Artikel aktualisiert am 27.02.2017

Für mich ist es mein Lebensinhalt. Ich bin aufgewachsen mit Pferden. Ich bin schon seitdem ich ganz klein war, als Baby, mitgelaufen mit meinem Vater und bin hoch zu den Zuchtstuten und wir haben uns die Zuchtstuten und die Fohlen angeschaut.

Interview mit Kenzie Dysli – Pferdetrainerin und Expertin für Bodenarbeit, Freiheitsdressur und feines Reiten

“Man muss immer schauen, wo ist der Rahmen: Wo ist der Rahmen für mich noch okay und wo ist der Rahmen von meinem Gefühl her für das Pferd noch okay? Wo verbiege ich das Pferd nicht zu arg. Ich möchte mein Pferd nicht verbiegen, weil ich möchte, dass es gerne bei mir ist. Kein Pferd lässt sich gerne verbiegen oder unterbuttern.” (Zitat Kenzie Dysli)

Pferdeflüsterei: Was bedeuten dir Pferde?

Kenzie Dysli: Für mich ist es mein Lebensinhalt. Ich bin aufgewachsen mit Pferden. Ich bin schon seitdem ich ganz klein war, als Baby, mitgelaufen mit meinem Vater und bin hoch zu den Zuchtstuten und wir haben uns die Zuchtstuten und die Fohlen angeschaut. Dann habe ich mit den Fohlen herumgespielt. Das erste Fohlen, das mich gebissen hat, da war ich glaube ich 3 oder so. Also von daher…ich bin zwischen ihnen groß geworden. Ich könnte mir ein Leben ohne Pferde nicht vorstellen. Es ist wie Familie.

Kenzie Dysli - Freiheitsdressur mit Sasou 2

Futterbelohnung

Pferdeflüsterei: Das kann ich gut verstehen. Aber wie kommunizierst du mit deiner Familie. Viele beschäftigt die Frage – wie dominant muss ich sein, damit das Pferd sich bei mir wohl fühlt. Darüber wird viel diskutiert. Wann ist es zuviel, was ist zuviel und wie sollte ich sein?

Kenzie Dysli: Für mich ist es sehr wichtig, dominant zu sein, als Leittier. Gerade bei so dominanten Pferden wie ich sie habe als Hengste, natürlich. Die Hengste sind nochmal ein bisschen spezieller. Aber es ist auf gar keinen Fall… zum Beispiel jetzt bei den Hengsten. Wenn du sagst: Okay – ich bin das Leittier und ich sage wo es lang geht und keinen Schritt weiter..man kann auch zu sehr in diese Richtung gehen. Dann hat das Pferd auch keine Lust mitzumachen. Es ist da auch wieder wie eine Waagschale.

Es muss im Gleichgewicht sein – ich respektiere das Pferd und respektiere die Bedürfnisse vom Pferd. Wenn es sich mal kratzen muss oder wenn es einfach einen Meter weiter weg von mir stehen möchte, weil es sich sicherer fühlt, weil es noch neu ist, dann steht es eben da und nicht da wo ich unbedingt will. Man muss immer schauen, wo ist der Rahmen?

Wo ist der Rahmen für mich noch okay und wo ist der Rahmen von meinem Gefühl her für das Pferd noch okay? Wo verbiege ich das Pferd nicht zu arg. Ich möchte mein Pferd nicht verbiegen, weil ich möchte, dass es gerne bei mir ist. Kein Pferd lässt sich gerne verbiegen oder unterbuttern, so dass es hinterher ganz da unten hinterherkriecht. Will man bei dem was ich mache, bei der Bodenarbeit, eigentlich nicht. Deswegen ist Dominanz wichtig, wenn es auf gegenseitigem Respekt beruht. Im Sinne von: Mein Bereich und dein Bereich. Ich versuche dir nicht dauernd reinzurennen und du versuchst aber genauso wenig mich dauernd umzurennen.

Pferdeflüsterei: Das nächste umstrittene Thema ist die Futterbelohnung. Wie gehst du damit um?

Kenzie Dysli: Alles hängt immer von der Waage ab. Ich in ja auch Waage von Sternzeichen, finde ich immer ganz praktisch. Für mich ist alles, was im Gleichgewicht steht, okay. Also, wenn ich Futter gebe, dann gebe ich es nicht zuviel und nicht immer. Ich belohne sie nicht immer nur mit Futter, sondern sie bekommen es ab und zumal. Wenn sie es aber nicht kriegen, dürfen sie auch nicht betteln. Dann habe ich immer noch meinen Bereich. Mein Bereich, ist mein Bereich.

Das muss das Pferd wissen. Und dann beharre ich wieder darauf. Das ist am Anfang vielleicht ein bisschen Training, wenn sie es immer gewohnt sind etwas zu bekommen, dann musst du dich davon immer wieder abgrenzen. Wenn du etwas geben möchtest, weil es besonders gut war, weil du etwas Neues beibringen willst, was ohne Futter nicht geht – aber eigentlich bettelt er soviel – dann muss du ganz arg darauf achten, dann musst du wieder sehr konsequent sein. Wenn du sagst: okay – jetzt darfst du es haben, dann darfst du es jetzt auch haben, aber dann gibt es nichts mehr. Dann wird auch nicht an mir herumgesucht.

Kenzie Dysli - Freiheitsdressur mit Sasou 1

Signalgebung

Pferdeflüsterei: Pferde vertrauen uns also durch klare Signale und durch Konsequenz?

Kenzie Dysli: Auch durch Konsequenz. Ich meine, Pferde bekommen auch Vertrauen, wenn sie verstehen. Viele Menschen neigen dazu, jeden Tag etwas anderes zu sprechen. Also heute darfst du an meiner Bauchtasche knabbern, weil heute bist du süß und dann finde ich das ganz niedlich. Dann kommt.. äähm…irgendein Reitlehrer oder jemand der wichtig ist oder von Pferden etwas versteht.

Und dann wirst du nervös und dann kommt das Pferd her und knabbert an der Bauchtasche, weil gestern durfte er es ja auch und: Batsch! …kriegt er eine gewischt. Das Pferd denkt sich: Naja heute kriege ich eine, morgen kriege ich keine… Dann hast du Pferde, denen ist es egal und die stumpfen dann ab und du hast Pferde, die werden dann unsicher.

Das ist jetzt ein kleines Beispiel, aber diese Beispiele gibt es ganz häufig. Mal wird das Pferd bestraft und mal wird es nicht bestraft. Dann weiß das Pferd nie: kommt die Bestrafung oder kommt sie nicht. Sensible Pferde bleiben dann weg von dir, weil sie dich nicht verstehen und manche andere Pferde trampeln dann einfach drüber. Du hast solche Pferde und solche Pferde.

Körpersprache

Pferdeflüsterei: Wie wichtig ist die Körpersprache im Pferdetraining?

Kenzie Dysli: Du kommunizierst ja nur über die Körpersprache eigentlich. Dann hast du die Gerte als Verlängerung des Arms und hast deine Stimme. Aber mehr hast du nicht. Also musst du schon sehr klar und deutlich mit der Körpersprache dem Pferd zeigen können: Geh ein bisschen weg, komm her, dreh dich, komm in die andere Richtung. Die Hilfen kannst du dann mit der Stimme geben, damit er dich besser versteht. Aber immer wieder die Richtung und die Intention von dir, beruht auf der Körpersprache.

Kenzie Dysli - Freiheitsdressur mit Sasou 4

Pferdeflüsterei: Gibt es da Dinge, die dir immer wieder auffallen – die viele Menschen bei der Körpersprache falsch machen?

Kenzie Dysli: Viele Menschen sind sich gar nicht bewusst, was Körpersprache ist. Also sie wissen nicht, wenn sie sich bewegen, was das beim Pferd auslöst. Zum Beispiel manche Leute gehen vor das Pferd und streicheln es und dann kommt das Pferd an und stubst. Und sie gehen einen kleinen Schritt rückwärts und streicheln weiter und laufen Rückwärts und “ach so süß, er will mit mir kuscheln” – ja ganz süß! Eigentlich stubst er dich die ganze Zeit weg und du gibst die ganze Zeit nach.

Dann gehst du weg und das Pferd gewinnt… ich meine du hast manchmal auch Pferde, die sich an dich gewöhnen und trotzdem hinterherlaufen. Aber grundsätzlich ist es dann eigentlich ein Respektverlust und sie reagieren dann nicht so gehorsam auf dich. Je nachdem, was für ein Pferd du hast. Hast du ein ängstliches, dann geht es weg. Hast du eines, das sehr aufmüpfig ist, läuft es dich einfach um oder läuft parallel an dir vorbei. Weil du da von Grund auf einen kleinen Respektbruch drin hast. Du musst dich einfach respektierend verhalten, deinen Bereich verteidigen. Wenn du aus deinem Bereich rausgehst, um etwas zu korrigieren, dann sind das kurze Impulse.

Kenzie Dysli - Freiheitsdressur mit Sasou 13

Pferdeflüsterei: Gerade im Horsemanship wird ja gerne das „rückwärts schicken“ als Strafe genutzt. Mir gefällt das ehrlich gesagt nicht besonders und ich sehe auch keinen Sinn darin. Wie siehst du das?

Kenzie Dysli: Nur in dem Moment in dem ein Pferd etwas falsch macht, darfst du diesen Moment eine Korrektur geben. Aber du darfst nicht drauf losgehen und es rückwärts schicken. Weg Weg Weg! Ich finde das ganz furchtbar. Korrigieren und Rückwärts schicken, ist überhaupt nicht gut. Das kann – gerade bei Hengsten – sehr schnell umschlagen.

Du kannst so dominant sein, dass du ungerecht wirst. Viele Leute kennen die Grenze dann nicht. Die denken dann, der ist auf mich drauf gesprungen, blaue Füße – jetzt schicke ich den 3 Meter oder 10 Meter rückwärts. Und dann wird bei ihm nach 1, 2, 3, 4 Metern fühlt er sich im ersten Moment korrigiert. Dann irgendwann fühlt er sich aber angegriffen. Das schwenkt dann ganz schnell um. Und wenn du ein etwas aggressiveres oder dominanteren Hengst hast, dann denkt er: Okay, dann greife ich zurück an – und dann ist es gefährlich.

Fehler

Pferdeflüsterei: Gibt es noch weitere Dinge im Pferdetraining, die dir bei Kursen immer wieder auffallen?

Kenzie Dysli: Ganz oft beim Longieren oder beim Führen sind es ganz kleine Bewegungen, die du machst. Aufs Pferd zu oder vom Pferd weg. Oder so Reflexe – wenn das Pferd zieht, gegenziehen. Dann hängst du die ganze Zeit im Seil. Es gibt dann andere Sachen, die man machen kann, damit das Pferd wieder herkommt, statt im Seil zu hängen.

Pferdeflüsterei: Zum Beispiel?

Kenzie Dysli: Mit der Gerte. Wenn das Pferd neben mir steht und es geht weg und frisst den Grashalm. Wenn ich dann am Seil ziehe, dann habe ich eigentlich nichts, was ich ohne Seil auch machen könnte, damit das Pferd nicht am Gras frisst. Also muss ich eigentlich überlegen, was könnte ich mit der Körpersprache machen, wenn ich mit ihm frei laufe und er frisst am Grashalm und er wieder herkommen soll. Entweder ich schnalze – je nachdem wie das Pferd reagiert.

Aber eigentlich, was du in der Herde beobachten kannst, ist das die Pferde….zum Beispiel jetzt bei einer Stute mit ihrem Fohlen. Das Fohlen ist unaufmerksam, geht irgendwo hin und macht etwas anderes. Die Mutter hört etwas. Was macht sie? Schlägt mit dem Schweif, trifft das Fohlen irgendwo und läuft los. Also was mache ich? Pferd geht weg. Ich nehme meine Gerte, ticke ihn einmal an, touchierst ihn, so dass er kurz den Kopf hochnimmt. Gehst weg und lädst ihn ein. Das Einladen muss man vorher ein bisschen üben. Aber das machst du dann ein paar Mal und dann haben sie es drin, weil sie es kennen. Eigentlich ist Körpersprache die einzige Sprache die Pferde haben. Sie machen ja keine Geräusche.

Kenzie Dysli und Ostwind Star Attlia

Tipps

Pferdeflüsterei: Hast du Tipps für die Menschen, die das Interview lesen oder Gedanken, die dir immer wieder durch den Kopf schießen, die du gerne in die Pferdewelt rausrufen würdest?

Kenzie Dysli: Achtet auf euch. Achtet darauf, dass ihr eine Linie habt. Ich meine, es ist ja egal. Ich kann dem Pferd beibringen, dass ich am linken Ohr ziehe und er das rechte Bein hebt. Ist ja wurscht. Wenn ich immer dasselbe mache, wenn ich immer diese Linie beibehalte und in dieser Linie konsequent, gerecht und sensibel bleibe. Ich muss ja immer aufs Pferd schauen: Ist es okay, ist es nicht okay. Eine gewisse Sensibilität. Die hat man oder man muss lernen sie zu haben. Ich denke Frauen haben da schon Bauchgefühl, das eigentlich ganz gut ist. Manche Männer auch (lacht). Ja, achtet darauf Konsequent zu bleiben.

Kenzie Dysli Liberty

Pferdeflüsterei: Was würdest du gerne ändern in der Pferdewelt – also: gibt es da etwas, das dich immer wieder ärgert, aufregt oder wütend macht?

Kenzie Dysli: Man kann es ein bisschen vielleicht über einen Kamm scheren, dass es sehr sehr wenig Pferdeverständnis gibt. Sei es im Sport. In der Freizeit weniger. Aber im Sport, dass da sehr wenig Verständnis für die Bedürfnisse vom Pferd da ist.

Man kann mit Pferden so wahnsinnig viel machen und die Pferde geben einem so viel. Manche Leute pressen eigentlich das allerletzte aus dem Pferd heraus und haben danach so wenig Verständnis dafür, was das Pferd danach braucht. Ich meine, du kannst mit einem Pferd wahnsinnige Hürden überwinden, aber danach kümmere dich darum. Es sind immer noch Tiere, Lebewesen. Das ist das, was am meisten weh tut, wenn die Pferde wirklich so benutzt werden und so wenig Verständnis dafür da ist.

Pferdeflüsterei: Stichwort „Freiheitsdressur“ – wie definierst du das?

Kenzie Dysli: Für mich ist Freiheitsdressur, alles was du machst vom Boden…du musst nicht gleich alles abmachen, aber alles was darauf hinarbeitet. Alles, wenn du vom Boden oder auch auf dem Pferd, und du hast das Ziel, du machst alles weg. Ich arbeite so, dass ich den Sattel oder das Zaumzeug nur noch als letzte Maßnahme benutze. Dann entwickelst du andere Druckpunkte, eine andere Art dich zu bewegen und andere Methoden, um das Pferd dazu zu bringen etwas zu machen. Und dann spricht es für mich für Freiheitsdressur.

Ostwind Star Attila

Pferdeflüsterei: Du reitest auch sehr viel mit dem Halsring, auch hohe Lektionen. Wie bringst du das deinen Pferden bei und worauf achtest du besonders?

Kenzie Dysli: Ich schaue, dass ich sehr auf den Sitz und auf die Beine achte. Ich versuche meine Pferd vorwärts und rückwärts zu richten, in dem ich bestimmte Punkte am Bauch bediene. Wenn meine Beine nach hinten gehen und hinten so ein bisschen rollen, sollte das Pferd nach vorne gehen. Wenn meine Beine nach vorne gehen und zumachen, stoppt er. Dann bleibt das Bein geschlossen, das Pferd geht rückwärts, dann liegt meine Hand auf dem Hals und dann stoppt er vom Rückwärts gehen.

Sonst hast du Pferde, wenn du zumachst, dass die dann lang rückwärts gehen. Der Stopp fürs Rückwärts gehen ist dann “Hände auf den Hals” und “Beine weg”. Und das ist so die Grundübung, die ich bei allen Pferden mache. Dann hast die Pferde durchlässig aufs Bein. Sie hören zu, wo deine Beine genau sind. Sie gehen vorwärts und rückwärts nur mit deinen Beinen, ohne, dass du die Hände benutzt. Und sie reagieren sobald du die Beine wegnimmst. Dann rennen sie nicht irgendwohin, sondern sie stehen. Das ist das erste. Du stehst, läufst vorwärts, stop und rückwärts.

Kenzie Dysli reitet Doma Vaquera

Pferdeflüsterei: Und dann gibt es ja noch den Galopp, diese wunderschönen Videos, wo du mit wehendem Haar durh die Natur galoppierst – wie hast du das deinen Pferden beigebracht. Dass sie dir zuhören und nicht davon rasen.

Kenzie Dysli: Da hast du noch ein bisschen Speedcontrol. Du möchtest manchmal schneller laufen, manchmal langsamer laufen. Das Pferd muss dann nicht nur auf den groben Punkt reagieren. Sondern sobald die Beine nach vorne gehen und ein bisschen zugehen, sollte er verharren und langsamer werden. Das ist im Schritt sehr schwierig, weil der Schritt ja eh schon recht langsam ist. Aber für Trab und Galopp ist es wahnsinnig wichtig. Denn du kannst ein Pferd angaloppieren ohne alles und dann macht er den Hals lang und galoppiert (lacht).

Das ist natürlich, zum stoppen… dann hast du ein Pferd – den Stopp hast du eingebaut im Schritt, Trab und Galopp. Dann kannst du ein Pferd angaloppieren, dann rennt er los und du machst die Beine zu und das Pferd stoppt. Auch schon mal gut, wenn das drin sitzt. Aber dann möchte ich ja nicht einfach nur, dass es rennt, sondern ich möchte, dass er kontrolliert galoppiert.

Das ist auf dem Video, was du gesagt hast, mit ausgestreckten Armen, da musste ich ja langsam galoppieren. Da musste ich hinter dem Auto galoppieren, das gefilmt hat. Da konnte ich nicht einfach voll Speed abgehen und dann stoppen. Dafür habe ich noch die Schenkel. Du gehst in den Galopp und dann hast du den inneren Schenkel dran und immer wenn du ihn anlegst impulsmäßig, kannst du dem Pferd so den Takt vorgeben, wie er galoppieren soll. Dann hält er sich an deinen Takt und dann kannst du ihn langsam galoppieren.

Pferdeflüsterei: Hat das lange gedauert, es deinen Pferden beizubingen?

Kenzie Dysli: Bei James ging das eigentlich relativ schnell. Ihm musste ich nur das “Ho” beibringen. und dann konnte ich schon losgaloppieren und sobald ich “ho” gesagt habe und die Beine zugemacht habe, stand er. Er hat von selber einen langsamen Galopp, weil er eh nicht einer ist, der lospehst. Atila war gar nicht so. Atila war immer gleich auf 180. Egal ob im Schritt oder Trab oder Galopp.

Da musste ich viel mit ihm arbeiten. Mit ihm habe ich auch dieses System entwickelt. Mit James habe ich das nicht gebraucht. Bei Atila stand ich vor der Herausforderung. Um diese ganzen Lektionen zu machen, Pirouetten, Wechsel, die ich ohne Zaumzeug auch reite, brauche ich einen kontrollierten Galopp, da brauche ich keinen Renngalopp. Da musste ich etwas entwickeln ohne Hände, damit er den Takt behält und bei mir bleibt. Und ich auch Lektionen reiten kann.

Kenzie Dysli reitet Doma Vaquera

Pferdeflüsterei: Die Lektionen, das ist die Doma Vaquera. Die Reitweise, die du vor allem trainierst. Warum gerade Doma Vaquera?

Kenzie Dysli: Doma Vaquera ist eine sehr schöne Reitweise, um elegant zu reiten und leicht zu reiten. Auf hohem Niveau. Man macht sehr viele schwierige Lektionen. Da sind Galoppwechsel, Traversalen, Pirouetten. Dann machst du Einerwechsel, dann machst du Kontragalopp. Das sind schwere Aufgaben, die auch in der Dressur sehr hohe Lektionen sind. Die du sehr leicht reiten kannst. Mit entsprechenden Pferden, einhändig geritten. Die Pferde sollten eine kräftige Hinterhand und Aufrichtung haben. Es ist eine sehr elegante Reitweise. Sie fasziniert mich sehr.

Kenzie Dysli reitet Doma Vaquera

Pferdeflüsterei: Wie unterscheidet sie sich, zum Beispiel von der Westernreitweise, die du ja auch sehr viel trainierst und früher trainiert hast?

Kenzie Dysli: Doma Vaquera kommt ja..jetzt kommen wir auf Ursprünge….von den Vaqueros. Vaqueros wie damals die Buckaroos, wie in Amerika die Westernreiter. Diese altcalifornische Reitweise, wie sie damals geritten sind, ist sehr ähnlich zu der Doma Vaquera. Nur, dass sich aufgrund der verschiedenen Länder und Pferde (sie sind ja ein bisschen anders von der Morphologie her), hat sich das ein bisschen verändert. Aber im Grunde kommt es vom selben Ursprung.

Ich finde, dass Doma Vaquera eine gute Mischung ist. Man reitet viel mit dem Sitz. Es ist eine Arbeitsreitweise. Was ja Dressur ja nicht ist. Eigentlich benutzt du Dressur ja nicht zum Rinder hüten oder um von deiner Ranch von A nach B zu reiten. Es ist ja wirklch nur eine schöne Reitweise. Und das Vaquero-Reiten, genauso wie das Westernreiten basiert auf einer Arbeitsreitweise. Es ist das einhändige Reiten, damit du eine Hand frei hast, um Tore auf- und zuzumachen.

Und die Stange zu nehmen, die Garrocha, um die Stiere auseinanderzuklamüseln. Also musst du mehr mit dem Sitz reiten. Wie beim Westernreiten. Du machst mehr über den Sitz und die Beine und einhändig. Die Pferde sind mehr in Aufrichtung bei den Doma Vaquera Lektionen und beim Westernreiten hast du sie noch tiefer und noch lockerer. Das sind so die ersten Unterschiede, die man auf so sieht.

Kenzie Dysli reitet Doma Vaquera

Pferdeflüsterei: Ist es schwer den Pferden diese Lektionen beizubringen?

Kenzie Dysli: Für ein Pferd, das eine gute Confirmation hat und was schon immer so trainiert wurde, ist es nicht besonders schwer. Es ist nicht schwieriger als etwas anderes auch. Einem Chihuaua das hüten beizubringen, ist ganz schön schwierig. Aber für einen Schäferhund oder für einen Border-Collie sich um die Schafe zu kümmern ist es überhaupt nicht schwierig.

So ist es bei den Pferden auch. Die Westernpferde sind vom Gebäude her eher low-head. Das wäre für ein Vaquero-Pferd, so ein blütiges Pferd, sehr schwierig. Umgekehrt wäre es für ein Westernpferd schwierig so zu laufen. Weil sie einfach anders von der Konstitution sind. Von daher ist es den Pferden sehr angepasst und von daher ist es für die Pferde nicht so schwierig. Wenn du gute Pferde hast, mit den Reitpoints dafür ist es nicht so schwierig.

Kenzie Dysli reitet Doma Vaquera

Pferdeflüsterei: Danke für das Interview. Wir freuen uns schon darauf, dich und deine Pferde irgendwann einmal wieder zu sehen. Es macht einfach Freude.

Noch mehr Kenzie Dysli und feine Kommunikation?

In Teil 1 der Serie erklärt dir Kenzie wie Pferde denken und fühlen

In Teil 2 der Serie gibt es ein exklusives Trainingsvideo – Freiheitsdressur mit Kenzie Dysli Schritt für Schritt

In Teil 3 der Serie zeigt dir Kenzie erste Lektionen der Doma Vaquera und erklärt, wie du deinem Pferd die Basis mit dem Halsring beibringen kannst

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6 Kommentare zu “Von “F” wie Freiheitsdressur bis “f” wie feines Reiten – Kenzie Dysli im Interview

  1. Miriam sagt:

    Liebe Petra,

    vielen Dank für den Artikel.
    In vielen Punkten kann ich für mich die Aussagen von Kenzie Dysli bestätigen. Gerade was sie zum Thema Futterlob sagt. Hier ist eine gute Erziehung, klare Regeln und Konsequenz wichtig. Futter kann so ein guter Motivator sein, aber es muss eine Futtererziehung stattfinden. Sonst habe ich ein ewig schnappendes und bettelndes Pferd. Das fällt uns Menschen aber oft schwer. Ich sehe oft, wie dann doch was reingsteckt wird, obwohl es kein Signal dafür gab, oder das Tier gerade gebettelt hat, aber dabei so süß war. Dann funktioniert es nicht und das Futterlob ist böse. Mein Pferd kann nicht mit Futter umgehen höre ich oft, aber ehrlich gesagt sind es eher die Menschen die nicht damit umgehen können.
    Bei uns gibt es zu diesem Thema ganz klare Regeln. Es gibt kein Futter einfach so, das Futter wird langsam und vorsichtig von der Hand genommen, es gibt Futter nur nach Click und dann auch nur, wenn dabei Abstand gehalten wird. Ich kann mit einem vollen Beutel Karotten auf der Weide stehen. Der Beutel ist in Reichweite der Ponynase und er bedient sich nicht selbst. Das bedarf aber gewisser Konsequenz und Disziplin.
    Anders sehe ich den Punkt Dominanz. Ich glaube nicht daran, dass ich mich dominant verhalten muss. Ich stehe in keiner Hierachie zu meinem Pony. Wir sind keine Herde, wir gehören nicht der selben Art an und wir gehen partnerschaftlich miteinander um. Natürlich achte ich auf Respekt und Höflichkeit. Das gilt wie im Interview sehr schön beschrieben aber für beide Seiten. Aber wir treffen beide Entscheidungen und ich sehe mich nicht in der Rangordnung mit meinem Pony. Zumal Dominanz im Prinzip auch nur innerartlich funktioniert und ich bin kein Pferd (wer an diesem Thema Interesse hat, dem empfehle ich die Bücher von Marlitt Wendt oder ihre Homepage).
    Für mich ist wichtig, dass ich an mir selber arbeite. Dass ich Vertrauen in mein Pony habe, dass ich nicht versuche alles zu kontrollieren, dass ich ruhig und gelassen bin und eine gewisse Souveränität ausstrahle. Das ist für mich der Schlüssel zu einer guten Beziehung und eben Partnerschaft zu meinem Pony und dann muss ich ihn auch gar nicht rückwärts schicken um ihn zu korrigieren. So jedenfalls meine Erfahrung.
    Liebe Grüße
    Miriam

    • Petra sagt:

      Liebe Miriam, das ist wirklich spannend – das Thema Futterlob. Ich glaube schon, dass es Pferde gibt, die einfacher sind und manche die schwieriger sind, was die Futtererziehung betrifft – aber trotzdem hast du natürlich Recht. Am Ende liegt es an uns konsequent zu erziehen und eben nicht heute alles süß zu finden und morgen zu bestrafen. Woher soll es das Pferd auch wissen, wenn wir nicht den Rahmen vorgeben. Ich glaube, dass Kenzie sicher etwas dominanter arbeitet als du mit deinem Ponymann. Aber die Grundidee ist gar nicht so weit auseinander. So wie ich sie verstehe, geht es darum klar und konsequent zu sein, um dem Pferd Ruhe und Sicherheit zu geben. Das mag ich sehr an ihrer Idee der "Dominanz" – wobei ich das Wort grundsätzlich nicht so gerne mag – weil es einfach zu oft so interpretiert wird, dass es fast schon in Unterdrückung und Gewalt ausartet. Das ist sehr traurig. In Kenzies Sinne ist es das natürlich nicht, ihre Pferde dürfen auch etwas äußern und ihren Bedürfnissen nachgehen. Es ist ein geben und nehmen bei ihr im Training. So habe ich sie zumindest erlebt. Liebe Grüße und bis ganz bald, Petra

  2. Christina sagt:

    Hi Petra,
    vielen lieben Dank für die ganzen Artikel über Kenzie Dysli und ihre Arbeit!
    Ich war sehr lange ein riesen Bewunderer bis ich sie live auf einem Kurs gesehen habe… Da ist irgendwie alles zusammen gefallen, von dem ich dachte, was sie und ihre Arbeit mit Pferden ausmacht… Ich war sehr enttäuscht…
    Doch nach deinen Artikeln und den Videos habe ich bemerkt, dass immer noch alles da ist, es lag einfach nur daran, dass Kinder mit (abgestumpften) Schulpferden mitgemacht haben und diese natürlich in ihrem Alter dann völlig verwirrt waren. So ist es klar, dass die Verbindung, das Vertrauen und die Motivation nicht entstehen kann, dennoch muss Kenzie ja ihren Kurs abhalten und den Kindern auch ein paar Erfolgsmomente mitgeben, da kommt man dann schon in Zugzwang und macht alles etwas "heftiger" damit irgendwas voran geht… Danke dafür, dass du mir einen meiner Idole wieder gegeben hast! :)

    Aber eine Sache möchte ich noch anmerken: Kenzie sagte im Interview, dass sie ab und zu mit Futter belohnt. Beim Kurs sagte sie jedoch, dass sie früher Leckerlis vergeben hatte, es jetzt aber gar nicht mehr macht – aus gewissen Gründen… Der Kurs war dieses Jahr im Juni, ist das Interview schon älter?

    LG!

    • Petra sagt:

      Liebe Christina, das freut mich sehr. Ich denke manchmal, dass wir von einigen Pferdetrainern auf solchen Kursen nicht immer das Bild bekommen, das ihrem Trainingsalltag entspricht. Wie du schreibst, stehen auch die besten Trainer unter Zugzwang. Ich habe Kenzie auf der Hacienda immer sehr klar und freundlich im Umgang mit den Pferden erlebt. Was die Leckerli betrifft – hatte das vielleicht auch etwas mit den Kindern zu tun. Vielleicht hat sich ihre Haltung aber auch geändert. Wir haben das Interview mit ihr im Januar geführt. Dazwischen war unsere Weltreise und ich hatte keine Zeit zu schneiden :-) Liebe Grüße, Petra

  3. Thomas Uplegger sagt:

    Hallo Petra,
    es tut mir sehr leid den Eindruck von Christina oben nur untermalen zu können, nachdem ich als Zuschauer an einem Freiheitsdressur Kurs von Kenzie Dysli teilgenommen habe. Nachdem 6 von 8 Pferden Kenzie massivest bedroht haben und ein Pferd ihr nach einem massiven Angriff die Gerte aus der Hand gebissen hat, bleibt nur die Frage was das mit Horsemanship zu tun hat. Hier habe ich nur lernen können, was ich niemals mit Pferden tun werde, auch wenn die 80 ansonsten anwesenden Zuschauer dies ganz super toll fanden.
    Jeder muss seinen eigen Weg finden und gehen. Meiner sieht anders aus.
    Liebe Grüße Thomas

    • Petra sagt:

      Hallo Thomas, Hui – das klingt aber gar nicht gut. Vielleicht gibt es da einen Wandel? Ich bin ganz überrascht, weil ich Kenzie ja sogar mit Hengsten erlebt habe, die ganz zugewandt und motiviert waren. Aber das ist auch wieder 3 Jahre her. Wer weiß. Es wäre auf jeden Fall Schade, wenn es sich so verändert hätte. Ganz liebe Grüße und danke für deine Eindrücke, Petra

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