Angst beim Reiten? So wirst du sie mit einfachen Übungen wieder los

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Der ganze Artikel für dich auf einen Blick

Jeder Pferdemensch kennt Ängste. Seien es vergangene Ängste durch Situationen mit Pferden oder aktuelle Ängste, weil das Pferd Verhaltensweisen zeigt, die Angst machen können. Das muss aber noch nicht einmal das eigene Pferd gewesen sein. Es kann einfach passieren, dass mit Pferden Dinge nicht so laufen, wie du dir das vielleicht vorher vorgestellt hast. Das alles schleppst du mit dir herum. Das muss aber nicht so sein, du kannst diese Angst ganz einfach wieder loswerden. 

Angst beim Reiten

Die Pferdetrainerin und Persönlichkeitscoach Dana Santana hat verschiedene Ansätze, wie du tiefsitzende Ängste mit dem Pferd loswerden kannst und kann dir genau erklären, warum diese Ängste so tief sitzen. Sie erzählt dir im Interview warum die Ängste so tief sitzen, wie dein Gehirn da tickt und gibt dir Übungen an die Hand, wie du dein Gehirn umprogrammieren kannst von Angst auf Freude.  

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Interview über Angst beim Reiten, wie Angst in unserem Reitergehirn funktioniert und Tricks die helfen sie loszuwerden

Pferdeflüsterei: Viel zu oft sind wir im Gestern oder im Morgen oder in unseren Wünschen oder unseren ehrgeizigen Zielen. Das ist etwas, was Pferde überhaupt nicht verstehen. Es ist aber eine Sprache, die immer mitschwingt. Das alles macht Pferde nicht sicherer. Damit sie sicher werden, müssen auch wir es sein. Da hast du verschiedene Techniken, mit denen man das loswerden kann. Eine Technik zum Beispiel soll gegen Angst beim Reiten helfen. Was ist das genau und wie funktioniert sie?

Dana: Ich würde gerne vorher einen kleinen Schritt machen und noch etwas zu unserem Gehirn erklären und wie es funktioniert. Dann versteht man auch das Thema Angst besser. Ganz wichtig ist zu verstehen, dass unser Gehirn so funktioniert, dass ich mich entweder auf meine Ängste konzentrieren kann oder auf etwas anderes. Aber nicht auf beides gleichzeitig. 

Ich kann mich entweder auf „oh Gott, oh Gott, oh Gott, was kommt denn da vorne konzentrieren“ oder ich sage „okay, ich bin hier sicher. Wir schaffen das. Ich vertraue meinem Pferd, mein Pferd vertraut mir und wir schaffen das. Wir kommen zusammen wieder sicher zum Stall.“ Damit kann man sich auch schon sehr gut selbst beruhigen. Ich kann also auch ohne irgendeine Technik zu kennen, schon etwas für mich tun, indem ich mir Gelassenheit und Sicherheit vornehme. Am besten, bevor ich mit dem Pferd zusammen bin. 

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Der ultimative Trick für mehr Gelassenheit beim Pferd

Pferdeflüsterei: Kommen wir zur Technik: Wie geht das praktisch?

Dana: Also ich stelle mir zum Beispiel vor dem Training vor, dass ich heute eine richtig tolle Zeit mit diesem Pferd habe. 

Dass wir beide voneinander lernen. 

Dass wir ein großes Stück weiterkommen. 

Dass unser Zusammensein geprägt ist von Sicherheit, Vertrauen und Spaß. 

Du nimmst einfach bestimmte Qualitäten in deine Vorstellung mit rein. Ich mache es zum Beispiel immer ganz gern, indem ich diese Qualitäten „einlade“. 

Das sind Qualitäten, die man sich ganz einfach vorstellen kann. Wenn du dir das vorstellst, dann kreierst du dir auch einen Raum, in dem das möglich ist. Wenn du aber einfach so reinläufst in dein Miteinander mit dem Pferd, dann hast du eben auch das Gefühl von „wer weiß, was heute wieder passiert“. Dann lässt du dein Gehirn davongaloppieren mit den ganzen Sorgen oder Ängsten, die du haben kannst. 

Es ist sehr viel sinnvoller, sich tatsächlich vorher Gedanken zu machen und sich zu fragen was man stattdessen will. Welche Qualität brauche ich denn? Wenn ich mich zum Beispiel unsicher fühle, dann brauche ich Vertrauen oder vielleicht auch Mut. Dann lade ich mir an dem Tag den Mut ein. Oder das Vertrauen, in dem ich mir vorher sagen „Ich vertraue meinem Pferd, soweit es mir heute möglich ist. Und ich möchte auch, dass mein Pferd mir vertraut in der Situation.“ 

Pferdeflüsterei: Das gibst du dem Pferd dann auch mit, denn die Pferde sehen uns an der Zehenspitze an, was für eine Stimmung wir haben. Wir tragen sie für die Pferde viel lauter vor uns her, als wir selbst auch nur ahnen.

Dana: Absolut. Ja.

Pferdeflüsterei: Und dann spürt das Pferd natürlich auch diese andere Stimmung, die es gerne mit aufnimmt.

Dana: Es gibt zum Beispiel aber auch Techniken, die eignen sich besser, wenn man sie zu zweit macht. Die bringe ich dann aber in meinen Seminaren mit. Zum Beispiel eine Technik die sehr schnell gegen Ängste hilft. Die sollte man aber unter Anleitung machen, damit man sie richtig durchführt und sie hilft. Das ist eine spezielle Klopftechnik und ein bisschen wie Akkupunktur. Nur ohne Nadeln.

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Tipps für ängstliche Reiter

Pferdeflüsterei: Das durfte ich bei Pfernetzt 2019 live erleben. Da hast du einer Teilnehmerin innerhalb weniger Minuten mit dieser Technik die nach einem Unfall Angst vorm Reiten hatte den Stress damit ziemlich minimiert. Was genau macht das denn im Gehirn und wie geht das?

Dana: Man klopft bestimmte Körperpunkte ab und stellt sich dabei eine belastende Situation vor. Während man das macht, löst sich der Knoten. Das ist ganz spannend. Es ist unglaublich, was diese Technik bewirkt. Es gibt zum Beispiel eine Studie aus Amerika, wo sie mit Soldaten, die aus dem Kosovo-Krieg zurückgekommen sind, diese Technik angewandt haben. Sie haben einmal mit einer Gruppe klassische Gesprächstherapie und medikamentös Therapie gemacht. 

Und die zweite Gruppe hat ausschließlich diese Spezial-Technik gemacht. Das Ergebnis war, dass die zweite Gruppe, die also ausschließlich diese Technik genutzt hat, sehr viel schnellere positive Ergebnisse hatte. Und vor allem auch dauerhaft anhaltende Erleichterung. Die erste Erleichterung bei so einem traumatisierten Soldaten, war nach 4,75 Minuten spürbar. Das sind so krasse Zahlen, dass man es sich fast nicht vorstellen kann.

In meinen Seminaren ist es immer so, dass ich das im Theorieteil morgens vorstelle. Und mir da immer keiner glaubt. Wenn wir dann nachmittags bei der Technik sind, und jeder das an seinem eigenen Thema ausprobieren konnte, dann sehe ich immer in diese leuchtenden Gesichter. Also man wundert sich, wie schnell es geht tatsächlich auch Ängste loszulassen. Ich glaube, es ist ganz wichtig zu verstehen, wie das im Gehirn funktioniert. 

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So funktioniert Angst im Reitergehirn 

Pferdeflüsterei: Wie genau funktionieren denn die Ängste im Gehirn?

Dana: Man muss sich darüber bewusst sein, dass ganz viel über das Gefühl transportiert wird. Wenn du also ein traumatisches oder beängstigendes Erlebnis hast mit dem Pferd, dann wird das intensiv abgespeichert im Gehirn, weil es mit einem starken Gefühl verbunden ist. Irgendein Erlebnis zum Beipsiel, wo jemand einen Sturz hatte oder auch nur ein Gefühl von starker Unsicherheit oder das Gefühl von Kontrollverlust. Dieses Erlebnis ist deshalb so schmerzhaft für denjenigen, weil es mit so einem starken Gefühl verbunden ist. Und weil dieses Gefühl mit abgespeichert wird in der Erinnerung. Mit dieser Technik vergisst du natürlich nicht das Erlebnis, aber wir nehmen diese negative, emotionale Ladung raus. 

Unser Gehirn macht diesen starken Speicher und das Auslösen der Angst als Schutz, um zu sagen „wenn so eine ähnliche Situation nochmal kommt, dann pass bitte auf. Das machen wir nicht nochmal.“ Das ist eben auch das, was uns zum Verhängnis wird. Auch wenn wir dann mit dem Kopf wollen, kriegen wir immer wieder diese Alarmsignale, Dann blockiert unser Körper. Deshalb ist es so wichtig, dass man tatsächlich solche traumatischen Erlebnisse wirklich loslässt. 

Pferdeflüsterei: Wie fühlt sich das dann an?

Dana: Es ist so unglaublich, wie man diese Erleichterung im Körper spürt. Es kann sein, dass man ein Schwindel hat. Manche gähnen ganz viel. Gähnen ist auch immer loslassen. Manche weinen auch. All diese Reaktionen zeigen einfach nur eine Erleichterung, dass es jetzt einfach Frieden in einem gibt und dass diese negative Ladung nicht mehr gehalten werden muss. Es ist so erleichternd. 

Ich glaube, so viele Menschen mühen sich ab und haben Unsicherheiten und Ängste. Das ist weder fürs Pferd schön noch für einen selbst. Ich glaube, wir Reiter müssen echt anfangen, noch viel mutiger dazu zu stehen, dass auch wir Ängste und Unsicherheiten haben. Da müssen wir einfach auch mal über den Tellerrand rausgucken und nicht nur unseren Reitlehrer fragen. Sondern einfach auch mal was für uns tun. Damit wir einfach auch wieder ein unbeschwerteres Miteinander mit unserem Pferd haben können.

Pferdeflüsterei: Ja, da hast Du absolut recht. Das sehe ich tatsächlich auch so. Weil wir ja auch ganz viel von dem ausmachen, wie die Beziehung mit dem Pferd laufen kann oder wohin es als Reiter gehen kann. Jetzt hast du natürlich so die Technik so ein bisschen erklärt und ich entnehme dem auch so ein bisschen, dass man sie vor allem erstmal unter Anleitung auch angehen sollte.

Dana: Genau.

Pferdeflüsterei: Aber gibt es denn noch ein oder zwei Übungen, die du jetzt in diesem Interview machen kannst, um schon so ein bisschen loslassen zu lernen?

Dana: Gerne, da fällt mir etwas Kleines ein. Du hast ja vorhin schon gesagt, dass du jemand bist, der auch gut mit Bildern arbeiten kann.

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Zwei Übungen für ängstliche Reiter

Pferdeflüsterei: Ja, absolut.

Dana: Okay. Dann stell dir vor, dass du ein Schneidebrett vor dir hast und ein scharfes Messer. Darauf liegt eine richtig schöne, gelbe, saftige Zitrone. Jetzt möchte ich von dir, dass du diese Zitrone halbierst mit dem Messer. Das machst du auf deinem Schneidebrett. 

Und nun schneidest du dir mal so ein richtig kleines, schönes Stück von dieser Zitrone ab. Sie ist richtig schön saftig und gelb. Jetzt möchte ich, dass du dieses Stück, dass du dir mit deinem Messer abgeschnitten hast, in deinen Mund nimmst. In Gedanken. Und da richtig schön reinbeißt.

Pferdeflüsterei: Mhm.

Dana: Was passiert bei dir? Merkst Du eine körperliche Reaktion, obwohl Du gar keine Zitrone hast?

Pferdeflüsterei: Ja, ich merke einen Widerwillen, dass ich jetzt nicht in die Zitrone beissen will.

Dana: Das ist also eine kleine körperliche Reaktion auf diese virtuelle Gedankenzitrone. Ich habe aber auch schon eine krassere Reaktion gehabt, zum Beispiel dass tatsächlich Speichelfluss da ist. So oder so, das zeigt dir, dass es unserem Gehirn ehrlich gesagt egal ist, ob du etwas tust, oder nur daran denkst es zu tun. Also ob du die Zitrone wirklich hast und reinbeißt oder ob du nur so tust, als wenn du eine hättest. 

Das ist für dein Gehirn völlig gleich. Das hat sich die Raumfahrt schon vor Jahrzehnten zunutze gemacht. Die haben ja nun mal nur einen Start und können das nicht 1000 Mal üben. Die Piloten müssen es bei dem einen Mal perfekt machen. Es muss alles abgestimmt sein. Es reicht, wenn sich die Piloten das vorstellen, was sie machen müssen. In der Reihenfolge, in der sie es machen müssen. Das ist eine ganz wichtige Übung, die ich heute gerne allen mitgeben möchte. 

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Pferdeflüsterei: Jetzt kommt die zweite Übung?

Dana: Genau :-) Es kann unglaublich helfen. Ich bitte also all deine Leser tatsächlich anzufangen, bevor sie zum Pferd gehen oder auch abends, wenn sie im Bett liegen, sich vorzustellen, wie möchte ich denn das Zusammensein mit meinem Pferd haben? Zum Beispiel, wenn etwas nicht klappt. Es ist hilfreich, dass man tatsächlich erstmal mit seiner Vorstellungskraft arbeitet und sich vorstellt, dass es funktioniert. Je mehr Sinne du reinnehmen kannst in dieses Bild,  desto besser. 

  • Je mehr du siehst, was passiert. 
  • Je mehr du hörst, was vielleicht noch um dich rum ist. 
  • Je mehr du spürst, wie sich das für dich und dein Pferd anfühlt. 

Je mehr Sinne du mit in dieses Bild nehmen kannst, desto realistischer wird es für dich. Desto mehr kann dein Pferd dir folgen. Wenn du dir so ein Bild vorstellst, dann schaffst du sogenannte Gehirnautobahnen. 

Das heißt, wenn du einen Gedanken das erste Mal denkst, dann ist er noch ziemlich schwach und hat noch nicht so besonders viel Kraft. Aber wenn du ihn öfter denkst und wenn du dir so ein Bild dazu erschaffst, dann gewinnt er richtig an Kraft und Stärke. Dann wird er wie eine Gehirnautobahn. Das heißt, dein Gehirn wird dir das dann in den Situationen auch sehr schnell anbieten. Gedanken, die du oft denkst und Bilder, die du oft siehst in deinen Gedanken, bietet dir dein Gehirn immer wieder gern an. Du kannst sozusagen Pferdetraining für dich auch ganz alleine Zuhause machen, indem du dir erstmal alles vorstellst und dann kann dein Pferd dir tatsächlich auch folgen.

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Pferdeflüsterei: Wenn man beim Pferd ist, kann man sich ganz konkret Bilder im Kopf erschaffen von den nächsten Schritten. Und tatsächlich machen die Pferde das dann sehr oft, wenn man sich das nur schön genug vorstellt. Von Aufgabe zu Aufgabe im Kopf.

Dana: Genau. Und was ich auch noch empfehlen kann, ist tatsächlich, sich noch diese Minute Zeit zu nehmen, und dir ein qualitatives Miteinander vorher vorstellen. Vielleicht ist einfach nur eine Qualität, die du dir wünscht. Oder vielleicht ist es auch tatsächlich eine Übung, die du mal wieder machen möchtest. 

Zum Beispiel wenn jemand Angst vorm Angaloppieren hat, dann ist es vielleicht ein Bild davon, dass ich entspannt angaloppieren kann. Wenn ich dann bei meinem Pferd bin, würde ich bevor ich aufsteige, mir nochmal eine Minute Zeit nehmen und mir das dann nochmal vorstellen, in meinem entspannten Modus. Dann überträgt sich dieses Bild auch auf das Pferd. Das gibt einen Raum, den man miteinander teilt. Dann kann ich meine Vision nochmal auf das Pferd übertragen. 

ZWEI ÜBUNGEN FÜR MEHR RUHE UND GELASSENHEIT MIT DEM PFERD

Pferde lieben starke Persönlichkeiten, deswegen sollte unser größtes Ziel sein eine starke und gelassene Persönlichkeit zu werden. Deswegen freue ich mich sehr, dass die Expertin in Sachen Persönlichkeitsentwicklung für Pferde, Dana Santana, jetzt zwei einfache und geniale Übungen für dich hat, wie du mehr Ruhe und Gelassenheit bekommen kannst, bevor du zum Training an den Stall gehst und so effektiver trainieren kannst.

Zwei Übungen für mehr Ruhe und Gelassenheit mit dem Pferd 1

MEHR GELASSENHEIT MIT DEM PFERD

Du bekommst im Interview zwei Übungen, die du ganz einfach zuhause oder auf dem Weg in den Stall machen kannst, um dich zu erden und mehr Ruhe und Gelassenheit zu bekommen. Genau das wird dein Pferd an dir lieben und besonders gerne zu dir kommen. Damit du eine noch entspanntere Zeit mit deinem Pferd haben und auch du selbst entspannter, zufriedener und glücklicher werden kannst.

WARUM ES VOR ALLEM AUF UNSERE INNERE STIMMUNGSLAGE ANKOMMT IM PFERDETRAINING

Dana Santana verbindet erfolgreich die Themen Persönlichkeitsentwicklung und Pferdetraining. Weil Pferde starke und gelassene Persönlichkeiten lieben. Der schnellste und einfachste Weg zum Herzen deines Pferdes ist es also genau so eine Persönlichkeit zu werden. Wie das geht erzählt sie dir im Interview.

Pferdeflüsterei: Einen guten Pferdemenschen macht das richtige Mindset aus. Also der richtige Fokus, die richtige innere Stimmungslage. Ganz praktisch gefragt: Wie kann ich mir das denn mit einer Übung erarbeiten?

Dana: Das gängige ist ja, dass wir aus der Schule oder aus dem Job nach Hause kommen, relativ kurz zuhause sind oder vielleicht sogar gleich vom Job aus in den Stall fahren. Das heißt, wir sind noch relativ gestresst von unserem Alltag und haben ihn auch noch wie einen Rucksack dabei. Wir sind dann schon auf einem gewissen Erregungslevel und kommen zu unserem Pferd, das den ganzen Tag mit seinen Kumpels gestanden hat. Sich ein bisschen bewegt hat, Spaß und etwas zu Essen hatte und ziemlich entspannt ist.

Man muss dazu wissen, dass Pferde wenn sie im Ruhezustand sind in anderen Gehirnwellen unterwegs sind als wir. Das ist ein bisschen vergleichbar wie bei uns, wenn wir abends kurz vor dem Einschlafen sind. Oder morgens, wenn wir noch ein bisschen, im Dämmerzustand sind. Manche kennen es auch aus der Meditation. Wenn man schon noch ein bisschen was wahrnimmt, aber dieser ganze Alltagsstress noch nicht so da ist.

Pferdeflüsterei: Die Pferde haben quasi eine andere Form von Ruhe-Chillout-Modus?

Dana: Genau. Im Grunde gibt es einen Alpha- und einen Betawellenfrequenzbereich. Es ist eben so, dass Pferde im Grunde wenn sie im normalen Zustand sind, in einem sehr viel ruhigeren Modus sind als wir Menschen. Dann musst du dir vorstellen, dass du dahin kommst mit dem ganzen Stress, den du heute hattest. Und du kommst in Stall und sagst, so, jetzt habe ich auch echt nicht so viel Zeit und dann willst du dein Pferd schnell einfangen, aufzäumen oder putzen. Dieser ganze Stress, mit dem wir hinkommen färbt natürlich auch ab aufs Pferd. Die Pferde verstehen das auch gar nicht. Sie können überhaupt nicht nachvollziehen, warum wir so gestresst sind.

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ZWEI ÜBUNGSTIPPS FÜR MEHR SICHERHEIT UND RUHE MIT DEINEM PFERD

Pferdeflüsterei: Die sind quasi dann im Zen und chillen. Wir reissen sie da raus und bringen Hektik rein – ein Zustand den Pferde gar nicht so gerne mögen. 

Dana: Genau. In meinen Seminaren mache ich immer eine Übung, die kann auch jeder für sich zuhause machen. Oder kurz bevor man zu seinem Pferd geht, dass man sich einfach fünf Minuten nimmt und ganz tief atmet. Wirklich tief in den Bauch hineinatmet. Das ist gerade für uns Frauen eine ganz wichtige Übung, weil wir heute häufig nicht so tief in den Bauch atmen  wollen, weil wir dann denken, unser Bauch sei zu dick und so weiter….

ÜBUNG 1 FÜR MEHR ZEN MIT DEM PFERD

Pferdeflüsterei: Naja, bei den engen Reithosen… ;-) 

Dana: (lacht), Ohja! Trotzdem ist die Bauchatmung wichtig. Eine Bauchatmung bedeutet, dass dein Bauch sich – wenn du die Hand vorne drauflegst – nach vorne wirklich auswölbt. Also wenn du einatmest, sollte tatsächlich die Luft so tief in den Körper reingehen, dass dein Bauch spürbar sich nach vorne ausdehnt. Jetzt kommt die Übung: 

  1. Das machst du ein paar Mal 
  2. Dann lässt du diesen Atem gedanklich tiefer fließen in deine Beine. In deinen rechten und linken Oberschenkel. 
  3. Und mit dem nächsten, tiefen Atemzug atmest du dann noch tiefer. Aus deinem Bauch heraus in deine Oberschenkel bis in deine Knie. Und lässt deinen Atem dann fließen bis in deine Unterschenkel, bis hin zu deinen Füßen. 
  4. Dann kannst du noch ein paar Atemzüge bis in deine Füße nehmen. 
  5. Und wenn du da gut angekommen bist, dann stellst du dir vor, wie dieser tiefe Atem in deine Füße weiterfließt, und aus deinen Füßen gleichzeitig Wurzeln wachsen in den Boden. Und das kann eine große, feste, starke Wurzel sein, die dich so richtig erdet. Und fest an die Erde bindet. Oder das können auch viele kleine Wurzeln sein, die sich verzweigen, und die dir ganz viel Stabilität und Sicherheit in der Erde geben. 
  6. Diese Wurzeln werden genährt über deinen Atem. Über deine Füße in die Erde.
  7. Und dann kannst du dir vorstellen, wie diese Wurzeln immer weiterwachsen, bis zur Mitte der Erde. Oder sogar darüber hinaus. Und sie kommen irgendwo anders wieder hervor. Vielleicht als kleine Blume, die erblüht. Ganz wie du möchtest. 

Wenn die Menschen diese Übung machen, dann erden sie sich. Wenn sie geerdet sind, dann sind sie schon einmal deutlich ruhiger und damit näher an der Stimmung dran, die dein Pferd üblicherweise hat. 

ÜBUNG 2 FÜR MEHR ZEN MIT DEM PFERD

Pferdeflüsterei: Ich bin es jetzt auch. Ich bin so mit reingerutscht gerade. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass das sehr gut funktioniert.

Dana: Ja, also es funktioniert sehr gut. Am besten ist es, wenn man steht und beide Beine tatsächlich auf der Erde stehen. Und dann kannst du das auch für dich selbst machen. Lass dir ein bisschen Zeit mit der Übung und dann ist das eine ganz tolle erste Übung, um sich zu erden. Eine zweite Geschichte, was man auch machen kann, ist eine Intervention aus der Aufstellungsarbeit. 

  1. Du kannst deine Hände vor dich nehmen, als wenn sie zwei Schalen wären – etwa auf Beckenhöhe. 
  2. Dann kannst du dir vorstellen, wie über deine Arme, aus deinen Schultern der ganze Stress, den du heute oder vielleicht sogar die ganze Woche hattest, in deine Hände fließt. 
  3. Es kann sein, dass deine Hände immer schwerer werden, und denk wirklich an jede Situation, die dich gestresst hat in dieser Woche. Lass sie einfach in deine Hände fließen. 
  4. Vielleicht werden deine Schultern auch schwer. Von all den Dingen, die dich diese Woche mitgenommen, gestresst, bewegt haben. 
  5. Lass all das einfach abfließen in deine Hände. Die vielleicht immer schwerer werden. 
  6. Und wenn du das Gefühl hast, dass es gut ist, dass du all das jetzt in deinen Händen spüren kannst, dann kannst du dich einmal hinknien und einfach deine Hände so öffnen, als wenn du etwas ausgießen willst. Als wenn du es ablegen willst, wie so ein Paket, dass du abstellst. 
  7. Dann drehst du dich einfach um und hast sozusagen den ganzen Stress rausfließen lassen aus deinem Körper. Der steht jetzt einfach neben dir. Der belastet dich nicht mehr. 
  8. Danach kannst du deine Hände ein bisschen „waschen“, dir das Gesicht ein bisschen „waschen“ – also ohne Wasser. Einfach in dem du deine Hände aneinander reibst. 

Dann fühlt man sich in der Regel auch leichter. Das ist eine ganz schöne Übung, um den Alltagsstress einmal loszulassen, bevor man zum Pferd geht.

Pferdeflüsterei: Ich liebe solche Bilder. Ich hatte auch immer das Bild von giftiger, roter Farbe, die ich durch meinen Körper in die Hände gleiten lasse und dann wie Pulver in die Luft weit wegwerfe. Bilder helfen sehr um Negatives loszuwerden und Positives anzuziehen. Dann wird man wiederum spannender für das Pferd. Wenn man eine in sich ruhende, gesetztere Persönlichkeit ist, als der Gestresste, der an den Stall gerannt kommt. 

Dana: Es ist im Grunde wie ein Schlüssel-Schloss-Prinzip. Wenn du in so einem ruhigeren Zustand bist und nicht mehr in diesem Bürostressmodus oder Alltagsstressmodus, dann kann dein Pferd dich ganz anders wahrnehmen. Das ist sonst nicht möglich. Und wenn du dich in diesen Zustand begibst, dann hast du einfach einen ganz anderen Zugang zu deinem Pferd und kannst viel besser reinspüren und viel besser sehen und wahrnehmen. Und kannst eben dadurch einfach auch schon ganz tolle Momente mit deinem Pferd haben.

Pferdeflüsterei: Vielen Dank für die Übungstipps und Fakten zum Zenmode und den Gehirnwellen.

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Kommentare (2)

Hallo liebe Petra,
schönes Interview. Die Macht der Gedanken ist groß, das erlebt man z.Bsp. daran, wie sehr Worte verletzen können, sich sofort ins Hirn "einbrennen" und ewig wehtun. Aber es geht auch andersrum, wie beschrieben. Ich habe mir als Kind genau vorgestellt , wie ich auf einem Pferd sitze und reite. Habe es auf einem Stuhl "geübt" und dann viel es beim richtigen Reiten leicht. ;)
Jetzt bin ich dabei mir vorzustellen, wie der Umzug in den neuen Stall ablaufen soll, vom Weg bis dahin (wir laufen) bis zum ersten Kontakt mit den neuen Pferden. Ich rede mit meinem Pferd auch darüber. Klingt für viele sicherlich komisch, aber ich denke es hilft mir entspannt zu bleiben und hilft damit auch ihm.
Euch weiterhin einen schönen Sommer, wenn auch vielleicht nicht so heiß.
Liebe Grüße Claudia

Hallo liebe Claudia, tatsächlich habe ich mit meiner Stute auch über den Umzug gesprochen und ich denke auch, dass es ihr geholfen hat. Sei es die Emotion, die ich dabei hatte. Das kann ich gut verstehen. Ich drücke dir fest die Daumen für den Umzug und schicke viele liebe Grüße, Petra

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