Artikel aktualisiert am 25.02.2017

Mitten in Namibia auf einer Westernranch. Wir machen dort Halt auf unserer Reise, um wieder eine neue Art des Horsemanship kennenzulernen. Du kannst mitkommen auf diese Reise zu Natural Horsemanship im namibischen Busch, mit den namibischen Buschpferden. Bodenarbeit à la Gross Okandjou.

Die Bodenarbeit in Gross Okandjou fängt schon beim Halftern an. Die Pferde lernen alle den Kopf ins Halfter zu senken. Im Zweifelsfall auf leisen Druck zwischen den Ohren. Sobald sie nachgeben, musst du den Druck sofort lösen. Ich mag den Gedanken von Druck nicht ganz so und locke mein Pferd lieber anfangs mit Leckerli nach unten, so dass es die Belohnung bekommt, wenn es die Nase ins Halfter steckt – aber das sind einfach zwei verschiedene Herangehensweisen.

Teil 1 unserer Serie “Westernreiten in Namibia” noch nicht gelesen? Da gibt es ein Porträt der Ranch – Plus ein Video von unserem ersten sehr ungewöhnlichen Weidegang

Ich darf mit Geronimo trainieren. Ein wunderhübscher, aber eigensinniger Falbwallach mit schwarzem Schweif und schwarzer Mähne. Er fragt an Tag 1 immer wieder, ob er wirklich soll, wenn ich etwas von ihm möchte.

Er kennt mich nicht und möchte wissen, ob ich genau weiß was ich tue und ob ich ein fairer und netter Mensch bin.

TIPP:Wie bringst du das deinem Pferd bei?
  • Locke die Nase mit einem Leckerli ins Halfter
  • Sobald das Pferd leicht nach unten nachgibt, sofort Leckerli geben und loben
  • Sobald es den Kopf wieder hochnimmt, wieder mit einem Leckerli warten und dann loben, wenn es dem Leckerli ins Halfter folgt.

Das Pferd versteht dann relativ schnell, dass es den Kopf unten lassen soll, zum Aufhalftern.

2. Soll er wirklich mitkommen und folgen? Ja, sage ich und zupfe leicht am Führstrick, stehe da und zupfe nochmal leicht und warte dann, bis er folgt.

3. Soll er wirklich auf die am Boden liegenden Schoten verzichten? Ja, sage ich und wackle leicht mit dem Führstrick Richtung Pferdenase, bis er aufhört.

4. Soll er wirklich den Huf geben? Ja, sage ich und bestehe freundlich darauf, dass er ihn mir gibt. Anschließend bedanke ich mich bei ihm. Plötzlich schnaubt er einmal tief und als ich zu seinem zweiten Huf laufe, hebt er ihn schon freiwillig an.

Kennst du das auch? Wenn du das Gefühl hast, dass das Pferd dich akzeptiert? Dass es dich versteht und sich wohl fühlt mit dir? Dass es mithelfen will und nicht gegen deine Wünsche geht? Das ist eines der schönsten Gefühle. Es macht mich dankbar und ich freue mich, wenn das Pferd mir diese Momente schenkt. Es ist auch vollkommen egal, ob dieser Moment beim Führen, beim Putzen, bei einem Galoppwechsel oder bei der Bodenarbeit passiert. Hauptsache, er passiert.

Von der Führposition

Die Führposition hier auf Gross Okandjou ist knapp einen Meter hinter dem Menschen, dort sollen die Pferde auch halten, wenn man ihnen das Signal gibt. Es ist ein bisschen ungewohnt für mich, ich persönlich bevorzuge die Führposition zwischen Schultern und Ganaschen des Pferdes. Aber die Pferde kennen es so und deswegen halten wir uns während der Zeit an die Regeln.

Ein leises „Ho“ genügt und Geronimo bleibt stehen. Bodenarbeit bedeutet hier, genau wie auch in Andalusien bei Dyslis, Körpersprache. Die Pferde werden zum Beispiel bei der Bodenarbeit um einem Seitenwechsel gebeten, indem du ihre Hinterhand anvisiert. Darauf reagieren sie, indem sie weichen und den Menschen dabei den Kopf zuwenden. Anschließend können sie in die andere Richtung geschickt werden. Wir gehen in der ersten Stunde auf den Platz, führen die Pferde, halten sie an, schicken sie rückwärts und treiben sie am Rope in einem Kreis um uns herum.

Geronimo reagiert auf manche Fragen wahnsinnig fein. Das Führen zum Beispiel oder das anhalten. Er lässt sich auch relativ entspannt rückwärts schicken. Da reicht schon ein bisschen Körpersprache. Genau wie beim Bewegen der Hinterhand.

Nur bei der Vorderhand will er nicht so wie ich will

Das Wegschicken im Kreis klappt mit uns beiden mal besser, mal schlechter. Geronimo ist etwas unbeweglicher auf der Vorhand und meine Körpersprache passt nicht zu seinen Vorstellungen. Ich schwinge das Seil in Richtung Schulter, aber er bewegt sich keinen Zentimeter. Er ist mehr als unbeeindruckt von meinem Seilschwingen und das beeindruckt mich kurz. Ich habe das Gefühl propellerartig zu wedeln und Geronimo zuckt nicht einmal mit der Pferdewimper.

Dazu kommt meine Position, ich weiche rückwärts. Ich merke, dass ich mich unwohl dabei fühle das Seil so nah an seiner Schulter und damit an seinem Kopf zu schwingen. Aber das ist nun einmal die Position, die die Pferde hier kennen, wenn sie sich wegbewegen sollen. Trotz dieser Missverständnisse, versucht er es immer wieder mir Recht zu machen.

Er geht vorwärts- oder rückwärts, wartet dann wieder und schaut fragend: Ist es das was du willst? Ich schwinge weiter, dann kommt ein kleiner Schritt seitwärts, dann wieder nicht. Ich weiß, dass es an mir liegt. Ich bin an diesem Trainingstag und für diese Trainingsaufgabe nicht überzeugt davon, dass ich das Richtige tue.

Ich bin damit beschäftigt über meine Körperhaltung nachzudenken, statt ihm Energie, Gedanken und Anfragen zu schicken. Es will einfach nicht. Nach einem kleinen Seitwärtsschritt hören wir auf und gehen noch kurz in den Roundpen. Wir laufen ein bisschen miteinander. Einfach, um einen schönen Abschluss für den Tag zu haben. Das funktioniert zwischen uns mit leichten Worten und wenigen Gesten.

Pferdeflüstern ist Körpersprache

Pferdeflüstern ist kein Mythos, es ist keine Zauberei oder etwas Magisches. Es ist einfach nur Timing und Gefühl. Es ist Körpersprache und es bedeutet den Pferden zuzuhören, ihre Körpersprache zu verstehen, sich auf die Pferde einzulassen und dann richtig zu reagieren. Beim Führtraining bin ich sicher. Ich weiß was ich will, ich habe einen Plan und ich bitte Geronimo nett aber klar darum, mir zu folgen und zu halten, rückwärts zu gehen und zu mir zu kommen.

Geronimo reagiert und schnaubt zufrieden. Er kommt, wenn ich es sage und er weicht, wenn ich ihn darum bitte. Weil meine Körpersprache sagt: Ich will, bitte mach, mein Lieber. Er versteht mich und erfüllt meine Wünsche. Ich bin ganz bei ihm und denke über nichts anderes nach als über diesen einen Moment.

  • Du musst wissen was du willst
  • Du musst deinen Körper ruhig und gelassen sprechen lassen
  • Wenn du etwas nicht kannst oder noch nicht beherrschst, macht das nichts. Dann lass dir Zeit. Geh lieber wieder einen Schritt zurück

Der Fehler: Bei dem „Longieren“ bin ich zu viel bei mir. Ich denke über meine Körpersprache nach, ich frage mich, wie ich meine Schulter platzieren muss, ich grüble über meine Position dem Pferd gegenüber, ich frage mich, warum er nicht macht, was ich will – und weil ich all das tue, bin ich mehr bei mir, als bei ihm.

Das spiegelt er mir. Die Leichtigkeit zwischen uns ist weg, für diesen Moment und diese Trainingssequenz. Sie kommt wieder auf dem Putzplatz. Dort lässt er mich wieder an sich ran. Warum? Weil ich in Gedanken wieder bei ihm bin und nicht bei mir.

Freiarbeit im Roundpen statt Rope am Platz

Die Trainerin vor Ort, Alina, beschließt, dass wir die nächste Runde Bodenarbeit im Roundpen machen. Weil sie glaubt, dass mir die Körpersignale beim Wegschicken in der Freiarbeit vielleicht leichter fallen.

Am nächsten Tag gehen wir in den Roundpen und auf einmal ist sie wieder da, die Leichtigkeit. Geronimo versteht mich wieder und wir sind wieder im Gleichklang miteinander. Ich kann auf ihn zu, ich kann leicht mit meinen Armen wackeln und er weicht fein. Schritt, Trab, Galopp – alles klappt auf einmal. Genau wie Richtungswechsel. Es fließt Energie zwischen uns, er senkt den Kopf und läuft entspannt.

Ich übe ungerne zu nah am Pferdekörper mit einem Strick oder der Gerte Druck aus, weil ich dem Pferd nicht „weh tun“ will. Ich weiche also mit dem Körper, während ich mit dem Seil Richtung Schulter schwinge. Mein Körper sagt etwas anderes, als meine Stimme oder das Seil.

Pferde lesen uns und alles was wir aussenden:

  • Deine Stimme
  • Das Hilfsmittel, wie das Seil
  • Vor allem deine Körpersprache

Wenn du mit deinem Körper nicht klare Signale sendest, dann verwirrt es das Pferd.

Weil Geronimo es mir Recht machen will und weil seine Art mit Verwirrung umzugehen, einfach stehenbleiben ist, macht er erst einmal nichts. Geronimo bräuchte eindeutige und deutliche Signale. Ich kann sie ihm am Rope noch nicht geben, zumindest, wenn er neben mir steht. Da fällt mir die Freiarbeit leichter.

Bei der Freiarbeit muss ich mich nur auf das Pferd und mich konzentrieren, nicht auf die Gerte oder den Strick. Ich kann auf ihn zu und ihn wegbewegen, ich kann seine Schulter kontrollieren – auch mit dem Rope. Aber nur deswegen weil ich mit dem ganzen Körper agieren kann und keine Angst haben muss, ihn mit dem Seil „zu hart zu erwischen“.

In Teil 3 unserer Serie werden wir Ausreiten in den namibischen Busch und wir nehmen euch mit – mit einem Video

Helfen dir diese Artikel weiter?

2 Kommentare zu “Vertrau deinem Pferd und es wird dir vertrauen

  1. Miriam sagt:

    Liebe Petra,

    die Übung Kopf tief finde ich ebenfalls sehr wichtig. Ich nutze sie gerne im Training um wieder Ruhe und Entspannung ins Training zu bringen.
    Zum Aufhaltern nutze ich sie nicht bei meinem Pony. Einmal aus dem ganz praktischen Grund, dass mein Pony sehr klein ist und es für mich zum halftern unangenehm ist, wenn er den Kopf zu tief nimmt. Aber auch aus dem Grund, dass ich es nicht brauche. Mein Pony steckt in der Regel von alleine den Kopf ins Halfter, wenn ich ihm das Halfter hinhalte. Er macht das völlig entspannt und freudig. Ein Kopf hochreißen beim Halftern gibt es bei uns nicht. Wenn wäre es für mich aber ein Alarmsignal, denn dann würde er mir damit signaliesren, dass er entweder das Halfter unangenehm findet oder was danach kommt. Beides nichts, was ich möchte. Was er manchmal macht, ist dass er den Kopf wegdreht, wenn ich ihm das Halfter hinhalte. Das sind dann Tage wo er mir zwar Hallo sagen will und evtl. auch kuscheln will, aber er nicht die Weide verlassen will. Das akzeptiere ich dann einfach.
    Ich habe meinem Pony die Kopf tief Übung allerdings anders beigebracht. Ich habe mich einfach klein gemacht und als er ein ganz kleines bisschen mit dem Kopf auch nach unten ging, habe ich das belohnt. Und mittlerweile kann ich ihn mit der Hand sozusagen auf jeder Höhe "einstellen". Gerade üben wir, dass er den Kopf so lange unten lässt wie ich das möchte. Das klappt noch nicht so gut, er nimmt ihn noch gerne selber wieder in eine andere Position.
    Liebe Grüße
    Miriam

    • Petra sagt:

      Liebe Miriam, alles was Du über Dein Pony und Dich schreibst, klingt immer so schön harmonisch. Nach Teamarbeit, die ihr euch erarbeitet habt :-) Ich freue mich deswegen immer sehr über Deine Kommentare. Ich lerne immer wieder dazu und mag Deinen Blickwinkel sehr. Das wollte ich auch mal sagen :-) Die Idee, dem Pferd die Übung anders beizubringen gefällt mir sehr gut. Es basiert quasi nicht auf Druck und Pause bei Dir, sondern auf Belohnung. Das werde ich zuerst ausprobieren, wenn es dann soweit ist und meine Jungstute in Deutschland ist. Danke für diese Idee! Dass Geronimo sich erstmal ein bisschen geweigert hat und ich ihn auf die dortige Art nochmal gebeten habe, hat sehr viel damit zu tun, dass er ein Schulpferd ist. Er kennt mich nicht, wir haben keine Bindung und Reitschüler sind ja nicht immer das Tollste für ein Pferd. Deswegen hat es mich erst einmal nicht gewundert und war auch kein Alarmsignal. Dass er dann nach einem Tag Zusammenarbeit schon freiwillig mitgemacht hat und nach zwei Tagen die Ohren gespitzt hat, habe ich dann als positives Signal gewertet :-) Aber Du hast Recht: Wäre er kein Schulpferd, sondern mein Pferd und würde mir den Hintern zudrehen wenn ich komme oder den Kopf nicht ins Halfter stecken wollen, dann wäre das auch für mich ein Alarmsignal, dass ich etwas falsch mache :-) Ganz liebe Grüße, Petra

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.