Artikel aktualisiert am 27.02.2017

Du willst hohe Dressurlektionen nur mit dem Halsring? Du suchst noch mit deinem Pferd nach der Pirouette, dem Galoppwechsel oder schnellen Wendungen. Du willst eine Reitweise, die elegant, traditionell und gesunderhaltend für dein Pferd ist? Du wünschst dir Gymnastizierung und Aufrichtung bei deinem Pferd? Die Doma Vaquera verbindet das alles als traditionelle Arbeitsreitweise.

Doma, die Dressur – Vaca, die Kuh

Wir haben Kenzie Dysli in Andalusien auf der Hacienda Buena Suerte bei der Arbeit mit ihrem jungen Lusitano Ulisses beobachtet, durften ihr beim Training über die Schulter schauen, haben sie zu ihren Trainingsmethoden befragt und sie auf dem Platz für dich gefilmt.

Im Video erklärt sie unter anderem wie sie ihren Pferden de Dressurlektionen auch ohne Kandare und Zäumung beibringt. Sie trainiert mit ihrem jungen Pferd Ulisses, der gerade noch dabei ist die verschiedenen Lektionen zu lernen.

Mit Liebe und Geduld wiederholt sie immer wieder einzelne Lektionen, lobt bei jedem kleinsten Schritt in die richtige Richtung. Wenn etwas nicht klappt, lächelt sie. „Er ist ja noch jung, das lernt er noch.“ Dann darf Ulisses entspannen und Kenzie erklärt uns mehr zu ihrer Herzensreitweise.

Kenzie Dysli reitet Doma Vaquera

Kenzie Dysli auf Ulisses

Was ist Doma Vaquera?

17.Jahrhundert! Das ist schon ein paar Jahre her. Damals hat sich die Doma Vaquera entwickelt – vermutlich irgendwo in den Sumpfgebieten Andalusiens. Sie ist die traditionelle Reitweise der spanischen Rinderhirten. Sie ist der Anfang von allem. Auch von der Westernreiterei. Denn die Vaqueros, die spanischen Rinderhirten, haben diese Reitweise nach Amerika verschifft und daraus hat sich dann die altkalifornische Westernreitweise und daraus wiederum die Westernreiterei entwickelt.

Kenzie Dysli auf Ulisses

Kenzie Dysli reitet Doma Vaquera

Kenzie Dysli reitet Doma Vaquera

Die Aufgabe der Rinderhirten war und ist das Bewachen großer Rinderherden. Dazu müssen die Pferde wendig, gut trainiert und aufmerksam sein. Der Vaquero-Sattel ist großflächig und auf Bequemlichkeit ausgerichtet. Traditionelle Vaquerosättel haben übrigens keinen Sattelbaum. Sie waren früher nur mit Stroh und Pferdehaar gepolstert. Das Material hat sich dann nach und nach dem Pferderücken angepasst.

Das Arbeitswerkzeug des Vaqueros ist die Garrocha. Das ist eine ziemlich lange dünne Holzstange. Damit werden zum Beispiel die Rinder aus der Herde raussortiert oder getrieben.

Typisch für die Doma Vaquera

  1. Der fliegende Galoppwechsel: Stell dir vor du hast eine Rinderherde. Die rennt auch mal nach Rechts und Links. Da muss das Pferd dazu in der Lage sein schnell die Richtung zu wechseln, um dem Rind zum Beispiel den Weg abschneiden zu können.
  2. Die Pirouette auf der Vorhand: Die Vorhand muss sozusagen einen Kreis machen, die Hinterbeine kreuzen beim Pferd. Das Pferd ist leicht in Richtung der Wendung gebogen.
  3. Die Traversale: Ist in der Doma Vaquera genauso wie auch in der klassischen Dressur. Stellung und Biegung des Pferdes, aber beides in der Richtung, in der sich das Pferd bewegt. Das ist entstanden, weil die Rinderhirten zum Beispiel die Weidetore öffnen und schließen müssen und deswegen ein Pferd in dieser gymnastizierenden Stellung brauchten, um ihre Arbeit machen zu können.
  4. Vaquerowendung: Das ist im Grunde eine Pirouette auf der Hinterhand, aber eben nur eine halbe. Also 180-Grad-Wende.

Das sind jetzt ein paar Beispiele für Dressur-Lektionen der Doma Vaquera. Natürlich gibt es noch viel mehr. Zum Beispiel wird die Doma Vaquera vor allem im Schritt und im Galopp geritten. Der Trab spielt offenbar nur in der Ausbildung eine Rolle. Danach dreht sich alles um Schritt und Galopp.

Warum Schritt und Galopp bei der Doma Vaquera?

Schritt spielt eine wichtige Rolle, um das Pferd zu schonen und Galopp, wenn die Rinder verrückt spielen und das Pferd schnell hinterher muss. Das Spannende an der Reitweise ist, wie bei allen Arbeitsreitweisen, dass sie vor allem mit Gewichtshilfen geritten wird. Denn der Rinderhirte hat seine Hände nicht zur Verfügung. Seine Schenkel können auch nicht den ganzen Tag am Pferd arbeiten. Ich persönlich stelle mir das angenehmer vor, als permanente Beinhilfen.

Kenzie Dysli reitet Doma Vaquera

Kenzie Dysli reitet Doma Vaquera

Kenzie Dysli reitet Doma Vaquera

Kenzie Dysli reitet Doma Vaquera

Genug getippt und getextet! Kenzie Dysli hat uns für dich einzelne Lektionen gezeigt und wir durften exklusiv bei ihrem Training mit dem noch jungen Lusitano Ulisses zusehen. Sie steckt mit dem Pferd in den Anfängen. Er lernt erst noch die schwierigen und anspruchsvollen Lektionen der Doma Vaquera. Zunächst mit Zäumung, später auch ohne – nur mit dem Halsring.

Im Video erklärt Kenzie Dysli, wie sie ihren Pferden den freien Galopp nur mit Halsring bebringt, was zur Doma Vaquera dazugehört, wie diese Reitweise geritten wird und warum sie so faszinierend ist:

Helfen dir diese Artikel weiter?

2 Kommentare zu “Dressur mit Kenzie Dysli: Warum Doma Vaquera die perfekte Reitweise ist

  1. Martina Frimmersdorf sagt:

    Egal, wie sanft es aussieht, Reiten mit (Rad-)Sporen und Kandare hat immer etwas mit Gewalt zu tun. Ich habe selbst geritten und das Silberne Reitabzeichen; da und bei Turnieren habe ich das Pferd auch auf Kandare geritten. Heute sehe ich das anders. Ich bin geschockt, dass man hier von "Doma Vaquera" spricht (man könnte ja auch einen anderen Namen kreieren!). Das Wort Doma für Einreiten, Zureiten, Zähmen oder Einbrechen bedeutet wörtlich Unterwerfung. Bekanntermaßen sind weltweit alle Arbeitsreiter wenig zimperlich bei Umgang und Ausbildung ihrer Reittiere. Außerdem finde ich die Assoziation zu Machismus und Tierqqälereien wie den Stierkämpfen sehr unschön. Warum kann man das nicht alles z. B. nur mit dem Halsring üben? DAS wäre eine Leistung! Kandare und anderes Eisen im Pferdemaul und dann noch Sporen zeigen: hier geht es um die "Überredung" des Pferdes, sich besser zu fügen. Partnerschaft mit dem Pferd und Respekt sehen anders aus! Ich habe schon die Narben am Kopf eines aus Spanien stammenden Pferdes gesehen, die durch die typisch spanische Serreta entstanden sind; das Pferd war schwierig "normal" zu reiten und traumatisiert. Spanische Reitweise als Vorbild – ganz schwierig! Frau Dysli ist noch jung – vielleicht denkt sie künftig mal darüber nach……. "Unterwerfung" sollte kein Trend sein!

    • Petra sagt:

      Hallo liebe Martina, ich kann dir im Grunde nur zustimmen: Unterwerfung ist definitiv kein Weg und sollte in der Reiterwelt überhaupt keine Rolle spielen. Ich persönlich reite Gebisslos und ohne Sporen. Aber ich sehe durchaus, dass es Reiter mit so feiner Hand gibt, die dem Pferd punktuelle und ganz zarte Signale geben können – egal ob mit Sporen oder Kandare. Ich kann es nicht und würde es auch nicht wollen, weil ich so hohe Lektionen nicht auf meinem Programm habe, aber würde es nicht per se verteufeln und mit Gewalt gleichsetzen. Auch mit dem Halsring kann man brutal sein oder Stress verursachen. Es kommt immer auf die Reiterhand an, denke ich. Ganz liebe Grüße, Petra

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.