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Tennessee Walking Horse

  • Nadja 

Sie sind leichttrittige, elegante Gangpferde und vor allem im Süden und Südosten der USA beliebt und bekannt: Die eleganten Tennessee Walking Horses. Ihre Spezialgänge machen sie nicht nur zu äußerst sitzbequemen und ausdauernden Freizeitpferden. Tennessee Walker sind auch bekannt für ihr sanftes und freundliches Wesen.

Tennessee Walking Horse: Das gangstarke Pferd aus dem Süden der USA

Früher wurden sie wegen ihrer Trittsicherheit und bequemen Gänge auf der Arbeit auf Plantagen und Farmen sowie im amerikanischen Bürgerkrieg eingesetzt. Heute sind Tennessee Walker beliebte Gelände- und Freizeitpferde.

Liebhaber präsentieren sie auf Shows, wo sie ihre speziellen Gänge, einen schönen regelmäßigen Takt  – also vor allem einen gleichmäßigen Gang unter Beweis stellen sollen.

Größe

Der Tennessee Walker kann jede Größe haben – es gibt alles vom Pony bis zum Großpferd. In der Regel ist der Tennessee Walker zwischen 1,45 und 1,73 Metern groß.

Farbe

Es gibt die Rasse in allen Farben und Farbvarianten, Sonderfarben und Schecken eingeschlossen.

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Körperbau: Leicht, mittelgroß und harmonisch

Das Tennessee Walking Horse ist ein leicht gebautes, elegantes wie mittelgroßes Pferd mit harmonischen Proportionen.

Wir beschreiben dir jetzt das Rasseideal – dazwischen gibt es natürlich alle “Spielarten”:

  • Es hat im Idealfall einen ausdruckstarken geraden Kopf
  • Die Schulter ist lang und schräg
  • Der hoch angesetzte und aufrechte Hals ist gut bemuskelt und etwas länger, um ihren “Headshake” gut umsetzen zu können – der Hals balanciert das ganze sozusagen aus. Je länger der Hals – desto akzentuierter ist der “Headshake”
  • Der Widerrist ist meist eher ausgeprägt
  • Die Tennessee Walker haben einen geraden, recht kurzen Rücken mit einer starken Lendenpartie und einer langen, schrägen Kruppe
  • Ein besonders Merkmal: Eine harmonische Oberlinie soll lange Schritte und elegantes Schreiten befördern
  • Die Hufe klein und hart
  • Außerdem haben die Pferde aus Tennessee einen hoch angesetzten Schweif und oft sehr feines und langes Langhaar

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Eine Rasse mit mindestens drei Spezialgangarten

Die Tennessee Walking Horses sind bekannt für ihre weichen, bequem zu sitzenden Gangarten. Sie können alle drei klassischen Gangarten (Schritt, Trab, Galopp), haben aber zusätzlich noch die Fähigkeit den Schritt schneller und akzentuierter zu gehen:

  • Diese speziellen “Gangarten” heißen bei den Tennessee Walkern “Flat Walk” und “Running Walk”. Das ist im Grunde nur eine Geschwindigkeitssteigerung im Schritt. 
  • Ihr Galopp ist dann der sogenannte “Canter”. Der Trab wird in den Shows bei den Tennessee Walkern nicht auf geritten, ist aber natürlich trotzdem eine wichtige und gute Gangart für das alltägliche Reiten und Gymnastizieren. 

FLAT WALK: Typisch für die Rasse ist der sogenannte „Flat Walk“, ein Viertakt mit schnelleren Schritten als der normale Schritt. Die Hinterhufe treten dabei weit über die Spuren der Vorderbeine hinaus. Der “Flat Walk” ist zwischen 8 bis 11 Stundenkilometern schnell – die Pferde nicken dabei mit dem Kopf (= Head Shaking).

RUNNING WALK: Die schnellere Variante der Gangart heißt “Running Walk” – sie erreicht bis zu 16 Stundenkilometer, was dem Trab anderer Rassen entspricht. Auch hier ist das Übertreten ein wesentliches Merkmal, auf das Züchter und Trainer großen Wert legen. Typisch für den “Running Walk” ist außerdem die hohe Knieaktion.

Es treten auch weitere Varianten des “Running Walk” wie “Rack” (Tölt), “Stepping Pace” (eine Art Schritt-Pass-Gemisch), “Fox-Trot” (eine Art Trab-Schritt-Gemisch) oder “Single-Foot” (so eine Art Schrittverschiebung) auf. Das sind Gangverschiebungen – die sind aber auf Shows nicht gewünscht.

Reiter auf Tennesse Walking Horse

Hier reitet Coach und Bloggerin Steffi von “Science for Soundness” – (die Präsidentin der “European Tennessee Walking Horse Association”) ihre Walkerstute Sun

Der Galopp heißt “Canter” und ist ein ganz normaler weicher Galopp.

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Charakter und Talente: ein sanftmütiges Freizeitpferd

Wegen ihres sanften, gutmütigen Charakters und der super bequemen Gänge sind Tennessee Walker in den USA als Freizeit- und Familienpferde sehr beliebt. Sie haben ein freundliches, ruhiges Wesen, sind intelligent, menschenbezogen und dabei sehr leichttrittig.

Im Prinzip ist die Rasse ein echter Allrounder – sie haben früher die Familie mit der Kutsche in die Kirche gezogen, die Kinder zur Schule gebracht und den Alltag mit den Familien gestaltet. Sie können auch Dressurlektionen und Springen oder Vielseitigkeit, aber wegen ihrer Gangveranlagung sind sie vielleicht nicht die perfekte Wahl für Hardcore-Dressurreiter oder Springprofis – weil Tragkraft oder Hankenbeugung nicht zu ihren besten Disziplinen gehören.

Dafür sind sie sehr gute Geländepferde und auch Ausdauerwettbewerbe sind mit ihnen möglich. Mittlerweile gibt es auch in Europa und Deutschland immer mehr Tennessee Walking Horses und eigene Vereine – wie die “European Tennessee Walking Horse Association” – du kannst dir auf der Seite des Vereins mehr Infos über die Rasse holen. 

In den USA sind die Tennessee Walking Horses auch und vor allem als Showpferde beliebt und bekannt. Doch das hat sehr dunkle Schattenseiten.

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Soring: Tierquälerei von Pferden zu Showzwecken

Für die Wettbewerbe und Shows mit Tennessee Walkern gibt es zwei Kategorien: “Flad Shod” und “Performance”. Da kommen spezielle schwere und ungewöhnlich gebogene Hufeisen zum Einsatz, die in Amerika als ganz normal angesehen werden.

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In den „Performance“-Prüfungen wird zusätzlich eine extreme Beinaktivität gefordert – die Pferde werden deswegen an den Vorderhufen mit Stapeleisen und anderen Gewichten beschlagen und mit Ketten behängt, um die begehrten Manöver und exaltierte Aktion ausführen zu können. Auch das ist weder für die Anatomie oder den Pferdekörper auch nur Ansatzweise pferdefreundlich. Damit die Pferde mit 2 Jahren schon vorgestellt werden können, müssen sie schon als Jährlinge damit trainieren. Der “Stil” nennt sich „Big Lick“.

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Die drei Gewichtsklassen von “Hufeisen” für die armen Pferde

Soring bei Tennessee Walkern – grauenvolle “Methode”

Und dabei entwickelte sich in der Mitte des letzten Jahrhunderts die Praxis des Sorings: Den Pferden wird eine ätzende Salbe auf dem Kronrand aufgetragen, mit dem Ziel, dass sie die Vorderbeine nach dem schmerzhaften Aufsetzen sofort wieder anheben. Auf diese schmerzhaften Stellen werden im Training die Ketten gelegt – so dass die Pferde letztlich auch die Ketten mit den Schmerzen verbinden. Wenn dann beim Turnier die Ketten angelegt werden – auch ohne die ätzende Salbe, heben die Pferde alleine wegen der Ketten und ihrem Schmerzgedächtnis die Beine höher.

Auch andere grauenvolle Methoden wie Schnitte, Verbrennungen, chemische Mittel, Injektionen oder der Einsatz von Nägeln oder Schrauben, zu eng beschlagene Hufeisen kommen bis heute leider immer wieder zum Einsatz – alle mit dem Ziel, dass die Pferde bei den Shows spektakulärer laufen.

Stewarding – auch eine der vielen grauenvollen Methoden

Zwar können Lahmheiten, Verletzungen und Entzündungen schnell erkannt oder ertastet werden. Doch manche Trainer bestraften ihre Tiere im Vorfeld von Shows, wenn sie Schmerzreaktionen bei der Berührung zeigten. Es gibt dafür sogar ein Wort – „Stewarding“. Andere benutzten Anästhetika, die nicht mehr nachweisbar sind oder Beschläge, die per se Druck ausübten. Diese ganze – nennen wir es mal – Industrie – war so verdorben, dass es sogar beobachtet wurde, wie bestimmte Trainer die Shows sofort verließen, wenn sie feststellten, dass strengere Inspektionsteams anwesend waren.

Vor diesem Hintergrund wurde 1970 viel zu spät der Horse Protection Act (HPA) verabschiedet – zum Schutz des Tennessee Walking Horse, das als Rasse am häufigsten von der Praxis des Sorings betroffen war. Das Gesetz verbietet das Soring und den damit einhergehenden Missbrauch – bei angedrohten Geld- und sogar Gefängnisstrafen. Leider bringt das in der Realität viel zu oft nichts.

Das Landwirtschaftsministerium der Vereinigten Staaten (USDA) zertifiziert bestimmte Organisationen der Pferdebranche (HIO), um designierte qualifizierte Personen (DQP) für Inspektionen auf Wettbewerben auszubilden und zu lizenzieren. 1999 gab es noch acht zertifizierte HIO, 2010 nur noch drei.

Doch das Soring wird immer noch praktiziert. Die Durchsetzung des Schutzgesetzes gestaltet sich schwierig, da das Budget für schärfere Kontrollen fehlt und manche Veranstalter selbst solche Inspektoren beauftragen, die nicht so genau hinsehen.

2013 sollte ein Gesetz das HPA stärken, doch der Verwaltungsrat der Züchter- und Ausstellervereinigung der Rasse, TWHBEA, stimmte dagegen. 2016 wurden erneut strengere Regeln vom Landwirtschaftsministerium für die Shows vorgeschlagen – samt strengeren Kontrollen.

Die Kontroverse über das Soring führte zu einer Spaltung innerhalb der Zuchtgemeinschaft weltweit, zu strafrechtlichen Anklagen und zur Gründung mehrerer getrennter Zuchtorganisationen.

Zum Abschluss noch ein paar schöne Gedanken zu den Pferden – denn diese gewaltsamen Methoden haben nichts am Pferd verloren und sagen nichts über die Rasse aus – nur über den grauenvollen Umgang und die Grausamkeit der Menschen. Deswegen bekommst du jetzt abschließend noch ein paart schöne Infos zu der Pferderasse und der Zucht.

Zucht: Vom Arbeitspferd zum Freizeitpferd

Der Tennessee Walker entstand wohl aus der Kreuzung von Narragansett Pacer- und Canadian Pacer-Pferden, die ab 1790 aus Kentucky nach Tennessee importiert wurden. Auch spanische mehrgängige Mustangs sollen aus Texas zugekauft worden sein. Mit diesen Pferden wurde auf den Kalkweiden von Middle Tennessee gezüchtet – sie wurden als “Tennessee Pacers” bekannt.

Der Ursprungsgedanke war, leichtfüßige und trittsichere, wendige und vor allem sitzbequeme Allzweckpferde für die Arbeit auf Plantagen und Farmen zu züchten, die mit dem felsigen Gelände gut klarkamen. Sie wurden zum Reiten und zum Ziehen von Lasten, aber auch als Rennpferde eingesetzt. Im Laufe der Jahre wurden auch Morgans, Standardbreds, Vollblüter und American Saddlebreds eingekreuzt.

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Wegen ihrer bequemen Gangarten setzten viele Generäle im amerikanischen Bürgerkrieg Tennessee Walking Horses ein. Der Hengst Black Allan, eine Mischung aus Morgan Horse und Standardbred, wurde 1886 zum Urvater der Rasse. Er brachte keine natürliche Trabveranlagung mit. Sein Sohn Roan Allan war dann ein Mehrgänger und weiterer Vorfahr der heutigen Walker.

  • 1935 wurde die Tennessee Walking Horse Breeders’ Association gegründet, die seit 1974 Tennessee Walking Horse Breeders’ and Exhibitors’ Association (TWHBEA) heißt.
  • Das Zuchtbuch wurde 1947 geschlossen, drei Jahre später wurde die Rasse vom US-Landwirtschaftsministerium offiziell als eigenständig anerkannt.
  • Seit 1992 gibt es die European Tennessee Walking Horse Association für den europäischen Bereich.
  • Seit 2000 ist der Tennessee Walker das offizielle Staatspferd des Bundesstaats Tennessee.
  • Nach dem Vollblut und dem American Quarter Horse ist es die dritthäufigste Rasse in Kentucky.
  • Jährlichen werden bis zu 15000 neue Fohlen registriert.
  • Die Rasse ist zwar im Süden und Südosten der USA am beliebtesten, kommt aber auch in anderen Landesteilen vor.

Heute werden Tennessee Walker vor allem als Show- und Freizeitpferde eingesetzt.