„Für wessen Augen reitest du?“ hat der Begründer der akademischen Reitkunst, Bent Branderup, mal gesagt. Dieser Satz schoss mir vor kurzem durch den Kopf. Und ich habe mich selbst gefragt: Für wessen Augen war ich an diesem Tag eigentlich da? Warum? Ich hatte Besuch. Drei Bloggerfreundinnen waren bei uns am Stall. Das war einerseits toll, weil die drei klasse sind. Andererseits habe ich das Wichtigste an diesem Tag kurz aus den Augen verloren: Wer ich sein muss, damit mein Pferd mich versteht. Nicht absichtlich, nicht gerne, es ist mir einfach aus der Hand geglitten. Ich erzähle dir jetzt, warum das trotzdem gut ist und wie wir lernen können solche Momente und Gedankenspiralen zu beeinflussen.

Christina von Herzenspferd, Tanja von Tash-Horseexperience und Nadja von Verstehe Pferde waren bei uns, um meine Stute und mich zu besuchen. Wir haben über Pferde geredet, über richtige Haltung, über Clickern und Horsemanship, über unsere Pferde und ihre Persönlichkeiten, positive und negative Verstärkung und über gute Pferdehaltung. Und dann sind wir an den Stall gefahren.Und ab da war alles anders als sonst.

Pferde und Energie

Anders als sonst stand Carey zögernd an der Heuraufe. Anders als sonst ist sie mir nicht entgegengekommen. Anders als sonst ist sie in der Halle nicht angetrabt auf mein leises Zeichen, anders als sonst ist sie mir nur zögerlich gefolgt, anders als sonst konnten wir weder eine Vorhand- noch eine Hinterhandwendung zeigen. Anders als sonst war sie verwirrt, unwillig und unkonzentriert. Und dafür gab es genau einen Grund: Mich!

Warum wir bestimmen, wie unsere Pferde sind

Denn ich war chaotisch, weil mir drei Pferdefrauen über die Schulter geschaut haben, von denen ich viel halte. Die drei waren klasse, die Stimmung war super – aber ich war mit meinen Gedanken trotzdem nicht bei meinem Pferd. Ich hatte keine positive Energie.

Anders als sonst habe ich mich zum Beispiel gefragt, ob mein Pferd zu mir ans Gatter kommt. Weil die anderen zuschauen. Anstatt mich einfach auf mein Pferd zu freuen.

Anders als sonst, habe ich in der Halle nicht richtig daran geglaubt, dass sie mit mir antrabt und anders als sonst war ich unkoordiniert, hektischer und habe mich ständig nach meinem Pferd umgesehen bei der Freiarbeit.

Kurz gesagt: Anders als sonst hatte ich eine Energie und eine Körpersprache, wie ein Schluck Wasser in der Kurve. Weil ich weder innere Bilder hatte noch einen richtigen Plan und mit meinen Gedanken nicht bei der Person war, die am meisten zählen sollte: Meinem Pferd.

Ich steckte in einer Gedankenspirale fest. Diese fiesen Dinger erwischen besonders gerne uns Frauen, sie haben eine Bedeutung für unsere Pferde, weil sie uns verändern und es ist wichtig, dass wir sie wieder loswerden. Wie das geht, erkläre ich dir gleich.

Carey Pferd Auge

Mehr über die richtige Energie findest du HIER in dem Buch von Susanne Kreuer über diese besondere Weisheit der Pferde und warum es so wichtig ist, dass wir Menschen einen Plan, eine Idee und die richtige Intention haben

Buch Die Weisheit der Pferde Cover PV-BUWP-X/2Positive Energie mit Pferden

Ich weiß, dass der Fokus dorthin muss, wohin wir gehen wollen. Ich weiß auch, dass ich meine Energie auf die richtige Art und Weise losschicken muss, damit das Pferd mich versteht. Positive Energie ist unglaublich wichtig, denn die Pferde spüren unsere Einstellung, Haltung und Ausstrahlung. Ich weiß auch, dass das normalerweise ausreicht, damit meine Stute antrabt und mit mir Runde für Runde mit freundlichem Gesichtsausdruck und innerem Ohr bei mir läuft. Frei.

Aber anders als sonst, war ich nicht zu 100% da. Ich war nicht ich selbst und das hat mir meine eigenständige und sensible Stute sofort gespiegelt. Weil ich – anders als sonst – Zuschauer hatte an deren Meinung mir etwas liegt.

Und auf die Frage „Für wessen Augen reitest du? von Bent Branderup hätte ich an diesem Tag antworten müssen: Nicht für mein Pferd. Für meinen Perfektionstrieb vielleicht, für meine Bloggerfreundinnen, für den Wunsch zeigen zu wollen was wir können. Aber ich will gar nicht jammern, ich will auch nicht lamentieren oder dir die Ohren vollheulen. Warum ich dir das alles erzähle?

Carey Pferd

Die Macht der Gedanken

Weil es uns allen doch manchmal mehr oder weniger so geht. Weil wir eine Idee von uns haben zum Beispiel oder weil wir eine Wunschliste an unser Pferd haben zum Beispiel. Oder weil wir negative Gedanken mit uns herumtragen, die zu Worten in unseren Köpfen werden und damit letztlich zu Taten für unsere Pferde. Weil wir den Zuschauern an der Bande etwas zeigen wollen oder weil wir uns selbst manchmal weniger zutrauen, als wir eigentlich können. Oder weil wir einfach nicht loslassen können. Weil uns Erlebnisse aus der Vergangenheit nachhängen oder weil wir Angst haben vor etwas. Egal warum – es gibt sie immer wieder, diese Momente. Die dann wieder Gedankenspiralen auslösen.

Aber wir können sie wieder loswerden und wir können lernen mit unserer Gedankenspirale umzugehen, so lange bis sie immer kleiner und kleiner und kleiner wird: 

  • In dem wir uns dieser Momente bewusst sind
  • Sie erkennen und nach und nach daran arbeiten, sie loszuwerden
  • Zum Beispiel in dem wir tief durchatmen, in dem wir uns von den schlechten Gedanken lösen
  • in dem wir entspannen und lernen loszulassen
  • Das ist ein Weg und es passiert nicht von heute auf morgen
  • Aber es kann nach und nach passieren, wenn wir uns dessen bewusst sind

Unsere Gedanken haben mehr Macht als wir vielleicht glauben. Das Schöne ist, dass wir sie positiv beeinflussen können. Zum Beispiel durch Bilder im Kopf. Ich stelle mir gerne vor wie meine Stute mit gespitzten Ohren ganz fein und leicht antrabt. Und umso mehr ich mir das vorstelle, umso schneller läuft sie oft und trabt plötzlich neben mir – ohne dass ich ihr ein Signal gegeben hätte oder losgejoggt wäre. Einfach weil ich mir dieses Bild so stark und bunt und klar vorgestellt habe. Diese Bilder können überall verwendet werden.

  • Wir können uns vorstellen, wie das Pferd auf ein ausatmen anhält
  • Wie wir gleich an der nächsten Pylone in einen schönen Schritt fallen werden
  • Wie wir entspannt am Traktor vorbeilaufen

Es gibt unglaublich viele verschiedene Situationen in denen die Bilder weiterhelfen können, weil sie sich von uns und unseren Gedanken auf unseren Körper übertragen und damit für unsere Pferde sichtbar werden.

Carey Pferd

Denn Gedanken werden zu Worten in unseren Köpfen und damit zu Taten für unsere Pferde, die jede Energie in uns spüren – die gute, die schlechte, die fokussierte, die abwesende, die losgelassene oder die angespannte. Deswegen ist es wichtig, dass wir uns der Energie in uns bewusst sind und lernen sie zu lenken.

Mehr dazu findest du HIER in dem Buch von Susanne Kreuer über diese besondere Weisheit der Pferde, das ich sehr liebe:

Buch Die Weisheit der Pferde Cover PV-BUWP-X/2

Unsere Pferde verzeihen uns unsere Unzulänglichkeiten

Das Schöne ist, dass unsere Pferde uns diese Momente verzeihen. Egal ob wir an ihnen oder an uns zweifeln. Ob wir gute oder schlechte Tage haben, ob wir eine bessere oder schlechtere Körpersprache haben – sie verzeihen uns und geben uns immer wieder die Chance der bestmögliche Mensch an ihrer Seite zu werden. Für diese unendliche Geduld mit uns, bin ich dankbar. Sie sind ehrlich, wenn wir ihnen zuhören und sie mitsprechen lassen. Dadurch helfen sie uns, ruhiger, gelassener und zufriedener zu werden. Und das wiederum ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zu uns selbst und damit auf dem Weg zu unseren Pferden.

 

Noch ein Lesetipp um die Pferde ein bisschen besser zu verstehen: Das Leben eines Pferdes – aus seinem Blickwinkel erzählt – von Sandra Schneider

Wie der Tag endete

Ich bin an diesem Abend – nachdem ich die Mädels verabschiedet hatte – nochmal zu meinem Pferd auf die Koppel. Ich habe mich ein paar Meter entfernt hingestellt und mich gefreut, dass sie mir ihren Kopf zugewandt hat. Ich habe leise zu ihr gesagt, dass ich wieder da bin. Dass diese merkwürdige Person von vorhin jetzt wieder weg ist und dann ist meine Stute mit gespitzten Ohren zu mir gelaufen und hat ihre Nase in meine Hand gesenkt und ich habe sie gestreichelt, dann wollte ich mich verabschieden.

Sie hat mich bis zum Gatter begleitet, wir sind zusammen zum Heu gelaufen und ich saß noch lange bei ihr, während sie Heu gefressen hat. Zwischendurch hat sie mich immer mal wieder mit ihrer Nase angestubst, als wollte sie sagen: Hey, schön, dass du wieder da bist.

Und ich habe mir fest vorgenommen in Zukunft immer auf die Frage: „Für wessen Augen trainierst du?“ auch mir selbst zu antworten: Für die Augen meines Pferdes.

Carey Pferd

P.S.: Schauen wir mal…

Ich ertappe mich gerne dabei, dass ich Sätze sage wie “schauen wir mal, ob Carey dieses oder jenes machen wird” und stelle immer wieder fest, dass Carey gerade dann “dieses oder jenes” eher lustlos oder gar nicht macht. Aber ich werde versuchen diese Gedanken auszuschalten und mir alleine schon den Gedanken zu verbieten, dass ich „mal schaue, ob…“. Ich freue mich jetzt schon, wenn die Mädels mal wieder vorbeikommen – denn dann werde ich versuchen die Wette mit mir selbst zu halten und kein einziges Mal den Satz “Schauen wir mal…” zu mir selbst, zu Carey oder den Mädels zu sagen. Und die Mädels –  Nadja, Tanja und Christina – dürfen mich dann gerne daran erinnern.

MAEDELS

Denn wir können diese Sätze in unseren Köpfen beeinflussen und damit können wir auch unsere Haltung beeinflussen und damit wiederum beeinflussen wir unsere Pferde.

Frage: Hast du auch solche Sätze? Die dir vielleicht immer wieder in den Kopf schießen und derer du dir gar nicht bewusst warst? Oder die du kennst und die dich immer wieder überfallen? Schreib sie mir gerne in einem Kommentar, ich freue mich auf deine Sätze.

16 Kommentare zu “In den Augen der Pferde: Warum wir uns selbst manchmal im Weg stehen

  1. Raimund Kniffki sagt:

    Hallo Petra,
    Ich kenne das Profilierungssyndrom auch. Vor ein paar Wochen war Ian Benson auf einem Lehrgang, den ich als Zuschauer begleitet habe. Im Nachgang gab es dann noch die Idee einer Privatstunde bei meinen Pferden.
    Ich war aufgeregt, weil jemand sich meine Arbeit, mein Verhältnis mit meinen Pferden ansieht, von dem ich soo viel halte, der bekannt ist und der ja so viel "besser" ist als ich. Dazu kam noch, dass er der erste "Horseman" ist, der nach 11 Jahren die ich nun mit meiner Stute verbracht habe, mal einen Blick auf uns beide geworfen hat.
    Was soll ich sagen – ich war nervös, ich war aufgeregt und im Umgang mit dem Pferd fast hektisch …

    Ja was soll ich sagen. Es ist halt so. Auch in meinen Gedanken und meinen Bildern, war ich aufgeregt und irgendwie hat meine Stute trotzdem Klasse mitgemacht – vielleicht weil ich mir meines "Zustandes" durchaus bewußt war!? Ich weiß es nicht.

    Letztlich war es – sicher auch durch die Ruhe und Erfahrung von Ian Benson – doch noch eine schöne Stunde und ich war doch sehr zufrieden. Stellte sich doch heraus, dass wir viele Ideen gemeinsam haben!

    Ja, so ist es mit den Gedanken und der Aufregung, sofern Publikum da ist, was mir als Mensch eben nicht egal ist. Da spielt dann schnell mal ein altes Muster Regie … ein wenig Schul- Atmosphäre … der Schüler in der mündlichen Prüfung!

    Es ist wie es ist … wie du schon sagst, liebe Petra!
    Wichtig ist, das es auffällt!

    Liebe Grüße
    Raimund

    • Petra sagt:

      Lieber Raimund, ja, das erwischt uns manchmal – Gott sei Dank haben wir so tolle Pferde, die uns zurückholen oder helfen. auch Carey hat trotz meiner grandios-grottigen Art an diesem Tag noch ein bisschen mitgemacht. Sie sind schon tolle Geschöpfe. Mit Ian Benson zu trainieren ist natürlich wahnsinnig beeindruckend – das kann ich mir gut vorstellen. Ich habe schon viel Gutes von ihm gehört und würde ihn gerne mal mit Pferden arbeiten sehen. Ich habe übrigens gerade gestern deinen Artikel zum Seelenpferd gelesen, in der Natural Horse. Wunderschön! Ich denke, dass ich das alles mit meiner Kleinen unterschreiben kann. Ich wollte ja eigentlich einen 8-9 jährigen verschmusten Wallach, Schecke oder Rappe… Was habe ich ? Eine damals 2-jährige Red Roan Stute mit starkem Willen und eigenen Vorstellungen 😉 und es ist genau richtig, wie es ist. Ganz liebe Grüße, Petra

  2. Tanja sagt:

    Liebe Petra!

    Sei nicht so streng zu dir selbst. Wir können nicht immer und absolut perfekte Partner für unsere Pferde sein. Ich glaube, Carey nimmt dir den Tag nicht übel und überhaupt: Man konnte eure Verbindung total spüren, auch wenn du nervös warst! Du hast ein ganz, ganz tolles Einhörnchen an der Seite und das Einhörnchen einen ganz besonders tollen Menschen!

    Ich bin ja sowas von glücklich darüber, dass wir uns kennen gelernt haben und allesamt so gut miteinander umgehen! <3

    Allerliebste Grüße, Tanja

    • Petra sagt:

      Liebe Tanja, wie wahr. Aber ich denke, nur wenn ich ehrlich mit mir bin, werde ich auch dazulernen. Deswegen hinterfrage ich solche Momente gerne, um daraus zu lernen. Ich freue mich, dass du eine Verbindung gespürt hast, weil ich auch glaube, dass da im letzten Jahr etwas entstanden ist. Meine Kleine und ich sind auf einem Weg – würde ich sagen – und einen kleinen Teil ihres Herzens habe ich schon gewonnen. Aber wir haben noch ein Leben lang Zeit für unsere Freundschaft – der Rest wird kommen. Weil mein Einhörnchen und ich gehören schon zusammen – davon bin ich überzeugt. Ganz liebe Grüße und danke für deine lieben Worte, die mich sehr berührt haben, Petra

  3. Cindy sagt:

    Hey Petra,
    wie so oft sprichst du mir aus der Seele und wie so oft bin ich wiedereinmal tief berührt von deinen Worten…
    Danke, dass du dich für ein Pferd entschieden hast und danke, dass du uns an eurem gemeinsamen Wachsen teilhaben lässt!
    Liebe Grüße,
    Cindy

    • Petra sagt:

      Liebe Cindy, danke für deine lieben Worte – das freut mich sehr. Ganz liebe Grüße, Petra

  4. Miriam sagt:

    Liebe Petra,

    du hast bei mir ja selber erlebt, dass ich auch immer wieder in diese Falle tappe… Statt ein freudig mitarbeitendes Pony hast du bei deinem Besuch ja auch ein lustloses zu nichts motivierendes Faulpony gesehen. Ich wollte damals so gerne zeigen wie toll es bei uns klappt. Tja Pony hat bemerkt, dass ich nicht bei ihm war sondern bei dir und meinem eigenen Ego.
    Solche Tage hat aber glaube ich jeder und unsere Pferde sind super darin sowas zu verzeihen. Also sei nicht ganz so streng mit dir ;). Carey und du, ihr seid schon ein tolles Team 🙂
    Interessant finde ich, was bei dir der Satz "Mal schauen ob…" bewirkt. Ich nutze diesen Satz ganz oft und für uns ist er eine Hilfe, weil ich dann entspannt und nicht mit einem festen Plan zum Pony gehe. Ich kann dann besser auf seine Wünsche und Vorstellungen eingehen und bin auch nicht so enttäuscht, wenn er mal nicht mitkommen mag.
    Ganz liebe Grüße
    Miriam

    • Petra sagt:

      Liebe Miriam, dabei wart ihr so süß zusammen. Dein Pony ist ein echt goldiges Kerlchen 🙂 aber ich kenne das so gut. Wir Menschen sind schon manchmal komisch. Aber – wie du schreibst – Gott sei dank sind unsere Pferde so geduldig mit uns. Das ist schon eine tolle Gabe der Pferde. So wie wir uns manchmal anstellen 😉 Ja, das ist komisch mit dem Satz. Ich habe ihn auch immer so genutzt, wie du. Dachte ich zumindest – um mir den Perfektionsdruck zu nehmen. Aber tatsächlich bewirkt er in mir und damit im Pferd das Gegenteil. Ich bin dann innerlich unbestimmter und das spürt das Pferd. Deswegen will ich ihn streichen. Aber so wie wir Menschen verschieden sind, wirken Sätze sicher auch verschieden. Ich gebe dir einfach meinen Vorrat weiter, wenn der Satz bei dir so viel besser aufgehoben ist 🙂 Ganz liebe Grüße an euch zwei, Petra

  5. Denise sagt:

    Liebe Petra,
    ich kann das sehr gut nachvollziehen. Ich glaube, in deiner Situationen hätte wohl jeder so empfunden. Ich selbst bemerke bei mir immer wieder, wie komplett anders ich mich verhalte, wenn jemand anders dabei ist oder sogar zuschaut. Als ob man ständig eine zweite Person im Kopf hätte: Eine versucht sich zu konzentrieren, die andere denkt ständig darüber nach was man von mir denken könnte. Das ist schwierig abzuschalten. Warum ist uns Menschen das eigentlich so wichtig, was andere von uns denken? Ich mag das überhaupt nicht. Das ist der Grund, warum ich am liebsten alleine mit meiner Stute zusammen bin. Bei vielen von uns am Stall habe ich eher das Gefühl, sie kommen weniger für ihr Pferd als vielmehr für die Aufmerksamkeit der anderen aka zum Quatschen. Ich quatsche auch gerne. Aber wenn ich doch gerade da bin, um meine Stute zu sehen, fände ich es doch irgendwie respektlos ständig meine Aufmerksamkeit mehr auf die anderen Menschen zu richten. Viele gehen auch tatsächlich lieber in Grüppchen auf den Reitplatz oder zum Longieren. Ich könnte mich so nicht konzentrieren.
    Das waren so ein paar Gedanken von mir zu dem Thema. Übrigens, eine nette Truppe wart ihr ja bei dem Treffen, alles feine Bloggerinnen 🙂
    Liebe Grüße,
    Denise

    • Doris sagt:

      Hallo Denise,

      Ich bin auch immer froh wenn niemand da ist wenn ich in den Stall komme, es ist genauso wie Du es beschreibst. Ich bin noch in den Anfängen, aber ich merke auch immer mehr das meine Gedanken das Training blockieren. Ich weiß auch das meine Stute mich besser kennt als ich Sie. Schließlich lebt sie seid ihrem ersten Atemzug mit mir. Sie ist jetzt 23 Jahre und ich muss zugeben das ich in den vielen Jahren in denen wir zusammen sind wenig mit ihr gearbeitet habe. Ich habe mich um Sie gekümmert füttern, putzen, Stall Misten, ab und an ausreiten oder spazieren gehen, auf die Wiese kommen kraulen , kratzen wieder gehen. So lief das als ihre Mutter noch lebte. Solange hielt ich beide in eigenregie und Offenstall Haltung. Nun nachdem ihre Mutter über die Regenbogenbrücke gegangen ist steht meine Stute in einem Pensionsstall, ich bin dort der absolute freak glaube ich. Komme zu meinem Pferd ohne es zu reiten tue seltsame Dinge auf dem Reitplatz, aber ich glaube meine Stute weiß auch noch nicht so genau wie Sie mit meiner neuen Eingebung umgehen soll.

  6. Denise sagt:

    Ach, ich wollte noch etwas dazu sagen: Wie oben im Kommentar von Raimund schon erwähnt, glaube ich auch, dass Pferde durchaus gut merken, wenn wir uns aus irgendeinem Grund komisch verhalten. Ich bin meiner Maus sehr dankbar, weil sie oft Fehler für mich ausbügelt, wenn ich gerade wieder doof bin. Ebenso kann es auch in die Hose gehen, sodass plötzlich einfachste Sachen nicht mehr klappen – nur weil man gerade Zuschauer hat und denkt "jetzt muss das aber funktionieren, geht doch sonst immer". Ich könnte mir vorstellen, dass gerade junge Pferde das erstmal einfach noch nicht kennen und verstehen, warum Menschen sich in bestimmten Situationen anders verhalten.

    • Petra sagt:

      Liebe Denise, genau so geht es mir, wenn uns jemand zusieht. Ich beobachte mich dann auch von oben und merke, wie anders ich bin, kann es aber zunächst nicht ändern. Aber das schöne im Leben ist ja, dass wir an uns arbeiten können und nach und nach besser werden. Also habe ich einfach eine neue Aufgabe vor mir 🙂 Zu deinem Gedanken mit den jungen Pferden – da könnte schon etwas dran sein – zumal sie anders, als zum Beispiel ein Pferd mit dem man schon seit 10 Jahren arbeitet, die Übungen noch nicht so perfekt beherrschen und dann leichter zu verwirren sind. Sie kennen uns ja auch noch nicht so lange und können dann aus der Hektik oder den schwammigen Hinweisen nicht so viel herauslesen – vielleicht ist es auch eine Mischung aus allem. Auf jeden Fall ist es ein weitere Schritt auf dem Weg zu uns und unserer inneren Ruhe – das ist etwas unglaublich tolles, denke ich mir immer wieder. Das mit dem "alleine" arbeiten kann ich gut nachvollziehen – das geht mir auch so. Ich quatsche auch nicht gerne, wenn mein Pferd bei mir ist, weil ich dann meine Zeit und Aufmerksamkeit ganz auf das Pferd richten will. Das hat es verdient, finde ich 🙂 Ganz liebe Grüße auf jeden Fall und bis bald, Petra

  7. Saskia sagt:

    Liebe Petra,

    ich hatte in letzter Zeit viel Besuch bei Wingardio. Ich "zeige" eigentlich nie etwas, weil ich genau weiß, dass es mir ähnlich gehen würde wie dir. Stattdessen gehen wir spazieren, aber auch dort werde ich ihm nicht immer gerecht. Letztes Wochenende hat er bei einem solchen Spaziergang sogar in den Rücken geschnappt. Ich war ins Gespräch vertieft und er lief hinter mir. Ich habe mich unglaublich erschrocken und doch wusste ich, dass er einfach nur nicht wusste, wie er seinem Unmut Ausdruck verleihen konnte. Ich versuche dann während ich mit meiner Begleitung spreche, ganz bewusst meine Energie zwischendrin zu ihm zu lenken und streichel ihm oft am Hals damit er merkt, dass er nicht nur "einfach so" mitkommt. Manchmal klappt es und trotzdem habe ich ein schlechtes Gewissen, weil ich ihm nicht gerecht werde. Oft läuft er auch zwischen mir und meiner Begleitung und schaut zufrieden aus. An dem Tag war ich wohl gedanklich zu weit weg.

    Vielleicht setzen wir uns Ende August einfach nur zu Carey auf die Koppel? 🙂

    Aller beste Grüße und bloß nicht zu viele Vorwürfe machen. Saskia

    • Petra sagt:

      Liebe Saskia, es ist schon verrückt, dass wir Frauen immer so viel denken und dabei manchmal das Wesentliche aus den Augen verlieren. Aber es ist auch nett zu sehen, dass es euch allen auch so geht. Nicht, dass ich euch das wünschen würde 😉 Das mit dem Streicheln beim Spazierengehen kenne ich auch – oder manchmal trabe ich dann ein paar Schritte und gehe wieder in einer halben Volte zurück usw. damit verwirre ich dann meine Mitspaziergänger kurz, aber bislang war das für jeden in Ordnung. Vielen lieben dank auf jeden Fall für deinen lieben Kommentar und dann bis Ende August – ich freue mich! Alles Liebe, Petra P.S.: Spazierengehen sollte auch drin sein 🙂

  8. Sarah sagt:

    Liebe Petra,

    Dein Artikel über Gedankenspiralen hat genau das gespiegelt, was mir vor einigen Wochen passiert ist.
    Ich bin nach Österreich zu einer meiner besten Freundinnen gefahren, und wir sind jeden Nachmittag in den Stall zu ihrem Pferd, um mit ihm die Basics zu üben: Gemeinsam loslaufen, gemeinsam stehen bleiben. Zuerst lief meine Freundin mit ihrem Pferd und hat geübt und dann ich. Und solange wir alleine in der Halle oder auf dem Platz waren, war ich sehr entspannt und relaxed. Aber irgendwann kamen dann Zaungäste und ich wurde sofort angespannt, nervös, dachte nur die ganze Zeit: "Oh Gott, ich muss jetzt alles richtig machen, weil es ist nicht mein Pferd, ich bin eine Fremde im Stall, die kennen mich nicht, ich kenne sie nicht und die gucken bestimmt ganz genau hin" und wurde unheimlich unsicher, was dazu führte, dass ich mehr in meinem Kopf als bei dem Pferd war, und dann hat gar nichts mehr funktioniert, weil ich zur falschen Zeit gelobt habe und immer die Zaungäste im Blickwinkel hatte…Nur leider kann ich das nicht abschalten, weil das immer so ist und es nervt mich ungemein, weil ich teilweise nicht wirklich weiß, was ich machen will mit dem Pferd und sich diese Unsicherheit direkt auf es überträgt. Ich hab mich auch deswegen so mies gefühlt, weil das Pferd noch sehr jung ist und gerade erst angeritten wird…Woher weiß ich, dass das was ich tue, richtig ist?

    LG Sarah

    • Petra sagt:

      Liebe Sarah, hachje – das kenne ich so gut. Ich glaube, dass das eine Entwicklung ist, die man durchmachen muss. Und wenn man sensibel ist, vielleicht auch perfektionistisch, dann ist man noch anfälliger für solche Gedankenspiralen. Ich glaube, dass wir nie ganz wissen, ob wir alles richtig machen, weil das Pferd es uns ja nicht sagen kann. Wir können nur auf unser Bauchgefühl hören und versuchen es so gut wie möglich zu machen. Ganz liebe Grüße und mach dir weniger Gedanken, vermutlich reichen die immer noch aus 😉 Petra

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