Artikel aktualisiert am 27.02.2019

Ich liebe das Reiten in der Natur. Wenn die Vögel Lieder singen, der Bussard mit leisen Schwingen über einen hinweg gleitet, Rehe erstaunt stehen bleiben um einen aus der Ferne zu beäugen, Hasen auf dem Weg herumflitzen weil sie Flame als Fuchs identifiziert haben. Und das mit einem Pferd, das ich gut kenne. Auf das ich mich verlassen kann. Ein Pferd, das mir vertraut, weil ich auch ihm vertraue. Ein Traum und ein wahrer Genuss. Ich sehe das als Geschenk. Jeden Tag aufs Neue. Aber Schluss mit Träumen, kommen wir nun zur Vielfalt der Gänge.

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No more Gangsalat!

Was die Gangvielfalt und Qualität unserer Pferde betrifft, kann ich nur empfehlen: beobachten, beobachten, beobachten! Und zwar nicht, wenn das Pferd gerade gestresst über den Platz flitzt, mit erhobenen Schweif und der Nase in der Luft. Am besten funktioniert das Beobachten in der Herde. Da könnt ihr gut sehen, welche natürliche Gangveranlagung das Pferd hat.

Wichtige Fragen, die ihr euch stellen könnt:

  1. Auf der Weide beim Spielen zum Beispiel. Welcher Gang wird bevorzugt? Ist es der Tölt? Oder trabt es lieber?
  2. Springt es auch in den Galopp?
  3. Wie sieht der Galopp aus? Ist er gesprungen oder eher gelaufen?

Und vieles mehr. So kann ich mir bei diesen Beobachtungen bereits gut vorstellen, wie dieses Tier sich unter mir anfühlen wird. Und ich kann gut Rückschlüsse ziehen. Wenn also ein Naturtölter über Stock und Stein, hoch und runter, schnell und langsam, ausschließlich im Tölt unterwegs ist, kann ich davon ausgehen, das dies (zumindest am Beginn der Reitausbildung) nicht anders sein wird. Zum Beispiel.

Anti-Gangsalat am Boden

Wenn das Pferd bereits an der Hand locker gearbeitet werden kann, kann ich auch da sehr gut beobachten. Wenn ich zum Beispiel auf meinem relativ kleinen Schritt-Zirkel Herrn Freyr aufmuntere, den nächsten Gang „einzuschalten“. Was kommt dann? Trab? Oder Tölt?

Auch auf meinen vielen Wald-Wanderungen habe ich immer sehr gut beobachten können, welche Gangart von Herrn Freyr wann bevorzugt wird. Dabei variiere ich auch im Tempo um Freyr´s „Tölt-Lieblingstempo“ herauszufinden.

Tempo, Bodenbeschaffenheit und Bewegungsrichtung spielen dabei eine große Rolle. Also: Geradeaus oder Kurve, bzw. Richtungsänderungen.

Das sind alles wichtige Informationen, die ich mir merke. So kann ich mich auf jedes Pferd individuell einstellen. Wenn ich dann aufsitze und reite, ist es wiederum meine Aufgabe diese natürliche Gangveranlagung zu fördern. Und nicht zu stören und damit diese Gänge zu ruinieren.

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Sei kein Störfaktor!

Mit „fördern“ meine ich auch das Erarbeiten einer aktiven Hinterhand über die Übungen „Schulterherein“ und „Kruppeherein“. Vor allem das „Kruppeherein“ bringt mir über einen lockeren Rücken die gewünschte Schulterfreiheit. Wenn es richtig ausgeführt ist. Mit der Schulterfreiheit bekommen wir die Leichtigkeit und die Ausstrahlung, die unser Pferd schöner und erhabener wirken lässt.

Wie du echte Schulterfreiheit erkennst

Die echte Schulterfreiheit lässt sich nicht mit Kraft erzwingen. Die Muskulatur des Unterhalses ist locker. Das Pferd ist harmonisch aufgerichtet. Die Hüfte der entsprechend vortretenden Hinterhand hat eine Bewegung nach unten/vorne. Das Pferd scheint die Vorhand geradezu spielerisch einsetzen zu können.

Wichtig ist dabei zu beachten, dass die Förderung der Tragkraft für das Pferd anstrengend ist. Es darf also nicht übertrieben werden. Ihr müsst unbedingt eine Überforderung mit anschließendem Muskelkater vermeiden.

Wir würden dem Pferd sonst die positive Motivation nehmen und es wird nicht mehr gerne mitarbeiten wollen.

„Schulterherein“ und „Kruppeherein“ sind zum Beispiel für Herrn Freyr genau deswegen im Moment noch Übungen, die ich weiter vom Boden aus erarbeite. Schon in der Bodenarbeit ist der Unterschied gut zu erkennen, ob ich einfach „nur“ antölte oder ob ich Herrn Freyr vorbereite und ihn dann aus dem „Kruppeherein“ antölten lasse. Beendet wird diese Übung immer mit einem vorwärts-abwärts-entspannen.

Das Pferd muss sich mit dem Reiter erst ausbalancieren können. Deshalb ist es gerade für ein Jungpferd wertvoll, viel geradeaus zu reiten.

Getrennte Zutaten gegen den Gangsalat

Ich reite ihn im Moment noch in seinem natürlichen Gangvermögen, trenne nach und nach die Gänge und verbringe viel Zeit damit zu geniessen! Das entspricht seinem momentanen Ausbildungsstand.

TIPP: Wenn ich einen Weg entlang reite, der vielleicht eher uneben ist und ich weiß, hier fällt Herr Freyr der Trab sogar leichter, dann werde ich mit meinem Körper auch traben. Ich trabe ihn quasi an. Dann störe ich mit dem unabhängigen Sitz seinen Rhythmus nicht. Dabei trabe ich locker mit und mein Oberkörper hat eine kleine Tendenz nach vorne.

Weniger ist mehr

Das ist wirklich nicht viel. Es ist ungefähr so, als wenn man auf einer Wippe in der Mitte steht. Da reicht eine ganz kleine Tendenz nach hinten und die Wippe kippt nach hinten. Wieder ein bisschen mit dem Oberkörper vor und auch die Wippe kippt nach vorne. Manchmal reicht es sogar aus, einfach nur den Kopf zu bewegen.

So versuche ich also zu Beginn die Gangart zu fördern, die dem Pferd gerade am einfachsten fällt. Je nach Pferd und der Beschaffenheit des Geläufes.

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Die Hausaufgaben? Herr Freyr und ich arbeiten weiter an seinen Gangarten und an der Gymnastizierung am Boden.

Das nächste Mal? Freyr gehört auf jeden Fall zu den „Tölt-Liebhabern“, er hat aber auch einen sehr schönen Trab. Was man im Tölt noch alles beachten kann, beschreibe ich beim nächsten Mal. Und zum Schluss habe ich noch ein putziges Foto für Euch. Herr Freyr nähert sich an…

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P.S.: Herr Freyr läuft übrigens seit Januar erfolgreich Barhuf. An seiner schönen Gangveranlagung hat sich dabei nichts verändert. Er hat sehr gute Hufe und kommt hier im Bienwald ausgezeichnet ohne Hufschutz zurecht.

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4 Kommentare zu “Teil 1: Trab oder Tölt? Gangsalat muss nicht sein

  1. Miriam sagt:

    Liebe Sabine,

    das letzte Bild ist ja total niedlich. Schön, wenn sich Pferd und Hund so gut verstehen. Hier ist das leider nicht der Fall. (Pony versucht nach Hund zu treten und Hund versucht Pony in die Nase zu beißen).
    Die Lieblingsgangart von meinem Pony ist langsamer Schritt mit Kopf im Gras ;). Das höchste der Gefühle ist mal ein kurzer Trab. Galopp findet er absolut unnötig. Selbst auf der der Weide galoppiert er so gut wie nie. Aus diesem Grund haben wir den Galopp noch komplett aus dem Training gelassen und ich arbeite erst Mal am Gleichgewicht im Halt, Schritt und Trab.
    Liebe Grüße
    Miriam

  2. Mary sagt:

    Hallo. Mein Isi ist 9 Jahre lang nur Schritt,Trab und Galopp geritten worden. Jetzt habe ich ihn eintölten lassen. Zu Anfang kamen wir auch super zurecht. Jetzt habe ich das Gefühl, dass er (nach Schritte verkürzen, usw) Töltet, indem er vorne töltet und meiner Meinung nach hinten trabt. Gibt es das? Woher kommt es und wie kann ich es wieder rausreiten?

    • Petra sagt:

      Hallo liebe Mary, leider kann ich dir da gar nicht weiterhelfen. Tipps zu konkreten Themen ungesehen aus der Ferne zu geben ist einfach nicht machbar – zumindest wenn es korrekt und sinnvoll sein soll. Ich kann dir nur raten, dir einen Isi-Kenner zu holen, der dir vor Ort alles ansieht und dann weiterhilft. Ganz liebe Grüsse und ich drücke fest die Daumen, Petra

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