Mag mein Pferd mich? Diese Frage wird mir immer wieder per Mail gestellt. Du kennst das vielleicht. Du liebst dein Pferd. Aber kommt es auch angerannt wenn du kommst? Brummelt es? Freut es sich sichtbar? Oder steht es einfach da, grast weiter und du fragst dich heimlich: Mag es mich überhaupt?
Oder steht es einfach da, grast weiter und du fragst dich heimlich: Mag mein Pferd mich überhaupt?
Die Wahrheit: Die meisten Pferde sind keine Furys. Sie zeigen ihre Zuneigung anders. Stiller. Subtiler. Aber nicht weniger echt.
In diesem Artikel erfährst du, wie du die echten Liebeszeichen deines Pferdes erkennst. Die, die keine großen Gesten brauchen. Die, die im Alltag passieren, wenn du genau hinschaust. Damit du dir nie mehr die Frage: Mag mein Pferd mich? stellen musst.
Ich zeige dir 7 klare Anzeichen, woran du erkennst, dass dein Pferd dich mag, wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse über die Pferd-Mensch-Bindung und warum der Galopp ans Gatter oft überschätzt wird.
So dass du dir nie mehr die Frage stellen musst nach Anzeichen, dass mein Pferd mich mag.
Mag mein Pferd mich? Das Wichtigste vorab: Die 7 Liebeszeichen im Überblick
(Aktualisiert: Januar 2026) Damit du sofort weißt, worauf du achten kannst, hier die wichtigsten Zeichen dass dein Pferd dich mag:
- Freiwillige Nähe – Es bleibt bei dir oder folgt dir ohne Seil
- Entspannung – Abgestelltes Bein, hängende Unterlippe, tiefes Ausatmen
- Die rechte Seite bevorzugen – Es versucht dich auf seiner rechten Seite zu haben
- Aufmerksame Begrüßung – Vom Ohrspiel bis zum Brummeln
- Vertrauen alleine – Mit dir alleine im Gelände entspannt sein
- Orientierung bei Stress – Dich anschauen wenn es unsicher ist
- Höflichkeit – Raum geben, Kopf senken, neutrale Ohren
Jetzt schauen wir uns jedes dieser Zeichen genau an. So erkennst du, wie dein Pferd dir seine Zuneigung zeigt.

Mir ging es früher nicht anders: Ich stand oft da. Keks in der Hand und Hoffnung im Herzen. Meine Stute Carey graste aber weiter. Kein Brummeln und schon gar kein Galopp ans Gatter. Ich habe mich oft gefragt: Mag mein Pferd mich?
Währenddessen galoppierte das Pferd der Einstellerin drei Boxen weiter jedes Mal freudig ans Gatter. Und ich dachte: Was mache ich falsch?
Jahre später weiß ich: Gar nichts.
Denn viele Zeichen der Pferdeliebe sehen ganz anders aus als in „Fury“. Sie sind leiser und echt.
- Pferdeliebe zeigt sich meist leise und fein, nicht spektakulär
- Jedes Pferd hat seine eigene Art Zuneigung zu zeigen
- Vertrauen ist die Basis für echte Bindung
- Wissenschaftliche Studien beweisen: Pferde können Menschen lieben

Was bedeutet „Liebe“ beim Pferd wirklich?
Pferde sind keine Menschen. Ihre Zuneigung zeigt sich anders. Leiser. Feiner. Oft nur im Detail. Aber sie ist da. Und wenn du beginnst, mit deinem Herzen hinzusehen, wirst du sie erkennen.
Liebe beim Pferd heißt nicht: Drama, Galopp, Herzchenaugen. Es heißt: Nähe zulassen. Vertrauen. Orientierung. Gemeinsame Ruhe. Und manchmal auch, dass dein Pferd nicht geht, obwohl es könnte.
Du liebst dein Pferd, richtig? Vermutlich wünscht du dir auch, dass dein Pferd dich auch liebt und gerne Zeit mit dir verbringt. Vielleicht wartest du schon seit Monaten oder Jahren auf eure Fury-Momente und grübelst, ob das etwas zu bedeuten hat, wenn dein Pferd nicht ans Gatter galoppiert.
Dabei geben uns die Pferde so viele kleine und große Zeichen, die uns ganz genau sagen können, ob sie uns gerade mögen oder gerne Zeit mit uns verbringen.
Eine Liste dieser Zeichen beschreibe ich dir gleich im Artikel – damit du zukünftig besser erkennen kannst, wie es um die Liebe deines Pferdes steht. Denn weil wir unsere Pferde lieben, stellen wir uns immer wieder die Frage: Was sind die Anzeichen dass mein Pferd mich mag?

Mag mein Pferd mich? Pferde zeigen Zuneigung durch Vertrauen
Wichtig zu verstehen: Für Pferde als Fluchttiere ist Vertrauen die Basis für alles. Ein Pferd, das dir vertraut, zeigt dir damit die tiefste Form der Zuneigung. Es sagt: Ich fühle mich bei dir sicher. Ich muss nicht fliehen. Ich kann entspannen.
Alle Forscher kommen im Grunde immer wieder zu dem Ergebnis, dass die emotionale Bindung von Pferden an einen Menschen sehr stark an das Vertrauen gebunden ist, das sie in diesen Menschen haben. Das ist die Basis für Pferde.
Wenn du also nach Anzeichen suchst dass dein Pferd dich mag, suche nach Zeichen von Vertrauen. Nach Momenten, in denen dein Pferd sich bei dir sicher fühlt. Nach Situationen, in denen es sich an dir orientiert. Das sind die echten Liebesbeweise.

Der Fury-Mythos! Muss mein Pferd ans Gatter galoppieren, wenn es mich liebt?
Vielleicht hast du diesen heimlichen Wunsch: Dass dein Pferd wie Fury angerannt kommt, wenn es dich sieht. Und vielleicht tut es das nicht. Das ist nicht schlimm. Viele Pferde sind introvertiert, sensibel oder zurückhaltend in ihren Gefühlsäußerungen.
Wir alle kennen die Bilder von Fury, der zu seinem kleinen Jungen galoppiert. Oder das Seelenpferd in dem Kinokitschfilm Ostwind. Über Meilen hinweg und mit treuem Herzen trennen sich diese Pferde für ihren Menschen von der Herde oder vom Gras.
Obwohl wir alle wissen, dass in Filmen getrickst und gemogelt wird, dass auf der Leinwand ganz viel Kitsch und Schmalz präsentiert wird für die gute Story, wünschen wir uns doch heimlich genau das. Genau das ist in unseren Köpfen und Herzen als DAS Zeichen für die Liebe eines Pferdes.
Aber wenn wir dann selbst zuhause keinen Fury haben, der ans Gatter galoppiert kommt macht sich eine leise Enttäuschung breit. Denn dieses Pferd hat vermutlich die Kindheit sämtlicher Pferdemädchen geprägt. Dabei steckt in den wenigsten Pferden ein Fury.

Was der Galopp ans Gatter wirklich bedeutet
Manche Pferde zeigen ihre Liebe eher durch Ruhe als durch Bewegung. Sie gehen nicht weg. Sie atmen aus. Sie senken den Kopf. Sie bleiben bei dir – auch wenn kein Halfter, kein Eimer, kein Kommando sie hält.
Ein Beispiel: Das Pferd eines Einstellers kommt immer ans Gatter. Wow, denkst du. Das Pferd liebt seinen Besitzer ja richtig doll. Das kann natürlich sein, dass das Pferd einfach gerne kommt, weil es seinen Menschen wirklich mag und die Zeit immer schön ist.
Es kann aber auch sein, dass der Besitzer immer einen Eimer Hafer dabei hat und das Pferd nicht genug Heu in der Gruppe bekommt oder seit Stunden nichts in seinem Magen hatte oder den Hafer so sehr liebt, dass es wegen dem Futter kommt.
Es kann auch sein, dass das Pferd ein superextrovertierter und verspielter energetischer Charakter ist und einfach Lust auf Menschen hat – egal welcher Mensch da kommt.
Es kann sein, dass das Pferd sich in der Herde nicht richtig wohlfühlt und einfach jede Gelegenheit nutzen will, um rauszukommen.
Du siehst also, dass der Galopp ans Gatter nicht immer ein Zeichen sein muss. Damit du jetzt ein paar Anhaltspunkte bekommst, schreibe ich dir gleich die kleinen und feinen Zeichen auf, an denen du auch erkennen kannst, ob dein Pferd dich mag.
Das sind natürlich nicht alle Zeichen, die es gibt, sondern nur eine Auswahl. Vielleicht hat dein Pferd auch ganz andere Zeichen und Gesten, das kannst du am besten durch Beobachtung herausfinden.
Woran erkenne ich, dass mein Pferd mich wirklich mag?

Die 7 echten Anzeichen dass dein Pferd dich mag
Wenn dein Pferd freiwillig bei dir bleibt, auch ohne Seil oder Druck – ist das ein echtes Geschenk. Es zeigt: Ich fühle mich bei dir sicher.
Wenn das Pferd gerne bei dir ist oder dir sogar folgt, ist das ein ganz großes Zeichen seiner Bindung. Das kannst du natürlich nutzen und mindestens zwei oder drei Mal pro Woche zu deinem Pferd gehen. Am besten noch öfter. Im Idealfall verbringst du dabei manchmal auch einfach nur Zeit zusammen auf der Koppel und trainierst nicht immer.
Zeichen #1 – Freiwillige Nähe: Wenn dein Pferd bei dir bleiben will
Manche Pferde zeigen ihre Zuneigung dadurch, dass sie nicht weglaufen, wenn du kommst. Das klingt erstmal unspektakulär. Aber denk mal drüber nach: Dein Pferd könnte gehen. Es könnte sich umdrehen und weitergrasen. Aber es tut es nicht. Es bleibt. Das ist ein Ja zu dir.
Worauf du achten kannst:
- Bleibt dein Pferd stehen wenn du kommst?
- Dreht es sich zu dir um statt den Rücken zu zeigen?
- Folgt es dir auch ohne Halfter ein paar Schritte?
- Kommt es zu dir zurück wenn es weggegangen ist?
All das sind Zeichen von Zuneigung. Nicht spektakulär. Aber echt.
Zeichen #2 – Entspannung in deiner Gegenwart: Der größte Liebesbeweis
Abgesenktes Hinterbein, lockere Unterlippe, geschlossene Augen, tiefes Ausatmen – all das sind Zeichen für innere Ruhe. Wenn dein Pferd diese Zeichen zeigt, während es bei dir ist, fühlt es sich geborgen.
Wenn dein Pferd in deiner Nähe entspannen kann ist das auch ein Zeichen für Zuneigung. Denn dein Pferd vertraut dir. Wenn ein Pferd entspannt ist, entlastet es beispielsweise ein Hinterbein oder es lässt die Unterlippe hängen, die Augen sind vielleicht halb geschlossen oder es atmet tief aus.
Für Pferde als Fluchttiere bedeutet Entspannung: Keine Gefahr in Sicht. Ich bin sicher. Ich kann loslassen. Wenn dein Pferd das bei dir tut, sagt es dir: Du bist mein sicherer Hafen.
Was Entspannung beim Pferd aussieht:
- Ein Hinterbein wird entlastet und ruht locker
- Die Unterlippe hängt entspannt herunter
- Die Augen sind weich, eventuell halb geschlossen
- Der Kopf ist gesenkt
- Die Ohren sind seitlich entspannt, nicht nach hinten oder vorne gespitzt
- Das Pferd atmet tief und langsam aus
- Die Muskeln sind weich, nicht angespannt
Meine Stute döst manchmal neben mir. Sie legt sich sogar manchmal hin wenn ich bei ihr bin. Das erste Mal, als sie das tat, war ich zu Tränen gerührt. Denn ich wusste: Sie fühlt sich bei mir so sicher, dass sie sich hinlegen kann. Das ist für ein Fluchttier das größte Vertrauen überhaupt.
Zeichen #3 – Die rechte vs. linke Seite: Was dein Pferd über dich denkt

Wenn dein Pferd eher versucht dich auf seine linke Seite zu bekommen, hat es noch Stress mit dir. Was es mit seinem linken Auge sieht, landet im Gefühlszentrum des Pferdehirns und dort wird alles emotionale verarbeitet – besonders stressige und aufregende Dinge und Erlebnisse.
Das ist ein Zeichen, das viele nicht kennen. Aber es ist so wichtig. Pferde haben ein gespaltenes Gehirn. Die beiden Gehirnhälften sind nur schwach miteinander verbunden. Deswegen verarbeiten sie Informationen unterschiedlich, je nachdem mit welchem Auge sie etwas sehen.
Das linke Auge: Informationen landen in der rechten Gehirnhälfte – dem emotionalen, instinktiven Teil. Hier werden Gefahren verarbeitet, Angst und Stress. Wenn dein Pferd dich mit dem linken Auge anschaut oder dich auf seiner linken Seite haben will, bist du für sein Gehirn noch etwas, das beobachtet werden muss.
Das rechte Auge: Informationen landen in der linken Gehirnhälfte – dem rationalen, denkenden Teil. Hier werden bekannte, sichere Dinge verarbeitet. Wenn dein Pferd dich auf seiner rechten Seite haben will oder dich mit dem rechten Auge anschaut, bist du für sein Gehirn etwas Sicheres.
Beobachte mal: Auf welcher Seite steht dein Pferd lieber wenn ihr zusammen seid? Zu welcher Seite dreht es sich wenn du kommst? Das kann dir viel über eure Beziehung verraten.
Was du tun kannst: Arbeite bewusst auf beiden Seiten mit deinem Pferd. Zeige ihm, dass du auf beiden Seiten sicher und vertrauenswürdig bist. Mit der Zeit wird es entspannter, egal auf welcher Seite du bist.
Zeichen #4 – Die Art der Begrüßung: Vom Ohrspiel bis zum Brummeln

Ein Ohrenspiel, ein Nasenstupser, ein leichtes Brummeln oder ein langsamer Schritt auf dich zu – das sind feine Zeichen der Zuneigung. Nicht jedes Pferd brummelt. Aber wenn es tut – feiere es.
Die Bandbreite ist groß. Das kann von einem ganz kleinen Zeichen reichen bis zum ganz großen Brummeln. Der Start einer positiven Begrüßung ist, dass das Pferd an deinem Handrücken schnuppert, wenn du ihm ihn hinhältst. Das ist wie ein Handschlag.
Weitere Steigerungen können sein, dass das Pferd dir einen Schritt entgegenkommt oder den Kopf hochnimmt, wenn du es von weitem rufst oder dir sogar entgegentrabt. Auch ein Brummeln kann eine positive Begrüßung sein. Wobei das schon ganz groß ist, genau wie der Trab oder Galopp ans Gatter.
Aber Achtung: Manchmal brummelt ein Pferd auch aus Frust oder Ungeduld. Oder weil es Futter will. Du musst immer den Kontext und den Gesichtsausdruck anschauen. Ein entspanntes Brummeln sieht anders aus als ein forderndes.
Bei meiner Stute kann ich genau unterscheiden: Wenn sie mich heftig anbrummelt, wenn ich komme, weiß ich mittlerweile, dass sie sich in dem Stall nicht wohlfühlt – weshalb wir auch ein paar Mal umgezogen sind. Ich weiß auch, dass für sie in der Herde und mit der Haltung alles gut ist, wenn sie mich zwar begrüßt und den Kopf hochwirft, wenn ich sie rufe – vermutlich auch ein paar Schritte zu mir kommt – aber mehr auch nicht.
Meine Stute ist einfach kein Fury und zeigt mir ihre Liebe mit anderen kleinen Zeichen.
Manchmal trabt sie mir ein paar Schritte entgegen, manchmal läuft sie mir auch etwas weiter entgegen.
Wir hatten exakt einen waschechten Furymoment in unserem gemeinsamen Leben, als meine Stute auf mich hochmotiviert zugaloppiert ist. Sie war auf der Koppel und hat schon von weitem erkannt, dass ich mit der Fliegenmaske in meiner Hand winke – du kannst dir nicht vorstellen, wie motiviert und freudig sie auf mich zugaloppiert kam.
Was für ein Typ ist dein Pferd? Wie begrüßt es dich? Denk mal drüber nach und beobachte es beim nächsten Mal ganz bewusst.
Zeichen #5 – Vertrauen im Gelände: Alleine mit dir unterwegs sein
Wenn dein Pferd dich anschaut, wenn es unsicher ist, und sich an deinem Verhalten orientiert – dann hast du sein Vertrauen. Und das ist ein Liebesbeweis in Pferdesprache.
Manche Pferde zeigen ihre Zuneigung auch durch ihr Vertrauen. Sie sind mit dem Menschen genauso wie in ihrer Herde. Sprich: Wenn du alleine mit deinem Pferd rauskannst und es mit dir alleine genauso entspannt im Gelände ist, wie mit anderen Pferden, dann ist das ein Zeichen der Zuneigung und des Vertrauens.
Für Pferde als Herdentiere ist es nicht selbstverständlich, alleine unterwegs zu sein. Die Herde bedeutet Sicherheit. Viele Augen sehen mehr Gefahren. Wenn dein Pferd bereit ist, mit dir alleine loszuziehen, sagt es dir damit: Du bist für mich Herde genug. Ich fühle mich bei dir sicher.
Das ist ein unglaublich großes Kompliment.

Zeichen #6 – Orientierung in Stresssituationen: Dein Pferd schaut zu dir
Wenn dein Pferd eine Bindung zu dir hat und sich in neuen und fremden Situationen an dir orientiert ist das auch ein Zeichen seiner Zuneigung. Meine Stute beispielsweise schaut in „schrecklichen“ Situationen zu mir und achtet auf meine Reaktion. Bleibe ich ruhig, macht sie es auch. Weil sie meinem Urteil vertraut. Habe ich Stress wegen irgendetwas, ist sie auch gestresst.
Das zeigt sich so:
- Dein Pferd dreht den Kopf zu dir wenn etwas Unbekanntes auftaucht
- Es wartet einen Moment und schaut, wie du reagierst
- Es entspannt sich, wenn du ruhig bleibst
- Es geht weiter, wenn du ihm zeigst, dass alles okay ist
Dieses Verhalten zeigt: Dein Pferd hat dich als Herdenchef akzeptiert. Es vertraut deiner Einschätzung. Das ist echte Bindung.
Ein Beispiel aus meinem Alltag: Neulich waren wir spazieren und plötzlich kam ein Traktor um die Ecke. Laut. Groß. Carey blieb stehen, schaute hin, dann schaute sie mich an. Ich atmete ruhig weiter, blieb entspannt stehen. Sie schaute wieder zum Traktor, dann wieder zu mir. Nach ein paar Sekunden senkte sie den Kopf leicht und entspannte. Der Traktor fuhr vorbei. Sie blieb ruhig.
Vor ein paar Jahren wäre sie vermutlich nach hinten gesprungen oder hätte versucht zu drehen. Heute vertraut sie mir. Und das ist das schönste Geschenk überhaupt.
Zeichen #7 – Höflichkeit und Rücksicht: Wenn dein Pferd auf dich achtet
Zurückweichen, Raum geben, weiche Bewegungen – das zeigt: Dein Pferd respektiert dich, ohne Angst. Es nimmt Rücksicht. Das ist keine Unterordnung, sondern Beziehung.
Wenn dein Pferd dir gegenüber freundlich und höflich ist, sind das auch Zeichen seiner Zuneigung. Senkt es den Kopf beim Putzen oder geht auch mal einen Schritt zurück in deiner Anwesenheit oder hat es neutrale Ohren, die es seitwärts stellt? Super! Es ist gerade höflich. Das kannst du dann auch loben.
Höflichkeit beim Pferd bedeutet:
- Es drängelt nicht
- Es achtet auf deinen persönlichen Raum
- Es bewegt sich weich in deiner Nähe, nicht hektisch
- Es wartet geduldig
- Es lässt sich anfassen ohne wegzugehen oder zu drohen
All das sind Zeichen von Respekt und Zuneigung. Dein Pferd nimmt dich wahr. Es achtet auf dich. Es will dir nicht wehtun.
Das Gegenteil wäre: Ein Pferd, das dich wegschubst, dich anrempelt, dir auf die Füße tritt, dich mit dem Hintern wegdrückt. Das sind keine bösen Absichten. Aber es zeigt, dass das Pferd dich noch nicht als wichtig genug wahrnimmt.
Warum du eure Beziehung langfristig betrachten musst
Wichtig ist auch, dass du euer Zusammensein in einer langfristigen Kurve betrachtest. Denn auch Pferde haben gute und schlechte Tage, hatten mal mehr oder weniger Stress in der Herde, sind müder oder wacher, haben unterschiedliche Tageszeiten mit unterschiedlichen Stimmungslagen und bei Stuten kommen auch noch Hormonschwankungen dazu.
Deswegen lege nicht jeden einzelnen Tag zu sehr auf die Goldwaage und nimm nicht immer alles persönlich, sondern betrachte eure langfristige Kurve.
Das hilft dir:
- Erwarte keine tägliche Bestätigung – aber freue dich über kleine Zeichen
- Verwechsle Körpersprache nicht mit Gehorsam
- Vertraue auf das, was zwischen euch still fließt – nicht nur auf das, was laut sichtbar ist
Denk dran:
- Freue dich an den kleinen und großen Zeichen deines Pferdes
- Erwarte nicht jeden Tag höchste Motivation und Freude
- Genieße die Zeit auch einfach ohne große Erwartungen – denn Erwartungen sind Energie und Energie kann Druck machen
Nicht jedes Pferd galoppiert. Manche bleiben einfach stehen. Und darin liegt die größte Geste.
Wenn du die Sprache deines Pferdes lernst – seine kleinen Signale, seine stillen Ja-Momente – wirst du erkennen: Vielleicht hast du längst deinen Fury. Nur ohne Drama. Aber mit Seele.

Wie zeigt sich Pferdeliebe im Alltag?
Ich weiß genau, wovon ich rede. Denn ich habe eine Stute an meiner Seite, die einen ziemlich ausgeprägten Charakter hat. Parelli würde sie vermutlich als „Left Brain Introvert“ bezeichnen und im TCM wäre sie der Leber-Typ.
Ich musste mich auch von der Vorstellung meines persönlichen Furys verabschieden und lernen die vielen kleinen Zeichen zu sehen und zu erkennen, die sie mir täglich gibt, statt auf die großen Momente zu warten. Deswegen will ich dir mit diesem Artikel auch ein paar Hinweise mitgeben, damit du die Zeichen deines Pferdes besser lesen kannst.
Mein Weg: Pferde Persönlichkeit verstehen lernen
Meine Stute Carey ist introvertiert. Sie ist klug, manchmal eigensinnig, oft in sich gekehrt. Sie ist kein Pferd, das jedem Menschen hinterherläuft. Sie braucht Zeit, um Vertrauen aufzubauen. Und wenn sie mal einen schlechten Tag hat, lässt sie das auch durchblicken.
Aber genau das macht sie so besonders. Denn wenn sie mir ihre Zuneigung zeigt, ist es echt. Es ist nicht Show. Es ist kein Futter-Brummeln. Es ist echtes Vertrauen.

Konkrete Alltagsmomente mit Carey
Anzeichen, dass mein Pferd mich mag – Moment 1: Das Dösen Manchmal komme ich auf die Koppel und sie kommt nicht. Sie steht einfach da, entspannt, ein Bein abgestellt. Früher hätte mich das traurig gemacht. Heute weiß ich: Sie fühlt sich wohl. Sie muss nicht zu mir kommen, weil sie Stress hat oder Futter will. Sie ist einfach zufrieden.
Wenn ich dann zu ihr gehe und neben ihr stehe, döst sie weiter. Manchmal legt sie sogar ihren Kopf an meiner Schulter ab. Das sind meine Lieblingsmomente.
Anzeichen, dass mein Pferd mich mag – Moment 2: Der Blick beim Spaziergang Wir waren neulich im Wald spazieren. Ein Mountainbiker kam um die Ecke. Schnell, laut, unerwartet. Carey blieb stehen. Sie schaute zum Biker. Dann schaute sie mich an. Ich nickte leicht und atmete ruhig weiter. Sie senkte den Kopf und wartete. Der Biker fuhr vorbei. Carey blieb entspannt.
Vor zwei Jahren hätte sie in dieser Situation vermutlich nach hinten gesprungen oder versucht zu drehen. Heute vertraut sie mir. Sie weiß: Wenn ich ruhig bin, ist alles okay.
Anzeichen, dass mein Pferd mich mag – Moment 3: Das freiwillige Folgen Letzte Woche war ich auf der Koppel, ohne Halfter. Ich wollte nur nach ihr schauen. Als ich wieder gehen wollte, folgte sie mir. Einfach so. Ein paar Meter. Dann blieb sie stehen und schaute mir nach.
Solche Momente sind für mich Beweis genug. Sie mag mich. Auch wenn sie kein Fury ist.
Was ich gelernt habe
Ich habe gelernt, dass Pferdeliebe Geduld braucht. Dass sie sich in kleinen Gesten zeigt. Dass nicht jeder Tag gleich ist. Und dass das völlig okay ist.
Ich habe gelernt, meine Erwartungen loszulassen und stattdessen das zu sehen, was da ist. Die stillen Momente. Das Vertrauen. Die kleinen Zeichen.
Und ich habe gelernt, dass echte Bindung Zeit braucht. Aber wenn sie da ist, ist sie unbezahlbar.
Können Pferde Menschen wirklich lieben?Was die Wissenschaft dazu sagt
Für alle Zweifler an den Gefühlen der Pferde für Menschen, habe ich noch wissenschaftliche Beweise. Denn es gibt mehrere Studien, die zeigen: Ja, Pferde können emotionale Bindungen zu Menschen aufbauen.

Die Herzschlag-Synchronisation Studie
Sie haben dafür Pferde und ihren Herzschlag gemessen, während sie mit einer Bezugsperson zu tun hatten.
Genau das gleiche Phänomen gibt es wohl auch zwischen verliebten Menschenpaaren. Schaut sich ein verliebtes Paar länger als drei Minuten in die Augen, stimmt sich der Herzschlag aufeinander ab.
Das ist im Grunde der Beweis dafür, dass es eine starke emotionale Verbindung zwischen Pferd und Mensch geben kann.
Was das bedeutet: Wenn sich der Herzschlag synchronisiert, sind Pferd und Mensch emotional aufeinander eingestimmt. Sie sind im gleichen emotionalen Zustand. Das passiert nicht mit jedem Menschen. Nur mit denen, zu denen das Pferd eine echte Bindung hat.
Pferde erinnern sich über Monate hinweg
Es gibt Studienergebnisse, die belegen, dass Pferde sich auch nach Monaten der Trennung noch an ihre Trainer oder Menschen und deren Stimme erinnern können.
Eine französische Studie zeigte: Pferde erkennen Menschen auch nach längerer Trennung wieder.
Das heißt: Pferde speichern ab, wer ihnen Gutes tut. Wer ihnen Sicherheit gibt. Wer ihnen vertrauenswürdig erscheint. Und sie erinnern sich daran.
Pferde können menschliche Emotionen lesen
Studien zeigen, dass Pferde die Gefühle der Menschen entschlüsseln können. Sie können unterscheiden zwischen einem fröhlichen und einem wütenden Gesichtsausdruck. Sie reagieren unterschiedlich auf entspannte und gestresste Menschen.
Das zeigt: Pferde nehmen uns wahr. Sie lesen uns. Sie reagieren auf unsere Emotionen.
Was alle Studien gemeinsam haben
Alle Forscher kommen im Grunde immer wieder zu dem Ergebnis, dass die emotionale Bindung von Pferden an einen Menschen sehr stark an das Vertrauen gebunden ist, das sie in diesen Menschen haben. Das ist die Basis für Pferde.
Vertrauen kommt durch:
- Berechenbarkeit
- Positive Erfahrungen
- Sicherheit in stressigen Situationen
- Zeit zusammen ohne Druck
- Klare, faire Kommunikation
Wenn du diese Dinge bietest, wird dein Pferd eine Bindung zu dir aufbauen. Vielleicht keine Fury-Bindung. Aber eine echte.
Diese wissenschaftlichen Erkenntnisse stammen aus peer-reviewed Journals und sind international anerkannt. Sie beweisen: Deine Gefühle für dein Pferd werden erwidert.
Was du tun kannst, um die Bindung zu stärken
Jetzt weißt du, wie du erkennst, ob dein Pferd dich mag. Aber was kannst du tun, um diese Bindung zu stärken?

1. Sei regelmäßig präsent – ohne immer zu trainieren
Geh mindestens zwei bis drei Mal pro Woche zu deinem Pferd. Aber trainiere nicht jedes Mal. Manchmal reicht es, einfach da zu sein. Auf der Koppel stehen. Putzen. Grasen lassen. Zeit zusammen verbringen ohne Erwartungen.
Das baut Vertrauen auf. Dein Pferd lernt: Du kommst nicht nur, wenn du etwas von ihm willst. Du kommst einfach, um Zeit mit ihm zu verbringen.
2. Lerne die individuelle Sprache deines Pferdes
Jedes Pferd kommuniziert anders. Manche sind laut, manche leise. Manche sind extrovertiert, manche introvertiert. Beobachte dein Pferd. Lerne seine Persönlichkeit kennen. Verstehe, wie es tickt.
Frag dich:
- Wie reagiert mein Pferd auf neue Situationen?
- Wie zeigt es Stress? Wie zeigt es Entspannung?
- Wie begrüßt es andere Pferde? Wie begrüßt es mich?
- Was mag es? Was mag es nicht?
Je besser du dein Pferd verstehst, desto besser könnt ihr kommunizieren.
3. Sei klar und fair in deiner Kommunikation
Pferde brauchen Klarheit. Sie müssen wissen, was du von ihnen willst. Aber sie brauchen auch Fairness. Druck und Zwang zerstören Vertrauen.
Das bedeutet:
- Klare Signale geben
- Konsequent sein (aber nicht hart)
- Loben, wenn dein Pferd etwas richtig macht
- Geduldig sein, wenn es etwas noch nicht versteht
- Nie im Affekt handeln
4. Sei der sichere Hafen in stressigen Situationen
Wenn dein Pferd Angst hat, hilf ihm. Sei ruhig. Sei präsent. Zwing es nicht durch die Angst hindurch, sondern hilf ihm, die Angst zu überwinden.
Das zeigt deinem Pferd: Du bist jemand, auf den man sich verlassen kann. Du bist die Person, zu der man in stressigen Situationen schauen kann.
5. Respektiere schlechte Tage
Nicht jeder Tag ist gleich. Manchmal hat dein Pferd einfach einen schlechten Tag. Es ist müde, oder gestresst, oder hatte Streit in der Herde, oder die Stute hat ihre Tage.
Das ist okay. Respektiere das. Zwing nichts. Sei einfach da. Vielleicht reicht an so einem Tag ein bisschen Putzen und ein Spaziergang.
Dein Pferd wird dir diese Rücksichtnahme danken. Es zeigt: Du nimmst es ernst. Du siehst es als Individuum, nicht als Trainingsgerät.
FAQ – Die häufigsten Fragen zu Anzeichen dass Pferde dich mögen

Mein Pferd kommt nie ans Gatter. Mag es mich nicht?
Nein, das bedeutet nicht automatisch, dass dein Pferd dich nicht mag. Viele Pferde sind introvertiert oder zeigen ihre Zuneigung anders. Schau dir die anderen Zeichen an: Ist es entspannt in deiner Nähe? Orientiert es sich an dir? Folgt es dir manchmal freiwillig? Das sind alles Zeichen von Zuneigung, auch ohne Galopp ans Gatter.
Kann mein Pferd mich wirklich lieben oder ist es nur Gewohnheit?
Wissenschaftliche Studien beweisen: Ja, Pferde können echte emotionale Bindungen zu Menschen aufbauen. Die Herzschlag-Synchronisation zwischen Pferd und Mensch zeigt, dass es mehr ist als nur Gewohnheit. Es ist echtes Vertrauen und echte Bindung.
Wie lange dauert es eine echte Bindung aufzubauen?
Das ist individuell unterschiedlich. Manche Pferde bauen schnell Vertrauen auf, andere brauchen Monate oder Jahre. Wichtig ist: Sei geduldig. Gib deinem Pferd die Zeit, die es braucht. Echte Bindung lässt sich nicht erzwingen.
Mein Pferd zeigt keines dieser Zeichen. Was nun?
Dann schau noch genauer hin. Manchmal sind die Zeichen so fein, dass wir sie übersehen. Oder dein Pferd zeigt seine Zuneigung auf eine ganz andere Art. Beobachte es über mehrere Wochen. Dokumentiere kleine Veränderungen. Und wenn du wirklich das Gefühl hast, dass die Bindung fehlt, überlege: Wie viel Zeit verbringst du ohne Druck mit deinem Pferd? Bist du klar und fair in deiner Kommunikation?
Ist Brummeln immer ein Zeichen von Zuneigung?
Nein, nicht immer. Brummeln kann auch Ungeduld bedeuten, oder Frust, oder Futtererwartung. Du musst immer den Kontext anschauen: Wie sieht der Gesichtsausdruck aus? Ist das Pferd entspannt oder angespannt? In welcher Situation brummelt es?
Ein entspanntes, freudiges Brummeln sieht anders aus als ein forderndes oder frustriertes Brummeln.
Mein Pferd ist in der Herde entspannt, aber bei mir gestresst. Warum?
Das kann verschiedene Gründe haben. Vielleicht bist du noch nicht Teil seiner „Herde“. Vielleicht verbindet es dich mit Druck oder Training. Vielleicht bist du selbst gestresst und dein Pferd spiegelt das.
Was du tun kannst: Verbringe mehr Zeit ohne Training mit deinem Pferd. Sei einfach da. Atme ruhig. Lass dein Pferd zu dir kommen, statt es zu holen. Baue Vertrauen auf.
Wie beobachte ich die Liebeszeichen meines Pferdes richtig?
Jetzt, wo du die Zeichen kennst, gebe ich dir eine Aufgabe: Beobachte dein Pferd die nächste Woche bewusst. Achte auf die kleinen Gesten. Die feinen Zeichen. Die stillen Momente.
Stelle dir diese Fragen:
- Wie begrüßt mich mein Pferd?
- Ist es entspannt in meiner Nähe?
- Auf welcher Seite steht es lieber?
- Folgt es mir manchmal freiwillig?
- Wie reagiert es, wenn ich einfach nur da bin, ohne etwas zu wollen?
Schreib dir deine Beobachtungen auf. Du wirst überrascht sein, wie viele kleine Liebesbeweise du entdeckst, wenn du anfängst, wirklich hinzuschauen.
Und denk dran: Dein Pferd muss kein Fury sein, um dich zu lieben. Die echte Liebe zeigt sich in den kleinen Momenten. In der Stille. Im Vertrauen.
Wenn du mehr über Pferdesprache und Körpersignale lernen willst, hol dir mein kostenloses Training: „3 simple Signale die jedes Pferd sofort versteht“ – damit du noch feiner mit deinem Pferd kommunizieren kannst.
Oder teste dein Wissen mit meinem „Bodenarbeitsquiz für deine beste nächste Lektion inklusive individuellem Übungstipp“ – so findest du heraus, was dein Pferd als nächstes braucht.


Hallo liebe Petra, ich habe deinen Artikel mit Interesse gelesen, weil ich mich auch immer wieder frage, was für eine Beziehung mein Pferd zu mir hat. Besonders gut gefallen hat mir, dass du die Umstände mit berücksichtigst. Als mein Pferd nach einem Stallwechsel noch keine engere Bindung an ein anderes Pferd aus der Herde hatte, kam sie sogar manchmal aus der Heustation gestürmt, wenn sie mich sah. Da sie sehr an Fressen interessiert ist, habe ich das als das größte Kompliment überhaupt angesehen. Vor knapp 2 Monaten ist die Stute meiner Tochter an unseren Stall gekommen. Die beiden standen 5 Jahre zusammen und waren dann drei Jahre getrennt. Trotz der langen Trennung haben sie eine enge Bindung miteinander. Seitdem kommt meine Stute nicht mehr zu mir, wenn ich komme. Sie hebt „nur“ den Kopf, spitzt die Ohren, schaut, was ich mache. Ich bin ihr sicherer Hafen, wenn sie ihn braucht, aber eine enge Bindung an ein Pferd in ihrer Herde ist für sie auch sehr wichtig. Die Stute meiner Tochter ist 22 – 24 Stunden pro Tag in ihrer Nähe, ich 2 – 3 Stunden. Da kann ich dankbar dafür sein, dass sie meinetwegen ohne großen Widerstand ihre Herde und ihre beste Freundin verlässt. Ich glaube, das größte Geschenk, das Pferde einem Menschen machen können, ist nicht Liebe, sondern Vertrauen. Mich macht es glücklich, dass sie glücklich ist.
Liebe Grüße,
Monika
So sehe ich das auch :-) freue mich, dass der Artikel dir gefallen hat und dass dein Pferd eine so wichtige Freundin hat – das ist wichtig für sie als Herdentiere. Richtig schön!
Liebe petra,
Mein Pflegepferd tastet mich immer mit der Lippe ab und knabbert an mir herum, (sein Kumpel macht dies auch, nur er leckt einen eher ab) ich habe mich gefragt ob es ein „hab dich lieb“ bedeutet oder ob er einfach nur nach Leckerlies sucht.
LG
Das ist schwierig zu beantworten aus der Ferne – ich würde mir den Gesichtsausdruck anschauen und prüfen, ob das Pferd entspannt aussieht oder gestresst. Ein Pferd, dass Leckerli will ist nicht wirklich entspannt in diesem Moment – in aller Regel. Alles Liebe, Petra
Hallo, Liebe Petra
ich bin 75 und habe spät mein Interesse für Pferde entdeckt. Ich habe also keine Pferde, doch gehe ich in der Regel einmal wöchentlich an einer Koppel vorbei, in der sich zwei Pferde befinden, eine Stute und ein Hengst oder Wallach. „Er“ ist sichtlich kontaktfreudiger als „sie“ und kommt immer an den Zaun, wenn er mich sieht (mitunter gebe ich ihm schon von Weitem Zeichen meiner Nähe – ich rede laut oder schüttele die Hände über dem Kopf). Mich interessiert vor allen Dingen, die Seele der Pferde kennenzulernen. Das erste Mal wollte ich nur ausprobieren, wie das Pferd reagiert, wenn ich an den Zaun trete und es rufe. Ich wusste allerdings von früher her, dass es auch andere Spaziergänger gibt, die sich beim Pferd aufhalten und sich mit ihm abgeben, allerdings nicht so umständlich wie ich.
Das Pferd kam zu mir und „siegte“, d.h. wir schlossen Freundschaft. Hin und wieder bringe ich auch eine Möhre mit, aber meistens ist es nur eben ein Kleebüschel oder auch gar nichts. Und ich streichele oder tätschele das Pferd auf die Wange oder kraule es zwischen den Ohren. Dabei führe ich auch ein „Gespräch“ mit ihm. Einige Male hat es gegrummelt, was ich als Freundschaftbezeigung ausgelegt habe. Manchmal ist es mindestens 50 Meter vom Zaun entfernt, wenn es aber meiner gewärtig wird, kommt es im Trapp oder sogar Galopp gelaufen. Die Koppel ist leicht geneigt und einmal, nach Regentagen, war die Erde glitschig und beim Rennen ist das Pferd ausgerutscht und wäre fast gefallen. Es leckt mir auch minutenlang die Hand und würde wohl auch auf mein Gesicht übergehen, wenn ich es denn ließe. Einmal hat es sogar ausgeschachtet und war dann so erregt, dass es die Stute besprang.
Was mich echt gewundert hat, ist letztens passiert. Da ist das Pferd, nachdem ich es gekrault und getätschelt habe, plötzlich vom Zaun weg und im Galopp bis ans andere Ende des Zauns gelaufen. O.K., habe ich mir gesagt, es hat jetzt kein Interesse mehr an dir, also wollte ich fort. Meine Enkelin, die mich begleitete, sagte aber: „Beiben wir noch ein wenig!“. Und richtig, kehrte das Pferd zurück, blieb kurz, wendete wieder und vollbrachte im Laufen regelrechte Sprünge , schlug mit den Hinterbeinen kräftig auf, so dass uns beiden Erdklumpen ins Gesicht flogen, und vollführte so mehrere Hin- und Herläufe quer über die Koppel, wobei es dann immer wieder an den Zaun zu uns kehrte. Schließlich entfernten wir uns .
Ich hätte zwei Fragen: kann man das Verhalten des Pferdes als eine Vertrauens- und Freundschaftsbezeigung mir gegenüber werten? Und zweitens: ich habe den Besitzer des Pferdes beziehungsweise der Koppel noch nie zu Gesicht bekommen, stelle mir aber die Frage, wie ich mich ihm gegenüber verhalten soll, wenn er einmal in Erscheinung tritt, und ob er es wohl richtig finden würde, dass ich eine so enge Beziehung zu seinem Pferde eingegangen bin?
Ich hätte Deine Meinung gerne gewusst, liebe Petra.
Liebe Grüße von
Carl
Hallo lieber Carl, das ist aus der Ferne sehr schwer zu sagen, denn Gesichtsausdruck, Körpersprache und Mimi spielen da auch eine große Rolle, um mehr zu erfahren über die Intention des Pferdes. Vielleicht wollte er auch einfach nur spielen :-) Ich als Besitzer fände es immer nett, wenn jemand Fremdes nett zu meinem Pferd ist, ich würde nur nicht wollen, dass mein Pferd gefüttert wird. Denn du weißt nie, ob es gesundheitliche Probleme, einen Futterplan oder andere Gründe gibt, die gegen ein Futter sprechen. Alles Liebe, Petra
Vielen Dank, liebe Petra, das war schon hilfreich, besonders in Bezug auf Fütterung!
Auch dir alles Liebe, Carl
Ich finde die Beiträge sehr beruhigend. Ich habe seit 3 Monaten mein erstes eigenes Pferd und er ist ein echtes Schnuckelchen, ein Tinker. Er ist 6 Jahre jung und hat eine recht eindeutige Körpersprache. Er brummelt stark wenn ich komme und ihn aus dem Paddock hole um mit ihm am Platz zu reiten, oder raus spazieren gehe, oder seit kurzem kleine Strecken bereits draußen reite, oder auch nur mit ihm grasen gehe. Er folgt mir auch ohne Halfter, senkt den Kopf wenn ich ihn hinter über den Ohren ganz leicht nach unten drücke und er mömmelt mich mit seiner Oberlippe vorsichtig an. Was ich noch nicht zuordnen kann ist, wenn er mir seinen rechten Vorderhuf oder rechten Hinterhuf geben soll, ist es immer mit ganz viel Überzeugungsarbeit verbunden. Aber seinen rechten Hinterhuf gibt er oft so ungern, dass er manchmal übers Ziel hinaus schießt und ein wenig zu heftig zur Seite tritt. An manchen Tagen ist er auch so unsicher, dass er nicht gerne nach draußen mitgeht mit mir. Meißt bin ich an dem Tag allerdings auch irgendwie gestresst oder unruhig, unsicher. Wenn ich ihn sehe geht mir das Herz auf!
Huhu!
Sehr sehr toller Artikel!
Ich habe meinen Schatz nun seit knapp 1,5 Jahren. Als ich ihn kaufte hatte er eine weite Reise vom Ausland nach Deutschland hinter sich und landete beim Händler. Er kannte lediglich das Reitergewicht auf seinem Rücken, war aber ansonsten noch „unberührt“. Ich habe ihm erstmal Zeit gegeben um sich einzuleben und am Boden mit ihm gearbeitet, damit wir uns kennenlernen, obwohl alle anderen mir geraten haben sofort mit der Ausbildung anzufangen, bevor er sich „zu sicher“ fühlt und aufmüpfig wird. Ich habe dann erst mit ein paar Minuten Schritt reiten angefangen, als ich merkte dass ihm die Bodenarbeit langweilig wird und er mehr möchte. Aber auch hier habe ich mir sehr viel Zeit gelassen und immer nur soviel gemacht wie ich fühlte dass es für ihn in Ordnung ist. Erst nach ca. 4 Monaten unterm Sattel, als ich das Gefühl hatte, dass er die Hilfen für alle Gangarten und Richtungen verstanden hat und für mehr bereit war, habe ich angefangen etwas mehr zu fordern und über den Rücken zu reiten. Und das obwohl auch hier mein Umfeld meinte ich müsste schneller mehr von ihm verlangen, bevor er die Kondition Kraft und Ausdauer hätte um mich „abzusetzen“. Ich habe das „Training auch sehr abwechslungsreich gestaltet, von z.B. spazieren gehen, Ball spielen, Bodenarbeit, Stangenarbeit, gemütliche Ausritte usw. Und, ich habe alles, aber auch wirklich jeden einzelnen Schritt, den er gut gemacht hat, überschwänglich belohnt, indem ich ihn mit einem „super mein Schatz“ und einem Stück Möhrchen belohnte und ihm immer das Gefühl vermittelte der tollste und Beste zu sein. Die anderen belächelten mich teilweise.
Nun aber habe ich einen zuverlässigen und absolut treuen Partner, der immer bemüht ist, es mir recht zu machen und mir auf Schritt und Tritt folgt. Er dankt es mir mit absolutem Vertrauen und er nimmt jedes noch so schwierig erscheinende „Hindernis“ mit Gottvertrauen an! Egal ob hupend lärmender Straßenverkehr, gruselige Schafe/Rindviecher, fliegende Drohnen , plötzlich auftauchende Fahrräder von hinten ect…. Auch wenn ich ohne Sattel und nur mit Sidepull draußen bin, bringt er mich stets sicher nach Hause, weil er genau weiß dass er mitentscheiden darf wie und wo er z.B. über einen querliegenden Baumstamm rüber kann, darf und soll. Er weiß dass er es tun soll, aber das wie und auch den Zeitpunkt (egal ob er 1 Minute oder z. B. 10 Minuten Zeit braucht um für uns beide die beste Lösung zu finden) überlasse ich ihm. Und wenn er im Galopp seine Öhrchen spitzt und fragt ob er auch mal fetzen darf, dann lass ich ihn auch mal.
Und dieses gegenseitige Geben und Nehmen macht uns beide aus! Wir sind technisch gesehen nicht perfekt, aber das Gefühl passt! Wenn ich zu ihm komme und er mich sieht, spitzt er die Öhrchen, wartet dass ich 2-3 m auf ihn zukomme und dann kommt er zu mir. So ca. 3-4 m vor mir legt er warnend seine Öhrchen an und teilt so seinen Kumpels mit „Weg da! Dieser Möhrenspender gehört mir!“ und das obwohl er sehr weit unten in der Rangordnung ist! Da wird sogar mal der Herdenchef angeranzt, lach!
Und auch sonst zeigt er mir einfach immer dass er auf mich aufpasst und er hat noch nie ein einziges mal gebuckelt, ist weder gestiegen noch durchgegangen oder hat eine andere Unart gezeigt! Er sagt mir zwar seine Meinung, indem er mir zeigt was er mag und was nicht, und ich lasse gerne auch einmal die berühmt 5 gerade sein, aber immer so dass es für uns beide passt!Jeder hat gute und schlechte Tage! Sowohl er, als auch ich! Wir verzeihen uns unsere Fehler gegenseitig und ich denke, genau das ist das was uns beide besonders macht! Und wenn er mir dann mit seiner Nase mein Gesicht anstupst und mir „Küsschen“ gibt, weiß ich, dass wir jeden Tag ganz viele „Fury-Momente“ haben! Zwei Körper, aber 1 Seele! Verstehen ohne Worte! Akzeptanz, Vertrauen, gegenseitiger Respekt und ganz viel Gefühl, das ist unser Rezept! Und inzwischen hat es auch mein Umfeld verstanden dass es auch andere Wege als die klassische Standardausbildung nach Zeit und Regeln gibt! Wenn wir ohne Sattel und Gebiss in der Halle unsere Übungen machen und er völlig locker und entspannt übern Rücken läuft, weiß ich dass es passt und er sich mit mir wohlfühlt!
Das klingt so wunderschön und perfekt – wie ich es jedem Pferd wünschen würde :-) Danke für deine wunderbaren Kommentar und alles liebe an euch zwei, Petra
HEy liebe Monika, gerade bei einem so kooperativen Pferd würde ich davon ausgehen, dass er noch ein Balance Thema hat oder ein „Körperbewusstseinsthema“ – da können die Balance Pads super sein oder auch Körperbänder nach Tellington. ZU beiden Themen findest du Artikel bei uns in der Pferdeflüsterei. Ich würde auf jeden Fall mit Liebe und Geduld rangehen :-) Hilft dir das weiter? Alles LIebe, Petra
Hallihallo, super Beitrag. Ich habe ein ziemliches extrovertiertes Pferd, wie das Frauchen halt. Er kommt jedes Mal auf Rufen angelaufen, angaloppiert und wiehert wie ein Irrer. Er macht das nur, wenn Sara(RB) oder ich ihn rufen. Er ist ein reinrassiger Vollblutaraber und mein absolutes Seelentierchen. Man sagt den Arabern ja nach, dass sie sehr menschenbezogen sind. Das was du schreibst trifft echt zu, er legt auch gerne seinen Kopf auf meine Schulter und spielt vorsichtig an meinen Haaren rum. Ich arbeitet sehr viele mit Stimme und bei jedem Lob spitzt er die Ohren und stolziert regelrecht. Kleine Kunststücke lernt er sehr schnell. Vor allem beim ausreiten alleine verlässt er sich häufig nur auf meine Stimme und beruhigt sich. Ich habe ihn damals im Gelände angeritten bevor wir auf dem Platz richtig trainiert haben. Ich hatte mal gelesen, dass man sich sein Pferd nach seinem eigenen Charakterzügen unbewusst aussucht und es stimmt wirklich. Er ist wie ich. Habe ich mal schlechte Laune, brauche ich mich nicht auf ihn zu setzen, dass endet in einer Katastrophe. Dann gehen wir lieber spazieren. Dennoch ist er sehr sensibel oder testet ab und an mal seine Grenzen aus. Er lernt aber ziemlich schnell wie weit er gehen darf. Für mich mein perfektes Gegenstück. Andere sagen, er wäre zu zappelig und zu temperamentvoll. Das macht die Rasse aber aus. Ich wollte nie ein Araber, aber als ich ihn das erste mal sah, war es um mich geschehen. Die Züchter damals hatten sich glücklicherweise für mich entschieden, obwohl es schon drei Interessenten gab. Für mein Pferd würde ich alles tun, wir haben uns gesucht und gefunden ♥️
Das klingt einfach wunderschön! Danke für deine Zeilen und all die Liebe, die aus jedem Wort für dein Pferd spricht – es hat mir richtig Freude gemacht deinen Kommentar zu lesen. Alles Liebe, Petra
Ein toller Artikel…
Wenn ich zu meiner Pflege- und Hegestute auf die Koppel komme (ich sehe sie aufgrund des entfernten Standortes momentan nur alle 3-4 Wochen) und sie rufe oder manchmal nimmt sie mich auch ohne Rufen wahr, dann kommt sie langsam angetrabt und schnickt/schleudert dabei immer mit dem Kopf hoch und runter. Ich deute es immer als Freude, die sie vlt irgendwie kompensiert mit dieser Kopfbewegung. Wenn sie dann vor mir steht, halte ich ihr meine Hand hin, an die sie dann für einen Moment ihre Schnute randrückt.
Das klingt superschön, dass sie angetrabt kommt ist ein schönes Zeichen :-) Macht sie das mit dem schleudern auch beim Training? Dann kann es auch ein Balance Thema sein. Wenn nur bei der Begrüßung, würde ich mal davon ausgehen, dass es ein emotionales Freudezeichen von ihr ist .-)))
Hallo Petra !
Besonders schön finde ich in deiner Beschreibung die Erwähnung der Vielfältigkeit der Charaktere.
Ich hatte bereits schon mehrere Vollblutaraber aber bin immer wieder überrascht über ihre völlig unterschiedlichen Eigenschaften. Eine ist jedoch bei allen gleich, ihre unglaubliche Zugewandtheit dem Menschen gegenüber.
Seit knapp 4 Monaten bin ich wieder gemeinsam mit einem 4 jährigen Wallach unterwegs der, als ich ihn bekam weder geritten noch wirklich gearbeitet war. Ich gebe meinen Pferden immer eine lange Eingewöhnungszeit, so auch mit ihm. Bissi Boden Arbeit, Vertrauensaufbau, Spaziergänge usw
Jeder Tag ist voller toller und wunderbarer Überraschungen.
Jetzt zum Punkt : Gestern habe ich ihn, wie jeden Tag seit mehreren Wochen, zur freien Bewegung auf unseren
Reitplatz gestellt. Es ging immer gut bisher. Aber nun meinte er in seinem jugendlichen Leichtsinn unter der Litze hindurch zu kriechen um auszubrechen. Als er seine Freiheit bemerkte galoppierte er los in Richtung Koppel. Ich merkte es und rief laut nach ihm. Er drehte sich um, gallopierte zurück in meine Richtung und blieb direkt vor mir stehen. Ich wäre fast in Ohnmacht gefallen so schön war das. Das ist mein Beweis dass zwischen uns wohl einiges ziemlich gut läuft !
Superschöne Geschichte, liebe Bibi! Das sind doch die wirklich großen Glücksmomente :-) Ganz liebe Grüße, Petra
Erstmal vielen Dank für diesen tollen Artikel!
Ich habe auch ein wundervolles Erlebnis mit meinem eigenen Pferd bevor er über die regenbogenbrücke ging.
Wir schafften es nach ein bisschen Zeit und vertrauensaufbau, dass es möglich war mit ihm überall hin zu gehen, ohne das es nötig war ihn beim spazieren gehen am Strick zu halten. Sein Blick galt immer mir und meinen Bewegungen. Egal ob Richtungswechsel, schneller, langsamer oder stehen bleiben. Es reichte auch nur ein kleines Zeichen mit der Hand, und er wechselte auf die gewollte Seite. Auf der Koppel ging er nie mehr als 2m von mir weg und beim misten war er eher ein zweiter Schatten. Begrüßt wurde ich mit wiehern oder Brummen.
Aber die starke Bindung wurde mir erst bewusst, als ich mit ihm einen Unfall hatte und mir schien und wadenknochen brach. Er wurde mit dem Hänger zurück in den stall gebracht und ich direkt ins Krankenhaus. 3 Tage lang verweigerte er sein Essen (und das war ihm immer heilig) und auch überwiegend trinken. Er stand mit dem Kopf in der Decke seiner Box und rührte sich nicht.
Als ich nach 3 Tagen zurück kam war natürlich mein erster Weg zu ihm. Als er sah das ich das ich mit den Krücken angehumpelt kam riss er den Kopf nach oben, wieherte und kam auf seinen paddock galoppiert. Vor mir blieb er dann stehen und schnaubte einmal aus, legte den Kopf auf meine Schulter und ließ die Ohren seitlich hängen. Dann machte er einen Schritt zurück, beschnupperte das gebrochene Bein, stubste die gebrochene Stelle vorsichtig mit der Nase an und lehnte dann seinen Kopf dicht an meinen Oberschenkel. Die Ohren weiterhin seitlich hängend. So verharrte er einige Minuten ehe er wieder den kopf auf meine Schulter legte und so stehen blieb.
Er war mein seelenpferd….und wir hatten großen Gegenseitigkeiten Respekt und ein großes Vertrauen. Egal ob beim reiten oder zu Fuß. Er war einfach wunderbar!
Wow – das rührt mich zu Tränen. Wirklich eine wunderschöne Geschichte und eine besondere Verbindung – bewahre sie dir immer in deinem Herzen – alles Liebe, Petra
Liebe Petra,
habe vielen Dank für diesen schönen Artikel!
Gerne möchte ich Dir von ein paar „ungewöhnlichen“ Verhaltensweisen meines (Reitbeteiligungs-)Pferdes (ein Island-Wallach) erzählen :
– Nach dem Absteigen streichle ich ihn immer ausgiebig und lobe ganz viel; dann reibt er anschließend sehr gerne ausgiebig seinen Kopf an mir – von oben bis unten.
– Ungewöhnlich: Wenn ich ihn führe (beispielsweise auf die Koppel, aber auch auf dem Platz zur Bodenarbeit), stupft er mich ganz oft zart mit seinen Lippen auf meiner Hand an. Das Anstupfen macht er auch oft, um sich zu bedanken – beispielsweise nach einem Leckerli, oder wenn ich ihm einen besonders störenden Brocken aus seinen Hufen geholt habe…
– Ganz ungewöhnlich (habe ich noch nie von jemand anderem in ähnlicher Weise gehört): Er schleckt beim Führen gerne immer wieder kurz über meine Hand … ganz zart. Mehrmals hatte ich, als ich beispielsweise meinen Kopf gesenkt hatte, um zu fühlen, ob er im Brustbereich nach dem Training geschwitzt war, erlebt, dass er mich ganz zart ausgiebig an meiner Backe geschleckt hat (wie ein Hund das gerne macht).
– Wenn meine Tochter früher auf die Koppel geht, um ihr Pferd zu holen, läuft er oft zum Gatter und wartet ganz lange, bis auch ich da bin und ihn hole.
Da Spannende: Ich habe diese Reitbeteiligung erst seit etwa 10 Wochen und hatte davor kaum Kontakt mit ihm. In dieser Reitbeteiligung darf ich so oft zu ihm, wie ich möchte, und bin in der Regel 3x pro Woche bei ihm und arbeite mit ihm oder verbringe einfach Zeit mit ihm.
Ganz herzliche Grüße
Martin
Hallo lieber Martin, das klingt ganz wunderschön und nach ganz vielen kleinen und zarten Gesten der Zuwendung seitens deines Pferdes. Diesen 6er im Lotto bewahrst du dir sicher ganz arg. Auf jeden Fall liebe Grüße und danke für diese zauberhaften Gesten der Liebe, die du geschildert hast, Petra
Hallo,
Meine Stute kam, als sie noch im Offenstall stand, immer zu mir, wenn sie mich sah. Nicht im Galopp, aber angedackelt kommt sie dennoch ?
Daran konnte ich auch immer ablesen, wie ihr das Training am vorherigen Tag gefallen hat, denn wenn ihr etwas viel Spaß gemacht hat oder wir beim Reiten/Bodenarbeit einen richtigen Aha-Moment hatten, kam sie gleich motivierter an.
Habe ich irgendwas neues geübt, was sie noch nicht so verstanden hat und doof fand, hat sie sich vieeel Zeit gelassen oder sogar gewartet, bis ich zu ihr gekommen bin, die kleine Diva.
Mittlerweile steht sie aus verschiedenen Gründen in der Box, und fühlt sich da auch ganz wohl. Jedes Mal, wenn ich komme und pfeife, hebt sie den Kopf und brummelt oder wiehert oft sogar.
Außer wenn das Training am Tag vorher doof war. Wenn ich vielleicht ein bisschen zu viel verlangt habe, oder sie es doof fand, oder es schlicht und ergreifend kein guter Tag war, weiß ich meistens schon vorher, dass sie am nächsten Tag nicht grummeln wird.
Manchmal, wenn sie auf den großen Paddocks steht und ein bisschen energiegeladen ist, kommt sie auch gerne mal im vollen Galopp angerannt, wenn ich pfeife. Das macht sie allerdings normalerweise auf der Koppel eher selten.
Sie ist einfach eine echte Diva und das ist im Alltag seeehr lustig.
Mittlerweile vertraut sie mir meistens auch im Gelände, und wenn irgendwas ganz gruselig ist, steige ich kurz ab und dann ist es gar kein Thema mehr. Neulich waren wir neben einem Flugplatz spazieren. Das mittelgroße Flugzeug, dass ungefähr 200-300 Meter neben uns unter ohrenbetäubendem Lärm gestartet ist, war noch nichtmal einen Blick wert. Der Stock auf dem Rückweg, der anders lag als sonst, war aber so gruselig, dass sie mir am liebsten auf den Arm gehüpft wäre.
Obwohl sie Turnierpferd ist (bzw wird, dieses Jahr war ja nicht viel möglich) und wir relativ viel trainieren, würde ich sagen, dass wir eine gute Verbindung haben.
Sie nimmt ihre Kandare gerne ins Maul, wenn ich sie ihr hinhalte. Sie streckt aber auch gerne die Nase ins Knotenhalfter. Die Abwechslung machts.
Sie zeigt mir auch eigentlich immer deutlich, wenn mal eine Hilfe zu stark war. Das ist echt hilfreich.
Hallo ihr zwei, das klingt ja wunderschön – so viele kleine und große Zeichen und so viel Geduld miteinander – so sollte es sein. Ganz lieben Dank für deine Zeilen und liebe Grüße, Petra
Hallo, ich habe das glück mein pferd bei uns auf dem bauernhof zu haben, da hat man ganz eine andere beziehung, ich bin die verantwortliche person, meine funktionen sind: besitzer, stallbursche, bezugsperson….ich finde das macht alled viel einfacher. Alles was du beschreibst ist für mich völlig normal und gehört für mich dazu.
Hallo :-) absolut – das wäre auch mein Traum. Natürlich bringt mehr gemeinsame Zeit auch mehr Vertrauen. Ganz liebe Grüße, Petra
Liebe Petra,
Vielen Dank für diesen wie immer sehr schönen Artikel!:-)
Ich habe vor kurzem mein RB Pferd gekauft das ich seit 8 Jahren reite und habe gemerkt was für einen riesen Unterschied es macht ob es wirklich das eigene Pferd ist oder eben „nur“ die reitbeteiligung.
Mein ganz besonderer Moment war vor einigen Wochen, als sie in der Sonne auf dem Boden lag und geschlafen hat. Sie hat mich ankommen sehen, ist aber liegen geblieben und ich durfte mich zu ihr setzen und ihr die Ohren kraulen.
Oder letztens, als sie so mutig mit mir über diese gruselige Holzbrücke ging, die dieses laute Geräusch macht wenn ein Pferd drüber läuft und die sie noch nie zuvor gesehen hatte. Sie hat nicht eine Sekunde gezögert, obwohl sie ganz alleine mit mir war. Wir üben gerade alleine raus zu gehen, das war in den letzten Jahren mit ihr nicht möglich.
Jeder Schritt den sie alleine mit mir vom Stall weg macht ist für mich ein Geschenk und ein riesengrosser Vertrauensbeweis.
Vorgestern waren wir alleine im Wald ausreiten und sie lief super entspannt am langen Zügel.
Diese Momente sind für mich schon „liebes“ Beweis genug.
Und dafür lohnt es sich, die vielen Momente wegzustecken, in denen sie keinen Bock auf mich hat, in denen wir uns nicht auf einer Wellenlänge bewegen oder in denen sie zu mir ganz laut „nein“ sagt.
Ganz liebe grüsse
Michelle
Perfekte Einstellung – genau das zählt doch. Wie schön, dass sie so viel Vertrauen hat – alles Liebe, Petra
Liebe Petra, was für ein schöner Artikel, danke dafür! Nach solchen Infos bin ich süchtig, da ich tief im Innern immer noch das kleine 8jährige Mädchen bin, dessen großer Traum das eigene Pferd ist, welches mit mir durch dick und dünn geht. Dieser Wunsch hat sich bis heute nicht geändert und dadurch habe ich mir vor 2 Jahren meinen Lebenstraum vom eigenen Pferd erfüllt – mit meiner Paint Horse Stute Funny. Was ich sehr interessant finde ist, wie sich mit dem EIGENEN Pferd (ich hatte immer Reitbeteiligungen, die oft sogar wie mein eigenes Pferd waren, da die Besitzer sich nicht wirklich viel gekümmert haben – aber dennoch waren sie „nur“ eine Reitbeteiligung) meine Einstellung/Erwartungen an mich und auch an meine inzwischen 5jährige Stute, veränderten. Ich wollte in innerhalb weniger Monate, wenn nicht sogar nur Wochen, diese „Fury-Bindung“ haben. Ich achtete auf jegliche Stimmungsänderungen bei Funny und nahm alles seeeehr persönlich. Meine Stute ist ein starker Charakter, die deutlichst Nein! sagt, was am Anfang dazu führte dass ich weinend und verzweifelt Zuhause sahs und nicht wusste wie ich mit diesem, für mich, emotionalen Desaster umgehen sollte. Ich wollte doch nur dass sie mich genauso lieb hat, wie ich sie. Am Anfang wurde ich regelrecht ignoriert wenn ich an den Stall kam – kein Liebesbeweis, keine Freude, gar nichts. Der Schlüsselpunkt war dann eine Video von Kenzie Dysli, die darin meinte, dass es keine lange Zeit ist, wenn man sein Pferd seit 1 Jahr hat und da hat sie vollkommen Recht. Ich fing an endlich los zu lassen und meine Stute so zu nehmen wie sie ist. Klug, aufgeweckt, neugrieg aber auch grumpy, launisch und sehr deutlich wenn ihr was nicht passt, denn was solls, wir finden schon zusammen und wir kennen uns ja noch nicht lang. Was uns auch in unserer Beziehung weit voran gebracht hat, war endlich der richtige Stall an dem wir uns beide wohl fühlen. Nun habe ich ein Pferd, dass sogar vom Heu weg geht wenn ich sie rufe, nicht immer, aber immer öfter :-D An guten Tagen bekomme ich ein brummeln, an sehr guten Tagen ein freudiges wiehern und an manchen Tagen sehe ich es schon an ihrer Körperhaltung, dass heute schlechte Laune angesagt ist, da kommt dann das Grumpy-Gesicht, die angelegten Ohren (sie würde nie etwas tun, aber das sind die seeeehr deutlichen Zeichen) und der „Lass mich blos in Ruhe“ Blick. Das sind die Tage an denen wir eig gar nichts machen oder ab und zu, irgendwas schönes, wie grasen gehen. Manchmal komme ich an den Stall und Funny kommt zu mir bleibt neben mir stehen und fängt an zu dösen. Ich liebe es wenn sie das macht, da ich dann das Gefühl habe ich mache vielleicht doch auch Sachen richtig ;-D, denn ich denke Sie hat nicht das Gefühl dass sobald ich komme, es heißt und Loooos!!!.. jetzt wird gearbeitet, sondern Sie neben mir auch Pferd sein darf und entspannen und dösen kann. Wir stehen dann oft 20 Minuten einfach nur da und das ist für mich mit unter einer der größten „Liebesbeweise“. Danach fahre ich dann wieder nach Hause und hole sie nicht aus der Herde, das ist mein „Liebesbeweis“ an sie, neben all den Küssen auf die sooo weiche Pferdenase, bei denen sie weiß, sie kommt nicht drum rum und es wohl mehr akzeptiert als mag :-D und den lecker Karotten.
Unsere Bindung wächst stetig und nach jedem Down, das wir nach wie vor haben und bestimmt auch immer haben werden, denn dafür sind wir uns beide zu ähnlich.. wir nehmen sogar die selben Globolis, die wir jeweils unabhängig von ihrer und meiner Heilpraktikerin verschrieben bekommen haben :-D , habe ich das Gefühl sie ist noch stärker als zuvor.
Ganz liebe Grüße
Laura
Hallo liebe Laura, was für ein wunderschöner Kommentar – ich danke dir und schicke dir alles Liebe und deiner Funny. So sollte es sein. Alles liebe, Petra
Liebe Petra,
ich habe ja drei Ponys und jedes ist ein ganz eigener Charakter. Unsere Pferdedame brummelt uns entgegen, kommt an und ist sehr extrovertiert. Wer sich jetzt darüber freut hat allerdings Pech. Denn das macht sich nach kürzester Zeit bei jedem Menschen. Sie will einfach Futter haben. Sie ist das Pony was eindeutig am wenigsten Bindung zu uns hat.
Aber natürlich ist auch Bindung von ihr zu uns da. Das merke ich daran, dass sie beim Spazierengehen bei uns mal die Kontrolle über die Situation mir überlassen kann. Damit tut sie sich als langjährige Herdenchefin und Mutter von 5 Fohlen sehr schwer. Hier muss man also ganz genau hinsehen was wirklich ein Zeichen für Zuneigung ist. Das Ankommen und Brummeln ist es nicht. Obwohl sie immer Heu zur Verfügung haben, hat sie einfach mal in einem Stall Hunger gehabt und will deshalb ständig frisches Futter haben. Das ist tief in ihr drin und das steckt auch hinter ihrem Brummeln.
Der Ponymann und ich haben eine besondere Bindung zueinander. Er ist sehr auf mich geprägt und orientiert sich stark an mir. Niemals habe ich ihn ans Gatter galoppieren sehen, oder brummeln gehört. Dafür ist er nicht der Typ. Aber er geht mit mir ganz anders um als mit allen anderen Menschen. Nur meine Frau hat noch eine Chance bei ihm. Der Rest der Menschen ist ihm einfach egal. Hier sehe ich die Zuneigung darin, dass er sich für mich zu Dingen überwindet auf die er nicht so viel Lust hat, dass er mit mir kooperiert, dass er meine Nähe sucht und Trainingszeit mit mir einfordert.
Unser kleines Wildpferd ist wieder anders. Sie hat einen enormen Freiheitsdrang. Sie kommt manchmal an und brummelt vor Freude. Aber ehrlich gesagt ist das die Freude aufs Training, wenn ihr gerade in der Herde etwas langweilig ist. Das würde sie aber nie bei Fremden machen. Zu denen hält sie sowieso gerne erstmal Abstand. Während sie bei uns mittlerweile liegen bleibt und ich sogar schon ihren Kopf auf meinem Schoß hatte, braucht sie mit fremden Menschen Abstand. Aber auch wir müssen genaue Regeln bei ihr einhalten, wer das nicht tut, ist sowieso unten durch. Bei ihr merke ich ihre Zuneigung dadurch, dass sie sich in Angstsituationen an mir orientiert und dass sie Nähe bei mir zulässt, wo sie es bei anderen nicht duldet.
Ich habe also zwei Pferde die mich anbrummeln, was positives bedeutet es aber nur in einem Fall. Und das Pony was mich eigentlich nie anbrummelt, hat die engste Bindung zu mir. Es kommt für mich auf die vielen kleinen Gesten im Alltag an. Meine Ponys sind höflich und respektvoll zu mir, sie vertrauen mir und meiner Einschätzung und das sind die Punkte, die ich wichtig finde. Wir können einfach nebeneinander auf dem Paddock stehen und den Sonnenuntergang genießen. Da merke ich die Verbindung zu meinen Pferden.
Liebe Grüße
Miriam
Hallo liebe Miriam, das ist bei dir wirklich sehr witzig, weil die drei so unterschiedlich sind – du aber immer die gleiche Pferdefrau bleibst. Also ganz lieben Dank für deine schöne Ergänzung, sie ist für mich der beste Beweis, dass wir individuell schauen müssen, um die Gesten der Liebe wirklich zu erkennen. Ganz liebe Grüße, Petra