Pferdebeine

Spat beim Pferd

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Der ganze Artikel für dich auf einen Blick

S wie Spat

Spat beim Pferd – Arthrose der Sprunggelenke

Spat oder Knochenspat ist eine Form der Arthrose, die die Sprunggelenke von Pferden betrifft. Die Erkrankung ist degenerativ, das heißt, sie entwickelt sich fort: Es kommt zu Schüben und akuten Entzündungen, oft wenn es kalt und feucht ist, und später zu chronischen Beschwerden. Dabei wuchert der Knochen an den Innenseiten der Sprunggelenke, was zu einer Verknöcherung führen kann. 

Spat ist nicht heilbar und eine häufige Gelenkerkrankung von Reitpferden. Er kann beide Beine oder nur ein Bein betreffen, Pferde jeden Alters können erkranken. 

Das Sprunggelenk ist so aufgebaut: Drei kleine und ein größeres Gelenk im Inneren, dazwischen liegt Knorpel. Es ist in sich etwas, aber nicht stark beweglich. Diese kleinen Gelenke, die Knochenhaut und die Knochen entzünden sich bei akutem Spat. Auch die Spatsehne entlang der Innenseite des Sprunggelenks und ihr Schleimbeutel können betroffen sein. Dabei werden Knorpel und Gelenkoberfläche angegriffen und zerstört, die stoßdämpfende Funktion des Knorpels geht kaputt.

Der Körper reagiert mit Knochenwucherungen bzw. Knochenauftreibungen an der Innenseite des Sprunggelenks. Man spricht hier von Spatbeulen, die auch von außen bei fortgeschrittenem Spat zu erkennen sind. Durch die Wucherungen verknöchern die Gelenkspalten und die kleinen Gelenke innerhalb des Sprunggelenks werden versteift. Damit ist die Entzündung beendet und das Pferd kann oft wieder lahmfrei laufen. Auch der Jugendspat, der bei jungen Pferden auftritt, führt zu dieser Verknöcherung. Es gibt allerdings eine Form des Spats, der osteolytische Spat, bei dem dies nicht der Fall ist – hier geht die Entzündung auf den Knochen über, entzieht den Kalk und löst den Knochen auf.

Hufe Pferd Beine
(c) Azaliya von Getty Images via CanvaPro

Die Ursachen für Spat beim Pferd

Verschiedene Faktoren

Spat kann viele Ursachen haben, oft kommen verschiedene Faktoren zusammen:

  • Über- und Fehlbelastung: Eine zu frühe Belastung und eine dauerhafte Überbelastung können Spat auslösen – zu hohe Sprünge, zu starke Versammlung, zu abrupte Manöver. Oft leiden Sportpferde verschiedenster Disziplinen und generell ältere Pferde unter Spat. Ursachen sind die Belastungen, die auf die Gelenke und die Strukturen wirken – Rotationen, Stauchungen und Verdrehungen, Zerrungen oder Drehungen. 
  • Falsche Haltung: Bewegungsmangel kann Spat begünstigen.
  • Verletzungen und Traumata wie Stürze, Schläge oder Fehltritte mit starken Drehungen der Gliedmaßen, Tritte, Verstauchungen oder Quetschungen können zur Entwicklung von Spat beitragen.
  • Vorerkrankungen wie Knochenzysten
  • Falsche Hufbearbeitung oder falscher Beschlag
  • Fehlstellungen wie eine Kuhhessigkeit der Hinterbeine oder ein bodenweiter Stand können Spat begünstigen. Das Gleiche gilt auch für Pferde mit schwachen Sprunggelenken.
  • Mineralstoffmangel
  • Genetische Veranlagung

Die Symptome von Spat

Spat kommt schleichend und die Symptome sind anfangs nicht immer eindeutig zuzuordnen.

Es beginnt oft mit einer leichten Lahmheit, wenn Pferde aus dem Stand in die Bewegung kommen. Sie gehen klamm. Manche Pferde lahmen beim Antraben. Besserung tritt ein, sobald das Pferd warm ist und sich eingelaufen hat. Es kann auch sein, dass das Pferd nach einem harten Trainingstag schlechter läuft und nach einer Pause wieder besser. Auch Probleme beim Schmied oder der Hufbearbeitung, wenn das Pferd seine Hinterbeine nicht mehr lange anwinkeln kann, können auf Spat hinweisen.

Insgesamt gibt es Phasen, in denen das Pferd schmerzfrei laufen kann und Phasen, in denen es lahm geht. Eine akute Entzündung zeigt sich oft auch durch eine Schwellung am Sprunggelenk, das außerdem warm sein kann.

Über die Zeit beeinflusst der Spat das Bewegungsbild des Pferdes. Es versucht die schmerzenden Sprunggelenke nicht mehr so stark anzuwinkeln, entsprechend werden die Tritte kürzer und schwungloser. Pferde mit Spat haben Probleme mit Tempowechseln und stolpern häufiger. Die Schonung der Hinterbeine wirkt sich auch auf die Muskulatur des Rückens und der Kruppe aus, die sich zurückbilden kann. So können Rückenschmerzen oder ein schiefes Becken ebenfalls auf Spat hinweisen.

Ein typisches Anzeichen von Spat ist außerdem eine veränderte Fußung: Das Pferd fußt dann nicht plan oder mit den Ballen zuerst auf, sondern mit der Hufspitze. Zehe oder Eisen nutzen sich dann deutlich stärker ab. Oft schlurfen betroffene Pferde mit beiden Hinterbeinen und heben die Beine nicht mehr an.

Mit fortschreitender Erkrankung verstärken sich die Symptome.

Hufe Pferd Arzt
(c) Bluegame von Getty Images via CanvaPro

Die Diagnose von Spat

Die Diagnose von Spat ist am leichtesten, wenn zu ihrem Zeitpunkt ein akuter Schub vorliegt. Das betroffene Sprunggelenk ist dann meist warm und geschwollen und das Pferd wird Schmerzen bzw. eine Lahmheit zeigen.

Der Tierarzt macht dann eine Spat- bzw. Beugeprobe: Das Hinterbein wird etwa eine Minute lang angehoben und dabei stark gewinkelt. Sofort nach dem Absetzen trabt das Pferd ein paar Schritte – die Lahmheit und ihre Schwere können dann Auskunft über die Krankheit geben.

Klarer wird die Diagnose, wenn ein Röntgenbild angefertigt wird – dabei werden die typischen Knochenwucherungen, Exotosen genannt, sichtbar. Es ist auch möglich, das Sprunggelenk örtlich zu betäuben. Bewegt sich das Pferd dann ohne Probleme, weil es schmerzfrei ist und ist auch die Beugeprobe unter Anästhesie negativ, dann erhärtet sich der Verdacht auf Spat. 

Wegen dieser Vorgehensweisen wird eine genaue Diagnose oft erst dann gestellt, wenn der Spat bereits fortgeschritten ist.

Behandlung von Spat

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten

Je früher der Spat diagnostiziert wird, desto besser. Denn es gibt einige Stellschrauben, um dem betroffenen Pferd das Leben so leicht wie möglich zu machen.

Die Behandlung hat das Ziel, Schmerzfreiheit herzustellen und das Fortschreiten des Spats zu verlangsamen bzw. einzudämmen, indem Entzündungen verhindert und die Regeneration gefördert werden.

Während des Schubs verschreibt der Tierarzt in der Regel Medikamente, die die Entzündung hemmen und die Schmerzen lindern. Damit schwillt das Gelenk ab und der Schub wird gestoppt.

Eine weitere Behandlungsmöglichkeit besteht darin, Hyaluronsäure ins Gelenk zu spritzen. 

Auch Kortison oder PRP (Platelet Rich Plasma) kommen zum Einsatz. PRP soll die Regeneration des Gewebes fördern. Eine weitere Behandlung nennt sich IRAP, sie basiert auf Eigenblut. Auch Stoßwellentherapie kann helfen, die Durchblutung und den Aufbau der Knochen zu fördern.

Eine invasive Therapiemöglichkeit ist die Versteifung des Gelenks durch eine Operation – mit dem Ziel die Verknöcherung schneller herbeizuführen. Eine weitere OP ist die sogenannte 

Wamberg-Operation. Dabei wird die Spatsehne vom Knochen getrennt, die Nerven und damit der Schmerz unterbrochen. 

Als Pferdebesitzer kannst du selbst aber noch mehr tun:

  • Bei Spat hat sich Wärme als angenehm erwiesen: Linderung bringen deswegen entsprechende Salben oder Spat- bzw. Sprungelenksgamaschen. 
  • Die Durchblutung kann ebenfalls mit Salben und Einreibungen gefördert werden.
  • Umschläge mit Beinwell können unterstützen, ebenfalls Packungen mit Heilerde. 
  • Auch weitere natürliche Heilmittel wie Teufelskralle, Gingko, Ingwer, Weide, Steinklee oder Ulmenspierkraut  können helfen.
  • Folgende alternative Heilmethoden können sinnvoll sein: Blutegel wirken entzündungshemmend, antibiotisch und blutverdünnend. Außerdem lindern sie den Schmerz. 
  • Mit Physiotherapie oder Akupunktur können vom Spat mitverursachte Verspannungen des Bewegungsapparats gelöst werden. 
  • Wichtig ist außerdem eine gute Hufpflege oder ein passender Beschlag. Damit kann das Sprunggelenk entlastet werden. Das Pferd kann über die Zehe abrollen und muss das Gelenk nicht mehr stark beugen, was die Schmerzen verursacht.
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Ein Pferd mit Spat managen

Pferde mit Spat haben nicht dauerhaft Schmerzen. Viele können eingeschränkt weiter geritten werden; Bewegung tut sogar gut. Die Diagnose allein ist also kein Weltuntergang – allerdings brauchen Pferde mit Spat eine passende Haltung, ein angepasstes Training und auch die Fütterung sollte auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten werden.

Das Pferd sollte in Bewegung bleiben, so dass Knorpel und Gelenk mit Nährstoffen versorgt werden. Deswegen ist Boxenhaltung nicht optimal – besser können eine Gruppen- oder Offenstallhaltung sein, wobei es wichtig ist, dass das Pferd Rückzugsräume hat.

 

Für das Training unter dem Sattel gilt:

Das Pferd braucht eine lange Aufwärmphase, enge Wendungen und starke, anstrengende Arbeit mit Stangen oder Sprünge oder versammelnde Lektionen bzw. Seitengänge sollten ausfallen.

Stattdessen lange, gerade Linien. Auch Bewegung auf zu hartem Boden kann die Krankheit verschlimmern.

Bei fortschreitender Degeneration der Gelenke können noch Ausritte im Schritt möglich sein.

Spat vorbeugen

Wenn die Diagnose steht, ist es mit der Vorbeugung natürlich nicht mehr weit. Vieles davon haben wir auch nicht in der Hand. Denn Spat wird am besten schon im Fohlenalter vorgebeugt: mit viel Bewegung und passendem Mineralfutter. Fehlende Mineralien im ersten und zweiten Lebensjahr können den Kalzium-Stoffwechsel stören – der Körper ist unterversorgt und als Folge entsteht im Worst Case osteolytischer Spat. Eine Überversorgung mit Kalzium kann aber ebenfalls zum Knochenabbau führen. 

Stellungsfehler können schon in jungen Jahren mit einer guten Hufbearbeitung korrigiert werden. 

Für erwachsene Reitpferde gilt: Eine bedarfsdeckende Fütterung, die alle Nährstoffe liefert, eine professionelle Hufbearbeitung, angemessenes Training mit ausreichenden Aufwärmphasen können alle ihren Beitrag leisten, Spat zu verhindern. Übrigens: Auch Übergewicht ist ein Faktor für Spat.

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Von feinen Kräutern über getreide- und zuckerfreie Leckerli bis zu hochwertigen Samen und Ölen

Mineralfutter für Pferde mit Spat

Die zwei Mineralstoffe für gesunde Knochen sind Kalcium und Phosphor. Hier kommt es auf das richtige Verhältnis an: Kalcium sollte zu Phosphor in der Relation 2:1 vorliegen – Grenzwerte sind 1:1 oder 3:1. 

Zu viel Phosphor im Futter kann dem Knochen Mineralien entziehen und damit Spat mitauslösen.

Es steckt vor allem in Getreide, Kleie und Maissilage. Kalcium füttert man dagegen mit Luzerne oder entsprechendem Mineralfutter. 

Weitere Nährstoffe, die bei Spat unterstützen können, sind Chondroitin, Glucosamin sowie neuseeländische Grünlippmuschel. 

NAdja MÜller - Isabell Tomcyk

Nadja Müller ist Pferdefrau und Journalistin – sie liebt es Pferdewissen mit klaren Worten zu erfassen und zu vermitteln. Sie hat selbst ein Pferd – liebevoll „die PN“ genannt-, und versorgt mit ihrem Horsemanship-Blog „Verstehe Pferde“ ihre Leser regelmäßig mit Ideen zu gutem Horsemanship, also dem Training und der Beziehung zum Pferd. 

Für die Pferdeflüsterei schreibt Nadja schon seit Jahren sach- und fachkundige Artikel zu Themen wie Pferderassen, Pferdewissen und Pferdekrankheiten.

Nadja Müller

Die Autorin des Artikels

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