein Brummeln wenn sie mich sieht. Aber ein freudiger Galopp ans Gatter? Dafür ist sie nicht der Typ. Hochmotiviertes waches Arbeiten? Das ist einfach nicht ganz so ihr Ding – zumindest zeigt sie es nicht so deutlich, weil sie trotz ihrer Dominanz ein introvertierter Typ ist. Das war und ist nicht immer leicht für einen sensiblen Harmoniemenschen wie mich.

Wenn ich ganz ehrlich zu mir bin, dann wünschte ich mir manchmal schon, dass sie ein kleines bisschen weniger komplex und dafür ein kleines bisschen mehr Kuschelpony wäre …

Ich persönlich sehne mich nach deutlich gezeigter Zuneigung und neige sowohl bei meinen Tieren als auch bei meinen Mitmenschen gerne dazu, schlechte Laune oder bruddelige Momente immer auf mich und mein Verhalten zu beziehen. Ob das nun der Realität entspricht oder nicht ist meiner Harmoniesucht erst einmal egal – genau deswegen habe ich mir, trotz all meiner Liebe und Freude an meinem Pferd, ab und an gewünscht mehr Euphorie geschenkt zu bekommen.

Ich hatte also Bedingungen, Erwartungen und Wünsche in meinem Kopf und natürlich riefen deren Nicht-Erfüllung manchmal auch negative Emotionen in mir hervor. Diese Emotionen beeinflussten aber wiederum meine Haltung, meinen Fokus und damit letztlich meinen Umgang mit dem Pferd.

Du kannst sie dir vorstellen wie kleine dunkle Wölkchen, die über dir schweben, oder wie elektrische Spannung, die in der Luft liegen. Dein Pferd spürt alles, was dich bewegt und umgibt. Das liegt in seiner Natur. Je nachdem wie sensibel es ist und wie sehr es gelernt hat, dass es mitreden darf, wird es dir dann mehr oder weniger deutlich auf deine Wünsche, Erwartungen und Emotionen antworten.

Hillbury Halfter Carey

Liebe ist…

Ein Song von Nena hatte mich dazu angeregt wirklich und ganz ehrlich über diese Frage nachzudenken. Ich habe ihn auf dem Weg zum Stall gehört:

Liebe will nicht,
Liebe kämpft nicht,
Liebe wird nicht,
Liebe ist.
Liebe sucht nicht,
Liebe fragt nicht,
Liebe ist, so wie du bist.

Liebe ist bedingungslos – sagen diese Liedzeilen und das hat etwas mit Toleranz, Ehrlichkeit und Loslassen zu tun. Erst dann können wir wirklich sagen, dass wir unser Pferd lieben – so wie es ist. Das bedeutet auch, dass wir es mit all seinen Ecken und Kanten annehmen und ihm diese nicht immer wieder zum Vorwurf machen. Verstehen wird es letzteres ohnehin nicht, denn Pferde denken und fühlen nicht in Erwartungen, Forderungen und Wünschen an die Persönlichkeit des anderen. Sie SIND einfach.

Wie dir mehr Ehrlichkeit zu einer besseren Beziehung verhelfen kann

Dabei ist genau das falsch – denn letztlich sollten wir unsere Tiere genau für das lieben, was sie sind, sie annehmen und dann einen gemeinsamen Weg gehen. Für mich hatte dieser Gedanke etwas unglaublich Erleichterndes, Leichtes und Befreiendes. Ich konnte wieder ein kleines bisschen mehr loslassen, mit weniger Frustration auf Verhaltensweisen reagieren, die mich vorher manchmal frustrieren konnte.

  • Ich hatte in diesem Moment beschlossen, mir nicht mehr zu überlegen, wie mein Pferd sein sollte, sondern mich einfach immer wieder zu fragen, wie mein Pferd eigentlich ist.
  • Wer hinter diesen wunderschönen klugen Augen steckt.
  • Welche Bedürfnisse meine Stute an mich haben könnte.
  • Welche Verhaltensweisen ihre Persönlichkeit in mir fördern und fordern könnten.
  • Wie ich mich weiterentwickeln könnte, damit wir uns in der Mitte treffen können.

Das alles sind Fragen, die wir uns stellen können, um die Beziehung zu unserem Pferd zu verbessern. Es macht nämlich einen Unterschied mit welcher Haltung du zu deinem Pferd gehst. Die gleiche Situation wird sich unterschiedlich auflösen, wenn du die passende und entspannte Haltung dazu hast.

Carey Barefoot Amber Sidepull Zaumzeug Pferd

Ein Beispiel: Wenn dein Pferd sich zum Beispiel über irgendetwas aufregt und nicht mehr auf deine Frage oder Trainingsanweisung reagiert, dann macht es einen großen Unterschied:

  • ob du es dann strafst und in einem verärgerten Tonfall daran erinnerst, dass du nicht möchtest, dass es das macht – weil du dich über dein Pferd und seine Verhaltensweise ärgerst und dir wünschst, dass es doch ein kleines bisschen anders sei
  • oder ob du dein Pferd annimmst, wie es ist, seine Verhaltensweisen als Teil seiner Persönlichkeit anerkennst und ihm mit einem freundlichen aber bestimmten Wort sagst “easy, ich weiß wie du bist und ich weiß warum du so bist. Ich verstehe dich auch, aber es gibt gar keinen Grund sich aufzuregen…”

Du steckst zweimal in der gleichen Situation, aber ich wage zu prophezeien, dass der Ausgang sehr unterschiedlich ist. Wenn du dem unerwünschten Verhalten deines Pferdes mit Ärger begegnest, wird es deine Haltung spüren und deine unterschwellige Aggression nicht verstehen. Das wiederum wird dein Pferd verwirren. Je nach Charaktertyp wird es verärgert oder verwirrt bis verängstigt darauf reagieren und im schlimmsten Fall schaukelt ihr euch unnötig hoch.

Mir hat es unglaublich geholfen mein Pferd zu beobachten und anzunehmen so wie es ist. In vielen kleinen und großen Situationen habe ich keinen Frust mehr in mir und auch keinen Ärger, sondern kann das Meiste mit einem Lächeln nehmen und letztlich einfach nur damit umgehen. Das wiederum hat meine Stute entspannt, denn sie konnte meinen Frust in solchen Situationen nicht mit sich und ihrer Persönlichkeit in Zusammenhang bringen.

Carey schnuppert freude

  • Pferde ticken im HIER und JETZT
  • Sie agieren aus der Situation heraus und sind genauso schnell auf Adrenalin, wie sie auch wieder im Entspannungsmodus sind
  • Sie sind weder besonders nachtragend noch machen sie Dinge mit Absicht um uns zu ärgern

Das müssen wir uns bewusst machen und die Handlungen unserer Pferde nicht persönlich nehmen, sondern uns lediglich nach dem “warum” fragen, um dann daran arbeiten zu können. Das bedeutet nicht, dass du dir alles mit einem Lächeln gefallen lassen sollst oder keine Grenzen setzen darfst oder immer nachgeben sollst – es heißt einfach nur, dass du einen Schritt auf dein Pferd zugehen sollst, es annehmen wie es ist und dadurch entspannter und leichter mit seiner Persönlichkeit und den dazugehörigen Verhaltensweisen umgehen kannst.

Carey Petra Spaß Pferd

Warum auch die vermeintlich schwierigen Charaktereigenschaften Geschenke deines Pferdes sind

Viele bezeichnen meine Stute als „schwierig“ oder „kompliziert“ oder „nicht ohne“, und wenn ich das alles als Maßstab nehme und unsere Beziehung betrachte, dann sind wir schon ziemlich nahe dran an unseren Fury-Momenten. Letztlich hat jede Medaille auch immer zwei Seiten. Es tut einfach gut die Schönheit in unseren Pferden zu sehen und uns auf ihre Persönlichkeit zu fokussieren.

  • Es fördert die Bindung, wenn wir sie annehmen und nicht ständig verändern und verbessern wollen.
  • Es erleichtert das Training, wenn wir mit einem Lächeln, mit Liebe und Geduld trainieren und nicht mit festgebissenem Kiefer und strengem hochkonzentrierten Gesichtsausdruck.
  • Unsere Pferde können entspannen, wenn wir neben ihnen entspannen und das können wir besonders gut, wenn wir ihre Verhaltensweisen erst einmal nicht persönlich nehmen und mit dem arbeiten, was sie uns geben.

Wofür liebst du dein Pferd?

In dem Moment als ich neben meinem Pferd stand, den Song von Nena im Kopf, und beschlossen habe sie genauso zu lieben wie sie ist … sie nicht mehr ändern zu wollen, sondern einfach anzunehmen … weißt du was da passiert ist? Sie stand sie neben mir, schlief langsam ein und hat einmal tief ausgeschnaubt. Es war als ob sie gespürt hat, dass ich meine Wünsche, meine Erwartungen und mein Wollen einfach losgelassen habe und mich auf sie einlassen wollte.

Denn all das ist wie eine innere Spannung in uns und begleitet uns auf jedem Schritt mit unserem Pferd.

  • Ich liebe mein Pferd mittlerweile dafür, dass sie nicht einfach ist, mich immer wieder dazu auffordert zu lernen und zu suchen und mit offenen Augen an mir zu arbeiten.
  • Ich liebe sie für ihren sturen Kopf und ihre ständige Aufforderung an mich klar und direkt zu sein.
  • Ich liebe sie dafür, dass sie mir ein Brummeln schenkt, dass sie mir immer mehr vertraut und an meiner Seite bleibt, auch wenn sie etwas gruselig findet.
  • Ich liebe sie dafür, dass sie mich nicht hinterfragt, obwohl sie mittlerweile Herdenchefin ist, weil sie verstanden hat, dass sie auch mal lockerlassen kann in meiner Gegenwart.
  • Ich liebe sie für jedes kleine bisschen Vertrauen und Freude, das sie mir schenkt.
  • Ich liebe sie auch dafür, dass sie im gemütlichen Schritt zu mir kommt, wenn ich sie rufe und nicht im gestreckten Fury-Galopp, weil das einfach nicht SIE wäre.

Ich könnte diese Liste jetzt noch ewig weiterführen. Aber es soll ja nicht um mich gehen, sondern um dich und dein Pferd – deswegen stelle ich dir jetzt die Frage:

LIEBST DU DEIN PFERD SO WIE ES IST? 

Carey Zauberpferd Pferd

5 Fragen für eine bessere Beziehung zu deinem Pferd

Und ich würde mich freuen, wenn du ganz ehrlich darüber nachdenkst, bevor du antwortest. Und dann habe ich noch eine fünf weitere Fragen an dich:

  • WER ist dein Pferd? Was für eine Persönlichkeit?
  • WER bist du und welche Wünsche und Erwartungen hast du tief in dir drin?
  • WAS kann dir dein Pferd durch seine Persönlichkeit beibringen? Was ist im Grunde das Geschenk deines Pferdes an dich?
  • WOFÜR liebst du dein Pferd jetzt schon?
  • WORÜBER ärgerst du dich bislang vielleicht ab und an bei deinem Pferd? Und als Folgefrage daraus: Könntest du es eigentlich noch viel eher für diese Verhaltensweisen lieben, weil es dir dadurch etwas spiegelt?

Pferde sind nämlich Meister der Persönlichkeitsentwicklung. Sie sind sozusagen eine Art Psychologencouch auf vier Beinen. Das ist das eigentliche Geschenk, das sie uns machen können und das wir so gerne übersehen.

Seit ich meine Stute an meiner Seite habe bin ich zufriedener, gelassener, sicherer und klarer geworden. Sie bringt mir immer wieder bei ganz bei mir zu sein und an meiner inneren Entspannung und meinem Fokus zuarbeiten. Sie spiegelt mir meine Ungeduld und fordert von mir innere Sicherheit.

Kurz gesagt: Sie fördert und fordert meine Persönlichkeit, denn nur wenn ich ihr all das gebe, was sie und ihre Persönlichkeit braucht, bekomme ich mehr Freude, Motivation und Vertrauen von ihr zurück. Denn umso mehr ich loslassen und lockerlassen kann, umso mehr kann mein Pferd mir auch geben und sich öffnen.

Das alles ist ein Weg – jeden Tag ein kleines bisschen mehr und ich bin mehr als gespannt, wohin uns diese Reise noch führen wird.

Jetzt stelle ich dir die Frage, ob du dich auch auf diese Reise mit deinem Pferd begeben willst? Der erste Schritt dorthin ist die ehrliche Antwort auf die Frage, ob du dein Pferd so liebst wie es ist. Alles weitere ist dann ein gemeinsamer Weg und du wirst überrascht sein, wie viel mehr Liebe und Vertrauen du nach und nach für deine Offenheit, Liebe und Geduld zurückbekommst.

12 Kommentare zu “Liebst du dein Pferd? Wie die ehrliche Antwort darauf die Beziehung zu deinem Pferd unglaublich verändern kann

  1. Jessy sagt:

    Liebe Petra,

    Du sprichst mir aus der Seele… Wieviele "PferdeMenschen" gibt es, die Ihr Pferd benutzen und denen Ihr Pferd, so wie es manchmal wirkt, egal ist… Diese wundervollen Wesen werden leider oft als Sportgeräte ausgenutzt… Ich wünschte diese Menschen würden sich mal mit Deiner Webseite beschäftigen. Ich lese seit einigen Tagen hier ganz begeistert Deine vielen Berichte und Meinungen. Ich hab einen kleinen Haffi in meiner Obhut seit knapp 2 Wochen und habe ihn sofort lieb gewonnen. Ich hab ganz frisch mit Westernreiterei begonnen und sende ihm oft noch die falschen Signale, was mich eher zum Schmunzeln über mich selbst bringt als ihm böse zu sein, dass er mich nicht versteht. Ich habe den Eindruck er ist mir dankbar dafür, dass ich seine kleinen Ungehorsamkeiten, die mich zum Lachen bringen, nicht bestrafe… wie oft sehe ich Menschen im Stall, die Ihr Pferd nur weil es nicht sofort so reagiert, wie sie es wollen, dafür bestrafen und beschimpfen… das tut mir jedes Mal fürs Pferd leid… Mein Reitlehrer sagte früher "Ein Pferd ist auch nur ein Mensch". Als solche sollten wir unsere Pferde behandeln, wie einen geliebten Menschen… Natürlich nicht zu 100%. Ein Pferd bleibt ein Pferd… Der Respekt vor dem Lebewesen und deren Einzigartigkeit sollten wir jedoch nicht vergessen. In den 2 Wochen habe ich schon soo viele Kribbelmomente erlebt durch das Genießen der gemeinsamen Zeit… Ob beim Putzen oder bei der Bodenarbeit. Ich denke ohne Pferde wäre die Welt zwar auch schön, aber erst diese machen die Welt ein Stück weit besser und lassen uns, wie du ja auch sagst, zu dem Besten Menschen werden, der wir sein können, wenn wir uns auf diese empfindsamen Wesen einlassen. Auf die Pferde!! 🙂

    • Petra sagt:

      Liebe Jessy, dein Reitlehrer gefällt mir 🙂 Der Satz ist wirklich toll. Das könnten wir uns alle öfter mal vor Augen führen. Ich finde wunderschön, dass du so liebevoll und geduldig mit deinem Hafi umgehst. Er wird es dir sicher danken – Pferde spüren ja, wenn wir ihnen Gutes wollen, auch wenn wir es vielleicht noch nicht immer perfekt umsetzen. Ganz liebe Grüße an euch zwei und danke für deinen Kommentar, Petra

  2. Martha Ploczicki sagt:

    Liebe Petra,
    genau die Erfahrungen die du beschreibst habe ich mit meinem Pferd von 4 Jahren auch gemacht. Er war mein erstes eigenes Pferd, die Erfüllung eines " Klein-Mädchen-Traums". Natürlich wollte ich alles "richtig" machen und ging mit entsprechend großen Erwartungen an die Sache. Zudem hatte ich gerade meine Reittherapeutenausbildung beendet und war hochmotiviert mein Therapiepferd auszubilden.
    Zu groß die Enttäuschung als sich das verlässliche und ruhige Anfängerpony nach 3 Wochen als schreckhaftes Nervenbündel entpuppte welches unkontrollierbar durch die Halle schoss. Welches auf alle Bemühungen einfach nicht reagierte, vor mir wegrannte anstatt sich mir motiviert anzuschließen. Je mehr ich wollte , dass er anders war- ruhig, lieb, verlässlich und unerschrocken, desto schlimmer wurde alles.

    Dann gab es den Moment- ich stand neben ihm, schaute gemeinsam mit ihm das vermeintliche Gespenst in der Hallenecke an, atmete tief aus und verabschiedete mich von allen Erwartungen und Wünschen. Anstatt mich zu ärgern musste ich plötzlich lachen. Ich akzeptierte, dass mein Pyrmo ein Angsthase war und wahrscheinlich immer bleiben würde, löste den Führstrick und ging einfach los. Nach wenigen Schritten spürte ich mein Pferd neben mir, plötzlich mit entspannt gesenktem Kopf, dicht an meiner Seite.
    Seit jenem Tag hat sich vieles verändert. Seitdem ich losgelassen habe, begonnen habe mein Pferd so anzunehmen wie es ist, seine " Schwächen" nicht korrigieren zu wollen sondern als Stärken zu sehen, ihn für das zu lieben was und wie er ist gibt er mir soviel zurück!
    Auch wenn Planen und Plastiktüten immer noch gruselig sind- mein Pferd hat soviele Stärken, unterstützt mich seit 2 1/2 Jahren verlässlich und treu in meinem Beruf, lässt Kinderaugen funkeln , tröstet traurige Seelen und wärmt einsame Herzen.
    Und ich liebe ihn mit und für seine Macken.
    Denn einfach kann jeder 😉

    Herzliche Grüße
    Martha

    • Petra sagt:

      Hallo liebe Martha, im ersten Moment will man doch denken, wie erstaunlich es ist, dass ein simples "Annehmen" soviel auslösen kann, aber wenn man ein wenig mehr darüber nachdenkt, wird einem auch klar, wie schön es sich für einen selbst anfühlt, wenn man bedingungslos angenommen wird und keine unterschwelligen Erwartungen und Emotionen zu spüren bekommt. Letztlich ist es oft so, dass wir – ohne vermenschlichen zu wollen – nur auf uns selbst schauen und darüber nachdenken müssten, welchen Umgang wir uns wünschen. Und genau das dann unseren Tieren geben. Da muss ich mir selbst auch immer wieder an meine Nase fassen – mir gelingt es nicht immer, aber ich gebe alles, damit es mir immer öfter und besser gelingt 🙂 Ganz lieben Dank an dich für deinen Kommentar und liebe Grüße auch an Pyrmo, Petra

  3. Karin-Kelly sagt:

    Liebe Petra,
    wieder ein wundervoller Artikel, Deine Webseite ist wirklich eine große Bereicherung für Pferdefreunde im großen weiten www. Ich denke gerade viel über die von Dir beschriebenen Themen nach…. neben den Themen Liebe und Charaktereigenschaften auch über die Themen Erwartungen, Dankbarkeit, Zufriedenheit….
    …immer mehr komme ich zu der Ansicht, dass Liebe manchmal für mich das falsche Gefühl ist. Es gibt an meinem Pferd Eigenschaften, die ich nicht besonders liebe, genauso wie es an mir selbst Eigenschaften gibt, die ich nicht unbedingt liebe und für die ich nicht gerade dankbar bin. Wenn ich meine, ich müsste das Alles lieben, setze ich mich unter Druck und habe ein schlechtes Gewissen, weil ich ja manches an mir oder meinem Pferd oder wem auch immer nicht lieben KANN. (Wer liebt schon seine eigene Ungeduld oder Ähnliches).
    Das Gefühl des Annehmens ist mir da viel willkommener, es fühlt sich besser an als das "Lieben wollen müssen".
    Ich muss meine Ungeduld oder die rumpelstilzchenhaften Zornausbrüche meiner jungen Stute nicht lieben, aber ich kann und darf sie annehmen als die von Dir so wunderbar beschriebenen Ecken und Kanten, die ja überhaupt erst den Charakter jedes Geschöpfes ausmachen. Das was ich daraus mache, kann durchaus ein Geschenk sein, z.B. dass ich Geduld lerne weil ich lerne z.B. mit den Zornausbrüchen meiner Stute mitfühlend und verständnisvoll umzugehen. Dazu gehört immer eine gehörige Portion Selbstreflexion und Mitgefühl.
    Für mich sind Annehmen, Zulassen, Loslassen und Mitgefühl (auch mit mir selbst und meinen eigenen "Schwächen") bessere Gefühle als unbedingt alles entweder Lieben oder Ändern zu wollen müssen.
    Ja…. das waren jetzt gerade so die Gedanken, die mir dazu im Kopf rumgehen. Zwar nicht so ganz sortiert und auf den Punkt gebracht…. aber vielleicht verstehst Du in etwa was ich mit den Gefühlen, die gewisse Worte wie z.B. Liebe, etc. auslösen meine und vielleicht bietet das eine gewisse Anregung sich selbst nicht unter Druck zu setzen alles lieben zu müssen. Annehmen und mitfühlend damit umgehen ist schon mal ein guter Anfang 🙂 .
    Herzliche Grüße und bitte, bitte weiterhin so großartige Artikel. Karin

    • Petra sagt:

      Hallo liebe Karin, das "annehmen" ist auch ein schöner Gedanke. Du hast schon Recht, dass es manchmal schwer ist alle Eigenschaften an sich selbst und am anderen zu lieben. Aber letztlich ist das alles nur eine Frage dessen, wie wir die Gefühle und den Umgang damit definieren. Für mich ist es "Liebe", für dich "Annehmen" – hauptsache die Benennung nimmt den Druck und schenkt Gelassenheit und Frieden. Ganz lieben Dank für deine wundervolle Ergänzung und natürlich auch ganz liebe Grüße an dich, Petra

  4. Sofia sagt:

    Hallo liebe Petra, ein wirklich sehr schöner Beitrag, den du auch mit viel Liebe geschrieben hast, zumindestens kommt das so bei mir an.
    Ich kann sehr gut nachvollziehen, das mensch sich sein Pferd manchmal anders wünscht. Wir sind ja doch sehr geprägt z.B von Bildern und Erziehung, Normen usw, die nicht immer der Realität entsprechen, das mag manchmal auch nur unbewußt sein.
    Ich bin ja an die Schulpferdlady geraten, mein erstes Gefühl, war Mitgefühl und das ich überhaupt nicht nachvollziehen konnte, wie ein Pferd so alle Freude an der Bewegung verlieren kann.
    Das hat mich auf einen recht spannenden und lehrreichen Weg gebracht, der noch lange nicht zu Ende ist.
    Wie oft dieses Pferd zu mir Nein gesagt hat, kann ich nicht mehr zählen, wieviele Stunden ich auf ihren Rücken saß und sie nur stand oder nur Schritt ging, weiss ich auch nicht mehr und natürlich hätte ich auch ein anderes Pferd reiten können, wollte ich aber nicht.
    Ich wollte so unbedingt, das sie Freude hat, was natürlich auch ein guter Gedanke ist, aber letztendlich war es mein Wunsch und sie hatte einen anderen.
    Sie hat mich recht schnell an den Punkt gebracht, wo ich mich fragen mußte, was für eine Reiterin will ich sein, eine die kommt und ne gute Reitstunde hat, egal wie das Pferd das findet oder möchte ich eine Pferdefrau sein, die den Stall betritt und das Pferd sagt, mit der bin ich einverstanden.
    Sie ist jetzt seit über drei Jahren meine Pflegebeteiligung und am Anfang habe ich hier auch viele Neins erhalten. Gleichzeitig habe ich von ihr gelernt auf die kleinen Signale zu achten, wo hat sie ihr Ohr wenn ich komme, macht sie auf der Weide eine Schritt auf mich zu, über all diese sogenannten Kleinigkeiten habe ich mich sehr gefreut.
    In der freien Bodenarbeit sind wir mittlerweile ein gutes Team, wir haben auch recht lustige und intensive Unterhaltungen, wann ich sie wo anfassen darf und ihre Lieblingsstellen kraulen und ob sie überhaupt Lust hat etwas mit mir zu machen.
    Je mehr ich sie kennengelernt habe, desto weniger bin ich sie geritten, da konnte ich ihr keine Freude vermitteln, sie in der Gruppe reiten habe ich dann aufgegeben.
    Das ich wieder einen Versuch mit dem Reiten gestartet bin, liegt daran, das ich mich jetzt im Einzelunterricht befinde und an meiner Reitlehrerin, die achtet z.B darauf, das die Pferde auch immer gelobt werden und vor allem ist die Reitstunde so gestaltet, das die Gesundheit des Pferdes im Vordergrund steht.
    Das die Schulpferdlady, dann auch tatsächlich mitgemacht hat, meine Freude war riesig. Jeder einzelne Schritt, egal in welcher Gangart war für mich ein Geschenk.
    Ausserdem kann ich, wenn ich vormittags reite, viel Zeit für vor das Reiten einplanen und auch für hinterher, wo ich ihr nochmal ne grosse Portion Zuwendung zukommen lassen kann. Der Deal zwischen ihr und mir ist, wenn ich dann doch mal was eingefordert habe, wie z.B das Reiten, das wenn ich nächstes Mal komme, sie entscheidet, was wir machen, ob sie mit mir von der Weide kommt oder bleibt, ob die Lieblingsstelle gekrault wird oder ob sie mir nur Hallo sagen möchte und dann weiterziehen möchte, ich mache es so, wie sie es gerne möchte.
    Nebenbei bemerkt, hat sie nach wie vor Achtung und Respekt vor mir, obwohl ich ihr diesen Freiraum gebe und das ihr Vertrauen, dadurch stetig zu mir wächst und sich verbessert.
    Mittlerweile habe ich so viele schöne berührende Moment und auch anstrengende Situationen mit ihr erlebt, und aus meinem anfänglichen Mitgefühl ist Liebe geworden .
    Und ja, ich liebe sie mit all ihren Ecken und Kanten und mit ihren ganzen Neins, die ja auch heute noch bekomme. Sie ist meine Freundin, Weggefährtin und Lehrerin und ich hoffe, das ich für sie zu einer Zweibeinerin geworden bin, auf die sie sich verlassen kann und von der sie weiß, das sie auch in den schwierigen Momenten nicht abhaut.
    Ich denke, das es auch wichtig ist sich Zeit zu geben, um mit den Eigenschaften von den Pferden und auch von sich selber, die man weniger leiden kann zurecht zukommen. Ich finde akzeptieren auch schon gut und hilfreich und im besten Falle kann dann Liebe daraus entstehen.
    lg sofia

    • Petra sagt:

      Hallo liebe Sofia, danke für deinen wunderschönen und berührenden Kommentar. Ich liebe deinen Deal und finde wunderschön, dass dir das "Ja" und die Freude des Pferdes wichtiger waren als das Reiten. Das gibt es nicht oft. Ganz liebe Grüße und danke für deine schönen Zeilen, ich habe sie mit einem lächeln gelesen, Petra

  5. Kati sagt:

    Hey, schöner Artikel, und wie du schon schreibst: Liebe ist Typsache. Ich habe festgestellt, dass ich meine Ponys unterschiedlich liebe – klar, ich hab sie alle lieb, aber es zeigt sich für jedes etwas anders im Umgang und ganz deutlich z. Bsp. in der Begrüßung: bei dem einen etwas ruhig, bei der anderen überschwänglich; wenn ich schlechte Laune oder einen miesen Tag hatte, ringe ich mir trotzdem ein Lächeln für sie ab, einfach ihnen zuliebe.
    Auch tue ich mich schwer mit dem Begriff Liebe oder zu sagen „ich liebe dich“ – das bringt sofort eine Erwartungshaltung ins Spiel – da sind wir dann wieder beim Fordern.
    Liebe von mir aus ist irgendwo die Balance finden zwischen dem, was ich gerade möchte/fühle, und dem was mein Pferd möchte/fühlt. Ob ich mein Pferd so liebe wie es ist? …jahrelang hab ich mir mein Shetty mitwachsend gewünscht (ist eben unmöglich, was soll´s). Ich liebe ihn dafür, dass er noch da ist. An meiner Kleinen liebe ich, dass sie mir entgegenwiehert und kommt; war aber ebenso enttäuscht, als sie mal 2 Wochen entschieden hat lieber Wildpferd zu sein. Die andere Stute und ich haben uns verlaufen, ich habe die Sternritte mit ihr geliebt, aber ich weiß nicht was ich momentan an ihr liebe. LG

    • Petra sagt:

      Hallo liebe Kati, danke für deinen offenen und schönen Gedanken. Ich liebe deinen Kommentar, weil er so viel Ehrlichkeit und Gefühl für deine Pferde verrät 🙂 Ganz liebe Grüße, Petra

  6. Carmen sagt:

    Liebe Petra, bei deinem Artikel wurde mir ganz warm ums Herz, so schön ist er geschrieben.
    Ich war früher jemand der immer mit irgendeiner Erwartung in den Stall gekommen ist. Erst als mein erstes Pferd Aufgrund von Athrose mit 23 Jahren in Rente gegangen ist, wurde mir Bewußt das es auch schön sein kann, wenn man einfach nur mal spazieren geht, putzt oder nur gemeinsame Zeit auf der Weide verbringt. Sicherlich habe ich in den knapp 23 Jahren die mein Wallach mir geschenkt hat auch Fehler gemacht aber er war niemals nachtragend mir gegenüber sondern hat mich jeden Tag mit einen leisen Blubbern oder auch mal mit einem lauten Wiehern begrüßt. Und als ich mich dann wegen eines Kreislaufzsammenbruchs im Alter von 27 Jahren von ihm verabschieden musste, wußte ich etwas Einzigartiges verloren zu haben. Noch heute tut es verdammt weh. Lange Zeit konnte ich nicht mal mehr ein Pferd aus der Ferne betrachten oder Wege entlang gehen, die wir gemeinsam genommen haben. Dann blieb ich an einer Verkaufsanzeige hängen. Tagelang, immer und immer wieder, bis ich mich zu einem Angucken entschloss. Hier kann ich sagen war es Liebe auf den ersten Blick. Natürlich kam von allen Seiten die Frage ob ich mir das gut überlegt habe einen 2 Jährigen mit knapp Mitte 40 zu kaufen. Tja, mein Verstand hatte nichts zu melden, das Herz hatte das Wort 🙂 Das Pferdchen hatte Glück das ich einen so tollen Lehrmeister in seinem Vorgänger hatte. Heute fordere ich nichts mehr, ich frage immer. Belohnt werde ich mit einem zufriedenem Pferd, das sich auch mal aufregt und bockend weg springt wenn ich zu undeutlich bin. Das wird dann aber mit einem herzlichen Lachen von mir quittiert. Dann steht er wieder vor mir und scheint zu fragen, was machen wir jetzt? Versuchen wir es noch einmal? Wir schenken und gegenseitig so viel Vertrauen das ich Ihn jetzt mit 6 Jahren problemlos anreiten konnte. Doch, ich denke ich kann sagen ich liebe und respektiere mein Pferd so wie er ist und möchte ihn gar nicht anders haben. LG Carmen

    • Petra sagt:

      Hallo liebe Carmen, das klingt wunderschön und letztlich ist es genau das, was wir vermutlich alle anstreben sollten: Mit Spaß und Freude und einem Pferd, das auch mitreden darf, im Team Zeit zu verbringen. Ganz liebe Grüße und danke für deinen wunderbaren Kommentar, Petra

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