Alles bei den australischen Horsemen Shane und Meredith dreht sich um zufriedene Pferd-Mensch-Paare. Und um so wenig Chi Chi und so viel natürliche Kommunikation wie möglich. Deswegen freue ich mich sehr, dass die beiden sich dazu bereit erklärt haben mit mir zu trainieren und mir mehr über ihre Trainingsmethode „Quantum Savvy“ zu erzählen.

Quantum Savvy Horsemanship

Quantum Savvy Horsemanship

Tipps von Shane Ransley für einfache Übungen zu mehr Versammlung und Kommunikation vom Boden aus im Video:

Wir treffen uns wieder im australischen Outback. Es ist windig heute. Die Luft ist braun von der rotbraunen Erde, die uns um die Nasen weht. Die Pferde stehen entspannt da und lassen ihre Mähnen im Wind wehen. Meredith lässt mich ihr Pferd von der Koppel holen. Ich sage „Hallo“, wir nähern uns an und ich darf den Wallach schließlich auch aufhalftern.

Quantum Savvy Horsemanship

Wir laufen zum Putzplatz und schrubben ihm den Rücken. Mehr nicht. Denn Pferde dürfen bei den Ransleys dreckig sein. Sie müssen nicht glänzen. Sie haben eine natürliche Schutzschicht, die mit zu viel Bürsten gestört werden kann. Wichtig ist nur, dass die Sattellage und der Kopf wirklich sauber sind, damit nichts reibt. Ich mag diese Einstellung.

Wir massieren den Rücken des Wallachs, um ihn aufzulockern und seine Muskeln zu lockern. Dann wird er kurz aufgewärmt mit Seitengängen.

Dann darf ich aufsteigen. Er klappt kurz die Ohren nach hinten um zu registrieren, wer da auf seinem Rücken sitzt. Dann legt Meredith los.

Quantum Savvy Horsemanship

Übung für einen lockeren Sitz

  • Knie beugen
  • Fersen strecken.
  • die Knie einmal beide zusammen, einmal abwechseln so weit wie möglich Richtung Nase ziehen
  • dann „fallen lassen“.
  • die Fersen tief in den Boden wachsen lassen.
  • dann entspannen.

Meredith schaut mich prüfend an, läuft um das Pferd herum und fragt dann lächelnd, wie ich mich fühle.

Quantum Savvy Horsemanship

Tiefergelegt

Ich fühle mich tiefergelegt. Gelassener, fester im nicht vorhandenen Sattel. Erst musste ich Lachen, aber die Übung mit den Knien hat tatsächlich geholfen, um meinen Sitz zu optimieren. Zuerst üben wir eine kleine „Biegung“. Ich soll das Seil in die eine Hand nehmen und mit der anderen langsam das Seil heruntergleiten, dann nach und nach einen nach den anderen Fingern um das Seil schließen, so lange bis der Wallach seinen Kopf zu mir wendet. Dann sofort lockerlassen. Es braucht nicht viel und schon schwingt die Pferdenase leicht und entspannt zu meiner Stiefelspitze. Das wiederholen wir ein paar Mal.

Quantum Savvy Horsemanship

Dann darf ich im Schritt reiten. Meine Hüften sollen mitwiegen mit den seitlichen Schwungbewegungen des Pferdes. Wir sollen seitwärts, vorwärts, rückwärts, Vorhand und Hinterhandweichen.

Alles ohne Zügel. Aber auch ohne Beine.

Ich soll meine Hüfte leicht drehen und mir vorstellen, wie das Pferd mit der Hinterhand weicht. Ich soll es mir ganz fest vorstellen, dann ganz leicht mit dem Bein nachhelfen, wenn die Vorstellungskraft noch nicht gut genug ist. Und nach ein paar Minuten wendet der Wallach seine Hinterhand und dann seine Vorhand. Wir laufen und gehen in alle Richtungen.

Quantum Savvy Horsemanship

Dann soll er rückwärts. Ich soll das Seil aufnehmen und mit lockerer Hand leicht zupfende Bewegungen machen. Er biegt den Hals. Ich soll weitermachen, aber er versteht nicht, was ich von ihm möchte. Meine Signale sind nicht klar genug. Er läuft leicht vorwärts. Ich soll korrigieren.

Jetzt kommt ein neues Mantra:

Meredith korrigiert ihre Pferde nicht zackig, nicht hart oder schnell oder laut. Sie korrigiert ganz leise. Sie entschuldigt sich bei ihrem Pferd für das Missverständnis und versucht ihm erneut mitzuteilen, was sie wollte.

Quantum Savvy Horsemanship

„Stell Dir vor, Du willst Dich mit einer Freundin im Cafe verabreden. Du sagst: Lass uns da vorne rechts treffen. Da sind aber ein Restaurant und ein Cafe. Die Freundin läuft los Richtung Restaurant. Du würdest sie doch nicht weiterlaufen und dann im Restaurant verwirrt warten lassen. Nein. Du würdest ihr freundlich hinterherrufen. Nein nein, entschuldige bitte, ich meinte das Cafe – nicht das Restaurant. Genauso sagt man es auch dem Pferd.“

Ich mag diesen Gedanken. Der Sinn ist der Gleiche, aber die Intention ist eine andere:

Es ist kein wütendes, dominantes „Jetzt geh aber rückwärts, Du dummes Pferd.“ – es ist ein freundliches und ruhiges „Oh nein, Missverständnis, Sorry! Ich hatte rückwärts gesagt. Wollen wir das nochmal versuchen bitte.“

Quantum Savvy Horsemanship

Ich frage also freundlich nochmal nach und tatsächlich geht der Wallach schließlich rückwärts. Ich lobe ihn und danke ihm und sage ihm damit, dass er mich richtig verstanden hat. Wir traben und galoppieren dann noch kurz und dann ist die Stunde auch schon zu Ende.

FRAGE:Wie findest du die Ideen von Quantum Savvy? Hast du auch schon Erfahrungen mit “Gymnastik auf dem Pferd” gemacht? Schreib mir deine Meinung! Ich freue mich darauf!

TEIL 1 und TEIL 2 über das sanfte Horsemanship aus Australien – findest du HIER und HIER. Darin geht es um mehr Vertrauen und Gelassenheit, darum, was Pferde wollen und wie wir mehr Vertrauen aufbauen können zu unseren Pferden.

INKLUSIVE Lehrvideos zu Bodenarbeit und Freiheitsdressur

Autor: Petra

Pferde machen glücklich. Sie sind unsere Lehrmeister, auf dem Weg zu dem besten "Ich", das wir werden können. Daran glaube ich fest. Es ist wichtig, dass wir ihnen zuhören und lernen sie zu verstehen. Dann schenken sie uns besondere Momente. Diese Momente machen süchtig. Im echten Leben bin ich professionelle Journalistin. Das versuche ich hier in die Welt der Pferde zu übertragen. Ich schreibe die Artikel, führe die Interviews und besuche die Kurse für mehr Pferdewissen. Mein Mantra: Sei ein sicherer Ort für das Pferd.

4 Kommentare zu “Quantum Savvy Reiten: Einfache Trainingstipps für Reiten und Bodenarbeit

  1. Petra Skodowski sagt:

    Ich habe mit Rai Reiten vor 12 Jahren angefangen zu reiten.Ich hatte das große Glück, eine richtig tolle Pferdefrau als Reitlehrein zu haben.Auch ihr war es immer sehr wichtig, dass man aud die Gefühle der Pferde eingeht und sie gut behandelt. Auch beim Rai Reiten wird nur die Sattellage geputzt, damit der natürliche Hautschutz nicht zerstört wird. Leider ist meine Reitlehrin, die auch meine Freundin war, im letzten Jahr gestorben. Nach einem kurzen Ausflug in die Westernreiterrei habe ich jetzt das Reiten aus der Körpermitte nach Sally Swift für uns entdeckt und da ist Gymnastik auf dem Pferd gang und gebe ,macht
    Spass und verbessert den Sitz.

    • Petra sagt:

      Liebe Petra, das freut mich sehr, dass du schon am Anfang eine Pferdefrau gefunden hast, die dich inspiriert hat. Ich selbst habe mich nur theoretisch mit dem Rai Reiten beschäftigt. Wie bei jeder Methode hängt es sicher auch vom Trainer ab. Mir fehlt dabei, ein bisschen die gesunderhaltende Gymnastizierung, also Biegungen und Stellung usw. für den schön bemuskelten Rücken. Aber die Idee von Gebisslosem und pferdefreundlichem Reiten finde ich toll. Sally Swift ist aber auch eine sehr gute Adresse, das ist sicher spannend und lehrreich. Liebe Grüße, Petra

  2. David sagt:

    Grüß Dich.

    Ich finde die Notwendigkeit der Komunikation auch absolut wichtig und vor allem sehr spannend. Die Vorstellung mein Pferd einfach zum Arbeiten abzuholen finde ich auch ..naja sagen wir, unbefridigend 🙂
    Beim lesen kamen mir die Worte eines Japanischen Schwertmeisters wieder ins Gedächtniss der sagte mann solle sein System so üben als würde man es selbst erfinden.
    Dies scheint mir bei allem was man tut essentiel zu sein, Dinge oder Systeme nicht einfach ab zu arbeiten sondern sie mit Leben zu füllen, kreativ zu sein. Oft wird ja nach “der einen richtigen Methode” gesucht aber wir (Pferd u. Mensch ) sind ja schließlich individuen und man muss schauen was für beide am besten passt.
    Die ausgesprochene Höflichkeit der Kommunikation in dem Artikel ist für mich sehr inspirierend und ein schönes Beispiel wie alles bei unserem Denken beginnt.

    In diesem Sinne Herzlichen Dank dass Du es möglich machst, an einem grauen verregneten Tag, so viel Positives in mein Haus zu bringen :))

    Schöne Grüße

    David

    • Petra sagt:

      Hallo David, Kommunikation ist der Anfang von allem, ab der ersten Sekunde. Oft wird sie vergessen. Das ist schade, denn die Menschen verschenken damit sehr viel. Ich schaue mir meine kleine Madame schon von weitem an und prüfe wie sie auf mich reagiert. Geht der Kopf sofort hoch oder erst beim zweiten Ruf, weil die Nase im Heu steckt. Dann weiß ich schon, dass sie mir an diesem Tag vermutlich nur die letzten 10 Schritte entgegenkommen wird und nicht schon loslaufen wird, bevor ich meinen “Hallo-Ruf” starte. Ich weiß auch genau, wie das Training wird – je nachdem wie fordernd sie ihr Leckerli versucht zu verlangen, wenn wir das Gatter geschlossen haben und die Weide verlassen. Ich denke, dass es wichtig ist viele verschiedene Wege kennenzulernen, um dann den richtigen Weg in jeder Situation für das Pferd und sich selbst herauszufinden. Ich mag deswegen die Trainingsideen von Shane und Meredith von QS sehr, weil beide sehr viel Wert auf Höflichkeit und gegenseitigen Respekt legen und freue mich, dass dir die Gedanken gefallen. Also ganz herzlichen Dank für deinen Kommentar und liebe Grüße an dich und dein Pferd, Petra

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