Jeder Pferdemensch kennt Ängste. Seien es vergangene Ängste durch Situationen mit Pferden oder aktuelle Ängste, weil das Pferd Verhaltensweisen zeigt, die Angst machen können. Das muss aber noch nicht einmal das eigene Pferd gewesen sein. Es kann einfach passieren, dass mit Pferden Dinge nicht so laufen, wie du dir das vielleicht vorher vorgestellt hast. Das alles schleppst du mit dir herum. Das muss aber nicht so sein, du kannst diese Angst ganz einfach wieder loswerden. 

Angst beim Reiten

Die Pferdetrainerin und Persönlichkeitscoach Dana Santana hat verschiedene Ansätze, wie du tiefsitzende Ängste mit dem Pferd loswerden kannst und kann dir genau erklären, warum diese Ängste so tief sitzen. Sie erzählt dir im Interview warum die Ängste so tief sitzen, wie dein Gehirn da tickt und gibt dir Übungen an die Hand, wie du dein Gehirn umprogrammieren kannst von Angst auf Freude.  

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Interview über Angst beim Reiten, wie Angst in unserem Reitergehirn funktioniert und Tricks die helfen sie loszuwerden

Pferdeflüsterei: Viel zu oft sind wir im Gestern oder im Morgen oder in unseren Wünschen oder unseren ehrgeizigen Zielen. Das ist etwas, was Pferde überhaupt nicht verstehen. Es ist aber eine Sprache, die immer mitschwingt. Das alles macht Pferde nicht sicherer. Damit sie sicher werden, müssen auch wir es sein. Da hast du verschiedene Techniken, mit denen man das loswerden kann. Eine Technik zum Beispiel soll gegen Angst beim Reiten helfen. Was ist das genau und wie funktioniert sie?

Dana: Ich würde gerne vorher einen kleinen Schritt machen und noch etwas zu unserem Gehirn erklären und wie es funktioniert. Dann versteht man auch das Thema Angst besser. Ganz wichtig ist zu verstehen, dass unser Gehirn so funktioniert, dass ich mich entweder auf meine Ängste konzentrieren kann oder auf etwas anderes. Aber nicht auf beides gleichzeitig. 

Ich kann mich entweder auf „oh Gott, oh Gott, oh Gott, was kommt denn da vorne konzentrieren“ oder ich sage „okay, ich bin hier sicher. Wir schaffen das. Ich vertraue meinem Pferd, mein Pferd vertraut mir und wir schaffen das. Wir kommen zusammen wieder sicher zum Stall.“ Damit kann man sich auch schon sehr gut selbst beruhigen. Ich kann also auch ohne irgendeine Technik zu kennen, schon etwas für mich tun, indem ich mir Gelassenheit und Sicherheit vornehme. Am besten, bevor ich mit dem Pferd zusammen bin. 

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Der ultimative Trick für mehr Gelassenheit beim Pferd

Pferdeflüsterei: Kommen wir zur Technik: Wie geht das praktisch?

Dana: Also ich stelle mir zum Beispiel vor dem Training vor, dass ich heute eine richtig tolle Zeit mit diesem Pferd habe. 

Dass wir beide voneinander lernen. 

Dass wir ein großes Stück weiterkommen. 

Dass unser Zusammensein geprägt ist von Sicherheit, Vertrauen und Spaß. 

Du nimmst einfach bestimmte Qualitäten in deine Vorstellung mit rein. Ich mache es zum Beispiel immer ganz gern, indem ich diese Qualitäten „einlade“. 

Das sind Qualitäten, die man sich ganz einfach vorstellen kann. Wenn du dir das vorstellst, dann kreierst du dir auch einen Raum, in dem das möglich ist. Wenn du aber einfach so reinläufst in dein Miteinander mit dem Pferd, dann hast du eben auch das Gefühl von „wer weiß, was heute wieder passiert“. Dann lässt du dein Gehirn davongaloppieren mit den ganzen Sorgen oder Ängsten, die du haben kannst. 

Es ist sehr viel sinnvoller, sich tatsächlich vorher Gedanken zu machen und sich zu fragen was man stattdessen will. Welche Qualität brauche ich denn? Wenn ich mich zum Beispiel unsicher fühle, dann brauche ich Vertrauen oder vielleicht auch Mut. Dann lade ich mir an dem Tag den Mut ein. Oder das Vertrauen, in dem ich mir vorher sagen „Ich vertraue meinem Pferd, soweit es mir heute möglich ist. Und ich möchte auch, dass mein Pferd mir vertraut in der Situation.“ 

Pferdeflüsterei: Das gibst du dem Pferd dann auch mit, denn die Pferde sehen uns an der Zehenspitze an, was für eine Stimmung wir haben. Wir tragen sie für die Pferde viel lauter vor uns her, als wir selbst auch nur ahnen.

Dana: Absolut. Ja.

Pferdeflüsterei: Und dann spürt das Pferd natürlich auch diese andere Stimmung, die es gerne mit aufnimmt.

Dana: Es gibt zum Beispiel aber auch Techniken, die eignen sich besser, wenn man sie zu zweit macht. Die bringe ich dann aber in meinen Seminaren mit. Zum Beispiel eine Technik die sehr schnell gegen Ängste hilft. Die sollte man aber unter Anleitung machen, damit man sie richtig durchführt und sie hilft. Das ist eine spezielle Klopftechnik und ein bisschen wie Akkupunktur. Nur ohne Nadeln.

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Tipps für ängstliche Reiter

Pferdeflüsterei: Das durfte ich bei Pfernetzt 2019 live erleben. Da hast du einer Teilnehmerin innerhalb weniger Minuten mit dieser Technik die nach einem Unfall Angst vorm Reiten hatte den Stress damit ziemlich minimiert. Was genau macht das denn im Gehirn und wie geht das?

Dana: Man klopft bestimmte Körperpunkte ab und stellt sich dabei eine belastende Situation vor. Während man das macht, löst sich der Knoten. Das ist ganz spannend. Es ist unglaublich, was diese Technik bewirkt. Es gibt zum Beispiel eine Studie aus Amerika, wo sie mit Soldaten, die aus dem Kosovo-Krieg zurückgekommen sind, diese Technik angewandt haben. Sie haben einmal mit einer Gruppe klassische Gesprächstherapie und medikamentös Therapie gemacht. 

Und die zweite Gruppe hat ausschließlich diese Spezial-Technik gemacht. Das Ergebnis war, dass die zweite Gruppe, die also ausschließlich diese Technik genutzt hat, sehr viel schnellere positive Ergebnisse hatte. Und vor allem auch dauerhaft anhaltende Erleichterung. Die erste Erleichterung bei so einem traumatisierten Soldaten, war nach 4,75 Minuten spürbar. Das sind so krasse Zahlen, dass man es sich fast nicht vorstellen kann.

In meinen Seminaren ist es immer so, dass ich das im Theorieteil morgens vorstelle. Und mir da immer keiner glaubt. Wenn wir dann nachmittags bei der Technik sind, und jeder das an seinem eigenen Thema ausprobieren konnte, dann sehe ich immer in diese leuchtenden Gesichter. Also man wundert sich, wie schnell es geht tatsächlich auch Ängste loszulassen. Ich glaube, es ist ganz wichtig zu verstehen, wie das im Gehirn funktioniert. 

So funktioniert Angst im Reitergehirn 

Pferdeflüsterei: Wie genau funktionieren denn die Ängste im Gehirn?

Dana: Man muss sich darüber bewusst sein, dass ganz viel über das Gefühl transportiert wird. Wenn du also ein traumatisches oder beängstigendes Erlebnis hast mit dem Pferd, dann wird das intensiv abgespeichert im Gehirn, weil es mit einem starken Gefühl verbunden ist. Irgendein Erlebnis zum Beipsiel, wo jemand einen Sturz hatte oder auch nur ein Gefühl von starker Unsicherheit oder das Gefühl von Kontrollverlust. Dieses Erlebnis ist deshalb so schmerzhaft für denjenigen, weil es mit so einem starken Gefühl verbunden ist. Und weil dieses Gefühl mit abgespeichert wird in der Erinnerung. Mit dieser Technik vergisst du natürlich nicht das Erlebnis, aber wir nehmen diese negative, emotionale Ladung raus. 

Unser Gehirn macht diesen starken Speicher und das Auslösen der Angst als Schutz, um zu sagen „wenn so eine ähnliche Situation nochmal kommt, dann pass bitte auf. Das machen wir nicht nochmal.“ Das ist eben auch das, was uns zum Verhängnis wird. Auch wenn wir dann mit dem Kopf wollen, kriegen wir immer wieder diese Alarmsignale, Dann blockiert unser Körper. Deshalb ist es so wichtig, dass man tatsächlich solche traumatischen Erlebnisse wirklich loslässt. 

Pferdeflüsterei: Wie fühlt sich das dann an?

Dana: Es ist so unglaublich, wie man diese Erleichterung im Körper spürt. Es kann sein, dass man ein Schwindel hat. Manche gehen ganz viel. Gehen ist auch immer loslassen. Manche weinen auch. All diese Reaktionen zeigen einfach nur eine Erleichterung, dass es jetzt einfach Frieden in einem gibt und dass diese negative Ladung nicht mehr gehalten werden muss. Es ist so erleichternd. 

Ich glaube, so viele Menschen mühen sich ab und haben Unsicherheiten und Ängste. Das ist weder fürs Pferd schön noch für einen selbst. Ich glaube, wir Reiter müssen echt anfangen, noch viel mutiger dazu zu stehen, dass auch wir Ängste und Unsicherheiten haben. Da müssen wir einfach auch mal über den Tellerrand rausgucken und nicht nur unseren Reitlehrer fragen. Sondern einfach auch mal was für uns tun. Damit wir einfach auch wieder ein unbeschwerteres Miteinander mit unserem Pferd haben können.

Pferdeflüsterei: Ja, da hast Du absolut recht. Das sehe ich tatsächlich auch so. Weil wir ja auch ganz viel von dem ausmachen, wie die Beziehung mit dem Pferd laufen kann oder wohin es als Reiter gehen kann. Jetzt hast du natürlich so die Technik so ein bisschen erklärt und ich entnehme dem auch so ein bisschen, dass man sie vor allem erstmal unter Anleitung auch angehen sollte.

Dana: Genau.

Pferdeflüsterei: Aber gibt es denn noch ein oder zwei Übungen, die du jetzt in diesem Interview machen kannst, um schon so ein bisschen loslassen zu lernen?

Dana: Gerne, da fällt mir etwas Kleines ein. Du hast ja vorhin schon gesagt, dass du jemand bist, der auch gut mit Bildern arbeiten kann.

Zwei Übungen für ängstliche Reiter

Pferdeflüsterei: Ja, absolut.

Dana: Okay. Dann stell dir vor, dass du ein Schneidebrett vor dir hast und ein scharfes Messer. Darauf liegt eine richtig schöne, gelbe, saftige Zitrone. Jetzt möchte ich von dir, dass du diese Zitrone halbierst mit dem Messer. Das machst du auf deinem Schneidebrett. 

Und nun schneidest du dir mal so ein richtig kleines, schönes Stück von dieser Zitrone ab. Sie ist richtig schön saftig und gelb. Jetzt möchte ich, dass du dieses Stück, dass du dir mit deinem Messer abgeschnitten hast, in deinen Mund nimmst. In Gedanken. Und da richtig schön reinbeißt.

Pferdeflüsterei: Mhm.

Dana: Was passiert bei dir? Merkst Du eine körperliche Reaktion, obwohl Du gar keine Zitrone hast?

Pferdeflüsterei: Ja, ich merke einen Widerwillen, dass ich jetzt nicht in die Zitrone beissen will.

Dana: Das ist also eine kleine körperliche Reaktion auf diese virtuelle Gedankenzitrone. Ich habe aber auch schon eine krassere Reaktion gehabt, zum Beispiel dass tatsächlich Speichelfluss da ist. So oder so, das zeigt dir, dass es unserem Gehirn ehrlich gesagt egal ist, ob du etwas tust, oder nur daran denkst es zu tun. Also ob du die Zitrone wirklich hast und reinbeißt oder ob du nur so tust, als wenn du eine hättest. 

Das ist für dein Gehirn völlig gleich. Das hat sich die Raumfahrt schon vor Jahrzehnten zunutze gemacht. Die haben ja nun mal nur einen Start und können das nicht 1000 Mal üben. Die Piloten müssen es bei dem einen Mal perfekt machen. Es muss alles abgestimmt sein. Es reicht, wenn sich die Piloten das vorstellen, was sie machen müssen. In der Reihenfolge, in der sie es machen müssen. Das ist eine ganz wichtige Übung, die ich heute gerne allen mitgeben möchte. 

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Pferdeflüsterei: Jetzt kommt die zweite Übung?

Dana: Genau :-) Es kann unglaublich helfen. Ich bitte also all deine Leser tatsächlich anzufangen, bevor sie zum Pferd gehen oder auch abends, wenn sie im Bett liegen, sich vorzustellen, wie möchte ich denn das Zusammensein mit meinem Pferd haben? Zum Beispiel, wenn etwas nicht klappt. Es ist hilfreich, dass man tatsächlich erstmal mit seiner Vorstellungskraft arbeitet und sich vorstellt, dass es funktioniert. Je mehr Sinne du reinnehmen kannst in dieses Bild,  desto besser. 

  • Je mehr du siehst, was passiert. 
  • Je mehr du hörst, was vielleicht noch um dich rum ist. 
  • Je mehr du spürst, wie sich das für dich und dein Pferd anfühlt. 

Je mehr Sinne du mit in dieses Bild nehmen kannst, desto realistischer wird es für dich. Desto mehr kann dein Pferd dir folgen. Wenn du dir so ein Bild vorstellst, dann schaffst du sogenannte Gehirnautobahnen. 

Das heißt, wenn du einen Gedanken das erste Mal denkst, dann ist er noch ziemlich schwach und hat noch nicht so besonders viel Kraft. Aber wenn du ihn öfter denkst und wenn du dir so ein Bild dazu erschaffst, dann gewinnt er richtig an Kraft und Stärke. Dann wird er wie eine Gehirnautobahn. Das heißt, dein Gehirn wird dir das dann in den Situationen auch sehr schnell anbieten. Gedanken, die du oft denkst und Bilder, die du oft siehst in deinen Gedanken, bietet dir dein Gehirn immer wieder gern an. Du kannst sozusagen Pferdetraining für dich auch ganz alleine Zuhause machen, indem du dir erstmal alles vorstellst und dann kann dein Pferd dir tatsächlich auch folgen.

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Pferdeflüsterei: Wenn man beim Pferd ist, kann man sich ganz konkret Bilder im Kopf erschaffen von den nächsten Schritten. Und tatsächlich machen die Pferde das dann sehr oft, wenn man sich das nur schön genug vorstellt. Von Aufgabe zu Aufgabe im Kopf.

Dana: Genau. Und was ich auch noch empfehlen kann, ist tatsächlich, sich noch diese Minute Zeit zu nehmen, und dir ein qualitatives Miteinander vorher vorstellen. Vielleicht ist einfach nur eine Qualität, die du dir wünscht. Oder vielleicht ist es auch tatsächlich eine Übung, die du mal wieder machen möchtest. 

Zum Beispiel wenn jemand Angst vorm Angaloppieren hat, dann ist es vielleicht ein Bild davon, dass ich entspannt angaloppieren kann. Wenn ich dann bei meinem Pferd bin, würde ich bevor ich aufsteige, mir nochmal eine Minute Zeit nehmen und mir das dann nochmal vorstellen, in meinem entspannten Modus. Dann überträgt sich dieses Bild auch auf das Pferd. Das gibt einen Raum, den man miteinander teilt. Dann kann ich meine Vision nochmal auf das Pferd übertragen. 

Pferdeflüsterei: Vielen Dank für das Interview, die Übungen und deine Fakten zum Thema “Angst beim Reiten”

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Ein Kommentar zu “Angst beim Reiten? So wirst du sie mit einfachen Übungen wieder los

  1. Claudia sagt:

    Hallo liebe Petra,
    schönes Interview. Die Macht der Gedanken ist groß, das erlebt man z.Bsp. daran, wie sehr Worte verletzen können, sich sofort ins Hirn "einbrennen" und ewig wehtun. Aber es geht auch andersrum, wie beschrieben. Ich habe mir als Kind genau vorgestellt , wie ich auf einem Pferd sitze und reite. Habe es auf einem Stuhl "geübt" und dann viel es beim richtigen Reiten leicht. ;)
    Jetzt bin ich dabei mir vorzustellen, wie der Umzug in den neuen Stall ablaufen soll, vom Weg bis dahin (wir laufen) bis zum ersten Kontakt mit den neuen Pferden. Ich rede mit meinem Pferd auch darüber. Klingt für viele sicherlich komisch, aber ich denke es hilft mir entspannt zu bleiben und hilft damit auch ihm.
    Euch weiterhin einen schönen Sommer, wenn auch vielleicht nicht so heiß.
    Liebe Grüße Claudia

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