Artikel aktualisiert am 20.05.2016

Läuft dein Pferd vielleicht manchmal etwas stakselig? Oder will es bestimmte Übungen einfach nicht durchführen? Biegungen zum Beispiel oder hat es Schwierigkeiten mit dem Untertreten oder der aktiven Hinterhand? Das alles kann auch an den Faszien liegen

FasWIE?!? Denkst du dir vielleicht, wenn du die Artikelüberschrift liest. Dabei sind die Faszien deines Pferdes essentiell, sie entscheiden mit über die Beweglichkeit und Gesundheit deines Pferdes.

Faszien Pferd (Wiebke Heye)

Faszinierende Faszien: Wie das Gewebe des Pferdes funktioniert

Jahrzehntelang sind sie ignoriert worden. Beim Menschen und beim Pferd. Sie halten letztlich den Körper zusammen und das Gewebe in Schuss. Faszien sind nicht nur unglaublich faszinierend, sondern auch wahnsinnig wichtig für dein Pferd, seine Beweglichkeit und damit auch für euer Training. Was sie sind, wie sie funktionieren, was sie Gutes bewirken können, wenn sie in Schuss sind und was sie leider bewirken, wenn sie verklebt sind oder Risse haben, wird dir Wiebke Heye jetzt in diesem Gastartikel erklären. Und sie wird dir erklären, was du tun kannst, damit die Faszien deines Pferdes immer gut in Schuss sind.

INFO: Wiebke Heye ist Pferdeostheopathin und hat sich intensiv mit den Faszien auseinandergesetzt. Du findest mehr über sie, ihre Methoden, ihre Ausbildung und die Faszien auf ihrer Webseite: www.pferdeosteopathie-heye.de

Gastartikel von Wiebke Heye, Pferdeosteopathin, über die Faszien und wie sie helfen können dein Pferd gesund zu erhalten:

Viele Pferdebesitzer sind geradezu genervt von den ewigen „neuen“ Erkenntnissen und den ständig „besser“ werdenden Produkten rund ums Pferd. Sie werden förmlich erschlagen von der Werbeindustrie. Ja, sie kriegen mit unter fast schon den Eindruck, alles bisher irgendwie falsch gemacht zu haben.

Der nächste „Hype“ ist im vollen im Gange – die Faszien

Die Anderen schwimmen gerne auf jeder neuen Welle mit, wissen immer über alles „genau“ Bescheid und gehen guten Gewissens in die Welt hinaus um ihr „Wissen“ zu verbreiten. Leider wird dieses Halbwissen von schlauen Geschäftsleuten nur all zu gerne gnadenlos genutzt um möglichst viel Profit zu machen. Aber das nur am Rande….

Achtung, ich werde kurz sarkastisch: Die „neue“ Welle in der Pferdegesundheit sind jetzt also die Faszien. So und jetzt bitte ich meinen leichten Sarkasmus zu entschuldigen, aber dieses Gewebe wurde nicht erst jetzt neu entdeckt. Es gab sie schon immer und sie haben immer eine Rolle gespielt. Ihre Funktionen wurden lange unterschätzt, wobei ihr Aufbau und ihre Aufgaben eigentlich schon bekannt waren.

Faszien Pferd (Wiebke Heye)

Die Welt der Faszien ist mittlerweile einfach besser erforscht worden und man hat dabei festgestellt, dass sie eine deutlich größere Rolle im Zusammenspiel eines Körpers spielen, als bisher angenommen. Hier noch kurz ein paar Infos zur Pferdeanatomie, bevor wir mit den Faszien loslegen:

Faszien Pferd (Wiebke Heye)

Faszien Pferd (Wiebke Heye)

Faszien Pferd (Wiebke Heye)

Was sind Faszien

Die Faszien ziehen sich wie ein Spinnennetz durch den gesamten Körper. Auch bei uns Menschen, unserem Hund, unserer Katze usw.. Es ist ein Gewebe.

Zwei der nennenswertesten Faszien sind wohl die oberflächliche und die tiefe Hautfaszie, da sie den gesamten Körper umhüllen. Diese beiden befinden sich überall unter der sichtbaren Haut oder Fell und sie sind miteinander verbunden.

Von diesen beiden aus ziehen sich unendlich viele weitere Faszien in jegliche Richtungen durch den Körper. Sie umhüllen, vereinfacht dargestellt, Organe, Muskeln, Nerven…

Das bedeutet also auch, dass letztendlich alles im Köper direkt oder indirekt durch Fasziengewebe miteinander verbunden ist. Ist das nicht großartig? Denn Fasziengewebe besteht aus straffem Bindegewebe, enthält elastische Fasern und kann somit alle Zug-und Druckkräfte weiterleiten.

Ebenso ist dieses wunderbare Gewebe stark mit Nerven (meist Nervenendigungen) versorgt. Die Faszien geben dem Körper also seine Form, sorgen für Elastizität und Spannkraft.

HIER findest du das Buch “Manuelle Pferdetherapie: Das Praxisbuch für Osteopathie und Physiotherapie”*:

Was können Faszien?

Diese Eigenschaften sind ein Segen für jeden funktionierenden Organismus und können sich zum „Fluch“( Kettenreaktion an Beschwerden) entwickeln, wenn es zu Störungen kommt.

Faszien brauchen möglichst viele harmonische und unterschiedliche Bewegungen um funktionstüchtig zu bleiben. Des Weiteren sind sie „sehr unzufrieden“, wenn ein zu hohes Säureniveau im Körper vorliegt. Beim Pferd beispielsweise durch zu viel Kraftfutter kombiniert mit zu wenig Bewegung.

ACHTUNG: Zuckerhaltige Futtermittel allgemein erhöhen den Säuregehalt im Organismus, da der Zucker immer zu Säure umgewandelt wird.

Abrupte, harte oder zu einseitige Bewegungen und auch Bewegungsmangel können dieses Gewebe schädigen und langfristig zu Erkrankungen führen.

Besonders durch Bewegungsmangel (also durchaus üblich bei den domestizierten Haltungsbedingungen der Pferde) verlieren die Faszien an Elastizität und damit an Funktionalität. So steigt das Verletzungsrisiko erheblich an.

Nehmen wir beispielsweise ein Pferd in einer Gruppen-Offenstall-Haltung mit Heu ad libidum (also 24 Stunden Heu zur freien Verfügung). Dieses Tier wird trotz seiner Bewegungsmöglichkeiten die meiste Zeit still an seinem Heu stehen, um zu fressen. So haben wir schon den erwähnten Bewegungsmangel.

Kommt dann aus heiterem Himmel plötzlich Bewegung ins Spiel, weil ein anderes Pferd „einen Platzwechsel am Heu vorschlägt“….Ihr wisst ja, wie rabiat das teils abgeht….hätten wir schon den 2. Punkt erreicht – die abrupte, harte Bewegung. Tritt das Tier beim wegspringen dann noch unwillkürlich falsch auf, bleibt das meist nicht ohne schmerzliche Folgen.

In solchen Momenten ist das Fasziengewebe stark in Gefahr, verletzt zu werden! Das kann lange unbemerkt bleiben und sich erst nach und nach zu einem Problem entwickeln. Da sich in solchen Fällen Verdickungen, Risse und regelrechte Verfilzungen darin bilden können.

Diese sind dann hoch schmerzhaft und die Pferde fallen durch Leistungsabfall oder Unwillen, staksige und ungelenke Bewegungen auf und können typische Schmerzzeichen zeigen.

Beispiele für typische Schmerzzeichen:

  • in sich gekehrter Blick
  • weite Nüstern
  • Widersetzlichkeiten

Was du tun kannst, um solchen Schäden vorzubeugen

Das Wichtigste ist natürlich, die Haltungsbedingungen bestmöglich zu optimieren. Das ist allerdings IMMER mit Abstrichen verbunden, da wir unseren domestizierten Pferden ja keine freie Wildbahn zur Verfügung stellen können…

Mindestens ebenso wichtig ist abwechslungsreiches Training, da es die beste Möglichkeit ist Schädigungen vorzubeugen. Einfach mal Sachen ganz anders machen, wie gewohnt, hilft schon was!

Auch ein Dressurpferd kann lernen, über eine Wippe zu laufen, oder die Vorderhufe auf ein Podest zu stellen ;o)

Bevor jetzt aber alle losrennen und ihre Freizeitpferde kurzer Hand, zur Abwechslung, dazu animieren wollen „nen“ Meter-fünfzig zu springen…Achtung: Die Abwechslung muss natürlich dem Trainingszustand des entsprechenden Tieres angepasst sein!

Wenn die Faszien schon geschädigt sind

Sollten schon Schäden an den Faszien vorliegen, sind sie meistens reversibel. Verklebungen und Verfilzungen lassen sich oftmals gut lösen. Dazu gibt es spezielle manuelle Techniken, die von dazu weitergebildeten Therapeuten angewandt werden.

So eine Behandlung bringt häufig sofort eine deutliche Besserung der Beschwerden.

Die 5 wichtigsten Punkte zu den Faszien Pferd:

  • Faszien brauchen sanfte, abwechslungsreiche Bewegungen und ein niedriges Säureniveau um gesund zu bleiben
  • Sie mögen keine einseitigen, monotonen Bewegungsabläufe
  • Sie reagieren bei ALLEN „Ereignissen“ im Körper IMMER mit und müssen daher auch IMMER mit behandelt werden
  • Psychischer Stress sollte so gut es geht reduziert werden, denn er erhöht den Säuregehalt und stört die Funktionalität der Faszien

Falls du jetzt manches wiedererkennst oder dein Pferd untersuchen lassen möchtest, findest du HIER Tipps woran du einen guten Osteopathen erkennen kannst

Faszien Pferd (Wiebke Heye)

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6 Kommentare zu “Faszien Pferd: Warum sie so wichtig für die Gesundheit deines Pferdes sind

  1. Miriam sagt:

    Liebe Petra,

    vielen lieben Dank für den interessanten Artikel. Obwohl ich mich mit der Anatomie des Pferdes schon seit Jahren beschäftige habe ich doch einige interessante und für mich neue Punkte in dem Artikel gefunden. Man lernt eben nie aus.

    Liebe Grüße
    Miriam

    • Petra sagt:

      Liebe Miriam,

      der Dank gebührt Wiebke, die den Artikel geschrieben hat. Sie ist Pferdeosteopathin und übt ihren Beruf mit viel Herzblut und Wissen aus. Deswegen hatte ich mich auch so gefreut, dass sie den Artikel geschrieben hat. Ich fand ihn auch wahnsinnig spannend. Wie du schreibst: man lernt nie aus :-) Ganz liebe Grüße, Petra

    • Petra Haubner sagt:

      Hallo liebe Nasrin, normalerweise ist Werbung in den Kommentaren nicht erlaubt. Ich lasse es jetzt mal stehen, weil ich dich ja gefragt hatte ;-) Viele liebe Grüße, Petra

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