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Cushing-Syndrom

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C wie Cushing

Cushing-Syndrom

Bei dem Equine Cushing Syndrom (ECS) kommt es zu einer Störung der Hormone in Hirnanhangdrüse (Hypophyse) und Nierennebenrinden. ECS wird auch als „pituitary pars intermedia dysfunction“ (PPID) bezeichnet.

Die Hirnanhangdrüse produziert zu viel des adrenokortikotropen Hormons (ACTH). Über die Blutbahn gelangt es in die Nierennebenrinde, wo die Produktion des Stresshormons Kortisol angeregt wird. Die Imbalance hat umfassende Auswirkungen und betrifft den Stoffwechsel, aber auch das Immunsystem des Pferdes. Cushing wird erforscht, die genauen Zusammenhänge sind aber noch unklar. Eine Hypothese lautet, dass ein gutartiger Tumor an der Hypophyse die Krankheit auslöst.

Cushing ist durchaus verbreitet, die Häufigkeit der Diagnose nimmt zu: Rund 20 Prozent von Pferden und Ponys, die älter sind als 15 Jahre, haben Cushing, man geht sogar von noch höheren Zahlen aus. Je älter das Pferd, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass es erkrankt. Es können aber auch schon junge Pferde ab etwa fünf Jahren betroffen sein.

ECS zählt zu den Wohlstandskrankheiten der Pferdewelt – bei frei lebenden Pferden kommt es nicht vor. Deswegen wird vermutet, dass eine Ernährung mit zu viel Zucker und Energie in Kombination mit schlechter Haltung, Bewegungsmangel und Stress Cushing mitauslösen können. Oft sind übergewichtige Pferde betroffen. Cushing kann auch eine Folgeerkrankung des Equinen Metabolischen Syndroms (MES) sein.

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(c) Professor25 von GettyImages via CanvaPro

Die Diagnose des Equine Cushing Syndroms

ECS wird über Bluttests nachgewiesen. Der Tierarzt nimmt eine Blutprobe, in der ACTH ermittelt wird. Da der Wert abhängig von der Jahreszeit schwanken und zwischen 29 pg/ml und 47 pg/ml liegen kann, muss bei der Diagnose genau hingesehen werden. Erhöhte ACTH-Werte deuten auf die Krankheit hin.

In die Diagnose fließen noch weitere Werte wie der von Dopamin ein. Man hört auch immer wieder Stimmen, die der Meinung sind, dass Cushing zu einer Modediagnose geworden ist – das Problem der zu leichtfertigen Zuweisung: Die Medikation ist nicht ohne und kann Nebenwirkungen erzeugen.

Symptome von Cushing

Schlappheit, Schwitzen, Muskelschwund

ECS ist eine schleichende Erkrankung mit zunächst unspezifischen Symptomen, die sich über Jahre hinweg verschlechtern. Zu Beginn zeichnet sich meist eine Verhaltensänderung ab: Das Pferd wirkt müde und erschöpft – auch in der Ruhe – und seine Leistung lässt nach. Außerdem schwitzt es schnell und stark.

Ein deutliches Anzeichen für Cushing ist eine Veränderung des Fells: Es wird lang, dicht und lockig. An Kinn und Hinterbeinen können sich besonders lange Haare bilden. Im Fellwechsel behält das Pferd seine Haare oder stößt nicht alle ab.

Mit der Zeit verliert das kranke Pferd an Gewicht und baut körperlich ab: Der Rücken muskelt ab und beginnt zu hängen. Andererseits entwickeln sich Fettpolster an merkwürdigen Stellen – an Hals und Mähnenkamm, Kruppe oder über den Augen. 

Es kann auch eine Fehlfunktion der Niere entstehen, die dazu führt, dass das Pferd mehr trinkt, aber auch mehr Urin absetzt. 

Da Cushing das Immunsystem supprimiert, werden betroffene Pferde insgesamt schneller krank – sie fangen sich Atemwegsinfekte ein, Infektionen oder Parasiten; Wunden verheilen langsamer und schlechter. Es können sich Hufgeschwüre bilden und die Hornqualität nimmt ab, die Fruchtbarkeit von Stuten ist gestört.

Weil das noch nicht reicht, haben Cushing-Pferde oft einen erhöhten Blutzucker bzw. Insulinspiegel.

Am Ende mündet Cushing häufig in einer Hufrehe: Laut Schätzungen werden bis zu 90 Prozent der Rehediagnosen in Deutschland auf ECS zurückgeführt. 

Winterfell
(c) rdonar von GettyImages und Lum3n von Pexels via CanvaPro

Pferd mit Cushing: Behandlung und Zukunftsaussichten

Cushing ist chronisch und nicht heilbar. Es gibt aber Medikamente, die die Hormonproduktion eindämmen und damit einen Teil der Symptome verhindern können. Deswegen ist es wichtig, früh mit der Therapie zu beginnen: Das Pferd wird wahrscheinlich sein Leben lang täglich Medikamente bekommen. Ein Wirkstoff ist Pergolid, was zur Ausschüttung von Dopamin führt und die außer Kontrolle geratene Hormonausschüttung der Hirnanhangdrüse hemmt. Das kann die Lebensqualität des kranken Pferdes deutlich verbessern. 

Ein Cushing-Pferd managen

Wurde bei deinem Pferd Cushing diagnostiziert, kannst du trotzdem einiges tun, um es zu unterstützen und ihm das Leben zu erleichtern. 

  • Wenn es im Fellwechsel sein Fell partout nicht loslassen kann, solltest du es scheren. 
  • Putze dein Pferd sorgfältig und oft. So hilfst du ihm, das Fell abzuwerfen.
  • Trainiere nur so viel, wie dein Pferd gut leisten kann und vermeide Stress. Hier ist Regelmäßigkeit wichtig.
  • Versorge kleine Wunden zügig, so kannst du Infektionen vorbeugen.
  • Sorge für ein sauberes Umfeld. 

Natürliches Pferdefutter

Von feinen Kräutern über getreide- und zuckerfreie Leckerli bis zu hochwertigen Samen und Ölen

Fütterungsempfehlung für Cushing-Pferde: viel Rohfaser, kein Zucker

Eine große Bedeutung, um Pferde mit Cushing sinnvoll zu unterstützen, hat das Futtermanagement. Meistens ist hier eine ziemlich drastische Anpassung notwendig.

Denn viele Cushing-Pferde sind zu dick, sie müssen dringend abnehmen, da sich Übergewicht negativ auf den Hormonstoffwechsel auswirkt.

Die Diagnose bedeutet, dass der Energieanteil des Futters – Stärke und Zucker – deutlich heruntergefahren werden müssen. Weil bei Cushing-Pferden der Zuckerstoffwechsel aus dem Lot geraten ist, ist auch das im Gras enthaltene Fruktan im wahrsten Sinne des Wortes Gift und kann eine Hufrehe auslösen. Deswegen muss die Weidezeit reduziert oder sogar ganz gestrichen werden.  

Cushing-Pferde brauchen also eine Ernährung, die wenig Kohlenhydrate, dafür aber umso mehr Rohfaser hat. Also kein Getreide, keine Leckerli, keine Karotten, stattdessen Heu, Heu und Heu und eventuell entzuckerte, melassefreie Rübenschitzel.

Benötigt das Pferd mehr Energie, um seinen Bedarf zu decken, wird zu Futtermitteln gegriffen, die Eiweiß und Fett enthalten – etwa Luzerne, Leinsamen oder Ölen.

Außerdem musst du die Versorgung mit wichtigen Mineral- und Nährstoffen sicherstellen. Achte darauf, dass dein Mineralfutter zucker- und stärkereduziert ist.

Vitamin C ist für Cushing-Kandidaten ebenfalls wichtig – ihm wird eine antioxidative Wirkung bescheinigt. Auch Mönchspfeffer kann sinnvoll sein, da er sich auf den Hormonstoffwechsel auswirkt. Von Omega-3-Fettsäuren kann dein Pferd wegen ihrer entzündungshemmenden Wirkung profitieren. Auch Aminosäuren und Vitamin E können dein Pferd bei Cushing unterstützen.

Cushing beim Pferd vorbeugen

Keiner will Cushing. Dem vorbeugen kannst du mit einer Ernährung, die an die Bedürfnisse deines Pferdes angepasst ist, eine artgerechte Haltung mit vielen Bewegungsmöglichkeiten und einem ebenfalls passenden Trainingsplan. 

NAdja MÜller - Isabell Tomcyk

Nadja Müller ist Pferdefrau und Journalistin – sie liebt es Pferdewissen mit klaren Worten zu erfassen und zu vermitteln. Sie hat selbst ein Pferd – liebevoll „die PN“ genannt-, und versorgt mit ihrem Horsemanship-Blog „Verstehe Pferde“ ihre Leser regelmäßig mit Ideen zu gutem Horsemanship, also dem Training und der Beziehung zum Pferd. 

Für die Pferdeflüsterei schreibt Nadja schon seit Jahren sach- und fachkundige Artikel zu Themen wie Pferderassen, Pferdewissen und Pferdekrankheiten.

Nadja Müller

Die Autorin des Artikels

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