Artikel aktualisiert am 27.07.2017

Pferdeverhalten verstehen – eine Buchrezension! Mit vielen Tipps und Hinweisen zu typischem Pferdeverhalten, Pferd-Mensch-Kommunikation und den größten Fehlern, die wir Menschen mit den Pferden immer wieder machen.

Susanne Kreuer handelt der Reihe nach die charakteristischen Verhaltensweisen der Pferde ab:

  • von ihrem natürlichen Herdenverhalten
  • über ihre Körper und Gesichtssprache
  • bis zu den Muskeln und anatomischen Besonderheiten der Tiere, die natürlich auch das Reiten oder unsere Kommunikation mit den Tieren beeinflussen.

Was denken sie und was fühlen sie, warum handeln sie in verschiedenen Situationen so wie sie handeln und endlich mit Erklärungen dazu. Die meisten Sachbücher beschreiben einfach nur, so dass man danach nicht viel schlauer ist als vorher. Ich muss immer wissen, warum etwas passiert, damit ich es verstehe und mir merken kann.

Man merkt, dass sie nicht nur Pferdekennerin, sondern auch psychologisch gebildet ist. Sie bezieht den Menschen für ihr Buch immer mit ein. Das ist äußerst hilfreich. Zum Beispiel, wenn sie beschreibt, dass das Pferd entspannt, wenn der Mensch entspannt ist, weil es als Fluchttier, das es nunmal ist, Angst bekommt, wenn der Mensch auf seinem Rücken sich auch ängstlich verhält. Es weiß ja nicht, dass der Mensch vielleicht nervös ist, weil er das Pferd nicht kennt oder noch nicht gut reiten kann, sondern erwartet ein Raubtier oder eine andere Gefahr in der Nähe.

Pferd und Mensch

Susanne Kreuer erklärt also diese Tatsache und warum es so wichtig ist, dass wir immer entspannt und sicher auf die Tiere zugehen. Im Anschluss erklärt sie dann verschiedene Entspannungstechniken, die man auch im Alltag üben kann. Sehr praktisch! Das ist übrigens auch sehr wichtig, wenn man zum Pferd hingeht, wenn man mit dem Tier kommunizieren will. Wir müssen ständig an unserer inneren Entspannung arbeiten, uns und dem Pferd zuliebe.

Susanne Kreuer macht Mut und sagt: „Selbstverständlich ist die Sprache des Pferdes erlernbar. Aber: Dieser Weg geht nur über die Auseinandersetzung mit uns selbst. Ich sage nicht, dass das einfach ist, aber es ist eine riesengroße Chance viel über uns selbst und unsere Schwächen zu lernen. Das Pferd spiegelt uns diese ungefiltert und manchmal auch recht brutal! Es lohnt sich aber!“

Das Buch ist unterteilt in Kapitel von „Instinkte und Wahrnehmung“, über „Evolution und Entwicklung“, bis zu „Erziehung und Training“ oder „Probleme und Strategien“.

Da steckt alles drin, wenn man lernen will, diese unfassbaren Tiere zu verstehen. Aber ich glaube, dass man auch als Experte einiges lernen kann, wenn man sein tun hinterfragen will, nicht nur nach dem „das hab ich doch immer schon so gemacht“ Prinzip handeln will, weil Susanne Kreuer in ihrem Werk viele Denkanstösse gibt, wie man anders oder besser auf die Tiere zugehen kann.

Zum Beispiel bei den im deutschen Reitsportbetrieb durchaus üblichen Ausbindern, oder die Versammlung, die manchmal bis zum Exzess betrieben wird. Da stehen wir am Rand und fragen uns, ob das wirklich gut für das Pferd ist, wenn sein Hals und die Pferdenase bis zur Brust gebogen wird. Und Susanne Kreuer erklärt ganz genau und detailliert, warum genau das eben nicht gut ist. Weil das Pferd dann einen toten Winkel hat und wir das Fluchttier zwingen ins blinde zu laufen. Leider oft Alltag.

Und sie zeigt auch in einer Grafik, wie es um das Sichtfeld des Pferdes bestellt ist und erklärt dann, warum die Versammlung auf diese Art und Weise Blödsinn ist. Ich habe das Kapitel, genau wie alle anderen, mit Spannung gelesen und fühlte mich bestätigt in dem Gefühl, dass die so zwangs-versammelten Pferde nicht glücklich dabei aussehen.

Ich bin eigentlich keine Sachbuchleserin und schaffe oft nicht mehr als ein oder zwei Kapitel, aber das Buch liest sich spannend und interessant. Ich wollte es nicht mehr weglegen. Ein kleines Manko ist vielleicht nur, dass das Buch ein bisschen in der Optik an eine Seminararbeit erinnert. Ich nehme an, dass es in Eigenregie mit einem kleinen Verlag entstanden ist.

Das tut den Infos keinen Abbruch und das Cover ist schick, die Bilder und Grafiken sind eindeutig und klar. Nur der Gesamtlook könnte etwas mehr Hochglanz ausstrahlen für noch mehr Lesevergnügen. Hier und da würde ich mir noch ein oder zwei praktische Beispiele mehr wünschen, aber unterm Strich, hat mir ein bisher kaum ein Buch so viele Erkenntnisse gebracht, wie das von Susanne Kreuer.

Die Autorin zeigt zum Beispiel anhand von Grafiken, wie Pferde miteinander kommunizieren, wie in diesem Foto hier:

Grafiken in Pferde verstehen

Wer also mehr über die Pferde, ihre Geschichte und ihre Anatomie oder ihre Gefühlswelt erfahren will, der sollte dieses Buch lesen. Ich kann es nur empfehlen! Bernd Hackl (den die eine oder andere vielleicht aus der Vox-Serie Die Pferdeprofis kennt) hat das Vorwort zum Buch geschrieben, das auch schon inspirierend ist, für einen gefühlvollen und respektvollen Umgang mit den Pferden.

Susanne Kreuer hat dazu noch ein Interview von mir beantwortet für die Pferdeflüsterei, da kannst Du Dich auch durchklicken:

Hier gibt es ein ausführliches und absolut lesenswertes Interview mit Susanne Kreuer.

Mindestens genauso spannend, wie das Buch „Pferde verstehen“ (gibt’s hier)

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