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Ist jedes Pferd ein Reitpferd?

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Der ganze Artikel für dich auf einen Blick

Ist dein Pferd ein Reitpferd oder kein Reitpferd? Früher hätte ich diese Frage mit einem klaren „Ja klar, ein Reitpferd“ beantwortet. „Natürlich!“ ..hätte ich gesagt, wenn du mich gefragt hättest und wäre nie auf die Idee gekommen, dass sie kein Reitpferd sein könnte. Verstehe mich nicht falsch: Ich liebe es einfach Zeit mit Pferden zu verbringen. Ich habe schon immer gerne bei ihnen gestanden, mit ihnen gekuschelt und sie einfach nur angesehen und mich an ihnen gefreut. Ich habe noch nie zu denen gehört, die zum Pferd sausen, Sattel auflegen und losreiten.

Egal ob in der Reitschule oder im Reiturlaub: Ich würde immer als die Kuscheltante belächelt und es macht mich einfach glücklich nur in ihrer Nähe zu sein. Aber trotzdem war für mich vollkommen klar, dass jedes Pferd ein Reitpferd ist.

Mein eigenes Pferd habe ich mir als Jungstute ins Leben geholt und unser Weg war für mich absolut logisch aufgebaut:

  1. Wir lernen uns kennen und bauen eine Beziehung auf
  2. Wir machen aufbauende und kommunikative Bodenarbeit
  3. Wir gewöhnen sie an den Sattel und die reitereichen Hilfen vom Boden aus
  4. Wir Reiten sie an
  5. Dann reiten 2 oder 3 mal in der Woche

Das sehe ich heute anders. Ich liebe es immer noch zu Reiten und ich freue mich immer, wenn meine Stute mich trägt und wir gemeinsam durch die Welt schweben. Aber es ist für mich nicht selbstverständlich und wir haben auch Wochen in denen ich sie gar nicht Reite.

Das bringt mich zu der Frage, die ich im Artikel als Überschrift gestellt habe: Ist jedes Pferd ein Reitpferd?

Meine Antwort ist: Nein, ist es nicht. Manche Pferde sind es gerne und oft und immer, manche Pferde sind es manchmal und manche Pferde vielleicht nie und sind somit keine Reitpferde.

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Ist dein Pferd ein Reitpferd?

Ich kenne Pferde, die LIEBEN es geritten zu werden und sie finden Bodenarbeit ziemlich langweilig. Ich kenne Pferde, die tragen ihren Reiter gerne und finden es großartig, wenn sie mit der Nase vorangehen können. Ich kenne Pferde, die genauso gerne Bodenarbeit machen, wie geritten zu werden und ich kenne aber auch Pferde, die gar nicht geritten werden wollen.

Mein Pferd will manchmal gerne geritten werden, manchmal ist es ihr egal und Reiten oder Bodenarbeit ist okay und manchmal will sie gar nicht geritten werden. Darüber habe ich viel nachgedacht, immer wieder Ursachenforschung betrieben und bin auch noch dabei – aber ich denke, dass es an den Tagen irgendwo ziept und drückt oder kneift, wenn sie gar nicht geritten werden will. Soweit bin ich schon.

Und ganz ehrlich: Wer bin ich, dass ich über den Körper eines anderen Lebewesens hinweggehen darf? Ich will mein Pferd gar nicht Reiten, wenn es ihr unangenehm sein könnte oder sie vielleicht sogar Schmerzen hat.

Mein Pferd durfte im Training von Anfang an alles sagen – immer höflich und fair – und mit mir reden. Sie hat von Anfang an gelernt, dass ich zuhöre, nachforsche und Ursachen lösen möchte. Deswegen redet sie auch sehr klar und schnell mit mir und ich höre immer zu und reagiere darauf.

Weil ich sie liebe und weil ich ihren Körper respektiere. Ich denke, dass dein Körper dir gehört, mein Körper mir und der Körper meines Pferdes gehört erst einmal meinem Pferd.

„Stuten reitet man nicht“

…von diesem Satz hat mir meine Freundin und Pferdetrainerin Hero Merkel erzählt. Sie war auf einem traditionellen und uralten Reitgestüt in Portugal mit langer Zucht- und Reittradition. Dort sagte man ihr: „Stuten reitet man nicht, das ist unfair.“

Warum? Weil sie mit den ganzen Hormonumstellungen in ihrem Körper, der Anatomie des weiblichen Körpers und dem weiblichen Zyklus sowie den damit einhergehenden Themen so viele Momente hat, in denen Reiten für sie unangenehm sein kann, gilt dort der Fact: Stuten reitet man nicht.

So weit würde ich nicht gehen ;-) Ich reite meine Stute auch. Aber tatsächlich hat sie immer wieder Tage an denen sie gar nicht geritten werden möchte und ich denke immer mehr, dass es auch etwas mit dem Zyklus und dazu gehörenden Begleiterscheinungen zu tun haben. Ich lese und höre immer mehr, dass der Zyklus und der Magen-Darmtrakt eng zusammenspielen und gerade Stuten haben oft Magenthemen. Wir wissen, dass Schmerzen oder Entzündungen im Magen auf den Widerrist, den Rücken und die Gurtlage ausstrahlen können. Du brauchst das ganze nur weiterzudenken und schon ahnst du, warum deine Stute (falls du eine hast) auch Tage hat an denen sie nicht so rittig ist, scheinbar widersetzlicher oder gar nicht erst geritten werden möchte.

 

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Machen wir uns bewusst, dass das Pferd uns auf seinem Rücken tragen muss und dass dieser Rücken eigentlich nicht von der Natur für Lasten gemacht ist, wird schnell klar, dass es auch Pferderücken geben muss, die für die reiterliche Belastung vielleicht nicht geeignet sind.

Gleichzeitig müssen wir uns immer wieder klarmachen, dass wir die Pflicht haben, das Pferd so zu Reiten und so zu trainieren, dass es uns gesund und schmerzfrei tragen kann.

Dazu kommt, dass wir dem Pferd zuhören müssen, damit es uns durch seine – manchmal auch sehr leisen und feinen – Zeichen immer sagen kann, ob es uns gut tragen kann oder nicht. Und letztlich kommt noch dazu, dass vielleicht nicht jedes Pferd – das uns tragen kann – das auch möchte.

Ich finde schon – wenn es keine Schmerzen hat und es dem Pferd seelisch wie körperlich gut geht – kann es auch etwas für uns tun und uns auch mal tragen. Wir tun auch viel für unser Pferd. Aber letztlich haben wir uns das Pferd ausgesucht und nicht das Pferd uns. Es hat weder die Entscheidung gefällt zu uns zu kommen, noch geritten zu werden.

Da wir es mit einem Lebewesen und nicht mit einem Fahrrad zu tun haben, sollten wir sein Recht auf einen unversehrten Körper achten und sehr bewusst und achtsam damit umgehen:

  • Wenn wir ernst meinen, dass wir unser Pferd lieben, dass es unser Partner oder Freund ist oder gar das Seelenpferd
  • Wenn wir ernst meinen, dass wir uns eine Kommunikation und Beziehung mit dem Pferd wünschen
  • Wenn wir ernst meinen, dass wir wollen, dass es unserem Pferd gut geht

…dann müssen wir auch auf seine Bedürfnisse im Training achten und nicht nur, wenn wir den Futtereimer mischen oder den Stallplatz aussuchen, sondern auch bei der Qualität der Ausrüstung  und der Art und Weise des Trainings sowie den Lektionen und wie wir sie dem Pferd beibringen.

Es ist ein Paradigmenwechsel im Kopf, wenn man diese Idee ernst nehmen möchte, denn wir müssten uns umpolen und anfangen anders mit dem Pferd umzugehen. Weitere Gedanken dazu findest du im Artikel HIER.

Petra reitet auf Carey

Was dein Pferd zum Reiten sagt

Ich werde immer wieder gefragt, wie ich mein Pferd frage, ob es geritten werden möchte oder nicht. Dazu erzähle ich dir gleich etwas, aber gebe dir vorab eine Idee für deinen Hinterkopf.

Ich denke, dass wir zwischen Alltag und Training unterscheiden müssen und uns trotz allem immer klarmachen müssen, dass wir Tiertrainer sind und bestimmte Basics und Benimmregeln sitzen müssen, damit alles immer kontrollierbar und händelbar bleibt.

Es ist wichtig, dass jedes Pferd eine gewisse Grunderziehung hat (dazu kannst du HIER mehr nachlesen) und wir einen klaren Fokus und innere Stärke ausstrahlen sowie unsere Grenzen setzen können, wenn das Pferd respektlos oder unhöflich wird. Dafür müssen wir die Pferde verstehen, lesen und mit ihnen kommunizieren können.

Es ist aber auch wichtig, dass wir nicht unhöflich oder respektlos dem Pferd gegenüber sind – das ist keine Einbahnstrasse.

Das alles ist eine schwierige Balance, die man finden muss – individuell mit jedem Pferd. Dazu habe ich einen ganzen Kurs gemacht, der 12 Wochen geht und du findest tausende Artikel dazu auf der Pferdeflüsterei. Also versuche dich auch immer aus der Balance aus Grenzen und Leitlinien, aber auch Leichtigkeit, Höflichkeit und miteinander.

Dazu gibt es hier einen Artikel, wie gutes Pferdetraining aussehen kann

Petra Carey lächelnd Hochkant

3 gute Fragen für Reiter

So kannst du dein Pferd fragen, ob es geritten werden will.

Du beobachtest genau, wie es reagiert, wenn du Sattel und Gurt holst - entspannt oder gestresster?

Du beobachtest genau, wie fein und weich es an der Aufstiegshilfe eindockt - das nimmst du mit ins Reiten und bist achtsam beim Reiten

Du fühlst in die Schritte deines Pferdes rein und schaust, ob es entspannt und freudig läuft oder zunehmend verspannt beim Reiten - dann steigst du immer sofort wieder ab

Nach und nach wirst du die Zeichen deines Pferdes kennen und kannst schnell herauslesen, ob ein guter Tag zum Reiten ist oder nicht.

Eine Freundin von mir, hat ihrem Pferd über das Klickern einen „Ja / Nein“-Knopf beigebracht – auch das kannst du machen.

Sie hat ihrem Pferd beigebracht, dass es mit der Nase ans Bein stupsen kann, wenn sie absteigen soll. Dafür hat sie dem Pferd am Bein ein Leckerli gegeben und ist dann sofort abgestiegen. Das hat sie so oft wiederholt bis dem Pferd die Verknüpfung klar war. Anschliessend hat sie das Leckerli weggelassen und ist aber immer abgestiegen, wenn das Pferd sie am Bein gestupst hat.

So war dem Pferd schnell klar: wenn es mir unangenehm wird, kann ich am Bein Stupsen und mitentscheiden.

Das Pferd hat sie trotzdem oft und lange getragen – du musst also keine Angst haben, dass das Pferd das ausnutzen würde. Aber es hatte eine Möglichkeit mitzuentscheiden.

Petra Carey reitend Hochkant

„Pferdeflüstern bedeutet, dass wir lernen das Flüstern der Pferde zu hören und zu verstehen.“

Die Pferdeflüsterei ist ein Wissensblog und Herzensprojekt – denn wir wünschen uns, dass alle Pferde und ihre Menschen glücklich miteinander sind. Wenn wir lernen die Pferde zu verstehen, fein und fair zu trainieren und der beste Pferdemensch zu werden, der wir sein können – wird es auch deinem Pferd gut gehen und es wird immer sein Bestes für dich geben. Versprochen!

Wir unterstützen dich mit unseren Artikeln, Interviews und Kursen – Du bekommst Facts zu pferdegerechter Haltung und Fütterung, feinem Training und Pferdeverhalten. 

Petra und Carey

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