Der Hannoveraner ist ein deutsches Warmblut und eine der bedeutendsten Pferderassen überhaupt. Nicht nur, weil er auf der ganzen Welt zuhause ist und es einfach zahlenmäßig viele Hannoveraner gibt. Er ist einfach ein ideales Reitpferd: Die beiden Hauptkriterien in der Zucht sind zum einen eine hohe Rittigkeit und zum anderen ein unkomplizierter Charakter. Das macht den Hannoveraner zu einem super Partner für Menschen, die ein vielseitiges Freizeitpferd suchen. Aber eben auch zu einem echten Sportcrack, der in verschiedensten Disziplinen einen Erfolg nach dem anderen abräumt.

 

Rittig und unkompliziert: Der Hannoveraner

Egal, ob in der Dressur, beim Springen oder in der Vielseitigkeit: Der Hannoveraner zeigt schon seit Jahrzehnten auf internationalen Turnieren, zu welchen Höchstleistungen er fähig ist. Seine Qualität und Leistungsfähigkeit machen ihn zu einer ungeheuer beliebten Pferderasse. Laut seinem Zuchtverband gibt es 16000 eingetragene Zuchtstuten und über 300 Deckhengste. Damit beeinflusst der Hannoveraner auch die Entwicklung anderer Rassen. Er gilt als edel, leistungsbereit und rittig – und besitzt ausgesprochen elastische und raumgreifende Gangarten.

Größe

Der Hannoveraner hat ein Stockmaß von etwa 160 bis 185 Zentimetern. Angestrebt wird eine Größe von 1,65 Metern.

Farbe

Hannoveraner haben klassische Farben. Sie sind in der Regel Braune, Rappen, Füchse und Schimmel. Auch weiße Abzeichen sind erlaubt.

Brandzeichen

Der Hannoversche Schenkelbrand besteht aus dem Großbuchstaben H, der in zwei Pferdeköpfen mündet.

Ein rittiges Rechteck-Pferd: Das Exterieur des Hannoveraners

Der Hannoveraner ist ein modernes Sportpferd und steht im sogenannten Rechteck-Format. Dabei ist er durchaus großrahmig und langbeinig mit einer harmonischen Oberlinie und ausgewogenen Proportionen: Vorhand, Mittelhand und Hinterhand sind in etwa gleichlang.

Je nach Zuchtausrichtung gibt es verschiedene Typen und Kaliber: das blutgeprägte Vielseitigkeitspferd, schlank und sehnig, das stabilere Springpferd oder das stämmigere und großrahmigere Dressurpferd.

Allgemein sollen Hannoveraner gleichermaßen elegant, stark und robust sein. Sie haben einen kraftvollen, bemuskelten Körper und stabile, kräftige Gliedmaßen. Im Züchterdeutsch heißt das „große Linien, klare Konturen und eine plastische Bemuskelung“.

Der Kopf soll edel und trocken sein, das heißt wenig Unterhautgewebe besitzen. Seine Größe passt zum Körper, er hat eine leichte Ganasche, große Nüstern und große, aufmerksam wie ruhig und offen blickende Augen. Freundlich und achtsam soll der Blick sein.

Hannoveraner haben einen langen, gewölbten Hals mit schön ausgebildeter Muskulatur, der sich zum Kopf hin verjüngt (deswegen die leichte Ganasche und das leichte Genick). Die Verbindung zum Kopf muss beweglich und frei sein. Der Hals sitzt in rechtem Winkel auf der Schulter. Diese ist lang und schräg. Darüber sitzt ein markanter, hoher Widerrist, der weit in dem Rücken hineinreicht. Der Rücken selbst ist ebenfalls lang, breit und kann elastisch schwingen. Er mündet in einer gut bemuskelten Lendenpartie. Die Kruppe neigt sich leicht, sie ist ebenfalls lang und muskulös.

Die Beine sollen gerade, trocken und kräftig sein und in den richtigen Winkeln stehen. Der Züchter wünscht sich ausgeprägte Gelenke und mittellange Fesseln, die für einen elastischen Tritt sorgen. Die symmetrischen Hufe passen in ihrer Größe zum Pferdekörper.

Der Hannoveraner trägt seinen Schweif gerade. Er hat insgesamt gut ausgebildetes Langhaar.

Dieser Körperbau sorgt dafür, dass der Hannoveraner über hervorragende Grundgangarten verfügt: ein schreitender Schritt, ein taktmäßiger Trab mit Raumgriff und aktiver Hinterhand und ein durchgesprungener Bergauf-Galopp. Dynamik und Schwung zeichnet die Bewegungsqualität des Hannoveraners aus. Er ist sportlich und anmutig.

Unkompliziert und umgänglich: So tickt der Hannoveraner

Hannoveraner sollen vor allem eines sein: unkompliziert! Ihr unerschrockenes und ruhiges wie ausgeglichenes Temperament aus Zeiten, als sie noch in erster Linie Arbeitspferde waren, hat sich erhalten. Hannoveraner sind also durchaus nervenstark.

Dazu kommt ein gutmütiger und umgänglicher Charakter. Sie gelten als intelligent, aufmerksam und lernen gern. Zusätzlich bringen sie von Grund aus eine hohe Leistungsbereitschaft mit. In Kombination mit ihrem harmonischen Körperbau resultiert daraus eine hohe Rittigkeit – was bei einem Reitpferd natürlich perfekt ist. Unterschätzt werden sollte aber nicht die Sensibilität der Pferde aus Niedersachsen.

Das perfekte Reitpferd

Der Hannoveraner ist vor allem eines: ein optimales Reitpferd. Sein Charakter in Kombination mit dem Körperbau macht ihn zu einem wirklich rittigen Pferd und damit einem optimalen Partner für alle, die reiten wollen. Diese Kombination von Eigenschaften führt zum hohen Leistungsvermögen der Hannoveraner. Dazu bringt er eine elegante, kraftvolle Optik, gute Bewegungseigenschaften und eine stabile Gesundheit mit.

Wer einen Hannoveraner kaufen will, kann aus den sogenannten Schwerpunktveranlagungen zwischen den Disziplinen Dressur, Springen und Vielseitigkeit wählen. Auch für die zweite Leistungsanlage gibt es Mindestanforderungen. So wird die Vielseitigkeit der Rasse gewährleistet und gestärkt.

Hannoveraner laufen hocherfolgreich im Spitzensport und den olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften – in allen drei Disziplinen. Immer wieder wird ihre ausgesprochene Sprungkraft betont.

Die Warmblüter sind aber nicht nur Sportpartner für ambitionierte Reiter mit hohen Ansprüchen und Zielen. Auch Freizeitreiter und Reitanfänger finden im Hannoveraner einen freundlichen und treuen Partner. Da es auch Rassevertreter mit etwas niedrigerem Stockmaß gibt, laufen mache sogar im Westernsport. Aber auch auf Jagden, beim Voltigieren und als Fahrpferde werden sie eingesetzt. Weil die Pferde aus Niedersachsen nicht überzüchtet sind und über einen verhältnismäßig kräftigen Körperbau verfügen, eignen sich Hannoveraner auch als Gewichtsträger.

Hannoveraner halten: Sie brauchen Platz, Bewegung und Beschäftigung

Hannoveraner Pferde gelten als unkompliziert in der Haltung. Wie jedes andere Pferd auch benötigen sie genug Platz, ausreichend Bewegung und Sozialkontakte zu Artgenossen. Hannoveraner bringen Leistungswillen mit – sie wollen deswegen geistig wie körperlich ausgelastet sein und beschäftigt werden.

Die Rasse ist genügsam und leichtfuttrig – sie braucht also ausreichend Raufutter wie Heu von guter Qualität und nicht übermäßig viel Kraftfutter.

Erkrankungen des Hannoveraners

Es sind keine wirklich rassetypischen Krankheiten bekannt. Allerdings gibt es immer wieder Fälle von Osteochondose (OCD), die sogenannten Gelenk-Chips. Da der Hannoveraner im Leistungssport eingesetzt wird, kann sein Bewegungsapparat erkranken, wenn er überlastet wird. Dann leiden Gelenke, Sehnen und Bänder und zeigen die typischen Verschleißerscheinungen.

Die Zuchtgeschichte: Schon früh wurde der Warmbluttyp veredelt

Schon im 15. Jahrhundert wurden in Niedersachsen Pferde gezüchtet. Für die Hannoveraner entscheidend war die Gründung des Landgestüts Celle im Jahr 1735. Es hat auch heute noch eine führende Funktion.

Im 19. Jahrhundert wurde die Rasse mit Hengsten aus Mecklenburg und englischen Vollblut- und Halbbluthengsten veredelt. Die erste Körordnung wurde 1844 erlassen, und 1888 das erste Stutbuch eingeführt. In dieser Zeit standen in der Zucht die einheimischen Pferdelinien wieder mehr im Vordergrund. Der Hannoveraner wurde mit dem Fokus auf seinen Einsatz vor der Kutsche, im Militär und der Landwirtschaft selektiert – es sollte edel wie rittig und vielseitig einsetzbar sein. Nach dem zweiten Weltkrieg wandelte sich der Pferdetyp von einem Arbeitspferd hin zu einem edleren Sportpferd. Erneut wurden Vollblüter und Trakehner eingekreuzt. Mit dieser offenen Zuchtpolitik war der Hannoveraner Verband Vorbild für die Zucht anderer deutscher Warmblüter. Seit 2005 beziehungsweise 2014 gehören die hessischen Pferdezüchter sowie das Rheinische Pferdestammbuch (Abteilung A) zu den Niedersachsen.

Viele Hannoveraner Zuchtstuten stehen im Privatbesitz. Sie stammen aus bewährten, alten Stämmen, die sich als vererbungssicher erwiesen haben und die Basis der heutigen  Zucht bilden. Mit der Systematik des Hannoveraner Verbandes können Zuchtstuten bis auf ihre Stammstute aus dem Stutbuch von 1888 zurückverfolgt werden.

Die privaten Züchter werden unterstützt vom Landgestüt Celle und seiner Deckstation mit rund 60 Deckhengsten, den sogenannten Landbeschälern. Insgesamt gibt es rund 300 Hengste, die sich auch in Privatbesitz befinden.

Die Leitlinien des Hannoveraner Verbandes legen die Selektionskriterien fest.

  • Zum einen sind die Züchter angehalten, ihre Pferde zielgerichtet auf eine Schwerpunktveranlagung für Dressur, Springen oder Vielseitigkeit auszuwählen.
  • Die Leitlinie Qualität legt den Fokus auf den Rücken der Pferde. Für die Zucht sollen deswegen Tiere ausgewählt werden, die über einen energischen Antritt und einen kraftvollen und losgelassenen Rücken verfügen. So entstehen optimale Tragkraft und elastische Bewegungsabläufe.
  • Die Leitlinie Identität soll die genetische Grundlage der Zucht stabilisieren: Dafür werden Hannoversche Leistungslinien gezielt eingesetzt.

Einen Hannoveraner kaufen

In der Niedersachsenhalle in Verden finden acht Auktionen pro Jahr statt. Rund 900 Hannoveraner – Fohlen, Zuchtstuten und Hengste, aber auch Freizeitpferde – werden dabei verkauft. Sie werden vom Verband im gesamten Zuchtgebiet ausgesucht. Die Auktionen sind nicht nur etwas für Käufer von Spitzenpferden für den Sport. Reitpferde für alle Disziplinen werden dort angeboten. Sechs Mal im Jahr werden Reitpferde versteigert.

Bekannte Hannoveraner

  • Hannoveraner Pferde brillieren in allen Sparten des Pferdesports. Bekannte Dressurpferde mit Hannover’schem Brand sind zum Beispiel Gigolo, Salinero oder Bonaparte. Aktuell hocherfolgreich ist Desperados FRH, der bei den Europameisterschaften 2015 und den Olympischen Spielen 2016 Medaillen und Schleifen abräumte. Im Springen kennt man Namen wie ET, Esprit, Checkmate oder Shutterfly. Und in der Vielseitigkeit ist FRH Butts Abraxxas einer der ganz Großen. Oderdie Hannoveraner Stute FRH Escada JS, die bei den Europameisterschaften 2013 und den Weltreiterspielen 2014 hoch erfolgreich war.
  • Goldfisch II, Sohn von Goldammer II/ Flugfeuer II, ist ein Hannoveraner Hengst, der eine ganze Linie begründete. Ihr wird Leistungsbereitschaft, Energie und Härte, Kraft und Ausstrahlung gleichermaßen bescheinigt. Sie ist die führende Leistungslinie in der Zucht und sie punktet mit den körperlichen Voraussetzungen und der notwendigen Stabilität, um Höchstleistungen vollbringen zu können.
  • Einer der bekanntesten Dressurvererber ist der Hengst Weltmeyer (1984-2011) vom Celler Landgestüt. Er war Körungssieger und Bundeschampion der dreijährigen Reitpferde. 86 seiner Söhne sind für den Verband gekört, 445 seiner Töchter erhielten die Staatsprämie. Einer seiner bekanntesten Söhne ist Wolkentanz.
  • Stakkato (geboren 1993) ist einer der erfolgreichsten Spring-Vererber. Er war Bundeschampion der deutschen Springpferde, gewann zahlreiche internationale Turniere. 44 seiner Nachkommen wurden gekört, 81 Töchter erhielten die Staatsprämie.

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