Hoher Schweif, riesige, geblähte Nüstern und ein Profi mit Knick: So stellt man sich ihn vor, den reinrassigen Vollblutaraber. Die sensiblen Pferde sind echte Ausdauertalente, wahnsinnig menschenbezogen und extrem intelligent. Gerade bei Freizeitreitern wird das arabische Vollblut immer beliebter – zu recht. Hat man sein Herz gewonnen, belohnt es den Menschen mit seiner Treue und Loyalität.

Vollblutaraber: Das edle Wüstenpferd

Vollblutaraber sind robust, genügsam und ausdauernd und damit perfekt an das karge Leben in der Wüste angepasst. Natürlich sind die Pferde auch abseits von Sand und Dünen tolle Partner für ihren Menschen. Wegen ihrer Sensibilität und Lebhaftigkeit brauchen sie aber Zweibeiner, die sie zu nehmen wissen.

Größe

Vollblutaraber haben ein Stockmaß zwischen 140 und 158 cm.

Farbe

Oft sind Vollblutaraber Schimmel oder Fliegenschimmel, es gibt aber auch Füchse, Braune und Rappen. Schecken werden akzeptiert.

Araber oder Vollblutaraber?

Araber ist ein Sammelbegriff. Der Vollblutaraber, auch arabisches Vollblut genannt, stellt dabei die rein gezogene Form des arabischen Pferdes dar. Gehen alle seine Abstammungslinien auf Vollblutaraber der Beduinenzucht aus der arabischen Halbinsel zurück, wird er als „asil“, „edel“, bezeichnet. OX ist das Kennzeichen in deutschen Papieren für einen reinrassigen Vollblutaraber.

Shagya- und Anglo-Araber oder arabische Halbblüter tragen einen Fremdblutanteil. Araber sind laut Zuchtverband VZAP (Verband der Züchter und Freunde des Arabischen Pferdes e.V.) jene Pferde, die nicht bei anderen Araberrassen eingetragen werden können, weil sie nicht als reinrassig gelten. Außerdem gibt es in Deutschland den ZSAA (Zuchtverband für Sportpferde arabischer Abstammung e.V.). Er kennt nochden  Arabisch Partbred Typ Deutsches Reitpferd, den Arabisch Partbred Typ Spezial und den Pintabien.

Körperbau: Elegant und schlank

Der Vollblutaraber ist ein mittelgroßes, schlankes und edles Pferd, das im Quadrattyp steht.

  • Er hat einen trockenen Kopf mit einer breiten Stirn und großen, recht tief angesetzten Augen. Die Nüstern sind groß, beweglich und stark geweitet, die Ohren klein und beweglich. Abhängig vom Zuchtgebiet haben Araber einen Hechtkopf, auch Araberknick genannt, zu dem oft eine stark gewölbte Stirn gehört. Es gibt aber auch Vollblutaraber mit geradem Profil.
  • Die Ganasche ist kräftig, das Genick leicht. Der hoch angesetzte Hals ist sehnig und lang und besitzt eine harmonische Wölbung.
  • Die Schultern sind nicht zu schräg, der Widerrist ist ausgeprägt. Er geht in einen starken, kurzen Rücken über. Die Kruppe ist gerade oder nur leicht schräg mit einem sehr hoch angesetzem Schweif. Die Sprunggelenke sind nicht stark gewinkelt.
  • Die Beine des Vollblutarabers sind mittellang, hart, schlank und trocken. Ihre Gelenke sind stabil, aber nicht zu groß, die Fesseln schräg und kurz. Ihre runden Hufe sind hart.
  • Araber besitzen ein kurzes, weiches und seidiges Fell. Mähne und Schweif sind glatt und weich, lang und dicht.
  • Vollblutaraber unterscheiden sich im Skelett von anderen Rassen. Sie besitzen meist 17 Rippen, fünf Lenden- und 15 Schweifwirbel. Andere Pferde haben 18 Rippen, sechs Lenden- und 16 bis 18 Schweifwirbel.
  • Es gibt Araber, die tatsächlich tölten können. Für die ursprüngliche Zucht und das Leben in der Wüste waren zu aufwändige Gänge aber nicht passend. Vollblutaraber haben insgesamt federnde Gänge.

Wesen und Talente: Sanft, ausdauernd und hochintelligent

Das arabische Vollblut besitzt ein sehr sanftes Wesen und ist ausgesprochen menschenbezogen. Es will seinem Besitzer gefallen. Dazu bringt es eine große Intelligenz und eine hohe Lernbereitschaft mit.

Araber sind temperamentvoll, sehr sensibel und lebhaft. Die Zucht wünscht sie sich unkompliziert und nervenstark: Die Pferde sollen eine vielseitige Veranlagung mitbringen und eine hohe Leistungsbereitschaft. Sie sollen ausdauernd sein und sich schnell regenerieren können. Die Rasse gilt als robust und genügsam.

Wegen ihres Wesens und ihrer Vielseitigkeit zählen Vollblutaraber zu den beliebtesten Pferderassen für Freizeitreiter. Sie werden im Wanderreiten und im Westernreiten eingesetzt, besitzen aber auch Talent am Sprung.

Ihre Paradedisziplin ist aber der Distanzsport: Dort können sie ihre beeindruckende Ausdauer, Schnelligkeit und Härte unter Beweis stellen. Auf der arabischen Halbinsel sind auch spezielle Araberrennen sehr beliebt.

Araber haben den Ruf, nicht immer einfach zu sein und zu hysterischem Verhalten zu neigen. Sie können eine grobe Hand und Ungerechtigkeit nicht gut wegstecken und brauchen wegen ihres sensiblen Wesens einen Menschen, der darauf einzugehen vermag. Dann gehen die Pferde für ihren Zweibeiner durchs Feuer.

Zuchtgeschichte: Kaum eine Pferderasse hat der Araber nicht beeinflusst

Das arabische Vollblut gilt als eine der ältesten Pferderassen der Welt. Seit dem 7. Jahrhundert wurde es von den Nomaden und Beduinen der arabischen Halbinsel als Reit- und Kriegspferd gezüchtet. Die Pferde lebten mit ihren Menschen in den Zelten, ernährten sich von Kamelmilch und Datteln.

Die Lebensbedingungen in der unwirtlichen Wüste, heiße Tage und kalte Nächte, wenig Wasser und karges Futter und die Zucht brachte ein hartes, ausdauerndes und robustes Pferd mit einwandfreiem Charakter hervor. Die Nomadenvölker achteten gleichermaßen auf eine reine, unverfälschte Zucht und auf Schnelligkeit.

Durch die islamische Expansion in Spanien verbreitete sich die Rasse – ihr Wesen, ihre Leistungsbereitschaft und Schönheit wurden von Fürsten und Monarchen schnell geschätzt und lieben gelernt. Im 16. und 17. Jahrhundert brachte die Armee der Türken zahlreiche Vollblutaraberhengste nach Europa. Im 19. Jahrhundert kauften europäische Fürsten Vollblutaraber direkt von der arabischen Halbinsel und Syrien, um mit den Hengsten ihre eigenen Zuchten zu veredeln und mit den Stuten Reinzuchten aufzubauen. Das moderne Sportpferd in Europa hat deswegen arabische Wurzeln, und auch das englische Vollblut geht auf drei orientalische Hengste zurück: Der Stammvater Darley Arabian war ein asiler Wüstenaraber. Kaum eine Rasse wurde nicht vom Araber beeinflusst.

Auch heute werden Vollblutaraber eingesetzt, um Warmblüter zu veredeln, härter, gesünder und schöner zu machen.

Araber werden heute auf der ganzen Welt gezüchtet – in den USA, Großbritannien, Polen, Ägypten, Russland und Deutschland. Seuchen hatten die asilen Tiere in ihrer ursprünglichen Heimat fast aussterben lassen. Mit Reimporten wird auf der arabischen Halbinsel deswegen nachgezüchtet. Nur in Bahrein und Ägypten gibt es noch Linien, die auf die reine Wüstenzucht zurückgehen.

Abhängig von der Herkunft verfolgen die Züchter unterschiedliche Zuchtziele – es wird zwischen den Vollblutarabern aus den verschiedenen Ländern unterschieden. Außerdem wurden nicht nur Vollblutaraber gezüchtet, sondern auch Rassen wie Shagya-Araber und Anglo-Araber entstanden.

Legenden

Die Zucht wurde der Legende nach vom Propheten Mohammed begründet – und die Namen seiner Stuten sind heute noch in den alten Linien zu finden. Der Legende nach gerieten im Jahr 622 Mohammed und seine Begleiter in einen Sandsturm. Als die Karawane am Abend einen Brunnen erreichte, rief Mohammed die durstigen Stuten zurück. Fünf kamen zurück – mit diesen folgsamen Tieren soll die Zucht begründet worden sein.

Eine andere Legende rankt sich um die Erschaffung des Pferdes durch Gott. Er soll aus einer Handvoll des Südwinds den Araber erschaffen haben – ein Geschöpf zur Ehre der Heiligen, zur Erniedrigung der Feinde und aus Huld für die, die gehorchen.

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